was ich fühle? hm, trauer, wut, mitleid, unverständnis, die reihenfolge wechselt sich ab.
wut: na, die ist ja irgendwie klar ..
mitleid: ich weiss so ein bisschen, wo es herkommt. er tut mir leid, dass er mit manchen dingen nicht umgehen kann. aber da hört es auf. neben dem mitleid ist das unverständnis grösser.
unverständnis: wie kann man immer wieder aufhören und dann wieder anfangen? wie kann man wissen, dass man alkoholiker ist, süchtig ist, und nix tun? wie kann man nicht einfach mal sagen: "ich brauch hilfe", das verstehe ich nicht. geht gern einher mit der wut, das nicht verstehen. vor allem, wie kann man einem menschen (mir) so viel mitgeben und trotzdem so viel wegnehmen?
schuld: tja, er?
naja, das wie kann er nur halt: auch das wie kann er zulassen, dass andere ihn so treffen, so dass er glaubt, trinken zu müssen? und vor allem gleichzeitig mir das gefühl geben, dass ich das nie nötig hab? und so weiter und so fort.
und trotzdem hab ich ihn lieb, meinen vater. ...schon kompliziert das ganze, oder?
na wenigstens bin ich meine schuldgefühle los, über das nicht da sein, und das nichts tun. (ok, meistens ... manchmal grübel ich halt noch) .. hat es doch was gebracht, sich damit eingehend zu beschäftigen.
Beiträge von superunknown
-
-
Tag Cando,
also mein vater ist auch nicht der typische alkoholiker aus den vorstellungen anderer zum thema, schön wars/ists trotzdem nicht.
zum 2. ... du kannst einen rückfall nicht verhindern! ich wünsche mir sehr, dass ich das könnte, mein vater fällt immer wieder zurück. mal mehr mal weniger. ich wünschte, er würde sich hilfe suchen, ich hab ihn drum gebeten, gebettelt, gehofft, ich hab geflucht, geschimpft, geweint .. hilft alles nix.
wenn dein vater zur flasche greift, dann tut er das, egal, was du tust. es sei denn, er will hilfe. da kannst du ihm dann vielleicht ne telefonnummer suchen, aber zur therapie muss er schon selber gehen. er muss es wollen.
das einzige, was du tun kannst, ist dich zu distanzieren. klingt hart, ist aber so. hilf dir selbst, das ist das beste, was du tun kannst. -
anna: überforderung? ... ich könnte dir jetzt von massenhaft streits erzählen, von meinen ausrastern, weil er ja sooo unsensibel ist, von meinen forderungen, dass er riechen muss, warum mir was nicht passt. ... zu meinem vater kam dann auch noch eine (wenn auch kurze und gottseidank schnell beendete) mistbeziehung "vor ihm", die mich sehr verunsichert und verletzt hat.
da er aber ein sehr lieber mensch ist und voll und ganz zu mir steht ist es besser geworden, als ich mich endlich getraut habe richtig mit ihm zu reden ohne vorwürfe wie "warum merkst du nicht" "warum hast du nicht" und so weiter. jetzt, wo ich einordnen kann, woher meine gefühle kommen, kann ich sie bennenen und ihm mitteilen und er kann gemessen darauf reagieren (was er auch ganz wunderbar tut). ich kann meine sorgen mitteilen, meine wut, mein gegrübel, aber dafür musste ich die dinge benennen lernen. das hat übrigens sehr lange gedauert, aber wenn ich jetzt mal wieder neben mir stehe und einen streit vom zaun breche, dann weiss er wenigstens warum.
wir sind übrigens bei dem thema oft nicht einer meinung, er ist auch ganz anders aufgewachsen, aber verstehen tut er mich trotzdem.
ich sag mal reden, reden, reden, ohne vorwürfe und ohne nachtragend zu sein, oder einfach mal sagen "ich bin traurig wegen meinem vater" oder " ich weiss da grad nicht so richtig mit umzugehen". und auch sagen, was du von ihm willst. dann kann er das einordnen.
mein partner kann mir inzwischen sogar sagen, hey ich hab da ehrlich grad kein kopf für, bei mir geht alles drunter und drüber, und das kann ich akzeptieren ohne ausraster
er hat es auch nicht immer leicht (gehabt mit der familie) und kann ja nicht immer nur mir zuhören.
oh, und ich kann inzwischen einfach mal platzen, und dann danach denken wie dämlich ich manchmal bin um dann furchtbar drüber zu lachen.
ich wünsch dir alles gute! -
Zitat von berkel
Hallo!
Ich habe hier von Euch von vielen Verhaltensmustern gelesen, die ich auch an mir wiedererkannt habe. Was kann ich denn dagegen tun? Wie kann ich da am besten an mir arbeiten?
Das ist jetzt zwar furchtbar allgemein von mir, aber das lässt sich ja noch ausbauen

immer schön kleine schritte machen und sich trauen. mach ich auch grad. ich denke immer, dass ich eh nichts zu melden habe und sämtlicher input von mir unerwünscht ist, jetzt tu ichs mal trotzdem

man soll sich ja nicht zu wichtig nehmen, aber irgendwie scheine ich auch "unfreiwillig gelernt" zu haben, dass es immer was wichtigeres als mich gab. haben wahrscheinlich viele hier.ich hab mir genau überlegt, welche verhaltensmuster ich gar nicht mag und welche einfach als eigenschaft zu mir gehören.
erstere versuche ich, schritt für schritt zu ändern, wobei ich inzwischen sogar kleine zwischenerfolge "feier" warum auch nicht? jahrelang erlerntes oder getanes lässt sich irgendwie nicht von heut auf gleich ändern.
letztere habe ich akzeptiert und versuche, sie nicht extrem werden zu lassen. aber da ja niemand perfekt ist, klappt das nicht zu 100%, aber soweit, dass ich die "macken" mag und sie zu mir gehörig empfinde.
jetzt mag ich meinen dickschädel, denn da hängt der eiserne wille mit dran, der mir zu eigen ist.
ich akzeptiere auch, dass ich ein chaoskind bin und mich gerne verzettel, dem wirke ich mit wirklichen zetteln entgegen. dann vergess ich weniger. und das planen wird leichter. so mal als beispiel.
bei dem "wichtig nehmen" pendel ich immer noch häufig in extremen. ich freue mich da über jeden erfolg und jeden ton, den ich treffe, wenn ich mal wieder entweder fürchterlich "unwichtig" bin oder zu laut krakele um halt mal wichtig zu sein wenns fehl am platze oder unnötig ist. dafür kann ich mich jetzt auch für mein selbsterkanntes verhalten entschuldigen, wenn dies nötig ist. und ich bin auch nicht mehr so beleidigt, wenn man mich darauf aufmerksam macht. kleiner zwischenerfolg, der mich freut. -
überraschend friedlich und alkoholarm.
mein vater hatte getrunken, als ich ankam, mir aber gesagt, ich solle ein taxi nehmen.
mag jetzt zwar irgendwie schräg klingen, aber ich fands gut. ich kann ihn nicht vom trinken abhalten, bin aber froh, dass mein gerede über trinken und fahren zumindest bei mir gefruchtet hat. vor allem, da er sonst doch immer wieder fährt und ich dann sauer bin.
an weihnachten war er sämtliche tage nüchtern, sämtliche abende auch. hat mich trotzdem fahren lassen, und das schieben übernommen. dafür musste ich aber beim schneeschippen helfen.
meine mutter war auch entspannt, musste aber leider recht viel arbeiten.
ich war sehr überrascht und hab mich einfach mal gefreut. wir hatten ein paar sehr schöne tage. hab meinen vater selten so fröhlich kuchen mümmeln sehen. hab es einfach mal als ein extra-geschenk gesehen und die tage genossen.
dazu kommt, dass die fürchterliche tante zu hause geblieben ist.
das freunde besuchen war allerdings nur bedingt möglich. nur alles in laufentfernung, wetterbedingt.
ich bin aber trotzdem froh, wieder in meinen vier wänden zu sein.
-
hallo fatima,
jepp, das kenn ich. der Vater ist so einer. immer wieder lange trockene phasen, dann wieder hi und da n bier, dann wieder bier jeden abend, dann wieder schnäpschen, dann wieder nichts ...
ich für meinen teil sehe ihn als alkoholiker. (nicht alle in der familie/im umfeld tun das) auch wenn er nicht ständig betrunken in der ecke liegt, nicht lallt, nicht ungepflegt aussieht. er ist ein alkoholiker, er sollte es an sich auch wissen und er sollte auch wissen, dass er keinen alkohol anrühren darf.
er tut es aber immer wieder und das ist seine sache. was soll ich reden, meckern, schimpfen, wenn er trinkt? macht die sache nicht beser, aber mich so fürchterlich müde.
ich habe mich daran "gewöhnt". ich weiss einfach, der nächste rückfall kommt. wenn ich zu besuch fahre, weiss ich oft nicht, was mich erwartet. ich stelle mich aufs schlimmste ein und freue mich, wenn er eine trockene phase hat, oder in meiner gegenwart nichts trinkt.
ich "schnüffle" nur kurz an ihm, wenn ich da bin. dann weiss ich bescheid.
hat er eine trockene phase, so geniesse ich den vater, so wie ich in mir wünsche, gleichzeitig weiss ich aber, dass es beim nächsten mal ganz anders aussehen kann. es wirft mich nicht mehr so stark aus der bahn. ich habe es für mich akzeptiert. (was noch lange nicht heisst, dass ich mich nicht doch ab und an ärger oder mir sorgen mache, aber das ist eine andere geschichte)
das ist auch das einzige, was ich dir raten kann. akzeptiere es als alkoholsucht und finde deinen weg, damit umzugehen. ein "rezept" kann ich dir aber leider nicht geben.
wichtig ist, dass es für dich irgendwie einen umgang mit der situation gibt, dass du klarkommst damit. denn helfen können sich die menschen nur selbst.
ich wünsche dir alles gute! -
deseperado: kompromiss? ist es möglich, dass du einen tag bei deiner familie verbringst, ohne ihn? muss ja nicht heiligabend sein, aber so könntest du beides unter einen hut bringen.
davon mal abgesehen ist weihnachten auch ohne alkoholiker in der familie nicht immer einfach. vielleicht will er einfach nicht. vielleicht ist es ja auch für ihn möglich, einfach nicht zu müssen, daheim zu bleiben und sich vielleicht anderweitig zu verabreden. wenn er das will. mag ja sein, dass das für manche nichts ist, aber ich denk mir seit jahren, bevor es mich stresst, feier ich lieber getrennt. sind der partner und ich bisher immer glücklich mit gewesen. -
ich werde recht lang zu haus sein, aber mich auch mit vielen bekannten treffen. da freu ich mich immer wie hulle drauf. effektiv bin ich die meiste zeit nur zum schlafen und zum frühstück zu haus.
dieses jahr feiern wir das erste jahr mit "fremden", naja der mutter und oma meines freundes ... es gab da noch keine familienzusammenführung. da mein vater unter fremden nicht trinkt (könnt ja auffallen, und die leute über ihn bescheid wissen und ihn schief angucken), wird der abend schon mal entspannt.
da ich spät abends verabredet bin, krieg ich den rest nicht mit.
am nächsten morgen ist er nüchtern und die family kommt zu besuch. da graust es mir ein bisschen vor. das plus: der trockene onkel kommt, das könnt gut sein. (ja, mein vater ist bei weitem nicht der einzige in der familie) ist es eigentlich immer, wenn sich die herren verziehen und plaudern.
die gruseltante kommt aber auch, und wenn die da ist, gabs bisher aber fast immer schnäpschen im keller. die nichte ist aber auch da, da gibts eigentlich nix. bin mal gespannt. die konstellation hatten wir noch nie.
ich stell mich mal auf alles ein, aber an sich freu ich mich auf meine eltern. der herr verweigert sich zwar immer noch einer therapie, aber er spendet wieder blut und plasma, und da er angst vor reaktionen hat, "traut" er sich nur nach einer langen trockenphase. hat er wohl grad. (schon traurig, wie man die verhaltensmuster der eltern kennt, was?)
bisher war weihnachten immer sehr friedlich. hab aber auch nur auf mich aufzupassen. meine fluchtmöglichkeiten sind auch aktiviert, mein partner in der nähe, es kann also kaum schiefgehen. -
Versuch geglückt. Ich hab dem Grübeln jetzt eine Art "Platz" eingeräumt. Sozusagen Sprechzeiten. Da kann es kommen mit seinen Sorgen und Ängsten. Scheint zu funktionieren. Das Grübeln nutzt die Sprechzeiten grad sehr selten

shirley: nein, ich finde dich nicht makaber. Ich frage mich auch viele Dinge: eg, wer kümmert sich, wenn sie einfach nicht mehr können? Wie sauer bin ich, wenn es wirklich am Alk lag? Werde ich mich in einem hätte-wäre-wenn-Kreis drehen, wenn sie nicht mehr da sind? Das ich sie vermissen werde, ist klar, auch wenn der Vater trinkt.
Frozen: Ja, ich achte schon auf mich und meine Süchte. Ich weiss, dass ich suchtgefährdet bin, und achte sehr darauf, dem nicht zu verfallen und Dinge einfach nicht zur dummen Gewohnheit verkommen zu lassen. Ansonsten merke ich immer wieder, wie schwer es ist, Leuten klar zu machen, dass man zb nichts trinken will, weil man das doch früher auch immer gemacht hat. Und keinen Grund braucht, um nicht zu wollen. Mein Freundeskreis hat sich da schon verkleinert.
wie meinst du das mit der richtigen Partnerwahl? Davon mal abgesehen, dass ich glaube, sehr gut gewählt zu haben obwohl er eine angeknackste Persönlichkeit hat, denke ich, dass es kaum noch jemanden gibt, der nicht einen Knacks hat. Die Frage ist, wie man damit umgeht

-
tareco: nicht im selben ausmass, ich glaube keine zwei personen sind im selben ausmass geschädigt. jeder hat schliesslich andere grenzen.
allerdings: ja, ich glaube, auch ohne ein eka zu sein, kann man "elterngeschädigt" sein. da kenne ich einige, und die gründe sind da sehr vielschichtig. und nicht alle liegen auf der hand, manch einer hier würd wahrscheinlich bei manchen gründen denken "mensch, DAS hätt ich zu hause auch gern gehabt" -
hallo spock,
ja berichte mal, wie es dir so ergeht. ich bewundere deinen mut sehr, dich so bewusst zu lösen, mein lösungsprozess war eher schleichend und teilweise unbewusst (als hätte mein hirn gewusst, was das beste für mich ist) und auch beileibe noch nicht am ende.
und über die freiheit: ja, die will ich auch nicht mehr missen und eigentlich noch etwas mehr. also verteidige ich sie mit händen und füssen, auch wenn ich da schon den ein oder anderen mit verletzt habe. sie tut mir einfach zu gut.
ich habe auch festgestellt, dass es nicht egoistisch ist, sich selbst als priorität zu sehen, denn dann geht es mir besser und ich bin für das umfeld, was mir wirklich am herzen liegt und ganz besonders mir selbst gegenüber einfach die bessere person, die, die ich eigentlich sein will. -
Vivian1: hm, du hast da grad was auf den punkt gebracht: ich hoffe heimlich, dass er für mich aufhört, auch wenn ich will, dass er für sich aufhört. total unlogisch.
und was manchmal auch schlimm ist, dass er immer wieder die hoffnung schürt, dass es besser wird. er hatte immer wieder phasen, in denen er nüchtern (trocken kann man das wohl kaum nennen) war, aber jede neue, fremde oder unangenehme situation wirft ihn zurück. eine therapie kommt ihm aber nicht ins haus. heut hat er allerdings angerufen, das tut er nur, wenn er schon etwas länger nüchtern ist, klang gut gelaunt, lebensfroh und unternehmungslustig. das nährt immer wieder ein bisschen die hoffnung, dass er es diesmal doch schafft, dass er sich hilfe sucht. auch wenn ich weiss, dass der nächste rückfall nicht weit ist. das leben hält schliesslich beinahe täglich neue, fremde und unangenehme situationen bereit.
... entschuldigt bitte, dass ich hier immer von hüh nach hott schweife, aber es fühlt sich ganz gut an, dinge mal loszuwerden und das gefühl zu haben, einfach mal verstanden zu werden in seinen kruden gedankengängen
-
marcello: stimmt schon, aber das hält meinen kopf nicht davon ab, an und an einen eigenen spaziergang zu machen
allerdings hat mein eigenes leben in den letzten tagen sehr besitz von mir genommen, da hatte ich regelrecht keine zeit zu grübeln. und es macht sehr viel spass, mit vielen positiven dingen zu hantieren.
und aussprechen hilft. einfach mal laut aussprechen bei jemandem, dem ich vertraue hat (mal wieder) einiges in die richtige bahn gelenkt.
so ganz habe ich mich noch nicht entschieden, wie ich dem vater das nächste mal entgegentrete. ich werde nicht wegbleiben von zu hause, da ich zu sehr an dingen hänge, und ich habe gute "fluchtmöglichkeiten" dort. jetzt muss ich mir nur noch darüber klar werden, ob ich nicht einfach anfange zu schweigen. reden hat es bisher ja nicht gebracht. aber ich finde es traurig, da ich das gefühl habe, mich extrem von den eltern zu lösen, was sich trotz allem nicht fair anfühlt, mir und ihnen gegenüber. auch wenn ich rein rational weiss, dass dies nicht so sein sollte. ... na, da werd ich auch noch einen weg finden. *kopfschüttel* ..wann kommt der tag, an dem ich mir da keine sorgen mehr drüber mache? da hilft wohl nur weiter stur seinen weg gehen und zusehen, dass man sich nicht überfordert und es einem immer gut geht mit den entscheidungen.heidi: es tröstet mich tatsächlich, zu wissen, dass es anderen ähnlich geht. auch wenn es ein sehr trauriger trost ist.
sollte ich einen wirklich sicheren weg finden, das grübeln zu vermeiden, werde ich das bestimmt mitteilen! -
Hallo Engel,
ich kann dir nur erzählen, was mir gutgetan hat als ich noch zu Hause war: ich habe mich häufig zurückgezogen, war bei Freunden, habe im Cafe gelernt um möglichst wenig direkt mitzubekommen. Und ich habe immer und immer wieder was gesagt, auch wenn der Haussegen dann ganz schief hing. Dann bin ich halt wieder gegangen. Das hab ich für mich getan, weil ich einfach nicht schweigend zuschauen konnte. Ob das nun richtig oder falsch war, weiss ich nicht. Mir tats gut.
Am besten tat mir aber allerdings der Auszug. Da konnte ich Abstand gewinnen, meine Gedanken ordnen und mir überlegen, wie ich am besten mit der Situation umgehe. Inzwischen klappts ganz gut, wenn ich auch immer mal wieder grübel, wütend bin oder enttäuscht wenn ich daheim war zu Besuch.
Davon mal abgesehen kannst du deiner Mutter nicht helfen, da muss sie selbst drauf kommen. Du kannst nur dir selbst helfen. Welcher Weg da der der richtige ist, kann ich dir nicht sagen. Meiner hat mich einige Male in die Sprechstunde beim Uni-Psychologen geführt.
Ich wünsche dir alles gute! -
Liebe Heidi,
es gibt Reha-Massnahmen, die auf "Sonderernährung" spezialisiert sind. Da ist grad jemand, den ich kenn, der hat Mit-Reha-Patienten, denen Organe fehlen und die jetzt wieder "Essen Lernen" müssen. Allerdings weiss ich nicht, wie man daran kommt. Vielleicht kann das KH da helfen? Oder die Krankenkasse?
Ich weiss zb auch, dass ich mir hier Lebensmittel liefern lassen kann. Ob das eine Möglichkeit ist, die Situation ein bisschen zu vereinfachen?
Schämen brauchst du dich ganz und gar nicht.
Ich wünsch dir alles Gute! -
marcello: vielen dank für eine so schnelle antwort.
es stimmt schon, es gibt positive seiten.
vielleicht sollte ich einfach stolz sein, auf das, was ich in meinem verhalten und denken erreicht habe, die wenigen positiven aspekte mitnehmen und es dabei belassen (ja, es gibt positive seiten, das offene auge, die kraft und die ruhe, die ich in mir entdeckt habe und die gesunde skepsis)
ich glaube auch, du hast recht. ich habe mich regelrecht bewusst gegen die alkoholabhängigkeit entschieden, auch gegen den missbrauch einer anderen droge. ich vermisse sie nicht (und noch weniger den tag danach). die zigaretten werde ich auch eines tages in angriff nehmen. ich arbeite dran.
ich glaube auch, dass man in der phase des aufwachsens und erwachsenwerdens genügend dellen erhält, da braucht man nicht noch eine alkoholsucht bei den eltern. diese scheint so fürchterlich vermeidbar und ist auch dann da, wenn man nur sehr wenige unschöne momente erlebt hat und der vater doch eigentlich immer da war und gut war. es ist immer dieser stich, der da ist, wenn ich sehe, dass er trinkt. wo er doch so ein wunderbarer mensch ist ... und es noch viel mehr wäre, würde er nicht trinken.
was mich leider nicht immer vom grübeln abhält. dem ich gerade wieder zu verfallen drohe. dieses grübeln entsteht häufig, aber nicht mehr immer, nach der konfrontation.
von daher, eine gute nacht, ich grüble morgen weiter. oder gebe zumindest mein bestes, dies zu tun. der kopf muss jetzt ein bisschen aus. -
ich bin: kind eines alkoholkranken vaters.
ich habe: mich schon vor langer zeit von meinem elternhause gelöst. gelernt, dass ich nicht helfen kann. selbst, wenn er es wollte. ich kann nur da sein, wenn er den schritt macht.
ich habe nicht: schlimme erinnerungen der kindheit. keine gewalt. kein verheerender missbrauch. kein hass. wohl wut. aber in gemäßigten bahnen. (die schlimmen erinnerungen wollte mir mal wer einreden, aber sie sind einfach nicht da. ausser der sorge, des sich wünschens, helfen zu können)
ich habe: trotz allem immer wieder eltern, die ich sehr lieb habe. die mir aber auch sorgen bereiten. auch wenn ich weiss, dass ich das kind bin und bleibe, bis zum ende. ich sorge mich aus der ferne um seine gesundheit, und, da er immer noch unfallfrei im besitz seines führerscheins ist, um das wohlbefinden anderer.
ich habe: immer wieder diese kleinen stiche, wenn ich zu besuch im elternhause war.
ich habe auch: den ein oder anderen persönlichkeitsknacks, den man halt hat, wenn man mit einem alkoholkranken vater aufwächst. zum beispiel einen gehörigen respekt vor dem alkohol. ein kleines bisschen verschliessen. ein bisschen stärker den frühen wunsch zur selbstständigkeit gespürt. kleine dinge, die ich gut im griff habe. keine zerstörerischen beziehungen. ein gesundes ego. einen hang zur sucht habe ich auch. zu zigaretten, bei allem anderen fragte ich mich eines tages, ob ich so enden wollte und habe dies mit einem klaren nein beantwortet. keine drogen, wenig alkohol (man ist das schwer, den menschen klarzumachen, keinen wein zum essen trinken zu wollen, so ganz ohne grund)
ich habe: mehrere male mit meinem vater geredet. mit mehr oder weniger einfluss. eher weniger. helfen kann er sich nur selbst. zur therapie zwingen kann ich ihn nicht. würd ja auch nichts bringen. er kennt meine meinung. er lebt mit den konsquenzen. sehen tun wir uns eh nicht häufig. ist er zu besuch, so trinkt er nicht. tut er es doch, und merke ich, er will entdeckt werden, sage ich: vater, wenn du trinken willst, musst du das tun. wenn du das nicht willst, dann musst du dir hilfe suchen. ich kann sie dir nicht geben, ich kann nur da sein und dich auf deinem weg begleiten. (was ich auch gern möchte, wenn er denn bereit ist, auszusteigen. ist er aber nicht. also begleite ich ihn auch nicht.) wenn er nicht entdeckt werden will, sage ich, dass ich weiss, dass er trinkt. er soll es ruhig wissen. hängt mit den konsequenzen zusammen: rieche ich alkohol, weigere ich mich, von ihm mit dem auto gefahren zu werden. ich bitte ihn um die schlüssel, die er mir bisher auch immer gegeben hat. ganz vom fahren kann ich ihn nicht abhalten. auch dann nicht, wenn ich da bin. (das mit dem autofahren, ist das einzige, was ich ihm abnehme. es könnten andere zu schaden kommen und ich könnte nicht ruhigen gewissens neben ihm sitzen.)ich frage mich: wie geht ihr damit um? zu wissen, dass ihr richtig handelt, die sucht als krankheit versteht? euch gelöst habt. und doch immer wieder diese ohnmacht verspürt, zu wissen, dass ihr nichts tun könnt? ausser das, was ihr schon macht?
was tut man da, ausser sich mantraartig vorzubeten, dass man nichts tun kann. schreien, brüllen, wütend werden macht die sache nicht besser. im gegenteil.
was tut man, wenn man sieht, dass die mutter ihn schützt? und sie alles tut, ihre kinder (erwachsen, sehr erwachsen) zu "schützen" und schweigt? wegsieht? ich weiss, auch sie kann nicht helfen, versucht ihn aber immer wieder in seinen versuchen, dem alkohol zu entsagen, zu begleiten.
eine therapie weist er weit von sich. "seelenstriptease" sei nichts für ihn.
zwingen können wir ihn nicht. gegangen bin ich. andere zum gehen zu bewegen kann ich auch nicht. nur reden kann ich mit den menschen. sie wollen nicht gehen. (wollte ich auch nicht, aber es tat gut, zu sagen: nein, ich muss das nicht mit ansehen. und besser wir es auch nicht, wenn ich bleibe. nur mir gehts schlechter)
was kann noch ich tun, für mich?ich komme wieder von einem dieser besuche, und bin wieder ein wenig traurig. wie man sich vielleicht vorstellen kann.