Beiträge von Sonnenblümchen

    Hallo Ragna,

    es sind zum Teil auch so "Kleinigkeiten"...ich bin ein Mensch, der andere nicht kontrolliert. Jeder soll die Dinge tun, der er/sie für richtig hält. Und wie oft hab ich in diese Kiste geschaut, in der letztens der Flachmann versteckt war...wie oft hab ich vor einer Schranktür gestanden und gedacht "Nein, die machst Du jetzt nicht auf, Du kontrollierst nicht". Und, wohlgemerkt, es ist ausschließlich meine Wohnung und es sind meine Schränke, die kann ich öffnen, so viel ich will...da dreht sich so eine Spirale im Kopf...

    Worüber ich mir gerade Gedanken mache, ist folgendes: Ich habe mich oft gefragt, wo SEIN Tiefpunkt ist. Er hat doch alles verloren, was ein Mensch nur verlieren kann, und säuft immer noch. Jetzt frage ich mich: Wo ist MEIN Tiefpunkt? Wie tief muß ich noch sinken, bis ich endlich den Mut und die Kraft finde, aufzustehen und "NEIN" zu sagen? Reicht es nicht, angelogen, betrogen, hintergangen zu werden? Reicht es nicht, daß mir Schläge angeboten werden, ich mit den übelsten Schimpfwörtern bedacht werde? Daß ich in meiner eigenen Wohnung beklaut werde? Wie kopfkrank ist das denn...

    Ja, ich rede mir immer wieder ein, daß das doch alles gar nicht so schlimm ist. Er hat ja nichts gemacht. Vom Verlust der 50 Euro werde ich nicht verhungern. DAS IST KRANK!!!

    Er hat mir erklärt, er habe nicht geklaut, und als ich ihn fragte, was es denn sei, das Eigentum eines anderen zu nehmen, ohne zu fragen, erklärte er mir, das sei Verzweiflung. Ne ne, die Hilflosigkeitsmasche verliert gerade gewaltig an Zugkraft...

    LG

    Ich hab jetzt mal überlegt...was bindet mich an ihn?

    Er ist in vielen Dingen wie ein kleines Kind. Süß, liebevoll, anlehnungsbedürftig. Seine Hilflosigkeit, seine Überforderung in vielen Sachen des täglichen Lebens, das rührt mich an...er weiß nicht, was er tun soll...das ruft in mir so einen Beschützerinstinkt hervor. Und doch, er weiß doch sehr genau, was er tun soll. Er ist nicht hilflos. Zumindest nicht dann, wenn es ums Trinken geht. Er weiß doch sehr genau, wie und wo er seinen Stoff versteckt. Wie und wo er (zumindest seiner Meinung nach) heimlich trinken kann.

    Was macht es mit mir, wenn ich weiß, in der Tasche, die einen Meter von meinem Bett entfernt steht, sind wieder mal Vorräte gebunkert? Daß ich nur einen Meter entfernt von seinen Pullen in seinen Armen liegen und schlafen soll? Verar... komm ich mir vor. Daß ich mich in meiner eigenen Wohnung nicht wohfühle, weil ich ständig vermute, um irgendeine Flasche herumzuschleichen? Daß ich nicht einmal mehr mein Eigentum offen herumliegen lassen kann, weil es sonst weg ist? Daß ich mich nicht mehr traue, den Mund aufzumachen, weil sonst wieder üble Demütigungen kommen?

    Wo ist da eine beschützenswerte Hilflosigkeit? Ja, es steckt sicherlich auch viel Verzweiflung dahinter, so wie er es mich glauben machen will. ABER es ist weder der richtige Weg für mich (und für ihn auch nicht), so damit umzugehen, noch birgt dieses Verhalten eine Chance auf Besserung.

    Wahrscheinlich schreib ich später noch mal was...bin gerade mitten im Gedankenkarussell...

    Hallo zusammen,

    Spedi, ich danke Dir für Deine Fragen, die mich echt zum Nachdenken anregen. Vor allem: Ich sage ja, ich will das alles nicht. Warum mache ich es dann?

    An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Geschichte erzählen. Ich wollte in diesem Sommer gerne in den Urlaub fahren. Solche Aktionen kann sich mein Alkoholiker finanziell nicht leisten. Ich habe mir gedacht, wir sind eh kilometerweit auseinander, es macht sowieso keinen Unterschied. Also habe ich meine Koffer gepackt und bin gefahren. Allein. Das habe ich nur für mich gemacht. Und jetzt der "Casus knaxus". Die Tage konnte ich genießen. Und dann kamen die Abende. Ich habe Veranstaltungen besucht, Sehenswürdigkeiten besichtigt, bin ausgegangen. Ich fand es teilweise sehr schlimm. Ich fand es schlimm, an Veranstaltungen teilzunehmen, wo außer mir tausende von Paaren oder Familien waren. Ich hab mich schrecklich gefühlt. Und jetzt spricht mein Ego wieder zu mir: Siehst Du, Du kannst gar nicht alleine glücklich sein. Du hättest gerne jemanden an Deiner Seite. Du kannst viel, sehr viel für Dich alleine tun, aber es gibt immer wieder Momente, wo Du stundenlang rumheulst, nur weil niemand da ist, der z. B. ein Feuerwerk oder auch nur das Sitzen auf einer Bank mit Dir teilt. Der mit Dir Deinen Traum leben will.

    Allerdings besteht mein Traum, und das wird mir beim Schreiben dieser Zeilen klar, nicht darin, auf einen Menschen zu warten, der mal wieder eine Nacht im Park verbringen will und blutend und besoffen im Hausflur liegt...

    Hallo Hopeful1975,

    ich kann Dir nur erzählen, wie es bei mir ist, vielleicht erkennst Du das eine oder andere wieder. Das Thema Hoffnung war eigentlich immer präsent. Wenn ER trocken ist, haben WIR eine Zukunft. Wenn ER aufhört zu trinken, kann ICH glücklich sein. Das war sehr lange der Grundgedanke. Leider ist das kompletter Nonsens. Doch es erwuchs eine Hoffnung daraus. Hoffnung auf einen gemeinsame, glückliche Zukunft. Was ist Hoffnung bei genauerer Betrachtung? Etwas, das uns aushalten läßt. Das uns viel ertragen läßt, weil sich ja in unserer Vorstellung etwas Entscheidendes ändert. Leider ist es meist der Partner und nicht man selbst. Unter dem Deckmäntelchen der Hoffnung erduldet man eine ganze Menge, schraubt sich zurück, schweigt, leidet. Es wird ja irgendwann mal besser. Hoffnung hindert uns manchmal daran, aufzustehen, Grenzen zu setzen und seinen Weg zu gehen.

    Das soll jetzt nicht überheblich klingen, bitte nicht falsch verstehen. Ich kann Deine Fragen leider nur zu gut verstehen. Auch mein persönlicher Alki war auf Entgiftung, auch ich habe mich gefragt, wie ich mich verhalten soll. Ich war ja noch stinksauer vom Vortag, aber er wollte ja etwas ändern...Hoffnung kam auf...von daher, ist echt nicht böse gemeint.

    Hi drybabe,

    habe Deinen Beitrag gerade eben gelesen, und auch zu Dir kann ich nur sagen: Ja, Du hast recht und auch ich sehe, daß meine Situation sich nicht ändern wird, wenn ich nichts ändere.

    Ganz wichitg finde ich Deinen Appell: Sei Dir wichtig. Und ich muß hier in der Anonymität ;) des Internets zugeben: Ich bin mir nicht wichtig. Ich weiß, daß das nicht der Lehrer ist, der mich in ein glückliches Leben führt (auch ich hab eine Geschichte, wie wir alle, an der man sehr deutlich merkt, daß das so ist).

    Ich habe mich in den vergangenen Jahren intensiv mit mir auseinandergesetzt, viele Dinge mit mir bearbeitet, viele Dinge erkannt, auch etliche kranke Strukturen und Verhaltensmuster. Und jetzt kommt wieder der Punkt, wo mein Exkremente-Ego fragt: Du hast Dich mit Dir auseinandergesetzt, Du hast Dich bemüht, und was ist dabei rausgekommen? Also bitte, war doch alles für den Mülleimer. Du bist es nicht wert, wirklich geliebt zu werden.

    Übelst, wenn ich das so lese, was ICH da schreibe...

    Hallöle Spedi,

    ich denke, mit Deinen Fragen hast Du einen ganz wichtigen Punkt angesprochen und ich will sie auch entsprechend beantworten.

    Ja, es ist sogar noch ein bißchen länger als diese acht Monate...nicht viel, aber wenn mir eine Freundin diese Geschichte erzählen würde, müßte ich mich woh derbe übergeben. Mach das nicht einen Tag, würd ich ihr sagen und sie schimpfen, sich so nicht behandeln zu lassen.

    Natürlich sträubt sich bei der Frage, ob ich es mir nicht wert bin, alles in mir...natürlich bin ich es mir wert, schreit mein Ego. Doch darunter weiß ich ja, daß es ganz offensichtlich nicht so ist. Auch hier kommt wieder die Spaltung Verstand/und nein, es ist nicht einmal Herz, sondern eher Angst, zum Vorschein. Mein Kopf weiß sehr genau, daß das, was ich tue, falsch ist. Mein Herz weiß sehr genau, daß ich ihn trotz allem lieben kann, ihn für einen wunderbaren Menschen halten...stop, nein, das bedeutet jedoch nicht, daß er mein Partner ist. Ich will damit sagen, daß ich keinen Haß aufbauen muß/soll. Und jetzt kommt das Stichwort Angst. Anscheinend ist da eine ganze Menge von. Die kleinen Stimmen, die da flüstern: Dann bist Du allein...vielleicht hat er doch recht, und Du bist so schlecht, wie er sagt...er gibt sich solche Mühe mit Dir (-> schlechtes Gewissen), wir haben alle unsere Fehler...Du bist gemein, wenn Du ihn verläßt, Du hast es verdient, so behandelt zu werden. Beim Lesen in diesem Forum habe ich gemerkt, daß das recht weit verbreitete "Argumente" sind, von denen ich weiß, daß sie genauso dumm-traurig wie das "Ich-muß-ja-Schnaps-trinken-weil-ich-Bier-bei-Dir-nicht-darf" sind.

    Lust auf Veränderung...fühle ich mich wohl in meiner Situation? Nein, natürlich nicht. Was hält mich? Faulheit, Trägheit...auch hier denke ich, Angst. Vor dem Verstoßen-werden. Ich will es endlich schaffen, daß mich auch einmal ein Mensch liebt. So einen Quatsch argumentiere ich vor mir selbst.

    Deswegen auch das besagte Foto und der "Film" in meinem Kopf. Ich will es dazu nutzen, mir immer wieder klarzumachen, daß ich keine Schuld an seiner Sucht trage, aber für mich eine Verantwortung. Das Schwierige ist für mich, dieses Wissen auch in Taten umzusetzen. Theorie und Praxis, weißt Du, was ich meine?

    Wie soll ich anfangen...hab schon ein paar Mal hier geschrieben, und auch ich habe (natürlich) meinen persönlichen Alkoholiker, doch diese Geschichte nur in Kurzform. Er war vor einigen Wochen übers Wochenende bei mir, nachdem er zum 39489237. Mal trocken war...alles gut. Ich blieb skeptisch. Er kam wieder...immer noch alles gut. Ich blieb skeptisch. Am 4. Tag verwandelte er sich wieder in das Monster, das ich kenne...ich tippe auf Entzug. Und wie schon so oft packte er mich da, wo es am meisten weh tut: Er drohte, zu gehen. Packte, wie so oft, seine Reisetasche und teilte mir mit, daß er im Park schlafen würde. Na, soll er doch, mein Hintern wird da nicht kalt. Einige Stunden später ein tränenreiches Telefongespräch, er würde bitte wiederkommen wollen...torkelte die Treppen rauf und lag besoffen im Hausflur. Tolle Sache. Ich habe ihm gestattet, auf der Couch zu schlafen, was er auch tat. Am nächsten Tag fand ich einen völlig dekompensierten Menschen vor, der sich an nichts erinnern konnte und mich bat, ihn in eine Klinik zu bringen. Habe ich getan. Aufnahmewert 4 Promille...

    Die Tage im Krankenhaus war er wieder der Mensch, den ich einst kennengelernt habe. Sogar seine rote Säufervisage wandelte sich in ein Gesicht, unglaublich.

    Die Zeit nach dem Entzug...na ja, er hat's zwei Tage ausgehalten. Dann folgten wieder die üblichen Beschimpfungen. Und mal wieder drohte er, zu gehen, packte seine Taschen und verschwand im Park. Ach ja, es hat geregnet, wie schade für ihn. Auch diesmal kam er wieder.

    Und jetzt zu dem, was ich erzählen will: Ich habe es mir angesehen. Habe mich bewußt ans Fenster gestellt, als er sein Kommen ankündigte. Habe mir angesehen, wie er mit seinen Reisetaschen die Straße langtorkelt. Habe ihn reingelassen. Habe mir bewußt angesehen, wie er im Flur steht und schwankt, sich nicht mehr auf den Beinen halten kann. Sein Gesicht. Ihn. Habe mich ihm gegenüber gesetzt und mir seine bösen und beleidigenden Worte angehört, sein verquollenes Gesicht angesehen, die verschwundenen Augen. Ich habe sogar ein Foto gemacht, das ich mir immer wieder anschauen werde, sollte mich eine Erinnerung an schöne Zeiten überkommen. Ein Foto, auf dem er aussieht wie der letzte Mensch. Ein Foto, das ihn so zeigt, wie er sich benimmt. Und nicht das, was ich in meinem Herzen trage.

    Ich habe wie ein Tonband seine Sprüche in mir aufgenommen, wie sehr ich lüge, ihn betrüge, wie viele Probleme ich habe, und daß man mit mir ja keine Beziehung führen kann...und auch das nächtliche Konzert aus dem Wohnzimmer, das aus "Fuck-you-Rufen" bestand. Und damit übertöne ich sein "Ich-liebe-Dich-Geschwafel".

    Er sagte mir, wenn er bei mir sei, müsse er ja Schnaps trinken. Daheim trinke er abends (ja, angeblich nichts), nein, eine oder zwei Flaschen Bier oder ein Glas Wein, damit würde er gut klarkommen. Bei mir dürfe er das ja nicht, deshalb müsse er Schnaps trinken...wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen...Logik eines verspritteten Hirnes. Und clever ist er...er konsumiert jetzt Miniflaschen, die er nach dem Austrinken sofort entsorgen kann, und ich ja nichts finde...er hält sich für sehr clever...

    Na ja, und als ich dann feststellen durfte, daß er mir auch noch 50 Euro geklaut hat, kommt der junge Herr jetzt vorerst nicht ins Internet. Wie dumm, daß er meinen Stick benutzt (ja, zahlen darf ich den)...und ich den habe sperren lassen. Ooops, hat er sich deshalb noch nicht gemeldet (das war jetzt Ironie)?

    Ach so, es tut ihm leid. Er möchte bald wiederkommen. Er liebt mich. Ach ja...wie war das doch gleich...ach ja, "fuck you" war die Parole der Nacht.

    Vielleicht kann der/die eine oder andere was damit anfangen...

    Guten Morgen Junebug,

    eigentlich kann man in so einer Situation nichts Aufbauendes sagen...egal, was es ist...vielleicht hilft es Dir etwas, wenn ich Dir sage, daß ich mit Dir fühle?

    Nein, wahrscheinlich nimmt er es nicht ernst. In seiner Welt gibt es sowas nicht. Genauso wenig, wie er ein absolut abhängiger, süchtiger Alkoholiker ist. Es ist für ihn genauso wenig real wie das Leben, was er tatsächlich führt.

    Ich wünsche Dir, daß Du trotz allem einigermaßen gut schlafen kannst und zur Ruhe kommst.

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo Grazia,

    ja, ich versteh schon...also, irgendjemand hat irgendwann mal etwas zu mir gesagt, was eine weitreichende Reaktion ausgelöst hat...ok, das ist doch zumindest mal eine Arbeitshypothese...und es hat mit Schweigen zu tun, sich nicht beklagen dürfen, eigentlich damit, gar nichts sagen zu dürfen...mir ist ja vom Verstand her klar, daß ich nicht das Todesurteil über jemand anderen spreche, aber es hat mich viele, viele Jahre deutlich beeinträchtigt bzw. tut es das heute noch! Und es hilft auch beim "Überleben" (ist ja alles nicht so schimm), aber halt nicht beim Leben!!!

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo und mittlerweile guten Morgen!

    Da bin ich der Stimme auf der Spur ;) , und nicht nur das.

    Ich glaube nicht, daß es die Stimme der Erziehung ist, sicherlich habe ich auch mal gehört, daß irgendetwas halt nicht so schlimm ist, jedoch nicht als Grundtenor. Ganz im Gegenteil, mir bzw. uns wurde immer deutlich gemacht, daß ich/wir ein Recht haben, Dinge abzulehnen, nicht alles akzeptieren müssen. Ich (bleib jetzt mal beim Ich) wurde sogar aufgefordert, ruhig meine Probleme und Erlebnisse zu schildern...mir fällt halt nur an meinem Verhalten auf, daß ich ein großes Problem damit habe. Es ist sogar so, daß ich mich schäme, Dinge zu erzählen, vor mir selber herunterzuspielen. Daß ich in vielen Situationen (und das als Kind noch viel öfter als heute) einfach eine Riesenangst hatte, irgendetwas zu berichten. Ich durfte das nicht! Und ich weiß nicht, wer es mir verboten hat...ich hatte immer fürchterliche Angst, daß irgendwas ganz Schreckliches passiert, meist hatte es was mit Tod zu tun...ganz knapp formuliert: Wenn Du das jetzt tust/sagst, stirbt jemand, der Dir wichtig ist. Und was habe ich geschwiegen...und vor mir selbst heruntergespielt...

    Soooooo, das ist also die Story meiner "Stimme", oder ein Echo, oder wie immer man es nennen will. Auch heute noch sind zumindest Reste davon in mir zu spüren.

    Soweit erstmal...mal sehen, ob ich heute schlafen kann!

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hi Junebug,

    ja, wir sind wohl an einem sehr, sehr ähnlichen Punkt! Wir sind ja räumlich getrennt, diesen Schritt habe ich eingeleitet. Zum Schluß hat mich auch sehr vieles genervt, auch wenn er sich (teilweise sicherlich aus dem schlechten Gewissen heraus) sehr viel Mühe gegeben hat. Unterbewußt immer dieses: Du hast doch getrunken! Was soll das jetzt? Und dann gibt es da noch den, wie Du sagst, tollen Menschen, um den es auch mir unglaublich leid tut. Der so liebenswert ist. Der, wenn ich es richtig verstehe, genau so verzweifelt ist wie man selbst.

    Und dann wieder die Frage: Was spiegelt dieser Mensch in mir? Ich möchte jetzt einfach mal auch Verständnis für mich erwerben, weißt Du?

    LG,
    Sonnenblümchen

    Schon wieder ich...aufschreiben befreit irgendwie...

    Der Schmerz, das, wovor wir uns alle schützen wollen! Der Schmerz als Manifestation der Angst, ging es mir gerade so durch den Kopf...Angst vor dem Alleinsein, Angst vor dem Verlassenwerden, Angst vor dem Verstoßenwerden, kennen wir ja alle wahrscheinlich. Die ewige Suche nach der Liebe. Und Angst macht blind.

    Wenn ich jetzt mal unterstelle, daß ich Angst vor der Verlassenwerde habe, ist es ja so, daß eben das Verlassenwerden einen riesigen Schmerz in mir auslösen müßte. Oha, da wird mir anders! Nein, das darf nicht passieren, ist die menschlich logische Konsequenz. Also schaltet sich mein Warnsystem ein: Davor habe ich Angst, das will ich nicht erleben, das darf einfach nicht sein. Und diese Angst regiert mich, beeinflußt mein Denken und somit auch mein Handeln. Ich klammere. Dann kannst Du mich ja nicht verlassen. Ich halt Dich ja fest. Und ich tue es ja nur aus Liebe...

    Angst macht blind...und ich sehe einfach nicht...noch mehr Angst...Teufelskreis...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo Ihr Lieben,

    Ihr habt mir wieder viel Anstoß zum Nachdenken gegeben. Und, wie es der Zufall ;) so will, zwei Threads über mir ging es um das Thema, mit dem ich mich heute nacht auseinander gesetzt habe...Art der Beziehung...was davon ist Phantasie, was davon ist real und was wünsche ich mir eigentlich???

    Ich möchte hier noch einmal eine Frage stellen (sorry für die doppelte Thematisierung). Was ist das für eine "Stimme", die immer wieder (bei mir zumindest schon jahrzehntelang) sagt: Alles nicht so schlimm, halb so wild, stell Dich nicht so an...eine Aufforderung zum Verdrängen...und auch immer wieder das Gefühl, manche Dinge nicht mit "Nein" beantworten zu dürfen...

    Und ja, Aurora, ich kann so einiges wiedererkennen!

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo,

    unglaubliche Zufälle ;)

    Junebug, Du schreibst gestern nach um 1 dieses posting...etwa zur gleichen Zeit habe ich mir Gedanken um die Art meiner Beziehung gemacht...

    Ist es (noch?) die Beziehung zwischen Mann und Frau, die ich mir als solche vorstelle? Oder ist es mehr Therapeut/Patient, Mutter/Kind, Freunde, Gegner...was ist es? Du sagst für Dich ganz klar, Du hast ein Kind weniger, wenn Du gehst. Kinder, was empfinden wir für sie? Verantwortung, das Bedürfnis, für sie da zu sein, ihnen beim Großwerden helfen und sie dafür bewundern...ist es das, was Du für Deinen Mann empfindest?

    Gedanklich kreise ich um den Punkt, WAS genau empfinde ich und frage Dich deshalb auch hier: Was genau ist es, was Du für Deinen Mann empfindest?

    Auch wenn es nicht gerade zum Thread hier paßt, in einem anderen habe ich mal die Frage gelesen: Woher kommt die "Stimme", die immer wieder sagt: Alles halb so schlimm. Nichts passiert Stell Dich nicht so an. Kennt Ihr das auch?

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hi Ragna,

    ja, genau das meinte ich! Ja, wir Menschen tun alle nichts ohne Grund...man tut das, wovon man sich etwas verspricht, was man zumindest gut für sich hält...

    Ich weiß auch nicht, wie man zitiert ;-), sonst würd ich es jetzt machen "Ist unsere Gutmütigkeit dann nicht reiner Egoismus gewesen, um mehr selbst geliebt zu werden?" Mir geht's grad wieder im Kopf rund. Ist unsere "Gutmütigkeit" nicht auch ein kleines bißchen versteckter Selbsthaß, auszuharren in einem Zustand, der einen traurig macht? Steckt da nicht diese gewisse Philosophie hinter, die da lautet: Wenn ich jetzt leide, wird es mir hinterher besser gehen? Die uralte Schuld- und Sündenfrage?

    Grüblerisch und LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo Ragna,,

    ich philosophiere mal wieder so vor mich hin...Theorie und Praxis...ja, Theorie verstehen ist nicht das größere Problem, nein, theoretisch weiß ich ja, um was es geht.

    Mal so als Beispiel. Ich KANN mit jemandem leben, der trinkt. Klar, ist ja nicht mein Problem. Ich KANN mich auch jahrelang Sch... fühlen, mich belügen lassen, mich hintergehen lassen, immer wieder Hoffnungen hegen, immer wieder glauben, man schafft es zusammen, all das kann ich. Davon sterbe ich nicht. Aber WILL ich das? Anscheinend ja, denn sonst wäre ich ja nicht hier. Und WOZU will ich das? Grübel...

    Und WOZU verkrieche ich mich permanent in meiner Heulecke? Die Suche nach dem Sinn, nach dem Verstehen und Begreifen...es gibt einen, da bin ich mir sicher...hoffe ich...ein Hoch auf die Psychosomatik und meinen rebellierenden Magen!

    Vielleicht hat die ganze Alkohol-Geschichte mir mal wieder eine Endlosschleife in meinem Leben präsentiert...meine eigene Angst vor dem Verstoßenwerden oder sowas. Vielleicht...

    Genau, die Phantasie, eine Illusion dessen, was er sein könnte! Eine für mich sehr schöne Definition von Illusion ist "Fehlwahrnehmung"..."Denkfehler" oder auch "Irrtum"...in meiner Phantasie ist er ein wunderbarer Mensch, mag sein, daß er das tief drinnen auch ist. Wahrscheinlich sogar. Nichtsdestotrotz habe ich in meiner unendlichen Beklopptheit, ihn gefunden zu haben, so vieles durchgehen lassen. Moment - lasse ich mir selber auch so vieles durchgehen? Verschwimmende Grenzen?

    Bevor ich hier zu weit abschweife, erst mal Pause...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo nochmal,

    wollte mal wieder berichten...

    Co-Abhängig, ja...nachdem ich ja die kranken Muster in meinem Beziehungsverhalten allgemein erkannt habe, geht's doch nun mal weiter mit meiner aktuellen Situation. In einem Thread hab ich hier gelesen, es geht auch darum, daß die Gedanken ständig darum kreisen, wie und wo der andere jetzt ist...ich glaub, ja, da hab ich ein Problem. Ja, verdammt, ja!!!

    Ich komme mir an freien Tagen manchmal so vor, als ob ICH derjenige wäre, der ein Alkohoproblem hat, aufstehen ist eine Qual, nachts aufwachen mit Magenschmerzen...ist das krank...

    Mist...

    Hallo zusammen!
    @ Ragna - Das kann ich gut verstehen, alles, was man so liest und hört, bezieht man unbewußt in erster Linie auf sich! Aber ja, so ist das, nein, so ist das nicht...kenne ich ;)

    Ich glaube zwar, wir kommen vom eigentlichen Thema des Threads ab, aber ich würd trotzdem noch gerne was schreiben. Wenn man mal alle persönlichen Einzelheiten weglegt und sich einfach das Grundschema anschaut: Der nicht-trinkende Teil der Partnerschaft/Freundschaft/Familie sagt: Warum denkst Du nicht um und hörst auf mit diesem Verhalten? Hier möchte ich mir bitte mal an die eigene Nase fassen und sagen: Warum denke ich nicht um und höre auf mit meinem Verhalten, zu erwarten, zu hoffen? Ich darf meinen Partner ja lieben, das muß ich mir ja trotz allem nicht verbieten. Ich darf ihn auch hassen. Als diskutable Antwort auf das Warum: Weil sich so an der Situation nichts ändert und keiner der Beteiligten vorwärtskommt.

    Das geht auch in die Richtung von dem Neuanfang, den ich mal so in den Raum geworfen habe. Nur mal als Beispiel: Angenommen, die Beteiligten haben jetzt beschlossen, wieder zueinander zu finden. Ohne ein inneres Umdenken bleibt doch bei dem Nicht-Trinker oft oder sogar immer die Befürchtung, der andere könnte weitertrinken. Und immer eine gewisse Distanz, ein Aufpassen, eine mehr oder weniger gesunde Vorsicht. Wie es bei dem trinkenden Teil aussieht, kann ich nicht abschließend beurteilen, vielleicht kann ja jemand was dazu sagen, der es weiß? Also, was ich sagen will, ist: NEU, sozusagen eine neue weiße Leinwand, die beschrieben werden kann. Was dabei herauskommt, kann ich natürlich auch nicht sagen...

    Puh, das war jetzt aber viel und viel Philosophie...falls es nicht hierher paßt, bitte verschieben, aber Eure Meinung interessiert mich auf jeden Fall!

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hi nochmal,,

    Du, das war nicht auf Dich und Deiner Situation persönlich bezogen! Mir ist nur einfach aufgefallen, daß die Partner/innen der Trinker "immer wieder Schluß machen", genau so wie die Trinker "immer wieder aufhören".

    Und auch das mit dem Neustart war eher allgemein gehalten, bitte fühl Dich nicht in eine Verteildigungshaltung gedrängt! Klar, wenn keine Gefühle mehr da sind, was soll es da noch? Ich meinte eher so ein Paar, das halt trotz allem irgendwie noch was gemeinsam hat, und daß es da meiner Meinung nach keinen Sinn macht, einfach wieder nahtlos anzuknüpfen. Es waren Deine Worte, die mich inspiriert haben!

    LG
    Sonnenblümchen