Beiträge von Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,

    hab mir den Thread mal durchgelesen...und mir ist da was aufgefallen, eine Ähnlichkeit...

    Ragna, Du schreibst, eigentlich waren die Trennungen nur Unterbrechungen, nichts Endgültiges (ich weiß nicht, wie das mit dem Zitieren funktioniert). Das ist im Prinzip nichts anderes als die vielbeschriebene "Trinkpause".

    Ich denke, wenn eine Beziehung (nochmal) klappen könnte, dann nur unter der Voraussetzung: Keine Pause, sondern ein endgültiger Neustart. Kein Alkohol mehr, keine Beziehungspause, kein erase and rewind, sondern NEU oder gar nicht.

    Nur meine Meinung...

    Hallo zusammen,

    ja, das sind so die Punkte, die insgesamt eine ungesunde Beziehung ausmachen, denke ich, also so ein "Machtgefälle"...weit weg von gleichberechtigter Partnerschaft...nicht gesund, nicht gut, und, wie Du ja schon sagst, auch nicht ausschließlich auf Alkoholiker begrenzt, solche "faulen" Strukturen gibt's auch anders, genausowenig gesund! Der Partner muß ja irgendwie bei mir bleiben und umgekehrt, und auch hier denke ich: Nicht müssen, wollen!

    Ach Claudie, das "Finden" ist bei mir ja auch erst ne Woche her...was mir sehr geholfen hat, war die Aussage, daß Alkis ihr Zeugs nicht verstecken, weil sie das lustig finden und Dich für dumm halten. Das hatte mich sehr gestört...ich fand es wichtig, zu verstehen, welche kranken Schemata da in so Hirnen ablaufen, und daß all die Aktionen nicht gegen den anderen gemünzt sind...aber es gibt hier viele, die Dir sicherlich Hilfe und Ratschlag geben können!

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hi Melanie,

    ja, Du hast vollkommen recht, wenn Du sagst, daß aktzeptieren (muß ja nicht gut finden heißen) die wohl einzige Lösung ist! Und Dein Beitrag hat mir einen weiteren Denkanstoß gegeben!!!

    Mein Ex ist nicht schuld an meinem Selbstbild, genau so wenig wie ich an seinem...ich verteidige ihn hier mal, auch wenn das jetzt vielleicht verrückt klingt...wir waren ja nicht jahrelang zusammen, ich hab nicht für ihn gelogen (nein, mein "engerer Kreis" weiß komplett Bescheid, von Anfang an), ich hab ihm nie seinen Stoff besorgt und ich habe auch alle "Androhungen" konsequent durchgezogen...mein dämliches Selbstbild hatte ich ja vorher schon...und wenn ich es weiter hege und pflege, ist die nächste Katastrophe ja vorprogrammiert!

    Die Welt ist ein Spiegel, und ja, ich habe mich in vielem bei ihm wiedererkannt, also nicht in konkreten Dingen, aber von der Grundstruktur her...und es ist unfair, von ihm Dinge zu verlangen (sprich: Hör auf, Dich selbst zu hassen) und selber nichts anderes zu tun...und habe auch einige Dinge aus meiner Vergangenheit besser zu verstehen gelernt...viele Begebenheiten haben sich "aufgelöst", Dinge, die mit ihm gar nichts zu tun haben...

    Hoffe, das war jetzt nicht wieder zur wirr, aber bei mir ist einiges an Verstehen und Verständnis eingezogen, und irgendwie auch für mich selbst...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hi Melanie,

    da hast Du genau das beschrieben, was ich ausdrücken wollte! Und daß sich eben dieses Schema unabhängig von meinem Ex, dem Alkohol oder was auch immer abspielt...und das ich eben diese Angst jetzt spüre und nicht nur "im Kopf wahrnehme und geradebügele". Ein jahrelanger Begleiter, und ich will ihm zuhören.

    Habe (wieder einmal) angefangen, Tagebuch zu schreiben und diesmal so, daß ich all das wirre Zeug da reinschreibe, was mir so im Kopf umhergeht. Worte wie Machtlosigkeit, passiert mir nie mehr und so finden da Platz. Und eben ganz viel Angst.

    Die Welt da draußen ist ein Spiegel des Inneren, heißt es doch. Und ich frage mich auch: Was spiegelt da? Welche Dinge, die ich an anderen "da draußen" anklage, stören mich selbst so sehr an mir, daß ich sie verleugne? Der konkrete Anlaß ist natürlich mein Ex, und daß er sich einfach nicht seiner Sucht, seiner Angst, seinen "Dämonen" halt, stellt. Klage ich es deshalb so an, weil auch ich nicht wage, in mich zu schauen? Was denke ich von mir, was für ein schlimmes, nicht liebenswertes Ding ICH bin? Und da geht es nicht nur um Eigenschaften, sondern um das "Sein"...hoffe, ich bin jetzt nicht zu philosophisch geworden.

    Und ja, es ist ein Unterschied, etwas nur zu wissen oder es zu fühlen...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,

    bei mir geht grad einiges im Kopf rund. Mir ist klargeworden, daß ich auch vor dem Schmerz davonlaufe, ihn nicht spüren will. Obwohl ich weiß, daß ich ihn annehmen sollte. Mir anschauen, was er mir sagen will. Ihn zu verleugnen bringt nichts...und nicht nur das, ich habe Angst. Nicht Angst vor meinem Ex, ich kann es gar nicht beschreiben, kennt einer von Euch das Gefühl? Und auch die Angst will ich nicht, obwohl ich mir die wohl ganz besonders gründlich anschauen sollte.

    Vielleicht liest sich das ganz klar und strukturiert, vielleicht total wirr...so fühlt es sich auf jeden Fall an...

    Ein Schema bei mir selbst...unabhängig von den Menschen, mit denen ich mich umgebe...kann's gerade nicht so beschreiben, könnt Ihr das verstehen?

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,

    ist halt so ein Prozeß...es erst sehen bei anderen, dann bei sich selbst...interessante Erfahrung!

    Und dann immer noch dieses blöde Gefühl: Du hast in Deinem Leben auch schon so viel Güte und Geduld erfahren, so viele Menschen haben Dir geholfen, jetzt ist es an der Zeit, daß Du auch mal was gibst...

    Nur so ein Gedankengang...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Superunknown, das ist schon schwierig, weil wir alle in unserem Unterbewußtsein oder wo auch immer ja Machtlosigkeit mit etwas Negativem verknüpft haben...vielleicht mit Unfähigkeit, vielleicht mit gemachten schlechten Erfahrungen, aber hier läuft es wohl nach solchen Schemata ab. Und was nicht sein darf (in diesem Fall Machtlosigkeit, darf halt auch nicht sein, deshalb wird es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft). Und schon steckt man mitten in der Spirale...

    Ich versuch mal, es für mich als "Zurücktreten" zu verstehen, nicht als etwas Negatives...puh...

    Hallo zusammen,

    ich bin keine EKA, sondern lese und schreibe "eigentlich" im Co-Forum, aber aus irgendeinem Grund hat's mich hierhin verschlagen :-).

    Und siehe da- das, was Ihr da schreibt, spricht mir aus der Seele...eigentlich ja doch wissen wollen, was da so passiert...und diese Machtlosigkeit, ja, und das Sich-Aufbäumen dagegen, ist bei mir trotz anderer Konstellation nicht anders! JA, ich bin machtlos in dieser Situation! Und ich weigere mich, es mir einzugestehen! Ich kann NICHTS machen und das ist schrecklich für mich! Ich kann lieb, nett, wütend, böse, was auch immer sein, ich kann nichts ändern...außer vielleicht, die Machtlosigkeit anzunehmen...

    Um es mal so zu sagen: Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber für mich...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,

    da bin ich mal wieder!

    Erstmal danke für Euer virtuelles Ohr :-)!

    Ich finde die ganze Geschichte so abstrus...erzähl mal kurz, und irgendwie hat es fast schon was von bissiger Situationskomik. Der erste große Ausfall, der vor Weihnachten, passierte genau am Abend, bevor er am nächsten Morgen in den Zug steigen wollte, Ironie des Schicksals?

    Und die aktuelle Nummer, na ja, wir haben ja in den vergangenen Monaten sehr lang und ausführlich über das Thema Alkohol gesprochen. Wie stolz er ist, welche Zukunftspläne er/wir hat/haben, bla bla offensichtlich. Nun ja, die große Selbsttäuschung, ist ja auch nicht so ungewöhnlich. Und im Prinzip haben wir genau das Szenario durchgesprochen, das nun passiert ist. Ich hab ihm ganz klar gesagt, daß ich der Meinung bin, wenn er saufen will, dies heimlich tun würde (nein, würd er nicht, das würd ich ja merken), daß er dann die Flaschen im Kasten der Klospülung verstecken würde (ne, aber nen knappen Meter davon entfernt), und daß er Wodka saufen würde, weil er denkt, man riecht es nicht. Und GENAU das alles ist passiert...ich glaub manchmal fast, er WOLLTE "erwischt" werden, also, so abgezockt oder dumm kann man doch nicht sein, oder?

    Zur Zeit hält sich der Herr bedeckt, hat mir mitgeteilt, daß er sich schämt (ja, er hat auch allen Grund) und sich entschuldigt. Und er hat den Weg begonnen, es geht aber nicht von einem Tag auf den anderen, aber er bleibt auf dem Weg (ich frag mich nur wohin, vielleicht mal wieder auf die Intensivstation?)

    Sie sind wie die Vampire...aussaugen, an Gefühl alles aus einem rausziehen...

    Und ja, in einer funktionierenden Partnerschaft wäre ich für meinen Partner da...aber er auch für mich!

    Grummel so vor mich hin, bestimmt meld ich mich später nochmal ;)

    LG,
    Sonnenblümchen

    Ich schon wieder...hoffe, daß jemand mitliest...

    Ich bin so sauer...ja, auf meinen Ex, wen auch sonst...und auch, wenn das jetzt kindisch klingt...wirklich gut geht es mir nicht, ist ja auch normal nach einer Trennung. Und wütend bin ich...ja, wir hatten uns doch versprochen, füreinander da zu sein. WO ist er denn jetzt? Also, ich meine, jetzt bräuchte ich mal eine Schulter zum Anlehnen, und ich will nicht ÜBER ihn reden, seine Fehler mit Dritten ausdiskutieren, nein, sollte es in einer funktionierenden Partnerschaft nicht so sein, daß man solche Dinge MITEINANDER bespricht?

    Sorry, aber das macht mich gerade echt stinkig. Bei allem Verständnis dafür, daß er ein Problem hat, aber wenn ich ihm nur halb so wichtig wäre, wie er es immer tränenreich behauptet hat, wenn es wirklich das Schlimmste für ihn ist, wenn ich ihn verlassen würde, wären WIR dann in so einer Situation? Und verdammt ja, es tut mir weh, den Menschen verloren zu haben, nicht den Trinker. Und WO, verdammt noch mal WO ist jetzt der Mann, der mir geschworen hat, mich glücklich zu machen?

    Sorry, aber das mußte jetzt mal raus.

    Schon wieder da...kann nicht schlafen...hab mir ganz viel hier durchgelesen und so viele Sachen wiedererkannt...

    Er war niemals gewalttätig zu mir oder hat auch nur damit gedroht, das nicht. Aber ich kann mich (auf einmal?) an Begebenheiten erinnern, Streitgespräche, in denen er dermaßen verletzende Sachen gesagt hat, auch hier nicht in Form von Schimpfwörtern oder Beleidigungen, sondern eher psychologisch...am nächsten Tag wußte er nichts mehr davon oder hat es zumindest so gesagt. Ich hab geglaubt, psychische Ausnahmesituation...klar, weil voll...er hat sich wortreich entschuldigt und angegeben, er schäme sich in Grund und Boden...klar, weil voll...

    Ich glaube, er lebt in einer Welt, in die auch er eigentlich nicht möchte. Bin ich verrückt, weil mir das leidtut? Ich sehe ihn mittlerweile als irgendwie kleinen Jungen, der auf einer Eisscholle steht und soooo gerne ins richtige Leben möchte, aber leider, leider kann er nicht durch das Meer von Alkohol schwimmen, das ihn umgibt. Meinem Seelenfrieden tut es gut, all den Groll gegen ihn loszulassen. Meine Rachgedanken, meine Wut, meinen Haß.

    Und wenn ich mir jetzt solche Situationen wieder zurückrufe, ich kann sie aus einem anderen Blickwinkel sehen...ist das jetzt durchgedreht?

    Es ist Wehmut, die da in mir ist. So, als ob ich in ein Boot steigen und über das Meer fahren würde...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Hallo,
    hab die Zeit genutzt, um mir (auch in Gesprächen mit anderen, die mir sehr geholfen haben) klar oder zumindest klarer zu werden.

    Ich denke auch, obwohl die Ansage kam "ich solle alles Vergessene wegschmeißen", daß ich zumindest den Teddy nicht dem Müllschlucker opfern werde. Das hat er nicht verdient, finde ich. (Und im Klo ertränken, nein, das kann ich nicht ;) ).

    Ich hab mich mit dem Thema "Alkohol und Lüge" beschäftigt...und glaube nun mittlerweile, daß er nicht mal "gelogen" hat im eigentlichen Sinne...er lebt wohl in einer sehr, sehr demütigenden und anstrengenden Welt...ständig sein Gewissen im Nacken, Selbstlügen, all das...und es tut mir leid. Nicht er tut mir leid, denn er ist ein erwachsener Mann und kann sich in jeder Sekunde entschließen, mit dem Saufen aufzuhören (sorry für diesen Ausdruck). Es tut mir leid um den Menschen, den er in Fesseln gelegt hat, um den Menschen, der nie frei sein durfte, der nie gelebt hat.

    Ich bin nicht mehr wirklich wütend, weil er mich (nochmals sorry) dermaßen beschissen hat, angelogen und für dumm verkauft. Ich glaube nicht, daß das seine Intention war. Ich bin nicht mehr traurig, weil ich mich wie Dreck fühle. Ich bin traurig, weil ein wunderbarer Mensch aus meinem Leben gegangen ist.

    Und ich glaube mittlerweile sogar, daß der Moment der Konfrontation ihm mehr weh getan hat als mir.

    Ich hab es zumindest geahnt...er mußte seine Lebenslüge aufrecht erhalten, obwohl es hierfür keine Chance gab.

    Also Sachen ab in einen Sack und den Keller, Teddy überlebt...

    LG,
    Sonnenblümchen

    Habe gerade mal versucht, aufzuräumen...er hat ja sehr schnell seine Sachen gepackt und ist weg...ich soll das, was er vergessen hat, wegschmeißen...

    Er hat so ziemlich alles vergessen!!! Es fehlen lediglich ein paar Hosen und Shirts, ansonsten ist noch soooo viel da...versteh ich nicht...gut, Pullover braucht er jetzt ja grad nicht wirklich, Shirts, seine Lieblingsschuhe, seine Zahnbürste, sein Handyladegerät...alles noch da...vor allem der Teddy, der ihn seit Jahrzehnten begleitet...

    Bin grad echt durcheinander und für eine Antwort dankbar!

    Hallo,

    das Paradoxe ist ja, daß ich mir trotz allem noch Gedanken um ihn mache...und mein wohl typisches schlechtes Gewissen...diese Geschichten habt Ihr hier im Forum ja wohl 1000x gelesen.

    Was ich mir vorwerfe? Abstruse Dinge. Ich hab ihm doch versprochen, auch in schlechten Zeiten für ihn da zu sein, ihn nicht zu verstoßen. Ich hab's versucht, wir haben soviel zusammen probiert und gemacht, auch in Hinsicht auf seine/unsere Zukunft. Jetzt fühle ich mich schäbig, weil ich ihn auf die Straße gesetzt habe (wo er hin ist, weiß ich nicht, ich nehme mal an, nach Hause, aber das sind 600 km).

    Ich wollte, daß es ihm gutgeht. Ich habe hinter all dem ganzen Gedöns einen wertvollen und hilflosen Menschen gesehen, der absolut liebenswert ist. Aber es reichte wohl nicht. Versagt.

    Ich wollte ihm Vertrauen entgegenbringen, etwas, das er wohl seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Ist mir auch nicht gelungen.

    Und ich weiß, daß diese Argumentationen Schwachsinn sind...

    Hallo Lindi,

    schön, daß Du da bist...
    Was in mir vorgeht? Ich bin erstaunlich ruhig...ja, ich war traurig, ich war wütend, ich war enttäuscht. Im Moment bin ich ganz ruhig, bleibe da, versuche, nicht an Zukunft oder Vergangenheit zu denken.

    Geheult hab ich, als ich ihn heute morgen vor die Tür gesetzt habe. Als ich das Etikett auf der Flasche gesehen habe. Wütend war ich, als er mich angelogen hat. Daß die Flasche da seit Urzeiten liegen würde, daß er sie getrunken hätte, wenn er davon gewußt hätte. Als sie heute morgen leer war, habe er sie in den Ausguß geschüttet. Das hat mich wütend gemacht. Daß er mich noch beschimpft hat.

    Wie fühlt sich mein neues Dasein an? Noch unbestimmt. Es tut mir leid um einen wunderbaren Menschen, etwas, das wir alle sind. Frei, daß ich mir keine Sorgen mehr machen muß. Frei von den Schuldgefühlen, daß ich ihm nicht vertraut habe.

    Ich bin eher der Kaffee-Typ (und kann da wunderbar nach schlafen ;) ).

    Wahrscheinlich hast Du recht, ein schöner Tag. Ich muß es nur noch zulassen, das auch empfinden zu dürfen.

    LG

    Hallo zusammen, ich hoffe, es ist noch jemand online...

    Hab viel gelesen und bin ja auch nicht ganz neu in dem Thema Alkohol. Ich hab nur gerade ein Mitteilungsbedürfnis und es wäre toll, wenn noch jemand da wäre...

    Mein Ex ist (wen wundert es?) Alkoholiker. Seit langem. 2 Therapien, beide erfolglos. Arbeitslos. Körperlich nicht ganz gesund aufgrund seines Konsums. Und er ist seit heute nacht mein Ex. Ich erspare mir die ganzen Ausführungen darüber, wie lieb und süß er doch ist. Wie sehr er meinen Beschützerinstinkt hervorruft mit seiner Hilflosigkeit. Diesen Teil möchte ich einfach überspringen.

    Wir hatten vor Weihnachten den großen Exitus. Schluß. Er hatte sich mal wieder ins Krankenhaus gesoffen. Ich bin weg. Er schwor mir Stein und Bein, daß er das nie mehr erleben wolle und gemerkt habe, daß ich meinen Ankündigungen auch Taten folgen lasse. Ist einmal quer durch die Republik gefahren, um mich zu sehen. Ich war gerührt. Hab ihm die Chance gegeben.

    Er zeigte sich trocken. War ansprechbar. Bemüht, auch in den Dingen des alltäglichen Lebens. Die bekannte Regel lautete: Ein Schluck Alkohol, und das war's. Er schwor, keinen mehr zu wollen. Gab zu, daß es manchmal schwierig sei. Hatte ich für Ehrlichkeit gehalten.

    Ich hatte ein komisches Gefühl. Auch wenn er beteuerte, daß ein trockenes Leben toll sei. Auch wenn ich ihn nie beim Trinken gesehen habe. Manchmal hatte ich geruchstechnisch...na, halt kein Bier oder Alk im eigentlichen Sinne, aber irgendwie komisch halt. Vertrau ihm, hab ich mir gesagt.

    In den letzten Tagen "eskalierte" es. Abends stundenlange Monologe, wirr, verwirrt, durcheinander. Anstrengend zum Zuhören. So wie damals, als er noch offen getrunken hat. Und immer, immer wieder der Gang zur Toilette, gefühlt alle 5, real wahrscheinlich alle 20 Minuten.

    Vertrau ihm. Ich konnte nicht mehr. Im Bad steht eine Kiste, in die ich eigentlich nie reingucke. Außer gestern. Ein Flachmann Wodka.

    Hallo zusammen,
    dann will ich mal versuchen, alles nacheinander zu beantworten!
    @ Hartmut: Unter Hilfe stelle ich mir Beistand vor, zuhören, reden, die Themen, die uns bewegen, in schwachen Situationen auch mal eine Schulter zum Anlehnen bieten (aber auch genauso eine annehmen), solche Dinge. Ich will nicht die Kontrolle (er ist immer ein freier Mensch und frei in dem, was er tut, unabhängig davon, ob und wie ich oder andere es bewerten), überwachen kann und will ich ihn auch gar nicht. Ich will ihm lieber vertrauen. Mit "fruchtbarem Boden" meinte ich die Bereitschaft, einzugestehen, anzunehmen und wahrhaftig zu sein. Einen Weg zu finden, den man gemeinsam gehen kann, wobei hier sowohl seine als auch meine Bedürfnisse wichtig sind.

    @ purzelbaum
    Ja genau das sind ja meine Ängste. Wenn ich mir vorstelle...wobei, wie Du schon sagtest, jeder reagiert hier wahrscheinlich anders.

    @ Pierre64
    Danke für diesen Beitrag, der hat in mir wieder etwas ausgelöst.

    Ich habe es dann auch so gemacht. Ich habe ihm ganz klar gesagt, daß ich jederzeit für ihn da bin, wenn er halt Hilfe braucht. Daß ich ihm jederzeit zuhöre. Nüchtern stehe ich ihm jederzeit zur Seite. Betrunken möchte ich nichts mit ihm zu tun haben. Und ich habe ihm deutlich gemacht, daß mein Gehen nichts damit zu tun hat, daß er mir egal ist oder ich ihn schlecht finde, sondern mit dem Alkohol. Also nicht er als Person, sondern sein Verhalten. Und zumindest mir geht es damit deutlich besser!

    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo,
    auch für mich ist dieser Spruch sehr hart. Ich ziehe dieses im Moment so hart es geht durch, und es fällt mir unendlich schwer. Ich würde gerne meine Hilfe (wieder einmal) anbieten und auch leisten, doch sollte es einen fruchtbaren Boden geben, auf den sie fallen kann...sollte dieser Boden jemals da sein, sofort.

    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo,
    danke für die schnellen und vielen Antworten!

    Ich denke auch, jemanden fallen zu lassen, der gerade trocken geworden ist, ist nicht gerade ein Freundschaftsdienst. Mich hat der Satz "Keine Hilfe ist die einzige Hilfe" bei nassen und uneinsichtigen Alkoholikern sehr zum Nachdenken gebracht, weil es ja eigentlich genau dem widerspricht, was man so denkt. Und doch ist genau das die Aussage, die man halt immer wieder hört und liest. Man läßt doch keinen Freund, der krank ist, im Stich...oder vielleicht doch?

    LG,
    das Sonnenblümchen