Beiträge von Sonnenblümchen

    Hi,
    ich weiß es auch nicht genau, nur, so lange Du freiwillig in einem Krankenhaus bist, kannst Du Dich auch selber wieder entlassen. Ob das bei Deiner Freundin der Fall ist, kann ich natürlich auch nicht sagen, aber Du schriebst ja was von Betreuerin...und auch eine Kontaktsperre während der ersten Tage ist gar nicht so selten.
    Ich sinniere im Moment auch darüber nach, mich zu melden, um Sicherheit zu bekommen (aha, mein Kontrollbedürfnis). Doch würde ich damit nicht wieder alles kaputtmachen, meine Konsequenz in Frage stellen? Glaub mir, es fällt mir alles andere als leicht...und irgendwie bin ich gerade ganz froh drum, hier mal wenigstens schreiben zu können...

    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,
    ich schreibe bewußt in diesem Forum, weil ich eine Frage habe, die eigentlich nur von jemandem beantwortet werden kann, der schon einmal in einer solchen Situation war.
    Wie ist es, wenn sich die Umwelt plötzlich verändert, sprich, wenn sich Freunde/Lebenspartner usw. abwenden, wenn niemand oder nur wenige noch da sind? Was löst es aus? Ich kenne den Spruch "Die beste Hilfe ist keine Hilfe", aber wo liegt der Unterschied zwischen "keiner Hilfe" und "wegstoßen"? Wahrscheinlich sehr persönlich...
    Hoffe, ich kann ein paar Antworten bekommen.

    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hi amibraut,
    Du fragst, was nun? Ich fürchte, eine allgemeingültige Antwort kann Dir niemand geben...auch ich habe gehofft und runtergespielt...gib ihm noch eine Chance, gib ihm NOCH eine Chance...meine Geschichte habe ich zumindest so ausführlich wie nötig erzählt (will ja hier nicht über hin herziehen). Paß gut auf Dich auf. Liebe ist etwas Wunderschönes, doch wenn sich Dämon Alkohol einmischt, kann aus Liebe pure Angst werden, nicht, weil er Dich schlägt oder mißhandelt (hat meiner NIE getan), sondern weil Du einen geliebten Menschen sterben siehst, jeden Tag ein Stückchen mehr. Und, so wahr es leider ist, Du kannst nicht helfen. So gerne Du möchtest, so weh es tut, Du kannst nicht.
    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,
    beim stillen Mitlesen muß ich zugeben, ich erkenne mcih an einigen Stellen doch wieder. Ähnliche Geschichte, lieber Dobby...auch ich stehe mit beiden Beinen im Leben, habe so das, was man "sorgenarm" nennt, ja, viele Bekannte, einige Freunde, Dinge, die es zu erledigen gibt...geliebt werden...hat doch nie geklappt. Und dann kommt da jemand, so zutraulich wie ein junges Reh, voller Träume, voller Zukunftspläne, nach eigener Aussage auf dem Weg in ein neues Leben. Schön war's, wohl hab ich ich mich gefühlt. Beschützt hat er mich, sicher kam ich mir vor. Und ihn dann alleine lassen, wenn es ihm schlecht geht? Niemals. Dobby, auch ich bin in einer ganz ähnlichen Situation. "Mein" Alkoholiker hat es geschafft, sich ein paar Stunden vor unserem Treffen auf die Intensivstation zu saufen, sorry, ich muß das so knallhart ausdrücken. Da ist er ja gut aufgehoben, obwohl ich voller Sorge war, es war ja nicht nur eine Grippe. Und er hat sich selbst entlassen, irgendwann, ich hab es von den Schwestern Stunden später erfahren. Was er jetzt macht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht mal, ob er noch lebt.
    Dobby, ich glaube, ich verstehe sehr gut, was gerade in Dir vorgeht.
    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hi Dobby,
    auch von mir noch eine Meinung...

    Sollst Du jetzt warten, bis sie trocken ist und dann hoffen, daß sie Dich noch liebt?

    Warten ist so etwas Unangenehmes. Nimm Dir Zeit, bis sie trocken ist (falls sie trocken wird). Hoffen, daß sie Dich noch liebt? Hoffen ist warten auf die Zukunft. Wünsche Dir, daß sie Dich dann (nicht noch, das ist für sie im Moment schwierig) liebt. Wenn Ihr Euch richtig gegenübersteht. Denn erst dann könnt Ihr eine gemeinsame Basis haben.

    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo Dobby,
    sorry, wenn ich mich so unqualifiziert einmische...
    Du schreibst, sollte Schluß sein, würde es die ganze Sache nur zu einem Liebeskummer degradieren. Das hieße ja im Umkehrschluß, daß die "Arbeit" für Dich beendet wäre. Ich möchte Dir einfach vorschlagen (bitte nicht als Angriff mißverstehen), die Geschichte als Chance für Dich zu sehen. Ein großes, schmerzhaftes Chaos im Moment, keine Frage. Quälende Unsicherheit. Dobby, unsere Geschichten hier ähneln sich, und nicht nur Deine und meine. Und doch haben wir die Möglichkeit, etwas daraus mitzunehmen. Etwas, das uns in unserem weiteren Leben hilft. Auch wenn all unsere Gedanken sich im Moment nur mit "unserem Alkoholiker" beschäftigen...für einen Neuanfang braucht man manchmal erst ein komplettes Ende...
    Nicht böse gemeint!
    LG,
    das Sonnenblümchen
    P.S.: Und ich kann das auch nur schwer in die Tat umsetzeb ;)

    Hallo,
    zunächst einmal drück ich Dir die Daumen für ein jährliches Paar Stiefel :wink: .
    Du sagtest, Fragen stellen sei ok, also gut, hier kommt eine: Was ist der Unterschied zu sonst, also, was ist passiert, daß Du nach 20 Jahren jetzt den Absprung wagen willst?
    Ich wünsch Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg!
    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo nochmal,
    hab mich ein bißchen durch das Forum gelesen und mir anhand der Beiträge selber mal ein paar Fragen gestellt.
    Was hält Dich in der Gegenwart noch an dem Partner fest? Erinnerungen, Hoffnungen, etwas, das mal war und etwas, das mal sein könnte...doch wo lebe ich, wo leben wir alle? In der Gegenwart!!! Mensch, es gibt immer nur den einen Moment, und zwar den, der jetzt gerade ist!
    Und noch etwas, sorry, wenn das jetzt provokant klingt. Der Partner, also der jeweils "eigene Alkoholiker" hat Schuld, daß es einem schlecht geht...wie oft habe ich gedacht und auch gesagt: Hör auf, ein Opfer zu sein, hör auf, immer Deine Umwelt als Schuldigen für Dein Trinkverhalten darzustellen! Was mache denn ich, wenn ich sage: Du bist schuld, daß es mir schlecht geht. Das ist nichts anderes, nur in diesem Fall bin ich das arme Opfer. Verkehrte Welt...
    Ich habe räumlichen Abstand zwischen uns gebracht, genug, als daß es eine unvorhergesehene Begegnung geben könnte. Ich habe ihn allein gelassen mit seinen Gedanken und der Gelegenheit, sich unbescholten Alkohol zu kaufen oder auch nicht. Ich habe ihm nichts mitgeteilt. Ich habe einfach meine Ankündigung konsequent wahrgemacht. Logisch? Wir Menschen sind nicht logisch. Ich kann nichts mehr tun, außer, daß ich die Sache aus der Hand gebe...
    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hi Feeli,
    noch einmal: Schön, daß es mir nicht alleine so geht...so blöd das klingen mag, aber es hilft mir.
    Und ja, wenn er mich fragt, ob ich vorbeikommen oder mich melden oder was auch immer will, entweder ich sehe ihn und sage ihm, was ich von seinem Verhalten halte. Dann hat er einen Grund zum Trinken. Oder ich sehe ihn nicht, dann hab ich ihn im Stich gelassen. Dann hat er einen Grund zum Trinken. Oder ich sehe ihn und sage nichts zu dem Thema. Dann hat er ja keinen Grund, aufzuhören. Was ich damit sagen will: Es ist EGAL, was ICH tue. Die Entscheidung für oder gegen das Trinken, für oder gegen die Innenschau, die kann nur er fällen. Er und nur er und niemals ich. Wobei das Trinken es einfacher macht, sich nicht den eigenen Schmerz anzusehen...und ihn auszuhalten.
    Gedanklich kann ich das alles fassen. Emotional macht es mich fertig. Ich hab's im Kopf begriffen...
    Es ist egal, ob ich ihm einen guten Morgen wünsche oder nicht, ob ich ihm Mut zuspreche oder ausschimpfe, ob ich überhaupt mit ihm rede oder mich in komplettes Schweigen hülle...es ist und bleibt auf ewig seine Entscheidung - und Mensch, mir fällt das ganz schön schwer, diese Worte für mich zu formulieren :oops: .
    Aber auch hier sage ich ja wahrscheinlich nichts Neues!
    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hi Dobby,
    schön, daß ich zumindest in dieser Situation nicht alleine mit meinen wirren Emotionen dastehe :roll: .
    Ich glaube auch, und das ist nicht wirklich provozierend gemeint, daß der Alkohol nicht DAS Problem ist, sondern lediglich eine Variante des Versuches, das Ursprungsproblems zu lösen. Selbsthaß, der Verlust der Fähigkeit, das Selbst zu spüren, mangelndes Selbstvertrauen, das halte ich für die Ursache. Und nun beginnt man zu suchen. Zu kompensieren. Wir alle tun das, einige von uns werden Alkoholiker, einige spielsüchtig oder nehmen Drogen, andere verharren in unglücklichen Lebensumständen, irgendwie kompensieren wir doch (fast?) alle.
    Vielleicht mal zwei, drei Tage ohne Alk sind natürlich ein Erfolg. Sind toll und ein Grund, stolz zu sein. Aber löst das das wirkliche Problem?
    Ich würde mir wünschen, daß er trocken wird, genau wie ich es mir für Deine Freundin wünschen würde. Und beiden und auch allen anderen wünsche ich, daß es einen Weg gibt, zu zeigen, daß das Leben nicht aus einer sinnlosen Suche bestehen muß...
    Auch nicht für mich oder Dich und alle anderen Partner, Verwandten und Freunde von Alkoholikern. Und jetzt komme ich mir wieder so schrecklich kaltherzig vor.
    Freue mich auf Antworten, auch wenn es wieder viel Text war.
    LG,
    das Sonnenblümchen

    Hallo zusammen,
    ich möchte versuchen, gar nicht über "meinen Alkoholiker", sondern über mich zu schreiben, zu berichten, wie es mir geht.
    Ich bin weg. Gegangen. Und habe all die Ratschläge befolgt, die man in einer solchen Situation bekommt, zu befolgen, wahrscheinlich kennt Ihr sie ja alle.
    Kennt Ihr auch diese Angst, daß er jetzt irgendwo in der Ecke liegt und gerade etwas ganz Schlimmes passiert? Auch wenn ich weiß, daß seine Trinkerei nichts mit mir zu tun hat, denke ich, ja, wenn ich jetzt da wäre, könnte ich wenigstens aufpassen...oder daß er einen verflucht und böse mit einem ist, weil man ihn im Stich gelassen hat, ein weiterer guter Grund zum Trinken?
    Daß all die Hoffnungen, die man zusammen hatte, alle Pläne, jetzt kaputt sind?
    Kann ich sagen, ich liebe ihn? Oder ist es nicht eher das Wunschbild, ein Bild, das aus einem Zusammenspiel seines anfänglichen Verhaltens und meiner eigenen Suche nach Nähe und Liebe entstanden ist? Kann ich sagen, ich vermisse ihn? Oder vermisse ich eben diese Nähe und Wärme, die er mir in seinen nüchternen Stunden vermittelt hat und genau meinen wunden Punkt getroffen hat?
    Wünsch ich ihm noch eine gute Nacht? Höre ich mir wirklich seine Beteuerungen, aufzuhören, noch einmal an? Muß ich ganz, ganz aus seinem Leben verschwinden, wenn er aufwachen soll, oder kann ich ihm noch aus der Ferne zuwinken?
    Ich hoffe, das war für den Anfang nicht zu viel und zu durcheinander.
    Kennt Ihr sowas auch?
    LG,
    das Sonnenblümchen