Beiträge von Olaf1960

    Da ich mittlerweile versuche Wörter wie " werde;mal; eigentlich und ähnliches" zu vermeiden, damit ich selber diese möglichen Einschränkungen meiner Taten nicht mehr nutzen kann, habe ich versucht meinen Worten oben auch Taten folgen zu lassen.

    Leider weiß ich nich unter welcher Rubrik ich das einstelle.
    Ich gehe mal davon aus, das das auch ein Thema für viele andere werden kann.
    Hat jemand eine Tipp?

    Bevor ich weiter den Werdegang in meine Trockenheit schreibe, möchte ich noch zu einigen Dingen meine heutige Sichtweise schreiben.
    Dazu werde ich mich zwischendurch selber zitieren.

    Zitat von Olaf1960

    Nach dem 2 Flachmännern zum Abschied, bin ich 2007 in die Klinik zu eine Informationgespräch gegangen.


    Zu der Zeit habe ich zu Hause gearbeitet und immer gewartet bis meine Frau zur Arbeit war.
    Ich bin dann erst los und habe mir meine Vormittagsration geholt
    Natürlich habe ich in unterschiedlichen Läden gekauft, damit niemand auf die Idee kommt, ich habe ein Alkoholproblem.
    Was n Quatsch.
    Als ob die Kassierer/inen nichts anderes zu tun haben, als sich zu merken wer wann wieviel Alk kauft.
    Aus dem selben Grund waren auch immer "normale" Sachen auf dem Laufband.
    Was n Quatsch
    Irgendwo hatte ich auch mal gelesen oder gehört, das Vodka keine Fahne macht. und nochmal
    Was n Quatsch.

    Diese beiden Flachmänner habe ich mir schon morgens gekauft. Diesmal aber bevor meine Frau zur Arbeit gegangen ist.
    Das ganze mit dem Wissen, das meine Frau mich vor die Tür setzt, wenn sie mich mit Alk erwischt.
    Ihr hatte ich auf alles mögliche geschworen, nichts mehr zu trinken.
    Mit den weiteren Lebensmittel im Rucksack bin ich dann wieder nach Hause und brav Milch und co im Kühlschrank verstaut.
    Die beiden 0,2 l Fachmänner "gut" versteckt im Rucksack gelassen.

    Da kommt doch meine Frau auf die wahnwitzige Idee den Rucksack zu durchsuchen. Das auch noch in meinem Beisein. Einfach unglaublich.
    Der Alk war schnell gefunden und ich ein kleines Häufen Elend mit mitleiderhaschendem Dackelblick ( hat bisher immer geholfen).
    Alles weitere ist schnell erzählt.
    Ich sollte nicht mehr da sein, wenn meine Frau von der Arbeit nach Hause kommt.
    Diesmal merkte ich aber, das sie es nicht nur sagte sondern auch so meinte.
    Nun war Holland (Olaf) aber in Not.
    Nach ca. 3 Stunden und 0,4 l Vodka habe ich dann, das erstemal auch ernsthaft, die Entscheidung getroffen mit den trinken aufzuhören.
    Da ich mir selber nicht traute ( oder eher einiges zutraute) habe ich dann meinen Arbeitgeber angerufen und ihm mitgeteilt, das ich Alkoholiker bin und mir Hilfe suchen werde.
    Aus meiner früheren Arbeit im Betriebsrat wußte ich, das ich dadurch meine Job einigermaßen sichern konnte.
    Das entscheidene für mich war aber, ich konnte jetzt nicht mehr zurück. Ich habe mir damit erstmal alle weiteren Ausreden verbaut.
    Weitere 3 Stunden ( diesmal aber keinen Vodka) brauchte ich dann um die Klinik aufzusuchen.

    Heute bin ich fest der Überzeugung, das ich unbewußt wollte von meiner Frau mit Alkohol erwischt zu werden.
    Die fast hoffungslose eigene Trinkerrei sollte ein Ende haben.
    Die letzten 2 Monate habe ich getrunken, weil ich mir selber gesagt habe "Du bist Alkoholiker, dann darfst und mußt du auch trinken"
    Ein letzter mehr oder weniger verzweifelter Versuch trotzdem noch zu trinken.

    Nun werden sicherlich auch einige fragen, was ist denn mit seiner Frau. Wie ging es ihr damit.
    Darauf werde ich auch noch eingehen eines aber schon vorweg.
    Bis vor 2 Jahren war ich fest der Meinung, sie hat mich rausgeworfen um mir zu helfen.
    Heute weiß ich, das sie das aus reinem Selbstschutz getan hat und das ohne Rücksicht auf ihre eigenen Gefühle, Ängste und was noch alles dazu gehört.

    Unendlich Dankbar bin ich ihr trotzdem noch, vergesse aber immer mehr ihr das auch zu sagen bzw. zu zeigen.
    Autsch, das schmerzt gerade sehr, kurze Pause :cry:

    Wichtig!!!! Wegen der letzten 2 Sätze mache ich einen neues Thema auf. Wichtig!!!!!

    Bin gerade von meine Gefühlen überwältig. Wut Angst Trauer kommen hoch. Weiter geht es jetzt nicht. Andere Zeit, andere Gefühle

    Also später mehr
    Gruß
    Olaf

    Zitat von Hartmut

    Welche Hindernisse sind denn da so schwer oder lässt mich missmutig, den neuen trocken Weg gehen?
    Welche Widrigkeiten können mich erreichen, um es im Vorfeld mir es selbst schon schwer zu machen ?

    Hindernisse gab und gibt es für mich einige. Diese lassen mich aber nicht missmutig den Weg weitergehen. Interessanter finde ich deine 2.te Frage

    Meiner Meinung nach gibt es da mehrere Widrigkeiten. Diese liegen aber alle bei mir selber.
    Ich kenne viele die sich z.B. mehr oder weniger selber testen, indem extra eine Rückfallmögliche Situation aufgesucht wird. Mir selber erschließt sich nicht der Grund dafür. Das häufigste Argument ist " Ich wollte mal sehen, was dann mit mir passiert".
    Dabei wird aber nicht bedacht, das ich bei solchen Selbstversuchen auf diese Situation vorbereitet bin. Deshalb´kommt es dabei selten zu direkten Rückfällen.
    Schwierig wird es wenn ich in Situationen geraten, auf die ich mich nicht vorbereiten kann.
    Situationen in denen alte Rituale auftauchen.
    Zum Beispiel war es für mich ein Ritual, nach dem Tanzen (davor natürlich auch) einen, meistens großen, Schluck Bier zu nehmen.
    Ich bin nun schon auf mehreren Veranstaltungen gewesen wo getanzt wurde und auch getrunken.

    Ich habe nie dabei das Bedürfnis verspürt Alkohol zu trinken, sondern aus Überzeugung meine Cola o.ä. getrunken. So auch an diesem Tag.
    Mir ging es sehr gut. Die, damit auch meine, Stimmung war ausgelassen und sehr fröhlich.

    Dabei habe ich, meinem mehr als 20 Jahre andauerenden Ritual, zum gefüllten Bierglas vom Tisch gegriffen und das Glas angesetzt. ( so dicht an der Nase roch das übrigens echt eklig). Im selben Moment habe ich diese Ritual aber unterbrechen können.

    Für mich ein Grund, diese Rituale mal wieder genauer zu betrachten.
    An dem Tag war ich darauf aber nicht vorbereitet und mächtig über mich selber erschrocken.
    Ein weiteres Hindernis sehe ich bei den Ansprüchen an mich selber oder wenn es mir zu gut geht, das ich unachtsam werde evtl. auch die Kranheit und deren Folgen bagatellisiere.

    Viele setzten sich auch Ziele z.B. den Führerschein wieder zu bekommen.
    Ist das Ziel dann erreicht (oder auch nicht), gibt es keinen Grund mehr ernsthaft mit den Trinken aufzuhören.

    Ich glaube die Liste läßt sich noch unendlich fortsetzen, da es für jeden einzelnen anders sein wird.

    Dadurch gibt es auch Menschen, die nicht das Gefühl haben, das es schwer ist trocken zu werden/bleiben.
    und das ist auch gut so.

    Hallo,
    nun melde ich mich hier auch mal zu Wort.

    Selbst wenn Christian das hier nicht mehr liest andere werden das schon noch lesen.
    Ich habe auch die Wahrheit nicht hören wollen. Die Wahrheit hat ja auch geschmerzt.

    Jetzt bin ich froh, das es Menschen gab, die darauf keine Rücksicht genommen haben.
    Die nicht ihre Aussagen zu dem Thema beschönigt haben.

    Eines sollte doch jedem klar sein.
    Beim Alkoholismus handelt es sich um eine Krankheit die eine tödlichen Verlauf hat und egal wie ich es Ausdrücke, das wird sich immer hart und vielleicht auch gemein anhören.

    Ein positives hat der Alkohollismus aber:
    Es ist die einzige Krankheit die ich allein durch mein Verhalten positiv beeinflussen kann.
    Dafür nehme ich alles mit, was mir dabei helfen kann und bin dankbar für jeden Hinweis der mich weiterbringt.
    Die besten Hinweise bekomme ich von Menschen, die sich eben keine Gedanken darüber machen wann Rücksicht auf meine Gefühle angebracht sind und wann nicht.

    Solange ich nicht trinke, werde ich am Alkoholismus nicht sterben.

    Sollte Christian also der Meinung sein, das die "harten" Worte nur mit trinken zu ertragen sind, dann ist das seine Entscheidung.

    Die Beiträge spielen meiner Meinung nach dabei keine Rolle.
    Die Entscheidung wieder zu trinken ist dann schon viel früher gefallen.

    Eine Grund zum Trinken habe ich auch immer gefunden. Für mich waren die besten Gründe immer die, für die ich meiner Meinung nach nicht verantwortlich war.

    Hallo an alle,
    ich finde es garnicht so einfach mich hier vorzustellen. Stosse dabei, wie immer wenn ich an meine Anfänge denke, auf Schwierigkeiten. Weiß aber aus eigener Erfahrung, das das gleich vorbei ist. Ich fange am besten mit dem Beginn meiner Trockenheit an.
    Mal sehen wo ich dann am Ende ankomme.
    Ich mache das, um wieder auf mich zurück zu kommen und damit auch einen Schritt oder mehrere weiter zu kommen.

    Meine Geschichte ist unspektakulär und ähnelt der vieler anderer.
    Und doch ist es meine Geschichte.

    Vor fast 4 Jahren habe ich das letzte mal Alkohol bewußt zu mir genommen. Wieviel seit dem Unbewußt in meinen Körper gelangt ist, möchte ich lieber nicht wissen
    ( Der versteckt sich ja in den unterschiedlichen Lebensmittel auch ohne das es auf der Verpackung steht)

    Nach dem 2 Flachmännern zum Abschied, bin ich 2007 in die Klinik zu eine Informationgespräch gegangen.
    Nicht ganz aus freien Willen, denn meine Frau hat mich vor die Tür gesetzt.
    In der Klinik verlangte ich vehement und sehr eindringlich nach Hilfe. Ich wollte ja nicht unter einer Brücke übernachten.
    Erschreckend stellte ich fest. Das war denen völlig egal. Nach einem ca. halbstündigen Gespräch wurde ich mit den Worten
    " Dann kommen Sie man morgen um 10.00 Uhr mit eine Einweisung von Ihrem Hausarzt zur Aufnahme wieder."
    verabschiedet.

    Damals dachte ich, was für eine Frechheit. Die sollen doch froh sein, das einer wie ich "freiwillig" hierherkomme und nach Hilfe fragt.
    Heute sehe ich das natürlich anders.
    Mit der Einweisung des Hausarztes war das garnicht so einfach. Gott sei Dank habe ich einen Arzt der die Sache sehr ernst genommen hat.
    Mittlerweile weiß ich, das ich da echt Glück hatte.

    Durch die Wartezeit und dem anschließenden Gespräch mit dem Arzt habe ich es aber nicht bis 10.00 Uhr in die Klinik geschafft ( oder wollte ich es nicht schaffen? ).
    Nach einem Anruf in der Klinik wurde ich ( schon wieder) auf den nächsten Tag verwiesen.
    Den habe ich dann aber auch genutzt. Ich habe dann in der Klinik eine qualitative Entgiftung von 3 Wochen gemacht.
    Hochmotiviert und im Glauben jetzt alles zu wissen, um trocken zu bleiben wurde ich nach 21 Tagen aus der Klinik entlassen.

    Die Gefahr der Obdachlosigkeit bestand nicht mehr, darum hatte ich mich in den 21 Tagen gekümmert und ein mobliertes Zimmer gefunden.
    Ich hatte zwar die Hoffnung nach der Entgiftung gleich eine Therapie zu machen zu können.
    Das hat aber noch ca 3 weitere Wochen bis zur Kostenübernahme gedauert.
    3 Wochen die sich für mich wie 3 Jahre anfühlten. Ohne den geschützten Rahmen der Klinik war das echt schwer.
    Krankgeschrieben, allein im, mehr oder weniger, ungemütlichem möblierten Zimmer und ganz ganz viel Zeit.

    Zeit die ich ja nutzen könnte um zu trinken.
    Ich war ja allein, wer sollte das den mitbekommen?
    Oder ich nutze die Zeit um über mich, mein bisheriges Leben und mein zukünftiges Leben nachzudenken.
    Das wird zwar schmerzhaft, aber könnte helfen.
    Ich habe mich für das nachdenken entschieden und bisher kann ich sagen.
    DAS WAR RICHTIG SO
    wenn auch zu der Zeit noch aus den falschen Gründen. Dazu aber ein andersmal mehr.
    Das Nachdenken über mich und meine Situation etc. konnte ich aber nicht allein bewältigen.
    So habe ich mich entschieden, weiter die SHG´s zu nutzen die ich während meines Klinkaufenhalts besuchen MUSSTE.

    Ok, das entwickelte sich fast zur Sucht. In der Zeit habe ich zwischen 5-7 Gruppen die Woche besucht.
    Heute bin ich davon überzeugt, ohne die SHG´s hätte ich die Zeit nicht trocken überstanden.
    Nach etwas mehr als 3 Wochen konnte ich dann endlich die Therapie beginnen.
    Meiner Frau hat das aber immer noch nicht gereicht.
    Es blieb also bei dem möbliertem Zimmer.

    Was fürn Mist. Nun mache ich Therapie und meine Frau nimmt mich immer noch nicht wieder auf.
    Wozu mache ich denn das alles, wenn sich sowieso nichts verändert?

    Bis hierher, später mehr

    Also wer die Geduld aufgebracht hat bis zum Schluß alles zu lesen, dem danke ich für das Interesse.
    Alle die das nicht ganz geschafft haben: Ich kann Euch verstehen, sehr spannend ist das nicht. Aber es ist Real und tatsächlich so gelaufen.


    Es hat aber auch eine Fortsetzung und die folgt in den nächsten Tagen.

    Für Fragen bin ich jederzeit dankbar, weil ich dadurch gezwungen werde, nachzudenken und mir andere Sichtweisen aufgezeigt werden.
    Ein für mich sehr wichtiger Teil der Selbsthilfe.

    Liebe Grüße
    Olaf