Beiträge von Petter

    Hallo Schnickschnack,

    willkommen im Forum! Hört sich nach keinem leichten Auf und Ab an, was du hinter dir hast.
    Dich hier anzumelden und mal reinzuschnuppern, ist auf jeden Fall ein guter Entschluß! Wir alle sind hier aus dem gleichen Grund: weil wir ein nüchternes, alkoholfreies und zufriedenes Leben möchten. Was du tagsüber in der Therapie bist und dich am Abend der Alltag einholt, dann wäre eine Langzeittherapie wahrscheinlich besser für dich, auch du das nicht möchtest. Aber der "Alltag" würde dich dann nicht einholen und vor allem hast du Hilfe, wenn du Saufdruck bekommst. Das ist Zuhause eine schwierige Sache.
    Lies dich doch mal durch die Geschichten der Freunde hier - du wirst vieles wiedererkennen.

    Peter

    Hallo Fee,

    auch von mir noch herzlich willkommen im Forum. Gut, daß du hier bist.
    Eure Lage ist ja wirklich gruselig.

    Ich habe dich nun so verstanden, daß du erstmal dort bleiben willst, bis du rechtlich Klarheit hast.
    Ich kann das nachvollziehen, auch wenn es sich nicht gut anfühlt, weil dein Mann ja irgendwann aufkreuzen wird.
    Bitte such dir doch wenigstens jemanden, der zumindest oft bei dir ist oder besser: der dort auch einige Tage mit euch lebt.

    So seid ihr nicht allein!

    Liebe Grüße und viel Kraft.

    Peter

    Hallo Dieter,

    auch von mir noch willkommen im Forum. Das sind ja wirklich ganz schön hohe Hausnummern, wie Carl Friedrich schrieb!

    Ich bin gut 15 Jahre trocken und danke dir ebenfalls für deinen Text zum Rückfall. Gottseidank blieben mir solche Erlebnisse bislang erspart, aber man weiss eben nie, hinter welcher Kurve des Lebens der Teufel Alkohol hockt.

    Schön, daß du hier bist und uns teilhaben lässt!

    Peter

    Hallo Tobi!

    Es ist schwer und doch ganz einfach: diesmal nicht hingehen. Deiner Trockenheit solltest du oberste Priorität geben, sie ist das Wichtigste. Du hast jetzt schon Angst, deinen erreichten Erfolg der Abstinenz von jetzt 169 Tagen mit einem Glas zunichte zu machen. Schon mal kurz darüber nachgedacht, wie du dich fühlen würdest, wenn der Alkohol an diesem Abend gewinnt? "Entsetzlich" ist da noch eine milde Beschreibung, vermute ich.

    Gerade zu Beginn ist es wichtig, daß man solche Ereignisse links liegen lässt. Wenn du später stabiler bist, kannst du sicher mal hingehen, wenn du dann überhaupt noch möchtest. Denn mit deiner anhaltenden Trockenheit werden sich die Dinge in ihrer Wichtigkeit verschieben und andere Dinge werden in den Vordergrund rücken, neue Menschen werden in dein Leben treten und neue schöne Ereignisse :)

    Ich wünsch dir von Herzen Kraft, stark zu bleiben!

    Peter

    Hey Tobi,

    diese Erfahrungen, die du in so kurzer Zeit gemacht hast und die positiven Veränderungen, die du an dir selber bemerkst - das sind wunderbare Grundbausteine für ein zufriedenes, nüchternes und trockenes Leben. Ich habe immer darauf geachtet, nie zu vergessen, wo ich war und wie ich mich früher gefühlt habe, bevor ich trocken wurde. Ich bin sicher, das hat mich vor Leichtsinn bewahrt.

    Alles Gute!

    Peter

    Hallo Tobi,

    danke für deinen sehr offenen letzten Text! Bei jedem ist der Druck oder Leidensdruck anders, einen neuen Weg ohne Alkohol einzuschlagen: die einen finden sich auf der Straße wieder, die anderen verlieren die Familie und wieder andere "verlieren" ihren Führerschein und so weiter. Auch bei dir ist das so. Der äußere Anlass ist die Angst vor dem Verlust deiner Fahrerlaubnis, aber man merkt auch sehr deutlich, daß du keine Lust mehr hast, weiter zu saufen. Deine Angst vor dem Saufdruck ist eine Angst, die wir alle kennen. Man ist im Vorteil, wenn man darum weiss und kann diesem Teufel von vornherein begegnen. Du tust das ja schon, in dem du dich hier öffnest und schreibst! Seit Mai bist du ohne Alkohl, das ist eine großartige Leistung. Immer wenn du nicht oder weniger getrunken hast, ging es bergauf in deinem Leben, das solltest du unbedingt immer im Kopf haben, denn das ist sehr positiv. Natürlich kommt die nächste Talfahrt im Leben - das geht ja jedem so. Aber die Talfahrt und auch die größten Schwierigkeiten des Lebens bewältigt man viel, viel leichter ohne Alkohol. Aus so einem Tal nüchtern wieder hervorzukrabbeln, ist eines der schönsten Gefühle des trockenen und nüchternen Lebens.

    Schreib´weiter, wenn du magst!

    Peter

    Liebe Freunde!

    Heute beginne ich mal mit Linde, die mir nach meinem letzten Text das mit den Augen schrieb, in denen das Unaussprechbare so lange weiter"wohnt". Ich erlebe das zum ersten Mal in meinem gar nicht so jungen Leben und es beschäftigt mich sehr. Bisher habe ich vor allem Menschen "erkannt", die mit Ängsten durch ihr Leben gehen: wie sie gehen, wie sie gucken. Hastigen Schrittes und hastigen, verhuschten Blickes. Ich erkenne diese Menschen, weil ich als nasser Alkoholiker selber so war, mit viel Angst vor mir und der Welt.

    Nun erkenne ich die Mitbewohner meines zerstörten Tals an den Augen, weil ich offenbar die gleichen Augen und den gleichen Ausdruck darin habe. Warum sonst bekomme ich sonst ein leichtes Lächeln von Menschen, die ich kaum kenne? Weil auch sie es erkennen, vermute ich. Es sind die Augen der Erschöpften, der Traumatisierten. Es ist das Unaussprechbare, daß man so oft versucht hat, in Worte und Gefühle zu packen - aber das geht nicht so einfach.

    Heute erzählte mir meine Schwester von den Schulkindern, die aufgrund der Hochwasserschäden ernorme Umwege machen müssen, um zur Schule zu gelangen. Von den ehemals 16 Schulen wurden 14 Schulen zerstört. Nun werden sie mit den Bussen durch das so schrecklich zugerichtete und ehemals so wunderschöne Tal gefahren. Morgens hin - und abends zurück. Sie werden also immer wieder mit Bildern und Erinnerungen konfrontiert. Ich habe mal gelesen, daß Kinder mit so grauenhaften Erlebnissen durchaus gut zurechtkommen, aber glauben kann ich das irgendwie noch nicht. Mich selber nimmt der Weg durch das kaputte Dorf ganz arg mit, das hatte ich schon geschrieben.

    Es sind sehr anstrengende Wochen. Man weiss nicht so recht, wie es weitergeht - aber natürlich würde man das gern wissen und zwar sofort, damit dieser Horror ein greifbares Ende hat. Alle sind ungeduldig und jeder möchte umgehend alles wieder so haben, wie vor der Sturzflut. Aber der normalste und früher einfachste Weg wird zu einem Gang durch Geröll, durch Matsch und durch Zerstörung. Damit leben wir nun seit drei Monaten und sechs Tagen. Und damit werden wir noch lange leben. Wir sind alle erschöpft, aber wir haben es auch irgendwie überlebt. Momentan haben fast alle Menschen hier Angst vor dem Winter: weil es dunkel ist, weil es kalt ist. Aber mir geht es anders: die Zeit der Besinnlichkeit steht bevor, die Zeit von Kerzen und von Düften aus Zweigen und Öfen. Mir hilft das besser, als wenn jetzt Hochsommer wäre. Und am besten in dieser schweren Lage hilft mir mein nüchternes, trockenes Leben.

    Peter

    Hallo Tobi!

    Herzlich willkommen im Forum - hier bist du richtig, schätze ich, nachdem ich gerade deine Vorstellung gelesen habe. Ich habe mich ziemlich gut wiedererkannt ;) Dabei fiel mir auf, daß auch ich mit 42 aufgehört habe, zu trinken - das ist nun so 15 Jahre her, glaube ich. Der Führerschein ist mir immer erhalten geblieben, aber das war einfach purer Zufall.

    Trinkst du denn seit September nicht mehr? Hast du einfach aufgehört oder bist du zu einem Arzt gegangen? Ich frage das, weil ein "kalter" Entzug ohne ärztliche Begleitung lebensgefährlich sein kann.

    Diese Wege im Supermarkt sind tückisch... Alles ist so aufgebaut, daß man eigentlich überall vorbei muss. Ich meide diese Regale konsequent - warum soll ich mir mein Leben schwer machen?

    Ich glaube, jeder nasse Alkoholiker hat Menschen weh getan. Das ist typisch für die Sucht. Du fragst, wie man dir helfen kann, Tobi. Eigentlich weisst du das selber am besten - immerhin hast du dich hier ja schon angemeldet ;) Für das Forum hier würde ich sagen: lesen lesen lesen... schau in die Geschichten der anderen und du wirst Augen machen, wie vielen es genauso ergangen ist, wie dir. Wenn du was loswerden willst: schreiben. Hier ist immer jemand da.

    Viele Grüße,

    Peter

    Liebe Freunde,

    wieder sind schon soviele Tage vergangen seit meinem letzten Text und den lieben Antworten und "Mutmachungen". Ich danke euch sehr, es ist so gut zu wissen, daß ich nicht allein bin. Es ist komisch: ich fühle mich mit dem Flut-Erlebnis fürchterlich allein, obwohl ich weiss, daß alle betroffen sind. Das Trauma hat jede und jeder für sich zu bewältigen und obwohl ich mit so vielen rede, fühle ich mich dennoch allein und denke "Niemand kann das nachvollziehen.". Ich weiss, daß ist nicht richtig, aber ich beschreibe ja auch nur, wie ich das empfinde. Die Menschen hören mir entgeistert zu, wenn ich berichte und ich sehe ihnen an, daß es über den Verstand geht. Das aber kann ich ja niemandem zum Vorwurf machen. Es ist eben einfach zu unglaublich und zu schrecklich - warum sollten andere Menschen das auch zu nahe an sich ranlassen. Dafür habe ich Verständnis. Interessanterweise erkenne ich jeden "Gefluteten" aus dem Ahrtal an den Augen. Egal ob jung oder alt - alle haben die gleichen Erschöpfungs-Augen aus dem Horror der letzten drei Monate zurückbehalten. Und alle machen diese unglaublichen Erlebnisse der letzten drei Monate um Jahre älter, auch mich. Manchmal frage ich mich: wie wird mich das verändern? Werde ich mich irgendwie ändern? Wie werde ich zum Beispiel in ein oder drei Jahren sein, wenn Tod und Verwüstung längere Zeit zurückliegen? Und wie werde ich damit umgehen, wenn ich sehe, daß Menschen ihre Häuser und Wohnungen wieder nahe am Wasser aufbauen? Ich reagiere schon jetzt gereizt, wenn mir Nachbarn und Kollegen voller Überzeugung sagen, diese Sturz-Flut habe mit dem Klimawandel nichts zu tun. Das sind die gleichen Nachbarn, die im Sommer jeden Abend den Grill anwerfen und sich Heizpilze in den Garten stellen, damit sie es beim Rauchen schön warm haben. Dann steigt Wut in mir hoch und ich tröste mich mit dem Ende eines älteren Gedichtes von Erich Kästner, in dem er zum Ausdruck bringt, daß am Ende die Menschen, genauso wie die Affen, auf den Bäumen sitzen und nichts tun werden.

    Ich trinke nachwievor nicht. Egal, was seit meinen nüchternen Tagen im Jahr 2006 geschehen ist: ich bin zufrieden ohne Alkohol und bewältige immer noch ungeheuer viel in meinem nüchternen Leben. So soll das auch bleiben. Als ich vor einiger Zeit von Kollegen öfter als "unglaublich gelassen und cool" gespiegelt wurde, dachte ich erst an eine Verwechslung. Aber ich habe mich beobachtet und bemerkt: da ist was dran. Die jahrelange Arbeit, immer mit dem Ziel im Kopf, zufrieden nüchtern leben zu können, hat mich wohl tiefenentspannt gemacht. Und wenn ich es mal nicht bin, so gelassen, dann weiss ich um die Wege, mich runterzufahren. Meine Schwester hat das bei einem Besuch kürzlich so formuliert: sie bewundere, wie ich mich von Menschen behutsam und konsequent abgrenze, um gesund zu bleiben. Die betroffenen Menschen merken das aber noch nicht mal. Für die bin ich trotzdem der "nette Kerl". Hätte man mir das vor oder zu Beginn meiner Trockenheit gesagt, hätte ich noch nicht mal verstanden, worum es geht :)

    Das nüchterne und trockene Leben ist eine wunderbare und anhaltende Reise zu sich selbst. Das erlebe ich so, immer wieder.

    Danke euch herzlich, daß ich das alles hier lassen kann!

    Petert

    Liebe Gisa,

    auch von mir noch ein herzliches Willkommen im Forum - hier bist du richtig!

    "Genetische Disposition" drückt in einem Fachbegriff eigentlich das aus, was du in deinen letzten Sätzen über einige Familienmitgleider deines Mannes geschrieben hast. Meine Mutter hätte wohl eher gesagt: "In der Familie neigen alle zu Schwermut!" oder so ähnlich.
    Aber diese tragischen Ereignisse, wie du schreibst, sind ja nicht deine Ereignisse. Dein "Ereignis" findet jetzt statt, in diesen Stunden und Monaten mit deinem Mann und genau das ist es, was dir so zu schaffen macht. "Angst", "Falsche Aussagen" sollten eigentlich keine Stolpersteine auf dem Weg zu deiner Lebensänderung sein, sondern dein Sprungbrett!

    Ich kann verstehen, wenn dir das Wort "Entscheidung" schwer fällt und du darin etwas negatives oder endgültiges siehst und genau diese Empfindungen dich bremsen, das Richtige zu tun. Vielleicht hilft es, das Wort "Entscheidung" positiv zu besetzen: nimm´es besser als Beginn deines neuen Lebens! An diesem Punkt stehst du nämlich gerade. Schau nach vorn, Gisa. Achte auf dich und mach, was dir gut tut! Ich bin ganz sicher: wenn du dich um dich kümmerst, bist du auf dem richtigen Weg!

    Viel Glück und alles Gute wünscht dir

    Peter

    Hallo Lust for Life!

    Bevor du die hundert Tage voll machst - wovon ich überzeugt bin -, auch von mir ein ganz herzliches Willkommen hier im Forum. Erst heute habe ich dein Ankommen hier und deine Beiträge gelesen.

    Deine anfänglichen Beiträge und Gedanken kamen mir sehr bekannt vor ;) .. Es ist der so drängende Wunsch, sein Leben zu ändern, in den Griff zu kriegen, um endlich wieder zu leben. Zugleich ist es in großes innerliches Herumgeeier, was man aber selber erstmal nicht merkt. Sehr bekannt kam mir vor, daß man anfangs recht dünnhäutig sein kann: man stellt alles in Frage, man überdenkt sein ganzes (Sucht-)Leben. Man legt so vieles auf die Goldwaage: schließlich macht man doch alles richtig, wenn man aufhört zu trinken, oder? Und dann kommen auch noch Leute und haken nach, stellen Fragen und stellen manchmal infrage, was man sich gerade mühsam erarbeitet. So jedenfalls erging es mir ständig und ich habe viele und vieles missverstanden. Aber ich habe auch gemerkt, daß hier im Forum alle es gut mit mir meinten und meine anfängliche Unvorsichtigkeit mit Sorge begleiteten. Was konnte ich mir besseres wünschen?

    Als ich begriffen habe, daß dieses Forum eine wunderbare Gelegenheit für mich sein würde, um zufrieden nüchtern leben zu können, habe ich mich geöffnet. Zugleich habe ich erkannt, daß mir hier eine Dimension fehlt, die ich nur in der "realen" Selbsthilfe-Gruppe bekommen kann: Gesichter, Mimik, Gestik. Ich bin dann in Gruppen vor Ort gegangen, egal in welcher Stadt ich gerade gelebt habe. Das Forum und meine Gruppen haben mich auf meinem trockenen Weg begleitet und gehalten, egal wie schwierig die Stolpersteine wurden. Rückblickend betrachtet wundere ich mich immer, wie leicht es ist, irgendwo hinzugehen und zu sagen: "Ich bin Peter, ich bin ein Alkoholiker.", um beim Arzt oder in der Gruppe Klartext zu reden. Aber ich weiss auch noch sehr genau, wie schwer das anfänglich war.

    Ich freue mich sehr für dich, daß du schon so weit bist, wie du bist. Irgendwann werden deine Tage zu Wochen, dann zu Monaten. Mach weiter so.
    Schön, dich wieder zu lesen!

    Viele Grüße,

    Peter

    Guten Morgen Tini,

    herzlich willkommen im Forum! Hier bist auch Du richtig. Schreiben hilft!

    Nun lese ich das zweite Mal innerhalb weniger Stunden einen Beitrag, in dem es um die Sucht des erwachsenen Sohnes geht und darum, wie die Elternteile, in den beschriebenen Fällen die Mütter, damit zurechtkommen.

    Wie ich gestern schon an Maritha schrieb (vielleicht magst Du ihren Beitrag mal lesen?), sind wir als Außenstehende kaum in der Lage, Ratschläge zu geben oder sogar Lösungen zu präsentieren.

    Es ist eine ganz schlimme Situation und im Grunde ist es fast gleich, was Du tust, Tini: der Junge wird weiter Alkohol, Cannabis und Speed nehmen. Er lehnt alle Deine Vorschläge ab. Er (seine Sucht) packt dich bei Deinem Muttergefühl: "Hilfst du mir nicht so, wie ich (die Sucht) das will, bist Du mich los oder gar schlimmeres passiert!". Eigentlich ist das Erpressung, nicht wahr? Aber wir wissen: es ist die Sucht, die aus ihm spricht - und dagegen kommt kein Mensch an. Auch eine besorgte Mutter nicht. Wenn man das mitmacht, läuft man Gefahr, selber großen Schaden zu nehmen.

    Schreib´Dir alles von der Seele. Es ist ein Anfang, daß Du Dich vor allem um Dich kümmerst: Du musst auf Dich achten, Tini. Vielleicht macht Deine Tochter es ja instinktiv richtig, in dem sie sich dem Thema verweigert? Ich vermute, auch Du wirst dahin kommen und das verinnerlichen - ganz ehrlich: ich wünsche es Dir!

    Ganz viel Kraft wünscht

    Peter

    Liebe Maritha!

    Auch von mir ein ganz herzliches Willkommen. Hier bist du auf jeden Fall richtig!

    Mich habe deine Schilderungen sehr angefasst, Maritha. Sie kommen mir vor wie eine Darstellung meines Lebens, zumindest teilweise. Ich war der trinkende Sohn meiner Mutter, die natürlich kapiert hatte, was mit mir los war. Allerdings lagen zwischen uns einige hundert Kilometer. Über viele, viele Jahre hat sie mich finanziell unterstützt, als ich wegen meiner Sauferei immer weniger in der Lage war, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Zu Beginn dachte sie, ich würde wohl auf zu großem Fuß leben und auch ich selber hatte gar nicht begriffen, daß ein großer Teil "meines" Geldes in Bier, Wein und Zigaretten ging. Ich war schon der größte Suchtmensch in all meinen Handlungen, als ich das selber noch gar nicht erfasst hatte.

    Meine Mutter hatte meist nur in Nebensätzen auf mein unmögliches Leben hingewiesen. Mir war schon vollkommen klar, daß sie mein Leben schrecklich fand - aber der Alkohol hatte mich fest im Griff. Ich fuhr nur sehr selten zu ihr, und wenn es sich nicht vermeiden ließ, hatte ich schon die Abreise zumindest geplant und im Kopf. Im Kopf hatte ich natürlich auch, daß sie mir dann "Fahrtgeld" mitgab, daß ich sehr schnell wieder ausgab.

    Als ich irgendwann trocken wurde, habe ich sie mal gefragt, warum sie mir all die Jahre Geld gegeben und damit meine Sucht immer weiter finanziert hatte: "Weil ich Angst hatte, dich ganz zu verlieren, wenn ich NEIN gesagt hätte.". Das hat mich zutiefst beschämt. Dennoch habe ich gedacht, daß meine Sucht vielleicht früher zuende gewesen wäre, hätte sie mich nicht unterstützt. Aber auf welche Weise? Ich weiss es nicht.

    Eines weiss ich aber ganz sicher: meine Mutter hatte keinen Anteil an meiner Entscheidung, trocken und nüchtern zu werden. Das habe ich allein entschieden und allein durchgezogen. Irgendwann konnte ich ihr stolz am Telefon sagen "Ich trinke nicht mehr.", worüber sie natürlich sehr glücklich war. Ab da begannen manchmal auch Vorhaltungen, wie schlimm die Zeit für sie gewesen sei. Da musste ich durch. Aber nochmal: sie hatte keinen Anteil an meinem trocken werden.

    Ich habe keinen Rat, Maritha. Ich weiss, du wirst deinen Weg finden, damit umzugehen. Es ist die Sucht deines Sohnes, nicht deine Sucht. Du musst auf dich achten, das ist das Wichtigste.

    Peter

    Liebe Freunde,

    ich danke Euch wieder sehr für das gute Feedback. Auch das hier noch andere Betroffene wie Marie schreiben, berührt mich.

    Wir alle in diesem Forum haben schlimme Dinge im Leben durchgemacht. Niemand hat Anspruch auf das Schlimmste oder Schrecklichste - was wäre das auch für ein Anspruch. Aber wir haben mit unserer Sucht und unserem Weg in eine trockenes und zufriedenes Leben schon sehr viel erlebt und vor allem erreicht. Nie zu vergessen, wie es als nasser Alkoholiker war; nie zu vergessen, was das für eine schreckliche Ausweglosigkeit war - das habe ich mir ganz oben in meinem Hirn verankert.

    Ich bin sicher, daß in diesem Hochwasser-Dilemma viele Menschen wieder trinken oder anfangen, zu trinken. Das sie wieder zur Zigarette greifen oder zu Dingen, die sie vom Arzt bekommen. Ich habe mir beispielsweise ein Schlafmittel verschreiben lassen. Meine Hausärztin weiss natürlich über mein Alkoholikerleben Bescheid und meinte "Die kleinste Packung! Und bitte nur, wenn es nicht anders geht!" ... Daran habe ich mich gehalten. Wir leben in der zehnten Woche "danach" und ich habe zweimal zur Schlaftablette gegriffen, um das Kopfkino wenigstens vor dem Einschlafen loszuwerden. Ich bin sparsam mit solchen Sachen. "Wegmachen" ist einfach nicht mehr mein Ding. In dieser Situation aber "gönne" ich mir das und ich kann damit umgehen.

    Gerade habe ich noch einen Abendspaziergang durch das verwundete Dorf gemacht. Abends ist es ruhig; keine Maschine, kein Bagger, keine LKW oder Abrissbirnen dröhnen mehr. So oft ich mich stark genug fühle, mache ich so einen Spaziergang. Das Grauen zu sehen, aber auch die neuen großen Lücken Dorf zu begreifen, hilft mir glaube ich bei der Verarbeitung dieser schrecklichen Katastrophe.

    Kirsten hat das Thema "Trauma" angesprochen. Für mich war bisher ein Trauma stets ein Ereignis, daß von jetzt auf gleich geschah und das unserem Verstand keine Zeit ließ, zu begreifen und verarbeiten. So war das bei dem ersten Verkehrsunfall, bei dem ich als junger Mann meinen besten Freund und Arbeitskollegen verlor. Auch als sich ein Mann vor meinen Zug legte, war das ein schlimmes Trauma, ein sehr brutales dazu. Als ich im Fernsehen die Flugzeuge in New York in die Hochhäuser fliegen sah, war das ganz sicher auch ein Trauma. Das Hochwasser von vor zwei Monaten natürlich in ganz besonderer Weise. Ein Trauma zu begreifen, anzunehmen, damit umzugehen und auf sich Acht zu geben, das ist Schwerstarbeit. Aber sie ist machbar. Vor allem, wenn man bewusst nüchtern ist.

    "Unerwünschte Empfindungen", wie Kirsten schreibt, nicht wegzudrücken, sondern zuzulassen und damit leben zu lernen, das ist wohl ein guter Weg.
    Als ich in mein selbst bestimmtes Leben zurückkehrte und nüchtern wurde, habe ich immer große Angst gehabt: vor dem ersten schlimmen Ereignis, daß mich aus der Bahn werfen würde und das mir eine Flasche Bier als ersehnter Anker erscheinen könnte. Das ist mir nie passiert und darüber bin ich unendlich froh und dankbar. Den möglichen Tiefen des Lebens eine Art "Handwerkszeug gegen den Suff" entgegenzustellen, ist richtig. Und am besten tut man das von Anfang an. Denn der nächste Stolperstein oder das nächste Unglück kommt fast sicher - diese Dinge gehören leider zum Leben. Es liegt an uns, damit umgehen zu können. Nur wir haben das in der Hand.

    Danke das ich das hier lassen darf!

    Peter

    Danke euch allen sehr, mir fehlen echt die Worte für so lieben Zuspruch!

    Angst, Abstand, Annäherung, Heimat - was für große Dinge das doch sind. Ich bin nun in der dritten Woche krank geschrieben und merke, wie gut mir langsam die Auszeit tut. Die ersten sieben Wochen nach der Katastrophe waren geprägt von verstehen, entscheiden, handeln und vor allem von Fassungslosigkeit. Immer wieder kam die Trauer, für die leider wenig Platz blieb. Ein Tag hat nur 24 Stunden, wie soll ein Mensch in einer extremen Ausnahmesituation das alles bewältigen? Das geht nur durch Schutz, durch "Zumachen" und auf später vertagen.

    Wenn ich in unser amtliches Blättchen der Verbandsgemeinde schaue, dann will ich als erstes die Traueranzeigen durchgehen. Schon während Corona 2020 habe ich das gemacht und mich in stilles Entsetzen vertieft, ob der unfassbaren Zunahme der Zahlen. Nun passiert das Gleiche noch einmal, nur brutaler. Jede Anzeige mit dem Datum 15.07.21 lässt mich erschaudern. Manchmal sind es Kinder, manchmal Ehepaare, manchmal alte Menschen - dabei trauere ich um jeden Menschen, gleich ob ich sie kenne oder nicht. Jeden Morgen mache ich seit dem 15.07. eine Kerze an und hoffe, daß es ihnen gut geht. Das Grauen, in einer Schlammflut mitgerissen zu werden, ist jenseits meiner Vorstellungskraft. Abends gegen 21 Uhr gingen nacheinander erst die Strom- und dann die Wasserversorgung in die Knie. Es folgte kurz danach der Zusammenbruch von Gas und der Telekommunikation. Es wurde dunkler und das Wasser stieg und stieg. Bis halb sechs rasten die tödlichen Massen an Schlamm und Wasser fast 30 Kilometer durchs Tal. Ich gedenke jeden Tag der armen Menschen, die nicht mehr sind.

    Das Leben geht sehr langsam wieder voran. In Bad Neuenahr werden nun zwei große "Mall-Zelte" errichtet, damit die Menschen wieder einkaufen können. Nachwievor hat kein Geschäft geöffnet, weil die Stadt vollständig bis zur ersten Etage im Schlamm versank. Jetzt wird mit diesen Zelten ein wenig Normalität wiederkehren. Ob das in unseren Dörfern weiter oben auch möglich wird, das will ich mal hoffen. Ich bin trotz allem guter Dinge und widerspreche jedem im Dorf, der mir zuviel lamentiert. Tagsüber kann ich sehr gut aufrecht durchs Dorf gehen und Mut machen, das hilft auch mir selber. Abends zweifle ich dann ein wenig, aber da ich ein wirklich positiver Mensch bin, glaube ich meinen Worten lieber :)

    Habt ganz lieben Dank. Daß Ihr mich lest und das ich das hierlassen darf!

    Peter

    Liebe Freunde,

    das ist so lieb und tut so unglaublich gut, daß ich weiß: im Forum ist immer jemand da und antwortet! Wie wunderbar, vielen, vielen Dank!

    Nun hat sich doch alles wieder geändert, wie schon seit der Flut-Nacht sich jeden Tag immer wieder was ändert, weil die Lage danach eben so extrem dynamisch war.

    Ich habe verkannt, daß auch ich "geschädigt" bin. Zwar nicht materiell oder körperlich, aber seelisch. Sieben Wochen Ausnahmezustand haben Spuren hinterlassen. Zwar habe ich vieles durch "funktionieren" wegdrücken können - aber irgendwann kommt alles zurück. So ist es mir vorgestern in einer Schulung ergangen. Ich saß und hörte zu, doch aufgenommen habe ich nichts. Statt dessen liefen mir einfach die Tränen, ich konnte nichts dagegen tun. Ich sagte mir ernsthaft: "Peter, nachher gehst du am Bahnhof über die Brücke und springst einfach runter." Suizidgedanken hatte ich das letzte Mal, als ich noch gesoffen habe. Plötzlich wusste ich: sofort nach Hause fahren! Ich habe die Schulung abgebrochen und bin in meine Unterkunft zurück.

    Dort habe ich versucht, in mich zu horchen: was ist richtig, was ist falsch, was brauche ich - und mache ich gerade überhaupt das Richtige? Ganz schwere Fragen für mich derzeit. Ich habe mit meinem Vorgesetzten gesprochen, auch mit meiner Chefin. Alles zeigen viel Empathie und versuchen, zu beruhigen.

    Am Ende des Tages habe ich alle meine Sachen gepackt und ins Auto verfrachtet. "Du kannst vor der Katastrophe nicht wegrennen." kam mir in den Kopf und habe mich entschieden, ins Ahrtal zurückzufahren und die Ersatzdienststelle im Sauerland abzusagen. Ich habe mich krankschreiben lassen und versuche, zur Ruhe zu kommen. Eine Freundin hat mich in ihr kleines Ferienhaus gelassen, dort bin ich nun und schreibe. Mein eigenes Haus habe ich ja an Flutopfer abgetreten, und dabei bleibt es natürlich auch. Dantes Nachricht und seine Frage, ob ich überhaupt mal irgendwo ankomme, habe ich damit beantwortet, glaube ich :) Bis zur Flut-Nacht habe ich dieses Tal als meine Heimat gesehen, danach war ich im Zweifel - aber nun weiß ich: ja, ich gehöre genau hier her, auch wenn es gerade überall grausig aussieht und alle traumatisiert sind.

    Ich bin bei Freunden berüchtigt für meine spontanen "Wendungen" im Leben. Manchmal denke ich, es wäre besser, etwas intensiver nachzudenken. Ich will immer gleich eine Lösung. Das hat mir so manches erschwert in meinem Leben. Aber vielleicht war es manchmal auch richtig.

    Danke fürs Lesen!

    Peter

    Liebe Freunde,

    ich habe länger nicht geschrieben. Seit dem 14. Juli ist mein Leben anders geworden. Ich bin ruhiger, oft sehr traurig, nicht verzweifelt, aber immer wieder zutiefst erschüttert. In den vergangenen sieben Wochen habe ich jeden Tag DANKE gesagt, daß ich noch lebe, mein Häuschen noch steht und alle Freunde und Kollegen unversehrt geblieben sind.

    Am 14. Juli hat ein Jahrtausend-Hochwasser "mein" kleines Ahrtal verwüstet. Seitdem erkenne ich die Dörfer nicht wieder, auch mein eigenes Dorf ist unfassbar verwundet. Meine Arbeitsstelle ist komplett zerstört: alle Eisenbahnbrücken, fast alle Tunnel, neun Triebzüge und über 20 Kilometer Gleise sind verschwunden oder kaputt. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, was in dieser Nacht geschehen ist. Seit diesem Tag sind so viele Menschen vermisst oder tot. Jeder hat ein schlimmes Erlebnis, fast alle kennen jemanden, der es nicht überlebt hat oder aber dessen Heim vernichtet wurde. Erst am Tag fünf nach der Katastrophe konnte ich wieder in mein Dorf, und die Erschütterung über das Geschehen hält noch tief in mir an. Ich habe sehr oft meine Fassung verloren und spontan geweint. Hinter dem Berg, auf den ich aus meinem Fenster schaue, liegen zwei Dörfer, die fast zwei Wochen lang abgeschnitten waren. Ach.. ich lasse diese Beschreibungen des Unbeschreibbaren. Unfassbar ist aber auch, daß mein Haus als eines von vieren diese schreckliche Nacht unbeschadet überstanden hat. "Ein Wunder", denke ich jeden Tag.

    Wie so viele, habe auch ich nur funktioniert und die Gefühle weggedrückt - denn sonst kann man anderen nur schwer helfen. In meiner Zweitwohnung habe ich eine "Duschzentrale" ausgerufen, denn die meisten hatten nicht nur kein Gas und Strom, sondern auch kein Wasser. So habe ich meine Nachbarn und Arbeitskollegen anders kennengelernt als üblich ;)

    Wenige Tage nach dem Unglück hat meine Firma reagiert und ein wunderbares Angebot gemacht. Wer kann und will, kann ganz woanders arbeiten. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Ich will nicht in den Trümmern leben, die uns hier noch lange begleiten, denn der Wiederaufbau wird Jahre brauchen. Ich habe eine Ersatzdienststelle im Sauerland bekommen. Ich werde mein kleines, beschauliches Tal für unbestimmte Zeit verlassen, am nächsten Dienstag. Mein Haus habe ich einem Nachbar-Ehepaar zur Verfügung gestellt, die in der Nacht alles verloren haben. Nun können sie sich bei mir erholen, so lange sie benötigen und zugleich Ihr Heim wieder aufbauen.

    Als die ersten Nachrichten laut wurden, wo sich wieder wer das Leben genommen hat; als ich erfuhr, wer sein Kind und seine Frau in der Flut verloren hat; als die Kapelle immer öfter wieder leise bimmelte und von einem weiteren Verlust zeugte, wusste ich: ich muss hier weg. Seit dem ich trocken wurde, habe ich nie wieder Suizidgedanken gehabt. Auch jetzt nicht. Genauso wenig habe ich an Alkohol gedacht. An eine Zigarette schon, aber ich hab es mir verkniffen. Das Weggehen ist ein Schutz, so verstehe ich das. Ich komme wieder, aber nun ist Schluss hier. Das Alte ist auf brutalste Weise gegangen. Das Neue ist noch nicht da. Aber ich kann mir was Neues erschaffen, und das mache ich jetzt.

    Ich danke Euch fürs Lesen!

    Peter

    Hallo Alex,

    danke für die Aufforderung :)

    Ihr habt das klasse gemacht, ich habe nichts zu meckern. Klar muss ich mich da erst zurechtfinden, aber das fällt mir jetzt leichter als mit der alten Version.

    Kurz und gut: Gut gemacht und weiter so :)

    LG Peter

    PS: Doch! Eine Bitte habe ich: wir leben in Deutschland, wir schreiben hier deutsch. Wie kann man solche Worte wie "Dashboard" übersetzen und den Eindruck einer Ablage für Waschmittel vermeiden? ;) Wie wäre es mit "Übersicht"? Oder liege ich falsch damit?