Hey Freunde, Peter hier. Ich bin ein Alkoholiker und heute trocken. Irgendwann im Jahr ist es soweit und heute bei mir: Vor sieben Jahren hatte ich meinen ersten Tag ohne Alkohol. Jedes Jahr wieder bringt mich "mein" Datum zum Nachdenken und Rückblick, beides mit Freude und Schaudern zugleich.
"Allein, mit meinem Teddy, dem stumm geschalteten Telefon und Mineralwasser bewaffnet lag ich im Flur vor meiner Wohnungstür, damit mich jemand hört, wenn etwas schief läuft." - So in etwa begann ich mein alkoholfreies Leben. Das kann man - wen es interessiert - auch gerne hier bei mir nachlesen
Dieser eine und ganz besondere Tag hat es in sich. Bei den Anonymen Alkoholikern ist von "Kapitulation" die Rede, und das ist irgendwie das richtige Wort dafür, auch wenn es mir nicht besonders gefällt und spontan vermeintlich bessere Bezeichnungen dafür einfallen. Aber darum geht es nicht, das wäre Haarspalterei. Bei mir waren die Tiefpunkte längst und ständig vorhanden, und nur in einem Augenblick des Mutes und des klaren Verstandes habe ich gelegentlich gedacht, daß es nicht tiefer gehen könnte.
Mein Tiefpunkt war, wie sicher bei den meisten, das Eingeständnis meines Scheiterns am eigenen Leben. Es war der Punkt in meinem Leben erreicht, an dem ich die Schuld an meinem verkorksten Leben nur noch mir selbst gab. Bis genau zu diesem Tag habe ich allen anderen auf dieser Welt die Schuld gegeben. Das ist für mich der wichtigste Punkt gewesen: die Einsicht: "Ok, ok, ok, ok. Ich selber war´s. Ich ganz allein. Niemand anders." - Mannomann... das hatte Jahre gedauert und erst mit diesem Eingeständnis begann mein Weg in die Freiheit eines selbst bestimmten Lebens abseits von Sucht und Dunkelheit.
Den Tag und die Nacht des 22. Juni 2006 habe ich mich in meiner Wohnung eingebunkert, bin nicht ans Telefon gegangen, habe kein Fernsehen geschaut und niemandem die Tür geöffnet. Zu tief waren die Wunden, die ich plötzlich bereit war, blosszulegen und anzusehen. Ich stand ein klein wenig neben mir, wie ein Schatten, und fühlte mich wie ein Voyeur, der behutsam und ängstlich sein Innerstes auf den Tisch gepackt hat: "So, nun schau´Dir das mal an."
Die Bereitschaft, mich selbst aus einem ganz anderen Winkel zu betrachten, war mir neu, und das ich genau im richtigen Moment die Fähigkeit dazu hatte, empfinde ich auch heute noch als ein Wunder.
Ohne den guten Satz "Das Wichtigste zuerst." zu kennen, machte ich genau das: ich beschränkte mich darauf, nicht zu trinken und mir Hilfe zu suchen. Natürlich träumte ich ein wenig in die Zukunft, aber das war so dermaßen vage und schwammig, daß ich es heute nicht mehr weiss. Ich denke, es waren so "Watte-Träume": an schöne Dinge denken, sich Gutes tun. An diesem 22. Juni 2006 habe ich fast alles richtig gemacht und ich wurde die kommenden Jahre meines Lebens dafür reichlich belohnt. Es ist ein nicht endendes Geschenk: die Freiheit, nicht mehr Trinken zu müssen.
Falsch gemacht habe ich an jenem Tag, daß ich den gefährlichen Weg des kalten Entzugs gegangen bin. Das war leichtsinnig und überflüssig, ich kann das niemandem raten sondern stattdessen nur empfehlen, den Weg über den ärztlichen Beistand zu gehen, der sicher und besser ist. Das Eingeständnis des eigenen Scheiterns sollte diesen Weg doch auch möglich machen, denke ich. Leider habe ich das damals nicht richtig eingeschätzt.
Ganz prima hingegen war, daß ich mich kurze Zeit danach in diesem Forum anmeldete. Alles war Neuland für mich: trocken werden und trocken denken, die Unterschiede zwischen nüchtern und trocken begreifen, die ersten Handlungen und Wege ganz vorsichtig ins neue Leben mit all seinen Stolpersteinen und Hindernissen. Ihr alle hier, Ihr habt mir sehr geholfen dabei, meinen trockenen Weg gehen zu können. Schön, daß es Euch noch gibt und daß wir alle gemeinsam jedem der hier anklopft die Hand reichen können.
In diesem Sinne: lasst uns weiter trocken durchs Leben segeln!
Ahoi: Peter 