Hallo Georg,
ich freu´mich, daß Du hier bist und bin gespannt, was Du uns erzählst. 40 Jahre Trocken - klasse.... Ich werd mich anstrengen müssen, aber einholen werde ich Dich nie ![]()
Lieben Gruß aus Tirol
Peter
Hallo Georg,
ich freu´mich, daß Du hier bist und bin gespannt, was Du uns erzählst. 40 Jahre Trocken - klasse.... Ich werd mich anstrengen müssen, aber einholen werde ich Dich nie ![]()
Lieben Gruß aus Tirol
Peter
Hallo zusammen,
Weihnachten und Sylvester sind gut überstanden, der Umzug nach Innsbruck liegt nun schon drei Wochen hinter mir, und so langsam kommt der Alltag zurück in mein Leben. Von meiner Vermieterin habe ich zu Einzug eine große Tüte Keske (hab´ich gleich gegessen) und eine Flasche Wein geschenkt bekommen (hab´ich umgehend weiterverschenkt).
Durch die Folgen des Gemobbes in der alten Firma in Hamburg war ich in meiner Alltagsstruktur ein gutes Stück aus der Spur geraten. Als ich aufhörte mit der Sauferei, musste ich erst wieder lernen und begreifen, was Struktur für mich als süchtiger Mensch bedeutet und wie verdammt wichtig sie ist, wenn ich trocken bleiben will. Wenn ich "nur" in den Tag hineinlebe und mein Kopfkino rattern lasse, ist das nicht gut für mich; es kann sogar schnell gefährlich werden, denn die Struktur hält und stützt mich.
Die tägliche Struktur fehlte plötzlich ab dem 7. September, als ich zu einem Gespräch mit meiner damaligen Chefin gebeten wurde. Denn ab diesem Tag ging ich nicht mehr arbeiten und liess mich krank schreiben.
Ich fiel eigentlich nur in ein kleines Loch... aber das hatte es in sich. Mit der Flucht nach vorn, mit meiner Bewerbungstour ab Spätsommer bei verschiedenen Firmen baute ich vor und ging einfach voran. Manchmal hatte ich den Eindruck, ich würde neben mir stehen, besonders wenn ich mir zwischendurch Zeit nahm und die Städte ansah, in denen ich mich bewarb. Unwirklich kam mir mein Leben vor, irgendwie wie im Kino ![]()
Erst mit den Zusagen - und damit ein paar Streicheleinheiten für die Seele - fasste ich wieder langsam Tritt in meinem etwas ins stolpern geratenen Leben. Gestern bekam ich einen Brief meines ehemaligen Arbeitgebers in Hamburg: man entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten die ich mit meiner Vorgesetzten hatte sowie dafür, dass ich darunter gelitten habe und wünschte mir alles Gute. Das hat gut getan, sehr gut. Auch wenn ich in der Folge des Gemobbes Arbeit und Wohnort gewechselt habe, ist dieses leidige Thema damit ein paar Stufen runtergefallen.
In den letzten Tagen habe ich meine neue Firma etwas kennengelernt. Natürlich ist noch alles neu, aber es gibt bereits jetzt einen großen Unterschied: die Kultur des Miteinander ist ein andere, eine viel menschlichere und freundlichere. Ich hoffe sehr, daß ich zurecht komme hier. Im Moment ist es fast zuviel "Gutes", aber warum soll ich auch nicht endlich einmal wieder "Gutes" bekommen und annehmen? Ich weiss warum: Mit der Zeit wird man abgebrühter und reibt sich verwundert die Augen, wenn man mit seinem Leben wieder in freundlichere Gewässer schippert.
Das Jahr 2010 hat mich ordentlich durchgerüttelt, sag´ich Euch. Aber genauso wie die anderen Dinge, die mein Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen drohten, hat mir auch diesmal wieder die lange und dauerhafte Arbeit an meiner Nüchternheit geholfen. Ohne die Arbeit in der Gruppe und ohne das Schreiben wäre ich ganz sicher nicht dort, wo ich heute bin: trocken, mit Arbeit und einigermaßen stabil im Leben.
An dieser Stelle sag´ich mal wieder gerne Danke für die freundlichen Kommentare der Mitleser - ich freue mich immer wahnsinnig darüber. ![]()
Peter
Guten Morgen zusammen,
hier tippt Peter aus Innsbruck.
Bis vor einigen Wochen war ich "Peter aus Hamburg", aber das hat sich geändert
Der Umzug war sehr anstrengend, aber nun ist alles hier und ich habe soweit es geht alles eingeräumt und mich häuslich eingerichtet. Die Stadt habe ich ein wenig angesehen und auch das Dorf, in das ich gezogen bin. Es ist ein Luftkurort hoch in den Bergen, es ist auf dem Land und fast ein wenig zuviel Idylle... Ich habe eine kleine gemütliche Dachwohnung in einem alten Hotel gemietet und versuche mich, langsam an das ganz andere Leben als in Hamburg oder Berlin zu gewöhnen. Ich bin sicher, es wird mir gelingen.
Weihnachten habe ich zu meiner nassen Zeit geradezu in Alkohol ertränkt. Ich wollte nichts mit Menschen zu tun haben. Alles kam mir scheinheilig vor, sinnentleert und vollkommen überflüssig. Ich wohnte noch in Berlin und es war kein Kunststück, in der großen Stadt Gleichgesinnte zu finden. Also sah ich rechtzeitig zu, welche Kneipen an Heiligabend geöffnet hatten und wo sich ungefähr "meinesgleichen" tummelte. Herrlich! Dort traf ich mich mit anderen Säufern, um über das Elend der Welt, das Verlogene des Weihnachtsfestes und wer weiss was zu lamentieren. Das war Stoff für Tage - und betrunkene Menschen bereden ja bekanntlich alles doppelt und dreifach, auch wenn es noch so falsch oder blödsinnig ist. "*Hicks* .. Über uns selber redeten wir natürlich nicht - mit UNS war ja alles in Ordnung. Nur die Welt, die sich um uns herum drehte, war aus den Fugen. WIR doch nicht...
Natürlich litten alle wirklichen Freunde, wenn ich sie noch hatte, unter meiner alkoholisierten Weltfremdheit, meines egozentrischen und unsinnigen Weltbildes. Besonders meine Familie litt darunter, denn auch die wollte ich nicht sehen an diesen Feiertagen. Ich glaube, ich habe fast 20 Jahre Weihnachten nicht mit der Familie verbracht - ich habe mich lieber weiter in mein eigenes Elend gesoffen. Ach war das herrlich.... Das war für mich DIE Gelegenheit, mich drei Tage wegzumachen.... Alle Welt feiert doch auch, da fällt es ja nicht so auf! Also fleissig Vorräte angelegt in den Tagen zuvor, damit auch ja kein Leerstand im Kühlschrank ist. - Was für eine armselige Zeit.
Heute aber fahre ich zu meiner Mutter nach Norddeutschland. Wir feiern mit der ganzen Familie. Alkohol kommt ohnehin nicht auf den Tisch, Geschenke machen wir nur sehr selten... lieber sind wir alle zusammen und erzählen uns, was so passiert ist in unserem Leben. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr wird. Erst einmal muss ich die lange Zugfahrt überstehen und hoffe, es geht alles gut!
Uns allen ein schönes und trockenes Weihnachtsfest.
Peter
Guten Morgen zusammen!
Was habe ich getan an einem Tag wie diesem, als ich noch nass war?
Wie sah er aus, mein immer wiederkehrender Samstag vergangener Tage?
Er war geprägt von Angst. Angst vor Menschen und Angst vor zu wenig Vorrat an Alkohol. Ich habe die "dringenden" Einkäufe erledigt.. Ich fuhr zu Einkaufsläden, wo man mich nicht kannte. Die "normalen" Dinge kaufte ich um die Ecke.. auch eine Flasche Wein. Aber die Massen, die Kästen Bier und die vielen anderen Flaschen Wein kaufte ich in einem anderen Stadtteil. Wenn ich dann alle Einkäufe erledigt hatte, ordnete ich alles schön in der Küche ein ("... ist doch alles in Ordnung hier...") und wenn ich noch genug Kraft hatte, räumte ich die Wohnung etwas auf. Zwischendurch schielte ich immer wieder mal auf die Uhr: "Ist es schon soundsoviel Uhr? - Vielleicht ein Glas Putzwein? - Einen kleinen Frühschoppen? Zur Belohnung?"
Wenn dann hoffentlich niemand anrief oder vorbeikam, konnte ich mich etwas "ausruhen" und ein Gläschen zu mir nehmen! "Aahhhh.... was habe ich heute wieder alles gut geschafft..!" Und DAMIT begann eigentliche der Sinn des Tages: TRINKEN. Alles andere war nur die gepflegte Vorbereitung auf das Wesentliche.
Ich trank dann den ganzen Tag, bis in den späten Abend, und bis ich nicht mehr wusste, wie spät es eigentlich und welcher Tag ist.
Ein großes "Unglück" war dann, wenn mich jemand unverhofft zu einem Treffen einlud - oder noch schlimmer: einfach vorbeikam. Im letzteren Fall habe ich die Tür nicht aufgemacht. "Was wollen die Leute? - Unverschämtheit!"
Wenn ich mich aber doch zu einem Treffen mit jemandem überreden liess, begann der Stress... Ich musste mich einigermaßen herrichten, denn ich war ja schon in meinem "Haus-Suff" und wollte niemanden sehen. Auf jeden Fall ging ich betrunken zu diesen Ereignissen, nüchtern war ich dort nie. Das wäre nicht gegangen, denn man hätte noch mehr mitbekommen, in welcher Geschwindigkeit ich die ersten halben Liter heruntergekippt hätte. Dazu habe ich dann noch herumgetönt: "Ich bin ja nicht zum Spass hier!"
Irgendwann bin ich vollkommen betrunken nach Hause gekommen. Meist bin ich ein paarmal hingefallen unterwegs, auf jeden Fall aber die Treppe hinaufgestürzt. Wenn ich noch Geld hatte, habe ich mir irgendwas (wirklich "irgendwas") von einem Imbiss mitgebracht. Dann habe ich das Zeug besoffen in der Wohnung verteilt und noch versucht, ein letztes Bier reinzubekommen. Meist ging nichts mehr. Ich fiel ohne mich noch umzuziehen in mein Bett und erwachte irgendwann völlig gerädert.
"Wo bin ich gewesen? Mit wem eigentlich? Was ist geschehen? Wie sieht es denn hier aus? Wo kommt der Dreck her?"
Das waren meine Samstage, jahrelang.
HEUTE geht es mir gut. Es ist ruhig draussen und es regnet. Ich geniesse meinen klaren Kopf und ich geniesse meine FREIHEIT, nicht mehr trinken und rauchen zu müssen. Das trockene Leben hat mir auch immer wieder einige schwere Brocken vor die Füsse geworfen. Aber NÜCHTERN bekomme ich das Leben gut gemeistert.
Peter
Hallo zusammen.
Ich lasse so die Gedanken schweifen gerade.
Gestern kam die schriftliche Zusage für die neue Stelle in Innsbruck. Ein wenig habe ich den Eindruck, ich habe mich selbst damit überfallen, wo ich doch eigentlich immer dachte, ich würde wieder nach Norwegen gehen. Ich bin so froh, daß die ganzen Überlegungen ein Ende haben! Es geht wieder voran und ich muss nicht mehr im Ungewissen herumpulen.... das war ein ganz grässlicher und so unproduktiver Zustand
Ich bin auch so ein Heini, der sich ruckzuck im Kreis dreht! Es ist nicht immer einfach, aus so einem Gedankenkarussell auszubrechen. Und es gehört irgendwann wohl auch ein Einfluss von außen dazu...
Seit vier Jahren teile ich nun hier mit, wer ich bin - wie mein Weg war und was mich beschäftigt. Seit Frühjahr letzten Jahres mache ich eine Therapie, als ich im Januar und Februar 2009 zusammengeklappt bin. Ich habe mir zuviel zugemutet, ich bin weit über meine Grenzen gegangen im letzten Jahr. Keine Pause, nicht zurückgeschaut, immer nur voran. Eine sehr gefährliche Handlungsweise, finde ich. Ich habe nämlich nicht mehr auf mich geachtet, ich habe die Signale des Körpers "übersehen". Das soll mir nicht mehr so schnell passieren, habe ich mir vorgenommen. Ein paar Dinge aus der Anfangszeit meines alkoholfreien Lebens habe ich wieder hervorgekramt: "Immer mit der Ruhe" und "Eins nach dem anderen"...
Nach den letzten Wochen der Ungewissheiten, der Demütigungen in der Firma und des sich (wieder mal) daraus resultierenden minderwertig fühlens, bin ich irgendwie einen ganz schön großen Schritt weiter gekommen. Immer wieder freue ich mich dann über meine Trockenheit und die Gelegenheit, das Leben so zu gestalten, wie ich es nur trocken und nüchtern hinbekommen kann.
Die nächsten Wochen werde ich mich mit dem Organisatorischen für den Umzug beschäftigen. Aber auch viel mit mir selber. Die Therapie endet im Dezember, im Dezember werde ich auch nach Innsbruck umziehen. Vielleicht sollte das alles so kommen... Wie dem auch sei: ich nehme es an, wie es kommt ![]()
Danke fürs Lesen.
Peter
Guten Morgen zusammen,
hier schreibt Peter.
Nach den recht anstrengenden und aufwühlenden Wochen kommen hoffentlich wieder bessere Zeiten auf mich zu. Gestern, auf der Rückfahrt von meinen zwei Vorstellungstagen in Innsbruck, war ich zwar noch sehr aufgewühlt, aber auch entspannt: Ich habe eine Arbeitsplatz-Zusage in Innsbruck bekommen! Es waren zwei anstrengende Tage der Tests und Gespräche, aber am Ende gab man mir die Hand und sagte, dass man sich sehr freuen würde, wenn ich käme ... bla bla und so weiter :-)))
Im Vorstellungsgespräch kam sogar das grottenschlechte Verhältnis zu meiner jetztigen Chefin zur Sprache - und ich habe geredet und die Wahrheit gesagt, Ich konnte einfach nicht sagen, dass bisher alles prima lief in der Firma und habe versucht, es zu erklären. Das scheint gelungen zu sein, denn man hakte zwar interessiert nach, nahm es aber am Ende anscheinend nicht so wichtig. Während ich darüber redete dachte ich "um Himmel willen, warum tust du das.." - aber es fiel einfach aus mir raus. Scheinbar bin ich wirklich nicht der Typ Mensch, der so einfach lügt... Ich habe das Gefühl, diesmal richtig gehandelt zu haben.
Nun komme ich langsam zu mir... Ein ganz neues Kapitel beginnt in meinem Leben: ich werde ein Tiroler. Na sowas!
Nach viereinhalb Jahren trocken leben passieren Dinge mit mir, die ich früher noch nicht einmal angedacht hätte: Aus einer miesen und menschlich unanständigen Behandlung, an deren Ende die Kündigung stand, entsteht etwas Neues und GUTES ... Auch wenn ich nahe am Druchdrehen war und mich oft im Kreise gedreht habe: Nüchtern und klar ging alles gut!
Danke fürs Lesen!
Peter
Guten Morgen zusammen!
Ich habe etwas länger nicht geschrieben. Manchmal habe ich solche "Nichtschreib-Phasen"... Diesmal war es nicht aus Faulheit - ich kann manchmal nicht schreiben, weil es zu sehr rumort im Kopf. Das Kopfkino blockiert mich dann leider und ich drehe mich im Kreis. Heute beichte ich etwas über meinen Leichtsinn Anfang September. Ich habe mich selber über mich erschrocken und möchte es erzählen.
Die "Alkoholfreie Zone" ist für mich eine der wichtigsten Grenzen.Seit meinem ersten trockenen Tag vor 4 1/2 Jahren habe ich aus gutem Grund dafür gesorgt, daß es bei mir in der Umgebung keinen Alkohol gibt. Neulich, an jenem Tag Anfang September, als ich von meiner Chefin runtergemacht und "entsorgt" wurde, hatte ich Alkohol in der Wohnung, den ich zwar nicht selber gekauft habe, den ich aber für einen Freund mit nach Norwegen bringen sollte. Nie wieder werde ich
das machen! In der Nacht vom 7. auf den 8. September habe ich kein Auge zugedrückt, so gedemütigt, traurig und verwirrt war ich. Es war die schlimmste Nacht in meiner trockenen Zeit - und gerade zu diesem Zeitpunkt hatte ich nun Alkohol in der Wohnung - was für ein Leichtsinn... Ich sah die Flasche vor mir, ich spürte fast die Wirkung des WEGmachens - ohne einen Schluck zu trinken. Aber ich DACHTE immer daran, dass ich Alkohol in der Wohnung hatte.. So kam zu der
Verzweiflung noch der Gedanke an den Schnaps... GOTTSEIDANK bin ich trotz aller Verwirrung klar geblieben. Ich bin nachts wieder aufgestanden und habe hier aufgeschrieben, was mich bewegte und wusste: ich bin nicht allein - ich brauche keinen Alkohol mehr, meine "Probleme" werden nur noch schlimmer, wenn ich einen Rückfall baue. Aber so knapp war ich noch nie davor; der Gedanke an Alkohol war ein paar Stunden sehr stark. Seit dieser Nacht weiss ich, WIE wichtig meine alkoholfreie Zone für mich ist. Diesen Fehler werde ich nicht wiederholen. Immer wieder predige ich "keinen Alkohol im Haus" und mache genau diesen Fehler. Unglaublich.
*schnipp*
Meine Vorstellungsrunde im beruflichen Leben geht weiter. Nach dem Gespräch in der Schweiz am 22.09. fahre ich morgen früh nach Innsbruck. In Basel lief es ganz gut glaube ich, habe aber noch keine Nachricht. Die Arbeitszeiten sind ein Graus und ich habe innerlich schon etwas Abstand von Basel genommen. Nachdem meine Norwegenreise ja schon sehr erfolgreich verlaufen ist, hänge ich nun irgendwie zwischen den Seilen: Eine Zusage aus Norwegen, die mich nicht wirklich zufrieden macht, die aber ein sehr komfortabler "Notnagel" ist. Die Überlegung, nach Innsbruck zu gehen, wenn sie mich denn wollen. Oder auch nach Berlin, der Stadt in der ich Alkoholiker wurde und in der ich auch wieder trocken wurde. Über allem schwebt ein Hammer: Wenn man meine Vorerkrankung bemerkt, bekomme ich nirgendwo einen Vertrag. Niemand stellt jemanden ein, der eine chronische Krankheit hat. Also muss ich eventuell lügen, wenn Fragen nach meiner Gesundheit kommen. Manche Firmen machen auch eine ärztliche Untersuchung und dann kommt das mit der Leukämie raus... Ach - was solls: ich habe es nicht in der Hand und versuche, es auf mich zukommen zu lassen.
Allerdings macht mir mein Zwischenzeugnis Kopfschmerzen, dass meine Chefin erstellt hat: es sind ein paar Formulierungen drin, die nicht
gut sind... das muss geändert werden und ich überlege, wie ich das anstelle. Kooperativ ist diese Frau nicht - und ein Gang zum Arbeitsgericht bedeutet Nerven- und Zeitverlust. Beides tut mir nicht gut gerade.
Was auch wird: es wird schon ![]()
Danke fürs Lesen.
Peter
Guten Morgen zusammen!
Überrascht bin ich, wirklich überrascht und sehr zufrieden, WIE gut
ich über mein Tief von Dienstag und Dienstag Nacht hinweggekommen bin.
Natürlich habe ich noch ein erhebliches Grummeln und eine große Wut
auf Chefin und Firma. Es sind Verletzungen, die unter die Haut gehen,
die am Selbstwert kratzen und die einfach weh tun.
Und doch habe ich es hinbekommen, meine Sicht der Dinge teilweise zu
drehen - das Vergangene ruhen zu lassen und das Neue anzugehen.
Nass hätte ich nun wieder mehr als tausend Gründe gehabt, mich
WEGzumachen, anderen die Schuld an meinem Elend zu geben und mich
nicht weiter um mich zu bemühen.
Trocken und nüchtern habe ich die Chance, nach Tiefen und
Enttäuschungen weiterzugehen und mit mir selber Riesenschritte zu
machen. Alles wird gut!
Ich wünsche Euch eine gute trockene Zeit. Danke fürs Lesen.
Peter
Guten Morgen liebes Forum ![]()
Ich habe mich wieder etwas berappelt. Nach der schlaflosen Nacht habe ich einen Tag voller Telefon-Gespräche gehabt und mich ausgesabbelt. Gegen Nachmittag bekam ich wieder Boden unter die Füsse und habe noch zwei Bewerbungen geschrieben, bei dem interessierten Arbeitgeber in der Schweiz angerufen (wie schon erwähnt) und den Vorstellungstermin am 22.09. ein wenig inhaltlich besprochen und bestätigt. Eine aufgeräumte Wohnung habe ich mir gegönnt und versucht, mir selber wieder ein wenig Struktur zu "basteln". So eine Struktur, wie auch immer sie aussieht, hilft mir, klarer zu sehen. Egal ob das der Küchenschrank ist, den ich endlich mal aufräume, oder ein Tagesplan, den ich erstelle (auf dem auch "Füsse hochlegen um 17 Uhr" stehen kann ;-))
Immer wieder frage ich mich: "... bin ich wirklich so bescheuert? - bin ich echt sooo schlecht?..." und sage dann laut "STOP" zu mir...
"Wenn ich erst in diese Denke reinrutsche, hat die blöde Kuh von Chefin gewonnen..." kommt mir in den Sinn, also lasse ich das. Die Bestätigung, daß ich meine Arbeit ordentlich gemacht habe, habe ich von anderen Menschen bekommen, die mir wichtiger waren, als meine Chefin.
Verwirrend war für mich vorgestern und gestern zu beobachten, wie schnell ich in ein tiefes seelisches Loch plumpsen kann. Meine Trockenheit ist stabil, aber sie ist nie und nirgends wirklich 100%ig, das gibt es nicht. Als ich mitten in der Nacht den leichten Wunsch verspürte, mich WEGzumachen, nicht mehr DENKEN zu müssen, wurde mir klar, wie zerbrechlich meine Trockenheit auch nach etwas über vier Jahren sein kann. Ich bin aufgestanden in der Nacht und habe geschrieben. Hier und auch noch einen Brief an mich selber. Diese Hilfe ist unheimlich wichtig für mich.... jederzeit alles aufschreiben und abschicken zu können. Ich weiss, irgendjemand ist wach und liest mit... das ist ein großer Trost.
Gestern gab man mir einen guten Tip... Ich werde heute zum Arzt gehen und eine Kur beantragen. Ich habe doch jetzt Zeit und es wurde mir nach der Leukämie-Diagnose immer wieder angeboten und geraten, also mache ich das. Es wird mir gut tun. Leider kann ich nicht Mäuschen spielen und den hochroten Kopf meiner Chefin sehen, wenn sie davon erfährt.
Heute lasse ich es mir wieder gutgehen. Es ist ein schöner Tag: draussen ist der Herbst angekommen und diese Jahreszeit passt gut zu meiner Verfassung. Ich bin dankbar und froh, dass ich trocken und nüchtern durch mein Leben gehen kann. Ganz lieben DANK allen, die an mich denken und mich hier unterstützen!!!
Peter
Danke, Matthias ![]()
Ich hab es so gemacht und es hat geholfen!
Ausserdem habe ich nochmal mit der Firma in der Schweiz telefoniert. Es sieht gar nicht so schlecht aus.
Irgendwann werde ich wieder wissen, wofür dies alles gut war...
Heute, am "Tag danach", spüre ich wieder große Dankbarkeit, dass ich mein trockenes Leben leben kann.
Danke fürs Lesen!
Peter
Hallo Ihr Lieben,
ich danke Euch sehr für Eure Worte.
Mir tut das einfach nur gut - ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr.
Mein Kopfkino tobt, ich kann nicht abschalten und an Schlaf ist nicht zu denken.
Was geschieht gerade mit mir? Ich wollte ohnehin nicht bleiben in diesem Unternehmen. Alles halb so schlimm also? Nein, ganz und gar nicht. Man hat mich tief getroffen und ich beginne gerade, meine Wunden zu lecken. Unfair, hinterhältig, gemein - was fällt mir nicht alles ein an Vergleichen und an Dingen, die in den vergangenen zwei Jahren in dieser Firma geschehen sind. Ich erinnere mich an den ersten Tag und an das unfreundliche erste Aufeinandertreffen mit meiner Chefin. Mir war von Beginn an klar, daß ich keine Chance habe, aber im Verlauf der Zeit habe ich das wohl etwas verdrängt. Gestern hat sie in gewohnter Weise um sich geschlagen und nun mich getroffen. Ich habe damit gerechnet, aber dennoch tut es weh. Vor allem weiss ich nicht, warum ich eigentlich noch einen Tag in dieser Firma arbeiten gehen sollte. Morgen habe ich wieder einen 11-Stunden-Dienst und ich frage mich verstärkt: "Warum verdammtnochmal gehst du da hin...?". Es wird mir ganz sicher nicht gut tun und gedankt werden wird es ohnehin nicht. Niemand wird sagen: "Mensch, toll, daß Du trotzdem noch kommst." oder "Danke"... nichts dergleichen. Blöde und neugierige Blicke werde ich auf mich ziehen, wenn ich morgen durch dir Tür komme. Die Gaffer werden da sein und diejenigen, die es (noch) nicht getroffen hat.
Gedichte kommen mir in den Sinn, die mir helfen können. Rationale Gedanken versuche ich mir zurecht zu legen. An die Zukunft versuche ich zu denken. Das HEUTE erlebte möglichst schnell beiseite legen und auf das MORGEN schauen zu können... Das wäre fein ![]()
Es ist vorbei, ich muss mich nicht mehr mit der Überlegung beschäftigen "Soll ich gehen oder nicht, wenn - wann dann und wie mache ich das..." und so weiter. Diese Entscheidung wurde mir heute abgenommen und vielleicht ist das gut so.
Es ist nicht die erste schwierige Situation in meiner trockenen Zeit und es wird auch nicht die letzte sein. Ich bekomme das hin. Trocken und nüchtern und mit Hilfe vieler lieber Menschen ![]()
Gute Nacht
Peter
Hallo zusammen,
ich bin´s wieder ![]()
Es hat nicht so geklappt, wie ich mir das gewünscht habe. Die Chefin hat die Akte aufgeklappt und mir vorgehalten, was ich mir "geleistet" habe... Sie hatte alles auf Tag und Stunde protokolliert und bis auf einen Vorfall nur Negatives aufgeführt. Die positiven Dinge, die ich in dieser Zeit in der Firma erlebt und getan habe, sie sind in keiner Weise protokolliert. Ich habe mir gedacht, daß es so oder ähnlich laufen würde. Sicherlich habe ich Dinge nicht immer richtig gemacht - aber ein vollkommener Schwachkopf war ich nun die letzten zwei Jahre auch nicht. Die Art und Weise, wie sie mir diese Dinge vorgehalten hat, war typisch für sie. Ich werde diese Frau sicher nicht vermissen.
Nächte Woche soll ich mein Zwischenzeugnis bekommen und damit werde ich mich weiter bewerben und dieses Zeugnis auch mit zum Vorstellungsgespräch in die Schweiz mitnehmen.
Am ersten Tag in dieser Abteilung der Firma dachte ich: "Hier wirst Du nicht zurechtkommen." Genauso ist es gekommen. Ich habe es von der ersten Minute an gespürt und mein Gefühl hat mich nicht im Stich gelassen. Diese Frau passt in irgendwelche Vorabendsendungen um Privatfernsehen... hinterhältig und zerstörerisch in ihrem Tun und ihrem Wesen. Ich finde es absolut erniedrigend, wenn ich mit solchen Menschen beruflich zu tun habe und mich aufgrund des Dienstranges in irgendeiner Art und Weise ducken muss. Diese Zeit habe ich nun hinter mir und kann aufatmen, weil mir nun sowohl eine Last abgenommen wie auch die Entscheidung erleichtert wurde: ich hätte keine große Freude weiter in diesem Unternehmen mit dieser Chefin gehabt und werde hoffentlich woanders besser zurechtkommen.
Trocken und nüchtern im Kopf werde ich auch durch diese Zeit kommen. Es ist Zeit für etwas Neues - und darauf freue ich mich.
Liebe Grüße
Peter
Guten Morgen zusammen,
heute nun ist der entscheidende Tag. Meine gruselige Chefin hat mich zum Gespräch gebeten um über den Arbeitsvetrag bzw. meine "Beurteilung" zu sprechen, die der Festeinstellung voraus geht. Gestern musste ich bereits zum Betriebsarzt, der nichts gegen eine Festanstellung hat, trotz der Leukämie.
Egal, wie dieses Gespräch ausgeht: meine innere Kündgung habe ich längst hinter mir. Aber natürlich ist meine Position erheblich besser, wenn ich mich aus einer Festanstellung heraus bei anderen Betrieben bewerbe.
Am Freitag mittag bimmelte mein Mobiltelefon mit einer mir völlig unbekannten Nummer. Es war eine Firma aus Basel, die mich am 22.9. zu einem Vorstellungsgespräch in die Schweiz eingeladen hat. Das hat mir natürlich eine Menge Aufwind gegeben, auch für das heutige Gespräch.
Ein guter Freund berichtete mir heute früh einen ähnlichen Fall wie den, den ich mit meiner Chefin derzeit erlebe. Es grenzt nicht nur an Mobbing, es ist Mobbing. Denn wenn ich einem Mitarbeiter etwas unterschiebe, ihm Verdächtigungen und unbewiesene Dinge vorhalte - ihn danach aber gleich ohne weitere Aussprache zur Arbeit schicke! Dann ist vorprogrammiert, wann man den nächsten Fehler macht. Dieses System hat Programm und es steckt die Absicht dahinter, Fehler zu machen. Das ist ausgesprochen widerlich und unfair. Es treibt Mitarbeiter in Fallen, aus denen manche nur sehr schwer wieder herausfinden.
Ich werde wahrscheinlich nicht mehr in diese Fallen meiner Chefin tapsen, aber ich werde auf jeden Fall vorsichtig sein.
Hallo zusammen, hallo Kathleen!
Du hast vollkommen recht, Kathleen. Das sind Überlegungen, die mir auch schon ansatzweise durch den Kopf gegangen sind.
Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Norweger oder allgemein die Skandinavier ein größeres Alkoholproblem haben, als die Europäer. Es wird oft so dargestellt. Der Umgang mit Alkohol in Norwegen allerdings ist deutlich zurückhaltender und allgemein erheblich stigmatisierter als in Deutschland. Man findet in Norwegen kaum einen Menschen, der mit einer offenen Flasche herumläuft. Das ist absolut verpönt und würde kaum einer wagen.
Am Wochenende allerdings kann man sehr gut beobachten, wie die Jugend sich hemmungslos betrinkt. Das geschieht zuerst "im stillen Kämmerlein" und danach in der Öffentlichkeit. Dies aus dem Grund, weil Alkohol sehr hoch besteuert ist und für die Jugendlichen nicht bezahlbar. Erst seit ein paar Jahren ist es möglich, Alkohol auch im Supermarkt zu kaufen - allerdings ausschliesslich Bier und kein Wein oder Schnaps. Nach 17 Uhr wird dann ein Vorhang vor die Flaschen gezogen, weil der Verkauf ab dann verboten ist. An Tankstellen oder Kiosken wird man zu jeder Zeit vergeblich nach Alkohol suchen - den gibt es nur im "Monopol-Laden" - das sind staatliche Alkohol-Verkaufsgeschäfte, die am Wochenende selbstverständlich geschlossen sind. Auch in Deutschland trinken die Jugendlichen am Wochenende heftig und ich muss sagen, daß mir die deutschen Jugendlichen weit mehr auffallen in ihrem bisweilen hemmungslosen und manchmal leider tödlichem Alkoholkonsum.
Sie brennen den Alkohol dort häufig selber, die Norweger. Ich persönlich habe bei meinen Besuchen in Norwegen aber (noch) nicht bemerkt, daß das Alkoholproblem größer ist, als in Deutschland. Es gibt immer wieder diese überlieferten Meinungen über Alkoholprobleme in Skandinavien. Das betrifft vielleicht eher die Bereiche nördlich des Polarkreises.
Trotzdem tendiere ich mittlerweile bei meiner Arbeitssuche in Richtung Österreich oder der Schweiz - aber aus Gründen der Faulheit wegen der deutschen Sprache, die ich einfach besser beherrsche. Wegen der Dunkelheit würde ich jedenfalls nicht trinken, die mag ich nämlich eher als zuviel Sonne. In die Gegenden, in die ich ziehen würde, ist es allerdings nicht wirklich dunkel, denn sie liegen in West - und Südnorwegen.
Heute vormittag habe ich begonnen, alle Sprüche meiner Chefin niederzuschreiben. Der ein oder andere vergessene Spruch wird mir auch noch wieder einfallen. Wenn ich gehe, werde ich ohne weiteren Kommentar ein "Memo" an die Kündigung heften. Allein das Aufschreiben und der Gedanke, es abschicken zu können, haben meine Stimmung an diesem Tag deutlich gehoben ![]()
Ab heute habe ich drei Tage frei. Ich bekomme Besuch und werde es mir gut gehen lassen.
Allen ein schönes Wochenende und eine schöne und trockene Zeit!
Peter
Guten Morgen zusammen,
ab heute tippe ich wieder GROSS und klein. Ich habe mich gefragt, warum ich eigentlich zur Kleinschreibung gewechselt bin... und habe nur eine Erklärung gefunden: meine Faulheit! Das geht natürlich nicht - Schluß damit ![]()
Gestern war ich in einem Bekleidungsgeschäft, um mir ein neues Sakko zu kaufen, schliesslich habe ich diesen Monat ein paar Bewerbungsgespräche gut zu überstehen. Bei der Anprobe habe ich mich erstmal gefreut, weil der Bauch fast weg ist und ich eine Nummer kleiner nehmen kann als sonst. Dann aber sah ich mich genau an und entdeckte, wie kaputt ich im Gesicht aussehe: traurig und übermüdet. Ich habe mich ziemlich erschrocken, muss ich sagen. Vom positiv dreinblickenden Peter war nur noch mit gutem Willen etwas zu sehen.
Das erste Mal seit zwei Jahren bin ich gestern nicht zur Arbeit gegangen, weil ich mich nicht "fühlte"... und es war die richtige Entscheidung.
Die Anstrengungen der letzten Monate, um des "Lieben Friedens willen" gute Mine zum bösen Spiel zu machen, haben Spuren hinterlassen. Die Chefin versucht viel, um die noch neuen Mitarbeiter zu verunsichern und ängstlich zu machen. Ihre dummdreiste und prollige Art geht mir nur noch auf die Nerven. Aber ich lächle - noch. Am 7.9. hat sie mich zu einem Gespräch beordert. Es wird um meine Vertragsverlängerung gehen oder um die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Selbst wenn der Vertrag verlängert wird, werde ich gehen. Aber das sage ich natürlich nicht.
Am 15. September fliege ich nach Norwegen und habe die schon erwähnten zwei Vorstellungsgespräche. In letzter Zeit ist mir auch der deutsch-sprachige Raum in den Sinn gekommen - und so habe ich einfach noch einige Bewerbungen nach Österreich und in die Schweiz geschickt. Aus der Schweiz habe ich schon zwei ganz ermunternde Reaktionen und die könnten noch im September zu Vorstellungsgesprächen führen. Es ist eine blöde Situation: Ohne meine chronische Leukämie hätte ich gute Chancen - aber wenn es zu einer ärztlichen Untersuchung im Vorfeld kommt, wird mich keiner mehr einstellen befürchte ich.
Vielleicht mache ich mir auch zu viele Sorgen deshalb, aber ich bin da ohne Rezepte oder Ideen. Was ich aber ganz sicher nicht mehr will, ist diese ordinäre und bescheuerte Chefin. Deshalb ist das Gespräch mit ihr am 7.9. und eine eventuelle Übernahme nur noch gut - oder schlecht für meine Psyche und mein Ego. Im Grunde kann es mir egal sein, ist es aber natürlich nicht. Wenn mein Vertrag verlängert wird, werde ich natürlich unterschreiben und erst dann kündigen, wenn ich einen neuen Vertrag, egal ob aus der Schweiz, Österreich oder Norwegen, unterschrieben habe.
Dann aber freue ich mich auf ihr bescheuertes Gesicht, wenn ich nach Vertragsverlängerung kündige ![]()
Die letzten Monate haben mich wirklich ganz schön weich gekocht. Oft habe ich nur funktioniert und die Tage und meine Arbeitsdienste einfach und ohne Interesse runtergespult. Aber schon der Umstand, daß ich genau dazu in der Lage bin, und zwar über einen recht langen Zeitraum, zeigt mir, wieviele körperliche und seelische Reserven ich im Grunde habe: eine ganze Menge, finde ich! Wenn ich zurückdenke und mal ganz vorsichtig an meine Grenzen zu Saufzeiten denke, kann ich mir heute ziemlich lange auf die Schultern klopfen. Als ich soff, hatte ich keine Grenzen: weder kannte ich am Ende meine Trinkgrenze noch hatte ich eine halbwegs klare Einstellung zum Leben, noch konnte ich mich gegen "gut" oder "böse" abgrenzen.
Egal was gerade ist: wir können trocken und nüchtern eine ganze Menge bewältigen. Viel, viel mehr, als wir zu unseren Saufzeiten je gedacht oder uns zugetraut hätten.
Allen eine gute Zeit und danke fürs Lesen.
Peter
guten morgen zusammen.
ich habe drei tage frei und bin mit dem motorrad nach berlin gefahren, in meine "alte" heimat. ein paar freunde von früher treffen und einfach mal wieder die belastete luft dieser stadt schnuppern. nach der ankunft gestern traf ich mich mit einem alten freund, der nach einem halbwegs ermutigenden anfang des nichttrinkens wieder vollkommen im suff steckt. ich habe mich erschrocken, obwohl ich ahnte, was mich erwartete. es tut mir weh zu sehen, wie sich ein schlauer kerl so zugrunde richtet. neben ihm sass ein "kumpel", den ich auch noch vom sehen kannte... der ist nur dick und unbeweglich und schüttet sich ausschliesslich alkohol und würste in seinen schlund, anders kann ich das nicht ausdrücken. zähne sind kaum noch da und was die beiden reden ist ein verzweifelter, purer unsinn. als ich so da saß und über mich selber nachdachte merkte ich, wie sehr ich mit dieser welt gebrochen habe. ich habe keinen kontakt mehr in diese welt, bis auf den einen, der sich gerade zu tode säuft. ich werde den kontakt nicht abbrechen, aber ich werde auch nichts aktiv tun. er trinkt sich um kopf und kragen und ich kann es nicht ändern. wenn er aufhören möchte und ein offenes ohr braucht, will ich da sein. aber ich denke nicht, daß er wirklich will. also ist es nicht mein ding, mich darum zu kümmern.
aus diesem grauenhaften sauf-dasein herausgekommen zu sein und auch draussen zu bleiben, macht mich immer noch unendlich glücklich.
nun werde ich rausgehen und gucken, wie sich die stadt in meinen drogenfreien jahren verändert hat.
peter
guten morgen zusammen.
gestern hatte ich spätschicht und war sehr froh, nicht in der city arbeiten zu müssen. am wochenende die betrunkenen menschen zu befördern, ist immer eine belastung. daher war ich froh, weit draussen meine linie zu haben.
zu früh gefreut: irgendwo mitten in der pampa lief eine merkwürdige party, zu der massenhaft junge menschen wollten. bei meiner letzten fahrt dorthin war mein bus voll betrunkener junger menschen, die noch zur party wollten. ich verstehe gar nicht, wie man schwer betrunken zu einer party hinfährt - ich dachte immer, man kommt betrunken von einer party. teilweise waren sie nicht mehr in der lage, sich festzuhalten und benahmen sich reichlich daneben. einigen habe ich in die augen gesehen und gemerkt: die sind schon völlig neben der kappe..
ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als jugendlicher meinen eltern versucht habe, zu verheimlichen, wenn ich stockbesoffen von einer party kam. diese menschen, die ich gestern erlebt habe, fahren sturzbetrunken zu einer party hin und machen sich anscheinend keine gedanken mehr, wie sie nach hause zurückkommen. als elternteil würde ich mir da große sorgen machen ![]()
diese öffentliche trinken und sich betrunken zeigen - ich bin nicht sicher, ob es das zu meiner jugendzeit so gab. ich denke aber eher nicht... und ich begreife auch nicht, warum das so geduldet wird.
euch einen schönen tag!
peter
moin zusammen,
danke für den freundlichen zuspruch - kann ich immer sehr gut gebrauchen ![]()
noch wird bei mir nichts konkreter... im moment ist es, als wenn ich alles in einen riesentopf werfe und darin herumrühre... alle gedanken kommen da hinein, aber etwas vernünftiges scheint aus diesen suppenzutaten nicht rauszukommen. ich kenne das von mir.... es ist wie ein "sammeln" der argumente, auch wenn das reichlich unstrukturiert abläuft.
immerhin ist der sprachkurs das erste, was ich angegangen bin. ohne die sprache läuft sowieso nichts, also war das nummer eins meiner liste.
nummer zwei sind zwei ärztliche atteste über meine chronische leukämie. die muss ich haben für notfälle und für den betriebsarzt. beide muss ich übersetzen lassen. ich hoffe doch, dass diese krankheit keine einstellungsbremse ist... das wäre sehr schade.
tausend dinge schwirren durch den kopf: "packe ich das alles" - "wie komme ich allein in einem fremden land zurecht" - "finde ich neue freunde" - "werde ich gemocht" - "stelle ich mich nicht zu dusselig an" - "habe ich mich genug vorbereitet" - "undundund" ...... das mag ja alles nach pillepalle klingen, aber es sind richtige hürden für mich. vor allem sind es zeitgleiche hürden - und so etwas kann gefährlich werden, wenn ich an mehreren hürden scheitere. aus diesem grund werde ich mich als erstes dort in eine gruppe begeben... und dann weiss ich wieder: "ich bin nicht allein!" ...
immer wieder muss ich mir in erinnerung rufen, was ich in den vier jahren meiner trockenheit gepackt habe - und vor allem, wie ich mit heiklen situationen fertiggeworden bin... damit mache ich mir etwas mut. ich plane diesen riesenschritt und merke, wie anstrengend das ist und noch wird. am ende wünsche ich mir ein ankommen... wo auch immer, hauptsächlich aber einmal bei mir.
auf alle fälle ist das trockene und nüchterne leben spannend. wenn ich dran denke, wie ich mir mein leben weggesoffen und mich selber fast totgesoffen habe - au weia. da sind mir doch meine oben angesprochenen "problemchen" tausendmal lieber
nur zu dem einen großen problem darf es eben auch nicht führen... einen rückfall will ich mir nicht antun.
vor allem aber hätte ich mir zu meiner saufzeit über solche schönen dinge nie und nimmer gedanken machen können, denn ich war nur mit dem alk und meinem grässlich traurigen leben beschäftigt. das ist gottseidank vergangenheit - und ich werde es nicht vergessen.
danke fürs lesen!
peter
hallo mieken!
interessante frage, finde ich. "verzicht" hat viele seiten.
als ich nass war, empfand ich verzicht als bedrohlich: zum einen, weil ich angst hatte, der alkoholvorrat könnte zuende gehen und wusste: wenn ich auf alkohol verzichten muss, wird es mir schlecht gehen. zum anderen, weil ich tief in mir auch wusste: wenn ich gänzlich auf alkohol verzichte, ändert sich mein leben radikal... alles wird anders sein als der augenblickliche zustand. merkwürdigerweise hatte ich genau davor angst, auch wenn sich das aus meiner heutigen sicht irre anhört. aber ein "nasser alkoholiker" tickt anders als "normal"...
nachdem ich trocken und langsam auch nüchterner wurde, hat im laufe der jahre das wort "verzicht" an schrecken verloren. dafür habe ich dazugelernt: dieses wort bedeutet für mich auch: nachdenken über mich; nachdenken über meinen konsum und innehalten, wenn ich mal wieder von irgendwas zuviel mache. das kann arbeit sein, das kann kaffeetrinken sein, das kann der kuchen sein, den ich wieder einmal kaufe, ohne darüber nachzudenken, daß zuviel kuchen auch ungesund sein kann.
kurz und gut: "verzicht" bedeutet für mich heute auch "chance" kurz in mich zu gehen und nachzudenken - und ist längst nicht mehr so negativ behaftet wie in meiner nassen zeit.
gruss peter
hallo longaway,
mich hat dein beitrag sehr an meine anfangszeit erinnert: auch ich war euphorisch über einen längeren zeitraum. auch ich bin viel zu früh einladungen gefolgt und habe mich an plätze begeben, an denen alkohol auf dem tisch stand. das war bei mir vielleicht eine mischung aus unwissenheit, stolz über meine erreichte trockenheit und letztlich auch dummheit.
hier im forum habe ich das in ähnlicher weise angesprochen wie du - und mir wurde recht ordentlich der kopf gewaschen.
"auf die alten hasen hören" habe ich in selbsthilfegruppen gelernt. nicht mehr von sich selbst überzeugt zu sein in der weise: "ich packe das schon ganz gut" - sondern wirklich auf die schon länger trockenen zu HÖREN und ihren ratschlägen zu FOLGEN - das habe ich auch erst begreifen müssen. es ist im grunde ganz einfach.. und es ist ausgesprochen hilfreich.
warum sind wir hier? warum erzählen wir uns von unseren erfahrungen und enttäuschungen? was wollen wir - jeder für sich - erreichen? wir sind hier, um eine STABILE trockenheit auf die reihe zu bekommen. das klappt nur, wenn wir regelmäßig an uns selber arbeiten... ich habe gemerkt: wenn ich diese arbeit an mir schleifen lasse, gerate ich in gefahr.... ganz weit unterschwellig merkt man das - auch wenn man es ungern wahr haben will. aber: es ist so.
warum gehst du auf solche veranstaltungen, auf denen alkohol gereicht wird? was bringt dir das?
eines übrigens lässt mich schaudern: sich über seine eigene nasse zeit lustig zu machen. das bekomme ich nun wirklich nicht hin... mein saufen hat mein leben erst langsam und dann immer schneller erschüttert und fast zugrunde gerichtet. ich finde da bei mir absolut nichts mehr lustiges dran.
nochmal mein tip: hör´auf die "alten hasen".
gruss peter