Hallo Tiuri,
Ich zitiere dich mal:
Denn Anzeichen habe ich schon an mir entdeckt. Hier eine kleine Auswahl:
- Extra um kurz vor 22 Uhr noch einkaufen gefahren, um Wein zu kaufen und direkt zu trinken
- Mit Geschäftspartnern zum Essen verabredet. Eigentlich ist kaum noch Zeit vorher, aber ich beeile mich um 5min früher da zu sein und an der Bar noch ein Bier zu trinken.
- Im Betrieb gibt es oft zu Geburtstagsfeiern morgens eine kleinen Imbiss. Die meisten trinken 1/2 oder 1 Glas Sekt, ich meistens 2.
- Auf Feiern/Geschäftsreisen/Hilfe beim Umzug von Freunden etc. freue ich mich v.a. wegen der Möglichkeit Alkohol zu trinken.
- Oft koche ich Essen das zu Wein passt, nicht umgekehrt.
...[/quote]
Als ich dies bei dir las, musste ich schmunzeln, erkannte ich doch alles wieder. Ich dachte:
"Und da überlegt er noch, ob sein Trinkverhalten normal ist...!"
Mein nicht abhängiger Mann würde niemals diese Verhaltensweisen an den Tag legen.
Auch ich glaube, dass man entweder abhängig oder nicht abhängig ist. Allerdings sind die "Karieren"
unterschiedlich, was die Länge der Abhängigkeit und die Trinkmenge betrifft. Manche trinken alleine,
andere in Geselligkeit; manche trinken offen, andere heimlich; manche trinken "nur" Bier, andere Schnaps;
manche trinken bis zum Umfallen, andere sind Spiegeltrinker...
Aber alle haben etwas gemeinsam: Sie können nicht kontrolliert trinken (auf Dauer!).
Dem einen fällt es leicht, nicht mehr zu trinken und er/sie verspürt keinerlei Verlangen, andere - und zu denen
gehöre ich leider - werden immer wieder auf die Probe gestellt. Ich bin oft genug dem Suchtgedächtnis
erlegen und habe dadurch meine vielen, vielen Anläufe gebraucht.
Ich kann mich nicht der alkoholisierten Gesellschaft ganz entziehen. Aber ich kann entscheiden, auf was ich
mich einlasse. Auch wenn ich denke, dass es mir nichts ausmacht, an alkoholgeschwängerten Feierlichkeiten
teilzunehmen, so kann ich mir nicht sicher sein, ob das in der Situation dann auch noch so ist. Es ist wichtig,
jederzeit früher gehen zu können. Und Nachwehen können leider auch unvorhergesehen auftreten.
Im Übrigen sehe ich es heute ganz anders als noch zu meinen Anfangszeiten, ob andere mir
zu liebe keinen Alkohol trinken sollten. Echte (nicht abhängige) Freunde trinken nur selten in meiner Gegenwart Alkohol... 
Mir wichtige Menschen wissen allerdings auch um meine Krankheit!
Puh, für mich ist das hier ein ellenlanger Text geworden.
Gute Nacht
Seidenraupe