Beiträge von Immergrün

    Hallo Moni,

    leider wird dich noch eine Weile das schlechte Gewissen bleiben. Ich versuche seit April einen Weg zu finden, mich von meinen Eltern abzugrenzen. Aber das schlechte Gewissen steht mir oft im Weg. Also nehme ich es an, aber hör nicht drauf. Manchmal funktioniert es und manchmal nicht. Aber man kann nicht erwarten, dass man alle alten Verhaltensmuster sofort ablegen kann.

    Besonders meine Familie versucht mich wieder an meine alte Stelle zu drücken. Das machen sie nicht mal mit Absicht, sondern aus Gewohnheit. Also muss ich mich dagegen stellen und nein sagen. Ich habe mir angewöhnt, nicht immer zu zuhören. Ich gehe einfach, wenn mir das Gespräch nicht passt, sonst besteht die Gefahr, dass ich mich um den Finger wickeln lasse. Es ist nicht einfach, bei meinem Vater dem Alkoholiker geht es besser als bei meiner Mutter.

    Eine ganz wichtige Sache noch, versuch nicht zu viel auf einmal. Wir sind alle nur Menschen und haben nur begrenzt Energie. Deshalb versuche diese Energie erstmal nur für dich zu nutzen.

    liebe Grüße, Laura

    Hallo Mia,

    das ist wirklich eine gute Frage. Ich denk seit dem Urlaub noch mehr daran. Also war ich letzte Woche bei meiner Hausärztin und habe mich krankschreiben lassen. Nur ist die Gute nicht so begeistert von Therapeuten, die reden doch nur, hast du niemanden mit dem du reden kannst. In dem Moment fand ich es wirklich lustig, ich meinte nur, doch sicher, kann ich jederzeit mit meinen Geschwistern und Freunden reden, aber ich kann sie nicht immer als Seelenmülleimer missbrauchen...

    Dann hat sie geknickt, und meinte, dass ich wirklich eine Lösung finden müsste, aber hier in der Nähe sind die Wartezeiten sehr lang, weil jetzt alle einen Therapeuten brauchen. Sie ist halt ein Dorfarzt und geht auch bald in Rente, eigentlich hab ich diese Reaktion erwartet. Aber ich habe mich getraut einen Arzt anzuvertrauen und habe auch eine Krankschreibung bekommen. Und genau das habe ich gewollt.

    Ich werde wahrscheinlich im Dezember umziehen und such dann dort einen Therapeuten.

    liebe Grüße, Laura

    Hallo Line,

    ja mir grault es auch vor Weihnachten. :? Aber mal sehen… ;)

    So komisch wie es klingt, ich mache mein Verhalten meinem Vater gegenüber von ihm abhängig. Also ich sage mir, ich brauch kein schlechtes Gewissen haben, er fragt mich ja auch nicht wie es mir geht. Warum soll ich ihn einladen zu mir nach Hause, wenn er mich auch nicht einlädt. Das war am Anfang nicht so einfach. Mir sagt mein Kopf immer, dass muss man aber machen, ansonsten bist du unhöflich. Und unhöflich will ich natürlich nicht sein. Aber warum soll ich jemanden Respekt zeigen, der mich nicht respektvoll behandelt?

    Also die ersten Wochen nach unserem großen Streit, waren furchtbar für mich. Aber mit der Zeit ist es einfacher geworden. Mein Vater hat sechs Kinder und jedes kommt ohne ihn klar. Keiner legt auf seine Anwesenheit wert. Und das gibt mir zu denken. Das hat nur er zu verantworten. Und nur er könnte es wieder gutmachen.

    Du sagst ja selber, deine Mutter hat dir dein Leben nicht einfach gemacht. Warum willst du dir das weiterhin antun. Nur weil die deine Mutter ist?

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo an euch,

    ja aber passt das nicht auch zum Thema? Auch wenn wir nicht Zuhause wohnen, dennoch fühlen wir uns irgendwie gefangen. An einigen Tagen ist dieses Gefühl was weg und an anderen ist es so intensiv, dass es mich fast umhaut. Meine Mutter ist doch nach ihrer Trennung zu mir gezogen. Wir können zwar unsere Bereiche relativ gut abgrenzen. Aber gerade ist mir das schon zu viel. Ich bin sehr kurz angebunden zu ihr. Weil bei ihr kann ich nicht sagen, ich rede nicht mit dir, wenn du getrunken hast. Irgendwie versuchen wir gerade einen Weg zu finden, wie wir miteinander umgehen können. Tja Koffer packen und nur weg…

    Ich komme mir aber auch zurzeit wie ein Opfer vor. Ich nerve mich damit schon selbst… Ich kenne das gar nicht von mir. Ich weiß nicht, wie ich das finden soll. Ich habe einfach auch das Gefühl, dass ich mich damit zu viel beschäftige. Andererseits bin ich so froh darüber, einfach weil ich denke, dass ich mich weiterentwickel. Ich sehe Sachen einfach klarer. Plötzlich sind meine Eltern auch nur noch Menschen und nicht Götter, die unantastbar sind…

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo Mia,

    danke für deine Worte. Ich war im Oktober im Urlaub und konnte richtig loslassen, und dann wieder in den Alltag, das ist dieses Mal nicht so einfach. Und dieses Mitfühlen mit anderen Menschen, macht mir das Leben gerade noch schwerer. Es passiert gerade auch so viel, jeder in meiner Familie macht eine schwere Zeit durch. Jeder geht damit anders um. Und da ist es für mich manchmal wirklich schwer als ältere Schwester, mich abzugrenzen.

    Bei mir sieht die Situation ein wenig anders aus. Mein Vater hat Lieblingskinder und das sagt er auch. Und ich gehöre nicht dazu. Ich weiß, dass er mich liebt. Aber er kann nichts mit mir anfangen und ich kann nichts mit ihm anfangen. Daran hatte ich die letzten Jahre zu knabbern, aber ich habe das nun akzeptiert. Ich verwende deshalb so wenig Energie wie möglich auf ihn. Ich frage mich zwar noch, was wird er davon denken. Aber auch wenn ich weiß, es gefällt ihm nicht, mach ich es, Anfang des Jahres war es noch anders.

    Durch diese Ablehnung habe ich auch wenig Vertrauen in mich. Das versuche ich gerade aufzubauen. Aber mal ganz ehrlich, je mehr ich mich umsehe, desto mehr sehe ich „kaputte“ Menschen. Ich glaube, es gibt gar kein „normal“. Jeder versucht sein sicheres Zuhause aufzubauen und zu viel Normalität in sein Leben zu bekommen wie Möglich. Aber Dinge von außen lassen das doch immer scheitern.

    Das mit dem Ozean gefällt mir. Ich komme mir auch so vor, als ob meine Eltern mich in die große Welt raus gelassen haben, ohne mich darauf vorzubereiten. Wobei sie mich ja nicht raus gelassen haben, sondern mich festhalten.

    Ich bin wirklich froh, dass ich das Forum gefunden habe und ich den Mut hatte, auch zu schreiben… Irgendwo habe ich das Gefühl, was richtig sein sollte, nur ich brauche immer so lange um Dinge zu ändern. Und es tut gut zu wissen, dass ich damit nicht allein bin.

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo anima,

    also es ist so, als ob du mir aus der Seele spricht. Ich denke ständig, ich bin auf einen guten Weg. Hör mehr auf mich selber, mach was ich wirklich will. Habe dann aber wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, dass ich die anderen mehr unterstützen muss.

    Ich komm mir vor, als ob ich vor einem Berg von Problemen stehe, die ich lösen muss. Weil ich das nicht will, schau ich bei den anderen. Dann habe ich keine Zeit mich mit mir zu beschäftigen, weil ich den anderen helfen muss. Ich versuche seit einiger Zeit immer zu sagen, tut mir leid, kann dir nicht helfen, das ist dein Problem nicht meins. Aber gerade habe mich in ein anderes Problem reinziehen lassen. Erst habe ich versucht, bei mir zu bleiben, aber irgendwie wurde ich überrumpelt, nun ist es mir zu viel. Und jetzt nein sagen, finde ich schwer. Ich stell mich gerade stumm. Tja und schon bin ich enttäuscht oder wütend, sauer, dass man nicht fragt, warum ich mich nicht melde. Und dann denke ich wieder, wie kann ich nur sowas fühlen, ist doch klar, hat selber genug Probleme, da kann man nicht auf mich Rücksicht nehmen. Tja was ist richtig und was ist falsch? :?

    Ach ich kann gerade nicht fassen, wie schwer das Leben im Moment ist. Ich hoffe auch, dass es leichter wird. Und es wird bestimmt besser, ein Beinbruch heilt auch nicht sofort. Am Wochenende hatte ich wieder einen Gefühlsausbruch. Dieses Mal bin ich für mich geblieben, ich wollte niemanden an mich ran lassen. Ich weiß ja eigentlich, was ich machen muss. Nur irgendwie geht mir das alles zu langsam. Ja und eigentlich weiß ich, dass ich es schaffen werde. Aber am Wochenende habe ich mir wirklich gewünscht, dass meine Mutter sagt, ja mach das, du schaffst es. Tja ich habe mir dann meinen Hund geschnappt und bin fast drei Stunden durch den Wald. Seitdem geht es mir besser… :D

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo Line,

    so wie perla schreibt, musste ich auch erst lernen, dass ich nicht mehr auf meine Eltern hören muss. Ich bin erwachsen und treffe meine Entscheidungen alleine. Ich bin zwar die Tochter meiner Eltern, heißt aber nicht, dass ich nur das bin, ich bin mehr als das.

    Bei mir ist der große Streit im April gewesen, danach ist mein Vater vier Wochen verschwunden. Ich hatte dann auch eine sehr große Angst in mir, meinen Vater wieder zutreffen. Das erste Treffen war komplett überraschend für mich. Plötzlich taucht er wieder auf. Ich habe damals zu ihm gesagt, dass ich nicht in der Lage bin mit ihm zu reden, und er einen Termin mit mir ausmachen muss. Ich habe ihn stehen lassen, weil ich mich in der Situation nicht sicher gefühlt habe.

    Alles was du schreibst, habe ich in der Zeit danach durchgemacht. Er hat versucht mich zu manipulieren, mich zu täuschen und um den Finger zu wickeln. Und zwischendurch fing ich auch an ihm zu glauben, aber mir ist schnell klar geworden, dass es nur um ihn und seinen Alkohol geht. Was ist mit mir? Dadurch sehe ich meinen Vater nun anders, ich hatte schon immer meine Probleme mit ihm. Habe immer gedacht, es ist dein Vater du musst mit ihm klar kommen. Aber so sehe ich das nicht mehr. Ich fühle mich gegenüber meinem Vater nun stärker, ich habe keine Angst mehr vor ihm.

    Also die erste Begegnung wird nicht einfach, aber es wird immer leichter. Abstand ist aber am Anfang immer gut, damit man sich klar werden kann, was man selber will. Und ich finde, man sollte Wut nicht immer negativ bewertet. Man kann aus Wut auch Kraft schöpfen. Die Wut gegenüber meinem Vater habe ich noch in mir, sie hat mir geholfen, dass ich bei mir geblieben bin. Ich muss aber die Wut nicht an ihm auslassen. Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit.

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo,

    wir sind 4 Geschwister, es gibt zwar noch 2 Halbgeschwister – aber mir ihnen sind wir nicht aufgewachsen und da gibt es keine Bindung. Mit einem arbeite ich zusammen, aber mehr ist da nicht.

    Ich bin die Älteste, der Jüngste ist 10 Jahre jünger als ich. Aber wir sind wirklich eine Einheit. Bisher hatte ich mich immer als die Starke für die anderen gesehen. Aber jetzt wo es mir selber nicht gut geht und ich mein Leben in Frage stelle, sind sie für mich da. Wir stützen einander, lassen aber jeden seinen Weg gehen.

    lg, laura

    Liebe anima,

    ich glaube, ich habe meine Gefühle noch nie in Frage gestellt. Liegt aber auch daran, dass ich sie gelernt habe zu unterdrücken. Gefühle können eigentlich nicht falsch sein. Sowie Mia schon geschrieben hat. Aus unseren Gefühlen resultieren aber Taten, und diese könnten falsch sein. Aber das entscheiden auch nur wir selber. Du hast das Recht, deine eigenen Werte für dich aufzustellen. Für mich ist es richtig kein Fleisch zu essen, für meinen Vater undenkbar. Aber nur weil er es nicht gutheißt, esse ich weiterhin Fleisch.

    In der Vergangenheit konnte ich meine Gefühle nicht zu lassen, weil ich wusste, dass ich eigentlich was anderes will, als alle anderen von mir wollten. In den Augen der anderen waren meine Ziele im Leben falsch. Dadurch bin ich zu einem Kopfmensch geworden, wobei ich glaube, dass ich eigentlich mehr der Gefühlsmensch bin. Aber ich finde es auch sehr schwer, Vertrauen in mir selber zu haben. Vertrauen in das, was ich mir vorgenommen habe. Ich wünsche mir immer noch, dass meine Eltern sagen, ja das schaffst du. Aber das werden sie nicht, weil sie an ihrem alten Leben festhalten. Also muss ich lernen, mir das selber zu sagen. Dabei sage ich es ständig zu meinen Geschwistern…

    Ich habe in den letzten Monaten viel mit meinen Eltern geredet, mehr mit meiner Mutter. Bei meinem Vater kommt nichts an, deshalb lasse ich mich auf keine tiefen Gespräche mehr mit ihm ein. Dadurch ist mir klar geworden, dass ich auf keine Unterstützung hoffen kann. Natürlich rede ich noch mit meiner Mutter, weil sie mir auch ohne ihren Zuspruch, hilft. Zudem will ich nicht wieder ins Schweigen verfallen. Ich will endlich lernen, wie man Probleme löst und nicht wie früher totschweigt…

    Bei den ersten Gesprächen mit meinem Vater war ich auch immer traurig, dass ich meinem Vater sowas sagen wollte. Wurde mir doch immer eingetrichtert, dass man seinen Vater respektieren muss. Zudem tat er mir auch leid, der arme Vater, alle seine Kinder stellen sich gegen ihn. Ich habe ihm Tipps gegeben, wie er mit wem reden soll. Und habe dabei gar nicht gemerkt, dass es wieder nur um ihn ging. Das will ich nicht mehr, und immer, wenn ich Mitleid für ihn empfinde, muss ich daran denken. Es ist mein Vater, die Gefühle die ich für ihn habe, sind nicht abzustellen. Dennoch weiß ich, wie oft er meine Gefühle verletzt hat, und das ihm meine Gefühle nicht wichtig sind.

    Liebe Grüße, Laura

    Liebe anima,

    oh ich kann mir vorstellen, wie schwer deine Situation im Moment ist. Du hast das Problem erkannt und willst dich ändern. Aber für deine Familie funktioniert das Leben so wie es ist. Nur weil du dich änderst, heißt es nicht, dass sich alle ändern.

    Für mich war es schwer zu ertragen, dass mein Vater weitertrinkt. Ihm scheinen die Gefühle seiner Familie egal zu sein. Aber er ist süchtig und er kann nicht anders. Uns wurde zwar immer eingeredet, dass es nicht so schlimm ist. Aber wenn du so fühlst, dann ist es schlimm. Warum sollten die eigenen Gefühle falsch sein?

    Was würde passieren, wenn du einfach das machst, was du willst? Wenn du einfach nicht mehr in den Kram passt. Meine Mutter sagt auch immer gern, ich muss alles allein machen. Früher habe ich darauf nicht reagiert, hatte natürlich auch ein schlechtes Gewissen. Irgendwann hat es mir gereicht, und ich habe ihr gesagt was ich denke. Sie versucht nun weniger zu jaulen, aber ein angelerntes Verhalten kann man nicht von heute auf morgen ändern.

    Du schreibst ja richtig, dass es die Last deiner Mutter ist. Nicht deine. Es ist ihre Mutter die sie pflegt, und wenn sie es alleine nicht schafft, gibt es genug Hilfe die man bekommen kann. Sie tut es vermutlich aus Pflichtbewusstsein und das will sie dir nun als ihre Tochter auch einreden. Lass das nicht zu, mach nur das was du willst. Bis Januar ist zwar noch eine Weile, aber du weißt, dass du wieder ausziehst. Sowas hilft mir immer. Und vielleicht gibt es doch irgendwo WGs, die für kurze Zeit jemanden aufnehmen, falls es gar nicht mehr gibt.

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo Line,

    ich kann deine Situation gut verstehen. Ich bin noch in der Familienfirma meines Vaters. Er trinkt auch seit Jahrzehnten, deshalb habe ich mich entschieden zu gehen. Gerade bereite ich alles vor, wird aber noch eine Weile dauern bis ich weg bin.

    Die Vorstellung zu gehen, war lange für mich unmöglich. Alleine weil man seine Familie nicht im Stich lässt und ich die Arbeit sehr gerne mache. Ich dachte, als Tochter ist es meine Pflicht, dass zu tun, was mein Vater sagt. Ich musste irgendwann erkennen, dass ich erwachsen bin und das Recht auf eigene Entscheidungen habe, auch wenn die falsch sein sollten. Ich und mein älterer Bruder haben lange die Firma ohne ihn geleitet, dass mussten wir, weil er monatelang durchgesoffen hat. Aber er bewertet alles nur negativ. Ich habe deshalb die Leitung wieder abgegeben. Er wollte es nicht, aber ich führe seine Anweisungen nicht mehr in meinem Namen aus. Es war die erste Entscheidung die ich getroffen habe, für mich ein großer Sieg im Stillen. Ich wollte die Firma nie leiten, ich hatte es nur gemacht, weil sich kein anderer gefunden hat.

    Ich habe endlich eine Linie zwischen meinem Privatleben und meiner Arbeit gezogen. Du bist die Chefin und wenn du möchtest, dann dürfen die Angestellten lachen. Egal was deine Mutter in der Vergangenheit für diese Firma gemacht hat, es ist doch nun deine Firma – ich weiß genau, welche Verantwortung dann auf einem liegt. Und das muss sie akzeptieren, und wenn sie es nicht kann, muss sie gehen. Ich würde dir empfehlen, wenn sie wieder auftaucht, dass du Regeln festlegst. Ich habe meinem Vater gesagt, dass ich nur noch mit ihm rede, wenn er nicht getrunken hat. Wenn er sich daran nicht hält, gehe ich. Klar behauptet er, dass er nicht getrunken hat. Aber ich lasse da nicht mit mir reden.

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo Himbärchen,

    willkommen im Forum. Ich habe am Anfang auch einige Zeit nur mitgelesen, das hilft schon sehr viel. Besonders man fühlt sich plötzlich nicht mehr alleine und unverstanden.

    Du solltest versuchen, dir keine Sorgen um deinen Vater zu machen. Er ist doch erwachsen. Er kann entscheiden in welche Richtung sein Leben gehen soll. Ich weiß, es ist schwer. Wenn ich manchmal mein Vater seh, dann würde ich ihn gern bei der Hand nehmen und sagen, so macht man das. Aber das bringt nichts. Er versteht es einfach nicht. Der Alkohol bestimmt sein Leben. Wobei er sich eigentlich nur vor seinem Problemen versteckt.

    Meine Mutter hat das ganze auch fast 30 Jahre mitgemacht. Wie konnte sie nur? Sie ist dann im April eine Etage über mir gezogen. Es ist irgendwie anstrengend, aber auch schön. Ich versteh mich mit ihr sehr gut, ich war immer froh darüber, dass wir uns so nahe stehen. Aber nur weil sie ausgezogen ist, heißt es nicht, dass sie sich von der ganzen Situation gelöst hat. Sie ist immer noch Co. Ich kann sie nicht zwingen, dass sie sich ändert und alles aufarbeitet. Aber ich muss aufpassen, dass sie mich nicht zu sehr bedrängt. Das sie ihrs macht und ich meins. Ich habe schnell gemerkt, dass wir uns voneinander abhängig gemacht haben. Wie zwei Verletzte, die sich gegenseitig gesund pflegen wollen…

    Viele Grüße, Laura

    Hallo Wimawi,

    Herzlich willkommen im Forum. Deinen Satz über die Kindheit gefällt mir. Es ist doch ein Ausgangspunkt. Du hast etwas erkannt und nun kannst du daran arbeiten.

    Die Kindheit hat mit dazu beigetragen uns zu den Personen zu machen, die wir heute sind. Aber wir müssen sie dennoch nicht unser Leben lenken lassen. Wir können damit bewusst umgehen, und Sachen die uns nicht gefallen, ändern. Früher hatten unsere Eltern die Verantwortung für uns, aber heute haben wir selber die Verantwortung für uns. Wenn unsere Eltern wollen, können sie ein Teil an unseren Leben sein, aber sie können es nicht mehr bestimmen.

    Ich glaube, man kann auch mit der Angst umgehen. Ich bin gerade dabei ein paar neue Sachen auszuprobieren, da die Angst mich die letzten Monate gelähmt hat. Aber mir ist es wichtig mich weiterzuentwickeln, und da steht mir die Angst im Weg. Und mich macht es wirklich glücklich, wenn ich etwas geschafft habe, egal wie klein der Erfolg ist.

    Liebe Grüße
    Laura

    Auf solch ein Thema könnte ich sehr heftig reagieren. Einen Hund nicht raus lassen und wie eine Katze in der Wohnung halten - ist für jeden Tierfreund undenkbar. Ich habe selber einen Hund aus schlechter Haltung, setzte mich für den Tierschutz ein. Aber wie viele Hunde warten im Tierheim auf ein neues Zuhause? Ich hänge sehr an Tieren, weil sie ein sehr wichtiger Bestandteil in meinem Leben sind. Sie sind einfach ehrlich und treu und lieben einen bedingungslos. Also wenn ich könnte, würde ich jedes Tier in schlechter Haltung „retten“. Aber das geht nicht.
    viele Grüße
    Laura

    liebe melanie,

    mein herzliches beleid.

    ich finde es normal, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, regt man sich auf...

    aber es ist richtig. mach das was du willst. für mich sind beerdigungen immer sehr schwer. deshalb bin ich zur letzten nicht mehr gegangen. ich muss nicht vor einem grab stehen um mich von einem menschen zu verabschieden.

    damals habe ich überhaupt nicht nachgedacht, was meine verwandschaft dazu sagen würde. für mich war nur klar, ich kann da nicht hingehen.

    damals habe ich für mich entschieden, das jeder hat das recht, selbst zu entscheiden, wie er mit dem tod eines menschen umgeht.

    liebe grüße, laura

    Hallo reset,

    Ich weiß nicht, ob es für mich einen Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl gibt. Ich glaube, ich empfinde da ähnlich wie Melanie. Egal wie ich es nenne, es löst das gleiche aus. Ich will solche Gefühle zurzeit nicht an mich ranlassen, weil ich dann helfen will, und werde wieder enttäuscht, weil ich nicht helfen kann. Dadurch sag ich grad sehr viel „ist mir egal“, und vermutlich nervt es einige schon. Aber damit müssen sie leben. Sicher wenn jemand ein Problem hat, hör ich zu, und weise ihn nicht ab, aber ich pass auf, dass ich nicht anfangen, helfen zu wollen.

    Ich kann deine Gedankengänge aber gut verstehen. Weil es scheint, als seien auch deine Eltern dabei, eine Veränderung vorzunehmen. Ich überlege viel, ob ich mit meiner Mutter Mitleid habe. Immerhin hat sie erkannt, dass es nicht das Beste für uns war, mit meinem Vater zusammen zubleiben, und ist der Meinung, dass alles ihre Schuld ist. Diese Schuld würde ich ihr gerne abnehmen, weil ich schon mitfühlen kann, wie sie sich fühlt und wir uns sehr nahe stehen. Aber das kann ich nicht. Ich kann nicht so tun, als sei alles gut. Deshalb sage ich, wir müssen nicht darüber reden, aber wenn sie darauf besteht, werde ich das sagen, was ich denke und fühle. Dennoch will ich ihr nichts vorwerfen. Weil was nützt mir Schuld?

    Mit meinem Vater Mitleid habe ich nicht, warum auch, er lebt ja weiter wie bisher. Er will gar nicht vom Alkohol weg. Klingt vielleicht hart, aber ich kann ihm nicht dabei zusehen, wie er trinkt und so tut als ob alles gut ist.

    Meine Mutter hat ja auch erst was unternommen, als ich den Kontakt minimieren wollte. Und ich war damals nicht stolz, dass sie es gemacht hat. Ich war wütend. Und mir ist immer wieder die Frage durch den Kopf gegangen: Warum erst jetzt?

    Ich versuche nicht mehr ihr Verhalten zu beurteilen, weil ich dann etwas von ihr erwarte. Und wenn sie dann Dinge anders macht, als ich es mir denke, bin ich enttäuscht. Wobei ich sie vermutlich gerade auch öfters enttäusche, weil ich nicht so handel, wie sie es erwartet...

    Ich versuche gerade viel Abstand zu anderen zu lassen. Ich glaube einfach, dass ich da noch viel Zeit brauche. Ich will erstmal einen gesunden Egoismus entwickeln, damit ich mich nicht mehr von anderen abhängig mache.

    Liebe Grüße, Laura

    Liebe Honey,
    mein aufrichtiges Beileid.
    Ich habe noch keinen meiner Elternteile verloren, aber andere Familienmitglieder. Ich kann vermutlich nicht nachempfinden, wie du dich gerade fühlst. Mein Vater trinkt, deshalb habe ich den Kontakt soweit es möglich ist reduziert und will ihn noch weiter reduzieren. Auch mit dem Wissen, dass er irgendwann an seiner Sucht stirbt. Als ich erkannt habe, dass ich meinen Vater nicht helfen kam, war es auch ein wenig so, als ob ich ihn verloren habe. Es ist zwar noch da, aber mehr auch nicht.

    Du hättest sie nicht retten können. Da ich selber jahrelang versucht habe, meinen Vater zu helfen, weiß ich, dass man niemanden „retten“ kann, der nicht will. Sicher gibt es immer wieder Momente, wo man denkt, sie haben es eingesehen. Aber helfen können sie sich nur alleine, sie müssen da alleine durch. Deine Mutter ist nicht gestorben, weil du nicht ans Telefon gegangen bist, sondern weil sie krank war. Sie war für ihr Leben selbst verantwortlich, sowie du es für dein Leben und du solltest die Schuld nicht auf dich nehmen, weil es nicht deine Schuld ist.

    Viel Kraft für die nächste Zeit. Ich weiß, dass der Schmerz weniger wird, es ist nur grad im Moment schwer vorstellbar.
    Liebe Grüße, Laura

    Hallo sunwalker,

    Ich hoffe, dein Vater erkennt die Möglichkeit eines solches Gespräches. Aber vielleicht sind alle Beziehungen die dein Vater hat oberflächlich, weil er gar nicht anders kann.

    Mein Vater ist nicht trocken, wir hatten aber ein Gespräch, wo er nüchtern war. Von ihm kam der Wunsch, ich wollte eigentlich nicht mit ihm über sowas reden. Er wollte mir erklären, warum er ein guter Vater ist. Aus seiner Sicht hat er nichts falsch gemacht, andere Eltern trinken auch. Mir das Gespräch geholfen zu erkennen, dass ich nichts von ihm erwarten kann. Er wollte mich wieder „einfangen“. Einige Dinge, die mir wichtig waren, habe ich ihm gesagt, aber nicht alles. Mein Vater ist ein Mensch, der keine Fehler hat, seine Sicht der Dinge ist die Richtige. Wenn er sagt, er ist ein guter Vater, dann ist es so. Er ist der Meinung, dass er keine Schuld hat, wie es mir geht. Ich habe ihm erklärt, dass ich ihm keine Schuld zu weisen will. Nur das er verstehen muss, dass es mir nicht gut geht und das ich deshalb keine Rücksicht nehmen kann und Freiraum brauch. Im Endeffekt hat er immer wieder Sachen verlangt, die ich zurückgewiesen habe. Zum Schluss hat er gesagt, dass er mich liebt. Nur leide kann ich diese Liebe nicht spüren.

    Seitdem reden wir zwar miteinander, aber über oberflächliche Sachen. Er hat meinem Wunsch entsprochen und lässt mich mit Gesprächen in Ruhe. Aber er schreibt mails, die ich nicht beantworte, ich lösch sie. Er fragt nicht nach, warum ich nicht antworte. Ich weiß nicht, wohin sich das entwickelt. Aber mehr will ich im Moment nicht. Mir reicht das. Weil ich habe Angst, wenn ich ihn wieder zu nah ranlasse, das in mir wieder die Hoffnung hochkommt, dass er mich versteht und das er aufhört zu trinken. Beides Sachen, die nicht passieren werden.

    Viel Erfolg mit deinem Gespräch, wenn es sich für dich richtig anfühlt, dann mach es, aber erwarte nicht zu viel.

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo reset,

    War sicher schwer, sowas seiner Mutter zu sagen, aber es ist nicht deine Aufgabe, sie immer wieder aufzubauen. Sie kann sich nur selber helfen, und sie ist ja nicht die einzige in solch einer Situation. Wenn sie Hilfe haben will, findet sie diese auch. Wir Kinder sind nicht für das Wohl unserer Eltern verantwortlich.

    Ich kann dir nicht raten, ob du eine Therapie machen solltest. Ich bin grad mal wieder an einem Punkt, wo ich gern eine machen würde. Zudem denke ich aber auch, dass ich mich so schwer tue mit der Entscheidung, weil ich schon mal bei einer Therapeutin vor 10 Jahren war, damals war ich sehr enttäuscht. Wahrscheinlich wollte sie, dass ich erzähle, aber das konnte ich nicht, und sie hat sich auf mich nicht eingestellt. Ich habe aber gesehen, wie viel die Therapie meiner Schwester geholfen hat, sie hatte aber auch erst bei der zweiten Therapeutin Vertrauen. Man sollte sich nicht gleich entmutigten lassen, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Das mit der Angst kann ich gut verstehen. Im April hatte ich mir den Mut gemacht und angefragt, und dann eine Absage bekommen. Damals hat mich das sehr entmutigt. Und dann habe ich mich erstmal gegen eine Therapie entschieden, mir ging es ja wieder besser. Mir geht es jetzt nicht viel schlechter, aber mir ist dennoch nach einer Therapie.

    Ich kenn das auch, die ganze Familie sitzt zusammen und der Vater zieht wieder eine Show ab. Aber sowas gibt es bei uns nicht mehr, da meine Eltern nun getrennt sind. Es ist mir nicht wichtig, ob sie zusammen sind oder nicht. Klar finde ich es nicht in Ordnung, wie es passiert ist. Aber das ist eine Sache zwischen ihnen. Ich mache das erste Mal in meinen Leben unterschiede. Ja wir sind zwar eine Familie. Aber jeder muss selber versuchen mit dem anderen klar zu kommen. Ich habe aufgehört zu vermitteln. Manchmal ist es nicht einfach, es immer wieder zu erklären. Aber damit habe ich nun auch aufgehört, und sage nur, das habe ich schon erklärt. Oder manchmal sage ich einfach, weil ich es will.

    Ich lasse mir diese Phrasen nicht mehr einreden. „Ihr seid doch eine Familie, ihr müsst“ „Du bist doch die Tochter“ bla bla bla. Respekt muss man sich verdienen. Ich kann niemanden respektieren, der mich nicht respektiert.

    viele Grüße, Laura

    Hallo reset,

    ich muss ehrlich zu geben, das ich letztens auch zu jemanden gesagt habe, dass sind deine Probleme, ich kann dir nicht helfen, vielleicht solltest du mal zu einem Therapeuten gehen. Vor ein paar Monaten hätte ich noch versucht, auf diese Person einzureden und ihm zu helfen, ihm Dinge abzunehmen. Aber das geht nicht immer, manchmal braucht man professionelle Hilfe. Wenn ich mir das Bein breche, ist es klar, dass ich zum Arzt gehe. Aber wenn die Seele schmerzt wartet man so lange, bis man körperliche Symptome hat. Ich war bisher noch nicht in Behandlung, weil es ich nicht sofort einen Termin bekommen habe, und dann dachte ich wirklich, so schlimm ist es doch gar nicht. Ich habe bisher noch keine körperlichen Symptome. Wobei ich unter Kopfschmerzen leide seit ich 8 bin. Vorgestern bin ich auf den Gedanken gekommen, ob es vielleicht eine Verbindung geben könnte. Vorher bin ich gar nicht darauf gekommen, weil ich es seit fast 20 Jahren habe. Als Kind und Teenager war ich bei allen möglichen Ärzten, keiner konnte was finden. Deshalb musste ich damit leben und habe es nicht mehr hinterfragt.

    Sicher sind Eltern dafür verantwortlich, was aus ihren Kindern wird. Und ich finde schon, dass mein trinkender Vater sehr viel dazu beigetragen hat, wie ich heute bin. Ich fühlte mich immer ungeliebt und unverstanden. Dadurch habe ich mein Leben auf ihn gerichtet, wenn er A sagte, habe ich A gemacht. Habe gehofft, dass er meine Bemühungen sieht und mir sagt, wie gut ich bin. Aber auch meine co-abhängige Mutter hat Schuld, sie stand immer auf seiner Seite. Wenn sich für mich was falsch anfühlte, erklärte sie mir, warum es richtig war. Mitleid gegenüber meiner Mutter habe ich schon lange nicht mehr. Ich habe irgendwann nicht mehr verstanden, wie sie mit solch einem Menschen zusammen sein konnte. Leider habe ich damals nicht zu Ende gedacht und auch nicht auf den Alkohol gezogen.

    Das ist mir irgendwie alles klar, aber ich will nicht mehr, dass es auch mein zukünftiges Leben beeinflusst. Ich habe mich ein paar Wochen wie ein Opfer gefühlt. Aber das will ich nicht mehr. Ich schau nach vorn, manchmal klappt es gut, besonders wenn mein Vater nicht in der Nähe ist. Ich habe keine Erwartungen mehr an ihn. Wenn er über ein Thema redet, was ich mit ihm nicht bereden möchte, steh ich auf, sage ihm das und wenn er weiterredet, gehe ich. Ich tu mir sowas nicht mehr an. Mittlerweile hat er es fast verstanden, dass ich es ernst meine, nun werde ich sehen müssen, ob wir einen neuen Weg finden, miteinander umzugehen. Es ist ein sehr großer Respektverstoß, er scheint zu vergessen, dass ich kein Kind mehr bin. Früher hatte ich wirklich geglaubt, dass mir sowas nie passieren würde. Das ich immer für meine Eltern da sein würde, aber jetzt wo mir klar geworden ist, das ist immer nur gebe, und dafür nichts bekomme, lass ich es.

    viele Grüße, Laura