Hallo reset,
Ich weiß nicht, ob es für mich einen Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl gibt. Ich glaube, ich empfinde da ähnlich wie Melanie. Egal wie ich es nenne, es löst das gleiche aus. Ich will solche Gefühle zurzeit nicht an mich ranlassen, weil ich dann helfen will, und werde wieder enttäuscht, weil ich nicht helfen kann. Dadurch sag ich grad sehr viel „ist mir egal“, und vermutlich nervt es einige schon. Aber damit müssen sie leben. Sicher wenn jemand ein Problem hat, hör ich zu, und weise ihn nicht ab, aber ich pass auf, dass ich nicht anfangen, helfen zu wollen.
Ich kann deine Gedankengänge aber gut verstehen. Weil es scheint, als seien auch deine Eltern dabei, eine Veränderung vorzunehmen. Ich überlege viel, ob ich mit meiner Mutter Mitleid habe. Immerhin hat sie erkannt, dass es nicht das Beste für uns war, mit meinem Vater zusammen zubleiben, und ist der Meinung, dass alles ihre Schuld ist. Diese Schuld würde ich ihr gerne abnehmen, weil ich schon mitfühlen kann, wie sie sich fühlt und wir uns sehr nahe stehen. Aber das kann ich nicht. Ich kann nicht so tun, als sei alles gut. Deshalb sage ich, wir müssen nicht darüber reden, aber wenn sie darauf besteht, werde ich das sagen, was ich denke und fühle. Dennoch will ich ihr nichts vorwerfen. Weil was nützt mir Schuld?
Mit meinem Vater Mitleid habe ich nicht, warum auch, er lebt ja weiter wie bisher. Er will gar nicht vom Alkohol weg. Klingt vielleicht hart, aber ich kann ihm nicht dabei zusehen, wie er trinkt und so tut als ob alles gut ist.
Meine Mutter hat ja auch erst was unternommen, als ich den Kontakt minimieren wollte. Und ich war damals nicht stolz, dass sie es gemacht hat. Ich war wütend. Und mir ist immer wieder die Frage durch den Kopf gegangen: Warum erst jetzt?
Ich versuche nicht mehr ihr Verhalten zu beurteilen, weil ich dann etwas von ihr erwarte. Und wenn sie dann Dinge anders macht, als ich es mir denke, bin ich enttäuscht. Wobei ich sie vermutlich gerade auch öfters enttäusche, weil ich nicht so handel, wie sie es erwartet...
Ich versuche gerade viel Abstand zu anderen zu lassen. Ich glaube einfach, dass ich da noch viel Zeit brauche. Ich will erstmal einen gesunden Egoismus entwickeln, damit ich mich nicht mehr von anderen abhängig mache.
Liebe Grüße, Laura