Beiträge von Immergrün

    Liebe Sterndeuter,
    was meinst du denn mit: „wie ich zum Alkohol stehe“?
    Wie geht es dir dabei, dass sie trinkt? Ich frage, weil du wirst sie nicht davon abhalten können. Wenn sie trinken möchte, wird sie immer einen Grund haben. Du musst dich fragen, ob du das akzeptieren kannst.
    Liebe Grüße, Laura

    Liebe anima,
    oh ich kann dich sehr gut verstehen. Es hört sich immer alles so einfach an, aber die Umsetzung ist schwer. Ich wohne so dicht bei meinen Eltern, dass ich dir nur raten kann, dir was anderes zu suchen oder wenn es dir einfacher fällt ein anderes Praktikum. Mein Vater geht mir seit über einen Monat aus dem Weg, deshalb brauch ich mir keine Gedanken machen, wie ich mit ihm umgehe – er straft mich mit Nichtachtung, und will, dass ich mich entschuldige. (Er ist auch ein unauffälliger Trinker, es weiß kaum jemand, dass er trinkt.)

    Ich kenn das, er hat auch immer im Auto schlecht über meine Mutter geredet, richtig böse und gemein (er hat seit 6 Jahren kein Führerschein, deshalb musste ich ihn fahren). Nur meine Mutter hat ihn all die Jahre verteidigt… Hier habe ich mir schon vor einem Jahr gesagt, dass sind ihre Probleme nicht meine. Ich konnte es nicht verstehen, wie man zusammen bleiben kann. Deshalb habe ich mich distanziert. Desweiteren war ich entsetzt, wie eine erwachsene Person sowas sagen kann. Wie soll ich meinen Vater respektieren und lieben, wenn er solche bösen Dinge sagt. (Und im nächsten Monat zu mir sagt, du bist wie sie!) Hat er verlangt von mir, dass ich seine Probleme löse?

    Ich trage Probleme mit mir herum, die nicht meine sind. Gerade versuche ich den Mut zu finden, meiner Mutter zusagen, dass sie nicht ständig von ihm reden soll. Ich habe genug Probleme mit ihm, ich brauche nicht noch ihre. Ich habe nämlich die Lawine bei uns losgetreten, ich meinte, ich mach das nicht mehr mit, ich ziehe weg. Daraufhin wurde ihr klar, dass es so nicht mehr weitergeht! Meine Mutter ist am Wochenende ausgezogen und mein Vater kommt seit über einer Woche nicht zu Hause. Keiner weiß, wo er ist. Mein jüngster Bruder macht sich Sorgen. Aber er ist doch erst 16. Eigentlich müssten sich doch die Eltern um ihn Sorgen machen, ob er z.B. die Schule schafft, raucht, trinkt oder Drogen nimmt!

    Ich will damit sagen, wenn deine Mutter damit unzufrieden ist, dass dein Vater keine Zeit mit ihr verbringt, ist das auf keinen Fall dein Problem. Sie kann doch gehen – sie will nur nicht! Meine Mutter wollte auch nicht gehen, weil sie weiß, dass mein Vater irgendwann Pflege braucht, weil es bei ihm in der Familie liegt. Auch für sie war das Thema Alkohol nie vordergründig. Erst als ich sagte, er ist ein Alkoholiker hat sie angefangen darüber zu lesen und zu erkennen, dass sie ihm nicht helfen kann. Warum muss ich ihr das sagen, sie ist doch fast 30 Jahre mit ihm zusammen.

    Soviel wollte ich gar nicht schreiben, ich wollte zum Ausdruck bringen, dass wir Kinder uns öfter vor Augen halten müssen, dass wir die Kinder sind und nicht die Eltern. Wir haben das Recht auf ein eigenes Leben ohne ihre Probleme.

    Liebe Grüße, Laura

    Liebe anima,

    ich weiß gerade auch nicht wie ich mit meinem Vater umgehen soll. Aber ist das so wichtig?

    Er war für mich nie ein Vater, wie er sein sollte. Er stellt sich ständig in den Vordergrund. Und ich habe mir jahrelang ein richtiges Vater-Tochter-Verhältnis gewünscht. Seit Februar ist dieser Wunsch nicht mehr da, weil er mir so weh getan hat. Deshalb versuche ich ihn nicht mehr so wichtig zu nehmen, darüber nachzudenken, was er macht und ob er das gutheißt was ich mache. Ich versuche, mehr mich zu sehen. Das ist sehr schwer, weil es ständig immer alles um ihn gedreht hat. Ich glaube, dass muss man erst lernen. Aber ich habe mir vorgenommen, dass in der momentanen Situation nur ich zählen darf. Es ist gar nicht einfach, aber sowas kann sich ja nicht von heute auf morgen ändern.

    Und das mit der Therapie geht mir ähnlich. Ich habe auch ständig im Kopf, es ist nicht so schlimm. Aber im Endeffekt ging es mir am Sonntag körperlich so schlecht, dass ich nicht aufstehen konnte. Da frage ich mich, warum passiert das immer sonntags? An meinem freien Tag! Deshalb bin ich gerade dabei einen Termin für mich zu machen, jetzt warte ich grad auf Antwort.

    Was für mich sehr wichtig ist, dass ich meine Schwester habe. Sie hat schon eine Therapie gemacht, und sieht alles mit mehr Abstand als ich. An erster Stelle für sie, ist sie selber. Klar unterstützt sie mich, aber sie sagt immer wieder: „Du musst anfangen, an dich zu denken – nur so wirst du glücklich.“ Und das versuche ich jetzt jeden Tag umzusetzen…

    Liebe Grüße, Laura

    Hallo Doro,

    danke für deine Antwort. Es hilft, wenn mal eine außenstehende Person sowas sagt. Einerseits denk ich das ja auch, bloß weg. Anderseits ist es halt doch nicht so einfach. Wir sind eine Unternehmerfamilie, nach Außen ist alles perfekt. Wenn ich jetzt gehe, kann es sein, dass das kaputt geht – muss nicht, kann aber. Es würde nicht nur eine Familie kaputt gehen, sondern auch ein Betrieb mit Arbeitsplätzen. Ich bin Verpflichtungen eingegangen, die ich nicht von heute auf morgen kappen kann. Wenn ich das tun würde, hätte ich wirklich ein schlechtes Gewissen. Aber wenn ich alles gut vorbereite, dann hätte ich sicher kein schlechtes Gewissen. Deshalb habe ich meine Geschwister darüber informiert, dass ich diesen Gedanken habe. Aber sie zwingen mich nicht zu bleiben. Sie geben mir auch keine Schuld, sie sagen nur, dass es möglich ist, ohne unseren Vater zu leben, obwohl er da ist. Wobei sie auch gesagt haben, dass es in meiner Situation wirklich schwer ist. Meine Schwester hat vor einem Jahr eine Therapie gemacht, und da hat sie gelernt sich von unseren Eltern abzugrenzen. Ich denke mal, das wird mein nächster Schritt sein: eine Therapie um mich selbst zu finden.

    Eine gute Ausbildung habe ich nicht. Wie auch! Ich habe nicht wirklich was in meinem Leben zu Ende gebracht. Aber das könnte man ändern, wenn ich gehe, mache ich das nicht von meiner Ausbildung abhängig, ich arbeite seit Jahren, habe eine Menge Erfahrung. Nur will ich in Ruhe überlegen, was ich will.

    Tja und meine Mutter hat immer gedacht, dass es besser sei, wenn Kinder Mutter und Vater haben. Sie hat viele Ehen kaputtgehen sehen und wie die Kinder darunter gelitten haben. Wobei ich sehe das wirklich anders. Sie hätte uns mal fragen sollen! Nun ist sie natürlich aus allen Wolken gefallen, als sie merkte, dass wir nicht zu gesunden Menschen geworden sind, bzw. das ich mich als krank bezeichne. Bei meinen Geschwistern hat sie das immer anders gesehen, vermutlich weil sie denkt, dass wir uns so ähnlich sind. Nun wird der Druck auch auf sie größer, sie weiß, so geht es nicht mehr. Es ist so, als hätte ihr jemand die Augen geöffnet.

    Mir geht es gerade gut, weil ich mich entschieden habe, eine Wohnung zu suchen. Weil das kann ich sofort machen, das muss nicht vorbereitet werden. Zudem konnte ich die letzten beiden Tage in meiner Wohnung sein, und es war mir egal, ob er da war, ob er getrunken hat. Ich kann meine Tür abschließen und man muss ja nicht öffnen, wenn es klingelt. Das gibt mir ein gutes Gefühl, weil ich nur an mich gedacht habe und es endlich geschafft habe, es auch wirklich durchzuziehen.
    Viele Grüße, Laura

    Hallo ihr lieben!

    Ich habe mich bisher nicht getraut auch mal zu schreiben. Aber ich habe viel gelesen, und das hat mich nachdenken und stauen lassen. Bin ich so wie ich bin, weil mein Vater trinkt? Immer wieder kam mir der Gedanke, das kenn ich auch. Mein Vater trinkt, ich kann gar nicht sagen wie lange, aber sicher über 30 Jahre. Und ich habe erst jetzt den Mut gefunden mich damit auseinander zusetzen.

    Ich habe nun erkannt, dass er mich krank gemacht hat und ich mich nicht gewehrt habe. Nun stelle ich mir die Frage, wie komme ich von ihm los. Immerhin arbeite ich für ihn, sowie meine Geschwister. Nur das ich nicht nach Hause gehen kann zu meinem Partner und deshalb ständig bei meiner Mutter bin und somit eigentlich auch bei ihm. In der jetzigen Situation ist es mir nicht möglich, einfach nach Hause zu gehen, und ihn nicht mehr zu sehen – da er jederzeit ins Büro gehen kann und ich darüber wohne. Ich kann zwar die Tür abschließen, aber das hilft nicht mehr. Ich komme mir vor, als ob ich ständig vor ihm weglaufe. Er sitzt im Büro, ich bin bei meiner Mutter. Erst wenn er aus dem Büro kommt, geh ich nach Hause.

    Ich kann natürlich einfach umziehen. Aber zieh ich nur um oder kündige ich auch? Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, ein komplett neues Leben anzufangen, es stellt alles in Frage. Er ist ja schon in Rente, eigentlich ist er nicht mehr im Betrieb. Aber dennoch ist er ständig prÄsent, er kann nicht loslassen. Wir Kinder sollten den Betrieb übernehmen. Deshalb kann ich eigentlich nicht einfach so gehen ohne Konsequenzen für meine Geschwister. Und ich liebe doch meine Arbeit. Hinzukommt, dass ich ihn fast nie auf Arbeit sehe und kaum mit ihm arbeiten muss.

    Meine Mutter kommt damit nicht klar, dass ich gehen will. Für sie stürzt ihre heile Welt ein, ich war immer die Starke. Sie ist doch nur bei ihm geblieben wegen uns Kindern, damit sie sich jederzeit schützend vor uns stellen kann. Somit hat sie in den letzten Jahren nur noch Streit mit ihm gehabt, wenn er getrunken hat. Wenn er nicht trinkt, ist er ganz lieb und hofft, das keiner was sagt. Er ist der Meinung, dass sie uns eingeredet hat, dass er Alkoholiker ist. Er sieht das nicht so, er trinkt ja nur, kann jederzeit aufhören ohne Probleme, hat den Betrieb alleine aufgebaut, den er seinen Kindern hinterlassen kann. Er ist ein Mann von Welt, Alkoholiker sind Hartz IV-Empfänger in seinen Augen. Seit kurzem behauptet er, dass unsere Mutter das zerstören will, weil sie ihn hasst. Sie will den Betrieb kaputt machen und somit unsere Lebensgrundlage. Das ist krankhaft, das wissen wir alle. Dennoch ist er der Chef! Aber ich bin die, die am meisten von ihm abhängig ist. Da ich von ihm nie so akzeptiert wurde, wie ich bin, habe ich ständig versucht, ihm zu gefallen. Habe in den letzten Jahren, mein Leben komplett nach ihm gerichtet. Meine Geschwister nehmen ihn schon lange nicht mehr so ernst wie ich. Aber vor knapp zwei Monaten hat er mir gesagt, was er von mir hält. Seit dem ist er für mich gestorben. Ich habe keine Lust mehr, mich mit ihm zu beschäftigen, ihn zu sehen.

    Meine Geschwister meinen, wir schaffen das. Wir lassen uns von ihm das Leben nicht zerstören. Aber ich frage mich die ganze Zeit, sollte ich nicht mal auf mich hören. Aber wie hört man auf sich selbst, wenn man nicht weiß, wie es geht? Das habe ich noch nie gemacht. Ich habe immer das gemacht, was von mir erwartet wurde. Besonders mein Vater würde das nicht stören, wenn ich gehe - dann hat er endlich wieder jemand der der Böse ist. Aber meine Geschwister würden sehr hart an meinen Weggang knappern. Dabei will ich ja, dass es ihm wehtut.

    Liebe Grüße, Laura