Hallo carpenter,
was bin ich froh, dass ich meine letztjährige Meetingleitung nach einem Jahr wieder abgeben durfte an den Nächsten, der sich daran versucht.
Wir wechseln das in der Live-SHG alle 12 Monate - oder bei Ausfall des Protagonisten eben häufiger - und ich finde das gut so.
Es kommen ganz unterschiedliche Stile, eine SHG zu führen, mal dran.
Ich konnte durchaus erkennen, dass auch bei mir manches entspannter lief, nachdem ich die gedanklichen und tatsächlichen Eskapaden anderer als allein Ihre Baustelle begriff. Meine Meinung und Einstellung hat das nicht geändert. Aber ich war entspannter ob des Tuns anderer.
In der Realität führen "Eskapaden" dann gelegentlich halt zu Unverlässigkeit bzgl. übernommener Aufgaben, was ich überhaupt nicht mag, da ich nicht so bin. Unzuverlässigkeit anderer führt bei mir zu Verlust von Vertrauen und damit irgendwann konsequenterweise zu einem "Beziehungsabbruch".
Ich nenne es dann aber auch einfach so, wie es ist: "Unzuverlässigkeit".
Ob jemand dafür wieder saufen musste oder nicht, ist für mich dann schon zweitrangig, solange er nicht das Bedürfnis hat, es zu erzählen und oder zu ändern.
Ich arbeite in die Richtung, dass ich mir über das Kommen und Fernbleiben von Menschen in einer SHG keine Gedanken mehr mache und auch keine Gedanken über die möglichen Gründe dafür. Bringt nur eigenes Kopfkino, bei entwickelter "Beziehung" sogar Kopfschmerzen.
Ich sehe zu, dass ich klarkomme, regelmässig das tue, was mir gut tut und mein Leben auf die Reihe bekomme.
Klar "tret" ich auch manchmal anderen "in die Eier" - wenn ich es für sinnvoll erachte, denn Schmerz rüttelt einen aktiven Süchtigen überhaupt erst wach und ermöglicht überhaupt erst die Aufnahmefähigkeit des Gesagten.
Ansonsten bauen sich hier manchmal auch "Konflikte" an sowas wie Sprachterminologie auf, schlicht und einfach deshalb weil "die Szene" irgendwann "eine eigene Sprache" entwickelt hat und diese oft kritiklos adaptiert wird. Wer diese Sprache nicht spricht, ist dann unter Umständen schon gefühlt verdächtig. Ich denke da an Sprüche über andere wie "Du bist nass in der Birne". Selbst wird sich dann gern "Nüchternheit", "Trockenheit", "trockene Gedanken" oder ähnliches attestiert. Wirkt naturgemäss wie eigene Selbsterhöhung und ein "nach unten treten", selbst wenn es nicht so gemeint ist.
Ich versuche, da ganz bewusst nicht mit in die Sprachterminologie "einzusteigen".
Selbst der Spruch "Ich bin ein Alkoholiker" enthält nach meiner jetzt mehrjährigen Erfahrung ein riesiges Spektrum an Interpretationsspielraum. Ich schrieb es ja an anderer Stelle, dass "Alkoholiker" im Grunde "Alkoholabhängigkeit" plus x ist.
Statt das eigene x mal konkret zu benennen und getrennt zu reflektieren ( z.B. Depression, Psychose, Persönlichkeitsspaltung, Narzismus, Agressionsstörung, Angststörung, Gefühlsstörung, andere aktive Suchterkrankungen usw. ) wird meist eher ungewollt in andere "Alkoholiker" das eigene x mit hineininterpretiert. Das ist mitnichten zutreffend.
Ich sehe das eher als "sehr bunte Wiese", was ich da erlebe.
Bezüglich der Alkoholabhängigkeit rede ich von Abstinenz, bezüglich meiner vorhandenen anderen Diagnosen oder "Verhaltensstörungen" nenne ich möglichst diese Dinge konkret beim Namen und arbeite daran, für mich schädliche Verhaltensmuster durch "gesundes" Verhalten zu ändern.
LG Jürgen