Beiträge von juergenbausf

    Hallo,

    die mangelnde Erkenntnis über die Tragweite der eigenen Alkoholerkrankung ist nach meinen persönlichen Erfahrungen gepaart mit einer "Arroganz gegenüber der Gefährlichkeit der Alkoholerkrankung".

    Es treffen - aufgrund des Bekanntheitsgrades und des Erfolgs des Forums - in Menge mehr solche Neumitglieder ein.
    Im Grunde eine positive Entwicklung, da die Erkrankung im frühen Stadium leichter zu stoppen ist.

    Dies trifft in diesem Forum naturgemäß auf die, die das Forum in Kenntnis und Selbsterfahrung über die Tragweite der Alkoholerkrankung an sich - losgelöst vom Lebensweg und Schicksal des Einzelnen - aufgebaut und getragen haben.

    Gott bewahre, daß sich dieses Forum denen anpasst, die sich aufgrund Ihres "frühen Stadiums" der Alkoholkrankheit noch nicht der Tragweite der Erkrankung bewußt sind.

    LG Jürgen

    Hallo Karsten,

    ich versuche mal eine "positive" Erklärung dafür zu finden.

    Ich denke, daß heute viele Alkoholkranke in einem "früheren Stadium" der Erkrankung in Foren oder SHGs kommen und Ihnen daher die Tragweite Ihrer Alkoholerkrankung durchaus noch nicht so bewußt ist.
    In die von Dir seinerzeit besuchte Einrichtung wäre ja nur ein Bruchteil von uns hier Schreibenden gekommen, da meistens noch ein anderes Umfeld existiert.

    Mit anderen Worten: Hier tummeln sich heute auch Leute, die sich in der "kritischen Phase" und nicht in der "chronischen Phase" der Alkoholerkrankung befinden.

    LG Jürgen

    Hallo sarawen,

    Zitat

    Ach ja, nur mal so zum Sackenlassen - alleine auf eine Verhaltentherapie warte ich nun schon seit August 2012. Die Fachärzte sind komplett überlaufen....
    Ob ich je eine Therapie in diese Richtung antreten werde ist mehr als ungewiss.

    da kann ich Dich als mittlerweile jahrelang abstinent lebender Alkoholiker nur ermutigen, an Deinem Weg und Ziel festzuhalten ...
    Ich wär ja mit der Einstellung, "Ob ich jemals aufhöre zu saufen ?" auch nicht weit gekommen.
    In diesem Sinne - der Weg ist das Ziel.
    Auf den Weg machen und immer dranbleiben.

    LG Jürgen

    Hallo zimttee,

    "hurra", ich kann mitreden ...

    Zitat

    Wenn aber nun ein Elternteil trinkt, das andere Elternteil als Co daneben hockt und Flaschen zählt- dann verlasse ich ja nicht nur meine Mutter, sondern auch den Vater... Und irgendwie zählt dann auch noch der ein oder andere Verwandte dazu, der auch als Co mit drinhängt. Und plötzlich fehlt einem die Basis.
    Wenn es um den Partner geht, weiß ich, wenn ich mich gefangen habe und meine Fehler erkannt, finde ich vielleicht einen neuen. Aber eine neue Familie gibts nicht.
    So sieht es leider aus und damit tue ich mich derzeit schwer.

    mein Vater trinkt seit 20-30 Jahren "auf hohem Niveau".
    Ich bin so froh, daß sich meine Mutter vor ca. 8 Jahren hat scheiden lassen, denn seitdem kann ich getrennte Beziehungen zu beiden führen, was mir vorher nicht möglich war.

    Ja, warum eigentlich ? Vorher waren es "die Eltern" , heute kann ich eine Beziehung zu meinem Vater komplett getrennt zu einer Beziehung zu meiner Mutter betrachten und pflegen. Ich denke, da steckte für mich auch das Geheimnis drin ! Ich hatte vorher gar keine ausgeprägte Einzelbeziehung zu meiner Mutter und zu meinem Vater ! Ich musste erst anfangen, die beiden als getrennte Persönlichkeiten zu sehen und zu behandeln und die Beziehungen aktiv zu pflegen oder eben nicht zu pflegen !

    Zu meinem Vater habe ich seit mehreren Jahren keinen Kontakt, werde diesen aber in der Zukunft in der Art und Weise wieder aufnehmen, wie mir es passt und guttut. Er trinkt aktiv, auf welchem Niveau kann ich zur Zeit nur erahnen und aus "Sichtungen" anderer Verwandter ableiten.
    Er kam und kommt aber schon immer allein klar.

    LG Jürgen

    Hallo jonas,

    danke für solche Beiträge !

    Zitat

    ... zunächst auch von mir ein großes Lob für eure verdienstvolle Arbeit. Natürlich wäre es (auch für einen Arzt!) unmöglich und auch unethisch, eine Ferndiagnose zu stellen. Wie ihr wird auch der Arzt im Erstinterview (hier: Vorstellungsbereich) oft mit einer Suada konfrontiert: der Betroffene ist verzweifelt, Worte brechen mehr oder weniger unkontrolliert heraus, und kein Blutbild oder ein bildgebendes Verfahren verschafft Klarheit. Was bleibt, ist die klinische Diagnose durch sehr aufmerksames Zuhören, Beobachten (hier: lesen) und das Registrieren von charakteristischen Schlüsselsätzen. "Aber ich komme einfach nicht los von ihm", "ich habe schon alles versucht, aber dann ruft er mich an und dann gehe ich wieder zu ihm" usw. deuten auf eine Beziehungsabhängigkeit (Hörigkeit) hin. Der Co-Abhängige äußert sich anders. Schlüsselsätze wären hier z.B. "aber ich kann ihn doch nicht umkommen lassen", "sein Chef weiß zum Glück nichts davon", "ich kaufe auch den Schnaps für ihn, damit niemand etwas merkt", "meiner Mutter darf ich das von ihm gar nicht sagen" o.ä. Hier hat tatsächlich die Sucht des anderen ins Leben des Co-Abhängigen massiv eingegriffen, es wird von der Sucht des anderen gesteuert.
    An dieser Stelle könntet ihr m.E. vorsortieren oder Empfehlungen aussprechen. Dazu müsste eventuell ein neues Subforum "Beziehungs-Abhängigkeit" eingerichtet werden, denn die (Alkohol-)Sucht des anderen spielt hier keine oder nur eine marginale Rolle, es liegt keine Co-Abhängigkeit vor.
    Natürlich könnte oder sollte mich das alles nichts angehen. Ich finde es nur bedauerlich, dass die Minderheit der echten Co-Abhängigen hier unterzugehen droht. ...

    LG Jürgen

    Hallo Hartmut,

    der Punkt ist, daß durch die Wortwahl "trocken, nass, pitschnass, ..." etc. eine Polarisierung und "Spaltung" in 2 Lager entsteht. "Trocken", "nüchtern", etc. wird dabei mit "guter Alkoholiker" und "nass", etc. wird mit "böser Alkoholiker" verbunden.

    Ich halte nichts davon dies dann auf die eigene Beurteilung der Handlungen und Gedanken anderer Menschen zu übertragen, da dann sozusagen automatisch, gewollt oder ungewollt das Adjektiv gut oder böse mitübertragen wird. Ich persönlich möchte das so nicht tun.

    Ich halte auch deswegen nichts von der "Lagerbildung", da diese z.b. bei einer typischen Lebensbiographie eines 25-jährigen Alkoholikers nicht funktioniert und den Betroffenen jedesmal bei eventuellen Rückfällen zwischen den Lagern "gut" und "böse" hin- und herschubst.

    Das ist für die "Früherkennung" von Rückfällen eher kontraproduktiv.
    Ich denke auch, daß dies die Scham eher verstärken wird und zu Verleugnung von Rückfällen führen wird.

    Insgesamt begrüße ich die konsequente Linie des Forums aber sehr, Rückfälle von vornherein durch konsequente Lebensführung und eigene Persönlichkeitsentwicklung zu vermeiden.

    LG Jürgen

    Hallo dorothea, hallo Hartmut, hallo carpenter,

    nun sag ich mal was zu dem Thema mit den 2-5% ...

    Zitat dorothea:

    Zitat

    nu ma nicht immer jedes wort auf die goldwaage legen. hartmut meint ganz klar die menschen die es nicht schaffen noch mal die kurve zu kriegen. du hast sie doch bekommen gehörst somit zu den 2-5%.

    Zitat hartmut:

    Zitat

    geanau diese Art hat mich bisher zu den 2-5 % Trockenen Alkoholiker gebracht und nicht zu den 95-98 % Rückfälligen

    Ich rede genau deswegen von abstinent und niemals von trocken, nass, halbtrocken, Trinkpause etc. , weil wir alle 3 an diesem dem heutigen Abend alle 3 zu den 100% Alkoholabhängigen zählen und weil ich morgen sicher nicht hartmut, dorothea, carpenter morgen zu irgendwelchen 95-98 % zählen werde, weil sie einen Rückfall hatten. Ich verstehe ja und es ärgert mich auch wenn jemand anderes leichtsinnig mit dem Thema physische Anwesenheit von Alkohol umgeht. Ich versuche aber dennoch jedem Menschen auf Augenhöhe und mit Argumenten zu begegnen, ob er nun 1 Woche oder 20 Jahre abstinent ist. Ich kann und möchte nur Respekt erwerben durch die Dinge, die ich sage und tue und nicht durch die Anzahl der Jahre, die ich abstinent gelebt habe. Ich kann und will keine Abstinenz-Dollars oder Abstinenz-Ehrenorden sammeln. Ich verliere die Achtung anderer Menschen auch nicht dadurch, daß ich Alkohol getrunken habe oder trinke, sondern ggf. durch die Dinge, die ich dann sage oder tue.

    LG Jürgen

    Hallo jonas,

    Zitat

    Ich habe wohl die Forumsregel nicht verstanden. Um freigeschaltet zu werden, muss der Suchtkranke einen Arzt konsultiert und das Suchtmittel aufgegeben haben. Dann erst darf er sich an der kollektiven Arbeit beteiligen.

    das Thema ist so alt wie aktuell.

    Ich habe dies in der Vergangenheit auch einmal "bemängelt", da dies wie die Gespräche mit aktiven Alkoholikern sehr oft relativ sinnlos ist.
    De facto werden in diesem Forum "aktive Co-Abhängige" bei Anmeldung sofort freigeschaltet und legen erstmal "munter jaulend" los.

    Ich halte mich im Themenbereich Co-Abhängige, und insbesondere bei den "aktiven Co-Abhängigen" daher seit einiger Zeit so weit als möglich zurück. Ich bin froh um jeden "geheilten" Co-Abhängigen, der dann regulierend eingreift und die richtigen zärtlichen (?) Worte findet.

    Mit aktiven Alkoholikern, die keine Krankheitseinsicht zeigen, setze ich mich in Foren oder in der Realität ja auch nicht inhaltlich auseinander, da ich weiß, daß dies völlig sinnlos ist. Ich erzähle bestenfalls meine Geschichte.

    LG Jürgen

    P.S.: Die Begriffe "nass" und "trocken" verwende ich ganz bewußt nicht, ich kenne nur abstinent ( = a.D. ) und aktiv ( = i. D. )

    Hallo hepzibah,

    ich habe schon vor langer Zeit festgestellt, daß es mir als Alkoholiker Gedanken und Handlungsstränge von Co-Abhängigen ebenso unerklärlich sind wie umgekehrt ja auch so oft ...

    Ich kann daher kaum helfenden Rat geben, da ich nie in Deiner Situation und Gefühlslage war und freue mich über jede(n) Co-Abhängige(n) der vielleicht die richtigen und klaren Worte findet, die Dir helfen.

    LG Jürgen

    Hallo carmelita,

    Zitat

    Orte meiden, an denen ich früher Alkohol getrunken habe: Dann müsste ich mein Haus verkaufen, das meiner Mutter oder meiner Schwiegereltern nicht mehr betreten und überhaupt müsste ich von dieser Welt verschwinden !

    ich denke, es geht um regelmäßig betrunken statt gelegentlich mal etwas getrunken.
    Ich denke auch, Du wirst schon innerlich wissen, was gemeint war.

    Wenn Du Dich regelmäßig bei der Mutter oder Schwiegermutter betrunken haben solltest - für mich wäre das schon "Hardcore-Alkoholismus" - dann solltest Du diese Orte wirklich meiden, denn dann sind das auch "Vieltrinker".
    Und zuhause solltest Du eben genau deshalb keinen Alkohol mehr im Sortiment führen.
    Ich habe auch alle Gläser entfernt, aus denen ich Alkohol trank - also typische Whiskygläser, Biergläser etc ...
    Auch das alte "Trinkersofa" wurde entfernt und die Wohnstube neu möbliert.
    Es gibt übrigens auch viele Ex-Trinker, die umgezogen sind, weil die Umgebung nicht mehr zum neuen alkoholfreien Lebensstil passte.

    Bitte nicht die Dinge unnötig ins Lächerliche ziehen.

    LG Jürgen

    Hallo dorothea,

    Zitat

    nu ma nicht immer jedes wort auf die goldwaage legen

    hihi, das ist ungewollt (?) ein Beispiel dafür was ich meinte.
    Vielleicht (?) hast Du damit etwas gespiegelt, was zu meiner Art gehört und mit Alkoholismus nichts zu tun hat. Ich werde intensiv drüber nachdenken.

    LG Jürgen

    Hallo prinzessin,

    Zitat

    Ich weiß, dass ich mit gewissen Erzählungen hier nur provozieren würde (obwohl ich das nicht wollen würde), diese Erzählungen bleiben eben bei mir. Wozu andere auf den Plan rufen, wenn ich eh schon für mich entschieden habe?
    Wichtig ist - und das reflektiere ich hier täglich, dass ich trocken bin und bisher (und hoffentlich immer) bleibe/blieb.

    eine gute und wichtige Erkenntnis, wie ich finde.
    Mein Tagebuch führe ich zuhause und hier tausche ich mich über wichtige Gedanken zu Abstinenz, Risikominimierung, Selbstfürsorge, etc. aus.

    LG Jürgen

    Hallo Hartmut,

    Zitat

    geanau diese Art hat mich bisher zu den 2-5 % Trockenen Alkoholiker gebracht und nicht zu den 95-98 % Rückfälligen

    ich denke Hartmut ist Hartmut, Jürgen ist Jürgen usw. - naturgemäß hat jeder Mensch auch seine ihm eigene Art.

    Auch ich habe 2-mal meine Alkoholsucht in Ihrer Dimension unterschätzt und war schlicht und einfach 2-mal zu nachlässig und leichtsinnig.
    Ich hatte Glück und war jeweils nach wenigen Monaten wieder bereit aufzuhören und es war kein irreparables Unglück geschehen.
    Ich möchte mein Glück nicht erneut herausfordern.

    LG Jürgen

    Hallo Carpenter,

    Zitat

    rein gedanklich verbinde ich den Griechen nicht mit Trinken, sondern mit gutem Essen.

    dummerweise wußte das der Grieche nicht - was mich nicht wirklich erstaunt. :)
    Ich hab am Anfang meiner Abstinenz gesagt und dabei blieb es: "Leb wohl, Du schnöder Grieche" ....

    Da liegt bei mir daran, daß beim Griechen in der Regel sehr schwer und fleischlastig gegessen wurde, was dann quasi einen Verdauungsschnaps erforderte. Heute überesse ich mich einfach nicht mehr mit Fleisch, dann brauchts auch nicht den Griechen, den Schnaps und das Gefühl nach einem Schnaps.

    LG Jürgen

    Hallo,

    ich finde es schön, daß es zimttee so gut aus der Sicht eines "geheilten Co-Abhängigen" beschrieben hat.
    Aus der Sicht eines "geheilten Alkoholikers" ( meine Wenigkeit ) stellt sich dies genau so dar.

    Du solltest mehr Ihr Tun und Nichttun als Ihre Worte beachten.
    Sollte sie wirklich stark trinken, kannst Du auf Ihre Hilfe bei Deiner Meinungsfindung "eher nicht rechnen" - um es mal nett auszudrücken.

    LG Jürgen

    Hallo carmelita,

    Zitat

    Er sagte doch tatsächlich, dass die anderen Ehefrauen ihre Männer abgeholt hätten und alles sei so schön gewesen - bei den anderen! Ich hätte ihn ja noch noch nicht mal abgeholt und mich überhaupt nicht gefreut als er (betrunken) nach Hause kam. Dabei hat er mich nicht mal angerufen, damit ich ihn abhole, - hätte ich IHN angerufen, wäre ich ein Kontrollfreak und so weiter...

    Üblicherweise werden solche "Abmachungen" im Vorfeld einer solchen Feier getroffen, wenn der Feiernde starken Alkoholgenuß einplant.
    Also liegt die athmosphärische Störung / Kommunikationsstörung zwischen Euch wahrscheinlich bereits im Vorfeld vor.

    LG Jürgen

    Hallo carpenter,

    Zitat

    aber der Verzicht auf Freunde, die dem Alkohol anders gegenüberstehen, würde mich in ein viel tieferes Loch werfen als der Verzicht auf Alkohol selbst. Ich befürchte sogar, daß mich eine gewisse Isolation wieder rückfällig lassen werden könnte.

    durch offenen Umgang mit der Erkrankung und persönliche Ansprache, was geht und was nicht geht, wird Du keinen Freund verlieren.
    Du wirst sogar viele Freunde gewinnen und in der Achtung derer steigen, die deine Freunde sind.

    Dennoch nie vergessen - Du bist die meiste Zeit mir Dir allein - es ist Dein ganz persönlicher Weg - du wirst zufrieden sein müssen damit, nicht Deine Freunde.

    LG Jürgen