Beiträge von juergenbausf

    Hallo Carpenter,

    meine persönliche Erfahrung ist, daß eine "Alkoholabhängigkeit" so gut wie nie eine alleinstehende Diagnose ist.
    Ich nenne mal einige häufige "Begleiterkrankungen" :

    Nikotinsucht, Depression, Angststörung, Essucht, Spielsucht, Psychose, Persönlichkeitsstörung ( wie z.B. Narzismus, Borderline, etc. ) , usw.
    Ich persönlich kenne keinen Alkoholabhängigen, der nicht mindestens 1 weitere der o.a. Diagnosen ehrlicherweise hätte.
    Ich kenne aber bisher auch nicht hunderte sonder eher 20-30 persönlich.
    Die "Schwere" der anderen Erkrankungen variiert dabei erheblich, genau wie die Schwere der Alkoholerkrankung.

    LG Jürgen

    Hallo carpenter,

    herzlich Willkommen im Forum.
    Eine Zeile Deines Gedichtes ist mir aufgefallen ...

    Zitat

    denn mir wird klarer jeden Tag, daß ich Dich prinzipiell nicht mag,

    Ich habe da eine andere Selbsteinschätzung.
    Ich habe festgestellt, daß ich ihn zu gerne mag und daher meiden sollte.

    Diese kleine Nuance hat enorme Auswirkungen auf die ehrliche Selbsteinschätzung für den zukünftigen Umgang mit Alkohol.

    Ich führe und strebe einen "unnormalen" Umgang mit Alkohol an, denn der "normale Umgang" der Menschheit - und insbesondere meiner, eines Alkoholsüchtigen - war und ist "Saufen".

    LG Jürgen

    Hallo prinzessin,

    "Kapitulation" bedeutet für mich im wesentlichen, zu akzeptieren

    a) daß ich alkoholabhängig bin, dies ist eine unveränderbare Tatsache.
    b) daß Sucht eben nicht immer mit dem Willen kontrollierbar ist.
    c) daß ich ALLES in meinem heutigen und zukünftigen Leben danach ausrichten sollte.

    Die Details ergeben sich dem rationalen Betrachter von selbst.
    Digitales Denken erleichtert mir die Abstinenz ungemein.

    LG Jürgen

    Hallo Georg,

    Zitat

    nach anfänglichen "Startschwierigkeiten" mit Dir weiß ich inzwischen Deine Beiträge zu schätzen. Auch wenn ich Deine Meinung nicht immer teile, regen sie mich doch zum Nachdenken an.
    Was Du über "falschen Stolz" schreibst, könnte durchaus zutreffen. Ich bin jemand von der Sorte "hoho, ich krieg das alles hin, hab alles im Griff".

    ich denke, darum gehts (mir ) auch .
    Und wenn ich schrieb, bei Kritik gerade nicht "wegrennen", dann deshalb weil genau das auch ein typisches Verhalten aus meiner aktiven Alkoholikerkarriere war.
    Weißt Du - ich bin auch nicht immer gut drauf - und wenn ich in einer solchen Phase hier schreibe, bin ich mit Sicherheit auch brüsker und verletzender zu anderen, als ich das in "meinem Selbstbild" gern möchte.

    Hallo Hartmut,

    ich habe ja im letzten Jahr in meiner AA-SHG "den Gruppenmoderator gegeben" und es hat mir lange sehr viel Freude gemacht. Es war von vornherein vereinbart, daß ich dies 1 Jahr mache und in diesem Jahr eine andere Betroffene "nachrückt". Ich merkte, daß ich ab Oktober selbst Probleme bekam, als es einige Rückfälle gab und als Menschen unehrlich und unzuverlässig mir gegenüber waren. Auch das war eine wichtige Erfahrung für mich, denn es hat mich ärgerlich gemacht und ich konnte es auch zeigen und ansprechen, daß Unehrlichkeit und Unzuverlässigkeit mich ärgerlich macht.

    Was ich Dir sagen möchte, ist daß eine Moderatorenrolle in einem solchen Forum automatisch auch neben der Selbsthilfe auch eine Verantwortung für andere Menschen mit sich bringt und ich es insoweit gut finde, daß Du eine gewisse "Wadenbeißerei" mitbringst, um der Verantwortung für jeden Neuling hier und der Linie des Forums gerecht zu werden.

    LG Jürgen

    Hallo metallus,

    ich habe einige neue Dinge über Dich erfahren.

    Wenn Du Dich jetzt regelmäßig für andere engagierst, ist das ganz sicher eine Veränderung in Deinem Leben - und ganz sicher auch eine gute !
    Ich habe mich am Anfang meines Weges als bekennender Alkoholiker nach 2 viermonatigen Trinkpausen und entsprechenden mehrmonatigen Rückfällen ganz bewußt auch an dieser Ecke gebremst. In meinem Übermut wollte ich bereits Kontakstellendienst machen und "andere Trinker retten".

    Ich bin heute nach mehreren Jahren Abstinenz immer noch in der Phase mein Leben ganz konzentriert und geduldig neu aufzubauen. Abstinenz ist Prio 1 und wird das immer bleiben. Mit Schuldenabbau werde ich vermutlich in 2013, spätestens 2014 durch sein. Ich erwäge, ein Studium der sozialen Arbeit aufzunehmen und später als "Streetworker" o.ä. zu arbeiten , aber erst, wenn ich soweit schuldenfrei und finanziell unabhängig bin. Auch meine eigenen Wünsche nach Partnerschaft sollten vorher stabil geklärt sein, denn auch ich benötige mal "eine Tankstelle für die Seele".
    Die "Arbeit" an mir selbst und mit anderen Menschen in SHGs, Kontaktstelle und Forum ist für mich heute eine wichtige Tankstelle geworden.

    In diesem Sinne, bremse Dich ein wenig bei Sport - muß ich selbst übrigens auch immer wieder - und engagiere Dich ein wenig mehr in SHG, Forum und zwar regelmäßig unabhängig von Deinem aktuellen Befinden. Glaube mir: von viel kommt viel Freude (!)- gilt auch für SHG und Forum.

    LG Jürgen

    Hallo,

    Zitat

    Bloß, ein "neues Leben aufbauen", das ist eben mit drei Kindern viel leichter gesagt als getan und nicht 100prozentig umzusetzen.

    ich denke, wir sollten die Dinge nicht mischen.

    Meine Abstinenz hat Prio 1 im meinem Leben bekommen, seit ich nicht mehr trinke. Bei Abstinenz geht es immer nur darum: kein Suchtmittel konsumieren. Ich ordne ALLES im Zweifelsfall dem unter. Am Anfang geht es immer nur primär darum: abstinent bleiben. Ich - für mich - werde immer am Anfang stehen, deshalb werde ich auch nie "trocken werden", sondern immer abstinent bleiben.

    Georg, Du scheinst wirklich viel um die Ohren zu haben. Du leistest viel für Deine Familie und hast dafür meine höchste Anerkennung. Nur meine verbale Anerkennung allein wird Dir am Ende des Tages nichts nützen.

    Es klingt auch manchmal wie "falscher Stolz", daß Du das was Du da machst machst. Ich denke, Du solltest Dir dort auch Entlastung holen und wenn es z.B. durch Familie, soziale Einrichtungen, ehrenamtliche OPAs/Omas wäre, oder oder oder.
    Mich würde das, was Du da beschreibst definitiv überlasten und es würde meine Abstinenz gefährden, da ich ein Entlastungstrinker war und mich - allerdings beruflich - oft überlastet habe und meine eigenen Möglichkeiten klar überschätzt hatte.

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Du - auch in anderen Bereichen - Hilfe annehmen kannst und liebe Mitmenschen findest, die Dir helfen.

    LG Jürgen

    Hallo zimttee,

    Zitat

    Meine Mutter schafft es schon seit 20 Jahren zu funktionieren. Aber ich hörte neulich, dass das die große Ausnahme sei. Die Beraterin bei der Suchberatung hat wirklich 4-5 Mal nachgefragt, ob sie das so richtig verstanden habe, dass Mutter noch arbeite. Aber hier gibts im Forum auch einen Thread von Brummbär, dessen Mutter schon innerhalb des 1. Jahres mittags in die Kneipe um die Ecke zieht und bis abends durchtrinkt. (Ich hoffe, die Erwähnung war okay, Brummbär.)
    Es gibt also nicht den festgelegten Verlauf- aber wieviele Menschen, die so viel trinken, halten das 15 Jahre durch, wenn sie ihrem Körper täglich Gift zuführen?

    ich denke nicht mal, daß das die große Ausnahme ist.
    Ich kenne mittlerweile genug "funktionierende Vieltrinker".
    Mein Vater trinkt bereits seit 40 Jahren - kontrolliert auf hohem Niveau.

    Ich - als Alkoholiker - hätte nicht mal 1 Jahr Bock jeden Abend neben einer "besoffenen Freundin" zu sitzen.

    LG Jürgen

    Liebe Uschi,

    ich habe begreifen müssen, daß ich nicht "normal" mit Alkohol umgehen kann.
    Du wirst begreifen müssen, daß Du denen, denen Du helfen willst - indem Du sie verändern möchtest - gar nicht helfen kannst.
    Es ist unmöglich
    .

    Der saufende Alkoholiker ist genauso "eine Nummer zu groß" und "unlösbar" für Dich wie für mich das Alkoholtrinken.

    Du kannst es nicht - Du machst Dich kaputt damit.
    Du kannst es nicht - Du machst Dich kaputt damit.
    Du kannst es nicht - Du machst Dich kaputt damit.

    LG Jürgen

    Hallo prinzessin,

    geschlossener Bereich - sicherlich eine gute Idee - da dann die Anonymität besser gewahrt werden kann.

    Meine Worte und Einschätzungen hängen nicht von der öffentlichen Lesbarkeit des Bereiches ab, das wird bei Mods und Forenbetreiber vermutlich nicht anders sein.
    Insoweit wäre nur die Sichtbarkeit der "Auseinandersetzung" geringer.
    Ich empfehle, Kritik ggf. einfach etwas länger "sacken" bzw. stehen zu lassen - auch das will gelernt sein - und dann sachlich auf die Argumente zu antworten.

    LG Jürgen

    Hallo tenkran,

    danke für den Erfahrungsbericht.
    Vielleicht kapiert es ja eine(r) mehr dadurch.
    Alkohol ist eine Droge für den Alkoholiker. Alkoholismus ist eine Drogensucht.
    Ich kenne niemandem, der einem ehemaligen Fixer zutraut, mit der ständigen Anwesenheit von Stoff in seiner Umgebung klarzukommen.
    Ich verstehe nicht, warum viele Alkoholiker und Angehörige sich dies zutrauen.

    LG Jürgen

    Hallo Georg,

    das waren meine Wünsche für Dich.

    Ich wünsche Dir fürs Jahr 2013, daß Du Dich sowohl an den Stimmen erfreuen kannst, die Dich "umgarnen" ( etwas weniger als 2012 ) als auch an den Stimmen, die Dich "warnen" ( etwas mehr als 2012 ) .

    Sich mit Kritik auseinanderzusetzen war auch für mich die wesentlich schwierigere Übung als Komplimente einstecken. Das galt und gilt übrigens in allen Lebensbereichen und das geht nach mehreren Jahren Abstinenz "plötzlich" ohne wegzulaufen und ohne ärgerlich zu werden.

    LG Jürgen

    Hallo metallus,

    es ist wie immer im Leben. Von nix kommt nix.
    Wenig Engagement zum Thema Abstinenz und Persönlichkeitsbildung ergibt wenig Ergebnis ( Veränderung ) .

    Ablenkung - z.B. viel Sport - hilft gar nicht, wenn es von Abstinenz und Persönlichkeitsbildung ablenkt.
    Wenn ich 2 x die Woche zur SHG / Kontaktstelle gehe, gehe ich auch gern 3 x zum Sport.
    SHG ist immer wichtiger als der Sport, als die Arbeit, als die Beziehung - bei mir.
    Ich bin übrigens nicht mehr fett - fett war ich als ich gesoffen hatte.

    LG Jürgen

    Hallo Bruce,

    Zitat

    So geht es nun auch vielmehr mehr um Akzeptanz, als ums Ausruhen.

    ich denke, wir schätzen die Gefährlichkeit der Krankheit Alkoholismus beide ziemlich identisch ein.
    Ich würde nie auf die Idee kommen, einen ehemals Heroinabhängigen regelmäßig in seiner alten Konsumumgebung mit seiner Droge zu konfrontieren - weil die anderen es ja abkönnen.
    Ich wundere mich immer wieder, daß viele Alkoholiker sich das - naiverweise - zutrauen und zumuten, um vermeintliche "Stärke" zu zeigen.

    Hallo prinzessin,

    Du bist vorsichtig und wißbegierig, von anderen über die Krankheit zu lernen. Das ist ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung.

    LG Jürgen

    Hallo metallus,

    Zitat

    Na ja, ich habe keinen neuen Alkohol gekauft und habe dies auch nicht vor. Das hat sich erledigt, ich weiß zwar das es jetzt noch schwerer wird, aber ich kann ja wenn ich will. Und ich will.

    ich wünsch Dir das. Dranbleiben und reden, wenn negative Gefühle oder Suchtdruck hochkommen.
    Such Dir eine Live-SHG zusätzlich, falls Du keine hast - hilft auch gegen Einsamkeit übrigens.

    LG Jürgen

    Hallo,

    Zitat

    Oftmals lese ich, dass man mit der Kapitulation dem Alkohol den Sieg überlässt, aber selbst mit solchen Wortkabuseleien (kein richtiges Wort) verschwendet man nur seine Zeit, denn die Zeit des Kämpfens ist endlich vorbei, und das war eine fast schon friedliche Erkenntnis.

    ich für mich denke, es wäre naiv anzunehmen, daß ich nie wieder in Situationen komme, in denen ich für meine Abstinenz "kämpfen" muß.
    Klar, die Situationen werden seltener, aber ich möchte mich in keinster Weise "auf abstinenten Jahren ausruhen".

    LG Jürgen

    Hallo Axel,

    Zitat

    und wollte halt an Silvester "nur" Ko... ziehen um mich in Stimmung zu bringen. Da ich früher dann auch immer Alkohol zum Ko... konsumiert habe, hat sich das leider wiederholt. Ich denke mal ohne den Stoff wäre mir das nicht passiert.

    nun ja - "in Stimmung" warste ja offensichtlich und nicht mehr "bei klarem Verstand", was nach dem Genuss von Drogen nicht weiter verwunderlich ist.
    Ich wünsche Dir, daß Du in Zukunft die Finger von Alkohol und von Drogen lassen kannst.

    LG Jürgen

    Hallo Carmelita,

    Rückfälle entstehen nicht durch andere, sondern durch eigene Unachtsamkeit, Aussuchen falscher Freunde und oder Hobbies,
    Schwächung der eigenen Einsicht oder des eigenen Willens.
    Mir z.B. sind Trinkaufforderungen und das Trinkverhalten anderer Menschen auf Partys etc. völlig egal.
    Ich habe keine Freunde mehr, die stark trinken, das entwickelt sich mit den Jahren auseinander.

    LG Jürgen

    Hallo Carmelita,

    Zitat

    Nach 22 Tagen, bin ich sehr sehr zufrieden und fühle mich von Tag zu Tag besser. ABER ich bin trotzdem sehr vorsichtig und hinterfrage alles, was man mir vorsetzt. Und ich plane immer alles im voraus. Das gibt mir ein Gefühl von mehr Sicherheit und das brauche ich im Moment.

    ich finde es super, daß Du stolz und achtsam bist.
    Die anderen können Dich nicht von Deinem Kurs abbringen, das kannst
    nur Du selbst, daher achte auf Dich und das, was Du willst und löse das Thema "Alkoholabhängigkeit" von den anderen.

    LG Jürgen

    Hallo Georg,

    ich habe mich entschlossen, Dir doch noch ein paar Worte zu schreiben.
    Und zwar nicht, weil ich Dich ärgern möchte oder Dir etwas vermiesen möchte, sondern weil ich möchte, daß Du in diese Feier bewußter hineingehst, als in den vergangenen 2 Jahren.

    Soweit ich das in Deinen Worten herausgelesen habe, bist Du in den 2 vergangenen Jahren ebenfalls als "trockener Alkoholiker", "Problemtrinker" o.ä. in diese Feiern hineingegangen und hast "offiziell" nichts getrunken.

    Wenn das in diesem Jahr anders laufen soll, wirst Du etwas anders machen müssen. Ich möchte Dir daher einige Fragen mit auf den Weg geben. Es geht nicht darum, daß Du diese Fragen mir beantwortest, Du solltest sie Dir beantworten, bevor Du abreist.

    1. Hast Du Dir in den vergangenen Jahren Geheimvorräte mitgenommen? Wenn nein, wo kam der Alkohol her?

    2. Mit wem hast Du in den vergangenen 2 Jahren über Suchtdruck geredet oder reden können? Wenn niemand, mit wem könntest Du diesmal offen darüber reden und Hilfe erhalten ?

    3. Hast Du Dir als mögliche Option eine vorzeitige Abreise gesichert? Wenn nein, hättest Du Angst, Dich dadurch vor irgendwelchen Menschen dort "zu blamieren" ? Wenn ja, warum ? Kannst Du etwas daran ändern durch Offenheit ?

    Ich wünsche Dir eine schöne Feier, offen, ehrlich, fröhlich, abstinent.

    LG Jürgen