Beiträge von juergenbausf

    Moin Hartmut,

    Zitat

    Eine Frage Katha und Jürgen . Wart Ihr erst zu dem Zeitpunkt Alkoholiker als ihr das erkannt hattet ?

    ich unterscheide da wirklich relativ genau zwischen den Begrifflichkeiten.
    Ich bin erstmals im Mai 2009 zu den AA gegangen, weil ich mit dem Trinken aufhören wollte. Ich habe dann bis Mitte 2010 zwei 4-monatige Trinkpausen und 2 Trinkphasen hingelegt. Ich habe mich da mit Sicherheit noch nicht als Alkoholiker bezeichnet, da ich es nach aussen nicht offen darstellte und da ich bei beiden "Rückfällen" im Grunde die Konsequenz daraus ( nämlich Saufen bis zur nächsten mittelschweren "Panne" ) nicht erkannt hatte. Da war ich eher "Problemtrinker" und glaub' mir, ich habe im Alter von 37-45 Jahren wirklich ne harte Latte an gleichzeitigen "Problemen" durchgestanden.

    Erst ab Mitte 2010 war ich bereit, ALLES zu tun, damit ich nicht mehr saufen muss. Ab da war ich bereit, komplett offen damit umzugehen und mich als Alkoholiker zu bezeichnen. Das war eine Entscheidung. Dies fiel mir leicht, da ich zu 100% bereit war, die Sache "zu den Akten zu legen" und da mir klar geworden war, dass die Sauferei mein grösstes Problem war - eben noch vor Schmerzerkrankung, Depressionen, Überlastung und Schulden.

    Zu diesem Zeitpunkt war ich 45 Jahre alt und trank 1/2 bis 1 Flasche Schnaps täglich ab nachmittags bei einem massiven Körperbau und 140 kg.
    Körperliche Schädigungen keine, psychische Auswirkungen satt und reichlich in Form einer Depressionsspirale nach unten.
    Wann nun genau der Übergang zwischen Alkoholmissbrauch zu Alkoholismus bei mir war, ist nicht genau zu sagen.
    Ich schätze, das muss so im Alter von 30-35 gewesen sein.
    Ich schaue nicht zurück und frage nicht warum.
    Nach meiner Selbsteinschätzung im Abgleich mit der Definition der Alkoholkrankheit nach Jellinek habe ich aufgehört bei Step 19 von 40 gegen Mitte der kritischen Phase.
    Das ist vergleichsweise früh - wenn ich mich so umhöre - und da bin ich sehr dankbar für, denn es hätte auch anders laufen können.

    Der Alkoholismus hat meinen beruflichen und sozialen Lebensweg relativ wenig "geprägt".
    Die Abstinenz seit 4 Jahren prägt mich da sehr viel mehr und das ist sehr gut so.


    Gruß Jürgen

    Moin Matthias,

    Zitat

    ?????? hhmmmmm ? - ich hab auch immer geglaubt ich hätt alles im griff (bis auf paar "ausrutscher"), bis ich erkennen durfte, dass ich alkoholiker bin.

    das ist genau, was ich meinte.
    Du wirst zum Alkoholiker, indem DU es erkennst.
    Vorher bist Du alles mögliche, nur kein Alkoholiker.
    Und andere können schon gar nicht beurteilen, ob Du wirklich einfach aufhören oder reduzieren könntest, wenn Du nur wolltest,
    was Du ja nicht musst, weil da ja gar kein Problem ist.
    Kann ja sein, dass Du es könntest.

    Gruß Jürgen

    Moin Katha,

    Zitat

    Hallo Jürgen,

    mir ist bereits öfter aufgefallen, dass Du auf bestimmte Bezeichnungen sehr viel Wert legst und andere kategorisch ablehnst (z.B. abstinent und nicht trocken, etc…).
    Nun schreibst Du, dass es „Deiner Erfahrung nach „draußen“ nur Säufer gibt und keine Alkoholiker“.
    Mich interessiert, worin hier für Dich der Unterschied liegt und wie man eine solche „Erfahrung“ machen kann.

    Ich benutze den Ausdruck „Säufer“ z.B. nicht mehr, seitdem ich für mich begriffen habe, dass Alkoholismus eine Krankheit ist.

    der Zusammenhang ist der, dass die "Krankheit Alkoholismus" wie jede Suchtkrankheit nur vom Betreffenden selbst erkannt werden kann. Fremddiagnosen sind völlig nutzlos, ich empfinde sie eher sogar als "übergriffig".
    Selbst mein Arzt hätte keinen "Alkoholismus" diagnostizieren können, da keine körperlichen Schäden vorlagen - noch nicht würde ich mal sagen.
    Und eine kaputte Leber ist eine kaputte Leber und kein "Alkoholismus".

    Trinken ist solange Privatsache, solange ich nicht davon betroffen bin. Was ich sehen kann ist, dass jemand ständig Alkohol trinkt und/oder betrunken ist -> das bezeichne ich flapsig als "Säufer".
    Du kannst das auch "netter" ausdrücken und "Vieltrinker", "Problemtrinker", "Trinkfester", "geselliger Typ", etc. sagen, eben das was die Betroffenen selbst sagen.

    Es mag sie geben, die Kneipen in denen man sich "aus Geselligkeit" trifft oder traf. Soweit sich dort ein Billiard-Tisch, ein Dart oder so befindet, gehe ich auch mit. Wenn allerdings in irgendwelchen Spelunken schon ab dem frühen Nachmittag klar erkennbar "Alkoholkranke" zum finanziellen Wohle des Wirtes abgefüllt werden, so hat das etwas von "Dealer".

    Gruß Jürgen

    Moin,

    Zitat

    ^ erklärt auch warum jemand in der anfangszeit rückfällig wird - aber später, nach m jahr (oder vielen). das kann m.e. nur ne bewusste entscheidung sein - vielleicht ne entscheidung auf grund ner fehlinformation: z.b. "kontoliertes trinken (<blödsinn)", "alkfreies bier" usw.
    und wer erzählt so n mist? und warum?
    weil sich an nem "nassen" mehr geld verdienen lässt als an nem "trockenen"?

    ich mache mir da möglichst wenig Gedanken drum - betrifft mich ja nicht (mehr) .
    Insgesamt ist die "Szene" der bekennenden und nichttrinkenden "Alkoholiker" lächerlich klein, insoweit habe ich mir abgewöhnt zu glauben, dass 5% verantwortungsvolle (weil abstinente) "Alkoholiker" den Ruf aufpolieren können, den 95% verantwortungslose (wenn wider besseren Wissens weitersaufende und andere schädigende) Säufer jeden Tag mit dem versoffenen Hintern wieder einreissen.
    Nach meiner Erfahrung gibt es "draussen" nur Säufer und keine Alkoholiker, das wird auch immer so bleiben.

    Und natürlich wird mit Säufern viel Geld verdient, das war mir in Kneipen schon immer zuwider, ich war nie ein Kneipengänger und fand es schon immer erbärmlich als "Dealer" mit den Schwächen anderer Menschen sein Geld zu verdienen. Egal ob nun mit anderen Drogen, Zigaretten, Diätpülverchen oder Alkohol.

    Gruß Jürgen

    Moin Hartmut,

    das war wohl ein Missverständnis, Deine zitierten Aussagen kamen bei mir so an als würde zu einem ganz konkreten Rückfall etwas beigetragen.
    Hättest Du doch einfach geschrieben: "Du bist keine Alkoholikerin ...".

    An einer Stelle möchte ich Susanne recht geben.
    Erfahrungen mit Therapeuten sind keine Erfahrungen mit Therapie.
    "Schnupperstunden" hatte ich auch mit mindestens 4 Therapeuten, mit Therapie hatte das gar nichts zu tun.

    Gruß Jürgen

    Moin,

    Zitat

    Zudem trägst du hier auch etwas zu einem Rückfall bei ,den du ja gar nicht kennst . Auch nur vom Hören Sagen ? Ist das produktiv?

    Ich wusste nicht, dass ich in diesem "Fred" etwas zu einem Rückfall beitrage. Wo wurde das erwähnt ?

    Zitat


    Respektiert doch mal den Wunsch des Threadstellers.

    Der da wäre ?

    Gruß Jürgen

    Hallo Correns,

    nicht selten auf die Waage-Steller, aber selten BMI-Berechner ...
    Habe gerade mal einen BMI-Rechner im Internet angeworfen.
    29,3 ist herausgekommen. 115kg bei 1,98m.
    Übergewicht - das sehe ich durchaus auch so, da ich nicht ganz die Figur
    von Klitschko habe.
    10 kg sind durchaus über.

    Gruß Jürgen

    Hallo Marco,

    Zitat

    Nach dem Gespräch sagte Sie mir wie sehr Sie sich freue mich so zu sehen und reden zu hören. Sie meinte ich strahle förmlich.
    So etwas tolles erleben zu dürfen erfüllt mich jedes Mal mit Freude.

    Das mit dem strahlen funktioniert natürlich nicht immer, schön wäre es. Aber das ist ja auch ganz normal. Trotzdem bestätigen mich solche Erlebnisse immer wieder, dass der gänzliche "Verzicht" auf Alkohol ein totaler Gewinn ist.

    solche Berichte erfüllen auch mich mit Freude, denn das ist der Lohn für Deine Abstinenz und die manchmal damit verbundenen "Qualen".
    Ich sage immer: "Meine Abstinenz ist mindestens 1 Million Euro wert." und ich meine das durchaus ernst.
    Auch wenn Geld für mich persönlich nicht mehr so wichtig ist.
    Ich benötige nicht mehr als ich ausgebe.

    Gruß Jürgen

    Moin marco,

    Zitat

    Ich will nicht beratungsresistent sein und habe es ins Klo geschüttet. Mal sehen, ob sich jetzt etwas für mich verändert.

    finde ich gut.

    Ich stufe übrigens Malzbier und alkoholfreies Bier nicht wegen des Alkoholgehaltes als Gefahr für mich sein, sondern wegen der "Nähe zum Biertrinken".
    Ich kann zumindest, was alkoholfreies Bier betrifft auch auf eigene Rückfallerfahrungen zurückgreifen, denn ich schrieb es ja schon an anderer Stelle, ich trank das alkoholfreie in Gegenwart eines noch aktiven Biertrinkers. 4 Monate ging es gut, eines Tages sagte ich zu ihm: "Gib mir mal ein normales Bier". Das werde ich nicht noch einmal riskieren.

    Ähnliches gilt für schnapshaltige Pralinen. Mein 2. Rückfall nach einer 6-monatigen Trinkpause kündigte sich durch Genuss von solchen Pralinen bei meiner Mutter - wohnt 700km weg - an.
    Damals hatte ich noch nicht offen über meine Alkoholabhängigkeit und meine Abstinenz gesprochen, daher lag solch ein Zeug da auch noch rum. Heute besprechen wir das und wenn ich sie besuche, befindet sich kein Alkohol in der Wohnung. Ich bitte sie darum und sie nimmt Rücksicht drauf. Täte sie das nicht würde ich mir ein Zimmer in der Nähe nehmen.

    Ich habe also die "Rückfall-Klassiker" durch, wobei ich im Nachhinein eben sage, ich hatte damals noch nicht begriffen, dass ich Alkoholiker bin.

    Gruß Jürgen

    Moin marcomarco,

    ich versteh die Logik nicht ganz.
    Ein Malzbier zu trinken kann Deine Abstinenz gefährden.
    Also meine jedenfalls schon - so sehe ich das.

    Warum steht das Ding dann da ?
    Ich schaffe alles, was meine Abstinenz gefährden kann, sofort aus dem Haus bzw. lasse es nicht hinein.

    Mit dem gleichen Argument wie Du oben könnte ich sonst auch Bier für Gäste vorhalten, oder MonCherie oder Schwarzwälder Kirschtorte oder oder oder ...

    Gruß Jürgen

    Moin,

    Zitat


    Ich hatte mir mal vor Monaten eine Flasche Malz Bier gekauft, die steht heute noch im Kühlschrank.

    ich entsorge, was ich nicht trinken möchte.
    Auch sowas.

    Gruß Jürgen

    Moin,

    noch etwas für die Mathematiker unter den "inkontinenten Frühaufstehern" ...

    Ich kenne nur Saufen oder Abstinenz.
    "Abstinenz" nenne ich jede Periode von mehr als 12 Monaten ohne Alkohol.
    "Trinkpause" nenne ich jede Periode zwischen 1 Monat Abstinenz und weniger als 12 Monaten ohne Alkohol.
    Ich kenne nur "Wendepunkte". Eine 180-Grad Drehung. Umschalten von Abstinenz auf Saufen ist ein Wendepunkt. Umschalten von Saufen auf Abstinenz ist ein Wendepunkt.

    Und so bin ich ungefähr ein W=1, N=10, TP=2, A=4

    W=1 -> abstinent
    N=10 -> 10 Jahre Missbrauch von Alkohol
    TP=2 -> 2 Trinkpausen von mehr als 1 Monat
    A=4 -> Anzahl abstinente Kalenderjahre nach Erkrankung

    Was bringt mir das?
    Klarheit darüber, dass natürlich ein W=7, N=30, TP=22, A=7 anders "tickt" als ich.
    Klarheit darüber, dass ich jederzeit einen "Wendepunkt" haben könnte, dann W=2 bin und saufe (!).
    Einen Tiefpunkt gibt es für mich nicht. Es geht immer tiefer als tief. Tod durch Alkoholismus: Das ist der einzig wahre "Tiefpunkt".
    Dann ist nämlich eine 180-Grad Drehung nicht mehr drin. Ich sollte mich also vor einem "Wendepunkt" hüten.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass die kleinste Wiedereinnahme von Alkohol bei mir zu einem "Wendepunkt" führt ist sehr gross, das durfte ich in den 2 Trinkpausen feststellen. "Es schmeckt dann wieder". Ich neige überhaupt nicht zu Schuldgefühlen und Jammerei bei einem Wiedereinsteig und könnte dann erst wieder aufhören, wenn der "Schaden grösser als der Nutzen" erscheint.
    So läuft mein Alkoholismus. Im Guten definitiv nicht zu stoppen. Warum auch, ist doch alles gut ?

    "Rückfall" als plötzlich von aussen auf mich einwirkendes Ereignis kenne ich also seit ich dauerhaft abstinent lebe gar nicht.
    Es wird immer ein "Wendepunkt" sein, den ich geistig vorbereiten muss, damit er passieren kann.
    Durch meine intensive Teilnahme an Foren, Selbsthilfegruppen, sozialen Einrichtungen versuche ich die geistige Vorbereitung eines Wendepunktes von vornherein zu unterbinden.
    Klappt bisher, also werde ich sicher nicht die Strategie wechseln.

    Gruß Jürgen

    Hallo Penta,

    Zitat

    zu dieser Offenheit gehört die Realität einer eventuellen Rückfallgefährdung auch für dich scheinbar nicht

    wie kommst Du zu diesem merkwürdigen Schluss ?
    Ich tue heute sehr viel, damit es nicht zu einem Rückfall kommt.
    Ich bin keine Maschine und kann Dir nicht vorhersagen, was meine 7. Hirnwindung, 5. Zelle in 10 Jahren sagen oder tun wird.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass sie nichts Falsches ( nämlich Saufen ! ) sagt, ist deutlich höher, wenn ich mich so verhalte, wie ich mich verhalte.

    Gruß Jürgen

    P.S.: Insoweit wirst Du so unsinnige Aussagen wie: " Ich werde nie wieder Alkohol trinken" von mir nicht hören.
    Ich bin kein Hellseher und will es auch gar nicht sein, übrigens auch nicht was Rückfälle oder Abstinenzen anderer betrifft.

    P.S.:

    Ich dem anderen Fred hatte ich übrigens so kategorisch reagiert, weil dort stand, daß der Rückfall "eines der wesentlichen Elemente der Alkoholkrankheit" ist .
    Das sehe ich wie gesagt nicht so.
    Per Definition kommt es bei einem abstinenten Suchtkranken bei Wiedereinnahme des Suchtmittels zu einem "Rückfall".
    Es werden aber wesentlich weniger Alkoholiker rückfällig wie Säufer weitersaufen, deshalb weigere ich mich, das Thema so hochzureden.

    Wer erkannt hat, dass er Alkoholiker ist und was es bedeutet, hat allerbeste Chancen, abstinent zu bleiben!
    Ich bin überzeugt, meine Abstinenz ist mindestens eine Million Euro wert ...

    Gruß Jürgen

    Hallo Penta,

    Zitat

    .. und weil du keinen hattest, betreibst du keine Rückfall-Vorsorge oder so was?

    umgkehrt wird vermutlich ein Schuh draus, ich tue sehr viel für meine Abtinenz.
    Beteiligung an 2 Foren, Leitung 1 Live-SHG, Teilnahme 2 weitere Live-SHG, ehrenamtliche Arbeit Bahnhofsmission und Obdachloseneinrichtungen, drogen- und alkoholfreie WG bei mir zuhause, absolute Offenheit zum Thema Alkoholabhängigkeit und Abstinenz.

    Angst vor der Zukunft habe ich nicht und damit auch keine Angst vor einem Rückfall.

    Gruß Jürgen

    Moin Penta,

    Zitat

    Ach ja, ne Frage: Ist der Rückfall ein Merkmal eures Alkoholismus?

    bei mir bisher nicht, seit ich weiss, dass ich Alkoholiker bin, hatte ich keinen Rückfall mehr.
    Dass ein "Säufer" nicht rückfällig werden kann, ein "abstinenter Alkoholiker" schon, ergibt sich einfach aus der Tatsache, dass der eine nie aufhörte und der andere aufhörte und eine Suchterkrankung einräumt, bei der jede Wiedereinnahme des Suchtmittels "Rückfall" genannt wird.

    Gruß Jürgen

    Moin,

    Zitat

    Dummerweise ist gerade der Rückfall eines der wesentlichen Merkmale des Alkoholismus.

    nein - bezeichnend, dass das ein (vermutlich oft vera....ter ) Co schreibt.
    Übrigens auch gern und oft gesungen von denen, die wieder trinken wollen.

    Ich versteh' nach wie vor nicht, warum die nicht einfach ansagen:
    Ich möchte und werde ab heute wieder trinken.
    Euch möchte ich damit nicht belästigen und suche mir daher eine eigene Wohnung in Kneipennähe.
    Wäre einfacher für alle.

    Es gibt schöne viele Merkmale, die z.B. bei Jellinek unter "kritische Phase" und "chronische Phase" beschrieben sind.
    Das sind die wesentlichen Merkmale des Alkoholismus.

    Gruß Jürgen