Zitat von HansHaHallo,
für mich gibt es zwei Sorten nicht trinkender Alkoholiker, das sind die wirklich trockenen, die sich mit ihrer Sucht beschäftigen und die Entwicklung, die sie während der nassen Zeit nicht gemacht haben oder die in die falsche Richtung gegangen ist, versuchen zu korrigieren. Dann gibt es wie von "Melinak" schon erwähnt, Leute mit Trinkpausen, die es aus irgend einem Grund aushalten, nicht zu trinken. Und je nach dem kann das schon mal längere Zeit, in einzelnen Fällen auch über Jahre, funktionieren. Im Prinzip wird das Suchtgedächtnis mit großem Aufwand (Muss nicht vom Betroffenen bewusst wahrgenommen werden.) "gedeckelt".
Es gibt da auch keine klaren Unterscheidungsmerkmale für außen Stehende. Das kann nur der Süchtige selbst für sich entscheiden, wie er auch entscheiden muss, ob er süchtig ist.
Ich kenne beide Seiten und habe früher auch längere Trinkpausen gemacht. Im Gegensatz zu jetzt ist der Trinkwunsch nie aus meinem Kopf verschwunden und ich habe mich immer quälen müssen, um nicht zu trinken. Ich habe mir und anderen gegenüber auch nicht zugegeben, dass ich süchtig bin, sondern habe das Nichttrinken anders begründet. Für mich fängt der Weg in die Trockenheit damit an, dass ich vor mir und anderen, wirklich und tief verankert, zugebe ein Alkoholiker zu sein.Schönen Tag
H.
Lieber HansHa
Was Du hier schreibst, genau das sind zur Zeit meine schlimmsten Gedanken. Wenn ich alles verstandesmässig, was ich mir mehr oder weniger an Wissen zusammen"erobern" musste (was er mir auf mein Drängen erzählte, oder mir seine Eltern erzählen konnten. ich erwähne hier auch nur Dinge von denen ich bestimmt weiss, dass es sich so zugetragen hat), analysiere: Etwa rund 10 Jahre nasser Alkoholiker mit mind. 2 Trinkpausen von mehreren Monaten. Einmal hatte er einen Entzug in der Klinik gemacht. Die Selbsthilfegruppe hat er nach kurzer Zeit verlassen. Einzeltherapie hat er aufgegeben. Die Medikamente, die er bekommen hat, hat er eigenmächtig abgesetzt. Dann fing er wieder an zu trinken. Immer nur Wein, 2-4l, dies aber täglich und nur alleine. (Das sind seine Aussagen). Den zweiten Entzug hat er alleine gemacht. Er muss mitten im körperlichen Entzug gewesen sein, als wir zusammengezogen sind. Ich erinnere mich an mehrere Tage: Schweissausbrüche, Durchfall, Verdauungsstörungen, er konnte nichts essen, wie Fieberschübe, etc... Er erklärte mir, er sei krank...ich glaubte, es sei eine Erkältung. Er wollte nicht zum Arzt. Auch Medikamente wollte er nicht einnehmen. Ich war in einer Notfallapotheke. Er war mehrere Tage kaum ansprechbar. Ich machte mir richtige Sorgen. Am Anfang wohnten wir mehrere Wochen zusammen und dann kamen mehrere Wochen der Arbeit, in denen wir getrennt waren. Erst jetzt als wir seit Anfang Jahr täglich zusammen lebten, da fiel seine Wesensveränderung immer wie extremer auf.
Kurz nach dem Zusammenziehen kam durch seine Eltern zum Vorschein, dass er einen grossen Berg von Schulden angehäuft hatte. Inzwischen habe ich ihn mehr oder weniger unterstützt und genötigt alles abzubezahlen und er hat seit Anfang Jahr eine feste Arbeit. Er zahlt heute noch nicht seine Rechnungen pünktlich. Ich stelle fest, dass ich ihm zu viel abgenommen habe (seine Schulden abzahlen, ihm Arbeit besorgen, ihn bei mir sofort einziehen lassen, ihm über ein Jahr lang keine finanzielle Verpflichtung zuzumuten wie Beteiligung am gem. Haushalt oder ähnliches. Ich dachte die ganze Zeit, er soll erst mal auf die Beine kommen. Er hatte paar Fehler in der Vergangenheit gemacht. Das kann vorkommen. Ich helfe ihm da raus). Bei seinen Eltern hat er auch noch Schulden, aber er ist schon wieder am Planen, sich selbständig zu machen und er müsste hierfür diverse Dinge besorgen. Wenn ich was kritisches hierzu sage, heisst es, ich würde ihn nicht verstehen. Er wäre nie in Not gewesen (er konnte zuletzt nicht mal seinen Mietzins zahlen) und ich würde blos nicht seine Leidenschaft teilen und sei nicht auf seiner "Ebene".
Im Nachhinein habe ich wohl alles falsch gemacht, was ich konnte. Zusammen mit seinen Eltern. Wir haben ihm alles abgenommen, überall geholfen, Dinge übernommen. Wieso sollte er dann was an seinen Gewohnheiten ändern?!
Zur Zeit kommt es mir vor, dass er wohl einen sehr starken Trinkwunsch hat und alles dafür tun würde, um wieder in seine alten Gewohnten zu verfallen, die er nie wirklich abgelegt hat. Wenn es sein muss, dann stösst er mich auch von sich weg. Ich weiss blos zur Zeit nicht, wie ich damit umgehen oder darauf reagieren soll. Muss ich ihn fallen lassen?! Darf man das?! Wie schaff ich das, ohne mir, wenn er dann offensichtlich rückfällig wird, Vorwürfe zu machen?! Sollte man nicht zu einem Menschen, der krank oder in Not ist, stehen; ihm helfen?!