Beiträge von Ganymed28

    Zitat von Just

    Eins noch: meine Fingernägel entwickeln sich zum Guten :) Seit meiner Kindheit sehen meine Finger ganz schlimm aus. Ich habe immer die Nägel malträtiert (abgerissen). Seitdem ich mich mit der Thematik auseinander setze, sehen sie ohne zutun besser aus. Heisst, ich reiss da wohl nicht mehr unbewusst dran rum ...kann aber auch Zufall sein.

    Mit sicherheit ist das kein Zufall. Wenn die inneren Spannungen abgebaut werden, verschwinden auch die äußeren Symptome. Das ist normal, freu dich jetzt schonmal drauf, wenn da nichts mehr in dir herumtobt, was die Energie stiehlt und dich selbstzerstörerisch verhalten lässt. Man fragt sich dann wirklich: Was denn, soviel Energie habe ich wirklich? Und was mache ich jetzt damit?

    Zitat von anna25


    was genau ist die klientenzentrierte gesprächstherapie?

    Das ist eine Gesprächsttherapie, die nicht auf eine jahrelange Analyse hinarbeitet, sondern konkret die drängensten Konflikte angeht und dann ein handwerkszeug gibt, mit dem man die übrigen Konflikte lösen kann. So habe ich es erlebt. Ich habe in meiner therapie das Zauberwort "Loslassen" gelernt und zum ersten Mal begriffen, dass es eine Alternative zum Klammern und Hoffen gibt.

    Die Schaltung bei deiner Schwester ist: "Ich bekomme nur Liebe (zuwendung, Aufmerksamkeit) wenn ich krank bin. Da das Loch in meinem Herzen unendlich groß zu sein (scheint) muss ich möglichst oft krank sein, um am Leben zu bleiben"

    Dabei ist die Grundannahme schon falsch: Liebe ist kein Tauschobjekt. Liebe funtkioniert nur, wenn sie bedingungslos gegeben wird und nicht in einer Wenn-Dann-Tauschhandelsystematik gefangen ist. Leider ist das eine der härtesten Nüsse, die ich knacken musste, die ganze Tragweite der Erkenntniss (und die hatte ich erst vor knapp 2 Jahren) dass mein inneres Kind auf bedingungslose Liebe besteht wirkt noch heute nach. Ich weiger mich heute auch irgendwie sein zu müssen um von bestimmten Leuten wahrgenoimmen zu werden. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Ich weiss, das meine Liebe die beste Liebe ist, die ein Mensch zu geben hat und ich gebe sie gerne freiwillig und bedingungslos - take it or leave it. Aber ich lasse mir von niemanden erzählen, dass etwas mit meiner Liebe nicht stimmt, nur weil ich nicht bereit bin, dieses oder jenes zu tun.

    Ja, die Machtspiele. Die sind noch schlimmer als dieses Saufgedönse, weil das machen die COs und Angehörigen untereinander, auch wenn der Alki mal wieder in Kur ist. So ganz begriffen habe ich die Nummer noch nicht, die Frage nach dem: Warum überhaupt diese verdammten Machtspiele? Ich glaube das ist so eine Art psychischer Druckausgleich weil der Alkohol gnadenlos am längeren Hebel sitzt.

    Das Prinzip ist aber einfach: Mach dir ein paar emotional abhängige Menschen (z.B. Kinder oder Geschwister) und verhalte dich vollkommen widersprüchlich. Damit verunsicherst du sie und da sie von dir abhängig sind, behältst du die Macht. Leider nur die Macht, nicht die Kontrolle und schon gar nicht die Verantwortung...

    Zitat von Kopfmensch

    Hallo EKAs,

    da ich im gestrigen Gespräch mit einer Freundin gemerkt habe, dass ich sie mit meinen speziellen Themen überfordere, habe ich entschlossen, mich damit an dieses Forum zu wenden.

    Zum Thema Schuldgefühle. Ich habe eine zwei Jahre jüngere Schwester, die ihre Krankheiten gerne dazu benutzt, um bei anderen auf den Arm zu kommen und Mitleid zu erzwingen - erinnert mich sehr stark an meinen Vater (Alkoholiker) früher. Ein Beispiel: Ich erhielt gestern morgen von ihr einen Anruf. Sie klang bedrückt. Und fing gleich mit Jammern an. Hätte die ganze Nacht nicht geschlafen usw. Ihr ging es schlecht. Ich bin nicht darauf eingestiegen und sie machte mir Vorwürfe, das sei kein Witz. Daraufhin habe ich entgegnet, dass ich mich nicht zum Mitleid nötigen lasse. Damit sei keinem geholfen. Sie hat aufgelegt und mir später eine bitterböse Email geschrieben inkl. es sei schwer mich lieb zu haben, wenn ich immer so kalt bin.

    Ich habe ihre Spielchen mitlerweile durchschaut, werde dennoch jedes Mal wütend. Habe in einem Buch gelesen, dass ein Reagieren typisch für die Co-Krankheit ist. Ich freue mich daher über meinen Schritt zu lernen, ihr gegenüber nicht zu reagieren.

    Gruß Kopfmensch


    In meiner größten Selbstmitleidphase habe ich von meiner bis heute besten Freundin folgenden Satz zu hören bekommen:

    "Wer ständig heult, bekommt zwar die meiste Aufmerksamkeit - aber den wenigsten Respekt. Ich will aber den Respekt vor dir nicht verlieren!"

    Hossa, das hat gesessen, das kann ich dir sagen. So geht´s eben nicht.

    Wenn es dir so geht, wie mir in meinen schlimmsten Zeiten, dann ist das kein Wunder, dass sich das in deinem Kopf so anfühlt, als würden da ein Haufen kleiner giftzwerge wilde Parties feiern. Mich hat die Migräne bald durch die Wand rennen lassen...nur dass sie immer Samstags kam war für mich Indiz genug, dass das nur was psychisches sein konnte. Aber an Tumore habe ich auch schonmal gedacht.

    Wenn du dich auf das ungewohnte Terrain der geistigen Heilung einlässt, dann wundere dich nicht, wie deine Ängste und anderen Symptome im Zuge des Verstehens, felsbrockenartig von dir abfallen und donnernd ins Tal stürzen.

    Die einzige Frage, die sich dann stellt ist: Was fange ich nur mit dieser ganzen freien Energie an? Werde ich jetzt Bundeskanzler oder gehe ich erst einmal zu Fuß durch den Atlantik?

    Zitat von Charlie

    Hallo Ganymed,

    was bringt Dir die Frage mit seinen Antworten?

    Das verschrobene Hirn eines nassen Alkoholikers wirst Du dadurch trotzdem nicht verstehen und jeder Alkoholiker für sich hat da persönliche Hintergründe für...

    Charlie

    Ach, das hat mich nur mal so interessiert, es scheint ein Running Gag zu sein. Bei allem anderen ist es aber eher ein kleiner Nebenkriegsschauplatz. Ich verbuche es unter "versteckter Hilfeschrei" aber wie gut man einem nassen Alkoholiker von aussen helfen kann, dass weiss hier, glaube ich, jeder...

    Alles gute für euch. Da draußen gibts ein Leben. Und das macht richtig Spaß

    Tag

    ich treibe mich mehr im "Kinder von Alkoholikern" Forum rum aber jetzt habe ich mal eine Frage:

    Was hat es eigentlich mit diesem ulkigen "Flaschen-Verstecken-Spiel" auf sich? Was genau hat das in diesem Alkoholiker-Film für eine Rolle? Warum werden die Flaschen nicht weggeworfen, sondern aufwändig versteckt, wo sie garantiert jemand findet?

    Zitat von Kopfmensch

    Merci für Dein Feedback. Ich stimme Dir zu, dass andere Menschen mit meiner Geschichte überfordert sind. Und das mit dem Herz auf der Zunge tragen, ist mir ebenso bekannt. Wie bist Du dahin gekommen, damit aufzuhören?

    Manchmal muss man sich einfach entscheiden und bei einer Entscheidung bleiben. Es fährt sich wesentlich besser mit anderen, wenn die nichts über diese Vergangenheit wissen. Schreiende Seelen erkennen einander, jemanden zum ernsthaften Austausch findet sich immer. Aber Kollegen und Bekannte sind da grundsätzlich die Falschen.

    Zitat von Kopfmensch

    Ich habe gerade einer Freundin Einblicke in mein Seelenleben gegeben, inkl. der Aussage, dass ich eine bedrückende Kindheit mit einem Alkoholiker als Vater hatte. Wir hatten uns heute auf ein Eis verabredet und wie immer kam die Frage, und was macht der Beziehungsstatus? Hatte ihr gesagt, dass ich erst mal mit mir ins Reine kommen will. Gerade im Telefonat, musste ich plötzlich weinen und es kam Einiges an Gefühlen hoch. Sie schien perplex und sagte nur, sie weiß nicht wirklich, was sie mir raten soll. Ich soll in die Welt hinaus ziehen und leben. Jetzt bereue ich meine Offenheit bereits.

    Kopfmensch

    "Normale" Menschen sind oft mit unserer Geschichte überfordert. Ich kann dir nur den Rat geben, dich lieber hier oder in deiner SHG zu öffnen. Ich habe früher auch das Herz auf der zunge getragen aber heute lasse ich da keinen mehr ran.

    Silke

    ich kann deine Dünnhäutigkeit verstehen. Aber anfeinden will dich hier bestimmt niemand. Wir meinen es alle gut mit dir, es ist nur so, nur bei der Vorstellung, wieder zurück in die "Höhle des Löwen" zu ziehen jagt vielen, mir ganz besonders, einen eiskalten Schauer über den Rücken.

    Du solltest aber dir nichts vormachen. Es gibt keine faktischen Gründe, die dich dazu zwingen, zurück zu deinem Vater zu ziehen. Es gibt tausend andere Möglichkeiten, schlimmstenfalls Harz4 und Wohngeld. Das machen andere auch, warum nicht du? Da ist nichts Schlimmes dabei.

    Du folgst deinen gewohnten Wegen, nicht mehr und nicht weniger. Zwar ist die Vorstellung, deinen Vater wieder ununterbrochen im Nacken zu haben grauenhaft, aber wenigstens kennst du dich damit aus. So funktioniert das eben, bis man sich mit aller Gewalt dagegen stemmt. Aber mach mal. Kommt Zeit, kommt Erkenntniss, kommt innere Reife und Freiheit.

    Ich erlebe gerade das Leben wie ein Rausch. Als stünde ich in einem FLuss und bin dadurch gleichzeitig ein Teil davon. Ich bewege Dinge, die andere Dinge bewegen. Eine unendliche Kettenreaktion, die zu neuen Ideen, Verbindungen, Bekanntschaften führt. Ich bin Teil eines Systems, ich treibe nicht mit, ich stehe nicht aussen vor. Ich gehöre dazu. Mein Rat wird gesucht, meine Gedanken werden aufgegriffen. Ich erlebe Respekt, Bewunderung und Anerkennung. Erlebe ich aber Kritik, kann ich vollkommen darauf vertrauen, dass sie sachlich ist und nicht mich als Person in Frage stellt. Ich ernte, was ich in den letzten 10 Jahren gesät habe. Verfahren, die zu neuen Produkten entwickelt werden, die es ohne mich nicht gäbe. Ideen, die zu neuen Verfahren führen. Erfahrungen, die meine immer neuen Gegenüber einschätzen können. Vertrauen, dass ich kann, was ich kann, und lernen kann, was ich noch nicht kann.

    Ich tauche ein und schwimme mit in diesem Fluss. Er ist angenehm kühl, hält mich sachlich und wach aber er reißt mich mit, trägt mich, führt mich. Ich bin, und das ist gut so. Der Fluss wäre ein anderer, gäbe es mich nicht. Ich brauche den Fluss und er braucht mich.

    Ich liebe mein Leben.

    Und das ist wieder nirgendwo abgeschrieben, sondern nur für euch.

    Ich hab mir so mit 15 folgende Frage gestellt:

    Wenn meiner Mutter ihr Leben doch offensichtlich vollkommen gleichgültig ist, warum muss es MIR dann etwas bedeuten? Muss nicht jeder zuerst an sich selbst denken, sich selbst auf Spur halten und dafür Sorge tragen, dass er/sie klarkommt?

    Zitat von AKKA

    Ja, das stimmt leider, ich selbst zähle mich dazu, allerdings macht es mich wütend DAS bei anderen zu sehen, die sich nicht helfen lassen wollen, wo sie offensichtlich diese dringend brauchen!!! Man selber merkt diesen Zustand ja kaum, dass man sich das "gewohnte Schlechte" sucht, würde man nicht darauf hingewiesen!

    Es ist schwer, eine Therapie zu beginnen, die alten Gewohnheiten, die Angst, die man hat, die Depression, all die negativ behafteten Gefühle 'abzulegen', die man doch gewohnt ist, mit denen man sich 'eigentlich gut' fühlt, weil man sie ja kennt, plötzlich 'nackt' da zu stehen mit neuen Gefühlen, die fremd sind, ja sogar unheimlich sind...das ist SEHR schwer aber letztendlich bringen sie uns weiter, lassen zu, dass wir Umdenken, dass wir uns erlauben, mal an uns zu denken... auch wenn es erst der Anfang von vielem ist, so ist er doch das Wichtigste!

    Du hast sicherlich mit allem Recht. Aber man kann niemandem zu seinem Glück zwingen. Man muss jeden seinen Weg gehen lassen. In Fällen wie diesen kann man sich aber auch mal auf die Schulter klopfen und sich selbst eine Anerkennung zukommen lassen, indem man sich sagt: "Gottseidank habe ich DAS hinter mir." Aber mit dem Finger auf andere zu zeigen ist immer so eine Sache: Dreht man die Hand um, zeigen drei Finger auf einen zurück.

    Melanie. Wieso eiere ich herum? Es geht mir so fantastisch wie noch nie zuvor im Leben. Ich erfahre zum erstem Mal, was Wertschätzung, Respekt und Anerkennung wirklich bedeutet. Aber das passiert erst, seit ich für mich selbst zu der Überzeugung gekommen bin, dass ich auch wirklich liebenswert, anerkennenswert und respektabel bin. Ich habe ein grad an Normalität erreicht, den ich mir vor einem halben Jahr noch nicht vorstellen konnte. Ich habe soviel Energie übrig, dass ich mir gerade überlege, ein Haus zu kaufen und mich politisch zu engagieren. Wenn das nicht Leben ist, dann weiss ich auch nicht.

    Ich habe Verständnis für deine Frustration und dafür, dass du lieber die Vorstellung von einem liebenden Gott ablehnst anstatt nach Gründen danach zu suchen, warum dir dieses Schicksal auferlegt wurde. aber bitte lass deine Frustration nicht an mir aus. Ich höre dir gerne zu, bin aber sehr ungerne ein Punchingball.

    allerdings,

    Zitat


    ICH selbst war diejenige die gewisse schräge überzäugungen lebte und daran arbeiten wollte diese überzäugungen die ich in mir hatte umzuwerfen und zu verändern.nur so gehts alles andere ist das abschieben der eigenen verantwortung für sich auf andere!

    davon kann ich ein Lied singen. ich würde wirklich gerne wissen, wie konkret deine "schrägen Überzeugungen" aussahen. "Schräg" war zeitweise eine starke Untertreibung meines Seelenzustands, "total verschwurbelt" trifft es eher...