Beiträge von Ganymed28

    Zitat

    Immer wieder Nachts mit mir zu meinen Großeltern "geflohen" etc.

    Ich auch,7 Jahre alt im Winter´nur im Schlafanzug mit nackigen Füßen mit meiner Schwester durchs Dorfzu einer Freundin, weil meine Mutter uns wieder mit Tellern beworfen hat.

    Zitat

    Was ich wohl noch von meiner frühen Kindheit bezüglich des Alkoholproblems meines Vater weiss waren immer wieder meine Ängste als Kind, dass meine Eltern sich nicht wieder vertagen würden. Ich habe meine Mutter immer wieder gefragt, ob denn jetzt wieder alles in "Ordnung" sei ...ich hatte panische Angst, dass es nicht so war und meine Eltern sich trennen würden ...meine Mutter hat meinem Vater immer wieder gesagt, dass wenn ich 18 Jahre alt wäre, sie sich von ihm trennen würde ...was ja dann auch passiert ist.

    Meine Mutter sagte mal zu mir: "Ich habe so geweint, als der Doktor gasagt hat, sie sind wieder schwanger. Denn ich habe immer gesagt, wenn der jüngste 10 Jahre alt ist, verlasse ich meinen Mann."

    Gruselig, wie ähnlich sich die Storys sind. Die Wirkung ist immer die gleiche: Das Kind fühlt sich nicht nur für das Wohlergehen der Eltern verantwortlich, es wird konkret zur Ursache des Unglücks der Eltern verantwortlich benannt. Denn bei dir wie bei mir steht doch die gleiche Aussage im Hintergrund: Es wäre besser, wenn es dich überhaupt nicht geben würde. Die reine Existenz zum Vorwurf gemacht, und da soll man nicht verrückt werden. Natürlich wird das dann abgestritten...so hab ich das doch garnicht gemeint BLABLA - aber genau so hast du (Mutter) es gesagt.

    Zitat

    Ganz ehrlich: ich weiss auch nicht, warum da keine Wut, keine Agressionen sind gegenüber meinem Vater ...ich vermisse aber auch ein Wort der Entschuldigung, mal ein Gespräch, was er mir angetan hat ...nix, er "nimmt" mich jetzt so, als wenn nix gewesen wäre ...eigentlich vom Verstand her "zu billig" aber ich habe keine Wutgefühle gegen ihn ...ich spüre eigentlich nix auch keine Liebe ...

    Ist das nicht das Schlimmste? Solange man Wut hat, hat man Energie. Aber diese Abstumpfung, diese Gleichgültigkeit ist doch grausam. Aber sie habens nicht anders gewollt, wie viele EKAs haben solange gekämpft, bis sie selbst mit dem Saufen angefangen haben.

    So gehts mir mit meiner Mutter jetzt auch. Sie dämmert von der Welt verlassen in einem miesen Pflegeheim vor sich hin. Ich bin der einzige der sie besucht aber länger als eine halbe Stunde alle zwei Wochen halte ich es bei ihr nicht aus. Ich sehne ihren Tod herbei, damit dieses Kapitel endlich geschlossen werden kann.

    Irgeneinen Preis muss halt jeder zahlen. [/quote]

    Zitat von Hartmut

    Hallo Ganymed28


    ich versteh dich schon und dein Anliegen.

    wenn es Gott gibt mag das sein und wer nicht daran glaubt? Versteh mich nicht verkehrt . Ich freue mich soagr darüber, wenn jemand seinen Weg über Gott gefunden hat , aber es soll hier , zu keinen allgemeinen Diskussionen über Glaubensrichtungen werden. Denn ich freue mich auch über jeden Atheist der seinen Weg findet.

    Gruß Hartmut

    Grundsätzlich betrachtet: Wer das kann, verdient meinen Respekt und es wäre umso mehr ein Grund, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Ich kann nur von meiner ganz persönlichen Erfahrung sprechen: In der größten Verzweiflung konnte ich immer sagen: Jetzt mach du mal was. Und immer hat er mir geholfen. Diese Sicherheit nicht zu haben stelle ich mir schrecklich vor aber - wenn das für andere funktioniert, um so interessanter.

    Die PC Spiele und die Esssucht hatten mich auch 10 Jahre im Griff. ich wiege jetzt bei 1,68m genau 130kg. Aber was solls. Mir war immer klar, dass beides nur Symptome eines tiefer sitzenden Konfliktes waren. Den habe ich im letzten halben Jahr endlich geknackt bekommen und seitdem geht es mir deutlich besser. Ich spiele nicht mehr am PC, esse bewusster und bewege mich regelmäßig. Aber wie gesagt - den Drachen musste ich vorher zähmen.

    Mein Urkonflikt bestand darin, dass ich - als "äußerer Erwachsener" davon überzeugt war, dass meine Liebe nichts wert ist, mein "inneres Kind" jedoch so voller Liebe war - und das unerschütterliche Bewusstsein hatte dass diese Liebe die wertvollste und heilendste Liebe der Welt ist. Gegensätzlicher und weiter auseinander können die Pole eines Konfliktes kaum sein. Meine Lösung bestand in der Erkenntniss, dass es eben zweierlei ist: Die Liebe, die ich geben möchte - und die Liebe, die andere (mit ihren eigenen Blockaden) überhaupt anzunehmen bereit sind. Also: Nur weil jemand aufgrund der eigenen Prägung nicht dazu imstande ist, meine Liebe anzunehmen, bedeutet das nicht, dass etwas mit meiner Liebe nicht stimmt. Ich kann trotzdem voller Überzeugung sagen: Ich habe unendlich viel heilender Liebe zu geben - auch wenn die nicht bei jedem ankommen kann. Damit war mein Konflikt gelöst und seitdem hole ich mir mein Leben zurück.

    Zitat von Just

    Ich selber habe das gar nicht als so schlimm angesehen.

    Ein Kind ist darauf angwiesen, das Umfeld und die Dinge die darin passieren, als "normal" zu akzeptieren. Darum habe auch ich meine Kindheit lange als nicht "so schlimm" empfunden, weil ich dachte, das alles gehört eben so.

    Zitat

    Ich bin für mich verantwortlich und meine Trockenheit und darum geht es mir auch hier im Alkoholkerforum. Mich hat keiner getragen und will auch nicht bekehrt werden das ich in der schlimmsten Zeit getragen wurde. Ich war stink , rotz besoffen in der Ecke gelegen. Von diesen Wortspielseren und Zitaten aus der Bibel , Tora oder andere Glaubensbücher sind ganze Völker wegen Fehlübersetzungen verreckt.. Nun wie oben schon geschrieben soll jeder sein Teil damit ausmachen.

    Die Verantwortung für das eigene Handeln bestreitet niemand, am allerwenigsten Gott. Sonst wären wir keine freien Menschen sondern Marionetten Gottes. Der Generalverdacht des Missionierens und Bekehrens ist leider jeder Gesprächseröffnung mit diesem Thema behaftet. Trotzdem sollte ein Gespräch darüber prinzipiell erlaubt sein. Ich sage deshalb nochmals in aller Deutlichkeit: Ohne meinen Glauben hätte ich niemals meine Konflikte bewältigen können. Um es aber auch zu sagen: Ich erhebe keinen allgemeingültigen Exklusivheitsanspruch an die christliche Ausrichtung als einzigen Weg zu Gott, wer bin ich denn, dass ich 2/3 der Weltbevölkerung unterstelle, den "falschen Glauben" zu verfolgen. Doch dies ist eine andere Diskussion und führt hier zu weit weg vom Thema.

    Zitat von Just

    Was verstehst Du unter "innerem Kind"?

    Jeder ungelöste Konflikt in uns produziert einen Persönlichkeitsanteil, der sich fortan an diesem Punkt stehen bleibt und auf eine Lösung wartet. Man kann das bildlich mit dem "inneren Kind" übersetzen. Dies bleibt so lange, bis der äußere Mensch so weit gewachsen ist, dass er wieder Kontakt zu diesem inneren Kind aufnehmen kann, um dessen Konflikt zu lösen. Jeder Konflikt beansprucht aber seinen Teil des Bewussteins, je nach eigenem Empfinden und Ausmaß der seelischen Verletzung unterschiedlich aber bis sie nicht verarbeitet ist, bleibt sie da und beansprucht Energie von der endlichen Ressource "Bewusstsein". Irgendwann sind die Konflikte so zahlreich und die Traumatisierungen so tief, dass das gegenwärtige Bewusstsein nicht mehr möglich ist. Dann kann es zu diesem Zustand kommen, dass man gar nicht mehr bei sich selbst ist, sondern von diesen seltsamen Wesen mit den wirren Gedanken nur noch so durchs Leben geschleppt wird.

    Diese Persönlichkeitsanteile mit ihren Konflikten bleiben aber, sie verschwinden nicht von alleine. Konflikte müssen gelöst werden, einen anderen Weg gibt es nicht. Der Trick an der Sache besteht darin, dass man sich heute als erwachsenen Menschen identifiziert, der prinzipiell dazu in der Lage ist, ein Kind zu trösten, zu schützen und ihm die Welt zu erklären. Der Konflikt (oder das innere Kind) kommuniziert leider nur mit Gefühlen, so dass das manchmal schwer ist, das konkrete Anliegen zu ermitteln aber es geht. Auch wenn ich mir einige Nächte über eine bestimmte Blockade den Kopf zerbrechen musste, am Ende habe ich immer herausgefunden, was gerade bei mir Sache war und mich unglücklich gemacht hat.

    Man kann wie gesagt, Kontakt aufnehmen, und mit dem inneren Kind kommunizieren. Es verhält sich dabei wie ein normales Kind auch, es ist scheu und braucht seine Zeit, bis es vertrauen gefasst hat und sich auf den "äußeren Erwachsenen" einlassen kann. Wichtig ist dabei, ihm immer mit Liebe und Geduld zu begegnen. Das Kind darf sein, wie es will und wie es sich fühlt. Es ist Sache des äußeren Erwachsenen, sich ganz auf das Kind einzulassen.

    Wenn das innere Kind aber einmal Vertrauen gefasst und sein Herz ausgeschüttet hat, wenn es Trost angenommen und sich beruhigt hat, dann verschwindet es. Ich empfinde das immer als "weißen Rauch aus Energie". Und die Kraft und das Bewusstsein, das der konkrete Konflikt jahr(zehnte..)lang für sich beansprucht hat, steht einem plötzlich selbst zur Verfügung.

    Mit einer traumatisierenden EKA-Kindheit sind das allerdings eine ganze Menge Kinder, die beruhigt und getröstet werden wollen. Es sind eine Menge Lügen, die entlarvt und richtig gestellt werden müssen. Aber es nützt ja nichts, je früher man da dran geht, desto mehr bleibt einem noch vom Leben. Und es ist so: Hat man seinen ersten Konflikt erfolgreich bewältigt, weis man, dass prinzipiell alle Konflikte lösbar sind.

    Zitat von Marthe

    Ich würde gerne eine weitere Therapie machen.

    Leider ist es so verdammt schwer, einen Platz zu bekommen und dann noch einen Therapeuten zu finden, der "paßt".

    Ich habe mir gerade ein Buch bestellt "Familienkrankheit Alkoholismus: Im Sog der Abhängigkeit"

    Ich will mich nicht mehr verstecken hinter den Lügen!!!

    Von der Seele schreiben hilft auch. Schreib ruhig weiter, und wenn du noch so wütend bist. Ich kenne das und ich verstehe dich, wie die meisten auch hier.

    Zitat von Just

    Ich stehe neben mir und komme mir selber fremd vor ...meine Therapeultin meint, das wäre ein Angstsymptom ...Sie hat mir das Buch Familienkrankheit Alkoholismus zum Lesen mitgegeben ...ich habe jetzt mal reingelesen ...

    Ahja, das kenne ich. Man springt aus sich heraus und beobachtet sich wie einen fremden Menschen.

    Ich kann mich nur wiederholen, dass die Arbeit mit dem "inneren Kind" (bzw. den "inneren Kindern") meine Konflikte hat verschwinden lassen.

    Zitat von Jessie1983

    Ach, da fällt mir doch noch was interessantes ein :)
    Ich hatte mal einen Brieffreund, der höchst gläubig war und mich laufend mit Briefen bombardierte, die über Gott und seinen Glauben handelten. Er legte mir ständig Prospekte anbei, ich bekam eine Bibel....Ich fand das irgendwie leicht beängstigend manchmal. Naja, aber er war ein netter Kerl und somit schrieb ich ihm weiter und probierte herauszufinden, wie es gelingt so sehr an jemanden glauben zu können, den man nicht mal sieht. Wirklich verstanden habe ich es leider nie. Allerdings hatte ich irgendwann ein äußerst interessantes Erlebnis.
    Ich las ja Tagelang die ewig langen Briefe und Broschüren, die über Gott handelten und irgendwas hat sich da wohl "verinnerlicht".
    Eines ganz normalen Morgens bin ich dann aufgestanden und war zum ersten (und leider auch zum letzten) Mal in meinem Leben völlig gelöst innerlich. Ich war überglücklich, zufrieden und hatte das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, beschützt zu werden. Klingt total bekloppt, ist aber schwer zu beschreiben. Ich war schon immer ein pessimistischer, eher unzufriedener Mensch. An diesem einen Tag war ich es nicht. Ich war zufrieden mit allem, vorallem mit mir selber und das war das schönste Gefühl, das ich jemals hatte. Noch heute denke ich oft an diesen einen Tag zurück (ist mittlerweile auch schon 11 Jahre her). Sowas passierte leider nie wieder :( Ich frag mich heute noch, was das genau war, was das zu bedeuten hatte und kann diesen Tag einfach nur mit dem Briefe schreiben in Verbindung bringen und nicht an puren Zufall denken, weil ich so eben noch nie zuvor gefühlt hatte. Sehr sonderbar...
    Naja, danach hab ich immer mal wieder versucht zu Gott zu finden aber es gelingt mir leider bis heute nicht :(

    Da ich Gott von kleinauf als zuverlässigen Partner, der immer wieder mit überraschenden und sehr liebevollen Lösungen für meine Lasten und Probleme aufwartet, kenne, kann ich dich nur ermutigen, nochmal auf die Suche nach ihm zu gehen.

    Ich weiss, wie schwierig das ist, weil es viele Stimmen gibt, die ein Gottesbild propagieren, das auch ich nicht teilen möchte. Der "Strafende, Allessehende, Allesverbietende" Gott, wie es die sog. Freikirchen so gerne verkünden ist jenseits meiner Gotteserfahrung. Gott ist Liebe, die reine Liebe, die Idee der Liebe, das Produkt der Liebe und die Inkarnation der Liebe. Gott konnte mir die Liebe geben, die ich von meinen leiblichen Eltern, meinen fürchterlichen Pflegeeltern und meinen (selbst höchst traumatisierten) Geschwistern so schrecklich vermisst habe. Natürlich habe ich auch fürchterliche Zeiten der Depression und der Energielosigkeit hinter mir. Aber selbst in den schlimmsten Zeiten war es so, wie in diesem bekannten Spruch:

    Ich ging mit dem Herrn den Strand entlang. Am Ende meines Lebens blickte ich zurück und sah, dass an manchen Stellen nur eine Spur zu sehen war. Ich frage den Herrn: "Herr, warum hast du mich in den schlimmsten Zeiten meines Lebens alleine gelassen?" Und der Herr antwortete: "Kind, in den schlimmsten Zeiten deines Lebens habe ich dich auf meinen Händen getragen"

    Ich habe das jetzt mit eigenen Worten wiedergegeben um keiner Urheberrechte zu verletzen, ich hoffe, es kann so stehen bleiben. Jedenfalls ist es genau so. Man kann Got vertrauen, er bringt einen durch die schlimmsten Zeiten und man kann, nach und nach, zu einem gesunden Menschen werden.

    Zitat von silke89


    Ich brauche jemanden, der mir in den Hintern tritt und mich dazu drängt eine Therapie in Anspruch zu nehmen.
    Ich bin generell ein unglaublich antriebsloser Mensch, unglaublich faul.
    Bin nicht sehr stolz drauf.

    Sei nicht so hart zu dir selbst. Du beschreibst selbst sehr gut, wie die ganzen Konflikte in deinem Kopf munter Parties feiern.

    Eine Therapie macht man, wenn man bereit dazu ist. Vorher bringt das nichts, im Gegenteil, es kann dich für diesen Weg der Heilung verbrennen, wenn man dich von aussen dazu zwingen will.

    Ersetze "antriebslos" mit "blockiert" und "faul" mit "energielos", dann kommst du einer ehrlichen Bewertung deiner Selbst wesentlich näher.

    Wo andere ohne traumatisierende Kindheit 100% Bewusstsein für die sinnvolle und zielgerichtete Lebensplanung besitzen, haben wir zwischen 0,5-5%, je nachdem was uns angetan wurde. Und mit diesem winzigen Fensterchen an Energiezugang hast du all das erreicht, was du heute bist.

    Da kannst du stolz drauf sein.

    Ich erinnere mich an Zeiten, da war das Hintergrundrauschen so stark, dass ich nichts mehr von anderen wahrgenommen habe. Als hätte ich einen heißluftballongroßen Turban um dem Kopf gewickelt. Noch nicht einmal Schmerz habe ich gespürt, nur noch dumpfes Rauschen, und die Welt habe ich nur noch durch einen winzigen Schlitz sehen können.

    Es gibt Zeiten, die muss man ganz einfach nur überleben. Aber wenn der Entwicklungsschub kommt, dann kommt er. Dagegen wirst du dich auch nicht wehren können. Alles braucht nunmal seine Zeit.

    Zitat von Jessie1983

    @ Ganymed :
    Nur mal am Rande gefragt... Glaubst Du schon immer an Gott, von klein auf...oder wie hast Du zu ihm gefunden ?
    Würd mich mal interessieren :D

    Das brauchst du nicht am Rande zu fragen. Ich hab dafür extra einen Thread aufgemacht aber scheinbar traut sich da keiner.

    Aber du hast recht: DIe Existenz eines Gottes stand nie in Frage bei mir. Ich habe von kleinauf geglaubt und bete jeden Abend ein Vater UNser seit ich 6 Jahre alt bin.

    Klingt unglaublich dämlich ich weiss. Aber so halte ich mir den Kontakt mit ihm warm. Manchmal ist es nur ein Ritual aber vor allem die Passage


    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    hat mich durch manche finstere Höhle gerettet, wenn Wut und Hass in mir sich schon leise zu Mordplänen entwickeln wollten. Das hat mich immer wieder runtergebracht und mir ein STOP! gegeben, wenn der Kopf allzu dolle Amok laufen wollte.

    es tut mir leid, wenn dies formelhaft und abgekupfert bei euch ankommt. Es ist aber genau so, wie ich es erkannt und erfühlt habe.

    alles Gute für euch.

    Zitat von AKKA

    dass mich mein Bruder missbraucht hat, Ihr habt beide recht, im Grunde weiß ich es auch, dass dies passieren muss...mir fehlt nur noch der Mut dazu....vielleicht bin ich masochistisch veranlagt, dass ich mich immer wieder in diese Situationen begebe, in denen sie mich schlecht machen kann :?

    Deine letzten Worte, Ganymed, haben mich sehr berührt und das ist es wohl, womit ich anfangen muss.
    Bist Du denn schon soweit??? Sind Deine Wunden geheilt??? Wie hast Du die Kraft gefunden???

    Ganz liebe Grüße!

    oha, das volle Programm also. Sexueller Missbrauch ist auch in unserer Familie ein Thema, gottseidank nicht bei mir, dieser Kelch ist an mir vorbeigegangen.

    Ich habe hier schon mehrfach geschrieben, dass die Co´s (also die nicht trinkenden Elternteile) oftmals genauso oder noch viel schlimmer zu den Kindern sind als die eigentlichen Säufer. Dieses Rätsel habe ich bis heute auch noch nicht geknackt bekommen aber es interessiert mich auch nicht mehr. Der Oberhammer war bei mir folgende Situation:

    Ich habe nach neun Jahren selbstfinanziertem Studium endlich mein Diplom in der Tasche. Mein Vater hat lieber eine Eigentumswohnung nach der anderen gekauft oder sein Geld in dämlichen Spekulationsgeschäften verbrannt. Jedenfalls präsentiere ich im das Diplom UND sofort eine Stelle (in der ABH) und bekomme als Kommentar:

    "UNd wann hast du endlich mal einen richtigen Job?"

    Jau, da bin ich durch die Decke gegangen und es herrschte echter Krieg zwischen uns - bis ER aufgegeben hat und er um ein Gespräch bei der Familienberatungsstelle gebeten hat. Da habe ich dann alles präsentiert, was mich an ihm so dermaßen ankot*t: Die permanente Abwerterei, die Geringschätzung, das permanente im Stich lassen, die Ignorierung des Passierten....jaja, großes Geheule aber dann...

    Zum Abschluss stelle ich im Beisein der Therapeutin diese Frage: "Jetzt, Vater, wo du weisst, womit du mich verletzt, kann ich dann davon ausgehen, dass du da in zukunft mal ein bisschen darauf achtest?"

    Und ich bekomme die Antwort:

    "Ich lasse mir von dir nicht sagen, wie ich mich dir gegenüber zu verhalten habe."

    und dann

    "Das hat deine Mutter auch immer gewollt aber das lasse ich nicht zu."

    Wow. Rechter Haken, Linker Haken, Magengrube und schlussendlich noch ein ordentlicher Tritt in die Klö*en. Ich bin da raus und hab nur noch gedacht: Okay, irgendjemand ist hier vollkommen wahnsinnig und das bin nicht ich.

    Das ist aber auch schon wieder 5 Jahre her.

    Wie es mir heute geht? Naja: Ich hab eine fantastische Frau, eine tolle Wohnung mit supernetten Nachbarn, mit denen wir dauernd grillen, ich habe endlich einen richtig geilen Job mit supernetten Chefs. Ich gehe endlich konsequent trainieren und beobachte fasziniert, wie stark und gesund ich werde. Ich habe tolle Freunde, ordentliches Einkommen, kann mich endlich auf die Sachen konzentrieren, die mir Spaß´machen und mich weiter bringen anstatt ewig diese Klötze am Bein zu haben. Meine Mutter ist im Pflegeheim, mein Vater ist auch gut versorgt, meine Geschwister können mich mal. Es geht mir so gut, ich strotze dermaßen vor Energie und Selbstbewusstsein, dass mir meine Erfolge schon Angst machen. Vor einem halben Jahr habe ich noch in einer Zeitarbeitsfirma Dreck aufgefegt, jetzt hebele ich Millionenbeträge. Ich genieße mein neues Selbstvertrauen in vollen Zügen und ernte all das, was ich mit den 5% meiner Kraft in den letzten 20 Jahren gesät habe.

    Aber ich, für mich, muss hier klar und deutlich sagen: Ohne Gott hätte ich das niemals geschafft sondern wäre schon längst tot geblieben. Es macht mich furchtbar wütend und traurig, dass alles, was mit Glauben zu tun hat so dermaßen verraten und verdreht wurde. Aber ich habe meinen Glauben gefunden und pflege ihn auch, unter anderem durch regelmäßige Kirchgänge - aber in der ev. Landeskirche und nicht in so einem evangelikal-entrücktem Schwätzerverein.

    Ja. Mir geht es gut. Ich liebe mein Leben. Ich bin dankbar für alles.

    oder die "höhere Macht", wie es so schön heißt.

    Wie steht ihr dazu? Funktioniert ein Glaube an etwas göttliches für euch oder sucht ihr noch? Lehnt ihr das total ab oder habt ihr Angst davor?

    Ich für meinen Teil definiere meinen Glauben folgendermaßen:

    Ich bin getaufter, konfirmierter, bekehrter, wiedererweckter, enttäuschter, auf Kreationisten mittlerweile allergisch reagierender, liberaler, toleranter (außer bei Kreationisten) aber kein beliebig-belangloser evangelischer Christ. Trotzdem erkenne ich die Rolle und die Funktion des Papstes als Oberhaupt der Christen an.

    Das ist der theoretische Teil. Praktisch muss ich sagen...Glaube funktioniert für mich.

    Wie ist es bei euch?

    Zitat

    Ich WILL aber nicht mehr die 5jährige sein

    Das liegt in deiner Hand

    Zitat

    , ich will, dass sie mich so akzeptiert, wie ich bin..

    .

    und genau damit hat sie dich in der Hand. Das ist die Strippe, an der sie dich zieht und tanzen lässt

    Zitat

    Ein mal habe ich es geschafft, mich gegen ihre "Angriffe" zu wehren, es wurde immer schlimmer.

    Hör auf zu kämpfen. Solange du kämpfst, machst du ihr Machtspiel mit

    Zitat

    Sie hat mich mit Sachen konfrontiert, bei denen sie genau weiß, sie verletzt mich brutal!

    So sind viele nasse Alkis nunmal. Viele Cos auch. Ist halt so.

    Zitat

    Warum macht eine Mutter sowas, die so tut, als sei ich ihr ein und alles. Aus Angst, mich zu verlieren?

    Unter anderem auch deshalb.

    Zitat

    Ich verstehe es nicht, es macht mich wütend und verzweifelt, weil ich einerseits den Abstand möchte und brauche, andererseits ich permanent dieses schlechte Gewissen habe, sie zu verletzen!

    Das habe ich dir in dem anderen Thread schon erklärt. Das ist die normale Mutter-Kind-Bindung. Du kannst da absolut nichts dafür, das ist von der Natur genau so vorgesehen, dass das Kind sich den Eltern gegenüber schuldig fühlt. Allerdings war das nur für eine bestimmte Lebensphase geplant und sollte kein Dauerzustand werden. Das ist eben eine Folge dieser Familienkrankheit Alkoholismus.

    Zitat


    Wie oder welche Erfahrungen habt Ihr so mit Eurer Mutter gemacht?

    Schwester, exakt die Gleichen. Aber bis aufs i-Tüpfelchen und obendrauf den Affentanz mit dem Coabhängigen Vater und weils so schön war, auch noch mit 4 coabhängigen und therapieresistenten Geschwistern.

    Als ich 7 Jahre alt war, ist mein Vater abgehauen. Ich wusste wo er wohnt und bin zu ihm gelaufen. Dann kam sturzbetrunken meine Mutter an, prügelte mich durch das ganze Dorf, ging in die nächstbeste Kneipe und soff vor meinen Augen weiter, immer mit den Worten "dU BÖSES kIND; DU BÖSES Kind, du bist schuld, dass ich trinke!"

    Und bis letztes Weihnachten war die Chance bei ca. 85% dass sie betrunken war, wenn wir verabredet waren. Ist halt so.

    Mein Rat an dich ist folgender: Übernimm die Verantwortung und entferne alles, was dir weh tut. Das bedeutet nunmal, den Kontakt zu deiner Mutter radikal zu beenden. Da kommt nichts mehr, da passiert kein Wunder. Die Worte, die du dir so wünscht, werden niemals gesagt werden. Akzeptier das...und fang an DIR SELBST die Liebe zu geben, die du als Kind nicht bekommen hast. Und lass die alte Frau weitersaufen, es ist ihr Leben. Du bist keine fünfjährige mehr...ABER da ist immer noch das fünfjärige Mädchen, das getröstet und liebgehabt werden will. DU bist heute eine erwachsene Frau, die sehr gut traurige fünfjährige Mädchen trösten kann. Fang damit an.

    Wir haben viele Begriffe, die für uns negativ behaftet sind. In unserer Kindheit war der Konflikt ja darin gelegen, dass wir zu funktionieren hatten, obwohl die Umgebung völlig dysfunktional war.

    Wenn ich aber vom Arbeitsumfeld "Ich funktioniere halt" schreibe, dann ist das für mich kein Konflikt mehr, denn: Mein Umfeld funktioniert ebenso gut für mich wie ich für sie. Das ist dann eben ein klassisches Geben und Nehmen, mit Respekt und Distanz, Professionalität und Einsatz, Geduld und Vertrauen.

    Ich möchte sogar soweit gehen, dass ich in einem Unternehmen - im allgemeinen und in meinem derzeitigen - das Äquivalent zum archaischen "Stamm" sehe. Mit diesem Bewusstsein, dass ich nicht "Arbeitnehmer" sondern "Stammesmitglied" bin, lebe ich wesentlich entspannter und mit wesentlich mehr eigener Wertschätzung. Irgendwoher muss man als EKA ja mal anfangen, sie sich zu holen, wenn es funktioniert, warum nicht dort.

    Zitat von Melinak

    nun ist aber im vorhhergegengenen text ja nicht wirklich viel von dir zu lesen. das sind texte, die scheinbar irgendwo gelesen worden sind und hier reingestellt worden sind. theorien, die in der ein oder anderen form in jedem ratgeber beschrieben werden.


    ich möchte aber doch festhalten, dass ich hier kein copy+paste betreibe sondern meine Gedanken und Gefühle genau so wiedergebe, wie ich sie ausformuliere und empfinde. soviel Vertrauen sollte schon sein. Das wäre ja auch echt albern.

    Zitat von Melinak

    hallo,

    dann das mit dem job das du schreibst ist (für mich!) echter "blödsinn". was ist denn so unnormal daran im sozialen bereich zu arbeiten, selbst wenn ich als co einen ausgeprägten helfersinn habe? hier ist es doch wieder eher wichtig sich abzugrenzen, das auszuleben was gut tut, abzulehnen was nicht gut tut. ein job wie jeder andere auch.ich liebe meinen beruf, würde ihn nicht aufgeben, ich lerne lieber da mit mir selbst und dem job richtig umzugehen und meinem chef gegenüber auch mal ein nein zu geben, wenn ich das ein oder andere nicht gebacken bekomme.

    ich finde das was du schreibst hat mehr was mit grenzen setzen und grenzenlosigkeit zu tun als mit normalität.

    denn wenn du anfängst normalität zu suchen wirst du sie so nicht finden, denn dann unterliegst du wieder einer gesellschaftlichen norm die nicht unmittelbar mit deinem inneren grundbedürfniss unterliegen. dann machst du dich wieder abhängig von dem was dir von aussen vorgesetzt wird und findest nicht herraus was dir gut tut.

    lieben gruß melanie

    Bitte benutze meinen neuen Nick, ich, bin über den alten identifizierbar und das möchte ich nicht.

    Homosexuelle Neigungen haben heue gesellschaftliche Akzeptanz erreicht, ich halte diese Neigungen ebenfalls nicht für "unnormal".

    An Sozialberufen an sich ist nichts unnormales, ich will aber die Freiheit haben zu wählen und nicht aufgrund der EKA-Prägungen (gute Zuhörer, hohe Empathie, Helfersyndrom usw) auf ein Jobschema festgelegt werden. UNd ich interessiere mich für Wirtschaft und Technik nunmal wesentlich mehr als für die Probleme anderer Leute.

    Du überlebst auch in den sozialen Berufen nur, wenn du dich abgrenzen und durchsetzen kannst. Das gehört zur Normalität dazu. In der Tat empfinde ich den kollegialen Umgang in der Industrie als wesentlich professioneller und respektvoller als in den sozialen Berufen (Ich habe sowohl Rettungsdienst als auch ABH hinter mir und genügend mit Sozpäds zu tun gehabt).

    Aber du hast vollkommen Recht: Grenzen setzen können ist eine Kompetenz, die ich erst mühsam lernen musste, ebenso wie berufliches und persönliches zu trennen, wie auch Zielformulierungen, Respekt, Wertschätzung anderer und eigener.

    Das alles ist Normalität. Klingt doof aber ich mag gesellschaftliche Normen. Da herrscht Klarheit, was Zuverlässigkeit einschließt. Man kommt rasiert zur Arbeit. Man siezt seinen Chef, bis ER das du anbietet. Man IST pünktlich auf der Arbeit. Man IST geduscht. Man redet NICHT über persönliches. Man lässt keine schlechte Laune am Arbeitsplatz aus. Man funktioniert eben. Und so weiter. Das ist eben so. Hält man sich daran, hat man Erfolg, ignoriert man das, ist man eben wieder draußen. Und das ist auch richtig so.