Beiträge von D.Romedar

    Hey, danke Matthias!

    Deine Geschichte war übrigens eine der ersten und beeindruckendsten, die ich hier gelesen habe.
    Ich glaube sogar ein Stück weit nachvollziehen zu können, warum du so "locker" trocken werden konntest. (jaja, nicht gleich auf mich einprügeln... -LOCKER war das sicher auch nicht, schon klar)

    Du hast deinen Weg konsequent und ohne Hintertürchen verfolgt und dabei eine bemerkenswerte Disziplin an den Tag gelegt. Dafür auch von mir:

    RESPÄÄÄÄKT

    ach, und dein kreatives Schriftbild -extrem cool!!! :wink:

    Hallo Sonne!

    Ich schreibe dir mal aus meiner Sicht. Ich bin nämlich Alkoholikerin (auf dem Weg zum trocken werden) Ich habe 20 Jahre Alkohol in Form von Bier und Wein konsumiert, aber immer nur Abends, keinen Schnaps o.ä., hatte nie zitternde Hände und konnte auch durchaus mal nüchtern bleiben, wenn ich mit Fahren dran war.

    Leberwerte sind auch gut, alles total unauffällig -trotzdem bin ich süchtig!

    Zitat von sonne5

    Mein Partner trinkt regelmässig und ist auch abhängig, alle sehen dies - er jedoch nicht.

    Sei dir da mal nicht so sicher :?
    Ich habe das bei mir auch schon viel früher erkannt und meine damalige Freundin hat es mir auch quasi täglich aufs Brot geschmiert...
    Meine Reaktion war eine komplette Verteidigungshaltung -ich wollte es doch selber nicht wahr haben! Ich schämte mich vor mir selbst, meiner näheren Umgebung und fühlte mich zugleich eingegrenzt und meiner Willensfreiheit beraubt, wenn Sie vorwurfsvoll sagte: "Na toll, du hast die ganze Flasche Rotwein alleine geschafft."
    Tja, was blieb mir da noch übrig? Mein böses Alkoholikerhirn reagierte mit einer tiefen Frustration, die natürlich nur mit der 2. Flasche bekämpft werden konnte.
    Ja, so ticken wir leider. Menschen die uns was Gutes wollen, werden da auch schnell mal zum Feindbild und Liebe relativiert sich.

    Zitat von sonne5


    Meine Frage ist wie verläuft diese Sucht genau:
    Er ist meist nach 2 Tagen abstinenz extrem unruhig, launisch und auch streitsüchtig,

    Er fiebert auf das Ende seiner Trinkpause hin, die er schließlich nur eingelegt hat, um Dich zu beruhigen. Selbst wenn du das gar nicht wörtlich von ihm verlangt hast... Er weiss aber, dass er irgendwelche Zeichen setzen muss um dir zu beweisen, kein Alkoholiker zu sein.
    btw.: in dieser Phase, wusste ich schon sehr genau, dass ich abhängig bin. Wird bei ihm vermutlich auch so sein.

    Zitat von sonne5

    am 3 Tag kommen dann meist irgendwelche Ausreden warum man sich nicht sehen kann bzw. warum er noch in irgendeine Kneipe muss ...wo er dann versunft...
    gehört das dazu, ist dies die Sucht oder bin ich ihm einfach nur egal??
    Danke euch

    Nein, egal bist du ihm sicher nicht. Aber es liegt ausschließlich an deiner Reaktion, ob er dich im vollen Kopp mit Liebesschwüren überschüttet (wenn du ihm seinen Alk mit einem milden Lächeln "gönnst") oder dich auf den Mond wünschst (wenn du ihm Vorwürfe machst und das besoffene Stück zusammensch...ßt).
    Ok -das ist jetzt natürlich etwas überspitzt dargestellt. Aber ich hoffe, so ist es verständlich.

    Zitat von sonne5

    Aber viell liege ich auch falsch und er ist einfach nur ein A.... dass mich benutzt



    Diese Option besteht grundsätzlich immer -auch bei Nichtalkis.

    LG, das Höckertier

    Hallo!

    Nachdem ich mich nun sehr ausführlich -auch im offenen Bereich- vorgestellt habe, hätte ich mal eine Frage an "Kurzzeit-nicht-Trinkende" oder Langzeittrockene, die sich noch an ihre ersten trockenen Tage erinnern können. :wink:

    Ich trinke nun seit 16 Tagen nichts Alkoholisches mehr und bin sehr zufrieden mit mir und meinem Leben. Also, im Prinzip!

    Denn: ich habe keinerlei sexuelle Bedürfnisse mehr. Kuscheln, knutschen, streicheln...ja. Aber Lust auf mehr? Nein. Der Funke springt einfach nicht rüber.
    Es ist ja nicht so, dass ich sonst nymphomanisch veranlagt war oder nur betrunken Sex (darf ich hier nicht schreiben, hatte) die körperliche Liebe vollzogen habe. Aber momentan tut sich bei mir gar nichts mehr und meine Freundin (ich bin lesbisch) ist auch schon leicht ... irritiert.

    Hängt das evtl. mit dem Entzug zusammen? Sonst habe ich keinerlei körperliche Veränderungen bemerkt.

    LG

    Wow, danke FloS!
    Bin mir zwar nicht sicher, ob ich so viel Respekt nach so relativ kurzer Zeit (im Verhältnis zu 20 Jahren mit Alkohol) jetzt schon verdient habe... :wink: ... aber du bist der Erste, von dem ich das höre.

    Und muss sagen: Schönes Gefühl -gönne mir jetzt einfach mal ein stolzes Grinsen!

    Zitat von FloS

    Groß geschrieben hab ich noch nie - dafür bin ich dann tagsüber mit der Kamera los, um dann abends in bierhaltiger Atmosphäre die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Für das kurze Zeitfenster, bis ich dafür dann wieder zu verballert war, so versteht sich von selbst.

    Hattest du auch das Gefühl unter Alk viel kreativer zu sein? Wenn ich nämlich ganz, ganz ehrlich bin: DAS fehlt mir nämlich schon ein wenig.

    Zitat von FloS

    Tja, schöner Mist - wenn ich danach gehe, ob ich es jetzt angenehm fände, mir besagten Nebel zu geben... Ich fürchte, das wäre wohl so. Wird aber wohl kaum jemandem im akuten Entzug anders gehen - oder doch? Würde mich jetzt eben echt mal interessieren... so die ersten 2-3 von deinen 16 Tagen, hattest du die Stimme der Vernunft da auch schon so deutlich in den Ohren bzw. konntest den Nebel schon so gut wegpusten?

    Hmmm... nö. Das hatte ich ja versucht, in seiner Unterscheidung zu beschreiben.
    Also, ich hatte meiner Freundin damals zuliebe versucht, eine Zeit lang kürzer zu treten bzw. mit dem Alk zu pausieren. Während dieser Zeit saß mir allerdings der Gedanke an mein schönes, kühles Bier oder einen leckeren Rotwein rund um die Uhr im Nacken und ich habe mich geärgert, dass ich morgens schon wusste: "Nehee, diesen Abend darfst du auch nix!" (Die Stimme in meinem Kopf hatte einen wirklich hähmischen Unterton) Und ich tat mir leid und war auch nícht gut drauf und mochte mich nicht und meine Umgebung auch nicht und meine Freundin war Schuld an Allem. Zum Glück habe ich mir damals auf die Zunge gebissen und ihr das nicht an den Kopf geknallt.

    Diesmal kam der Wille von mir selbst und es gibt keine zeitliche Begrenzung. Ich brauch also auf keinen sauer sein, der Frust hätte keinen Adressaten. Ich muss auch nicht ständig auf den Kalender schielen, weil es da nirgends ein Datum gibt ab dem ich wieder Alkohol trinken darf. Und ganz abgesehen davon.... (tusch) ICH WILL AUCH GAR NICHT! (tataaa)

    Da solltest du auch immer dran denken. WILLST du abstürzen und besoffen deinen Kumpels telefonisch auf den Geist gehen? (Das hab ich immer gerne gemacht -frau war dann immer sehr mitteilungsbedürftig)
    Mit schlechtem Gewissen und dickem Kopf aufwachen und den Tag danach verschenken? Deinen Körper mit Gift langsam kaputt machen?

    Nein, das willst du sicher nicht! Aber, weil du weisst, dass es nur schwarz oder weiss im Extremen gibt, fällt nicht nur das 2. und 3. Glas weg, sondern schon das 1....
    Also, WILLST du doch auch gar nicht trinken!

    Also, mir hilf dieser Gedankengang immer.
    Und das hier:

    Zitat

    Meiner Partnerin muss ich nichts versprechen, sie findet es zwar sichtlich gut, dass ich's probiere... wenn's nicht klappen würde hätte ich aber auch mit nichts als Verständnis zu rechnen.

    Ha -wär doch aber trotzdem klasse, wenn sie dann zu dir sagen würde:

    Zitat

    Hast absolut meinen Respekt.

    Ich drück dir jedenfalls die Daumen!!!!

    ...und stellt sich erst mal "öffentlich" vor:

    (Auszugsweise aus dem Vorstellungsbereich kopiert)

    Ich bin 35 Jahre jung, weiblich, sehr sensibel und vertusche mein lausiges Selbstbewusstsein mit einer ziemlich großen Klappe. Am 19.04.11 habe ich für mich entschlossen, dass 20 Jahre Alkohol genug sind und mich meinem Ziel -der ewigen Jugend- nicht näher bringen. Im Gegenteil... Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass die kleinen roten Äderchen unter den Augen und die biergeformte Negativ-Taille ziemlich unvorteilhaft aussehen.
    Ich weiss schon seit Anfang 20, dass ich meinen Alkoholkonsum drastisch einschränken sollte...habe dann aber den Absprung verpasst, weil ich mein "schönes, freies, wildes Leben" nicht aufgeben wollte. Ich WOLLTE nicht, selbst wenn ich es gekonnt hätte! Gerade die gutgemeinten Ratschläge von meiner Mutter und meiner damaligen Freundin, haben mich in dem Bewusstsein nur bestärkt, dass ich eine einsame und unverstandene Wölfin bin. (Darauf noch ein Bier und Janis Joplin voll aufgedreht.)
    Ich habe auch am liebsten zuhause gesoffen -alleine, nur mit der Musik über Kopfhörer und dabei gemalt. Im drömeligen Kopp konnte ich sogar Liebesgedichte schreiben. Nüchtern fehlen mir oft die Worte, um meine Gefühle auszudrücken.
    Ich bin übrigens nicht verheiratet, habe keine Kinder und auch meine Eltern wohnen weit genug weg. Ich bin seit 1992 in meinem Beruf, habe dort bislang keine Probleme wegen dem Alk gehabt und musste auch noch nie den Lappen abgeben. Ich führte sozusagen ein unauffälliges Alkoholikerdasein, wo abends schon mal eine, eher zwei Flasche/-n Rotwein oder 4-6 halbe Liter Bier bei draufgingen.
    Naja, aber seit nunmehr 16 Tagen will ich das nicht mehr. Auslöser war vielleicht meine weinende Freundin, die sich Sorgen um mich machte. Oder ein Telefonat mit meinem Vater, der wieder dudeldicke war (ist auch Alki -will aber nichts dran ändern). Ich weiss es ehrlich gesagt nicht so genau und weiss auch nicht, ob das überhaupt wichtig ist.
    Ich lese seitdem jedenfalls täglich hier und in anderen Sucht-Foren mit, halte mich von den trinkenden Nachbarn fern und lasse Bier und Wein in den Supermarktregalen stehen.
    Ich will es jetzt einfach packen -meine Zeit ist mir zu schade für den Suff.

    Vermutlich wird mein grösstes Problem aber der ehrliche Umgang mit meinem Umfeld sein... Ich schäme mich für meine Alkoholabhängigkeit und muss erst lernen damit umzugehen. Bisher speise ich meine trinkenden Freunde und Nachbarn damit ab, lapidar zu sagen, dass ich keine Zeit habe, oder mir momentan einfach nicht nach Alkohol ist. Im Grunde habe ich auch nur 2 wirklich gute FreundInnen, die wenig bis gar nichts trinken und zu denen bin ich ehrlich und erlaube mir auch mal Schwäche zu zeigen.
    Und natürlich meine Partnerin, die sich über meinen Sinneswandel freut -aber dem Braten noch nicht so recht traut. Kann ich ihr nicht verübeln. Ich wäre ja nicht die Erste, die es nicht packt.

    Dazu muss ich aber direkt sagen, dass ich ihr noch nie versprochen habe aufzuhören. Ich habe mich zwar öfter mal zurück gehalten (nur 1-2 Gläser Wein am Abend). Aber wenn sie mal einen oder zwei Tage beruflich unterwegs war, alles nachgeholt... Und das hat sie danach auch immer mitbekommen, schon allein wegen des Leerguts.

    Ich stand immer dazu, dass ich gerne und viel trinke -einfach weil es mir auch geschmeckt hat und habe keinen Sinn darin gesehen Versprechen zu geben, die ich gar nicht halten will.
    (Ich habe ihr lediglich ein mal versprochen, für eine Woche nichts zu trinken. Und mich dann auch daran gehalten, weil ich nicht wollte, dass sie sich ernsthafte Sorgen macht.)

    Aber wisst ihr was?! In dieser besagten Woche habe ich täglich nur daran gedacht, wie schön es jetzt wäre, sich einen nebligen Schleier ins Hirn zu trinken und mein Bier sehr vermisst. Diesmal ist es anders...
    Irgendeine Stimme sagt mir: "Ey, Höckertier -lass jot sin. 20 Jahre trinkst du das Zeug jetzt, reicht mal langsam."
    Und so blöd, wie sich das jetzt anhört. Ich glaube auf diese innere Stimme habe ich gewartet und nun ist es auch gut.

    Eine Woche danach:

    Ich war übrigens auch schon bei meiner Ärztin und habe ganz ehrlich und ohne irgendwas zu beschönigen von meinem Alkoholkonsum berichtet -sie sieht bei mir keine Anzeichen einer körperlichen Abhängigkeit, u.a. weil ich keine Entzugserscheinungen habe.
    Das lässt natürlich wieder Raum für Spekulationen...
    "Bin ich vielleicht doch kein Alki? Kann ich nicht doch wieder auf Feiern einen trinken? Muss ja nicht so viel wie früher sein und nur ganz selten..."
    Naja, schätze diesen Gehirnpups hatten hier viele schon.

    Und meine weiteren Schritte:

    1. Ich kann mit Stolz verkünden, eine SHG aufgetan zu haben, wo ich nur eine halbe Stunde Anfahrt habe und die sich diesen Dienstag trifft. Ich habe mich telefonisch angemeldet und war schon mal erfreut, eine relativ junge Stimme am Ohr gehabt zu haben. Mal schauen, was da auf mich zu kommt...

    2. Habe ich die Hoffnung über diese Leute an einen guten Therapeuten zu geraten, der sich mit meinem Problem auch auskennt.
    Schaden kann es nicht!

    3. Habe ich meinen Eltern eröffnet, dass ich sie nicht mehr besuchen werde, wenn dort Alkohol konsumiert wird und/oder Papa schon morgens mit Fahne in der Küche steht, weil ich Alkoholikerin bin und trocken werden möchte. Seitdem ist im Hause Höckertier ein unangenehmer Denkprozess im Gange.

    Ergo: ich bin momentan wirklich zufrieden mit mir und meiner Situation! Denke auch nicht oft ans Trinken und habe Eistee für mich entdeckt.
    Schön

    (Ist jetzt ganz schön lang geworden -sorry)
    LG

    Liebe Eisbär,
    ich habe mir jetzt erstmal deine Beiträge seit 2009 im offenen Bereich durchgelesen und dabei fiel mir folgendes auf:

    Während der Trennung von deinem Mann ging es dir schlecht, es tauchten überall seine angebrochenen Pullen auf und du hast es TROTZDEM größtenteil ohne Alk überstanden.
    Ok, du hattest Rückfälle und einen Unfall... War aber sicher auch eine ganz heftige Zeit, könnte ich mir vorstellen. UND du hattest KEIN Alkfreies Umfeld.
    Dann kamst du mit deiner Freundin zusammen, die Scheidung lief und es ging dir gut, bis das Problem mit ihrer Freundin kam, wo du dich (wenn ich das richtig verstanden habe) sehr mit reingehängt hast... und wieder rückfällig wurdest.
    Dann hattet ihr eine schöne gemeinsame Zeit und es ging dir so gut, dass du sogar Silvester das Glas zurück gegeben hast.

    Jetzt steckst du wieder in einer Krise.

    Denk daran, wie stark du sein kannst wenn du nur willst!!!

    Und ein ganz persönlicher Tipp: wenn du dir bewusst bist, dass dein Alkoholverlangen in direktem Zusammenhang mit der Qualität deiner Partnerschaft steht.
    Dann zieh ein Single-Leben durch, mit neuer Frisur, neuen Hobbies, neuen Interessen und Freunden. Ich an deiner Stelle würde das wenn es sein muss über Jahre durchziehen und einen gefestigten "Gefühlshaushalt" einer Beziehung vorziehen.

    Ich wünsche dir die Willensstärke!

    LG

    Hi Eisbär!

    Ich frage jetzt mal ganz doof:

    Du schreibst, dass Deine Beziehung Sonntag in die Brüche ging und Du seit Montag nicht mehr trinkst...

    Hängt das zusammen? Möchtest Du für Dich nicht mehr trinken, oder für Deine Ex???

    Ich finde das wichtig, weil ich mir seit Beantwortung dieser Frage (für mich) erst sicher war, ohne Alk leben zu WOLLEN. Ist für mich, meinen Körper und meine Zukunf wichtig!!!
    Wenn ich nur meiner Freundin den Gefallen tun würde, hätte ich sicher Verzichtsgefühle. So aber nicht.

    LG