Beiträge von Just

    Na dann will ich auch mal:

    -Angst vor Krankheiten
    -Angst vor einer schweren psychischen Krankheit
    -Entfremdungserlebnisse
    -Übergewicht
    -Problem mit Nähe - bei meinem Kind geht es ganz gut, bei meiner Frau schlecht.
    - kein Selbstwertgefühl
    - "Was denken die anderen über mich".
    - Finde, ich bin total unattraktiv.
    -Angst vor dem Verlassen werden.
    - Gefühlskälte ...aber interessanter Weise nicht, wenn es um Kinder geht. Wenn ich da zB lese, dass es nem Kind nicht gut geht etc. dann berührt mich das emotional sehr. Bei Erwachsenen gar nicht.

    Ich habe es mal so tabelarisch gemacht.
    Ihr schreibt immer, dass man dieses und jenes verarbeiten muss ....mal ganz praktisch gefragt: wie macht oder habt ihr das gemacht?

    Zur Zeit stehe ich halt vor der Verarbeitung meiner Kindheit. Ich selber habe das gar nicht als so schlimm angesehen. Wenn ich mir aber die Schilderungen meiner Mutter dazu anhöre, dann war es wohl objektiv gesehen ne schlimme Zeit. Immer wieder Nachts mit mir zu meinen Großeltern "geflohen" etc.
    Ich kann mich da eigentlich nur an eine konkrete Situation erinnern aber an mehr auch nicht.
    Was ich wohl noch von meiner frühen Kindheit bezüglich des Alkoholproblems meines Vater weiss waren immer wieder meine Ängste als Kind, dass meine Eltern sich nicht wieder vertagen würden. Ich habe meine Mutter immer wieder gefragt, ob denn jetzt wieder alles in "Ordnung" sei ...ich hatte panische Angst, dass es nicht so war und meine Eltern sich trennen würden ...meine Mutter hat meinem Vater immer wieder gesagt, dass wenn ich 18 Jahre alt wäre, sie sich von ihm trennen würde ...was ja dann auch passiert ist.
    Ich unterscheide eigentlich die Jahre mit dem Alkohol zwischen meiner frühen Kindheit und dann die Eskapaden, die mein Vater im Suff nach und während der laufenden Trennung fabriziert hat. Das war die Zeit mit 18-19 Jahren und dem Abitur. Daran kann ich mich auch nicht mehr so genau erinnern weiss aber, dass das richtig schlimm gewesen ist ...da ist mein Vater total ausgeflippt ...Status quo jetzt: mein Vater hat vor ca. fünf Jahren 13 Liter Bauchwasser bekommen, Leber, ging ins KH und dort hat man ihm wohl gesagt, dass das die letzte Chance seines Lebens sei und er gut auf sich aufpassen müsste. Seitdem ist er trocken, trinkt keinen Tropfen Alkohol mehr - ohne Therapie ...seitdem habe ich wieder Kontakt zu meinem Vater ....meine Therapoltin kann das wohl nur begrenzt verstehen ...was er mir in den Jahren alles angetan hätte, wäre schon mehr als schlimm gewesen. Ganz ehrlich: ich weiss auch nicht, warum da keine Wut, keine Agressionen sind gegenüber meinem Vater ...ich vermisse aber auch ein Wort der Entschuldigung, mal ein Gespräch, was er mir angetan hat ...nix, er "nimmt" mich jetzt so, als wenn nix gewesen wäre ...eigentlich vom Verstand her "zu billig" aber ich habe keine Wutgefühle gegen ihn ...ich spüre eigentlich nix auch keine Liebe ...

    Zitat von Ganymed28

    Ahja, das kenne ich. Man springt aus sich heraus und beobachtet sich wie einen fremden Menschen.

    Ich kann mich nur wiederholen, dass die Arbeit mit dem "inneren Kind" (bzw. den "inneren Kindern") meine Konflikte hat verschwinden lassen.

    Was verstehst Du unter "innerem Kind"?

    Zitat von Ganymed28

    Wie äußern sich diese "Entfremdungerlebnisse"? Sind das Flashbacks oder sowas?

    Ich stehe neben mir und komme mir selber fremd vor ...meine Therapeultin meint, das wäre ein Angstsymptom ...Sie hat mir das Buch Familienkrankheit Alkoholismus zum Lesen mitgegeben ...ich habe jetzt mal reingelesen ...

    Hallo,

    was soll ich groß über mich schreiben? Ich bin Anfang 40, bin verheiratet und habe einen Sohn. Zur Zeit mache ich wegen starken Entfremdungserlebnissen eine Therapie. Die Entfremdung ist das erste Mal nach der Scheidung meiner Eltern, am Anfang meines Studiums aufgetreten. Über meine Kindheit weiss ich nur Fragmente. Mein Vater war ein Trinker und hat mir und meiner Mutter schon immer Probleme bereitet. Es war nicht so, dass er unmengen an Alkohol getrunken hätte, es war so, dass wenn er Alkohol getrunken hat und das gewisse Etwas getrunken hatte, er unausstehlich geworden ist. Ich kann mich an Aktionen meiner Kindheit erinnern, wo meine Mutter Nachts mit mir aus der Wohnung geflüchtet ist. So "Spotlights" sind mit da in Erinnerung geblieben ...mehr aber auch nicht. Zur Zeit Frage ich meine Mutter viel nach diesen kindlichen Alkoholproblemen in unserer Familie - meine Mutter meinte, dass da noch viel mehr gewesen ist - davon weiss ich aber nix mehr. Meine Mutter hat meinem Vater damals immer gesagt, dass wenn ich 18 Jahre alt werden würde, sie meinen Vater verlassen würde. Ich kann mich an diese Ängste noch gut erinnern, ich habe nach nem Streit zwischen meinem Vater und meiner Mutter immer nachgefragt, ob denn wieder alles in Ordnung sei ...das war meine größte Sorge als Kind, dass zwischen meinen Eltern es nicht mehr "in Ordnung" sei und sie sich trennen würden.
    Zu meiner Therapoltin habe ich am Anfang der Therapie gesagt, dass meine Kindheit eigentlich aus der Sicht meines Elternhauses eigentlich ganz ok gewesen sei ...sie konnte das damals schon nicht verstehen ...wenn ich jetzt drüber reflektiere, dann kommen mir auch meine Zweifel ...ich habe dann mein Abi gemacht, Zivildienst und wollte dann mit dem Studium anfangen. Genau in dieser Zeit habe ich meine Frau kennen gelernt. Weiter hat meine Mutter dann ihre Drohug von früher war gemacht und meinen Vater verlassen. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen ...ab dieser Zeit wurde mein Vater zum schweren Alkoholiker mit allen Eskapaden, die man sich unter einer Scheidung vorstellen kann ...Gewalt, Führerschein verloren, fremde Frauen in die Wohnung mitgebracht etc. Es war für mich einen total beschissene Zeit - vor meiner damaligen Freundin war mir das total peinlich ...meine Mutter ist zu ihrem jetzigen Lebenspartner gezogen und ich habe von heute auf morgen die Familie verloren.
    Klar, im Nachhinein kann ich meine Mutter verstehen ...aber schwer war es damals trotzdem. Sie hat mir damals immer angeboten, mit ihr mitzuziehen ...das wollte ich aber nicht. Mein Vater wurde immer schlimmer, 10 Jahre jeden Tag Psychoterror etc ...immer besoffen. In der Zwischenzeit bin ich dann zu meiner jetzigen Frau gezogen ...zuerst zu meiner Mutter, ne Zeitlang immer gependelt zwischen der Wohnung meiner Mutter und meiner Frau und dann irgendwann zu meiner Frau gezogen.
    Mein Vater hat immer weiter getrunken und die Schuld an allem mir und meiner Mutter gegeben ...wir waren Schuld...."Du und Deine Mutter" ...ich wollte eigentlich immer neutral bleiben aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. Irgendwann fingen dann diese Entfremdungserlebnisse an ...sie kamen und gingen ...jetzt, nach zwanzig Jahren ist es an der Zeit zu schauen, woher es kommt und was ich für mich tun kann ...Studium habe ich damals nicht beendet ...bin aber jetzt dabei, es wieder aufzunehmen und für mich das Studium zu beenden ...so, das war es in Kurzfassung. Alles kann ich gar nicht aufschreiben, dafür ist zu viel passiert. Ich kann mich auch an Vieles gar nicht mehr erinnern ...es ist einfach weg. Meine Frau hilft mir dann etwas auf die Sprünge Smilie.
    Ich haben den Text so runtergeschrieben, so, wie es mir gerade aus der "Feder" geflossen ist ...ohne Rücksicht auf Tippfehler etc. Smilie
    Durchlesen wollte ich ihn auch nicht mehr ...