Beiträge von Gela10

    Hallo Ihr,

    also ich kann natürlich wie immer nur von mir schreiben.

    Wenn ich von einem anderen Menschen etwas erwarte, dann tue ich das in der Regel nicht ohne Grund, sondern aufgrund eines persönlichen Bedürfnisses. Als Kind hab ich von meiner Mutter erwartet, dass sie trocken wird, weil es mir mit ihrer Alkoholsucht und allem, was dran hing, schlecht ging und mein Bedürfnis war, dass das aufhört. Ich selbst konnte ja nichts an meiner Situation ändern. Als Erwachsener habe ich natürlich auch Erwartungen an meine Mitmenschen, weil ich eben selbst auch Bedürfnisse habe (genauso haben andere Erwartungen an mich). Ob der andere diese Erwartungen erfüllen möchte oder kann, bleibt seine eigene Sache/Entscheidung. Genauso ist es wiederum meine Entscheidung, welche Konsequenzen ich ziehe, wenn meine persönlichen Bedürfnisse nicht befriedigt werden.

    Gruß Gela

    Hallo Tanne,

    dankeschön für Deine ausführlichen Worte. Ja, sie haben mir sehr geholfen, denn ich hab mich in vielem wieder gefunden.

    ich antworte erst jetzt, weil ich gerade 2 1/2 Wochen im Urlaub war. War sehr sehr schön und ich habe vor allem mal wieder Abstand zu allem bekommen. Und mit diesem Abstand kann ich Dir nur zustimmen. Ja, ich mach mir eigentlich selbst einigen Druck, mir schwant auch, wie das zustande kommt und ich kann da wohl am besten was an meiner Einstellung zu mir selbst tun. Über Meditation hatte ich genau deshalb nachgedacht. Hatte mich jetzt für einen Kurs autogenes Training angemeldet. Der geht im Oktober los und ich bin gespannt. Bisher habe ich mich in Übungen dieser Art immer sehr schwer getan, aber ich denke, ich kann das gut gebrauchen, um die kreisenenden Gedanken einfach besser unter Kontrolle zu bringen.
    Malen...ist lustig, das du das ansprichst, denn genau das hab ich als Kind sehr gern getan und tue es jetzt ab und zu auch wieder. Einfach bunt, denn ich mag es bunt... Es fällt mir allerdings schwer, mich hier von irgendwelchen Zielen und Ergebnissen frei zu machen. Am Ende werde ich ungeduldig und will einfach nur fertig werden. Denke aber, das ist für mich das richtige, um mich in Ruhe, Geduld und Genießen zu üben.
    Ausgiebig quasseln bei nem guten Frühstück...ja das mach ich auch sehr sehr gern. Da werd ich nicht ungeduldig. ;)
    Was meinen Job angeht. ich weiß nicht, was ich draus mache. aber auch da wird sich ne Lösung finden.
    Darf ich mal ganz neugierig fragen, in welche Richtung Dein jetziger Beruf geht?

    Gruß Gela

    Hallo Lucy,

    wenn ich heute so daran denke, dann fällt mir ein, dass ich damals auch keine therapeutische Hilfe hätte in Anspruch nehmen wollen. Es fiel mir überhaupt schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn das hieße ja, sich die eigene Schwäche einzugestehen und das ging nicht, weil ich ja stark sein musste, weil ich ja für meine Eltern funktionieren musste. Schließlich war ich ja für die Situation verantwortlich, also musste ich doch auch was dran ändern können und ausserdem hatten sie auch so schon genug Stress. Ich und Hilfe? nein, meine Mutter brauchte Hilfe, um die sollte sich jemand kümmern und ihr zeigen, wie sie da raus kommt. Mit mir war doch alles in Ordnung. Na gut, mir gings nicht so toll, aber eigentlich war das doch alles nicht so schlimm...Meiner Mutter ging es doch viel schlechter....
    Ich war damals 16 und fix und fertig. hab alles wie durch einen Nebel wahrgenommen, weil mich eigentlich nur eines interessierte. wie konnte ich meiner Mutter helfen? (Schule lief irgendwie so nebenher und was ich sonst so wollte, wusste ich eh nicht)
    Bin dann bei einer guten Freundin zusammen geklappt und habe lange mit ihrer Mutter gesprochen. Sie hat mir langsam klar machen können, dass das Problem meiner Mutter nicht mein Problem ist, dass ich nicht schuld daran bin, nicht dafür verantwortlich bin und schon gar nichts dran ändern kann.
    Das war mein erster Schritt in die richtige Richtung. ich musste verstehen, dass das Alkoholproblem meiner Mutter und der Stress, den meine Eltern miteinander hatten, eben allein ihr Problem war, an dem ich nichts ändern konnte. Während meiner Ausbildung bin ich dann ausgezogen und habe mich so räumlich distanziert. DAs war wichtig, um dem ganzen nicht mehr ständig ausgesetzt zu sein. Das emotionale Distanzieren schaffte ich dann stück für stück. Teilweise indem ich den Kontakt verweigerte, wenn ich merkte, dass meine Mutter besoffen war. Das waren so die Anfänge und damit ging es mir dann schon besser. Bin dann erstmal in eine Beziehung gestolpert, die auch sehr manipulativ war. Mein Ex wusste genau, welche Knöpfe er bei mir zu drücken hatte, damit ich nach seinen Wünschen funktionierte...Aber auch das brachte ich hinter mich...
    Mit 10 Jahren Abstand stell ich jetzt fest, dass mit therapeutischer Unterstützung sicherlich vieles sehr sehr viel einfacher gewesen wäre und deshalb kann ich Dir wirklich nur empfehlen, Dir welche zu holen, auch wenn Dich das jetzt große Überwindung kostet.

    Gruß Gela

    Hallo Ihr,

    ich dank Euch sehr für Eure Beschreibungen, denn sie machen mir wieder mal einiges bewusst. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr allein ein Erfahrungsaustausch hilft, um an manchen Dingen weiter zu kommen, bei denen man selbst nur noch Karussell fährt. :)

    Zitat

    Ich sehe die "Erziehung" meiner Eltern dann als "Angebot" wie ich leben könnte

    Ragna, das ist eine schöne Beschreibung, die ich mir merken werde. Ja grundsätzlich gehts mir auch so. Ich weiß, dass meine Eltern alles nach bestem Wissen und Gewissen gemacht haben und dabei eben einfach auch ihre Fehler gemacht haben und auch für diese Fehler gibt es Ursachen und Gründe.
    Ich dachte wirklich lange, ich hätte das verinnerlicht und mich von all dem entsprechend distanziert. Das heißt nicht, dass ich alles von ihnen ablehne. Ganz im Gegenteil. Gerade bei meiner Mutter, die damals das Alkoholproblem hatte, gibt es viele Dinge, die ich wirklich an ihr bewundere. Aber es gibt eben auch viele Dinge, wo ich einfach nur den Kopf schüttele. Die unbewusste Beeinflussung in meinem Handeln und Denken, die geht aber eher von meinem Vater aus. Nein, er versucht lange nicht mehr, auf mich einzuwirken, weil er weiß, dass seine Kinder erwachsen sind und das auch akzeptiert. Aber er hat so eine Art, seine Überzeugungen rüber zu bringen, bei der es mir sehr sehr schwer fällt mich abzugrenzen und einen neutralen Blick drauf zu werfen. Letztendlich macht er immer alle anderen schlecht, die andere Überzeugungen haben, als er.
    Darunter habe ich als Kind sehr gelitten. Irgendwie hab ich mich immer runtergemacht gefühlt. Ich weiß genau, dass er totunglücklich wäre, wenn ich ihm das sagen würde, weil er das nie gewollt hat.
    So langsam steige ich dahinter, warum er so ist, wie er ist und das gibt mir die Möglichkeit, mich emotional weiter zu distanzieren und zu begreifen, dass sein Tun eigentlich nur was mit ihm selbst, nicht aber mit mir zu tun hat. Aus Erfahrung weiß ich, dass das der erste Schritt ist, um mich selbst wirklich kennenzulernen (ohne seine Stimme im HIntergrund). Die Distanz hat mir damals auch geholfen, als meine Mutter Alkoholikerin war und meine Eltern sich gegenseitig fertig machten und ich mich einfach nur schuldig fühlte. Ich musste erst erkennen, dass das eigentlich nichts mit mir zu tun hatte.

    Zitat

    mach dich frei es ist die angst deiner mutter die du in dir trägst.

    Ganz genau, nur dass es bei meinem Vater nicht um Angst, sondern um andere Dinge geht, aber letztendlich ist es oft seine Stimme, die ich für meine halte. Und das gilt es zu ändern.

    Zitat

    Ich hoffe,daß es mir so gelingt endlich meinen eigenen Weg zu gehen,ohne daß mich irgendwelche Zwänge beeinflussen.

    Genau das ist auch mein Wunsch.

    Gruß Gela

    Guten morgen,

    Wie verändere ich mein Leben nach meinen Werten? war die Frage, die ich mir gestellt hatte...
    ...ich glaube, ich ziehe die Frage zurück oder verschiebe sie und setz einen Schritt weiter vorn wieder an.
    Welches sind MEINE Werte? Denn je mehr ich über so manche Dinge nachdenke, desto mehr kriege ich den Eindruck, dass ich diesbezüglich noch sehr von den Überzeugungen meiner Eltern geprägt bin. Meine Überzeugungen und Wertvorstellungen und die meiner Eltern...das werde ich für mich jetzt erst einmal voneinander trennen.
    Hat jemand von Euch damit Erfahrungen gesammelt? Selbst festgestellt, dass Ihr immer noch massiv von Ihnen beeinflusst seid, obwohl ihr dachtet, ihr habt Euch längst distanziert? Wie seid ihr damit umgegangen?

    Gruß Gela

    Hallo Wimawi,

    willkommen hier!

    Zitat


    Es ist so, dass ich mir ganz alleine mein Leben aufgebaut habe. Jahrelang habe ich gekämpft und unglaublich viel Kraft aufgewandt damit ich nicht auch so werde wie meine Eltern. Ich denke mal, dass es viele Leute hier gibt, die genau nachvollziehen können wie das ist.

    Darauf kannst Du stolz sein. Den Kreislauf zu durchbrechen und einen anderen Weg zu gehen, als die Eltern, das ist echt nicht einfach.

    Zitat

    Manchmal wird mir jedoch schmerzlich klar, dass ich aufgrund meiner Wurzeln nie so ein Leben führen kann wie all die anderen Menschen.

    Wenn Du einen anderen Weg gehen kannst, als Deine Eltern, dann kannst Du auch ein glückliches Leben führen. Du bist auf dem Weg. Nimm Dir die Zeit.

    Ich wünsch Dir sehr, dass Dir dieses Forum dabei hilft. Mir hilfts sehr. :)


    Gruß Gela

    Hallo Melanie,

    das kenne ich kaum. ich brauch ein Ziel um überhaupt was zu tun. Ich fang immer erst dann an, wenn ich schon Zeitdruck habe. Vorher kann ich mich weder motivieren, noch konzentrieren. Heißt: ich brauch den Druck.
    Aber gerade nervt mich das, weil ich eben nichts wirklich genießen kann. und gerade treibt mich nicht mal mehr dieser Druck an, weil ich keine Lust mehr habe, mich von irgendwelchem Druck antreiben zu lassen. Ich rebelliere gegen meine eigenen Verhaltensmuster. ;)

    Dieses Ergebnisorientierte Denken mal völlig auszuschalten ist aber echt schwer. Habs schon ein paar mal probiert, doch es schlich sich immer wieder ein. und solange sich das einschleicht, höre ich meine innere Stimme nicht, die mir sagt, wenn mich etwas, das ich gerade tue, wirklich ausfüllt. Die letzten Versuche haben mir dies immerhin bewusst gemacht. Das ist schon ein Fortschritt. Ich werde mir jetzt wohl häufiger mal Beschäftigungen suchen, bei denen ich mir bewusst kein Ziel setze. Sie einfach machen und noch nicht erwarten oder hoffen, dass sie mich völlig begeistern. Das geht nämlich gerade gar nicht, denn Freude gibts für mich nur bei Erfolg. oder Zielerreichung. Einfach nur machen. Muss wohl erstmal üben, dieses Ergebnisdenken auszuschalten. Dabei bewusst drauf achten, dass sich nicht doch wieder irgendein Ziel einschleicht...mal sehen, was daraus wird. :)

    Gruß Gela

    Hallo Melanie,

    das ist ja interessant. Ich glaub, ich ticke da genau anders herum. Meine Kontrollsucht besteht darin, ständig drauf zu gucken, ob mich mein Handeln meinem Ziel näher bringt. Damit auch ja nix schief geht (Sicherheitsdenken). Das ist aber so ausgeprägt, dass ich mit dem Kopf nicht bei der Handlung selbst bleiben kann und mich damit nicht auf sie konzentriere. Zum einen kann ich sie nicht genießen, zum anderen leidet natürlich damit auch die Qualität. Eins hat das mit deinen Beschreibungen sehr gemeinsam. Einfach laufen lassen geht da auch nicht.
    ich stelle aber gerade fest, dass Ziele und Erfolge für mich an Bedeutung verlieren und damit schwindet mein Antrieb. Zuerst hab ich mir darum übel Sorgen gemacht, weils mich an Beschreibungen zu Depressionen erinnert. Da kam das Sicherheitsdenken wieder. Ich wollte natürlich nicht, dass sowas passiert und wollte dagegen kämpfen. Doch helfen tuts nichts. Führt nur zur Selbstverurteilung und das die das nun gerade gar nicht besser macht, ist wohl nichts neues. ;)
    Mittlerweile sehe ich das anders. Dass ich diese Art von Antrieb verliere, ist wohl notwendig, um neuem Platz zu machen. Das nimmt mir mein Ziel-orientiertes Denken und vielleicht komm ich ja jetzt soweit, mal etwas einfach zu tun und ohne Ziel- und Ergebnisdruck drauf zu schauen, ob mich das ausfüllt oder nicht? Ein paar Probierversuche hatte ich übrigens gestartet. Nach anfänglichem Spaß, kam mir ein gewünschtes Ziel oder Ergebnis in den Sinn und schon wollte ich einfach nur noch fertig werden. Ziel oder Ergebnis erreichen und peng hatte ich keinen Spaß mehr. Das hat mich genervt. ;)
    Naja, ich habe begriffen, wo das herkommt und ich begreife gerade, was mich zusätzlich blockiert.
    Wie Du sagst, sind all die Dinge Selbstbestimmung und Freiheit, Team und Autorität, Spaß und Pflicht Teile des Lebens, die sich nicht widersprechen, sondern einfach dazu gehören. :)

    Gruß Gela

    ...mir wird gerade klar, dass ich bei weitem noch nicht so unabhängig von meinen Eltern und ihren Sichtweisen bin, wie ich glaubte...

    notwendige Ziele und Erfolge über das momentane Handeln und das Moment genießen zu stellen, dass ist sicherheitsorientiertes Handeln und hat seine Ursachen. So langsam wird mir auch klar, warum ich mich nie länger als ein paar min wirklich auf etwas voll konzentrieren kann. Weil ich in Gedanken schon einen Schritt weiter renne. Ausschließlich Augen auf das Ziel habe. Kennt das jemand? Wie kann man dieses Verhaltensmuster ändern. Habt ihr Vorschläge?

    Insgesamt steckt da aber noch mehr dahinter. Grundeinstellungen und innere Konflikte, die mir von früher sehr sehr bekannt vorkommen...Selbstbestimmt, freitheitsliebend und teamorientiert versus Pflichterfüllung, Funktionieren und Autorität...Wo ist da jetzt der Konflikt? Da ist keiner, oder? Das kann sich auch wunderbar ergänzen. Das eine ist Basis für das andere? Aber ich habs die ganze Zeit unbewusst für einen gehalten, weil ich das so vorgelebt bekommen habe...Dachte, ich müsste mich für eines entscheiden und das andere aufgeben...
    Ist das jetzt völlig wirr? Kennt das jemand? Würde mich freuen, mich darüber mal austauschen zu können.

    Gruß Gela

    Hallo Emma,

    Du hattest die Anwort für Dich bereits geschrieben:

    Zitat von em(m)a


    und, ICH wünsche mir, dass es irgendwann, nein, bald wieder leicht wird, dass sich das, was gerade schwer ist oder schwer fällt, normal anfühlt und selbstverständlich und nicht wie "theater gespielt" und fremd.
    dass vertrauen da ist und wächst.
    dass nähe da ist und bleibt.
    dass streit da ist und zwar konstruktiv.
    dass freiraum da ist für beide, ohne dass ich angst habe und kontrollieren muss.

    Auf Deine Wünsche kommts an, oder? Nicht auf unsere. :D

    Gruß Gela

    Zitat von em(m)a


    oder bin ich mir schuldig, den mut zu haben zu verändern, egal was dann passiert...

    Genau das triffts. Aber das bist Du nicht nur Dir schuldig, sondern auch deinen Mitmenschen. Wem hilft das wirklich, wenn Du Dich verbiegst und Dir selbst und anderen was vormachst? Niemandem. Denn das führt zu einer Scheinwelt, die doch letztendlich keinen wirklich glücklich macht.
    Dass Dir nicht egal ist, was dann passiert, das ist klar. Aber indem Du die Augen davor verschließt, wirst Du es nicht verhindern können. Und vielleicht passiert ja auch gar nicht, was Du befürchtest? Da geht wohl nur probieren über studieren.
    Und wenn es doch passiert, dann ists wohl auch richtig so.

    Gruß Gela

    Hallo Melanie,

    mein herzliches Beileid.

    Klar hast Du das Recht, selbst zu entscheiden, was Du tust.

    ich wünsch Dir viel Kraft, dass Du auf der Beerdigung in Ruhe Abschied nehmen kannst, und dass das Denken Deiner Familie dort wirklich an Dir abprallt.

    Liebe Grüße
    Gela

    Hallo Emma,

    schreibe eigentlich im EKA-Bereich, möchte aber kurz was dazu sagen.

    Was Du Dir wünschst, wirst Du erst rauskriegen, wenn Du es nicht im nächsten Schritt davon abhängig machst, ob Dein Partner Dir das erfüllen kann oder nicht.

    Wünschen DARFST Du Dir alles.

    Gruß Gela

    Hallo Herbstregen,

    Nein, einfach ist das alles mit Sicherheit nicht. Ganz im Gegenteil. Die Situation ist ja auch alles andere als einfach. Sie ist extrem! (extrem anstrengend und Kraft raubend...) ich könnte mir vorstellen, dass Dir das gar nicht so bewusst ist, weil du diese Situation so ja gewöhnt bist? Deshalb sag ich´s so deutlich. Jedenfalls lässt das nur eine Schlussfolgerung zu: Der Weg da raus, ist auch extrem! ABER: irgendwann wirds besser!
    Distanz zu schaffen, die Bedrohung auf Abstand zu bringen, um sich nicht mehr ständig schützen zu müssen (vor Manipulation und fremdbestimmt sein), das ist der erste Schritt...zu Dir selbst, denn erst dann hast Du die notwendigen Kapazitäten frei, um dich mit dir selbst zu beschäftigen und Dich selbst lieben zu lernen. :)

    Ich wünsch Dir ganz viel Kraft!

    Gruß Gela

    Hallo Herbstregen,

    als ich noch ständig mit der Bedrohung Alkoholsucht meiner Mutter, entsprechendes Verhalten meines Vaters und später Manipulation durch meinen Exmann konfrontiert war, hätte ich mich auch nicht ausprobieren wollen, weil ich damit beschäftigt war, mich zu schützen (alles andere war nicht so wichtig und dafür hätte ich auch keine Kapazitäten frei gehabt). Ich denke, das ist unter den Umständen total normal, weil Selbsterhaltungstrieb und dafür muss sich auch niemand schämen. Mich zu schützen, hieß halt auch, von den Personen, die mir nicht gut taten auf Distanz zu gehen, mich loszureissen. Das waren meine Eltern und später mein Exmann. Nein, das war nicht einfach und nicht schön. Das war richtig ätzend. Aber alles andere hätte mich zerstört. Meine Mutter hat später den Absprung vom Alkoholikerleben geschafft und das Verhältnis zu meinen Eltern hat sich normalisiert. Wo das heute wäre, wenn sie nichts geändert hätte....
    Unabhängig von ihnen zu werden, die Bedrohung loszuwerden, war für mich der erste Schritt auf dem Weg, da rauszukommen. Und erst dann konnte der Schutzschild abgebaut werden.
    Das ganze ist für mich jetzt 10 Jahre weit weg, ich hab in der Zeit Abstand gewonnen und gleichzeitig viel gelernt.
    Dieser Weg ist sehr weit, braucht lang, aber jeder Schritt in die richtige Richtung, nämlich zu mir selbst, lohnt sich, weil jeder Schritt in die falsche Richtung (von mir weg) in eine Sackgasse führt.
    Ja, ich denke Du hast recht. Da wäre ein Blick von aussen hilfreich. Die Stimme, die mir sagt, welche Menschen mir gut tun, die hab ich gut kennengelernt und der vertraue ich sehr. Aber die Stimme, die mir sagt, was ich tun will, die ist ziemlich verschüttet oder eher verwaschen und ich traue ihr nicht....Sicherlich sind da einige Blockaden im Spiel.
    Ich hab mir eine Therapeutin rausgesucht, die eventuell passen könnte, habe sie aber noch nicht kontaktiert.
    Am Wochenende gehe ich 3 Wochen in Urlaub. Ganz gut, um auch mal wieder Abstand zu gewinnen.

    Danach sehen wir weiter.

    Gruß Gela

    Hallo Melanie,

    da hast du völlig recht. Jeder trägt für sich selbst die Verantwortung und auch dafür, ob er sich aus der Opferrolle löst, oder drin verharrt. Sich wiederholen oder im Kreis drehen, bringt dabei niemandem was. In die Köpfe zu schauen, hab ich früher viel zu oft versucht, und mittlerweile damit aufgehört, weil, genau, jeder nen Mund zum reden hat. Was das "du musst" angeht, schliesse ich wohl aufgrund meiner eigenen Erfahrung auf andere und versuche deshalb, druckfrei rüberzubringen, was ich sagen will, sozusagen Empfängerorientiert:-) Ob das immer klappt, ist dann wieder ne andere Sache.

    Gruss Gela

    Hallo Melanie,

    Verhaltensmuster aufzugeben, die einen mal geschützt haben, ist echt nicht einfach...Der Schutz ist jetzt nicht mehr notwendig und deshalb wirds wohl Zeit die jetzt mal abzulegen. Einfach mal ein paar neue Dinge auszutesten und somit rauszukriegen, was mir noch fehlt. :)
    Innere Leere war sicherlich auch übertrieben formuliert. Kann schon in ein paar Bereichen sagen, dass mein Leben zu mir passt. Aber irgendwie fühlt es sich immer noch an, als wäre irgendein Teil noch von mir abgeschnitten. Als wäre ich da noch nicht ich.

    Gruß Gela

    Hallöle Melanie,

    ich kann gut nachvollziehen, was Du meinst. Gerade, wenn man selbst in der Situation gesteckt hat und sich gut dran erinnern kann, wie bescheiden es einem damit ging, möchte man den anderen einfach schütteln und ihm eintrichtern, dass er sich distanzieren muss, um sich selbst zu schützen und sich ein Leben aufzubauen. Fällt echt schwer, sich da zurückzuhalten.
    Trotzdem kann derjenige wohl in dem Moment nichts weniger gebrauchen, als das Gefühl, dass er schon wieder entgegen seinem Instinkt handeln soll. Worauf soll man denn noch vertrauen, wenn nicht auf den eigenen Instinkt und wenn mich das "Du musst" meines Gegenübers nicht zu einem "Ich will" überzeugt, dann brauch ich wohl noch meine Zeit...
    Letztendlich finde ich bei aller Dringlichkeit dennoch Silberkralles Vorschlag von der Anregung wirklich deutlich besser als ein "Du musst". Da könnte höchstens noch eine eindringliche Anregung draus werden. :)


    Gruß Gela

    Hallo Melanie,

    ich kann es für mich auch nur so zusammenfassen. Lange genug haben Menschen versucht, mich zu manipulieren. Folglich hatte ich oft ein Problem, wenn jemand sagte: "Du musst", weil ich selbst die Erfahrung gemacht hatte, dass man mir das aus Eigeninteresse sagt. Mittlerweile kann ich auch bei einem "Du musst" die Aussage filtern und mir selbst überlegen, ob dass, was man mir rät, für mich das richtige ist (ohne Manipulationsversuche zu unterstellen). Der Trotz schaltet sich also nicht mehr ein. Aber bis ich soweit war, brauchte ich von jeglicher Manipulation einigen räumlichen, zeitlichen und emotionalen Abstand. Ich kann sehr gut verstehen, wenn jemand, der diesen Abstand noch nicht hat, hier eben nicht differenzieren kann und sich dann mit Trotz selbst schützt.

    Deshalb versuch ich selbst, die Dinge immer so rüberzubringen, dass sie nicht undedingt als "Du musst" verstanden werden.
    Demjenigen deshalb nicht genau das zu sagen, was man selbst für richtig hält, kann aber nicht der richtige Weg sein. Denn dann bringt ja dieses ganze Forum nichts.
    Und selbst, wenn etwas erstmal mit Trotz aufgenommen wird, es wird aufgenommen und braucht manchmal nur etwas mehr Zeit, um mit der notwendigen Distanz betrachtet zu werden.

    Gruß Gela