Er war also gestern hier...
Ich bin ihm erst mal aus dem Weg gegangen und er hat sich um die Kleine gekümmert. Da hat er schon ziemlich komisch geguckt...
Nachher als die Kleine schlief, hab ich es dann doch nicht fertig gebracht, ihn alleine auf der Terasse sitzen zu lassen. Gespräche sind oft kaum möglich..er sitzt dann da und starrt Löcher in die Luft bzw. vor sich hin. Da mach ich mir direkt Gedanken, wie schlecht es eigentlich um ihn bestellt ist. Er isst kaum...hat nachts Krämpfe..schon ne OP gehabt wegen einem Geschwür im Nasen-Rachen-Raum, was bei Alkoholikern wohl auch nicht ungewöhnlich ist, da die Schleimhäute stark angegriffen werden, zumal er auch noch starker Raucher ist. Einen Großteil der Zeit, die er hier ist, verbringt er eh mit Rauchen, Kaffee oder Wassertrinken und zur Toilette rennen. Super-effektiv verbrachte Zeit für seine Tochter.
Das ihm all das nicht schon zu denken gibt, also seine körperlichen Beschwerden, ist für mich weiterhin unbegreiflich.
Tja und er hat oder will wohl nicht begreifen, daß die Sache mit uns für mich gelaufen ist. Er meinte, ich solle doch mein Postfach wieder in Ordnung bringen, damit er mir mailen kann. Ich war nicht in der Lage, zu sagen, daß er sich das sparen kann und unsere Kommunikation sich nur noch aufs Wesentlichste beschränkt sprich was unsere Tochter angeht. Zum Abschied krieg ich dann nen Kuss, den ich so gar nicht haben wollte. Die Nähe zu ihm tut mir nicht gut, ich gerate, obwohl ich so fest wie nie bin, tendenziell wieder ins Wanken und hab doch wieder ein bißchen Angst, daß ich in ein paar Wochen wieder umkippe. Ihn wieder an mich ranlasse, körperlich wie emotional. Wenn er so am Ball bleibt, glaube ich wohl, daß das was mit Liebe zu tun hat und es vielleicht ja doch ne Chance gibt, er irgendwann sein Problem einsieht etc...
Ich muß mir wirklich tibetisch vorbeten, daß er die Wahl hatte, das Alles keinen Sinn hat und ich das Fünkchen Liebe, daß ich für ihn habe, nur retten kann, indem ich jetzt die Grenze setze. Einmal um die Elternbeziehung einigermaßen auf die Reihe zu kriegen und ich auch nicht den totalen Hass auf ihn schieben möchte. Er ist doch neben der Tatsache, daß er Alkoholiker ist, ein liebenswerter Mensch und vielleicht will ich dieses Fünkchen eben auch bewahren um nicht den letzten Rest Hoffnung sterben zu lassen. Oh, Mann...
Danke fürs Lesen
Faithfully