Beiträge von gipfel

    @Gela,

    Zitat

    stattdessen habe ich gelernt, ständig über meine Grenzen zu gehen

    Das ist nicht möglich.
    Du kannst nicht über Deine Grenzen gehen, weil es dann keine echte Grenze war.
    Lediglich andere Menschen können die von Dir gesteckten Grenzen überschreiten, bewußt oder unbewußt

    Die Grenze, die ich ziehe, darf mich selbst nicht einengen und andere ausschließen.
    Grenzen muß ich für mich stets neu definieren, um mich selbst nicht zu begrenzen.

    lg
    gipfel

    @BC

    eine Erwartungshaltung setzt m.E. voraus, daß die Erwartung vom anderen auch erfült werden kann.
    Dieses muß er signalisieren (können).

    Und genau hier sehe ich das Problem.
    Niemand wird sich in der Lage sehen, eine "Fremderwartung" dauerhaft zu erfüllen.
    Anderseits bin ich nicht in der Lage, in die Köpfe anderer Menschen zu schauen, um zu sehen, was ich erwarten kann.

    Selbst die (für mich) kleinste Erwartung kann bei anderen Menschen eine hohe Belastung darstellen, die er dann ggf. um meinetwillen erfüllen will.

    So gesehen sind Erwartungen immer negaitv behaftet und nichts anderes als ein Ablenken von eigenen Defiziten.

    lg
    gipfel

    Hartmut,

    Zitat

    Das sind zb. Erwartungen die ich an ein Alkoholiker Forum habe.

    Nun treffen diese, Deine Erwartungen, in diesen thread nicht ein.
    Damit bist Du herzlich dazu eingeladen, Deine Gefühle bezüglich unerfüllter Erwartungen hier mitzuteilen.

    gopfel

    Silberkralle,

    ich schrieb:

    Der Rückfall gehört zum Krankheitsbild, denn wenn das nicht der Fall wäre, dann wäre die Sucht keine Erkrankung.

    ich schrieb nicht:

    Ein Rückfall ist zwingend erforderlich ...........

    Zitat

    wer sich allerdings immer wieder drauf beruft, das n rückfall zum krankheitsbild gehört,

    Ohne (möglichen ) Rückfall wäre die Sucht keine Erkrankung (warum auch ? Was könnte denn passieren ?)
    oderdie Erkrankung wäre geheilt

    Somit gehört der (mögliche) Rückfall ganz natürlich zum Krankheitsbild dazu

    silberkralle,

    Zitat

    wer sich allerdings immer wieder drauf beruft, das n rückfall zum krankheitsbild gehört, der bereitet meiner meinung nach seinen eigenen rückfall vor, von dem erwarte ich, dass er irgendwann wieder säuft.

    Der Rückfall gehört zum Krankheitsbild, denn wenn das nicht der Fall wäre, dann wäre die Sucht keine Erkrankung.

    gipfel

    Hallo Melanie,

    Zitat

    auf der anderen seite, wenn ich erwartungen habe und dazu stehe und sie äusser heissts noch lange nicht das die erfüllt werden MÜSSEN.

    Was ist das für ein Eiertanz ?
    Eine Erwartung, die nicht erfüllt werden "muß" ist ein frommer Wunsch, mehr nicht.
    Mit einer Erwartung stellt man ein Ultimatum oder eine unwiderrufliche Forderung "ich erwarte von Dir" heißt übersetzt im allgemeinen "entweder oder"
    Was macht das mit Dir, wenn Deine Erwartungen nicht erfüllt werden ?

    Von einem Arbeitgeber erwarte ich z.B., daß er mir zum vereinbarten Zeitpunkt den ausgehandelten Betrag überweist.

    Von einem psychisch kranken Menschen kann ich NICHTS dauerhaft erwarten.

    lg
    gipfel

    Hallo Gela,

    Zitat

    Nun kann ich mich aber plötzlich mit mir befassen und da tauchen Dinge auf, die andere wohl schon längst für sich geklärt haben...das hol ich nun eben nach.

    Das liest sich sehr gut.
    Selbstfindung ist viel spannender als "Fremdfindung"

    lg
    gipfel

    Hallo,

    der hier vielfach erwähnte Wunsch nach dem "gemeinsamen Aufarbeiten" wäre mir in einer Partnerschaft viel zu anstrengend.
    Desweiteren frage ich mich, warum Partnerschaften immer und immer wieder in der "Suchtszene" gesucht werden.

    Es gibt doch noch viele andere psychische Erkrankungen, mit denen man sich von seiner eigenen Erkrankung Ablenken kann (das war Ironie)

    Aus meiner Sicht hat Partnerschaft etwas mit Leichtigkeit im Alltag zu tun, und nicht mit aufbröseln der Vergangenheit, die eh keiner so richtig versteht.
    Es gibt keine allumfassende Antwort zum Thema "Sucht & Co.".


    lg
    gipfel

    Hallo Speranza,

    Zitat

    Das sehe ich zwar etwas anders, es ist nicht nur ein Job den man (ich) mache es ist viel mehr. Für das wenige Geld das man dabei verdient zeigt man oft sehr viel Engagement um den Alkoholkranken wieder auf die Beine zu helfen damit sie überhaupt in der Lage sind aus ihrer Suchtspirale rauszukommen.

    Das glaube ich gern, aber darum geht es hier nicht.
    Es geht um Erwartungen, und Erwartungen dieser Art habe ich definitiv nicht.

    Zitat

    Was war für dich der Anlass oder wodurch hat es letztendlich "klick" gemacht?

    Eine sehr unspektakuläre Geschichte:
    ich hatte den Saufdruck nach meinem Delirium nicht mehr (was ich u.a. Medikamenten zu "verdanken" hatte, was ich jedoch nicht wußte).
    Dieses Gefühl wollte ich beibehalten.
    Ich wollte damals lediglich nie wieder diesen Saufdruck verspüren.

    lg
    gipfel

    Hallo Speranza,

    Zitat

    aber als du noch getrunken hast hattest du da keine Erwartungen dass dir jemand hilft?

    ich war bereits klinisch tot und hatte keine Erwartungen mehr zu haben.
    Das Krankenhauspersonal und die Ärzte haben ihren Job getan - nicht mehr und nicht weniger.
    Na klar war das zu "erwarten", denn dafür werden sie bezahlt.

    Zitat

    In dem Moment indem du um Hilfe bittest weil du suchtkrank bist, befasst sich jemand mit deiner Krankheit, du wirst entgiftet, jemand kümmert sich um einen Therapieplatz usw .

    siehe oben.
    Jeder hat seinen Job gemacht, und dafür bin ich auch dankbar.


    Zitat

    Andere Menschen befassen sich mit deiner Krankheit indem sie ihre Erfahrungen weitergeben oder dir vielleicht die Augen öffnen, ich denke da an eine SHG oder ein Forum.

    Nein ! Jeder befaßt sich mit seiner eigenen Krankheit (die zufällig die selbe ist).
    SHG steht für Selbsthilfegruppe.
    Ich bin da allein hingegangen, habe meine Geschichte erzählt, habe nicht erwartet, daß mir jemand zuhört, habe nicht erwartet, daß mir jemand "hilft"

    Das vorerst wichtigste, das ich in der LZT lernte war, daß ich nicht mehr trinken "darf", was ich für mich umgemünzt habe in "trinken will".

    Ich will nicht mehr trinken - ich habe selbst für mich Sorge zu tragen.
    Andere Menschen spielen dabei kaum eine Rolle.
    Natürlich ist ein Erfahrungsaustausch hilfreich und wird von mir gesucht, aber ERWARTEN kann ich nichts. Weder hier noch irgendwo anders.

    wie könnte ich "erwarten", daß sich jemand in meinen Kopf denkt und mir exakt die Antworten gibt, die ich in dem Moment benötige ?
    Ich bin kein Roboter und andere Menschen keine Programmierer.

    Hilfe suchen und Hilfe annehmen, ja. Hilfe erwarten - nein !

    lg
    gipfel

    Speranza

    Zitat

    Da wäre meine Frage dazu erwartest du etwas von anderen Menschen?

    Bezüglich meiner Suchterkrankung ein ganz klares NEIN

    Ich kann nicht erwarten, daß andere Menschen sich mit meiner Krankheit befassen.
    Es liegt doch letztlich ganz allein an mir, ob ich trocken bleibe oder nicht.


    lg
    gipfel

    Hallo Jürgen,

    Zitat

    Ich habe von enttäuschtem Vertrauen gesprochen und wenn ich das wieder aufbauen möchte, so tue ich etwas dafür.

    "enttäuschtes Vertrauen" ???
    Warum ? Hast Du was verbrochen ?
    ..... oder bist Du einfach nur Suchtkrank ?
    Hast Du Schuldgefühle weil Du erkrankt bist ?
    .... und mit "dauerhafter Trockenheit" willst Du "alles wiedergutmachen" ?


    sorry, Du mußt mir diese Fragen natürlich nicht beantworten, die sich da für mich auf tun.
    Eine andere Erklärung fällt mir auf Deine Aussage nicht ein.

    lg
    gipfel

    Hallo Gela,

    sorry, ich hab Deinen vorigen post nicht richtig gelesen oder mißverstanden.

    Natürlich ist der Austausch über spezielle Dinge wie "Erwartungen" für beide Seiten wichtig, denn speziell in der zwischenmenschlichen Beziehung kommt es regelmäßig zu Rückfällen.
    "Nassen Rückfällen" gehen sehr oft Verhaltensrückfälle voraus, und einer dieser Verhaltensrückfälle wäre für mich, daß ich irgendeiner Erwartung gerecht werden sollte.

    Bezüglich der Suchterkrankung hat mir niemand zu sagen, wie ich mich verhalten sollte; niemand hat auf mich aufzupassen; niemand hat mir etwas vorzuwerfen; kurz - niemand hat Erwartungen in mich zu setzen.

    Ich bin in der Lage mir selbst Druck zu machen, wenn's nötig ist.
    Dazu brauche ich keinen Dritten - und wenn - dann suche ich mir Hilfe da, wo ich sie für mich erhoffe.

    Ich allein bin der "Macher", was meine Erkrankung betrifft.
    Ich allein habe für mich Sorge zu tragen, und wenn ich das nicht kann, dann kann mir auch kein anderer helfen.

    lg
    gipfel

    @Gela

    Zitat

    Ich kann es nicht ertragen, zuzuschauen, wie sich ein Mensch, den ich liebe, selbst zerstört.

    Es gibt doch keine "Verpflichtung" dabei zuzuschauen.
    Jeder kann mit seinem Leben machen was er will - auch ein Alkoholiker.
    Wenn er saufen will, dann laß ihn saufen. Ändern kannst Du das ohnehin nicht.

    lg
    gipfel

    Jürgen

    Zitat

    Wer - mal angenommen - jahrzehntelang Vertrauen Angehöriger mißbraucht hat, sollte auch damit leben können, daß es Jahrzehnte dauert, Vertrauen wieder aufzubauen.

    Das ist nicht Dein Ernst, oder ?

    Was habe ich denn mit den "Befindlichkeiten" meiner Angehörigen zu tun ???

    Sucht ist kein kriminelles Delikt sondern eine Erkrankung !
    So gesehen brauche ich kein Vertrauen aufzubauen.
    Wer mit mir lebt, der muß darauf gefaßt sein, daß auch ein Rückfall zu meiner Erkrankung gehören kann.
    Wer das nicht akzeptieren kann oder will, der gehört nicht zu meinem Umfeld.

    lg
    gipfel

    Hallo Karsten,

    Zitat

    aber die Praxis sieht ganz anders aus.

    Das ist in den meisten Fällen wohl leider so.
    Aber in der Praxis kann ich das umsetzen, was ich mir vorstelle.
    Für mich ist das eine klare Rechnung.
    Wer zu mir sinngemäß sagt "ich erwarte, daß Du trocken bleibst",
    der setzt ja nun nicht gerade Vertrauen in meine Person - im Gegenteil - das ist ein klares Mißtrauensvotum.

    Ich brauche keine (gesunden) Menschen um mich herum, die sich Gedanken um meine Erkrankung machen.
    Das überschreitet eindeutig meine Grenzen und läßt mich nicht so frei leben, wie ich es mir vorstelle.

    uwe.rothaemel

    Zitat

    Ich für meinen Teil, sehe meine Sucht als eine Verhaltensstörung. Krank war nicht mein Körper, sondern mein Umgang damit.

    Zitat

    Das hat nichts mit Heilung oder Verharmlosung zu tun

    Doch, das hat es, weil Du Deine Erkrankung im Plusquamperfekt siehst - also in der vollendeten Vergangenheit.
    Die Sucht ist keine "Verhaltensstörung" sondern eine chronische Erkrankung, die latent schlummert und in den verschiedensten Formen wieder auftreten kann.

    Ich kenne keinen trockenen Alkoholiker, der behauptet, daß er garantiert nie wieder rückfällig wird (wer das behauptet ist nicht trocken).
    Ein trockener Alk wird sagen: ich will nie wieder trinken - was für mich nur die erste Phase der Trockenheit bedeutet, denn der Alkohol allein macht eine Suchterkrankung nicht aus.

    Nun sind wir wieder beim Willen, und ich kann beim besten Willen niemanden vrsprechen, daß mein momentaner Wille bis ans Lebensende bestand haben wird.

    [/u]