Beiträge von Micha

    Hallo coraly und herzlich willkommen,

    du gehst einen mutigen Weg. Gut so.

    Ich habe seit 4 Monaten nichts getrunken und bin dabei trocken zu werden. Es ist ein Prozess in dem ich mich befinde. Ich bin das erste Mal in meinem Leben wirklich bereit, mich und mein Leben nüchtern und klar auszuhalten. Meine Trinkgewohnheiten waren mit deinen vergleichbar. Und auch ich - wie die meisten - habe nicht unter einer Brücke geschlafen.
    Aber ich hatte auch eine zunehmend negative Selbstwahrnehmung, um es mal gelinde auszudrücken.

    Heute blicke ich zuversichtlich in die Zukunft, obwohl meine Gegenwart nicht von Glück übersät ist. Aber ich habe wieder - oder vielleicht sogar das erste Mal - das Gefühl, den Verlauf meines Lebens selbst zu bestimmen und mir ein unabhängiges Leben aufzubauen. Es tut dem Selbstbewusstsein enorm gut, diese gottverdammte, elende Abhängigkeit ablegen zu können.

    Dies kann man lernen. Jeder. Es ist wie gesagt ein Prozess, den zu beginnen man bereit sein muss und in dessen Verlauf sich eine Menge von Veränderungen im Leben ereignen können müssen. Der Erfolg dieses Prozesses scheint mir maßgeblich davon abzuhängen, wie groß die Bereitschaft ist, sein Leben wirklich verändern zu wollen .

    Du strahlst eine große Bereitschaft aus. Das ist ein guter Weg, den du da beginnst. Bleib' am Ball. Ich wünsch' dir alles Gute dafür ...

    Micha

    Hallo Lidia,

    du schreibst : " ... mehrmals täglich muss ich an Alkohol denken ... "

    Ich habe jetzt 4 Monate nichts getrunken. Also ein Zeitraum, den du bewunderst, wie du schreibst.

    Ich denke täglich und zwar sehr viel an Alkohol. Er beschäftigt mich extrem. Aber ich nehme das jetzt an und beschäftige mich auch mit ihm. Hier im Forum (das meine SHG ist), nur für mich in Gedanken und auch in meinem Umfeld mit Gesprächen.

    Für mich ist hier der Austausch im Forum das entscheidende geworden. Das entscheidende dafür, dass ich denke und fühle, dass was ich diesmal mache keine dieser blöden Trinkpausen ist, die wir alle kennen, sondern ein echtes Trockenwerden, wobei ich erlerne mit der Zeit auch echt trocken zu denken. Ich habe 25 Jahre lang mein Leben mit Alkohol verbracht und lasse mir diesmal die Zeit die ich brauche, um Denk- und verhaltensweisen zu erlernen, die mir dauerhaft ein trockenes Leben ermöglichen. Ich habe es von erfahreneren immer wieder gehört und mir zu eigen gemacht: ich habe mir eine große Geduld für diesen Prozess angeeignet.

    Mein Genickbruch bei bisherigen Trinkpausen war immer die Ungeduld (oder die Überheblichkeit). Ich wollte immer sehr schnell ein ganz anderes Leben leben können, wenn ich mal ein zwei Wochen oder auch Monate nichts trank. Ich war dann schnell unzufrieden, wenn sich dieser erwartete Erfolg nicht einstellen mochte. Das machte dann wieder Frust, den ich dann nach alter Manier versuchte zu ersäufen. Stattdessen wird der immer schlimmer dadurch und der Teufelskreis nimmt seinen zerstörerischen Lauf. Ich habe das so gehasst.

    Mir wird jetzt erst klar, wie sehr sich meine ganzes Verhalten verändern muss, um erstmalig mit 44 Jahren Lösungsstrategien zu erlernen, die es mir ermöglichen, mich nüchtern überhaupt in Gänze zu ertragen. Uff, das kann dauern.

    Aber es lohnt sich. Mir ist nicht mehr wichtig wie lange das dauert. Solange ich mich auf einem guten Weg dorthin befinde bin ich zufrieden. Es ist ein guter Weg und ich kann mich nicht erinnern ob ich schon mal so zuversichtlich in meine Zukunft sehen konnte, obwohl die Gegenwart auch manchmal ganz schön weh tut.

    Also, wir haben einen gemeinsamen Traum: nüchternes Leben. Jeder kann ihn sich erfüllen und wir gemeinsam können uns gegenseitig dabei helfen.

    Trockenes Leben ist für jeden erlernbar.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo Peter Pan,

    du scheinst ja das Nimmerland verlassen zu haben und doch noch erwachsen geworden zu sein :wink: .
    Ja, man muss an etwas glauben damit es passiert ...

    Dazu meine Gratulation und natürlich zu deiner neuen Aufgabe als Moderator.


    Herzliche Grüße vom Micha
    der das Motto aus Neverland aus dem du kommst sehr nett findet:


    "Werde gross und mündig, aber bleibe in deinem Innersten immer ein Kind."

    Hallo Cetriolo,

    ich glaube, so wird das eine nichts und das andere auch nicht. Bei dir scheinen beide Suchtstoffe, sowohl Nikotin als auch Alkohol eine große Rolle zu spielen. Das solltest du erst für dich klären und dann Prioritäten setzen und für dich klarmachen wo du stehst und wohin du willst.

    Ich glaube nicht, dass du mit dem Nichtrauchen große Chancen hast wenn du das Rauchen sehr mit dem Trinken verknüpft hast und dann während des Weitertrinkens darüber nachdenkst ob du auch krankhaften Umgang mit Alk hast.

    Ich persönlich hoffe und glaube nicht, dass die Summe der Laster wie du es nennst gleich bleibt.
    Für Menschen, die unter einer ernsthaften Abhängigkeit von dem einen oder andern leiden, handelt es sich um Suchterkrankungen, die einem wenn nicht das Leben, dann aber zumindest die Lebensqualität restlos rauben. Laster klingt so nach einem Sahnetörtchen zum Frühstück.

    Ich habe vor 2,5 Jahren mit dem Rauchen schluss gemacht und vor 4 Monaten mit dem Saufen. Ich habe sehr viel daran gearbeitet und tue das noch immer. Und ich glaube fest an meinen Erfolg, der mir aber nicht jeden Tag in den Schoß fällt.
    Man kann es erlernen, ein drogenfreies Leben zu führen, aber das erfordert eine große innere Bereitschaft dazu, auch wirklich etwas verändern zu wollen.

    Du hast schon fürs Rauchen festgestellt: Ganz oder gar nicht. Schwarz oder weiß.
    wenn du letztlich zu diesem Schluss für dich und das Trinken kommst, solltest du auf jeden Fall im Alkoholikerforum nicht nur auftauchen, sondern dich dort vorstellen und über deine Trinkgewohnheiten berichten.

    Micha

    Hallo Finia und willkommen zurück,

    du strahlst eine große Entschlossenheit aus in deinem Willen es diesmal zu packen.

    Ich wünsch' dir allen Mut und alle Kraft, die du für deinen trockenen Weg brauchst

    Micha

    Guten Morgen,

    ich habe vor 2 einhalb Jahren mit dem Rauchen aufgehört und vor 4 Monaten mit dem Trinken. Ich zähle keine Tage aber hier ist es ja manchmal sinnvoll dies dazuzusagen.

    Ob man etwas von der einen Suchtbekämpfung auf die andere mitnehmen kann, hängt davon ab auf welche Weise man vorgegangen ist, finde ich. Ich habe das Rauchen auf eine Art quittiert, dass ich keinerlei Verlustgefühl empfand, sondern mir nichts sehnlicher wünschte, als endlich damit aufhören zu dürfen. Das ist eine Einstellung, die ich ganz gut mitnehmen konnte in den Wunsch, nie wieder betrunken sein zu müssen.

    Ich habe diese mir vom Nichtrauchen bereits bekannte Einstellung hier im Forum wiedergefunden. Das ist der Unterschied zu meinen früheren Trinkpausen, wo ich mir das Trinken rein mit dem Willen abzwackte, was auch aus meiner Sicht niemals ein Leben lang gut gehen würde. Nicht bei mir jedenfalls. An der Stelle würde ich am liebsten mal fragen was jeder so unter dem Begriff Willen versteht. Das ist ein vielverwendetes und selten definiertes Wort. Das führt hier sicher zu weit, wäre eher etwas für ein philosophisches Forum.

    Aber für mich ist doch soweit interessant zu unterscheiden, dass ich einen bewussten und einen unbewussten Willen in mir habe. Mit dem bewussten sage ich mir, ich will nicht trinken, der unbewusste läßt aber gerne die Hintertürchen offen stehen, durch die mir der Alkohol ganz gemütlich auf Schritt und Tritt folgen kann, um dann in einem für ihn passenden Moment zuzuschlagen. Das kann eben auch nach vier Jahren sein. Da geht es gar nicht um Zeiträume.

    Ich gehe fest davon aus, dass dieses unbewusst-willentliche Türenoffenlassen nur dann passiert, wenn man nicht schlussendlich davon überzeugt ist, dass Trinken keine Alternative darstellt. Dass Trinken für einen Alkoholiker - der sich wirklich als solcher begreift - wenn nicht den Tod, dann zumindest das Abwesen des Lebens bedeutet. Und das ist keine Überlegung wert. Dieses Spielchen mit dem Leben gehört beendet.

    Ich denke täglich und häufig an Alkohol. Aber niemals unter dem Aspekt: Ja oder Nein.

    Trock'ne Grüße vom

    Micha

    Hallo ihr beiden frischgebackenen Moderatorinnen,

    das ist schön, den Betrieb in so guten Händen zu wissen. Da freue ich mich sehr, dass ihr diese Verantwortung angenommen habt.

    Ich wünsch' Euch und uns allen ein glückliches Händchen miteinander ...

    Herzliche Grüße vom

    Micha

    Hallo Erik,

    ich gehe mal davon aus, dass du Alkoholiker bist mit kranhaftem Alkoholkonsumverhalten.

    Alkoholismus ist eine Krankheit. Und zwar eine siechmachende, tötende.

    Ich möchte hier keine Beziehungsmodelle diskutieren. Aber nach meinem Verständnis sollte ein Partner davon wissen, wenn man sowas hat.

    Warum bist du dir so sicher, dass das deiner Frau das Herz brechen würde ?

    Du schreibst:

    Zitat

    Das würde ihr Herz brechen denn sie hat ihren Vater an Alkohol verloren.


    Es würde ihr das Herz brechen, dich auch an den Alkohol zu verlieren. Warum sollte es ihr aber das Herz brechen zu wissen, dass du alles dafür tust, dass sie dich nicht an den Alkohol verlieren wird ?

    Geh' mal davon aus, dass sie viel sensibler deine Trinkgewohnheiten registriert, als sie dir gesagt hat. Und dass sie schon insgeheim Angst haben könnte, dich auch zu verlieren. Aber sich nicht getraut hat, darüber zu sprechen.

    Wie erleichtert würde sie sein, von dir zu hören, dass du alles in deinem Leben erdenklich-mögliche unternehmen wirst, dies zu verhindern. Glaubst du nicht auch, dass sie dich nach Leibeskräften unterstützen würde ?

    Unterschätze diese Unterstützung nicht.

    Micha

    Hallo Beate,

    mir hat Alkohol noch nie geschmeckt. Ich weiß noch, wie ich mit 15 oder 16 im Keller der Mutter meines Kumpels die Bar plünderte. Da war eigentlich abgeschlossen, aber mein Zimmerschlüssel von zu Hause passte zufällig. Wie praktisch.

    Wir tranken alle Flaschen durcheinander, damit es nicht so auffiel und wir hielten uns beim Trinken die Nasen zu, weil es so eklig schmeckte. Ich war von Anfang an Wirkungstrinker.

    Ich muss dazusagen, dass ich dann auch kein Schnapstrinker gworden bin, sondern Bier. Dadrin ist das was ich an dem Schnaps so eklig fand auch drin, nur mehr verdünnt: Alkohol.

    Sicherlich hättest du mich in meiner nassen Zeit öfters sagen hören können: " Ach, schmeckt das Bier jetzt aber gut."

    Aber da war ich längst süchtig und plapperte nur nach, was alle beim ersten Bier des Abends sagen und man in der Werbung vorgekaut bekommt. Beim 10ten Bier sagte ich diesen Satz dann nicht mehr, trank es aber trotzdem. nein ich trank es nicht, ich quälte es mir herunter.

    Also wir reden hier nicht über Geschmack, sondern über eine lebensbedrohende Suchtdroge. Wenn ich dir jetzt sagen würde, dass Gewürzgurkenverzehr dein Leben zerstören wird, würdest du dann welche essen ? Sicher nicht, selbst dann nicht, wenn sie dir schmeckten.

    Du musst das für dich mal ein bisschen auseinanderklambüstern: Geschmack und Abhängigkeit.

    Ich wünsch' dir viel Kraft

    Micha

    Hallo und willkommen Beate,

    schön, eine "Erfahrene" mehr in den Reihen zu wissen.

    Ich lerne das offene Umgehen gerade. Es klappt plötzlich ganz gut. Am Anfang hab' ich mich da ziemlich schwer getan.

    Gestern habe ich eine alte Schulkameradin beim Einkaufen getroffen, die ich seit 26 Jahren nicht gesprochen hatte und stand mit ihr so lange vor dem Kühlregal bis wir ganz durchgefroren waren. Ich erzählte ihr (neben vielen anderen Sachen) auch, dass ich Alkoholiker wäre und da überlegte ich dann zu Hause sogar das erste Mal, dass ich es auch nicht jedem sofort auf die Nase binden muss.
    Aber es gehört jedenfalls langsam zu mir.

    Herzliche Grüße vom

    Micha

    Morgen Beate,

    es gibt keinen Weg daran vorbei, dich deinen Nächsten anzuvertrauen. Das ist die erste Hürde, die du unbedingt nehmen musst, sonst kommst du da nicht raus.

    Wie Michael 1969 schon geschrieben hat, solltest du dich auch in medizinisch kompetente Hände begeben. Sprich mit deinem Hausarzt. Du musst mit ihm offen sprechen. Sag' ihm die Wahrheit. Die Wahrheit die für den Arzt interessant ist um dich fachgerecht zu untersuchen ist, dass du chronischen Alkoholmissbrauch betreibst. Nicht mehr und nicht weniger. Dann weiß der, wie er dich zu checken hat und ihr könnt' gemeinsam beratschlagen, wie es weitergeht.

    Du musst dich öffnen mit deinem Problem - es gibt keine andere Möglichkeit. Du musst Hilfe in Anspruch nehmen, denn es geht nicht allein. Das mit dem Piccolotrinken bringt bei Alkoholikern überhaupt nichts. Das musstest du ja schon selbst einsehen.

    Sprich mit deinem Mann. Es geht dir schlecht und du bist karnk. Das sollte er wissen. Scham ist da fehl am Platze. Es geht um dein Leben.

    Herzliche Grüße vom

    Micha

    Hallo Beate,

    Selbstbestimmung ist ein schönes Stichwort in Sachen Alkoholabhängikeit, finde ich. Die kann man halt erlernen und dein Mann kann erlernen, dass du das erst erlernen musst (ich hoffe, dass war nicht zu umständlich ausgedrückt). Es ist gut, dass du deinen Mann zur Seite haben wirst, der dich bestimmt unterstützt. Aber er muss mitmachen, dich in deiner Sucht verstehen wollen.

    Meine Familie ist auch sehr vom Alkohol geprägt, allerdings immer hübsch-bürgerlich bemäntelt.

    Thread heißt übersetzt glaube ich Faden. Ein Thread ist das, was entsteht, wenn du ein neues Thema eröffnest. Du beginnst mit einer Frage oder Aussage und dann antworten dir Leute und spinnen mit dir zusammen diesen Faden unter der Überschrift dieses Themas.

    Du könntest z.B. einen eigenen Thread eröffnen unter der Rubrik "Alkoholsucht im Alkoholikerforum". Mit einem Thema oder einer Überschrift deiner Wahl. Mit Fragen die du hast, oder um dich genauer vorzustellen .... nur als Beispiel.

    Ich wünsch' dir viel Erfolg auf deinem Weg

    Herzliche Grüße vom

    Micha

    P.S.: Ich mag das Wort Thread nicht und sage am liebsten Fred, aber das verstehen dann noch weniger leider :wink:

    Morgen beate 1961,

    ich bin auch 44 Jahre. Ich habe zum Schluss auch am liebsten allein vorm Fernseher getrunken. Gesellschaft hatte ich schon kaum noch aufgesucht, wahrscheinlich war es mir schon zu anstrengend mich dort zu kontrollieren.

    Du hattest bereits den Mut, eine Selbsthilfegruppe zu kontaktieren, denn dieses Forum ist eine virtuelle Form der Selbsthilfegruppe . Hier kann ich mich mit Menschen austauschen, die meine Probleme kennen, weil sie selber hatten/haben.

    Du nennst dich selbst bereits alkoholsüchtig, redest nicht lange drumrum. Das ist doch schon eine wichtige Erkenntnis. Und du suchst Hilfe. Damit bist du vielleicht schon weiter, als du denkst.

    Offensichtlich hast du schon einige Versuche gehabt, alleine aufzuhören mit dem Trinken, um dann aber zu merken, dass dir das nicht gelungen ist, nachhaltig trocken zu werden, sondern hast nach einer gewissen Länge von Trinkpause wieder weitergemacht. So ging es mir auch immer. Bis ich hierher kam.

    Ich bin dabei hier zu lernen, wie es geht das zufriedenen trockene Leben. Als erstes musste ich mir abschminken, dass ich mit Alkohol irgendwie umgehen könnte. Das kann ich als Alkoholiker eben nicht, also kann es für mich nur darum gehen zu erlernen, wie ich es schaffe, nie wieder einen Tropfen Alkohol über meine Lippen zu lassen.

    Ich bin jetzt fast 4 Monate nüchtern und bekomme den Eindruck, dass es möglich ist. ich denke ich werde zufrieden leben können, nicht obwohl ich nichts mehr trinke, sondern weil ich nichts mehr trinke.

    Also beate 61 nimm' die Energie die du für deine Wut über dich selbst verbrauchst und stecke sie in den Lernprozess, der vor dir liegt, wenn du es wirklich willst.

    Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld dabei und hoffe, wieder von dir zu lesen


    Herzliche Grüße vom

    Micha

    Morgen beate1961, ich habe für dich mal einen neuen Thread aufgemacht. Ich hoffe, du bist damit einverstanden. Die Threads hier oben sollen nur einer kleinen Vorstellung dienen.

    .................


    beate 1961 schrieb:

    Zitat

    Hallo, Lili,
    bin 44 Jahre und mir geht es ähnlich wie Dir. Ich schäme mich auch so sehr wegen meiner Sauferei. Trinke entweder zuhause, allein vor dem Fernseher, dann ziemlich unkontrolliert, bis die Flasche leer ist, oder aber auch in Gesellschaft, dann eher kontrolliert. Ich merke, dass es mir immer schlechter damit geht, kann "es", meine Alkoholsucht, aber nicht stoppen.
    Den Mut, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, habe ich nicht, alleine schaffe ich es aber auch nicht...Dabei merke ich, wenn ich nicht trinke, habe ich wieder viel mehr Lebensfreude und Energie! Ich bin so wütend auf mich!

    Hallo und herzlich willkommen esgehtanders,

    ich war schon ungefähr 6 Wochen nüchtern, als ich auf dies Forum stieß, also war für mich persönlich der Entzug dann auch kein Thema mehr. Den hab' ich mit mir selbst abgemacht, was ich aber auch niemandem raten würde.

    Was ich aber nicht mit mir selbst abzumachen in der Lage gewesen wäre, ist das Trockenwerden. Ich bin sehr glücklich, hier gelandet zu sein und diesen Austausch zu haben. So fühle ich mich auf einem guten Weg und beraten und im Austausch mit vielen erfahrenen trockenen Alkoholikern - also den eigentlichen Fachleuten für diese Krankheit.

    Also der Entzug selbst war für mich vergleichsweise auch "einfach" wie du schreibst. Aber jetzt verstehe ich erst so langsam wie fleißig man sein muss, um im Kopf auch trocken zu werden. Ich empfinde es auch als schönes Gefühl, aber auf der anderen Seite auch als große Aufgabe, nicht zu vergessen, dass das entscheidene ist und für immer in meinem Leben bleibt: Das erste Glas stehen zu lassen und nicht zu vergessen, dass ich Alkoholiker bin in dessen Körper der Alkohol sofort das Ruder wieder in die Hand nehmen würde.

    Das soll nie wieder passieren. Ich steuer' lieber selber.

    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem Kurs und viel Kraft und Geduld

    Herzliche Grüße vom


    Micha

    Hallo Kijara,

    ich bin froh, dass du widerstanden hast. Sicher hast du nicht gerade bei dieser Gelegenheit mit einem Bierwagen gerechnet. Vielleicht war das der Grund für deine überraschende Sauflust, weil du dich auf einer Grundschulveranstaltung vor Alk "sicher" wähntest und dich nicht innerlich darauf vorprogrammieren konntest. Ich war neulich beim Fußball im Olympiastadion, da watet man zeitweise in leeren Bierbechern auf dem Weg zu seinem Platz. Aber ich wusste das vorher. Das macht vielleicht den Unterschied.

    Es zeigt deutlich wie vorsichtig man sein muss und dass du nicht trocken denkst. Was ja von der Zeit her auch nicht zu erwarten ist.

    Hast du gut gemacht, baldmöglichst zu gehen.

    Deine Freundin kann aber auch nichts dafür. Da würde ich ein bisschen nachsichtiger sein. Sie meint das ja nicht böse. Guck mal, wir beschäftigen uns jeden Tag mit der Krankheit und verstehen immer noch lange nicht alles. Wie soll sie wissen, wie sensibel das für dich sein kann in so einem Moment.

    Erklär' es ihr mal, wenn du selbst ein gelasseneren Moment hast.

    Wie ich dich kenne bist du jetzt bestimmt chatten. Das wird dir sicher gut tun. Ich wünsch' dir viel Spaß dabei


    Herzliche Grüße vom

    Micha

    Hi Yorkie,

    ich fänd' s auch schön, wenn du dich mal melden würdest. Egal, was du inzwischen gemacht hast.

    Einfach nur, weil wir mal zu gleichen Zeit in die gleiche Richtung aufgebrochen sind. Wohin führt dich dein Weg zur Zeit?

    Herzlichen Gruß vom

    Micha

    Moin, Moin Freund,

    ja, das mit dem Zeitpunkt ist wohl wahr. Aber das ist morgen nicht einfacher als heute. Im Gegenteil. Das ist nicht anders als beim Trinken. Es ist nie der richtige Zeitpunkt. Bis man es tut. Nur das du diesmal nicht noch mal auf einen persönlichen Tiefpunkt warten kannst.

    Das mit dem Reduzieren bis zum Nullpunkt kannst du aus meiner Sicht knicken. Das ist genauso müßig, wie kontrolliertes Trinken.
    Ich habe noch nie von jemandem gehört der das gemacht hat, immer nur von welchen die davon gesprochen haben. Das ist immer nur ein Argument von irgendwelchen dubiosen Rauchabgewöhnhilfsmittelchenherstellern(wow) oder von einem selbst, um den Zeitpunkt vor sich her zu schieben.

    Ich bin kein guter Verkäufer. Ich habe auch nichts im Angebot, als deine Gesundheit, vielleicht dein Leben. Die negativen Aspekte sind ja vom Kopf her allseits bekannt. Die waren auch nicht die, die mich bewogen haben aufzuhören. Nicht am Ende, sie kamen natürlich dazu.
    Aber zuletzt habe ich eingesehen, dass es einfach keinen Verlust darstellt, sondern einen Gewinn der aktuellen Lebensqualität. Und ich hatte das große Glück, diese Sichtweise auch auf mein Trockenwerden transportieren zu können. Ob mir dieser Transport umgekehrt auch gelungen wäre? Ich weiß es nicht.

    Ich gebe zu, in deiner Sache meine missionarische Ader wiederentdeckt zu haben (ohne nach 2,5 Jahren im akuten Verdacht zu stehen vom Nikotinentzug euphorisiert zu sein). Ich bin für den ersprießlichen Umgang mit meiner persönlichen Nikotinabhängigkeit nur noch sporadischer Gast in einem Miniforum und im realen Leben habe ich mir diese Ader mit dem Ausdrücken meiner letzten Kippe abgeschminkt.

    Immerhin weiß ich von dir, dass dieser Versuch den du gestartet hast, mit Sicherheit keine "Schnapsiddee" war und somit bin ich guter Hoffnung, mein Missioniermäntelchen wieder an den Nagel hängen zu können und warte mit dir gemeinsam auf den richtigen Zeitpunkt.

    Herzliche Grüße vom


    Micha