ZitatNur irgendwo muß ich für mich eine Grenze ziehen und mir ja auch ein gewisses Quantum an Stärke bzw. drüberstehen zollen.
Hallo Claudia,
das mit der Grenze stimmt.
Die Frage ist, welche Kriterien lege ich an, um die Grenzziehung zu ermitteln? Wenn ich erst so kurz trocken bin, dann verfüge ich ja nicht über die notwendige Erfahrung, mich realistisch einschätzen zu können.
Deswegen ist es sehr wichtig, im Zweifelsfall immer die sichere Alternative zu wählen. Ich habe das so gemacht, dass ich hier im Forum auf Ratschläge vertraut habe von Menschen, die diese Erfahrung des langjährigen Trockenlebens schon hatten und die zuvor - so wie ich bis dahin - auch schon sehr sehr viele missglückte Versuche hinter sich bringen mussten, die letztlich immer wieder beim Saufen endeten.
Und ein Zahn habe ich mir von Anfang an ziehen lassen: Mit Stärke und Drüberstehen bekommt man seine Alkoholkrankheit nicht in den Griff. Kein Mensch würde zum Beispiel versuchen seine Zuckerkrankheit durch Drüberstehen zu stoppen.
Natürlich wird man in unserer Gesellschaft auch in Situationen mit Alkohol konfrontiert, die sich nicht vermeiden lassen, aber das heißt nicht, dass Stärke darin liegt, sich bewusst in eine Situation zu begeben, in der man nur eine Armlänge von einem Bier entfernt sitzt und in der man vor noch kurzer Zeit dieses Bier getrunken hätte.
Dabei geht es gar nicht darum, dass man es in diesem Moment nicht schafft, dies seinzulassen, aber es dient nicht einem geistigen Loslösungprozess vom Alkohol, den man dringend in Gang setzen sollte, wenn man wirklich dauerhaft trocken leben möchte.
Dieser Prozess geht über Jahre. Ich selbst habe das Gefühl, dass echte Veränderungen bei mir jetzt nach einem Jahr ohne Alkohol erst anfangen und ich nun beginne, ein Leben ohne Alkohol zu verinnerlichen. Und das meine Verhaltensmuster, die dazu beitrugen und mich veranlasst hatten immer wieder zum Mittel der Betäubung zu greifen, sich erst jetzt langsam verändern und meine neu erlernten Konfliktbewältigungs- und Entspannungstrategien erst jetzt anfangen zu greifen.
Ich hatte immer wieder gehört: "Du musst Geduld haben" und das sage ich mir nun jeden Tag selbst.
Und ich wünsche sie dir, diese Geduld.
Herzliche Grüße vom Micha