Beiträge von Micha

    Hallo und willkommen alkohol000,

    es sieht so aus, dass du nicht im Griff hast, wieviel du trinkst. Wenn das regelmäßig und über einen längeren Zeitraum schon so ist (wenn auch mit Unterbrechungen), dann hast du wohl ein Problem.

    Wie war das denn nach dem halben Jahr, wo du nichts getrunken hast?
    Warum und bei welcher Gelegenheit hast du das erste Glas wieder getrunken?
    Hast du sofort wieder an deine alten Trinkgewohnheiten angeknüpft (anknüpfen müssen)?
    Und kannst du auch fröhlich mit deinen Freunden sein ohne zu trinken?


    Micha

    Hallo Ulrike,

    die grobe Linie ist dir ja schon klar .... das es kein kontrolliertes Trinken geben wird und das das "Trinken bis nix mehr geht" dein Untergang wäre.

    Ich finde es für mich nicht so sinnvoll, mich allzusehr in das WARUM hineinzudenken. Für mich ist der Beginn einer Betäubungssehnsucht letztlich immer ganz pauschal ein Anflug von Unwohlsein oder Unzufriedenheit, den ich dann versuche alsbald zu beheben.

    Meine Devise ist, dass ich ausschließlich ohne Betäubung ein zufriedenes Leben aufbauen kann. Und ich würde jedes Verlangen nach Betäubung darauf zurückführen, dass ich eben nicht zufrieden bin mit meinem Leben. An der Stelle finge ich aber nicht an, darüber nachzudenken, warum der Alkohol sich nun aufdrängen will, sondern würde mich fragen, was ich in meinem Leben positiv verändern kann, um dem Alk erst gar keine Angriffsfläche zu bieten.

    Ich möchte mir in meinem Leben einen Zustand schaffen/erhalten, der mich glücklich macht, klar sein zu dürfen. Solange ich diesen noch verbessern kann, arbeite ich daran und ich ahne, dass dies ein lebenslanger Prozess ist, der nie ein Selbstläufer wird, sondern meine Aufgabe bleibt.

    Das ist meine Arbeit an meiner Trockenheit und somit an meinem Leben.

    Habe ich heute schon etwas für mich und meine Seele getan? Schiebe ich längst fällige Veränderungen auf die lange Bank? Liegt mir etwas unausgesprochen auf der Seele?

    Ich wünsche dir alles Gute

    Micha

    Hallo Olivia,

    du fragst

    Zitat

    WARUM? Warum ich?

    mir geht es bessser, seit ich mich das nicht mehr vordergründig frage. Das WARUM ist für mich in den Hintergrund getreten. Ich habe jetzt seit 10 Monaten keinen Alkohol zu mir genommen und beschäftige mich mehr damit, WIE ich trocken werden und trocken leben und trocken denken lernen kann. Und trocken bleibe.
    Nur allein vom Nichttrinken wird man nicht automatisch trocken.

    Vorraussetzung dafür ist natürlich, dass ich das überhaupt will und mich damit akzeptiere, dass ich Alkoholiker bin. Dabei ist es unwichtig, wie mich andere sehen oder welche Trinkgewohnheiten andere an den Tag legen.

    Vergleiche waren für mich nicht mehr wichtig. In meinem Umfeld waren auch etliche Leute, die einen vergleichbares Trinkverhalten haben wie ich hatte. Das ist fast immer so bei Alkis. Wichtig ist nur, wie du dein eigenes Trinkverhalten einstufst und das scheint ja eindeutig zu sein.

    Wir kennen diese Sprüche von außen alle. Deswegen haben wir uns hier untereinander zusammengefunden, um uns hier ernsthaft und offen mit unserer Krankheit auseinanderzusetzen.

    Du warst drei Wochen "trocken", wie du schreibst, aber trocken wird man nicht in drei Wochen. Trockenleben ist nicht das gleiche, wie wenn man nie getrunken hätte. Trockenleben ist ein ganz eigenes und für einen nassen Alki neues Lebenskonzept, das in alles Lebensbereiche hineinreicht.

    Zu allererst steht dein fester Entschluss, das Trinken seinlassen zu wollen. Dann folgt die Entgiftung, die unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit an dir und deinen nicht-trockenen Verhaltensmustern und dabei kann dir ein kontinuierliches Erscheinen hier im Forum sehr nützlich sein. Du kannst hier viel über deine und unsere Krankheit lernen und wie du zufrieden mit ihr leben kannst.

    Ich wünsch' dir alles Gute dabei

    Micha

    Hallo Loop,

    jeder Alkoholiker kennt den Wandel zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Selbstüberschätzung.

    Trockenwerdenwollen ist am Anfang ein sehr arbeitsintensives Unterfangen. Man kann das nicht so nebenbei mit ein paar coolen Tricks erlernen, sondern es bedarf einer wirklichen Lebensumstellung.

    Ich würde als erstes mal den Begriff der "Ideenmachine loop"reflektieren in die man oben einen Schnaps hineintut und hinten eine Idee rauskommt.

    Selbst wenn das jetzt funktioniert, ist es eine Frage der Zeit, dass es das nicht mehr tut, sondern das Gegenteil eintritt. Ich nehme an, weil du das ahnst, bist du hier. Und du hast auch allen Grund dir darüber Gedanken zu machen.

    Mit dem Saufenaufhören ist es aber so, dass es dir wichtiger sein muss als dein Ruf als Ideenmaschine. Solltest du feststellen, dass du ohne Alkohol deinem Anspruch bei deiner Arbeit nicht mehr gerecht werden könntest, müsstest du auch bereit sein über einen Wechsel nachzudenken.

    Ich habe bislang den Eindruck, dass du nach dem Motto: "Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass" trocken werden möchtest.

    Ich sage nicht, dass du nicht mehr in dem Job arbeiten kannst, sondern, dass du nötigenfalls bereit sein musst, über einen Wechsel nachzudenken, wenn du merkst, dass Alkohol für dich dort die "Vorraussetzung" ist.

    Bist du das?


    Micha

    Hallo ihr Alle,


    ich glaube, dass viele Leute die Formulierung mit "müssen" nicht unbedingt so meinen. Manche Leute sagen auch: "Ich muss heute abend um 8 noch ins Kino" und gehen doch bestimmt gerne und freiwillig.

    Ich selbst überlege aber auch sehr, wie ich sowas formuliere, weil es für mich einen Riesenunterschied macht.


    Was ich sage oder denke:

    Ich bin froh, keinen Alkohol (mehr) trinken zu müssen.
    Ich will keinen Alkohol (mehr) trinken.
    Ich möchte keinen Alkohol (mehr) trinken.
    Ich brauche keinen Alkohol (mehr) zu trinken.
    Ich trinke keinen Alkohol (mehr).


    Was ich nicht sage oder denke:

    Ich darf keinen Alkohol (mehr) trinken.
    Ich musste mit dem Trinken von Alkohol aufhören.


    Micha

    Hallo Spedilein,

    ich finde, wenn Männlein und Weiblein etwas gemeinsam haben, dann sicherlich, dass sie unter Alkoholeinfluss nicht gescheiter werden.
    Es ist nicht geschickt von einer Person auf ein ganzes Geschlecht zu schlussfolgern.

    Pauli hat es gesagt: Sprich mit ihr, sag' ihr was dich konkret stört und was du dir von ihr wünschst.

    Micha

    Hallo Petter,

    ich zieh' den Hut davor, wie du in dieser verkorksten Situation in Norwegen das Ruder 'rumgerissen hast und dir zu Hause Wohnung und Arbeit zurückerobert hast.

    Ich kann mir vorstellen, dass du erst im Nachhinein merkst, wieviel Energie du in diese Unternehmung gesteckt hast und wie groß der Frust darüber ist.
    Umso höher ist es einzuschätzen, dass du auf diese überraschende Wende in deiner Lebenplanung so eigeninitiativ reagiert hast und nicht mit Betäubung.

    Für mich ist diese erhöhte nüchterne "Frusttoleranz" ( Dingen gegenüber, die ich nicht ändern kann ) eine der wichtigsten Veränderungen in meinem Leben seit ich nicht mehr trinke.
    So kann ich meine Energie auf ersprießlichere Dinge richten und mich auf das Machbare konzentrieren.

    Wir haben uns in etwa zur gleichen Zeit auf einen trockenen Weg gemacht und ich wünsch' dir alles Gute bei deinem Neustart.

    Wie ist es dir inzwischen ergangen?

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo,

    ich habe anfang Juni 06 mein letztes Bier getrunken und bin einen guten Monat später hier ins Forum gekommen.

    Ich war von Anfang an nur froh, endlich in mir zu spüren, dass ich Nägel mit Köpfen machen würde. Dass ich bereit war. So gab es auch keinen Kampf. Im Gegenteil: der Kampf war nun endlich vorbei.

    Heute glaube ich allerdings, dass es vielleicht sein kann, dass es deswegen nicht so schwer war, weil ich unbewusst mit einer Trinkpause kokettierte. Unbewusst.

    Ich hatte nämlich gar keine Ahnung, was es bedeuten würde, wirklich und wahrhaftig ein richtiges Leben ohne Alkohol zu führen. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür, hier im Forum gelandet zu sein. Denn ich hatte weder Therapie noch Selbsthilfegruppe und im Grunde Nullahnung, über das WIE.

    Heute bin ich recht sicher, dass ich ohne das Wissen dieser unserer virtuellen Selbsthilfegruppe wieder trinken würde. Und wenn noch nicht, dann aber wie Don Quichote dagegen ankämpfen und 100 % verlieren.

    Ich hätte vermutlich die Chance, mein Leben wirklich zu verändern verpennt. Obwohl ich nichts lieber wollte. Aber ich wäre in meinem persönlichen Umfeld damit zu allein gewesen.

    So wie es nun aber bei mir lief, kann ich sagen, dass ich weder kämpfte noch es mir schwer fällt oder fiel.

    Ich beschäftige mich ne Menge mit Alkohol, Alkoholimus, mir selbst und meinem Kontext. Es hat sich daraus ein Weg entwickelt auf dem mir der Alkohol nicht nahekommt. Ich mag ihn nicht. Er richtet viel Schaden an und verblödet die Leute.

    Aber ich möchte damit auch nicht sagen, dass es ein leichter Weg ist. Ich glaube, ich bin recht fleißig auf ihm und gehe ihn konsequent. Man darf es nicht schleifen lassen. Man vergisst so schnell, dass man Probleme hatte mit dem Trinken wenn man wieder einigermaßen in der Spur ist.

    Darin sehe ich die Hauptarbeit. Die Erinnerung frisch zu halten - sich nicht auf seinen Lorbeeren selbstzufrieden ausruhen, überheblich werden - und Dinge nach und nach aufzuarbeiten. Sein Leben neu auszurichten. Mit neuen Werten anzureichern. Ihm einen neuen Sinn, eine neue Richtung zu verleihen.

    Mit all' dem hab' ich so viel zu tun, dass ich weder Zeit noch Interesse hätte, nebenbei noch zu kämpfen. Seit ich verstanden habe, dass es für mich in Bezug auf Alkoholtrinken nur zwei Möglichkeiten gibt, ist meine Welt so angenehm überschaubar geworden, dass ich endlich wieder weiß, worin meine Energie zu stecken Sinn macht.

    Ich würde kämpfen und schwer fallen durch "fleißig sein" ersetzen.

    Micha

    Hallo liebe Leute,

    da das Thema nun schon ausführlich von verschiedenen Seiten beleuchtet ist, möchte ich es mir mal ganz leicht machen und meine Meinung ausnahmsweise mit zwei "geborgten" Worten zum Ausdruck bringen.

    Das Eine ist eine Bemerkung, die ich neulich bei Maischberger von einem Kabarettisten gehört habe, der sagte:

    "Viele Menschen haben heute eine Meinung zu einem Thema, aber kaum einer eine Haltung."

    Ich denke - wie einige meiner Vorredner auch -, dass es hier in diesem Forum nicht eigentlich um einen Meinungsaustausch geht. Freier Meinungsaustausch klingt zwar sehr liberal und demokratisch, aber ich persönlich finde es richtig, dass man beispielsweise die Meinung, es könne lohnen an kontrolliertem Trinken zu basteln, in diesem Forum völlig undemokratisch abkanzeln sollte (ein Beispiel von allen).
    Unser 'Freund'hat es gesagt: Vielmehr geht es um Erfahrungsaustausch, bzw. Erfahrungsbündelung.
    Ich habe in den letzten Monaten beobachtet, dass sich die Leute, die hier einige Jahre trocken sind, in wesentlichen Dingen einig sind und diese ihre Haltung dem Trockenwerden und Trockenbleiben gegenüber hier vermitteln wollen. Ich habe mich an die grobe Linie gehalten (was mir allerdings leicht fiel, weil ich das für mich einsah) und fahre ganz hervorragend damit und möchte das auch weiterempfehlen.


    Der Ton in dem man sich auseinandersetzt ist ein anderes Thema. Da würde ich sagen, sollte man dabei auch einige Prozent an Unstimmigkeiten dem Medium Internetforum anlasten. Das liegt auch ein wenig in der Natur der Sache der schriftlichen Schnellkommunikation mit beliebig vielen Teilnehmern, die sich zumeist fremd sind.

    Aber natürlich auch an mangelnder Kritikfähigkeit, die für persönliches Wachstum soooooo wichtig ist. Für mich sagt hier ein Spruch von François Duc de La Rochefoucauld alles aus


    "Wenige sind weise genug, fördernden Tadel trügendem Lobe vorzuziehen."


    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo Scrooge,

    verstehe. Ich finde das auch recht hilfreich, den sogenannten Teufel zu entmystifizieren und ihn und seine scheinbar häßliche Fratze dadurch komplett zu demaskieren. Dafür sind mir die (Natur)wissenschaften auch allemal lieb.

    So kämpft man nicht einen fatalen Kampf gegen ein imaginäres Ungheuer dem man hilflos ausgeliefert ist, sondern kann seine Symptome einordnen und studieren, um sein eigenes Suchtverhalten nach und nach zu entschlüsseln und durch dem Leben zugewandteren Mustern zu ersetzen.

    Der "roll-eyes-Smily" war nur ein Bildchen für mein Grübeln über deine Beobachtungmethode der Rezeptorenaktivitäten. Hat sich jetzt erübrigt, weil du mich ja aufgeklärt hast.

    Ich denke noch, dass die Größe des Bootes keinerlei Rolle spielt. Wichtig ist nur, dass der Kurs stimmt und der Kapitän an Deck und klar ist und die Manövrierfähigkeit gewährleistet.

    Alles Gute dabei wünscht der Micha

    Hallo Scrooge,

    ich wollte mal fragen, was es mit dem Beobachten deiner Alkoholrezeptorenaktivität auf sich hat.
    Du meinst doch die kleinen Dinger, die deinem Hirn das Fehlen der Substanz Alkohol melden? Würde mich mal interessieren, wie du die beobachtest oder womit :roll: ?

    Wenn du dich gelegentlich mit deine Nussschale in ruhigem Fahrwasser befindest, würde ich mich über eine Antwort freuen.

    Herzlichen Gruß vom Micha

    Hallo Scrooge,

    du findest mit Sicherheit eine Menge über nasses und trockenes Denken, denn genau darum geht es ja letztlich.

    Im Detail ist das Denken eines Jeden ja etwas sehr individuelles und man muss sich selbst kennenlernen und seine Denk- und Verhaltensmuster erkennen.

    Mein früheres nasses Denken war hauptsächlich geprägt von einem "Kopf in den Sand stecken". Ich hatte nicht hinreichend gelernt, offen und ehrlich mit Problemen umzugehen und hatte nicht die geeigneten Lösungsstrategien. So suchte ich denn die Flucht in die Betäubung.
    Hier hat jemand die vielsagende Signatur: " Alkohol ist keine Antwort, aber man vergisst die Frage"
    Da war wohl für mich etwas dran. Ich staute so lange Unzufriedenheit auf, aus Unkenntnis, wie ich Dinge befriedigend für mich ändern konnte, bis ich die Lösung nur noch in der Paralyse zu bekommen meinte. "Verdrängung" war das Zauberwort. Ich ließ unangenehme Situationen und Lebensumstände zu lange bestehen und anstatt meine Energie darauf zu verwenden, diese positiv zu verändern, soff ich sie mir für eine gewisse Zeit aus dem Bewusstsein und verbrauchte die Energie lieber für das Auskurieren eines Katers.

    Für mich hat trockenes Denken damit zu tun, dass ich näher bei mir bin. Mein Ohr näher an meinem eigenen emotionalen Pulsschlag habe und spüre, wenn mir etwas quer läuft. Ich höre sensibler in mich hinein und habe ein Frühwarnsystem installiert, was mich schneller auf Misstände im seelischen Bereich aufmerksam macht. Ich halte jeden Tag Inventur. Überprüfe mich. Nehme Signale, die ich selber sende auch wahr, versuche mich selbst zu verstehen und auf mich einzugehen. Ich verwende meine Energie, mein Leben so zu kreieren und einzurichten, dass mir der Sinn erst gar nicht nach Betäubung steht.
    Und ich setze positive Dinge in meinem Leben um, die mir schon lange bekannt waren, aber immer auf der langen Bank schmorten. Ich habe aufgehört über Sachen, die ich für mich für richtig befunden habe zu schwätzen, sondern setze sie auch um, lebe sie.

    Und ich beschäftige mich täglich mit meiner Krankheit, dem Alkoholismus. Ich orientiere mich an Menschen, die es erfolgreich schaffen mit dieser gleichen Krankheit ein trockenes und zufriedenes Leben zu führen. Ich habe realisiert, dass ich diese Krankheit nicht wegkurieren kann, aber dafür sorgen kann, dass sie in meinem Leben keinen weiteren Schaden anzurichten vermag.

    Mir geht's gut.

    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem Weg

    Herzliche Grüße vom Micha
    (ohne Alkohol seit 7 Monaten)

    Was ist Schuld?
    Die Antwort daruf kann sehr vielfältig ausfallen. In jedem Falle ist Schuld aber eine Erfindung des Menschen und also verhandelbar und nicht irgendwie natur- oder gottgegeben.
    Juristisch ist Schuld ja sehr konkret in Paragraphen gefasst, im Philosophisch-Moralischen schon diskutierbar und im Zwischenmenschlichen eben frei und individuell verhandelbar.

    Ich persönlich kann in diesem Bereich auf den Begriff der "Schuld" restlos verzichten, weil er nicht weiterführt. Kein Mensch sollte hier selbstgerecht über einen Menschen richten außer über sich selbst.
    Ich meine in einer gleichberechtigten Beziehung geht es immer 50:50, sonst ist eh der Wurm drin ... ob nun Alkohol im Spiel ist oder nicht.
    Ausnahme sind (hoffentlich seltenere) Vorfälle von körperlicher oder psychischer Gewalt, aber das fällt dann schon wieder ins Juristische und wir brauchen hier darüber nicht zu dikutieren.

    Ich selbst habe mich nach meiner Auffassung an niemandem schuldig gemacht, außer an mir selbst, bin also auch nur mir Rechenschaft schuldig.

    Aber das muss jeder mit sich selber abmachen.
    Ich finde in diesem Zusammenhang noch interessant die Frage der Schuldfähigkeit und die des Schuldbewusstseins.
    Die des Bewusstseins deswegen, weil es sich beim Alkoholismus ja um eine Krankheit handelt, bei der sich der Betroffene zwanghaft eine bewusstseinverändernde Substanz zuführt.
    Und die Frage der Schuldfähigkeit, die zur Vorrausetzung hat, dass der Handelnde eine Option hatte anders zu handeln, in dem Fall: Nicht zu saufen. Also ob man die Frage der Willensfreiheit positiv beantworten kann.
    Ich bin als trockener Alkoholiker geradezu dazu gezwungen, diese Willensfreiheit und damit die Frage der Schuldfähigkeit positiv mit "Ja" zu beantworten, da ich mir selbst beweise und außer mir viele viele andere auch beweisen, dass man sehr wohl die Wahl hat, den zerstörerischen Kreislauf zu verlassen und es keinesfalls eine "Ausrede" sein kann und sich durch den Suff etwas zu entschuldigen.
    Damit darf niemand durchkommen ... und es darf sich auch kein Co darauf einlassen. Beides nicht. Hier hebt sich die "Schuld" gegenseitig auf.

    Morgen Bernd,

    warum dein Entscheidungswechsel?
    Wir waren uns doch einig, dass es halbherzig nichts bringt, bzw. dich darüberhinaus auch noch frustet, weil es dir Versagensgefühle bereitet.
    Du wolltest dich doch noch an das Thema rantasten ... beispielsweise durch das Seminar.

    Die Symptome (gereizt, nervös, schwitzen) die du beschrieben hast, gehen wohl auf das Konto deines Nikotinentzuges. Aber nichts dieser Zipperleine ist so stark, dass es einen bei einer deutlichen Einstellung zum Rauchen im Kopf dazu veranlassen könnte, so schnell wieder Nikotin zuzuführen wie du das getan hast.
    Angst hast du noch genannt. Die bricht dir das Nichtrauchergenick. Und die brauchst du nicht zu haben und die hat man auch nicht vor etwas, was man sich wünscht und von dem man 100%ig überzeugt ist, sondern nur wenn man halbherzig rumexperimentiert und nicht voll hinter der Sache ist.
    Auch Nichtrauchen geht nicht so einfach nebenbei und bedarf etwas mehr Konzentration.

    Was hast du nun vor? Du musst dich jetzt klar entscheiden, sonst quälst du dich nur unnötig selbst.

    Herzlichen Gruß vom Micha

    Hallo Bernd,

    wenn du noch nicht 100%ig entschlossen bist, dann lass' es sein mit dem Rauchenaufhören. Das macht dir nur unnötig Frust.

    Um das Rauchen zu beenden bedarf es der gleichen Entschlossenheit, wie beim Saufen. Ohne beide Drogen miteinander vergleichen zu wollen, aber der Wille zum Absprung muss genauso unerschütterlich sein.

    Du schreibst:

    Zitat

    noch rauche ich einfach zu gern

    Dann rauch' weiter, sonst quälst du dich nur unnötig und frustest dich selbst durch Rückfall.

    Herzliche Grüße vom Micha
    der drei Jahre nikotinfrei lebt nachdem er zuvor Kette rauchte und der von Nikotinpflastern und Nikotinkaugummis sehr bestimmt abrät

    Hallo Jean,

    du scheinst ja einen Postrekord aufstellen zu wollen :lol: , gönn' dir mal 'ne Pause, sonst kommst du ja gar nicht mehr zum Lesen :wink: .

    Find' ich auch gut deinen Punktekatalog. Alles ist richtig.
    Aber: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
    Und noch ein Spruch hinterher: Eile mit Weile.

    Lass' dir man Zeit, erstmal sacken zu lassen, was das in der Praxis alles für dein Leben bedeutet. Wie radikal ein Bruch notwendig ist oder du einen Bruch später überhaupt als radikal empfindest, wird auch erst die Zeit zeigen.
    Für den Anfang finde ich es besonders wichtig zuzuhören und nachzufragen (was du ja tust) und vor allem ehrlich zu sich selbst zu sein.

    Wer mit sich und seiner Entscheidung trocken zu leben im Reinen ist, hat auch keinerlei Probleme, dies nach außen zu vertreten.

    Den Rest was dein soziales Umfeld anbelangt musst du nicht akribisch vorherplanen ... das wird dann auch ein Selbstläufer. Vieles ergibt sich einfach folgerichtig aus deiner Lebensweise - geradezu logisch.
    Je länger du ohne Alkohol lebst, umso weniger hast du von allein das Bedürfnis, dich mit nassen Alkoholikern (oder eben Trinkern) zu umgeben. Bis dahin meide einfach sicherheitshalber jede Gelegenheit, bei der du mit alkoholisierten Personen in Berührung kommst. Sie können nett sein, werden aber niemals einen günstigen Einfluss auf deine neue Lebensphilosophie haben. Nicht wenn sie vor deiner Nase trinken.
    Ich habe seit 7 Monaten nichts getrunken und tu' das noch heute (alkoholträchtige Situationen meiden). Warum sollte ich jemandem beim Trinken zuschauen, wenn ich das für mich selbst ablehne?
    Es geht mir dabei weniger darum, dass ich Angst hätte, dass ich auch trinken müsste. Dafür bin ich wohl schon ein Weilchen gefestigt genug. Aber ich lehne es einfach ab. Es tut mir zum verinnerlichen meines trockenen Gedankenguts nicht gut. Ich möchte erst sicher sein, dass das Nichttrinken mir so in Fleisch und Blut übergegangen ist, wie das Atmen und Essen. Und das dauert natürlich eine gewisse Zeit wenn man jahre- oder jahrzehntelang zuvor soff.

    Du schreibst:

    Zitat

    Es gibt ja vieles an meinem Leben, was gut ist und das ich beibehalten möchte.
    Die Kunst besteht eben gerade darin, zu sehen, wo und womit ich radikal brechen muss, um einerseits standhaft zu bleiben und andererseits nichts wegzuwerfen, was gut und wertvoll ist.

    Das ist gar keine Kunst. Das ist gelebtes Leben. Was sich bewährt, bleibt - was kontraproduktiv ist, fliegt raus. Man muss es als oberstes Ziel trocken zu leben nur ernst meinen. Die Trockenheit an oberste Stelle setzen und alles was man selbst für notwendig hält, bzw. was man als Rat für notwendig angenommen hat, umsetzen.

    Schritt für Schritt und mit großer Geduld und ohne sich selbst überschlagen zu wollen.

    Kontinuität kommt dabei vor Schnelligkeit.

    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem weiteren Weg

    Trockenen Gruß vom Micha

    Hallo Michael,

    ja, die Gefühle können einen schon mal überwältigen. Ich denke mal, wir haben mit dem Saufen früher eine Menge Emotionen "runtergespült".
    Ich find's echt bereichernd, mich nüchtern und sehenden Auges auf meine Gefühle einlassen zu können und sie anzunehmen wie sie sind. Am Anfang konnte ich mich manchmal nur schwer ertragen.
    Mittlerweile finde ich mich schon ganz passabel.

    Das ist gut, dass du deine Bude auf Relikte des Saufens untersuchst und alles beseitigst, was dich ans Trinken erinnern könnte.

    Das Thema von Freundschaften ist für viele eine heikle Sache. Ich musste einsehen, dass sich die meißten meiner Bekannten als Saufkompagnons herrausstellten. Das bezieht sich bei mir leider auch auf die Familie. Ich habe da sehr große Veränderungen vornehmen müssen, die ich aber nie bereut habe, weil mir klar wurde, dass es dabei wirklich im Vordergrund ums Saufen ging. Da habe ich Trennungen unterm Strich als Bereicherung empfunden.

    Umso besser, wenn du einen richtigen Freund hast, der nicht nur Verständnis hat, sondern sogar etwas auf dich achtgibt. Du schreibst, dass er dich nie wieder mit einem Bier sehen will. Du solltest deinerseits darauf achten, dass du ihn in den nächsten Monaten auch nicht mit einem Bier siehst. Er sollte seinen eigenen Konsum in deiner Gegenwart auch unterlassen, was ja sicher kein Problem für ihn/euch ist, da ihr ja vorher keineswegs nur zum Trinken zusammengekommen seid.

    Ich wünsch' dir noch ein aufgeräumtes Gefühl beim "Altlastenentsorgen" und alles Gute


    Trockener Gruß vom Micha

    Hallo Michael,

    ich beglückwünsche dich zu deiner Entscheidung, ein Leben ohne Alkohol führen zu wollen.

    Ich denke nicht, dass Petter's Hinweis auf die Einstellung zu einer stationären Entgiftung dazu taugt, in die Pessimistenschublade geschoben zu werden. Aber das kann ein schriftliches Missverständniss sein und ich will da nicht weiter Wortklauberei betreiben.

    Was ich persönlich nicht verstehe ist, warum du deinen Thread überschreibst: "Der Kampf beginnt"?

    Welchen Kampf meinst du ? Ich frage dich das, weil ich das Trockenwerden ganz anders erlebt habe/erlebe. Ich habe seit ich nicht mehr getrunken habe das Gefühl und zunehmend auch die Gewissheit, den unleidlichen Kampf gegen den Alkohol endlich nicht mehr führen zu müssen. Das ist das was mein Trockenwerden kennzeichnet: Ich habe kapituliert vor der Kraft die der Alkohol auf mich als Alkoholiker ausübt. Ich habe jeden Kampf gegen ihn verloren und habe deswegen vor 7 Monaten beschlossen, mich in keine Auseinandersetzung mit ihm mehr einzulassen und mir stattdessen ein Leben fern ab des Alkohols aufzubauen.

    Und das empfinde ich als sehr befreiend. Und mit jedem Tag mehr, weil ich merke, dass ich mich wirklich von ihm abnabeln kann wenn ich mich erst auf gar keinen Kampf mehr einlassen muss und mir ein Leben ohne ihn bastele.

    Finde ich gerade so schön, nicht mehr dagegen kämpfen zu müssen und endlich so schlau geworden zu sein, den Alkohol aus meinem Leben herauszuhalten. Ich habe dadurch im Lauf der Zeit schon erheblich an Selbstbewusstsein gewonnen und weiß, dass ich keine Auseinandersetzung mehr mit dem Alkohol haben muss um zu wissen, dass ich sehr gut ohne ihn lebe.

    Auseinandersetzen und austauschen tu' ich mich nur noch über den Alkohol, aber nicht mehr mit ihm.

    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem weiteren Weg

    Mit trockenem Gruß vom Micha