Hallo,
ich habe anfang Juni 06 mein letztes Bier getrunken und bin einen guten Monat später hier ins Forum gekommen.
Ich war von Anfang an nur froh, endlich in mir zu spüren, dass ich Nägel mit Köpfen machen würde. Dass ich bereit war. So gab es auch keinen Kampf. Im Gegenteil: der Kampf war nun endlich vorbei.
Heute glaube ich allerdings, dass es vielleicht sein kann, dass es deswegen nicht so schwer war, weil ich unbewusst mit einer Trinkpause kokettierte. Unbewusst.
Ich hatte nämlich gar keine Ahnung, was es bedeuten würde, wirklich und wahrhaftig ein richtiges Leben ohne Alkohol zu führen. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür, hier im Forum gelandet zu sein. Denn ich hatte weder Therapie noch Selbsthilfegruppe und im Grunde Nullahnung, über das WIE.
Heute bin ich recht sicher, dass ich ohne das Wissen dieser unserer virtuellen Selbsthilfegruppe wieder trinken würde. Und wenn noch nicht, dann aber wie Don Quichote dagegen ankämpfen und 100 % verlieren.
Ich hätte vermutlich die Chance, mein Leben wirklich zu verändern verpennt. Obwohl ich nichts lieber wollte. Aber ich wäre in meinem persönlichen Umfeld damit zu allein gewesen.
So wie es nun aber bei mir lief, kann ich sagen, dass ich weder kämpfte noch es mir schwer fällt oder fiel.
Ich beschäftige mich ne Menge mit Alkohol, Alkoholimus, mir selbst und meinem Kontext. Es hat sich daraus ein Weg entwickelt auf dem mir der Alkohol nicht nahekommt. Ich mag ihn nicht. Er richtet viel Schaden an und verblödet die Leute.
Aber ich möchte damit auch nicht sagen, dass es ein leichter Weg ist. Ich glaube, ich bin recht fleißig auf ihm und gehe ihn konsequent. Man darf es nicht schleifen lassen. Man vergisst so schnell, dass man Probleme hatte mit dem Trinken wenn man wieder einigermaßen in der Spur ist.
Darin sehe ich die Hauptarbeit. Die Erinnerung frisch zu halten - sich nicht auf seinen Lorbeeren selbstzufrieden ausruhen, überheblich werden - und Dinge nach und nach aufzuarbeiten. Sein Leben neu auszurichten. Mit neuen Werten anzureichern. Ihm einen neuen Sinn, eine neue Richtung zu verleihen.
Mit all' dem hab' ich so viel zu tun, dass ich weder Zeit noch Interesse hätte, nebenbei noch zu kämpfen. Seit ich verstanden habe, dass es für mich in Bezug auf Alkoholtrinken nur zwei Möglichkeiten gibt, ist meine Welt so angenehm überschaubar geworden, dass ich endlich wieder weiß, worin meine Energie zu stecken Sinn macht.
Ich würde kämpfen und schwer fallen durch "fleißig sein" ersetzen.
Micha