Beiträge von Micha

    Hallo Sungold,

    du schreibst:

    Zitat

    in den letzten wochen ist es mir auch beinahe gelungen

    Gar nichts ist dir gelungen. Du hast vorher getrunken und trinkst immer noch.

    Sieh' ein, dass es für Alkoholiker kein "beihnahe Gelingen" gibt. Ganz oder gar nicht. Darum geht es doch genau beim Alkoholismus. Weißt du das nicht?

    Du hast 2 Möglichkeiten:

    1) Weitersaufen mit ansteigender Tendenz und bis zum bitteren Ende
    2) uneingeschränkte Abstinenz und ein zufrieden-trockenes Leben

    Was dazwischen und "Beinahelösungen" gibt es nicht. Das ist sehr überschaubar.

    Ich persönlich habe mich für 2) entschieden und möchte dir das auch sehr ans Herz legen, denn dieser Weg führt dich zurück in ein Leben, was diesen Namen verdient.

    Trockener Gruß vom Micha

    Hallo Wuezel,

    ich kenne deinen "Fall" nicht im Detail und will zu Antidepressiva & Co auch nichts sagen. Das geht an Komplexität doch weit über das hinaus, zu was ein trockener Alkoholiker aus eigener Erfahrung etwas sagen kann.

    Ich finde es aber völlig indiskutabel von einem dazu bemächtigten, dich auch noch mit Schlaftabletten zu versorgen.

    Wenn du ohne Arbeit nicht schlafen kannst, dann stell' dir um die Zeit, wo du normal zur Arbeit aufstehen würdest den Wecker und geh' 8 Stunden spazieren. Bewegung an frischer Luft ist eine absolute Wunderwaffe.

    Ist mein Ernst, probier's mal und berichte, wie es gewirkt hat.

    Guten Weg wünscht Micha

    Zitat

    Ich finde da einfach keine Stärken; wirklich nicht. Und nach etwas nicht vorhandenem suchen ist zusätzliche Kraftverschwendung

    Hallo Robin,

    das ist doch Blödsinn. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Jeder. Das ist immer so gewesen, ist so und wird so bleiben. Da macht die menschliche Natur auch für dich keine Ausnahme.

    Vielleicht solltest du im Moment nicht zu angestrengt nach Stärken in dir forschen, die du momentan einfach nicht sehen kannst. Hörst du: Du kannst sie nicht sehen. Das heißt nicht, dass es sie nicht gibt.

    Nimm' dir viel Zeit, sehen zu lernen. Die Grundlage für's Sehen aber ist uneingeschränkte Trockenheit.

    Mit der Zeit wirst du deine Stärken entdecken, kultivieren und mehren können.

    Mir persönlich sind schon mal drei Stärken von dir aufgefallen:

    Du hast dich nicht aufgegeben.
    Du reflektierst dich selbst und bist veränderungswillig.
    Du bist lernbereit und willst Hilfe annehmen.

    Das kann sich doch als Startkapital schon sehen lassen, finde ich.

    Alles Gute auf deinem Weg wünscht dir der Micha

    Hallo Kicki,

    für mich persönlich wäre ein Rückfall, wenn ich einsehen muss, dass ich offensichtlich nichts begriffen habe. Ein Alkoholiker trinkt kein Pils, weil er Apfelsaft satt hat, sondern weil er Alkohol zu sich nehmen möchte.
    Das das so ist beweist ja, dass es dir nicht mal geschmeckt hat. Warum also hast du dir das zweite auch noch bestellt ... vielleicht weil dir die Wirkung gefiel?

    Du hattest einen lupenreinen Rückfall und bist dir noch nicht mal darüber bewusst. Du musst in jeder Hinsicht noch mal neu anfangen, bzw. überhaupt anfangen, dir klar zu werden was du willst.

    Was hält dich das nächste Mal davon ab, wieder 2 Pils zu trinken? War doch nicht so schlimm, meinst du?

    Kein Mensch hier kann dir sagen, ob du ein schlechtes Gewissen haben musst oder nicht. Es ist dein Gewissen. Wenn ich davon berichten müsste, dass ich gestern 2 Pils getrunken hätte, wüsste ich in welchem Zustand mein Gewissen wäre. Ich hätte in diesem Moment meine gesamte fleißig neuerworbene Lebensphilosophie zerschossen und schwebte in höchster Gefahr. Dafür brauche ich gar kein Gewissen, ich hätte einfach scheißende Angst, dass ich nicht aufhalten kann, dass es wieder so wird wie es mal war.

    Verlass' dich nicht darauf, dass das Verlangen auf den nächsten Kasten einfach von alleine ausbleibt, bloß weil es heute noch nicht da ist. Das geht mit Sicherheit schief mit dem Rüstzeug was du hast. Du musst dich noch viel mehr z.B. hier im Forum mit Alkoholismus beschäftigen und dich mit anderen austauschen, wie man sich ein trockenes Leben aufbaut.

    Alles Gute wünscht der Micha

    Hallo allerseits,

    bei mir war es so, dass ich mein Leben so wie war satt hatte und es mich. Ich wollte nicht ein paar Biere weniger trinken (Metapher: einige Kilos verlieren durch intelligenteres Essen), sondern 'raus aus der Sackgasse meines Lebens.

    Ich dachte erst nicht darüber nach, was ich ändern müsste, oder wieviel. Aber ich war bereit dieses WAS und WIEVIEL dem Gedanken an ein Leben ohne Alkohol unterzuordnen. Ich hatte endlich begriffen, dass ich nichts mehr schaffen könnte mit Alkohol. Ich wäre immer weiter abgerutscht, noch unter den Punkt an dem ich bereits war und den ich für unwürdig und bereits unlebendig ansah.

    Ich wollte nicht noch mehr eine fremdgesteurte Voodoopuppe sein, kein lebender Toter.

    Als ich dann - hauptsächlich hier im Forum - erfuhr, wo wichtige Einschnitte in mein bisheriges Dasein liegen würden, war ich froh, weil dieses Wissen ja ganz wesentlich meinem trockenen Ziel zuträglich war/ist.

    Ich habe alles, was ich bisher dafür tat als Gewinn gesehen. Ich bin richtig glücklich, nicht mehr trinken zu müssen. Und demzufolge habe ich alles gerne getan, was für ein Leben ohne Alkohol wichtig ist. Jeder einzelne meiner Schritte ist ein Zurück ins Leben. Da kann ich nicht meckern.

    Das war während meiner früheren Trinkpausen anders und oft kam ich an einen Punkt - wie Lilly beschrieb - wo ich nicht weiterkam mit mir und keinem Alkohol und ich dann dachte: " Wenn du eh nicht weiterkommst, dann kannst du auch wieder trinken, dann ist es ja egal."

    So steigerte sich dann die Dosis sogar von Mal zu Mal (Metapher: Jojoeffekt beim Abnehmen), weil ich nichts begriffen hatte und dem Alk wieder die Zügel in die Hand gab. Und der hat nun mal ein sehr einnehmendes Wesen und fragt mich nicht, ob er mich kontrollieren darf. Erst wenn ich aktiv und initiativ werde und ihn ganz bewusst aus meinem Leben banne, kann ich dauerhaft und zufrieden ohne ihn Leben.

    Dieser Jojoeffekt entsteht immer dann, wenn man sich etwas "abzwackt", etwas nicht tut, was man gerne täte. Das Gehirn merkt sich diesen Verzicht und verlangt nachträglich, was ihm "entgangen" ist zurück.

    An dieser Stelle endet auch, was man bewusst durch den eigenen Willen und entgegen seiner inneren Erkenntnis zu tun in der Lage ist. Ein Alkoholiker kann sich Alkohol nicht dauerhaft "abzwacken", ebensowenig wie ein (angehender) Fettsüchtiger.

    Man hat erst eine Chance, die Quälerei zu beenden wenn man Methoden bzw. Handlungen, die einen gesund werden lassen nicht als Strapaze ansieht, sondern als Schlüssel zum zufriedenen Überleben.

    Ich weiß Lilly, ich habe das Thema verfehlt, das du einen Thread zum sammeln von Metaphern eröffnet hast. Mir fällt keine konkrete ein, bzw. ich könnte alles nehmen zum Vergleich. Für mich ist das eine runde Lebensphilosophie geworden, die sich in all' mein Treiben und Tun erstreckt. Ich lebe freiwillig in einer immerhin so freien Welt, die mir ein zufriedenes Dasein dann ermöglicht, wenn ich mir die Freiheiten nehme die ich habe und Dinge tue die gut für mich sind und Dinge lasse die schlecht für mich sind und aufhöre zu beklagen, wie schwer das alles ist.

    Es ist nicht schwer, sondern es ist schön frei zu sein. So frei wie immer möglich. Ich verschwende keine Minute meines Lebens mehr damit an schädlichen und abhängig- und unglücklichmachenden Verhaltensweisen festzuhalten. Wer dick sein will muss viel und falsch essen. Wer betrunken sein will, muss viel und falsch trinken(Alkohol).

    Wer aber innerlich frei sein will, muss sich seine Freiheit nehmen wann immer er die Wahl dazu hat und lernen mit ihr umzugehen. Und dieser Umgang will erlernt oder erarbeitet sein. Das geht nicht von heute auf morgen. Wer aber dieses Lernen als Last empfindet, der hat nicht begriffen was Freiheit bedeutet.

    Ich schaff's heute nicht mehr zurück zur Metapher als solcher :wink: , deswegen ende ich hier mit herzlichen Grüßen vom

    Micha

    Hallo Harry,

    das finde ich sehr wertvoll, dass du uns hier an deiner Aufarbeitung deines Rückfalls nach so langer Abstinenz teilhaben lässt. Ist es doch das, was uns alle am meisten umtreibt. Das ist glaube ich für jeden trockenen Alkoholiker Thema Nummer 1, wie einem so etwas passieren kann. Genau das, was wir alle vermeiden wollen.

    Du hast schon zwei sehr wichtige und nachvollziehbare mögliche "Ursachen" genannt, finde ich.

    1) "... dass ich meine ANGST vor dem alk verloren habe ..."

    2) "... das zweite ist das es doch nicht sein kann dass ich so glücklich bin. also schnell abstrafen ..."


    Ich hab' von mir den Eindruck, das 2) bei mir auch immer eine Rolle gespielt hat. Irgendwie hatte ich immer "Angst vor dem Glücklichsein" und ich hoffe, ich kriege diese "Selbstdeckelung" nun dauerhaft in den Griff. Ich arbeite daran, "gut zu mir" zu sein, mir etwas zu gönnen, mir das Recht herauszunehmen und Gründe zu schaffen, glücklich zu sein.

    Zu 1) würde ich gerne "Angst" durch "Respekt" ersetzen. Ich denke, Angst ist kein guter Berater. Wovor hat man am meisten Angst? Vor Unbekanntem, Unkalkulierbarem, Ungewissem, Unentschlüsselbarem ...

    Ich möchte den Alkohol und seine Wirkung auf mich so lange und täglich durchleuchten, dass er mir bis zur Fadenscheinigkeit transparent erscheint ... genauso, wie er auch ist, wenn ich ihn genau studiere und aus meinem Leben täglich bewusst banne.

    Ich wünsche dir weitehin alles Gute bei deiner Aufarbeitung und würde mich freuen, bald wieder von dir zu hören.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo Toby,

    da hat sich deine zweifaustgroße Masse einen wahrlich genialen Vergleich ersonnen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/a020.gif]

    Ich empfinde/empfand diese anfänglichen Dacharbeiten auch nicht als hart. Im Gegenteil, wenn man der nassen Füße überdrüssig ist, dann freut man sich doch, wenn man lernen kann mit dem Reparaturwerkzeug umzugehen und das Haus nach und nach abzudichten.

    Ich glaube fest daran, dass man die Reparatur bei gewissenhafter Ausführung so solide gestalten kann, dass es dann genügt jeden Tag eine Begehung zu machen, um die etwaigen Schwachstellen auszubessern bevor es reinregnen kann und nach Bedarf die Regenrinne zu reinigen. Das allerdings sehr regelmäßig und gewissenhaft.

    Das ist für ein trockenes Haus als Lebensgrundlage wahrlich nicht zu viel Arbeit.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Da schließe ich mich dir unumwunden an, Kiki.

    Ja Toby,
    ich kann diese Leichtfertigkeit auch nicht begreifen und freue mich über jeden, dem ich auf meinem Weg begegne, der/die diese Ansicht teilt und seine Prioritäten genauso ausrichtet wie du das tust.

    Ich wünsch' dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo Toby,

    finde ich gut deine Einstellung, deinen Weg ohne "Wenn und Aber" rigoros zu gehen.

    Ich möchte nur etwas zum Tiefpunkt ergänzen. Nicht um Worklauberei zu betreiben, sondern weil das ein Punkt ist, der ja immer wieder genannt wird und sehr wichtig ist.

    Ich war durchaus an meinem persönlichen Tiefpunkt. Genau das meinte ich ja, dass man nicht im Krankenhaus an der Maschine hängen muss, dass man nicht seinen Partner grün und blau geschlagen haben muss, dass man nicht auf offenem Straßenland übernachtet haben muss, um zu der Einsicht zu gelangen Alkoholiker zu sein.

    Dieser Punkt ist eben nicht allgemeingültig, sondern persönlich und individuell. Für mich ist es eindeutig ein Wendepunkt für mein gesamtes Leben. Er läutet für mich eine komplett andere neue Lebensphase ein, in der mich zu verhalten ich gerade lerne.

    Es würde sicher bei mir auch noch eine gewisse Zeit brauchen, dass ich am Alkohol dann körperlich zugrunde gehen würde. Aber was ist das, eine gewisse Zeit? Keiner weiß, wie lange es wirklich dauert. Und vor allem will ich dabei nicht um Monate und noch nicht mal um Jahre feilschen.

    Der Punkt ist, dass ich mein Leben in dem selben Moment wo ich eine Flasche Bier zum Munde führen würde, mein Leben wegwerfen würde. Noch bevor ich runtergeschluckt hätte, hätte ich mich gegen mein eigenes Leben entschieden. Über den mickrigen Rest würde dann nicht mehr ich, sondern der Alkohol entscheiden.

    Trockener Gruß vom Micha

    Wie Lillys Beitrag aussagt, geht es um Offenheit und um Ernsthaftigkeit beim Trockenwerden.

    Übrigens muss man dem alkoholischen Tod keineswegs bereits ins Auge gesehen haben, um zu der Einsicht zu gelangen, dass man alkoholkrank ist und es nur eine Frage der Zeit ist, dass man sterbenskrank wird. Das möchte ich nur mal hinzufügen für alle, die denken könnten: "Na so schlecht geht es mir ja noch nicht, dann bin ich wohl nicht alkoholkrank."

    Ich persönlich war körperlich-gesundheitlich noch lange nicht so weit "runter" und bin deswegen besonders dankbar hier im Forum auf Leute gestoßen zu sein, die mir ihre Erfahrungen weitergeben um mich davor zu bewahren. Natürlich kann ich mich nur selbst davor bewahren, aber ich hätte das nicht begriffen ohne die negativen und positiven Erfahrungen von Menschen, die wirklich die beiden Seiten der Medallie kennen, wissen wovon sie reden.

    Ich habe im letzten halben Jahr und hauptsächlich hier im Forum gelernt, was es bedeutet Alkoholiker zu sein und dass ich genau dieselbe Krankheit habe, wie zum Beispiel Lilly. Nicht so eine ähnliche, sondern genau die gleiche. Wenn überhaupt war ich körperlich in einem anderen Stadium. Aber ich weiß heute, was mich in meinem weiteren "Leben" erwartet hätte, wenn ich nicht durch die Erfahrungen von Menschen, die sich als Alkoholiker ein trockenes, zufriedenes Leben erarbeitet haben, die Chance bekommen hätte ebenfalls den richtigen Weg in die Unabhängigkeit einzuschlagen.

    Für mich persönlich würde bei einem Rückfall meine Welt zusammenbrechen. Meine Welt, die ich mir seit 6 Monaten geschaffen habe. Ich kann sagen, dass ich noch nie rückfällig wurde, seit ich das allererste Mal beschloss, nicht mehr zu Saufen. Ich hatte früher schon viele Trinkpausen in denen ich mich erholte. Aber niemals mit dem festen Willen den Alkohol wirklich restlos aus meinem Leben zu bannen. Es gab immer noch ein Hintertürchen zurück zum Alkohol.

    Es war nach den Trinkpausen schon deprimierend genug zu realisieren, dass es nun wieder weiterging mit meinem unkontrollierten Trinken. Zu merken, wie der Alkohol nach und nach wieder Besitz von mir ergriff. Aber das bemerkte ich eigentlich nicht so bewusst, weil ich nicht wirklich ein Rückfallgefühl hatte, wie ich es heute hätte, seit ich täglich und konsequent an meiner Trockenheit arbeite.

    Natürlich ist das Letzte was man machen darf nach einem Rückfall liegen zu bleiben. Aufstehen ist selbstverständlich Pflicht. Und es ist sicher angenehm deswegen nicht abgelehnt zu werden, aber dann heißt es nachdenken, um Hilfe bitten, kapitulieren vor dem Alkohol, statt Redenschwingen fragen und zuhören, Ratschläge annehmen statt Besserwissen. Wirkliche Änderungen im Leben vornehmen und nicht nur mit der Abstinenz kokettieren.


    Trockenen Gruß vom Micha

    Hallo Timster,

    du bist auf dem allerbesten Weg, diese "Arbeit an der Trockenheit und sich selbst" zu begreifen als das, was sie letztlich ist:

    Keine Qual sondern eine Erlösung aus der Abhängigkeit. Arbeit kann eben auch Freude, Genugtuung und Befriedigung sein wenn man sie richtig versteht und macht. Und du machst sie richtig gut.

    Bleib' auf deinem Weg, ich wünsch' dir alles Gute dabei

    Grüße vom Micha

    Hallo Marcel,

    du hattest während deiner sehr kurzen TRINKPAUSE am 5.12.06 geschrieben:

    Zitat

    lilly
    Hast ja einen schlimmen Weg hinter dir. Aber ich finde das zeigt das selbst extremen Fällen geholfen werden kann.
    Von Flachmännern und ähnlichem Gesöff habe ich mich immer fern gehalten

    Was wolltest du uns damit sagen? Dass du ein weniger extremer Fall bist?
    Was sagt mir die Info, dass du keine Flachmänner trinkst? Bist du kein Alkoholiker?

    Was richtig ist, ist, dass jedem geholfen werden kann ... vorausgesetzt, dass er sich helfen lässt. Was hast du noch gelesen, von dem was dir geschrieben wurde?

    Hattest du gelesen, dass es besser ist zum Arzt zu gehen?
    Hattest du gelesen, dass man sich seine Trockenheit erarbeiten muss, indem man sich sehr intensiv und gewissenhaft mit seiner Erkrankung auseinandersetzt?
    Hattest du gelesen, dass es wichtig ist, sich mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen, also beispielsweise hier in unserer Online-SHG?
    Dass es wichtig ist zu lernen von Menschen, die schon viele Erfahrungen haben, sowohl mit dem Saufen, als auch mit einem trockenen Leben danach?
    Glaubst du Lilly hat dir von sich geschrieben um dir zu sagen, dass es bei dir ja noch nicht so schlimm ist und du das so nebenbei - wie du das offensichtlich vorhattest - machen kannst?

    Dann willkommen in der Realität.


    Zitat

    Mein ganzer Bekanntkreis regt sich immerwieder drüber auf das ich ein Sturer Bock bin und nun muss ich einfach mal Stur zu mir selbst sein.

    Das reicht nicht, Marcel. Ganz im Gegenteil. Du musst vor allem offen sein, wenn du eingesehen hast, dass du das nicht alleine packst. Offen und zugänglich gutgemeinten Ratschlägen von Menschen, die wissen wovon sie reden und dir helfen wollen, indem sie dich an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen.

    Ich find's gut, dass du dich wieder gemeldet hast und wünsche mir für dich, dass du begreifst, dass es ohne Hilfe und Austausch nicht geht.

    Erzähl' etwas von dir. Was trinkst du, wenn keine Flachmänner? Und wieviel und wann? Wie war das genau mit deinem "Rückfall" und was denkst , woran bist du gescheitert? Was erwartest du von deiner Freundin? Was bist du bereit in deinem Leben zu verändern, um trocken leben zu können?

    Gruß vom Micha

    Hallo Astrid,

    ich kenne dieses Vorstellungsritual nur vom Hörensagen, weil ich real nie in einer SHG war. Ich finde es hat zwei Aspekte.

    1) Zum einen das Benennen unserer Krankheit mit einem Namen. Das ist sehr wichtig finde ich. Wenn ich Fußpilz habe, sage ich das ja auch. Wem Fußpilz peinlich ist, der muss ihn nicht bennen, aber ein Alkoholiker sollte das zumindest mit seiner Krankheit können. Das gehört zwingend zu trockenen Denken und Handeln.
    Ob nun aber "Alkoholiker" oder "alkoholkrank" finde ich Wortklauberei. Manchmal vereinfachen allerdings regide Sprachregelungen das Verständnis. Denkbar wäre ja beispielsweise auch, dass jemand dem das Wort "Alkoholiker" nicht gefällt erzählt, er habe ein "Problem mit Alkohol", und das ist schon wieder etwas ganz anderes, finde ich.

    2)Dieses dressierte oder verhaltensritualisierte Procedere in solchen Gruppen, würde mir persönlich auch gegen den Strich gehen. Aber nicht weil ich noch Probleme habe, zu sagen ich bin Alkoholiker, sondern weil ich mich nicht als erstes darüber definieren möchte. Ich arbeite ja daran, meine Krankheit dem alles andere in meinem Leben überragenden Status zu entheben. Bin ich Micha, bin ich Mensch.

    Ich bin unter anderem auch Alkoholiker, trockener.

    Hier - in meiner SHG - ist es natürlich selbstverständlich, weil ich deswegen hier bin.

    Mit dem Wort "saufen" habe ich keinerlei Probleme. Gerade das ordinäre daran beschreibt genau das, was ich statt zu trinken getan habe. Ich habe gesoffen, jawoll. Und das war sogar noch viel ekeliger als dieses Wort. Aber auch hier finde ich die Vokabel zweitrangig. Ich habe beispielsweise auch "jahrelangen exzessiven (das Maß überschreitend, ausschweifend) und krankhaften Alkoholmissbrauch" betrieben. Wie man will.

    Sauf- oder Suchtdruck als Gefühl kenne ich übrigens nicht.

    Grüße vom Micha

    Hallo Zhig,

    ich denke prinzipiell ist es in jeder Berufs-oder Gesellschaftsgruppe so, dass man sich zu denen hingezogen fühlt, denen man ähnlich ist. Das heißt für einen Musiker, der gerne trinkt, er wird an Musiker geraten, die das auch tun.


    Die Zeiten des sich die Kante gebenen Rock'n Rollers dürften wohl vorbei sein. In keinem Beruf - incl. des Musikers - kann man im Suff dauerhaft ansprechende Leistungen bringen und diejenigen werden sich durchsetzen, die ihre Gefühle und ihr Wissen ohne bewusstseinsverändernde Suchtstoffe auf ihr Instrument übertragen können.

    Übrigens Zhig, du hattest überlegt Gärtner wäre besser. Da muss ich dich enttäuschen. Ich bin Gärtner und das Nichtsaufen habe ich nicht in meiner Berufsausbildung gelernt, sondern hier im Forum.

    Ärzte saufen, Gärtner saufen, Bauleute saufen, Musiker saufen ...

    Pack's an. Hier kannst du es schaffen, wenn DU es willst.

    Ich wünsch' dir viel Kraft

    Gruß vom Micha

    Guten Morgen Meni,

    das freut mich, was du hier schreibst:

    Zitat

    Ich halte mich jetzt ganz doll an die guten Erfahrungen, die ich in den letzten Wochen gemacht habe: Ich habe mich schon sehr lange nicht mehr so wohl in meiner Haut gefühlt, mein Gefährte konnte sich innerlich endlich wieder ein bisschen entspannen und meine Kinder waren so froh


    Das ist gut, sofort auf die wenn auch erst kurzen, aber guten Erfahrungen zurückzugreifen und sofort dort anzuknüpfen. Du fängst nicht völlig von Null an, sondern hast dich schon etwas verändert in der letzten Zeit.
    Es freut mich dabei besonders, dass du DICH un DEIN Wohlbefinden an erster Stelle genannt hast.

    Aber du wirst noch mal in dich gehen müssen, was da passiert ist, bevor du getrunken hast.

    Hermann hatte da ein guten Ansatz und das hast du ja auch gleich bestätigt, dass er den Nagel auf den Kopf traf. Du solltest erst mal gar nicht darüber nachdenken, etwas von dir zu geben, was du noch gar nicht hast, obwohl dich der Gedanke ehrt, aber das nützt niemandem etwas, sondern schadet nur dir selbst.


    Du hattest geschrieben:

    Zitat

    Ich wünsche mir, dass ich meine innere Einsamkeit verliere. Und sollte mir das gelingen, möchte ich davon ein bisschen abgeben dürfen. Abgesehen von meiner Familie, die an erster Stelle kommt.

    Bleib' doch einfach bei der Reihenfolge, die du dir selbst gestellt hast. Kümmer' dich um deine Krankheit ... deinen Alkoholismus. Lerne mit ihm zu leben und trocken zu werden und dadurch deine innere Einsamkeit abzubauen.

    Stecke die Freude und das Wohlbefinden, dass du daraus gewinnst sofort wieder in deinen eigenen Genesungsprozess und wenn du mal etwas übrig, hast in deine Familie.

    Über mehr würde ich an deiner Stelle bis zum Ende nächsten Jahres gar nicht nachdenken. Keinem Hilfebedürftigen nutzt eine mit sich selbst hilflose Meni.


    Ich wünsch' dir viel Kraft für deinen weiteren Weg.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo liebe Leute,

    ich freue mich natürlich über eure Glückwünsche, aber ich habe nur so als Anhaltspunkt dazugeschrieben, wie lange ich etwa nüchtern bin. Ich habe kein Jubiläum.

    Mir ging es darum, darauf hinzuweisen, wie wichtig es nach meiner Meinung ist, sich vor sich selbst offen einzugestehen, dass man Alkoholiker/in ist. Ich habe über einige Monate der Forumszugehörigkeit den Eindruck bekommen, dass es für sehr viele eine Riesenhürde ist, sich einzugestehen, dass man krank ist, wenn man ein nicht kontrolliertes alkoholisches Verhalten an den Tag legt. Und dass das keineswegs ein Zipperlein ist, sondern eine massive und am Ende den Tod bringende Erkrankung ist. Auch wenn manche vielleicht dieses letzte Stadium nicht so schnell erreichen wie andere, haben wir haben alle die gleiche Krankheit.

    Da gibt es nichts zu beschönigen oder zu relativieren.

    Wenn man erst einmal erkannt hat, dass man von allein sein Alkoholkonsumverhalten nicht kontrollieren kann, hilft kein Herumdefinieren mehr, sondern nur noch der längst fällige Schnitt, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und sich aus der Abhängigkeit zu lösen.

    Und das geht weder nebenbei noch ohne die Hilfe anderer. Und damit meine ich die Hilfe der erfahrenen trockenen Alkoholiker, die schon über viele Jahre ohne Alkohol leben und aus der eigenen Erfahrung praktische Tipps geben können, wie man ein trockenes Leben erlernen kann. Natürlich ist an sich jeder Weg individuell, aber es gibt ein paar Grunderfahrungen in denen sich alle "erfahrenen Hasen" einig sind.

    Ich bin nun wie gesagt 6 Monate trocken und fühle mich beileibe nicht zu diesen alten Hasen dazugehörig. Ich bin auch kein Anfänger mehr, aber es gibt noch eine Menge Unsicherheiten in meinem täglichen Verhalten in Situationen, in denen Alkohol eine Rolle spielt. Ich bin zum Teil etwas verwundert, wie schnell manche Leute, die Jahre oder Jahrzehnte gesoffen haben und sich schließlich eingestehen mussten, dass sie es nicht im Griff haben, nach 14 Tagen schon darüber streiten, wie es richtig geht.

    Ich glaube nicht an Wunderheilung, jedenfalls nicht beim Alkoholismus. Ich habe über mindestens 2 Jahrzehnte mein Bewusstsein durch Alkohol verändert und denke, dass ich noch eine ganze Zeit brauchen werde, um mich guten Gewissens trocken nennen zu können. 6 Monate sind ein guter Einstieg, aber es geht immer weiter und nur durch fleißige Arbeit an sich selbst. Ich muss bereit sein, sehr nachhaltig in meine Verhaltensmuster steuernd einzugreifen, um tatsächlich dem Teufelskreis dauerhaft zu entkommen und nicht nur eine der blöden Trinkpausen einzulegen wie bisher.

    Richtiges Trockenwerden scheint mir ein lebenslanger Prozess zu sein, den ich am Laufen halten werde, denn Stillstand ist dabei Rückschritt und zu schnelle Erfolgüberzeugung kreuzgefährlich.

    Je länger ich ohne Alkohol lebe, desto weniger habe ich Angst vor einem Rückfall, aber mein Respekt davor und mein Bewusstsein, dass er niemals 100%ig auszuschließen ist, wächst parallel dazu an.

    Trockenen Gruß vom Micha

    Hallo zusammen,

    ich bin Micha, Alkoholiker, seit 6 Monaten ohne Alkohol. Ich habe Alkohol getrunken, weil ich nicht genug Strategien erlernt hatte mich, mein Leben, meine Gefühle, meine Realität auszuhalten.

    Also ertränkte ich sie. Soff mir die Realität "schön", ohne zu bemerken, dass sie nicht schöner wurde, sondern ich nur meine Sicht einschränkte und meine Wahrnehmung betäubte.

    Ich hatte das satt. Ich wollte nicht mehr weglaufen vor mir selbst. Wollte lernen, mich selbst nüchtern auszuhalten. Ich möchte nie wieder betrunken sein, egal was in meinem Leben passiert. Bedingungslos nüchtern.

    Ich habe erkennen müssen/dürfen, dass ich ALKOHOLIKER bin. Das heißt, dass ich nicht kontrolliert Alkohol trinken kann. Das hat sich über Jahre und Jahrzehnte entwickelt und wurde immer deutlicher.

    Seitdem beschäftige ich mich sehr mit diesem Thema, dieser Krankheit. Auch mit unterschiedlichen Menschen, wie sie sich herumwinden, mal Klartext zu sprechen. Jeder hat da eine andere Art.

    Ich habe bisher festgestellt, dass ausschließlich Menschen, die offen aussprechen können, dass sie diese Krankheit haben und vor dem Alkohol kapitulieren, eine Chance haben, ein zufriedenes Leben ohne Alkohol zu führen.

    Es gibt im Leben ganz einfache Wahrheiten. Eine davon ist, dass man entweder ein Alkoholiker ist oder nicht. Schwarz -Weiß. Das ist, wie mit jeder anderen Krankheit. Lediglich in einem anderen Stadium kann man sich befinden, aber die Krankheit ist immer die gleiche.

    Aus meiner Sicht entscheidet jeder letztlich für sich, ob er/sie Alkoholiker ist oder nicht. Mich persönlich hat noch nie jemand als Alkoholiker bezeichnet außer ich selbst. Und das ist auch das einzige Kriterium, was für mich zählt. Nur ich kann das für mich erkennen.

    Diese Selbstdiagnose ist für mich der erste Schritt gewesen, hier Hilfe zu suchen in diesem Selbsthilfeforum. Erst als ich einsah, dass ich alleine nicht mit der Krankheit umgehen konnte und ihr in aller Abhängigkeit ausgeliefert war, war ich zugänglich für die Erfahrungen derjenigen, die vielleicht schon spätere Stadien der gleichen Krankheit durchleben mussten als ich. Ich habe hier viel Hilfe gefunden und bin auf einem guten Weg zu lernen, wie ich als trockener Alkoholiker ein zufriedenes Leben führen kann.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo ren-he,

    du schreibst, deine Freundin verstünde diese Krankheit nicht. Wie soll sie auch. Das wäre wohl momentan noch etwas viel verlangt.

    Du hast ja selber noch genug zu tun, deine/unsere Krankheit zu verstehen. Versuch' gar nicht erst, deiner Freundin etwas zu erklären, was du selber noch nicht richtig verstehst.

    Wichtig ist jetzt nur, dass du den sofortigen Absprung findest. Je mehr du selbst verstehst, worauf es ankommt, umso mehr wird sich das auch deinem Umfeld erschließen. Aber es geht nur in dieser Reihenfolge.

    Ein trockenes Leben ist die einzig plausible Antwort und Erklärung die ein Alkoholiker braucht.

    Super, dass du hier ehrlich warst und dabeigeblieben bist. Der Rest wird sich ergeben. Bleib' auf jeden Fall am Ball. Ich wünsch' dir viel Kraft bei deinem neuen Start.

    Grüße vom Micha