Liebe Leonia,
ja, wie bin ich mit der Angst umgegangen?
Ich habe mir anfangs auch Sorgen gemacht und war immer wieder am Boden zerstört, wenn er wieder getrunken hat.
Er hatte es schon mal vor Jahren auf eigene Faust probiert. Es ging 3 Monate gut, dann ging alles schlimmer weiter als vorher.
Organisch war bei ihm noch alles in Ordnung. Aufgrund der Tatsache, dass er unter Alkohol immer so eklig zynisch und beleidigend war, konnte ich wenig Mitleid für ihn empfinden. Es war, als hätte er zwei Persönlichkeiten. Ich sehnte mich nach unserem alten Leben, nach der Persönlichkeit, die ich doch so liebte. Die bekam ich anfangs auch immer mal wieder, Die Enttäuschung wurde aber immer größer, wenn dann doch schnell wieder dieses „Mutantenwesen“, wie ich es nannte, auftauchte.
Das tat dann nur noch mehr weh.
Irgendwann stellte ich fest, dass es besser ist, das gar nicht mehr an mich ranzulassen. Dann erlebte ich diese Enttäuschung und den Schmerz nicht mehr so sehr. Ich fand mich damit ab, dass ich es nicht ändern kann.
Nur war das nicht so einfach, weil ja unser ganzes Familienleben davon abhing und unsere finanzielle Situation. Es entwickelte sich in eine Richtung, welche nicht meinen Lebenszielen entsprach.
Dadurch entwickelte ich diese Abstandshaltung zu dem Menschen, den ich mal so geliebt hatte.
Es regte mich zum Schluss nur noch auf, wenn er wieder irgendwelche Krankheiten hatte. Es waren ja nur Erkältungs-, Knochen- und Psycholeiden. Ich wusste, dass wenn er so weitermachen würde, auch schlimmeres dazukommen wird. Ich begriff aber, dass ich es nicht ändern kann. Zu lange hatte ich schon gekämpft.
Nun, jetzt ist er zwar trocken. Aber meine Abstandshaltung kann sich nicht mehr lösen. Ob das nun gut für mich ist oder nicht, das weiß ich selber noch nicht so genau. Ich denke, es ist ein Panzer zu meinem eigenen Schutz, den ich da aufgebaut habe. Das ist mir alles zu krank und es macht mich krank.
Sollte er jetzt wieder anfangen zu trinken, dann weiß ich, ich werde ihn nicht davon abhalten können. Dummerweise könnte es sein, dass ich mir dann Vorwürfe mache, eventuell mit meiner Abneigung nachgeholfen zu haben. Aber ich bin nicht mehr bereit, mich gegen mein Gefühl zu opfern, nur damit es ihm gut geht. Wenn er wieder trinken sollte, dann ist das eben so.
Er hat mich in der schlimmen Zeit ja auch nicht gefragt, wie ich mich dabei gefühlt habe, hat mich benutzt, ihm alle Unannehmlichkeiten vom Hals zu halten, um in Ruhe seine Sucht zu leben, und mir dafür noch in den Hintern getreten, wenn vielleicht auch krankheitsbedingt.
Ich bin dabei einen Weg zu suchen, der vor allem mir gerecht wird.
Ich wünsche dir viel Kraft.
LG Eklisee 