Hallo Linde!
Ich mache mal den Anfang, ich kehre aber zu dem Zeitpunkt zurück als ich hier anfing zu schreiben.
Ich habe damals gar nichts erkannt was zu Punkt 4 gehört. Ich war zwar schon getrennt aber das geschah aus Selbsterhaltungstrieb. Er war für mich der Böse der mit seiner Trinkerei alles kaputt gemacht hat.
Beruflich habe ich einige Menschen gesehen die einen alkoholkranken Partner hatten. Der Begriff "co-abhängig" wird dabei eher selten gebraucht, eher die Folgen die daraus entstehen können wie z. B. Depressionen bis hin zum Suizidversuch.
Ich sah diese Menschen und zog trotzdem keine Parallelen zu mir, vielmehr dachte ich desöfteren "wie kann man nur immer wieder zu so einem trinkenden Partner zurückgehen. Wie kann man sich mehrmals krankenhausreif prügeln lassen und nicht reagieren?"
Ich habe mir dann immer alles schöngeredet, ich habe bei mir nie die psychische Misshandlung wahrhaben wollen, mir die Schuld gegeben und gleichzeitig eine Stinkwut auf ihn gehabt.
Er war für mich der Schlüssel dazu dass unsere Beziehung wieder funktionieren sollte, er sollte doch endlich aufhören zu trinken. Ich konnte und wollte mich einfach nicht damit abfinden, ich war doch die grosse Kämpferin es musste mir doch gelingen dass er aufhört und alles wird wieder gut.
Als ich hier ankam fing ich an zu lesen und staunte erstmals. Mit einigen Dingen war ich absolut nicht einverstanden. Ich las viel und dachte viel über mich nach, monatelang.
Meine Erkenntnis war dass ich zwar nicht dafür kann dass er trinkt aber wohl dafür kann dass ich in diesem Zustand verharrt habe, dass ich nicht ein armes Opfer bin denn er hat mich ja nicht eingesperrt, ich hätte ja gehen können.
Ich spreche nur mit einer Arbeitskollegin über meine Co-Abhängigkeit, sie hat Ähnliches erlebt und wir können uns gut austauschen und sind mittlerweilen befreundet.
Mittlerweilen sind mir ganze Lichterketten aufgegangen was Co-Abhängigkeit angeht und ich erkenne viele Fallen. Manchmal werden durch eine bestimmte Situation Flashbacks ausgelöst aber damit kann ich umgehen.
Ich muss mir nur immer wieder sagen dass es an mir liegt was ich zulasse und toleriere.
Uff das war aber jetzt lang 
Liebe Grüsse
Speranza