Hallo gipfel!
Co-Abhängigkeit ist mehr als eine Beziehungssucht, sie beinhaltet noch ganz andere Störungen besonders ein mangelndes Selbstwertgefühl.
Das kann sich aus verschiedenen Gründen entwickeln und hat mit Alkohol nichts zu tun denn es ist meistens schon vorher da.
Co-Abhängige sind oft sogar sehr tüchtige Menschen die viel leisten und trotzdem nie mit sich zufrieden sind. Sie wünschen sich nichts mehr als anerkannt und geliebt zu werden und zahlen dafür oft einen hohen Preis.
Sie haben für alles und jedes ein offenes Ohr und eine Lösung parat.
Sie sind es nicht gewohnt dass sie so geliebt werden wie sie sind sondern meinen immer sie müssten etwas dafür leisten. So war es zumindest bei mir.
Mein grösster Wunsch war immer Er würde mich so lieben wie ich bin und mich nicht immer versuchen mich nach seinem Weltbild zu formen. Ich habe mich aber anfangs nicht dagegen gewehrt sondern war unendlich traurig.
Alkohol spielte am Anfang meiner Beziehung eine sehr geringe Rolle. Das Problem war dass ich von mir selber eine total falsche Wahrnehmung hatte, alles auf mich bezog und die Schuld bei mir suchte.
Er war nie der Mittelpunkt meines Lebens sondern meine Familie insgesamt, ich habe aber vieles um des lieben Friedens Willen gemacht. Ich war in all den Jahren wie ein Dampfkessel der ab und zu explodierte und hatte damit auch kurzfristigen Erfolg.
Der Umschwung kam vor ca. 10 Jahren als ich anfing psychiatrisch zu arbeiten. Ich kam mir plötzlich unglaubwürdig vor wenn ich anderen Leuten helfen sollte die ähnliche Probleme haben und ich selber änderte nichts an meiner Situation.
Ich wurde immer unzufriedener und begann mich zu wehren er fing an immer mehr zu trinken und mir die Schuld zu geben. Es war ein ganz langsamer Prozess in dem ich lernte mich wahrzunehmen und auf das zu hören was ich eigentlich wollte.
Ich habe noch mehrere Jahre damit verbracht ihm zu helfen bis ich begriffen habe ich kann ihm nicht helfen. Ich musste akzeptieren dass er ein eigenständiger Mensch ist und nicht mein Kind oder mein Patient.
Meine Trennung erfolgte wieder nach dem "Dampfkesselprinzip" aber egal, Hauptsache ich habe es geschafft auszusteigen.
Es war aber keine spontane Reaktion sondern für mich der einzig mögliche Weg. Ich habe mich von seiner Sucht distanziert und will davon nichts mehr hören.
Gegenüber fremden Leuten habe ich kein Helfersyndrom, ich kann sehr gut NEIN sagen.
Beziehungstechnisch kann ich gar nicht sagen wie es weiterhin aussehen wird, schon der Gedanke wieder auf jemanden Rücksicht zu nehmen schreckt mich ab. Aber das ist auch noch kein Thema ich möchte mich erstmals weiterhin festigen und das kann ich besser ganz alleine.
Liebe Grüsse
Speranza