Mein Stiefvater haette letzte Woche Geburtstag gehabt, er waere 61 Jahre alt geworden. Er ist 2007 verstorben. Er hatte Krebs der Mundschleimhautdruesen, dass kam vom Rauchen und Alkohol hat sicherlich auch viel dazuzugetragen. Selbst waehrend seiner Chemo und Bestrahlung hat er nicht auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, es ging immer froehlich weiter. Er ist von fast 100kg auf 60kg abgemagert, Essen war schlimm da sein Mund wie rohes Fleisch gewesen ist, aber trinken und rauchen, dass ging immer. Seit laengerer Zeit hat er damals bemerkt, dass sein Bein dick war, seine eine Physiotherapeutin meinte, er sollte dringend einen Termin beim Arzt machen, dass koennte eine verschlossene Vene sein, hatte sie damals vermutet. Er hatte einen Termin gemacht beim Arzt, aber zwei Tage vor dem Termin ist er im Badezimmer zusammengebrochen, keiner hat es gehoert, es muss in den fruehen Morgenstunden gewesen sein, am Abend zuvor war er noch einen Trinken. Meine Schwester, die zu diesem Zeitpunkt daheim gelebt hatte, hat ihn gefunden, Gottseidank hat sie die Tuer nicht richtig aufmachen koennen, denn der Koerper meine Stiefvaters hat davorgelegen, sie hatte nur eine richtig grosse Blutlache gesehen und sofort den Krankenwagen gerufen. Leider konnte man nichts mehr machen, er war tot, von heute auf morgen.
Meine Mutter sollte diesen Tag allerdings auch ins Krankenhaus. Sie hatte in letzter Zeit sehr abgenommen, ich hatte meine Mutti bereits ueber ein Jahr nicht mehr gesehen, da ich nach England gezogen war. Es hiess nur, sie will ins Krankenhaus. Mein Stiefvater wollte sie an dem Tag an dem er verstorben ist, ins Krankenhaus fahren, das ganze hat sich dann einen weiteren Tag verschoben, mein Onkel hat sie dann am darauffolgenden Tag hingebracht. Ich hatte in der zwischenzeit ein Flugticket gebucht und war schon auf dem Weg nach Deutschland. Was meine anderen drei Geschwister und ich am naechsten Tag aber zu hoeren bekommen hatten vom Arzt im Krankenhaus, hat uns wirklich den Boden unter den Fussen weggezogen. Es wurde gesagt, dass unsere Mutter Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium hatte, man wuesste nicht wie lange sie noch leben wird, er haette aber schon gestreut und war offen. Nach und nach in den darauffolgenden Tagen hatten wir rausbekommen, dass meine Mutter 10 Jahre zuvor einen Knoten in der Bruste gefuehlt hatte. Sie hatte sich aber nicht getraut zum Arzt zu gehen, damals waren meine zwei juengsten Geschwister erst 12 und 11 Jahre alt. Sie hatte Angst, dass wenn es Brustkrebs waere und sie ins Krankenhaus muesste, dass mein alkoholkranker Stiefvater haette Verantwortung uebernehmen muessen. Sie hat das nicht gewollt, sie war so in Ihrer Co-Abhaengigkeit verhangen, dass sie ihre Gesundheit und ihr Leben riskiert hat. Nur durch eine gute antroposophische Klinik in Berlin, die sie palliativ behandelt, ist es noch moeglich, dass sie nach wie vor lebt, sie ist ein kleines Wunder, sie sieht sehr alt aus, ist auf dem einen Auge blind und kann ihren einen Arm nicht mehr richtig fuehlen, weil der Krebs dort schon Nerven angefressen hat.
Co-Abhaengigkeit kann uns auch toeten, dass musste ich mir an diesem Tag sehr deutlich bewusst machen.
Das war mein reflektieren, diesen Vorfall in meinem Leben werde ich niemals vergessen koennen, aber ich kann daraus lernen, ihn mit anderen teilen und sagen, ja ich bin ein erwachsenens Kind eines Alkoholikers und einer co-abhaengigen Mutter und ich selbst weiss was es heisst Co zu sein.
Liebe Gruesse,
JJE