Guten Abend zusammen,
möchte euch noch von meiner letzten Therapiestunde berichten....da ging es ja um meine selbstgeschriebene Geschichte über mich als kleines Mädchen. Einen Abend vor der Therapie habe ich die Geschichte meiner besten Freundin am Telefon vorgelesen und da war ich total aufgeregt dabei, musste mich ständig räuspern, mein Herz raste und ich habe sehr schnell und hastig gelesen....aber irgendwie brauchte ich unbedingt ein Feedback von ihr....war ich doch so stolz darauf, überhaupt etwas zu Papier gebracht zu haben. Sie fand die Geschichte schön und sie hat gesagt, das ich am Anfang noch mehr als Erwachsene geschrieben habe, aber zum Schluss hätte sie deutlich gespürt, das ich mich voll in die Rolle als Kind hinein versetzt habe und auch sehr kindlich geschrieben habe. Sie fand es gut, das ich mich wirklich darauf einlassen konnte.
Am nächsten Morgen habe ich auch meiner Therapeutin erzählt, das ich die Geschichte meiner Freundin vorgelesen habe, und sie fand das nicht ganz optimal....sie meinte, das es nicht gut wäre, wenn ich bei so einer Hausaufgabe für die Therapie, vorher mit jemandem darüber spreche, da ich dann ja schon beeinflusst werde und ich es dann nicht mehr so unverfälscht in die Therapie mitbringe. Und ich denke auch, das sie damit Recht hat, in Zukunft werde ich versuchen, das nicht mehr zu tun. Ich meine, sie konnte es schon verstehen und fand es auch in Ordnung, das sollte nur ein Hinweis für eventuelle zukünftige Hausaufgaben sein. Das hat wohl auch viel mit dem Wunsch nach Bestätigung zu tun, oder auch das ich hören möchte...."das hast du gut, das hast du richtig gemacht"....doch das ist gar nicht wichtig, es geht dabei nicht um eine Bewertung, es geht nicht um richtig oder falsch- es geht einfach nur darum, das ich mich darauf einlasse, das ich versuche mich darauf einzulassen.
Sie hat den Spiess dann umgedreht und mir vorgeschlagen, das sie mir meine Geschichte vorliest. Und dann hat sie mir meine Geschichte vorgelesen und das war irgendwie ganz anders, bißchen merkwürdig, doch auch total interessant. Es hat eine gewisse Distanz geschaffen, einen Abstand und ich konnte so mal etwas neutraler auf die kleine Lena gucken und das was ich hörte gefiel mir. Danach haben wir erstmal nur kurz darüber gesprochen und dann sollte ich ihr meine Geschichte auch nocheinmal vorlesen. Diesmal war ich deutlich entspannter und ruhiger dabei, als den Abend vorher. Wir haben noch viel darüber geredet und es ist mir klar geworden, das ich in den ersten ca. 10 Jahren meiner Kindheit noch recht "normal" bzw. gesund aufgewachsen bin. Der Alkoholismus meines Vaters war natürlich schon vorhanden, doch die massive Gewalt meines Vaters gegen meine Mutter trat erst später auf. Und in dieser ersten Zeit meiner Kindheit konnte ich mich ganz normal in meiner Persönlichkeit entwickeln und da liegen auch heute noch ganz viele Ressourcen, welche ich vielleicht wieder (neu) entdecken kann. Diese Erkenntnis tut mir sehr gut und ich finde es wirklich hilfreich, das meine Therapeutin nicht nur auf das Schlechte und das Schwere in meiner Geschichte guckt, sondern das sie versucht, das ich aufmerksamer und genauer hingucke, weil es war zwar viel schlecht, aber es war eben nicht alles schlecht. Sie sagt auch öfter zu mir, das nicht alles schlecht gewesen sein kann, weil ich mich sonst nicht zu dem Menschen entwickelt hätte, der ich heute bin.
Okay, auch das Schwere kommt noch auf mich zu....doch es tut mir sooo gut, das auch bei mir etwas gut war, das da auch ein bißchen Normalität war....ich weiß nicht, ob ich dafür die richtigen Worte finde....es ist schwer zu beschreiben/ erklären...
Lass das mal so stehen.
In der nächsten Woche habe ich mir vorgenommen, mich nach kleinen Läden umzuschauen und mich vorzustellen- möchte erstmal gerne auf 450 € Basis wieder anfangen zu arbeiten. Habe ein bißchen Angst, aber ich werde ja sehen, wie die Chancen so stehen.
Wünsche euch einen guten Start in die neue Woche, LG Lena 