Beiträge von Mrs. Pickwick

    Hallo Die_Frau,

    womit ich mir geholfen habe, wenn er gejammert hat, dass er ja sooo allein ist?

    Anfangs war es ziemlich anstrengend, nicht wieder weich zu werden und auf die Masche (das ist es nämlich, eine Masche!) hereinzufallen.

    Mir ist wirklich erst sehr spät aufgefallen, dass ich diejenige war, für die niemand da war. Ich war allein! Deshalb habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich mich um mich selber kümmern muss und keine Energie übrig habe, die ich in einen hoffnungslosen Fall investieren kann.

    Und wie oldie das gesagt hat: Ich bin zum Schluss regelrecht sauer geworden, wenn ich auch nur den Ansatz von Gejammer gehört habe. Das hat am besten geholfen.

    Dann gab es nur eins: Hörer auflegen und nicht mehr reagieren! (Notfalls noch Stecker ziehen und Handy auf stumm.) Ablenkung suchen: Fernsehen, DVD, Buch, Freunde besuchen oder Freundin anrufen... alle möglichen anderen Aktionen, nur nicht mehr dieses Geseier anhören!

    Tja, inzwischen haben sich viele meiner Freunde von früher wieder gemeldet, die den Kontakt wegen "ihm" abgebrochen hatten. Mittlerweile bin ich nur noch allein, wenn ich das will - und das genieße ich dann so richtig.

    Ach ja: Ich sage mir auch immer wieder, dass ich keine Perlen vor die Säue werfen darf!

    Hallo Hans,

    aus meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass es wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle für den Alkoholiker spielt, wenn sein(e) Co weg ist. Anfangs ist vielleicht so etwas wie "Katzenjammer" da, der letztendlich aber an der Trinkerei nichts ändert. Wohl eher im Gegenteil, denn jetzt bietet sich ja gleich noch ein weiterer Grund zum Saufen, wenn der böse Co einen aber auch ach so übel im Stich gelassen hat.

    Andersrum wird ein Schuh daraus: Wenn ein Co weg ist, muss der Alkoholiker beim nächsten potentiellen Co erst einmal einen guten Eindruck machen - und notfalls eben heimlich saufen, bis die Sache "sicher" ist. Will sagen, er nimmt sich vielleicht zum Anfang einer Beziehung etwas zusammen. Am Ende ganz bestimmt nicht mehr.

    Wie Melinak das so treffend bemerkt hat, steht ja fast an jeder Ecke ein neuer Kandidat. Sobald ein neues Zielobjekt gefunden ist, geht die Geschichte munter da weiter, wo sie mit anderen Statisten kurz vorher aufgehört hat. Und wenn sich keiner mehr findet, ist das auch wieder ein Extra-Grund zum Saufen.

    Zwei meiner Ex' trinken heute mehr als vor der Trennung. Der Alkohol ist folglich der bestimmende Faktor geblieben. Dabei bin ich mir sicher, dass beide genau wissen, dass sie ein Problem haben - und kümmern sich nicht weiter darum, denn sie können bisher offenbar ganz gut damit leben.

    Es gibt vielleicht auch Ausnahmen. Ich kenne nur keine - und werde auch ganz sicher nicht danach suchen, denn ich will mein Leben noch eine Weile genießen!


    LG

    Mrs. P. 8)

    Hallo Roseanne,

    da wo du jetzt bist, war ich selber jahrelang. Obwohl ich genau wusste (insgeheim auf jeden Fall), dass sich an der Situation nichts ändern wird, wenn ich nicht aktiv werde, habe ich viel zu lange gehofft. Inzwischen bin ich tatsächlich auch zweimal geschieden, obwohl ich mir das nie vorstellen wollte...

    Dir ist ja auch schon aufgefallen, dass sich die Geschichten alle irgendwie gleichen. Nächtliches Aufwecken, bei gesellschaftlichen Anlässen aus der Rolle fallen, Vorwürfe, das Unterstellen von Affären... die Liste ließe sich fortsetzen, aber das ist wohl kaum nötig.

    Dann, auf der anderen Seite, gibt "er" sich wieder liebevoll und charmant, ist hilfsbereit und zuvorkommend... Zweckgebunden! "Er" merkt selber, wenn es "mal wieder nötig" ist, sich einzuschleimen. Zuckerbrot und Peitsche wechseln sich ab. Ein Klassiker eben.

    Wie du geschrieben hast, herrschen momentan gerade Funkstille und dicke Luft. Lass mich raten: Die Fortsetzung sieht wahrscheinlich so aus, dass er aus dem Haus geht und sich ordentlich zuschüttet. Du sitzt inzwischen daheim und machst dir Sorgen ohne Ende. Wenn er dann zurück kommt, wird er dir vielleicht auch noch vorwerfen, es sei deine Schuld, dass er säuft. Auch das ist sooo typisch!!!

    Dass du mit Rückenschmerzen aufwachst, ist wirklich nicht verwunderlich. Das kommt nämlich von der großen Last, die du dir auf die Schultern packen lässt. Du machst dir rund um die Uhr Gedanken und Sorgen - allerdings nicht um dich selbst! Damit solltest du aber endlich anfangen! Vom Abwarten wird sich nichts ändern und dir wird es immer schlechter gehen, wenn du nicht aktiv wirst.

    Ich habe dergleichen zuletzt über 10 Jahre "mitgemacht", im wahrsten Sinne des Wortes, also sein Spiel gespielt und seine Sucht unterstützt. Letztendlich kommst du als Co nur aus dem Teufelskreis heraus, wenn du dich abzugrenzen lernst.

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du einen Weg findest, deine Energie für dich selbst einzusetzen. Du hast es nötiger! Ein Alkoholiker findet immer einen Weg, seiner Sucht zu huldigen. Er braucht dich in Wirklichkeit gar nicht.

    LG

    Mrs. P.

    Hallo Schmetterlingsfee,

    zwar bin ich neu hier im Forum, habe aber jahrelange Erfahrung aus zwei Ehen mit Alkoholikern. So kann ich ganz gut nachvollziehen, wie es dir teilweise geht. Wenn er gerade mal nicht oder weniger trinkt, freut man sich - und ist dann umso enttäuschter, wenn er wieder auf dem alten Level ist. Am schlimmsten ist aber das Gefühl der Machtlosigkeit.
    - Stimmt's?

    Du schreibst, dass er erst angefangen hat, verstärkt zu trinken, als er sich das Rauchen abgewöhnen wollte... HALLO! Suche doch keine Entschuldigung für ihn! Und dann schreibst du, dass du schwanger warst und deshalb nicht die Kraft hattest, Grenzen zu setzen.... Noch einmal HALLO! Du bist schwanger und er hat keine bessere Idee, als zu saufen? Und inzwischen ist deine Tochter sechs Jahre alt. Toll. Sie durfte also schon ihr ganzes Leben lang sehen, wie ihr Daddy trinkt. - Kennt sie ihn eigentlich auch nüchtern? Ich meine RICHTIG nüchtern!

    An dieser Stelle muss ich mal BC zitieren:

    Zitat von BlueCloud

    Wenn man einen süchtigen Partner hat, dann hat eine Trennung nichts mit Wut oder Enttäsuchung zu tun - dann muß man schauen, dass man sein eigenes Leben rettet, weil man irgendwann unweigerlich mit aufgebraucht wird.

    Das sehe ich ganz ähnlich!

    Dein Mann ist Alkoholiker. Das bedeutet, dass er immer weiter und immer mehr trinken wird, wenn kein "Wunder" geschieht. Das bringt die Sucht so mit sich. Allein schafft er es sicher nicht, wie du gesehen hast. Er braucht professionelle Hilfe, die du ihm gar nicht geben kannst!

    Wenn du dich über Alkoholismus und seine Folgen richtig informierst, wird dir klar werden, dass du irgendwann mit einem gesundheitlichen Wrack zu tun haben wirst, über kurz oder lang vielleicht sogar einem Pflegefall - aber auf jeden Fall nie mehr mit dem Menschen, der dein Mann einmal war, bevor er getrunken hat. Das ist er schon jetzt nicht mehr und mit der Zeit wird es nur schlimmer!

    Stell dir die "10-20-Jahre-Frage"! Wenn er nicht aufhört, kannst du ihm gemeinsam mit deiner Tochter zuschauen, wie er jämmerlich eingeht. Das kann man leider nicht schöner sagen. Aber man kann sich und seinem Kind den Anblick ersparen.

    Ich sage jetzt nicht, dass du dich trennen sollst. Nimm meine (harten) Worte als Anregung zum Nachdenken und entscheide dann deine weitere Vorgehensweise selber.

    Nichts für ungut.

    Mrs. P.

    Hallo Hartmut,

    letztendlich läuft ein Helfersyndrom ja darauf hinaus, dass man sich ausnutzen lässt. Das würde mir schon auffallen. Sogar recht schnell.

    Es hat lange gedauert, aber ich habe gelernt wie ich "Nein" sagen kann, also Grenzen ziehen. Ich mache nichts mehr, worauf ich keine Lust habe, nur um Anderen einen Gefallen zu tun.

    Alles alleine managen? Während der Andere sich einen Lenz macht oder jammert? - Mit mir nicht mehr!

    Inzwischen bin ich recht großzügig geworden: Ich gebe dem Anderen eine tolle Chance, etwas aus eigener Kraft zu bewegen. 8)

    Darauf zu warten, dass jemand von "außen" das erkennt, kann lange dauern. Dass derjenige dann auch noch etwas dazu sagen wird, sicher noch wesentlich länger...

    Wenn ich schon unbedingt jemand helfen will, dann am besten mir selber.

    (Das liest sich jetzt sicher ziemlich radikal, aber ich musste mir das anfangs immer wieder selber sagen - so lange, bis ich es kapiert hatte.)

    Hallo,

    obwohl ich ganz neu hier bin, erfreche ich mich jetzt doch, meinen Senf dazu zu geben.

    Als (zurzeit) trockene Co kann ich über Unmengen an Erfahrungen berichten, die ich auf meinem langen Weg gemacht habe. Wenn ich darüber schreibe, werden sich Einige in meiner Geschichte wiedererkennen, sich ihre Gedanken machen und vielleicht auch den Mut fassen, in ihrem eigenen Leben endlich eine Änderung vorzunehmen.

    Allerdings befürchte ich, dass es nicht ausbleiben wird, stellenweise das eine oder andere Detail zu erwähnen. Dabei ist es mir aber nicht daran gelegen, meine(n) Ex mies zu machen und/oder zu jammern, wie übel das doch war. Es liegt mir auch absolut fern, mich über Trinkmengen auszulassen oder das arme Opfer zu spielen.

    Mir ist vollkommen klar, dass ein "nasser" Abhängiger seinen Weg aus der Sucht selber gehen muss. Egal, was sein Suchtmittel ist. Dazu muss er aber erst einmal erkennen, dass er krank ist! Im Endeffekt kommen aber doch sicher nur (oder zumindest vorwiegend) Hilfe Suchende hier an, die gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt.

    Als Co braucht man hauptsächlich eines: Bestätigung. Die Bestätigung, alles richtig zu machen, eben ein guter Mensch zu sein. Vielleicht auch als Sahnehäubchen noch die Bestätigung, dass es eine gute Entscheidung ist, einen Entzug (sprich Trennung) durchzuziehen.

    Natürlich ist es müßig, immer wieder die gleichen Stories zu hören oder zu lesen. Es würde mir auf Dauer auch auf den Keks gehen, wenn ich von einer Person über einen langen Zeitraum ständig dieselbe Leier serviert bekäme und sich nichts bewegt. Von daher kann ich den Unmut von BC schon nachvollziehen.

    Ich selber hab's geschafft, bin "trocken" und froh darüber, dass ich die dafür notwendige Energie irgendwann nicht mehr mit Gejammer verschwendet habe.

    Trotzdem würde ich mich nicht getrauen, mit Steinen zu werfen...

    Hallo,
    es hat lange genug gedauert, bis ich endlich hier gelandet bin... Dabei war mein Weg sicher nicht allzu verschieden von den anderen.

    Mein persönlicher Tiefpunkt war NICHT erreicht,

    als er mir direkt ins Gesicht sagte, dass er fremd geht,
    als er mich zum hundertsten Mal vor Freunden blamierte,
    als der zwanzigste Anruf vom Krankenhaus kam, wo man ihn mal wieder eingeliefert hatte, weil er hilf-, orientierungs- oder bewusstlos irgendwo aufgegriffen wurde...

    Das alles habe ich mir über zehn Jahre lang gefallen lassen.

    Als er mich dann zur Krönung auch noch geschlagen hat, war das Ende erreicht.

    Nicht Wut, nicht Enttäuschung, nicht Traurigkeit... NICHTS mehr.

    Ich habe ihn mit der Polizei aus der Wohnung holen lassen.

    Er hatte knapp 3 Promille.

    Trotzdem konnte ich da keine Rücksicht mehr nehmen: Anzeige wegen Körperverletzung, Unterlassungsurteil, endgültge Trennung.

    Heute geht es mir viel besser!