Hallo Lena!
Ich finde deine innere Reaktion auf die Gesprächsabsage vollkommen verständlich, und das hört sich für mich gar nicht seltsam an... ich hatte mich eher gewundert daß das erst mit einem Tag "Verspätung" so kommt - aber das kenne ich zur Genüge von mir selbst...
Dein Exfreund zeigt ja im Grunde nichts anderes, als daß ihm nicht viel, zumindest sehr viel weniger als dir an einer Aussprache liegt. Während du da lange Zeit drauf hingearbeitet hast, dich vorbereitet hast, alles im Freundeskreis und mit deiner Therapeutin abgewogen hast --- sagt er einfach so ab.
Ich bin mir nicht sicher, ob "Abschlußgespräche" nach dem Ende einer Partnerschaft überhaupt so viel bringen wie man sich davon manchmal erhofft (ich hatte dies Bedürfnis auch immer wieder bei der Frau von der ich mich so lage so schlecht lösen konnte), aber wenn... dann doch eher recht bald nach dem Ende, aber zwei Jahre später? Das ist ein Zeitraum, in dem ein gesunder innerer Abstand gewachsen sein sollte, eine Zeit, nach der es möglich sein sollte nach vorn zu schauen und die Gegenwart zu gestalten anstatt zurückzublicken... (ich konnte das allerdings auch sehr, sehr lange nicht).
Was mich angeht - und vielleicht findest du dich da wieder -, ich konnte das einfach deswegen nicht weil ich Angst hatte die Traurigkeit, die mit einem endgültigen (und überfälligen) Loslassen verbunden gewesen wäre, zuzulassen. Ich bin davor weggelaufen. Ich wollte das nicht fühlen und hab mich lieber immer weiter in Illusionen verloren. Das hat mich viel Zeit gekostet, und es hat mir viel von meiner Würde genommen...
Du schreibst: "ich fühle mich gerade so als hätte ich mich erst jetzt getrennt" - genau das wird auch so sein. Aber besser "erst" jetzt als noch immer später; und du schreibst: "ich glaube, es kommt erst jetzt die lange unterdrückte Trauer wegen der Beziehung und der Trennung hoch" -- auch das wird so sein: erst jetzt kannst du sie zulassen, vorher hast du das nicht sondern dich davor geschützt. Das ist ja nicht einfach falsch. Du bist trocken geworden. Dafür hast du deine Kraft gebraucht. Und das ist eine große Leistung! (und einen unangenehmen Job aufgegeben und dir deine Wohnung schöngemacht und eine Therapie begonnen...)
So gesehen hast du dich selbst geschützt indem du die Realität der Trennung nicht ganz klar gesehen hast. Aber ewig klappt das nicht... und die Absage deines Exfreundes führt das nun ja klar vor Augen. Vielleicht ist es ganz gut so.
Du schreibst: "mittlerweile glaube ich auch nicht mehr daß ich vernünftige Antworten auf meine Fragen bekommen werde"; ich habe keine bekommen. Die Gespräche die ich hatte waren mehr Monologe meinerseits als irgendwas. Ich persönlich hätt mir das besser erspart; ich kann nicht für dich reden aber mich hats nur in einer Vergangenheit festgehalten die mich gehindert hat mein Leben HEUTE zu leben.
Das hast du nicht nötig denk ich. Versuch es loszulassen, auch wenn es wehtut... zum Loslassen braucht man nur sich selbst. Nur zum Festhalten gehören zwei. Du wirst das schaffen, und es macht dich frei für das Leben. Genau das hast du dir verdient!
Ich wünsch dir die Kraft dazu und glaube auch fest daß du die hast.
Drück dich, Lieben Gruß, Frank