Guten Morgen Lena,
nein Du trittst mir überhaupt nicht zu nah mit Deiner Warnung – im Gegenteil, ich empfinde das als sensibel und zugewandt. Und es ist ja auch nicht so, daß ich mir der Fallstricke, die mir da drohen können, nicht bewußt wäre.
„Gefahren“ sehe ich auf zweierlei Art. Das Eine ist die Tatsache, daß diese Frau weiterhin Alkohol konsumiert. Dem kann ich nur auf die Art begegnen, mit der ich Alkohol generell begegne: ich setze mich dem nicht aus. Wir können uns nur sehen, wenn kein Alkohol im Spiel ist – das halte ich auf jedem Gebiet meines Lebens so (ich gehe bspw. bis heute generell nicht in Restaurants, da ich keinen Einfluß darauf habe was an den Nebentischen so passiert), und bezogen auf diese Frau halte ich das erst recht so. Bei mir zuhause ist Alkohol eh verboten, für jeden der mich besucht. Wenn ich zu ihr gehen würde und dort stände Bier auf dem Tisch würde ich wieder gehen bevor ich auch nur die Jacke ausgezogen habe – und das weiß sie auch, das muß klar sein und ist es auch.
Die andere Gefahr ist, daß ich durch ihre Ängste vor Nähe, Verlassenwerden, Bindungen (die sie als gefährlich erlebt hat) immer wieder in die Sorte emotionale Achterbahn geworfen werden könnte, die ich aus früheren Zeiten mit ihr so gut kenne. Das sind Themen, die sie auch in einer knapp zweijährigen Therapie wohl nicht endgültig überwinden konnte – oder, wie meine Therapeutin in der LZT gesagt hatte, dies bleibt ein Lebensthema.
Während ich der ersten Gefahr – durch den Alkohol – recht einfach begegnen kann (durch eine klare Haltung der Risikominimierung und Abgrenzung) ist das zweite wesentlich schwieriger. Immerhin kann sie über ihre Ängste mittlerweile mit mir sprechen. Aber es bleibt eine Gratwanderung, und mir ist sehr bewußt, daß zu einer Trockenarbeit auch gehört, solche emotionalen Gratwanderungen zu vermeiden oder zumindest dann abzubrechen, wenn sie mich emotional runterziehen würden – und damit mich indirekt gefährden würden...
Etwas, was ich in dieser Zeit allerdings auch merke, ist daß ich in mir eine ganz andere Stabilität habe als damals zu nassen Zeiten. Ich bin innerlich unabhängiger. Ich würde natürlich gern, sehr sehr gern mit dieser Frau eine stabile und gute Partnerschaft aufbauen. Aber vielleicht stellt sich heraus, daß das einfach nicht geht; aber dann werde ich nicht verzweifeln, sondern mich auf eine gute Art aus der Sache verabschieden. Ich merke heute, daß ich auch gut allein funktioniere, ohne jemand an meiner Seite leben kann; das war früher ganz anders, da fühlte ich mich allein nicht wie etwas Ganzes sondern wie eine Hälfte, die ihr Gegenstück braucht um vollständig zu sein.
Und im Wissen um diese Stabilität – auch darum daß ich mir die schwer erarbeitet habe und sie nicht mehr gefährden will und darf – versuche ich eben, zu schauen, was uns als Paar möglich ist und was nicht. Mit Blick darauf daß es vielleicht ales zu wenig sein könnte.
Für Deinen einfühlsamen und zugewandten Text möchte ich mich bedanken, er hat mich sehr gefreut und mir gezeigt, daß ich in diesem Forum gut aufgehoben bin. Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag (mieses Wetter herrscht hier aber die Farben sind wunderbar...)
LG Frank