Beiträge von garcia

    Guten Morgen Öööö,

    bezüglich des Gelassenheitsspruchs war mir immer der dritte Teil - "...und die Weisheit, beides voneinander zu unterscheiden" -, der Wichtigste; er enthält ja das Annehmenkönnen und das Verändernkönnen in sich und beinhaltet eine Aufgabe, die nie ganz fertig wird, in der wir lebenslänglich stehen und von deren Bewältigung jede Gelassenheit entscheidend mit abhängt.

    Gerade wenn unvorhersehbare Dinge geschehen habe ich es nötig, erfassen zu können, was davon ich annehmen und was davon ich gestalten kann, und aus diesem Wissen kann dann eine Gelasssnheit im Umgang damit entstehen...

    LG Frank

    Guten Morgen Lena,

    nein Du trittst mir überhaupt nicht zu nah mit Deiner Warnung – im Gegenteil, ich empfinde das als sensibel und zugewandt. Und es ist ja auch nicht so, daß ich mir der Fallstricke, die mir da drohen können, nicht bewußt wäre.

    „Gefahren“ sehe ich auf zweierlei Art. Das Eine ist die Tatsache, daß diese Frau weiterhin Alkohol konsumiert. Dem kann ich nur auf die Art begegnen, mit der ich Alkohol generell begegne: ich setze mich dem nicht aus. Wir können uns nur sehen, wenn kein Alkohol im Spiel ist – das halte ich auf jedem Gebiet meines Lebens so (ich gehe bspw. bis heute generell nicht in Restaurants, da ich keinen Einfluß darauf habe was an den Nebentischen so passiert), und bezogen auf diese Frau halte ich das erst recht so. Bei mir zuhause ist Alkohol eh verboten, für jeden der mich besucht. Wenn ich zu ihr gehen würde und dort stände Bier auf dem Tisch würde ich wieder gehen bevor ich auch nur die Jacke ausgezogen habe – und das weiß sie auch, das muß klar sein und ist es auch.

    Die andere Gefahr ist, daß ich durch ihre Ängste vor Nähe, Verlassenwerden, Bindungen (die sie als gefährlich erlebt hat) immer wieder in die Sorte emotionale Achterbahn geworfen werden könnte, die ich aus früheren Zeiten mit ihr so gut kenne. Das sind Themen, die sie auch in einer knapp zweijährigen Therapie wohl nicht endgültig überwinden konnte – oder, wie meine Therapeutin in der LZT gesagt hatte, dies bleibt ein Lebensthema.

    Während ich der ersten Gefahr – durch den Alkohol – recht einfach begegnen kann (durch eine klare Haltung der Risikominimierung und Abgrenzung) ist das zweite wesentlich schwieriger. Immerhin kann sie über ihre Ängste mittlerweile mit mir sprechen. Aber es bleibt eine Gratwanderung, und mir ist sehr bewußt, daß zu einer Trockenarbeit auch gehört, solche emotionalen Gratwanderungen zu vermeiden oder zumindest dann abzubrechen, wenn sie mich emotional runterziehen würden – und damit mich indirekt gefährden würden...

    Etwas, was ich in dieser Zeit allerdings auch merke, ist daß ich in mir eine ganz andere Stabilität habe als damals zu nassen Zeiten. Ich bin innerlich unabhängiger. Ich würde natürlich gern, sehr sehr gern mit dieser Frau eine stabile und gute Partnerschaft aufbauen. Aber vielleicht stellt sich heraus, daß das einfach nicht geht; aber dann werde ich nicht verzweifeln, sondern mich auf eine gute Art aus der Sache verabschieden. Ich merke heute, daß ich auch gut allein funktioniere, ohne jemand an meiner Seite leben kann; das war früher ganz anders, da fühlte ich mich allein nicht wie etwas Ganzes sondern wie eine Hälfte, die ihr Gegenstück braucht um vollständig zu sein.

    Und im Wissen um diese Stabilität – auch darum daß ich mir die schwer erarbeitet habe und sie nicht mehr gefährden will und darf – versuche ich eben, zu schauen, was uns als Paar möglich ist und was nicht. Mit Blick darauf daß es vielleicht ales zu wenig sein könnte.

    Für Deinen einfühlsamen und zugewandten Text möchte ich mich bedanken, er hat mich sehr gefreut und mir gezeigt, daß ich in diesem Forum gut aufgehoben bin. Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag (mieses Wetter herrscht hier aber die Farben sind wunderbar...)

    LG Frank

    Hallo Spanijoggel,

    ich hab bei dir glaub ich nie geschrieben, aber immer sehr gern gelesen.

    Ich möchte dir alles alles Gute wünschen in einer schwierigen Zeit.

    Du hast Recht: "es kommen auch wieder bessere Zeiten". Das ist so!

    LG Frank

    Guten Morgen deliaaurora,

    erstmal freue ich mich daß du soweit gesund wieder da bist - soweit, aber COPD ist ja etwas was man nur stoppen nicht heilen kann...

    Nikotin ist eine Pest. Ich ringe ja auch seit Jahren damit. Als ich im Sommer eine Phase hatte in der ich joggen wollte (mein Rücken hats verhindert) konnte ich für eine kurze Zeit aufhören - dann wars wieder vorbei --

    Ich glaube es ist eine Kopfsache. Das Problem ist daß der Kopf sagt, eine Zigarette würd jetzt guttun (wenn man sie dann raucht muß man sich ja meist erstmal hinsetzen, es ist ein Kreislaufgift und tut garnicht gut)...

    Ich finde bis heute daß der Ian Carr mit seinem Nichtraucherbuch eine gute Stütze ist. Besorg es dir und les immer wieder darin, es wirkt gegen diesen Kopfirrtum gut.

    Und wenn Sport für dich kein rotes Tuch ist - belohne deinen Körper dadurch daß du ihn da forderst wo das Rauchen Schäden angerichtet hat: auch mit COPD kann man auf gesunde Art mal aus der Puste geraten, das baut wieder etwas auf was das Gefühl für eine gesundere Lunge stärkt. Frag deinen Arzt was dir guttun könnte!

    Ich wünsch dir viel Kraft dabei. Und nicht vergessen - ne Zippe fühlt sich gut an wenn man dran denkt aber nicht wenn man sie raucht...

    LG Frank

    Hallo Jonas,

    ich mußte ja gar nicht alles "verstehen"; der übersensible Hanno, der sich durch seinen Schultag quält (die Bes hreibung dsy Weckerklingelns allein schon!), immer nah am Zerbrechen in einer durch und durch kalten, feindlichen Welt -- das war ja niemand anders als ich...

    Ich habe damals die Erfahrung gemacht daß ich in Büchern (die 70 Jahre älter waren als ich selbst!) Dinge finden kann, die in mir garnicht wirklich zugänglichen Tiefenschichten meiner eigenen Persönlichkeit schlummerten. Die ich für mich lebendig machen kann. Ich bin irgendwie näher zu mir selbst gekommen, bin mir Dingen bewußt geworden die ich allein nicht hätte ausdrücken können.

    Das hat mein Leben geprägt und mich durchhalten lassen. Ein paar Jahre später war es dann v.a. Hesse, der hat mich geprägt bis heute, und seine Texte über Literatur haben mir die Welt der großen Romancies des 19. Jahrhunderts erschlossen. Er hatte eine große Liebe in sich, und von der habe ich mich leiten lassen... ich kann kaum sagen was ich ihm verdanke, obwohl ich außer dem Glasperlenspiel heute selten bei ihm lese (auch einen gewissen Zugang zur klassischen Musik verdanke ich ihm, ich wollte kennenlernen was er liebt weil ich ihn liebte).

    Seltsam nicht? Die Rockmusikkultur hat ihn seinerzeit vereinnahmt in einer vergröbernden Weise die ihn im Grab sich hätte umdrehen lassen... und ich kiffte und blieb unreif, aber las ihn und verdanke ihm Mozart...

    komische Wege. Na ich hatt eh ein komisches Leben :) bin aber dankbar dafür. Und für diesen Thread möcht ich mich auch nochmal bedanken! Da kommt gerade einiges hoch bei mir aus meiner Vergangenheit, Erinnerungen, und das ist wertvoll.

    LG Dir, Jonas!

    Heute Morgen fiel mir bei der Zeitungslektüre beinahe die Kaffetasse aus der Hand...

    ich las die Meldung, daß sich (laut der Verbraucherzentrale Hessen) bei - ich zitiers mal wörtlich - "den meisten (!)Markenprodukten (...) hinter den 24 Türen "alkoholische Leckereien" verstecken" (Zitat Ende)...

    Dabei, so stand da, handele es sich bei den meisten Produkten um solche die von der Aufmachung her gezielt Kinder ansprechen. Daß in den Süßigkeiten Alkohol enthalten sei sei vorn auf der Packung nicht erkennbar und stehe nur im Kleingedruckten auf der Rückseite...

    Man kann nicht vorsichtig genug sein - schon gar nicht wenn man Kinder hat und bei denen gern mal mitnascht, in der arglosen Meinung bei Kinderprodukten sei man auf der sicheren Seite...

    Ich fand das gehört hierher.

    LG Frank

    Guten Morgen Jonas,

    bei mir gab es weniger eine Verbindung von Rockmusik und Alkohol, aber sehr deutlich eine Verbindung von Rockmusik und dem Gebrauch von THC, kiffen also. Meine ganze "Suchtkarriere" war lange eher von dieser Droge gekennzeichnet. Daß das Trinken mehr und mehr wurde war mir lange Jahre lang gar nicht bewußt, ich hab mich als Kiffer gesehen der halt auch gern mal Bier trinkt -- der Alkohol hat sich nach Art des trojanis hen Pferdes hinter der anderen Sucht versteckt, sozusagen -- bis ich irgendwann dann schwerer Alkoholiker war, es hatte sich durch die Hintertür hineingeschlichen. (Und: das Kiffen hat ja eindeutig einen schwächenden Einfluß auf die Gesamtpersönlichkeit, man wird einfach auf bestimmten Ebenen nicht wirklich erwachsen, es ist eine Droge der Regression wie auch die ganze Rockmusikkultur eine Regressionskultur ist - 40jährige versuchen mit Erfolg sich Erlebnis- und Denkweisen von 16jährigen zu erhalten)...

    Die andere Ebene in mir, die mich davor bewahrt hat in diesem Sumpf völlig zu versinken, war immer die Ebene der Literatur. Ich habe so ab dem Alter von 12,13 die Romane von Thomas Mann, die im Elternhaus herumstanden, geschnappt und mit unendlicher Faszination darin gelesen (Buddenbrooks und Zauberberg vor allem). Natürlich hab ich nicht alles verstanden. (im Zauberberg las ich immer die erste Hälfte, in den Buddenbrooks die zweite); Aber der Zauber dieser Sprache und die Differenziertheit des Ausdrucks hat mich nie mehr losgelassen und ein Gegengewicht zu der Rockkultur gebildet (der ich aber irgendwie auch dankbar bin da sie damals einen Weg darstellte, aus der Enge und Spießigkeit meines Elternhauses herauszukommen ohne zu ersticken).

    Heute höre ich immer noch gern mal alten Blues, alten Soul, ein bißchen Rock bis Mitte der 70er. Es ist aber nicht mehr mit der quasireligiösen Bedeutung aufgeladen wie früher; es macht keinerlei Suchtdruck; es ist nichts mehr was mir groß wichtig wäre.

    Ich bin eben mit jahrzehntelanger Verspätung doch noch erwachsen geworden...

    LG Frank

    Das freut mich aber sehr daß da nun doch Bewegung hineinkommt. Ist wie damals bei der LZT --- kämpfen lohnt und gibt sogar noch ein gutes Gefühl obendrauf :)

    Brauchst nicht verlegen sein. Für einen guten Austausch sind wir ja alle hier hm?

    Drück dich zurück

    LG Frank

    Guten Abend Jonas,

    ich werde deine Anregung bzg. der Matthäuspassion gerne aufnehmen. In meinen Hörgewohnheiten, was klassische Musik angeht, bin ich immer auf zweierlei Weise eingeschränkt gewesen.

    Zum einen dadurch daß mir einfach Kenntnisse fehlen - ich hatte nie etwas wie eine musikalis he Erziehung, muß mich auf meine emotionale Einfühlung verlassen, sehr vieles was sich da kompositorisch /strukturell tut erschließt sich mir einfach nicht; ich kann ja nicht einmal Noten lesen. Etwas was ich sehr bedaure. In meinem Elternhaus wurden Schlager gehört, meine eigne Entwi klung war die Rebellion mittels der Rolling Stones so ab 12,13 Jahren. Immerhin blieb ich neugierig und das hat zum Jazz geführt.

    Zum Andern hatte ich immer Schwierigkeiten mit vokaler Musik. Das liegt ebenfalls wohl daran daß ich eigentlich - wie viele aus meiner Generation - ursprünglich von Rockmusik geprägt wurde (die daran hängenden Mythen und popkulturellen Illusionen sind auch ein wesentlicher Teil meiner Suchtgeschichte). Gesang in der Art wie er in Klassik gehandhabt wird war mir früher immer ein Greuel.

    Wenn ich aber überhaupt einen Zugang dazu finden kann dann sicherlich über Kirchenmusik, nicht über Oper oder Lied - das sakrale Element rührt etwas in mir an, das ich schwer beschreiben kann...

    Vielleicht aus diesem Grund kann ich mit manchem von Bruckner etwas anfangen, obwohl ich Pathos und allzu großbesetzte Orchestrierungen nicht mag (Brahms sagt mir wenig und Wagner nichts); aber bei Bruckner finde ich dieses schwer ausdrückbare sakrale Element wieder...

    Nimm meine sicherlich amateurhaften Geschmacksbeschreibungen nicht als Wertungen, es sind eher Inkompetenzerklärungen. Ich weiß das wohl - leider.

    Ich hab die Matthäuspassion nicht aber meine örtliche Bücherhalle verleiht auch CDs, da geh ich morgen mal auf die Suche. Danke für die Anregung! Und einen schönen Abend!

    LG Frank

    Hi Linde,

    da hast du natürlich absolut recht... ich meinte es allerdings in einem übertragenen Sinn (das Haus nimmt Gestalt an) und nicht als Party...

    aber schöner Einwurf, er sensibilisiert dafür wie naß unsre Gesellschaft ist und wie sehr wir da immer wieder reingezogen werden ohne daß wir das für möglich gehalten hätten... danke für dein aufmerksames Gucken hier.

    Aber @ Georg: ein schönes "Apfelschorlenrichtfest" wünsch ich denn du hastves dir hart erarbeitet! Und verdient!

    LG

    Hallo Litertour,

    ich ahne nur welchen Thread du meinst aber glaube es erraten zu können.

    Wie an meiner regen Beteligung dort zu ersehen ist seh ichs anders als du (wenn wir denn den gleichen meinen);

    ich glaube dort will niemand das Rad neu erfinden - ich glaub dort sucht jemand etwas wie ein Rad... mit seinen Mitteln...

    mir bringt das eine Menge. Ich bin froh daß es diesen Thread gibt.

    Ich bin aber auch sehr froh daß es deinen gibt.

    Denn viele verschiedene Menschen ergeben eine bunte Welt --- also eine in der es sich zu leben lohnt.

    Viele liebe Grüße Frank

    Hallo Silberkralle,

    ich denk deinen "Profi" kannste in der Pfeife rauchen...

    Raucher haben schon deswegen mehr Streß als Nichtraucher da sie eigentlich ständig (will heißen 30-45 min nach der letzten Zigarette) unter Nikotinentzug leiden. Und der streßt nunmal.

    Viel schlimmer:
    Menschen die unter traumatischen Erlebnissen leiden (müssen) haben eine umso bessere Chance dies für ihr Leben in den Griff bekommen und darüber hinauswachsen zu können je eher eine Bewältigung einsetzt und diese schlimmen Dinge bearbeitet werden können. (die zeitli he Distanz verfestigt das Trauma...) Nicht zuletzt deswegen ist die Entwicklung einer Kinderpsychotherapie ein Segen...

    Stell dir mal vor ein Kind wird mit 10 mißbraucht und ein "Profi" sagt den Eltern, tja, warten wir mal 11 Jahre ab und dann machen wir was... was hat dieses bedauernswerte Kind dann für eine Pubertät? Wie läuft dann die Zeit ab in der es S**ualität entdecken, wertschätzen, genießen lernen soll? Brrr... :(

    Also wenn ich hör wer sich so alles "Profi" nennen darf und was da so an Ignoranz hintersteckt... nee.

    Schön daß du das hier thematisierst.

    Ich zitier mal einen der klügsten Menschen den ich je kennenlernen durfte: "n Apfel..." :)

    LG Frank