1994
Meine Saufkarriere begann so mit 15. Damals haben wir uns am Wochenende jeder eine Stiege Bier geholt und waren dann bei einem Kumpel im Garten und haben da geklimpert bis alle unterm Tisch lagen. Ich bin eigentlich ein sehr "nüchterner" und ruhiger Mensch und ich merkte sehr schnell dass ich mich mit Alkohol ordentlich gehen lassen konnte und besser mit anderen Leute konnte. Das übliche Klischee halt.
Damals war aber noch alles halbwegs normal, wenn man das so sagen kann.
1996
Dann kam die Lehre. Weit weg von zuhsause in einer großen Stadt in einer WG in einem großen Haus mit zehn Leuten das vom Betrieb gestellt wurde. Mein bester Freund war durch einen glücklichen Zufall auch dabei. Schnell kamen wir mit Canabis in Kontakt und nach einem Jahr rauchten wir das Zeug täglich. Auch vor der Arbeit am frühen Morgen und nachm Feierabend bis in die Nacht. Später kamen auch Amphetamine und MDMA hinzu. Alkohol spielte ,wie ich damals dachte, zu der Zeit keine so wichtige Rolle.
Damals nahm ich durch die harte Arbeit und das Fitnessstudio in das ich ging über dreissig Kilo ab. Durch die Drogen hab ich mehr Alkohol getrunken und konnte besser auf die Frauen zugehen. Und es funktionierte. Ich hatte Blut geleckt!
1999
Das alles ging eine Weile gut. Nach der Lehre hab ich noch ein Jahr in einer großen Stadt gearbeitet. Inzwischen wurde ich schon ein paar mal mit Alkohol am Steuer erwischt und mein Führerschein war ein paar mal weg. Ich hab mich immer öfter total abgeschossen und damals dachte ich: Ja man, bin halt n krasser Kunde. Cool u.s.w. Die Drogen und der Alkohol hatten meine Persönlichkeit komplett umgekremmpelt. Ich hab immer öfter blau gemacht und mit meiner Freundin mit der ich zu diesem Zeitpunkt fast 2 Jahre zusammen war ( erste große Liebe ) hab ich aus einer Laune heraus schluß gemacht. Der Rausschmiss aus meiner Firma drohte mir auch.
2000
Da kam mir die Bundeswehr doch wie gelegen. Ich kündigte auch aus einer Laune raus und hab irgendwie noch lange krank gemacht um die Kohle zu kassieren. So genau weis ich das alles nicht mehr, den die Jahre 99 und Anfang 2000 gehören zu den schlimmsten in meinem Leben!
Mein bester Freund hatte übrigens Mitte 99 eine Psychose durchs Kiffen und war fast ein Jahr außer Betrieb. Er ging danach wieder nach Hamburg und hatte seine Lektion gelernt.
Naja jedenfalls war ich jetzt beim Bund und mit den Drogen wars vorbei. Von jetzt an war der Alkohol mein bester Freund, denn nach und nach kam alles was ich die letzten Monate verbockt hatte nach oben. Das war echt schlimm. Aber der Alkohol hats erstmal gut gemacht. Diese Zeit möchte ich aber trotzdem nicht missen weil sie mich schon oft vorm trinken bewahrt hat, wenn ich mich unter Saufdruck an sie erinnerte...
2000 - 2013
Der Rest ist schnell erzählt. Zurück in meiner Heimatstadt und das geschehene im Hinterkopf habe ich mit Drogen, Alkohol und Party weitergemacht. Es wurde immer schlimmer, ein paar mal bin ich auf der Intensivstation wachgeworden und fands noch cool was ich wieder für ne fette Party hatte...
Anstatt zu Kiffen benutzte ich nun den Alkohol um wieder runterzukommen nach Partys. Ich begann eine Umschulung und lernte dort jemanden kennen der leicht an Crystal Meth rankam. Wir fahren fast die gesamten zwei Jahre drauf unterwegs. Ich rauchte sich Abends runter und ich nahm Alkohol zum runterkommen. Meißtens und es wurde immer mehr und mehr.
Ich glaube das war der Zeitpunkt der mich entgültig süchtig machte. Es war der totale Wahnsinn wie ich in der Zeit unterwegs war. Mir wird ganz schlecht wenn ich an diese Tage zurückdenke.
Vier Wochen vor Beendigung der Umschulung bin ich nicht mehr hingegangen. Ich hatte Verfolgungswahn und konnte nicht mal zum Arzt. Vielleicht hat mir das sogar im Nachhinein das Leben gerettet. Von Heute auf Morgen war Schluß mit den Drogen. Naja nicht mit dem Alkohol. Wieder was versiebt und von da ab wurde es immer mehr Alkohol pro Tag.
Ich hab dann eine Menge zugenommen und nach und nach keinen mehr in meine Wohnung gelassen von meinen Freunden. Keiner wußte so richtig was los ist. Ich auch nicht so richtig. Ein riesen durcheinander im Kopf.
Seit dem war ich mal hier mal da arbeiten. Immer nur für kurze Zeit. Einmal für anderthalb Jahre in einer sehr großen Stadt am Rhein. Die waren da alle ziemlich trinkfest und wollten sogar dass ich dableibe. Meine Sucht ist dort gar nicht weiter aufgefallen, obwohl ich auf einer Betriebsversammlung voll besoffen vor der ganzen Mannschaft der Chefin die Meinung gegeigt habe über diverse Probleme im Betrieb. Ich dachte das wars jetzt. Aber am nächsten Tag haben mir meine Kollegen gratuliert und meine Chefin hat mich gefragt ob ich nicht da bleiben will... (War Leiharbeiter)
Das war für mich der Startschuss wieder nachhause zu fahren. Alt wär ich da jedenfalls nicht geworden...
Für mich war klar, ich muß jetzt was tun um wieder klarzukommen.
Es ging dann immer hin und her , ausprobieren wie es doch gehen könnte mitm Saufen. Krankenhaus 14x, AEB zweimal,
ich habs nie geschafft, außer AEB länger als drei Wochen ohne Alkohol. Direkt nach der AEB auch gleich wieder weitergesoffen.
Naja dann hab ich meine Freundin kennengelernt und die letzte Phase meiner Sucht begann. Irgendwie spürte ich das. Kann nicht sagen was genau. Ich habe gemerkt dass irgendetwas passieren wird. Gut das hat fast drei Jahre gedauert und es war eine wahnsinnig schwere Zeit für alle beteiligten, aber ich spürte dass etwas passieren wird.
Es hätte aber genauso gut der Tod sein können. Das Saufen wurde immer schlimmer und ich dachte irgendwie jetzt ist bald Schluß, so oder so. Die Trinkpausen waren immer voller Verzweiflung und immer dachte ich jetzt ist wirklich Schluß.
Die nassen Phasen immer brutaler und der Entzug zuhause mit Tabletten immer krasser. Da dachte ich dann, jetzt ist halt hier Schluß und es ist endlich vorbei mit mir.
Dann hatten wir ein Wochenende wo meine bester Freund hier war. Er kommt eigentlich nicht mehr zu mir wegen dem Suff, aber es hatte sich so ergeben. Wir haben etwas getrunken, nicht zuviel komischerweise , geredet, viel geredet diese Nacht und am Morgen hat er mich umarmt als er ging und mir kam es so vor als ob es jetzt vielleicht das letzte mal war dass wir uns gesehen haben... Dieser Blcik, diesen bemitleidenswerten Blick und seine Worte als er ging werde ich nie wieder vergessen.
Ich habe dann meine Freundin gebeten mich alleine zu lassen. Ich war sehr verzweifelt und wußte mal wieder nicht weiter.
Ich hab mich dann abgeschossen und eingeschlossen und hatte einen sehr , sehr schlimmen Entzug. Seitdem bin ich trocken und clean. Am zwöften sind es acht Monate und darauf bin ich stolz.
Ich weiß auch nicht was an diesem Tag passiert ist. Ich glaube ich habe einfach losgelassen irgendwie. Nicht nur den Alkohol, sondern auch die Vergangenheit an die ich mich so sehr geklammert hatte. Ich sah meinen alten Freund und sah die Zukunft. Eine in der wir beide vorkamen. Also mußte es eine ohne Alkohol sein.
Ich wollte das hier nochmal einfügen, weil ich mich noch gar nicht richtig vorgestellt habe.
lg Maik