Beiträge von Florena

    Ich schreibe mal schnell ein Update: Er war ja heute schonmal da, wo ich wegen der lautstarken Beschimpfungen die Polizei gerufen habe. Als die eintrafen hatte er sich aus dem Staub gemacht. Der Polizist rief mich dann aber nochmal an, es läge ein Haftbefehl vor und sobald er wieder auftaucht solle ich anrufen, auch wenn er nichts macht und so, dass er es nicht merkt. Er stand gerade wieder vor der Tür, die Polizei hat ihn festgenommen, der Haftbefehl ist aus einer anderen Stadt, ca. 100 km von hier. Weswegen, weiß ich nicht, wollten sie mir auch nicht sagen und zu ihm hat man gesagt es wird auf der Dienststelle geklärt. Ich fühle mich gerade hundeelend, richtig dreckig. Ich habe ihn verraten, dem Kleinen seinen über alles geliebten Papa weggenommen, ich kann es gerade garnicht wirklich beschreiben. Ich fühle mich einfach schuldig, wie ein Verräter der untersten Schublade. Auch die Gedanken daran, was er mir alles angetan hat, helfen nicht. Ich weiß nicht, ob das jetzt eine gute Entscheidung war.

    Hallo RenateO,

    ja, der Stress ist unglaublich, auch jetzt noch.

    Wir haben eine Suchtberatung in der Stadt, allerdings möchte ich da nicht hin, aus mehreren Gründen. Zum einen ist er dort regelmäßiger "Gast", zum anderen habe ich während ich mit ihm gekämpft habe, immer versucht, mich da als Partnerin einzuklinken, und bekam zur Antwort "sie können mal mitkommen, aber arbeiten müssen wir an Herrn XY allein". Das hat mich sehr geschockt, habe ich mich doch zum Thema Alkoholismus belesen und wusste, das Partner durchaus in solche Sachen einbezogen werden. Auch habe ich mit den zuständigen Damen den Kontakt gesucht während er hier bei mir vor der Tür Terror gemacht hat und habe darum gebeten, diese ständigen Belästigungen doch bitte mal zum Thema zu machen bei einer Sitzung, doch die Dame (eine andere als beim ersten beschriebenen Kontakt) meinte, sie wäre doch nicht sein Kindermädchen und ich solle doch die Probleme, die wir beide haben, bitte nicht auf andere abwälzen. Dort möchte ich mir keine Hilfe holen, ich fühlte und fühle mich doch sehr vor den Kopf gestoßen.

    Zum Thema Alkoholkrankheit haben wir hier nur eine Shg, die Anonymen Alkoholiker, und dem Namen nach passe ich da als Angehörige nicht hin.

    Sonst gibt es hier in näherer Umgebung leider gar nichts. Ich habe mich nach einem Psychotherapeuten umgesehen, derjenige, der mir am sympathischsten ist und der auch die besten Bewertungen hat bei einschlägigen Portalen nimmt vor 2014 keine neuen Patienten auf. Den nächsten auf der Liste habe ich noch nicht aufgesucht.

    Es fällt mir extrem schwer darüber zu reden ohne fürchterlich zu heulen. Und ich meine heulen, nicht weinen. Ich breche immer völlig zusammen wenn ich darüber sprechen will. Ich habe Angst, dass wenn ich da anrufe und die Sprechstundenhilfe mich fragt worum es geht dass ich nichtmal in der Lage bin es zu erklären.

    Und ich habe auch Angst, und dass ist die größte, dass wenn ich da hin gehe und der Arzt merkt, wie labil ich bin und völlig unfähig, die Kontrolle über meine Emotionen zu behalten, dass das Jugendamt informiert wird und man mir meine Kinder entzieht. Davor habe ich so eine Panik, das ist unbeschreiblich. Wenn das passieren würde, gäbe es für mich keinen Grund mehr zu leben. Schon während ich das schreibe brechen sämtliche Dämme bei mir. Vielleicht ist es besser, ich fange mich erstmal, regle mein Leben und wenn ich wieder etwas besser beisammen bin arbeite ich das mit einem Therapeuten auf. Sorry für den langen Text der hier ja eigenlich nicht hin gehört.

    Hallo,

    ich bin noch ganz frisch aus einer Horrorbeziehung draußen. Trotzdem, dass es ein wirklicher Horror war, mit psychischer und körperlicher Gewalt, fühle ich dass, wovor ich die ganze Zeit Angst hatte und weshalb ich bei ihm geblieben bin.

    Unsicherheit, ob ich das Leben alleine mit 2 Kindern meistere, Zukunftsangst, Einsamkeit, Leere, Antriebslosigkeit, Schuldgefühle (einen Kranken im Stich gelassen zu haben, den Kindern den Vater zu nehmen). Man glaubt ja auch dass, was einem die ganze Zeit suggeriert wurde, bzw. man hat Angst, dass es stimmt, dass man sowieso keinen Anderen findet, dass man allein nicht klar kommt, dass man unfähig ist.

    An manchen Tagen ist es besser, an manchen schlechter. Heute habe ich einen eher schlechten Tag und zweifle, ob ich durchhalte, zweifle an mir, ob es richtig war, ob er nicht doch noch eine Chance verdient hat.

    Klar, tagsüber habe ich meine Kinder und bin ein Stück weit abgelenkt, aber abends, wenn sie im Bett sind... es gibt Tage, an denen kann ich gemütlich fernsehen und meine neue Freiheit genießen, und dann gibt es Tage, da frisst mich die Einsamkeit auf, das allein sein quält, ich fühle eine unglaubliche Leere, breche innerlich zusammen und weine den ganzen Abend.

    Manchmal setze ich mich an das Bett meines kleinen, er ist 2, schaue zu wie er schläft und kann mir die Tränen einfach nicht verkneifen. Dabei kann ich noch nicht mal genau sagen, warum ich weine. Es kommt einfach. So schwer hatte ich es mir nicht vorgestellt. Und ich hoffe, ich schaffe den entgültigen Absprung trotzdem.

    Hallo ihr Lieben,

    zuerst mal möchte ich mich entschuldigen, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich hatte allerdings nicht die Möglichkeit dazu, da "ER" mit sofortiger Wirkung den Internetanschluss hat stilllegen lassen bzw. umgemeldet hat (er lief auf seinen Namen).

    Nun habe ich mir erstmal einen Stick gekauft.

    Es geht uns soweit ganz gut, er kommt nach wie vor um Terror zu verbreiten, mir ein schlechtes Gewissen zu machen und das Spiel wieder von vorn anfangen zu lassen, bisher ohne Erfolg, und die Abstände zwischen seinen "Besuchen" werden größer. Ich habe die Hoffnung, es hört irgendwann auf. Spätestens, wenn er eine Neue hat. Wäre der kleine nicht, hätte er sicher längst eine Andere, aber er hängt ja doch an ihm.

    Ich weiß vom Jugendamt, dass er für die ständigen Hausfriedensbrüche 40 Sozialstunden bekommen hat... und das, obwohl er einschlägig vorbestraft und aktuell deshalb auch auf Bewährung ist. Nunja, den Glauben an das Rechtssystem habe ich ja nicht erst jetzt verloren.

    Ich hoffe, ihr seid nicht allzu sauer auf mich.

    Liebe Grüße

    Guten Morgen,

    ja, soweit ich weiß, ist er noch in der Klinik. Zumindest war er noch nicht hier. Mir geht es gut und ich hoffe einfach, dass er dort wirklich bleibt. Er hat ja jetzt nichts dabei, keine Hygieneartikel, keine Wäsche, nur dass, was er seit 3 Tagen am Leib trug, alkoholgetränkt und gezeichnet von zahlreichen Stürzen. Ich hoffe er sieht das nicht als Anlass, die Klinik zu verlassen, ich möchte jedenfalls nicht hin fahren um ihm was zu bringen.

    Natürlich habe ich in regelmäßigen Abständen sprichwörtliche "Anfälle" von Mitlied, den Drang, ihm doch wieder zu helfen, wenn er nun schon freiwillig in einer Klinilk ist. Dann aber denke ich an die Szenen von Gewalt und dass mein heulen und beteuern, er solle mir das bitte nicht antun, für ihn nur mehr Ansporn zu sein scheinen, nochmal einen draufzusetzen. Das hilft nicht viel, aber es hält mich davon ab, mich bei ihm oder der Klinik zu melden und zu fragen, wie es ihm geht.

    Ich habe gestern noch von all den verlorenen Freundschaften geschrieben, und als wäre es ein Zeichen rief mich gestern ein alter Freund an um mich zu einer Karaokeparty am nächsten Samstag bei einer gemeinsamen Bekannten einzuladen. Ich habe mich sehr gefreut und werde das natürlich auch wahrnehmen. Ich freu mich wie ein Schneekönig darauf endlich mal wieder raus und unter Leute zu kommen.

    Ich wünsche mir im Moment einfach nur, dass er bleibt, wo er ist und mir damit Zeit gibt, mich zu sammeln, Kraft zu schöpfen und ein bisschen zu mir zurück zu finden. Ich werde weiter berichten, wenn es etwas neues gibt.

    Ich kann von einer Geschichte berichten, von der meiner Schwester. Ihr Mann trank jahrelang, so durchschnittlich 8-14 Flaschen Bier am Tag.

    Als meine Schwester die Nase voll hatte, ihn rauswarf und niemand ihn aufnehmen wollte (nicht mal seine eigene Mutter) entschloss er sich zur Therapie. 2 Wochen Entgiftung (wenn ich mich recht erinnere) und nahtloser Übergang zur Langzeittherapie (6 Monate, davon die ersten beiden Kontaktsperre), und danach blieb er trocken. Das ist nun 17 Jahre her. Vor kurzem haben sie sich zwar getrennt, aber das hatte nichts mit Alkohol zu tun. Es hat danach funktioniert.

    Vielleicht lag es an der strengen Therapie, er durfte da ja wirkich garnichts, am Anfang das Haus nicht verlassen, kein Telefon, keine Post, den Rest der Therapie nur auf dem Gelände bewegen, ab und an begleiteter Ausgang, nur mit Betreuer, und trotzdem tägliche Alkoholkontrollen. Wenn ich das mit der Therapie vergleiche die mein Mann gemacht hat... Da durften die Patienten ganze 3 Tage nur aufs Gelände, dann mit anderen Patienten auch in die Stadt (so etwa eine Woche) und den Rest der Zeit durften die sich bewegen wie und wo sie wollten, mussten sich nur zum Essen abmelden. Und in 3 Monaten eine einzige Alkoholkontrolle. Viele haben während der Therapie weiter getrunken (natürlich nicht so hardcore wie zu hause), unbemerkt.

    Sicher kann man sagen: Wer es wirklich will schafft es auf diesem Weg. Aber genauso gut könnte man sagen: Wer es wirklich will schafft es auch zu Hause aufzuhören.

    Es kann durchaus funktionieren. Ich muss aber dazu sagen das ich früher geglaubt habe dass die Familie im Rücken ein Ansporn ist, vor allem eigene Kinder, mein Mann hat mich eines besseren belehrt. Ich glaube mittlerweile, der Süchtige muss alles verloren haben um eine reelle Chance zu haben. Vielleicht ist das auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Mein Partner hat es jedenfalls nicht geschafft, obwohl ich ihm das wundervollste Kind auf Erden geschenkt habe. Es ist für ihn nicht Grund genug. Ich stecke mitten in der Trennung.

    Ich habe schon mir einer Anwältin telefoniert, die allerdings sagte, ein schnelles Annährungsverbot ohne dass das Gewaltschutzgesetz greift ist nicht möglich, das einzige ewas ihr noch einfällt ist das ich mich direkt an die Staatsanwaltschaft wenden soll. Der psychosoziale Dienst des Gesundheitsamtes hat mich angerufen, er hat sich freiwillig einweisen lassen und hat zu mindest in seinem Suffkopp gesagt, er bleibt zur Entgiftung gleich in der Klinik. Er kann also jederzeit abbrechen, aber heute ist erstmal Ruhe und ich atme auf. Ich werde wahrscheinlich nochmal zu einem anderen Anwalt gehen und mich beraten lassen, aber heute schalte ich meinen Kopf erstmal ab und verbringe einen schönen und ruhigen Tag mit den Kids.

    So, es ist überstanden. Wie erwartet hat er mich verfolgt. Kurz vorm Bahnhof hat er wieder gesagt er geht jetzt auf die Gleise und wirft sich vor den Zug, mit dem meine Tochter ankommt. Als er um die Ecke war rief ich heimlich die Polizei. Die hat diesmal sehr verständnisvoll reagiert (auch Beamte, die uns schon kennen) und haben sich für das Verhalten der Polizisten von gestern und gesagt, ich könne ruhigen Gewissens wieder anrufen wenn noch was passirt. Sie haben ihn jetzt mitgenommen und stellen ihn dem Notarzt vor der beurteilen muss, ob er wirklich suizidgefährdet ist oder nicht. Ich hoffe einfach sie weisen ihn ein, auch wenn ich natürlich weiß das das leere Drohungen sind um mich zu erpressen, vielleicht gerät er ja an den richtigen Arzt.

    Glücklicherweise hat uns meine Tochter schon von weitem gesehen und ist zu uns gerannt, die anderen Eltern und Kinder haben hoffentlich nicht allzuviel mitbekommen. Es wird sich am Montag in der Schule zeigen. Jetzt habe ich hoffentlich wenigstens die nächste Stunde oder auch 2 Ruhe.

    Er ist wieder da, belagert die Hautür. Um 11:56 Uhr muss ich meine Tochter vom Bahnhof abholen, die von der Klassenfahrt wiederkommt. Das heißt, ich muss an ihm vorbei, mit dem Kleinen. Ich weiß, er wird mich verfolgen und mich vor den Lehrern und anderen Eltern blamieren, und vor allem meine Tochter. Aber ich habe keine Wahl. Kann ja keine Polizei rufen, er tut ja nichts, sitzt nur da, schwankt, schimpft vor sich hin. Ich hab Panik, aber keine Wahl. Drückt mir die Daumen.

    Gerade war ER wieder da. Ich hab die Polizei gerufen. Ich hatte ja schonmal angeschnitten, dass ich über das Gewaltschutzgesetz versucht habe die alleinige Wohnungszuweisung durchzusetzen, dazu hätte auch eine einstweilige Anordnug gehört das er sich mir nicht nähern darf. Dieser Versuch ist ja gescheitert weil er mir damals aktuell nichts getan hat.

    Nun war er da, und als er gemerkt hat ich habe die Polizei gerufen ist er mit lauten Beschimpfungen und Drohungen von Dannen gezogen. Bespuckt hat er mich auch noch.

    Nun war er also weg als die Beamten eintrafen. Da sagen die zu mir: Wir waren schon so oft bei ihnen, wenn sie nicht in naher Zukunft ein Annährungsverbot erwirken stellen wir IHNEN die Einsätze in Rechnung? Und das obwohl mir seitens des Beamten, bei dem ich zuletzt eine Anzeige gemacht habe, versichert wurde, dass ich immer sofort im Falle einer Bedrohung oder Nachstellung die Polizei rufen soll, damit alles aktenkundig ist und ich Beweise für einen erneuten Versuch habe.

    Mein Weltbild ist gerade erschüttert. Jetzt muss ich schon 3 mal drüber nachdenken, ob ich die Polizei anrufen kann oder lieber den Terror ertrage.

    Erstmal herzlichen Dank für eure Antworten. Ihr habt recht, das weiß ich. Warum kann ich mich dennoch nicht frei machen von dem Verantwortungsgefühl? Euer Zuspruch tut sehr gut, ich habe leider durch diese Beziehung kaum noch Freunde, eigenlich gar keine, mit denen ich reden könnte oder die mich unterstützen könnten. Ich kanns ihnen auch nicht verübeln, war ich doch in den vergangenen Jahren für niemanden erreichbar, hab abgewimmelt, man kann ja keinen rein lassen wenn der Mann besoffen rumkullert und lallende Beleidigungen der untersten Schublade von sich gibt. Alleine lassen kann man ihn schon garnicht, muss man doch damit rechnen das er alles zerstört oder beim Rauchen das Haus abfackelt durch seine mangelnden motorischen Fähigkeiten und den narkoseähnlichen Schlaf, in den er dank 3,5 Promille im Blut immer wieder verfällt. Die, die einem bei den ersten Versuchen sich zu lösen tatkräftig geholfen haben und sich dabei zum Teil selbst in Gefahr begaben, haben natürlich auch irgendwann aufgegeben als sie sahen, ich gebe ihm wieder Chance um Chance... Tja, heute ist niemand mehr da.

    Ja, ich habe noch eine große Tochter aus früherer Beziehung, sie ist 10 Jahre alt und zur Zeit auf Klassenfahrt.

    Das Schlimme ist, solange er in regelmäßigen Abständen vor der Tür steht, habe ich Angst vor dem nächsten Mal wenn er wieder da ist. Kommt er aber längere Zeit nicht, bin ich in Gedanken nur bei ihm, wo ist er, was macht er, liegt er irgendwo sterbend im Gebüsch... das ist doch nicht normal. Die Polizei hat ihn schon des Öfteren mit 4 Promille gemessen, und da steht er noch auf 2 Beinen, wenn auch nicht gerade, aber er steht. Er hat sich auch schon oft durch Stürze schlimm verletzt und durch herabfallende Zigaretten große und tiefe Verbrennungen zugezogen weil er es einfach nicht mehr mitbekommen hat.

    Ja, auch mir dem Selbstbewusstsein habt ihr recht, es ist wohl doch Selbstverliebtheit. Er hält sich für unfehlbar. Er hat ein sehr einnehmendes Wesen, kann leute im Handumdrehen um den Finger wickeln, die von der Suchtberatung glauben mir heute noch nicht, dass er ein Gewalttäter ist, und das trotz einschlägiger Vorstrafe (meiner Vorgängerin erging es wie mir, wie ich während der Beziehung erfuhr). Ich konnte auch nie was beweisen, ich war nie beim Arzt, es gibt nur eine Freundin die mich einmal mit frischen Gesichtswunden sah und das auch nur, weil wir beide eine gemeinsame Abschlussprüfung ablegen mussten. Er ist fantastisch in seinem Job, hat viele Meisterschaften gewonnen, alles im Leben ist ihm zugeflogen. Er ist vom lieben Gott wirklich reich beschenkt. Da liegt glaube ich auch sein Problem. Er ist sich der Krankheit bewusst, aber ich glaube ihm fehlt die Einsicht das er es alleine nicht schafft. Er musste nie um irgendwas kämpfen, warum sollte er es diesmal müssen, es wird sich schon alles irgendwie ergeben. Manchmal, in lichten Momenten, nach einer durchsoffenen Woche wenn er blut erbricht und sein körper spürbar resigniert, dann sieht er das es vielleicht doch seines Willens bedarf um das zu überstehen. Aber dann geht er zum Arzt wegen eines Krankenscheines, der macht einige Tests und seine Werte (vor allem die Leberwerte, wie er immer betont) sind spitzenmäßig. Die Nachwehen halten dann noch einige Tage, vielleicht 2 Wochen, und schon landen wie durch Zauberhand wieder die ersten "Schnappuloflaschen" wieder im Müll. "Die sind schon uralt" heißt es dann immer.

    Ich habe es so satt. Gerade macht sich eine unglaubliche Wut in mir breit. Dieses Zwanghafte Suchen nach Flaschen im ganzen Haus, vom Keller bis zum Dach, in Taschen und im Müll, es zermürbt mich so. Die Diskussionen: "Nein, ich habe nicht getrunken, ich lalle nicht, und meine Augen sind rot und gläsrig weil ich schlecht geschlafen habe". "Ich habe keine Ahnung wo ich letzte Nacht gewesen bin, aber getrunken habe ich jedenfalls nicht". Ich habe für sowas keine Kraft. Ich stecke selbst noch in der Genesungsphase nach einer schweren Krebserkrankung. Denkt er denn ich bin völlig verblödet?

    Tut mir leid das ich mich hier so auslasse, aber das tut gerade wirkich gut. Ich weiß, dass es hier von Leuten gelesen wird, die Ahnung haben und sich in der gleichen oder ähnlichen Situation befinden oder befanden wie ich, und die schon einige Schritte weiter sind. Wascht mir ruhig den Kopf, redet mir zu, ich brauche im Moment noch die Bestätigung das ich nicht das herzlose Monster von uns beiden bin, sondren verdammt nochmal ER. Ich muss es diesmal einfach schaffen. Jetzt oder nie. Tiefer kann man ja kaum sinken, was soll denn schon noch kommen? Eine gute Fee die ihm seine Sucht austreibt? Wenn schon nicht für mich, dann auf jeden Fall für meine Kinder. Es kann mir egal sein ob er auf der Straße schläft, das ist nicht mein Problem sondern eine Situation die er geschaffen hat. Niemand kann von mir verlangen dass ich mich und die Kinder (wobei er die nie angefasst hat) der Gefahr XY aussetze. Die Zeiten sind vorbei!

    Hallo ihr lieben,

    ich bin mir nicht sicher, aber ich hoffe einfach, dass der Tiefpunkt jetzt erreicht ist und ich endlich die Kraft habe, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen.

    Die Beziehung war schon sehr sehr lange eine einzige Katastrophe, ein Geflecht aus psychischer und physischer Gewalt, Resignation, Flucht, Kontrolle, Forderungen, Enttäuschungen und so weiter...

    Ich habe ihm all die Schlage verziehen, auch die Prügelei während ich sein Kind unterm Herzen trug, ich habe ihm verziehen das er meine Familie beschimpfte und in den Dreck zog, und ich habe ihm hunderte Nächte voller Angst, Verzweiflung und Tränen verziehen. Gestern jedoch erhob er zum erstem mal nach der Therapie im Beisein unseres 2jährigen Sohnes, der ja nun schon alles mitbekommt, wenn auch nicht versteht, die Hand gegen mich. Und was tat der Kleine als er seine weinende Mama sah?

    NICHTS. Er grinste mich an. Es ist nichts besonderes für ihn, seine Mama weinen zu sehen. Er ist sonst ein ganz anhängliches Mama-Kind. Das hat mich geschockt. Das darf so nicht sein. Ich bin fest entschlossen, jetzt dafür zu sorgen, das ich wieder leben kann und das meine Kinder unter vernünftigen Umständen aufwachsen.

    Die Hoffnung, das eine zweite Therapie was bringen könnte, zerschlägt sich immer mehr wenn ich sein Verhalten beobachte. Er war heute schon mehrmals betrunken an der Tür und drohte damit, sich vor einen Zug zu werfen (wir wohnen 5 min Fußweg zum Bahnhof, 1 Minute zur Schiene). Und er betont dabei immer wieder dass ich bloß unbedingt daran denken muss, dass sein Tod ganz allein meine Schuld sei, schließlich würde er ja wieder zum Arzt und zur Entgiftung gehen, wenn ich nur mitginge. Morgen natürlich. Heute müsse er sich ausruhen.

    Ich habe Angst, Angst vor dem nächsten Klingeln an der Tür, dass er es ist, oder noch schlimmer, die Polizei die mich über seinen Freitod informieren muss. Ich habe Angst, dass er die Tür eintritt, Angst davor das er uns etwas schreckliches antut, wenn er realisiert, dass es kein zurück gibt.

    Ich hoffe, ich habe den Mut und die Kraft, es dieses Mal durchzuziehen. Und ich bewundere und beglückwünsche alle die es geschafft haben sich zu lösen. Eines Tages, so hoffe ich, gehöre ich auch zu denen, die ihre eigene Erfolgsgeschichte berichten.

    Gerade war er wieder da, ich hab gesagt wenn er nicht verschwindet muss ich wieder die Polizei holen (er hat die letzte Nacht schon in einer Ausnüchterungszelle verbracht). Daraufhin sagte er wieder ich könne mir die Polizei sparen, er geht jetzt und ich könne dann gleich einen Bestatter holen. Warum tut er das nur.

    Vielen Dank für deine Antwort. In meinem Kopf weiß ich, dass du recht hast. Und ich gewinne den Eindruck, dass die Sorge, die ich habe, ihm könne wirklich etwas passieren, vielleicht mehr mit meiner eigenen Feigheit zu tun hat als mit Liebe oder Zuneigung. Ich bin in den wenigen Jahren, die wir zusammen sind, so unselbstständig geworden, dass ich es selbst kaum glauben kann. Jede auch noch so banale Entscheidung trifft mittlerweile er, weil ich Angst vor dem Stress habe den es gibt wenn ich anderer Meinung bin, denn Stress bedeutet immer automatisch höherer Alkoholkonsum und damit zumindest psychische Gewalt, vielleicht auch körperliche. Das betrifft sogar Fragen wie "Was essen wir morgen", oder "darf das Kind nun einen Becher Limonade trinken oder bekommt er Tee". Ich muss dazu sagen das er eigentlich ein extrem selbstbewusster, wenn nicht sogar selbstverliebter Mensch ist der mit Kritik nicht umgehen kann, auch eine Facette an ihm die er in der Anfangszeit gut zu verstecken wußte bzw. die er im nüchternen Zustand nicht so sehr ans Tageslicht kommen läßt. Ich mache ihm noch nicht mal einen Vorwurf dass er getrunken hat, sein Vater ist am Montag verstorben. Der war eigenlich immer sehr Wohlhabend und hat gut gelebt, doch in den letzten Wochen und Monaten seiner Krankheit verspielte er sein ganzes Vermögen während Kuraufenthalten und ließ nichtmal das Geld für die Beerdigung übrig. Nun steht er vor einem Schuldenberg und weiß nicht weiter. Es fällt mir schwer zu verstehen, dass trotzdem alle seine Entscheidungen SEINE sind, liest man doch überall "Süchtige können nicht anders". Ihn in der Situation allein zu lassen ist für mich schwer, als mein Vater starb ging für mich eine Welt unter. Aber ich möchte mich nicht diesem Terror aussetzen, was in mir wieder Selbstvorwürfe auslöst das ich nur an mich denke und ausblende, was gerade in ihm vorgeht. Ich glaube, es gibt keinen Ausweg der mir und den Kindern Frieden verschafft. Entweder halten wir IHN aus oder das schlechte Gewissen.

    Hier meine Geschichte in Kurzfassung, da es eine ist wie es sie hier viele erlebt haben: Wir lernten uns kennen, alles war ganz toll, außer, dass er eben manchmal einen über den Durst getrunken hat, bis ich schwanger war (ein Wunschkind von uns beiden). Plötzlich fing er damit an mich aufs übelste zu beschimpfen und zu beleidigen, diese Phase dauerte nur wenige Wochen, dann schubbste er mich herum bis es schließlich in ausgewachsenen Prügelatacken endete. Ich habe alle Stationen der Co-Abhängigkeit durch, das entschuldigen, das Ausdenken haarsträubender Geschichten woher meine Verletzungen stammten, und so weiter. Auch als das Kind dann da war ängerte sich rein garnichts, im Gegenteil. Ich schaffte es aber auch nicht, mich zu lösen. Ich konnte ihn zu einer Therapie bewegen als der Kleine ein halbes Jahr alt war, doch schon 2 Wochen nach Beendigung wurde er rückfällig. Erst die kleinen Taschenrutscher, dann die 0,5 l Flaschen und dann wurden es auch wieder große. Das Gewaltschutzgesetz griff nicht, mein Antrag auf alleinige Wohnungszuweisung wurde abgelehnt mir der Begründung, dass er aktuell nicht gewalttätig geworden ist. Als ich mich trotzdem weigerte, ihn aufzunehmen, ließ er mir einen Schlüssel durch die Polizei abnehmen und so war ich gezwungen, weiterhin mir ihm zu leben. Heute ist der Kleine 2 Jahre alt, das hin und her in der Beziehung hat kein Ende genommen, allerdings hab ich ihn mir einer List dazu gezwungen, aus der Wohnung zu gehen. Seit gestern ist er wieder dauerhaft mit 3-4 Promille draußen unterwegs, vorhin stand er vor der Tür und wollte rein. Als ich ihn nicht ließ sagte er, er ginge jetzt zum Bahnhof und legt sich auf die Gleise. Bei seinem Blutalkoholwert ist ihm das zuzutrauen, auch, dass er da schläft. Als er ging sagte er noch, wenn ich nichts mehr von ihm höre und in der Zeitung lese, was passiert ist, solle ich ja daran denken dass das alles nur meine Schuld sei. Wie verhalte ich mich richtig? ICh möchte nicht mit so einer Schuld leben!