Beiträge von Zimttee

    Hallo Ratlos,

    das ist absolut normal; so fühle ich mich momentan auch. Diese Gefühle lassen dann nach, wenn ich auf Distanz zu meinen Eltern gehe und kommen bei Kontakt wieder hoch.

    Wie lange bleibt er denn dort?
    Vielleicht kannst du die Zeit nutzen, wieder zur Ruhe zu kommen.

    Was machst du für dich? Hast du Hobbies?

    Ich gehe an solchen Tagen immer schwimmen. Nach 1 Stunde im Wasser bin ich ziemlich mit meinen Gedanken bei mir :)

    Viele Grüße!
    Zimttee

    Und zusätlich:
    Ich kann nicht mehr mit meinen Eltern sprechen- zu einer "normalen" Kommunikation mit ihnen bin ich nicht mehr in der Lage. AUch, wenn ich das bei anderen gerne höre- aber es geht nicht mit meinen. Gemeinsame Essen habe ich seit jeher gemieden- ich kann Mutter nicht beim Essen gegenüber sitzen und habe dadurch nie ein vernünftiges Essverhalten gelernt.
    Mir kommts hoch, wenn ich an ihren Gesichtsausdruck beim Essen denke, oder die Art, wie sie ist (Kopf zur Gabel und nicht umgekehrt), weil ihr sonst alles von der Gabel fällt.

    Gemeinsame Mahlzeiten gab es kaum- wohl auch, weil damit in den 15 Minuten das Elend nicht mehr zu leugnen war. Während des Essens wurde und wird geschwiegen.
    Und eigentlich möchte ich nie mehr mit meinen Eltern am Tisch sitzen und ihre Stimmen nicht mehr am Telefon hören. Es widert mich an- meine Mutter (ich schrieb gerade statt des Wortes "Mutter" das Wort "Oma") klingt wie eine 90-Jährige und nicht wie 50.

    Zitat von Katharsis


    Zimttee, Dein Beitrag hat mir unglaublich gut gefallen. Trotz der schlimmen Erlebnisse in Deiner Kindheit bist Du in der Lage gewesen, sachlich, klar und vor allem mit der notwendigen Distanz nach einer Lösung zu suchen.

    Danke, Katha :)
    Ich habe den Beitrag eben erst gelesen.

    Hallöchen Karl,

    mir ging es in meinem ersten Beitrag auch dadrum, dir aufzuzeigen, in was für einer ...miesen... Ausgangssituation ihr beide sitzt. Was ist denn das für eine Basis für eine Ehe, für eine Kommunikation auf Augenhöhe, für Vertrauen? Pass auf, dass ihr da in keinen Machtkampf geratet- dann wäre jegliche Möglichkeit für eine Klärung weg.
    Also ganz ehrlich- würde ich von irgendjemandem Gewalt erfahren, wäre für mich Schicht im Schacht. Und "verprügeln" ist ja nochmal eine andere Hausnummer als die allgemein bekannte "leichte" Ohrfeige im Affekt. Egal was jemand getan hat- Gewalt geht gar nicht. Nie. Und danach wäre auch alles an Gefühlen und Verständnis weg.

    Irgendwie widersprechen sich deine Beiträge doch ziemlich, wenn man mal quer liest.
    Du schreibst auf der einen Seite, dass du gar nicht weißt, welchen Karrierestatus deine Frau nun hat. Dann schildest du widerum Gefühle und Geschehnisse, die auf eine ziemlich lange Karriere und Belastung hindeuten, schilderst einen Schauplatz, der so verfahren und kaputt klingt, dass man sich als Außenstehender fragt, wie das je gekittet werden könnte. Da denke ich mir, ob es angesichts dieser miserablen Situation nicht gleichgültig sein sollte, auf welcher Stufe sie steht. Es sollte sich um dein Wohlbefinden drehen.

    Dann schreibst du an einer Stelle (ich glaube als Reaktion auf schnuffig, das ist aber nur aus der Erinnerung zitiert), dass es bei deinen Kindern gaaar nicht soooo schlimm war und du sie aus der Schusslinie ziehst.
    Dann lese ich im EKA-Forum und du schreibst, dass du deinen Kindern gegenüber geäußert hast, dass sie mit ihrem Verhalten zur Sucht der Mutter beitragen.. Berichtest, dass das zweijährige im KiGa "Mama trunken" sagt. Von einem 2-Jährigen. Zwei. Als ich damals etwa 3 oder 4 war, konnte ich das nicht in Worte fassen, da war Mama "bloß" komisch. Aber dieses Kind hat bereits das passende Vokabular, obwohl so viel jünger. Und das ältere Kind gibt sich selbst die Teilschuld am Zustand der Mutter. Und dann schreibst du, dass du dann vielleicht doch gehen musst, damit die Kinder nicht zu Schaden kommen.
    Das klingt alles andere nach dem, was du meinst. Das klingt danach, als ob deine Kinder sehr wohl alles mitbekommen, du sie zwischendurch noch in die Schusslinie ziehst und der Schaden schon längst vorhanden ist.
    Ich meine, Kinder haben nicht die Kommunikationsmöglichkeiten wie Erwachsene- das ergibt sich schon aus der Abhängigkeit der Kinder von den Eltern und davon, dass sie vieles nicht reflektieren können. Ich würde schon das "Mama trunken" des Kleinkindes als Hilferuf auffassen und die Aussagen des größeren Kindes als eindeutig.

    Dann überlege ich, woher du die Hoffnung nimmst, von der du sprichst. Du schreibst selbst, dass es bisher keine externe Hilfe gab und dann, dass deine Frau so gar nicht einsichtig ist und abstreitet, Alkoholikerin zu sein. Wie soll sich da was bessern, wenn die Einsicht fehlt?
    Daher sehe ich da eher weniger Hoffnung. Zumindest momentan. Und ohne Änderung keine Veränderung. Wurde hier ja auch schon, von Rhein glaube ich, geschrieben.

    Und daraus resultiert dann der Rat, deine Koffer zu packen und die Beine in die Hand zu nehmen. Es ist doch schon so viel kaputt gegangen- was soll noch passieren? Deine Frau hat ja parallel noch die Möglichkeit, an sich zu arbeiten und eine Einsicht zuzulassen. Vielleicht ist euer Auszug ja auch der (Tief-)PUnkt, an dem sie zur Besinnung kommt. Wer weiß.
    Aber ich würde nicht die Kindheit deiner Kinder dafür draufgehen lassen, um ihr noch ein paar Jahre lang regelmäßig Chancen zukommen zu lassen. Bis der erste, und damit meine ich nicht deine Frau, ein Fall für die Geschlossene ist.

    Du schreibst, dass du deinen Kindern keine Scheidung antun möchtest.
    In Psychologie-Handbüchern kannst du nachlesen, dass Kinder etwa 2-3 Jahre brauchen, um eine Scheidung der Eltern komplett zu verarbeiten, da Kinder eine unglaublich hohe Anpassungsfähigkeit haben. Die Alternative wäre eine Kindheit mit laufenden Traumata, die im Worst-Case die Beziehung zu beiden Eltern ruiniert und ihnen die Zukunft (ich verweise an dieser Stelle auf meinen, Lindes oder schnuffigs Beitrag als Beispiel) verbaut oder unnötig schwer macht.
    Du hast also die Wahl zwischen 2-3 Jahren und "ein Leben lang". Da bräuchte ich jetzt nicht soooo lange abzuwägen.

    Vielleicht solltest du dir auch Hilfe, in Form eines professionellen Therapeuten, holen (ich meine da nicht unbedingt die Suchtberatungsstelle, sondern ausgebildete Psychologen), um mit jemandem professionell reflektieren zu können?

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Guten Abend!

    Ich lese hier schon ein paar Tage mit, aber fühle mich jetzt gerade erst einigermaßen in der Lage, hier schreiben zu können. Vorher hatte ich ein Entspannungsbad.

    Meine Therapie ist gestartet und ich möchte nun versuchen, über meine Gefühle zu schreiben. Bisher ging es nicht.

    Also, wie fühlte ich mich damals?

    In erster Linie schuldig und schlecht. Solche Sätze, wie Karl sie zu seinen Kindern sagte, habe ich auch von meinem Vater gehört. Es hat mich fertig gemacht- obwohl ich wusste, dass das Quatsch ist und mein Vater, im Grunde genommen, was die Situation mit Mutter betrifft, ein Versager.
    Dennoch war da manchmal doch so ein kleines Stimmchen, welches mich fragte, ob ich nicht doch etwas dazu beitrage. Auch wenn ich prinzipiell wusste, dass das nicht stimmt.
    Aber dennoch- wenn das der eigene Vater sagt, dann hat das eine andere Qualität.
    Als ich kleiner war, schloss ich meine Schuld auch aus der Situation- Mutter gehts schlecht- ich bin Schuld:
    - weil ich nicht gut genug bin
    - nicht lieb genug bin
    - nicht aufmerksam genug bin
    - schlecht bin
    - nicht aufräume
    - nicht so toll wie andere bin

    Ich fühlte mich ständig hilflos, verzweifelt. Mir fehlten Halt, Aufmerksamkeit, Bestätigung und Sicherheit. Es drehte sich nichts um mich- immer um Mutter. Wir Kinder liefen nebenbei mit.
    Was macht sie, in welchem Zustand ist sie? Wie wirkt sich das auf die Stimmung zu Hause auf? Wenn Vater nach Hause kam, fragte er nie, wie der Tag in der Schule war, sondern nur "Hat sie getrunken?".

    Ich wurde auch sozial isoliert. Wenn ich früher auch Freundinnen hatte- es waren keine guten Freundinnen. "Nur" diese psychogesprächsfähigen, wie Linde es beschrieb. Die mir aber wohl das gaben, was ich damals brauchte. Besuch hatte ich ohnehin nie- ich konnte und durfte ja mit niemandem drüber reden und einfach so, auf gut Glück, jemanden mitbringen, ging gar nicht. Man wusste nie, welchen Anblick der Besuch ertragen musste, welches Essen oder welche Stimmung. Ging nicht.
    Als Kindergartenkind hab ich auch mal gesagt, dass Mama so komisch sei und ich nicht wüsste, was los wäre- oha, das gab Ärger und ich war noch eingeschüchterter, als ich ohnehin schon war.

    Ich glaube, ich habe es auch nur dadurch überstanden, weil ich mich total zurückgezogen habe, die Nachmittage verschlief und mich gedanklich in meine Welt verkrümelte. Dissoziation passt wohl auch. Zwar ging vieles den Bach runter, ich konnte nicht die Leistung bringen, zu der ich im Stande war- auch mein IQ ist wohl nicht der niedrigste.. Aber letztlich langte es "nur" zu einem schlechten Abi und einem Studiengang ohne NC- der zu meinem Traumjob führte und mich durch selbstgewählte Schwerpunktsetzung im Bereich Psychologie auch ein Stück weit selbst therapierte.
    Ich sprach mit meiner Therapeutin drüber und sie meinte nur, dass normalerweise Kinder aus "solchen" Familien nie an der Uni landen, weil sie vor lauter psychischer Belastung nicht mehr so leistungsfähig seien. Ja, Ressourcen hatte ich, die mir halfen. Meine Großeltern, die nun schon Jahre tot sind. Meine Therapeutin sagte mir auch auf den Kopf zu, dass ich in katastrophalen Verhältnissen groß geworden bin, auch wenn meine Eltern natürlich den ekelhaften Schein einer sorgenlosen Familie des Mittelstandes mit großem Auto und Eigenheim aufrecht erhalten.
    Nur was nützt das, wenn sich hinter der Fassade die Mutter zu Tode säuft?

    Mir tat es so gut, endlich jemanden zu haben, der einem im Gespräch hilft, das Häßliche anzugucken und "die Hand hält", damit man nicht wegschaut.
    Vor allem war es ja schwierig, dass eben diese Verhältnisse da waren- aber mein Vater alles schön redete, das vermeintlich Gute hervorholte und alles miese unter den Teppich kehrte bzw mir als Einbildung ausredete. Man wird verdreht.

    Seit diesem Gespräch kann ich sogar etwas weinen. Gerade habe ich Tränen in den Augen- vorher hätte ich mich kalt gegeben und alles an mir abprallen lassen.

    Nunja. So sieht es aus. Manchen Themen kann ich mich immer noch nicht annähern; ich hoffe, dass es sich gibt.

    Letztlich hat alles dazu geführt, wie andere es schon beschrieben. Eine Familie, in der es so viel Gewalt, Belastung und Streit gibt, bringt keine gesunden Eltern-Kind-Beziehungen hervor. Ich hasse meine Eltern zum Teil für das, was sie mir antaten. Sowohl durch aktives Handeln, als auch durch passives Nichtsunternehmen. Ich hasse sie für diese erbärmlichen Versuche, mir eine Schuld anzudrehen. Früher habe ich mich für diese Gedanken auch geschämt- aber seit der Sitzung weiß ich, dass diese Gedanken mich vor weiterem Schaden schützten, da ich mich besser distanzieren konnte.

    Schönen Abend zusammen,
    Zimttee

    Hallo Karl,

    was ich an deiner Stelle tun würde?
    Kurz zu mir: Ich bin ein erwachsenes Kind einer Alkoholikerin, mein Vater ist ungefähr in deiner Situation. Aber nicht seit 5 Jahren, sondern seit 25.

    Bei uns zu Hause spielte sich gleiches ab- Mutter betrunken, Vater verprügelt sie. Und ich könnte kotzen, wenn ich deinen Beitrag lese- merkst du überhaupt, was du getan hast? Wäre ich deine Frau, würde ich dich für 10 Tage der Wohnung verweisen- dazu hat sie nämlich nun den Staat an ihrer Seite.

    Schlimmer als die Sauferei der Mutter war für mich die körperliche Gewalt meines Vaters gegenüber meiner Mutter. Ich muss, hoffe ich, hier jetzt nicht schildern, wie ich das damals empfunden habe. Mich verfolgt das noch, obwohl ich schon längst aus der Gewalt-Hölle ausgezogen bin. Denk da vielleicht mal an deine Kinder.

    Und als Pädagogin kann ich dir nur sagen, dass du gerade dabei bist, einen kleinen Machtkampf anzuzetteln.

    Also von daher- ziehe deine Konsequenzen, überleg, wie es nun für dich weitergehen soll- mit betrunkener Frau oder ohne- und leb danach.
    Zieh aus, bevor du das nächste Mal zu Gewalt greifst, und nimm die Kinder mit.

    Grüße,
    Zimttee

    Hallo Elpida,

    ja, diese ambivalenten Gefühle kenne ich auch.
    Mir hilft es, mir bewusst zu machen, warum ich mich distanzieren darf und die Situation nicht meine Schuld ist und was mit mir passiert, wenn ich mich in den Sumpf wieder reinstürze.

    Mir geht es bezüglich der ambivalenten Gefühle immer dann am besten, wenn ich möglichst wenig Kontakt zu meinen Eltern habe.

    Das Verhalten deiner Mutter finde ich auch unmöglich. Auf mich macht es den Eindruck, als ob sie dich manipulieren möchte, indem sie augenscheinlich so tut, als wolle sie dein Vorhaben (den Auszug mit eigener Wohnung) unterstützen, aber dich eigentlich dazu bringt, den Kontakt zu deinem Vater wieder aufzunehmen.
    Ich bin nicht sicher, unter welchen Bedingungen Eltern den frühen Auszug der Kinder unterstützen müssen. Du selbst hast dich anscheinend informiert und sagst, dass sie nur in besonderen Situationen zahlen und Kinder ansonsten bei den Eltern bleiben müssen.
    Für den Fall, dass du nachweisen musst, dass es für dich unzumutbar ist, würde ich anfangen, ein Protokoll zu führen- Datum, Uhrzeit, Situation, wie fühlst du dich? Sowas in die Richtung, damit du im schlimmsten Fall abgesichert bist.

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Hallo Jenny,

    genau so ist es hier auch.

    1. meine Mutter funktioniert auch weiterhin, kauft Süßigkeiten, räumt auf, kocht.. Und dann wird wieder gesoffen. Mir kommt es manchmal so vor, dass es so eine Art Entschuldigung für ihr Verhalten ist. Das machts aber nicht besser.
    Und auch ich spüre diesen Hass, die Wut manchmal- und fühle mich dann wieder schlecht eben wegen dieser Gefühle- sie meint es doch gut. Abe sie verhält sich dennoch sche*ße. Nun, daher beginnt meine Therapie bald.

    2. Die Caritas ist eine gute Sache- ruf da an und mach einen Termin. Letztlich steht und fällt es mit deinem Gesprächspartner. Als meine Dame dort mir beim 2. Treffen riet, mit meinen Eltern zu entsprechenden Einrichtungen zu gehen (mit Vater zur Suchtberatung oder dem Sozialpsychiatrischen Dienst und Mutter auch dahingehend zu belabern) bin ich nicht mehr hingegangen, weil mich das wieder zu sehr in meine Co-Rolle gedrückt hätte und ich nicht dafür zuständig bin, dass meine Eltern Hilfe bekommen, wenn sie keine externe wünschen. Mich hat es total getriggert- es tat mir nicht gut.

    3. So Sätze wie "Je älter ihr werdet, desto bescheuerter werdet ihr" oder vergleichbare Beleidigungen sind hier auch schon gefallen- hauptsächlich zielen diese Kommentare auf mangelnde Intelligenz, Kompetenz und auf die Figur. Ich denke, der Sinn und Zweck dieser Sätze ist, dass wir sie mit ihrer Sauferei in Frieden lassen sollen. Aber was sie uns damit antuen- darauf kommen unsere Mütter im besoffenen Kopf nicht, da sich alles nur um den Alkohol dreht.

    4.
    Meine Mutter zeigte auch mal die Spur der Einsicht- ja, sie wäre krank und es müsse professionelle Hilfe her. Das ist vor 4 Jahren geschehen und war auch der letzte Satz in die Richtung. Seitdem wird wieder verdrängt und gesoffen.

    5.
    Ich drücke dir die Daumen, dass du da schnell raus kommst.

    VIele Grüße,
    Zimttee

    Hallo Ralf!

    Ich habe dir, glaube ich, schonmal geschrieben.. Bin aber nicht soo sicher.
    Jedenfalls kann ich nachvollziehen, wie du dich fühlst. Meine Mutter trinkt ja auch ewig. Ich war schon ein paar Wochen nicht mehr zu Hause, bin nun auf Pflichtbesuch dort- und wieder das gleiche Drama.
    Im Prinzip weiß ich schon jetzt, dass sie bald sterben wird- so ists nunmal. Keine Ahnung wie lange sie noch hat- aber sie wird sich auch zu Tode trinken. Nach 25 Jahren Sucht.

    Du brauchst dir keine Gedanken zu machen- du hast mehr getan, als manch anderer in der Situation. ich kann jetzt kaum ihre Anwesenheit ertragen- wer weiß, ob ich es schaffen würde, so oft bei ihr zu sein.

    Vielleicht solltest du wissen, dass viele Menschen gerne alleine sterben, ohne Anwesenheit von Angehörigen. Ich habe sowohl von Erfahrungen im Nahen Verwandtenkreis gehört, dass der Sterbende die Ehefrau telefonisch informieren ließ, sodass sie noch hinfahren konnte, als auch davon, dass der Besuch die ganze Zeit am Krankenbett saß, der Kranke sie dann wegschickte "hol mal dies und das" und die Person in der Zeit starb.

    Von daher- womöglich hattest du also gar keine Möglichkeit, bei deiner Mutter dabei zu sein.
    Und Schuldgefühle brauchst du wirklich nicht zu haben- du hast einfach keinen Einfluss und warst zudem damals noch ein Kind.

    Viele (innerstadtliche) Grüße
    Zimttee

    Zitat von Lulu86


    Wenn ich ihr das einmal versuche zu sagen, wird sie meist sehr bösartig, sie kann richtig verletzend und gemein werden dann. Sie hält mir vor, dass sie mich in die Welt gesetzt hat und immer für mich da war, alles für mich aufgegeben hat.

    Sie ist selbst dafür verantwortlich, was in ihrem Leben geschieht- ob und wann sie schwanger wird und von wem. Wenn sie ein Leben in die Welt setzt, sollte es selbstverständlich sein, dass sie die Verantwortung übernimmt- das kleine Wesen kann ja nichts dafür.
    Ihr Verhalten ist echt ekelhaft- ich meine, sie verbockt die Partnerschaft bzw. hatte den falschen Partner- und sie erwartet nun Selbstopferung deinerseits, weil sie sich wie eine normale Mutter weiterhin um dich gekümmert hat? Es ist doch ihre Verantwortung, dass sie alleine war und nun niemanden hat. Es ist absolut legitim, wenn du dich befreist- sonst gehst du selbst drauf. Und Mütter, die angesichts deiner Situation erwarten, dass du dich und deine Gesundheit opferst, haben die Bezeichnung "Mutter" und jegliche Fürsorge nicht verdient.

    Vielleicht hat der Alkohol ihr Gehirn schon soweit angegriffen, dass sie da nicht mehr klar denken kann. In diesem Fall wird es in Zukunft nicht besser, sondern schlimmer. Von daher umso nachvollziehbarer, dass du die Füße in die Hände nimmst.

    Kannst du dir vorstellen, den Kontakt zu ihr ganz einzustellen?

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Hallo Jenny,

    schön, dass du nun hier bist.
    Tja, das Schuldgefühl.
    Grundsätzlich tut mir die Distanz gut, ich fühle mich seitdem besser.
    Ich habe kein schlechtes Gefühl mehr, weil ich ausgezogen bin; aber manchmal tut der Gedanke daran sehr weh, dass sie sich so zugrunde richtet, immer mehr verfällt und irgendwann dann auch stirbt. Ich habe Angst vor dem Moment, wenn ich vor ihr in der Leichenhalle stehe.
    Und ich habe auch vor der Zeit danach Angst, weil mein Vater sich nicht selbst versorgen kann. Vernünftige Gespräche sind nicht möglich, da er sehr manipulativ ist und das schlechte Gewissen anderer sehr gut bedient.

    Da sehe ich ihn schon bei mir zur Vollpension einziehen- was ich natürlich nicht will, da er kein einfacher Zeitgenosse ist und ich keine Lust habe, mich ihm nun anzupassen.
    Ich merke nun, dass die Manipulationen Spuren hinterlassen haben. Auch haben sie mich zwischendurch immer wieder verletzt, beleidigt, mein Selbstwertgefühl zerstört. Dann war ich an anderen Tagen doch wieder die tolle. Je nach Bedarf. Das hat geprägt. Und natürlich ist es die perfekte Methode, die Tochter so zu erziehen, dass sie später nach Bedarf springt und sich aufopfert.
    Das merke ich nun erst in einer Zeit, in der ich mich schon distanzieren konnte. Vor 6 Jahren bin ich ausgezogen, aber abgenabelt habe ich mich erst später.
    Ich denke, es schlummern hier und da noch ein paar Traumata, zwischendurch kommen viele unschöne Erinnerungen wieder hoch.

    Ich kann dir da nur eine Therapie empfehlen. Ich bezahle sie nun selbst, da ich Angst habe, dass mir eine Therapie sonst die Karriere vermasselt. Aber selbstverständlich kannst du auch eine bei der Krankenkasse beantragen. Wenn du zum Arzt gehst und von deiner Familie berichtest, wird der es sicher auch so sehen. Für mich war das damals alles so normal, da ich vor lauter familiärer Suchtstrukturen nicht erkannte, was sonst "normal" ist. Als ich ihm dann vom Verhalten der einzelnen Familienmitglieder mir gegebüber berichtet und ihrem eigenen Trinkverhalten, schlug mein Arzt die Hände über dem Kopf zusammen und sprach ohne meine Anfrage von einer Therapie, die ich auch aus Umzugsgründen erst nun antrete.
    Es hätte ohnehin 9-12 Monate gedauert, bis ich einen Platz bekommen hätte.

    Du, ganz ehrlich: Wenn deine Mutter später nach deinem Umzug jammert, ist sie selbst Schuld. Du hast es jahrelang versucht, hast gebettelt, geheult und gefleht- dann ist das ihr Pech. Du hast im Vorstellungsthread deinen Stiefvater zitiert- das ist doch grausam, was er dir einreden möchte. Es kann sooo schädlich sein, anderen, jüngeren Menschen das Urteilsvermögen abzusprechen und so einen Käse einzureden.
    Abgesehen davon ist es absolut normal, dass erwachsene Menschen irgendwann ausziehen und ein eigenes Leben führen. Du bist kein Kind mehr und auch keine Pflegefachkraft, die nach Saufgelagen die Scherben wegfegt. Deine Mutter ist alt genug, ihren Mist selbst zu regeln.
    In anderen Familien ist es so, dass nach dem Auszug der Kinder ein herzliches Verhältnis bleibt- aber dass ein solches aufgebaut wird, hängt auch stark vom Verhalten der Eltern ab. Da hat sich deine Mutter nicht mit Ruhm bekleckert- also selbst schuld; sie hat keinen Grund, sich zu beklagen.
    Interessant ist aber zu wissen, dass es diese normalen Vorgänge in Familien mit Suchtstrukturen nicht gibt. Kinder bleiben Kinder, immer in der Nähe des Rockzipfels der Mutter- und Loslösungen werden durch emotionale Erpressung zu verhindern gesucht. Kinder fühlen sich für Eltern verantwortlich- eigentlich soll es ja andersrum sein. Aber diesen Kindern wird mit auf den Weg gegeben, dass sie für das Wohl der Eltern Sorge tragen sollen und sich kümmern müssen. ist Quatsch.

    Meine Mutter hat mir schon eingetrichtert, als ich ein Kleinkind war, dass sie nie in ein Heim möchte, sondern lieber von der Tochter gepflegt werden will. Fremde Leute will sie auch nicht im Haus. Ich wäre ziemlich doof, wenn ich dem nachkomme und, sollte sie aufgrund der jahrzehntelangen Sauferei irgendwann auf Pflege angewiesen sein, mich auch noch damit weiter kaputt zu machen.

    Ich finde die Pläne, mit dem Freund zusammenzuziehen, absolut nachvollziehbar und legitim.
    Die Frau hat auf dich (selbst als deine Mutter) keine Rücksicht genommen. Und du sollst nun deine Interessen, dein Wohl und deine Lebensplanung für sie hintenanstellen, damit sie fein saufen kann?
    Lieber sollte sie über Konsequenzen für sich nachdenken, dass ein normaler Umgang nach deinem Auszug möglich wird.

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Hallo GiDa,

    ich hab dir ja schon im Vorstellungsthread geantwortet.

    Dein Bruder und dein Vater sind erwachsen- warum solltest du ihnen helfen? Weil deine Mutter trinkt? Und wer hilft dir? Ich gehe davon aus, dass sie alt genug sind, um sich bei Bedarf selbst zu helfen.
    Sollte der Bruder noch minderjährig sein, kannst du überlegen, ob du ihn bei dir aufnehmen kannst.

    Also, was ich machen würde:

    Vielleicht würde ich mich mit Bruder und Vater an einen Tisch setzen und über die Situation reden. Das tut euch schonmal gut. Dann solltet ihr klären, was ihr nun erwartet und versuchen, an einem Strang zu ziehen.

    Will dein Vater nun noch mit ihr zusammenleben?
    Fakt ist: Wenn ihr mit Konsequenzen droht, müsst ihr sie auch durchziehen- sonst werdet ihr unglaubwürdig.

    Ich würde, wie bereits geschrieben, mein hilfloses Kind, was sich in dem Alter nicht artikulieren kann, niemals bei einem Alkoholiker lassen:

    Zum einen wird die Stimmung dort völlig im Eimer sein- und ist nichts für ein Kind. Und zum anderen würde ich mich niemals nie nie nie auf die Trinkmenge und das Trinverhalten eines Alkoholikers verlassen und das Kind in die "Obhut" meiner Mutter geben.
    Auch wenn es 3 Mal gut ging- beim 4. Mal gehts daneben und das Kind leidet darunter. Zudem ist deine Mutter für ein Kind, was durch beobachten momentan am meisten lernt, kein Vorbild.


    "Ich will den kontakt nicht abbrechen, da meine Tochter ihre oma sehr lieb hat."

    Dein Kind ist noch sooo jung- würdest du ihm demnächst statt Wasser und Tee Cola geben und vor jedem Mittagessen Eiscreme, weil es die so liebt? Also.
    Du musst zu seinem Wohl entscheiden.

    Und nebenbei- wieso sollte deine Mutter aufhören zu trinken, wenn alles so weiterläuft wie bisher? Ein paar Familienmitglieder den Zeigefinger heben, "du du du" sagen- und das war's? Warum sollte sich deine Mutter deswegen auf den unbequemeren Weg begeben, wieder in die Klinik zum Entzug etc, wenn doch auch so alles wie gewohnt weiterläuft?
    Hier helfen nur Konsequenzen.

    Den Auslöser wirst du nie erfahren- manche trinken auch einfach wieder, weil sie wollen. Weil sie nur ein Jahr pausieren wollten. Andere werden rückfällig, weil sie nicht genug an sich gearbeitet haben- ein Entzug reicht da nicht, es müssen Therapien folgen. Weil der Alkohol in einem ungünstigen Moment griffbereit stand- und man sich vorher nicht um ein alkoholfreies Umfeld gekümmert hat. Bei manchen sind es Mischungen aus allem oder noch andere Gründe.

    Ich würde sie wohl direkt auf die Situation ansprechen, wenn du es kannst. Aber- was soll es bringen? Wenn sie weitertrinken will, trinkt sie weiter. Du solltest dir vorher überlegen, was dir das Gespräch bringen soll. Wenn alles danach seinen gewohnten Lauf nimmt und du nichts änderst- dann bringt so ein Gespräch auch nicht viel.

    Nein, es wird ihr nicht helfen, den Zugang zum Alkohol zu erschweren. Sie wird immer an welchen ran kommen und du machst dich so nur kaputt. Außerdem ist sie erwachsen und darf trinken, wenn sie will.

    Du kannst dir helfen- und deiner Tochter, wenn du euch da raus hälst.
    Und ansonsten helfen möglicherweise Konsequenzen, die du durchziehst: Trinkt die Mutter weiter- Kontakt reduzieren, Tochter nicht mehr alleine überlassen. etc.
    Dann siehst du, wie sie reagiert:
    wenn sie sich dann wieder in Behandlung begibt, ist alles gut- trinkt sie weiter, wäre es in Zukunft auch nicht besser geworden, da der Alk eben an 1. Stelle steht.

    Wenn du gar nichts machst, bleibt alles wie gehabt.


    Viele Grüße und gute Nacht,
    Zimttee
    (27 Jahre alt, Mutter davon 23-24 Jahre alkoholabhängig)

    Ich kann nachvollziehen, dass es dir sehr an die Nieren geht- aber leider kannst du nur bedingt was ändern. Aktiv handeln kannst du nur für dich und deine Tochter.

    Hallo Abbey,

    ich habe ja schon deine Vorstellung kommentiert. Da hast du ein paar ganz wichtige Dinge geschrieben, die an dieser Stelle wichtig sind.

    Allerdings kann die nicht jeder hier lesen, weil der offene Bereich nicht jedem zugänglich ist.
    Bei dir ging es um Harmonie, um Einsamkeit, Angst.

    Ich weiß nicht, wie es nun um dein Selbstwertgefühl bestellt ist- es gibt ja einen Unterschied zwischen "ich habe zur Kenntnis genommen, genauso viel wert zu sein wie andere" und ich "ich fühle mich ebenso wertvoll".

    Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass diese o.g. Bausteine Grundlage für eine Co-Abhängigkeit sein können. Man sucht sich immer wieder die Sorte Menschen, ob als platonische Freunde oder Lebenspartner, die einem die Gefühle spiegeln, die man als Kind eingetrichtert bekam.
    Wenn man dazu noch harmoniebedürftig ist und schlecht loslassen kann, hat sich das perfekte Paar gefunden.
    Und Beziehungen, in denen sich Frau vieles nicht gefallen lassen würde kommen dann von vorneherein, wie Lindi beschrieb, nicht zu Stande, da die Menschen direkt die Beine in die Hand nehmen, wenn Mann oder Frau unverschämt, herablassend wird oder generell jemandem nicht gut tut.

    Schau dich mal bei den trockenen Alkoholikern um; manche von ihnen berichten von ihrem Verhalten in der nassen Zeit und erklären, welchen Zweck sie damit verfolgten. So wirst du sehen, dass es perfekt passt, wenn XY seine Frau schlecht behandelt, um sie zu manipulieren oder den Frust abzulassen (das ist typisches Suchtverhalten und gleicht sich praktisch in sämtlichen Beziehungen) und Frau ein geringes Selbstwertgefühl hat, sich jeden Schuh anzieht und zudem darauf bedacht ist, die Harmonie wieder herzustellen.

    Dieses Beispiel mit der Glaswand kommt mir bekannt vor- deswegen beginne ich bald eine Therapie und hoffe, dass dort Presslufthammer oder eben entsprechendes Kletterwerkzeug verteilt werden ;)

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Hoffnung gibt es leider in solchen Situationen nicht- nicht, wenn alles schon so furchtbar eingefahren ist, sich in Jahrzehnten nicht änderte und sich Rollen im System manifestiert haben. Dann macht man sich mit seiner Hoffnung selbst kaputt- mein Fazit nach der bisher 25-jährigen Alkoholikerkarriere meiner Mutter.

    Sagen wir es so: Wenn mein Partner nun beginnt, ab und an zu trinken, sich die Abstände immer enger ziehen- dann würde ich mit ihm reden, ihm in einem gewissen Rahmen noch Alternativen aufzeigen und die Pädagogin, die ich beruflich bin, rauskramen.
    Wenn sich dann nichts ändert, kann ich nur für mich überlegen, ob ich das weiterhin mitmachen will.
    So wie bei meiner Mutter- 25 Jahre lang.

    Mir ist es nicht egal, bei weitem nicht. Aber irgendwann muss der Selbstschutz beginnen- sonst landet man irgendwann auch beim Alkohol oder anderen (psychischen) Erkrankungen.
    Wenn sich 25 Jahre lang nichts ändert, keine Einsicht vorhanden ist, sondern weiter gesoffen oder als Co-Partner unterstützt wird- dann habe ich aufgegeben und kümmer mich um mich selbst. Sonst geht man selbst mit drauf.

    Das bezieht sich sowohl auf den trinkenden Angehörigen als auch auf den Partner, der daneben sitzt und durch seine Anwesenheit die Sucht weiter fördert.
    Gleiches bei Elpida- nach dem Abi ist vor dem Studienabschluss. Sie ist noch so jung, muss in den kommenden Jahren sehr viel selbst leisten- dass ich, ganz ehrlich, meine Kraft nicht mit Problemen vergeuden möchte, auf die ich selbst keinen Einfluss habe. Ich kann daneben sitzen und bitten und betteln- es hat keinen Effekt, sondern macht mich weiter kaputt. Das ist das, was ich meine.

    Das hat nichts mit "egal sein" zu tun, sondern mit emotionaler Distanz, die mich selbst schützt.
    Als ich deinen ersten und auch den letzten Kommentar las, dachte ich an genau das, was Girasole geschrieben hat.

    Vielleicht empfindest du es anders, weil du selbst noch zu stark in der Co-Abhängigkeit drinhängst?

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Hallo Girasole,

    kennst du zufällig Literatur für Frauen/Menschen mit alkoholkranker Mutter und co-Vater?
    Prinzipiell war mein Vater anwesend, auch geistig- aber eben handlungsunfähig.
    Selbst würde ich mich nicht als akut co bezeichnen- aber zumindest sind ja früher ein paar Knöpfe aktiviert worden, die nun noch funktionieren. Ebenso das schlechte Gewissen- wenn ich auch nicht mehr co handle, fühle mich noch manchmal so.

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Ergänzend:
    8. Ich habe mir zuvor ein paar Freundinnen rausgepickt, deren Meinung mir wichtig war und von denen ich glaubte, dass sie eine gute Menschkenntnis haben. Denen habe ich dann von dem potentiellen Partner erzählt, ihn ihnen vorgestellt und mich auf ihre Meinung, ergänzend zu meiner, verlassen. Die Mehrheit wird ihn wohl richtig einschätzen.

    Hallo Elpida,

    vor 6 Jahren steckte ich in der selben Situation wie du.
    Mutter seit meinem 3. Lebensjahr Alkoholikerin und mein Vater hilflos und verzweifelt daneben. Ich nebenbei im Abi- durch das ich beim 1. Versuch auch durchgerasselt bin. An Lernen war nicht zu denken.
    Beim 2. Versuch habe ich dann in der Gartenhütte gelernt, in der ich das Geschrei aus dem Haus immer noch hören konnte.
    Dann hat es geklappt, ich hab mir einen Vollzeitjob gesucht, dass ich das Elend zu Hause nicht mehr ertragen musste, sondern 7 Tage die Woche arbeiten konnte und bin im Oktober direkt zum Studium ausgezogen.

    Du schreibst von deiner verzweifelten und hilflosen Mutter- so ging es mir auch. Nur eben, dass es der arme Vater war, der ja so litt. Wenn man das als Kind mitbekommt, fühlt man sich in der Verantwortung, dem armen Elternteil zu helfen, bürdet sich die Verantwortung auf, damit es läuft. Und zerbricht daran.
    Da kann ich dir nur von abraten! Lass sie machen- sie ist die Erwachsene, nicht du. Wenn sie in der Misere hocken bleiben will, soll sie das machen- bis sie genug hat und den Hintern hochbekommt. Wenn ich sowas lese, stellen sich bei mir die Nackenhaare hoch, und die Galle steigt dezent an, da ich genau weiß, wie es ist, wenn die Eltern zur Handlung unfähig sind und die Kinder dafür dann die volle Packung abbekommen. Ich finde es ekelhaft, dass sie deinem Bruder die Verantwortung für ihre Unfähigkeit, sich damals vom Vater zu trennen, zuschiebt, weil der Junge damals geweint hat. (und wenn dein Bruder dann irgendwann fragt, warum hast du nicht, dann sagt deine Mutter "Kind, es war zu deinem besten- du hast sooo geweint, da wollte ich dir den Vater nicht nehmen" Manipulation ohne Ende.)
    Ja, jedes Kind weint wohl erstmal, wenn sich die Eltern trennen- meistens. Ich kenne wenige, die nicht geweint hätten. Ich hätte damals wohl auch geheult, aber im Nachhinein wäre eine Trennung das beste gewesen. Kinder können die Situation aber nicht umfänglich überblicken, deswegen haben die Eltern die Verantwortung für sie. Bitter, wenn sie nicht dazu in der Lage sind, dieser Verantwortung gerecht zu werden.

    Was nun?
    Zieh dir den Schuh nicht an, dass du dafür verantwortlich bist, dass sich deine Mutter nun endlich trennt. Sie wird wohl gewusst haben, dass eine Trennung notwendig ist, hat sich aber dagegen entschieden und sich irgendwelchen Ausreden gebeugt, die die Situation für sie angenehmer machten. Daher wird das wohl nun auch nichts.
    Wenn jemand sich nicht trennen will, sondern lieber das krankhafte System aufrecht erhalten möchte, kommst du da nicht ran- das wäre ebenso zwecklos wie deinem Vater den Alkohol ausreden zu wollen.
    Ich hab da auch mal mit meinem Vater geredet- aber war dann die böse undankbare Tochter, die die Familie auseinander bringen wollte.
    Du musst dich nun auf's Abi konzentrieren und solltest dich nicht in der Situation aufreiben. Halt dich da raus und ziehe deine Konsequenzen.
    Wenn es dich belastet, du nicht mehr richtig lernen kannst, wäre es nun richtig zu gucken, ob du zu jemand anderes ziehen kannst oder eben in eine Einrichtung für Menschen in deiner Situation.
    Dein Wohl sollte nun an 1. Stelle stehen und nicht deine Familie, die nicht in der Lage ist, deinem Wohl entsprechend zu handeln.
    Misch dich da zu Hause nicht rein- das ist nicht deine Verantwortung und wird dich nur belasten.
    Abgesehen davon, dass das Drama erst richtig losgeht, wenn deine Mutter sich nun während deiner Abivorbereitung trennt- sie wäre nicht die erste, die sich bei der ältesten Tochter ausheulen würde. Dann kommt noch der kleine Bruder hinzu, dessen Welt auf dem Kopf steht und der alkoholkranke Vater, der der Krankheit nach die Schuld bei allen anderen sucht, nur nicht bei sich selbst. Im schlimmsten Fall.
    Daher wäre ein Auszug, falls es nicht mehr geht, die für dich beste Lösung. Und dein Wohl sollte nun an 1. Stelle stehen. Ein schlechtes Abi oder gar keins wird dir in deiner Zukunft im Wege stehen.

    Wie gehts denn nach dem Abi für dich weiter?

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Ich habe auch eine solche Liste.

    Vor 7 Jahren war ich an dem Punkt, an dem ich genug hatte. Ich hatte 2 ernstere Beziehungen à 2 Jahre und 2 "Beziehungen", die innerhalb der ersten vier Monate kaputt gingen. Jedes Mal stellte ich zerknirscht fest, dass es von Anfang an nix war, ich schlecht behandelt wurde und mich habe blenden lassen.

    Danach war ich über 3 Jahre Single und habe mir in der Zeit Gedanken gemacht, was genau schief gelaufen ist, was ICH wollte und vor allen Dingen: ich habe dafür gesorgt, dass es mir gut ging und ich ein ausgefülltes Leben habe und zufrieden bin. So, habe ich gehofft, falle ich nicht auf den nächstbesten Typen rein, weil ich mit mir und meinem Leben zufrieden bin.
    Mir wurde klar, dass diese Beziehungen, auch wenn ich die Partner wirklich liebte, auch immer eine Flucht von Zuhause waren- vielleicht habe ich mich deswegen so überstürzt darauf eingelassen, ohne wirklich zu prüfen, ob sie mir gut tun? Ihr Verhalten habe ich akzeptiert, weil ich es aus meiner Familie kannte.
    Wer diese Liste anguckt, entdeckt also Rückschlüsse auf meine Ex-Partner:

    1. Als erstes habe ich aufgehört, nach Partnern zu suchen.

    2. Mir war es wichtig, keinen Partner aus meiner Heimat zu haben- die Trinkkultur passte mir dort nicht. Überhaupt wollte ich, dass mein potentieller Partner keinen Alkohol beim 1. Date bestellt und nicht zu diesen Cliquen-Trinkern oder Menschen, die Alkohol trinken, um sich besser / cooler zu fühlen, gehört.

    3. Ich wollte niemanden, der bei den ersten Treffen über die Ex herzieht oder noch mit ihr zusammenwohnt. Beides waren für mich Zeichen mangelnden Anstands und Hinweise auf möglicherweise noch vorhandene Gefühle, wenn auch nicht unbedingt noch Liebe, sondern auch sowas wie verletzter Stolz.

    4. Ich habe mir Zeit gelassen, sein Umfeld kennenzulernen. Seine Freunde- und geguckt, wie diese ticken. Meist gesellt sich ja gleich und gleich zusammen.

    5. Was ist mit der Familie? Mir war ein gutes, enges Verhältnis wichtig. Er sollte nicht von ihnen abhängig sein, aber eben sie auch nicht ablehnen. Außerdem waren meine Ex-Partner alle Kinder aus zerrütteten Familien und nicht beziehungsfähig. Alle hatten zu einem Elternteil, meist dem Vater, ein schlechtes bis gar kein Verhältnis.

    6. Ich habe auch sehr genau darauf geachtet, wie sie mit ihren Ex-Freundinnen während der Beziehung umgegangen sind- und vor allen Dingen, wie sie mit ihr Schluss gemacht haben.
    Bei allen meinen vorherigen Beziehungen wiederholte sich nämlich bei mir zum Ende der Beziehung gleiches. Wurde meine Vorgängerin gegen eine neue ausgetauscht- gegen mich, passierte mir mit meiner Nachfolgerin gleiches.

    7. Mir war sehr wichtig, dass er Interesse an mir zeigt, auf Nachrichten reagiert und mich nicht lange warten lässt. Ich glaubte, dass ein Mann keine Spielchen spielt, wenn es ihm wirklich ernst ist.


    Naja, ich komme sicher noch auf mehr Kriterien. Am wichtigsten war es mir, sie auch zu berherzigen, wenn es soweit ist- in 3 Jahren war kein passender Mann dabei. Nach etwas mehr als diesen 3 Jahren hab ich meinen jetzigen Partner kennengelernt, mit dem ich bald 4 Jahre zusammen bin. Es hat geklappt :)

    Hallo Julimond,

    ich habe dieses Jahr angefangen, die Fühler nach einem Therapeuten auszustrecken.
    Als ich mich in Stadt X nur so informierte- recht allgemein, da hieß es: gesetzlich versichert: 9 Monate, Privat/Selbstzahler: 4 Wochen.

    Dann hab ich meinen Umzug abgewartet und als das so einigermaßen klar war, mir hier in Stadt Y einen Platz als Selbstzahler gesucht: 3,5 Wochen Wartezeit.
    Den trete ich demnächst an.

    Wohnst du sehr ländlich?

    Viele Grüße,
    Zimttee