Danke, Lea 
Kraft und Durchhaltevermögen kann schon sein- wird wohl, sonst wäre ich irgendwo untergegangen. Aber ich merke, dass ich ständig unter meinen Leistungen geblieben bin- wie oft habe ich von meinen Professoren gehört, dass ich noch mehr kann und warum ich das nicht zeige?
Oder jetzt, bei meiner Abschlussprüfung wurde ich von einem Psychologie-Prof geprüft. Sein abschließender Kommentar: Sie wissen so viel und können es auch anwenden, umsetzen und zeigen- Sie dürfen mehr Selbstbewusstsein haben.
Da fehlt mir jedoch das Einschätzungsvermögen. Ich erzähle, dass Schüler sich realistisch einschätzen können müssen, um selbstbewusst in Prüfungen zu gehen und alles gut bewältigen zu können- aber kann es selbst nicht.
Ständig habe ich Worte wie "Versagerin", "Du bist unfähig", "dumm" etc im Hinterkopf- vor meiner Prüfung war ich davon überzeugt, dass ich dazu eh nicht in der Lage bin und es sowieso nicht verdient habe. Das durchzustehen war ein Kampf.
Meine Eltern haben mich immer klein gehalten, ich bekam Mutters Launen immer ab- sie machte mich früher richtig nieder. "Was kannst du denn? Nicht mal putzen kannst du- aber Abi machen." Es gab Beleidigungen bezüglich meines Aussehen- "fett und faul bist du, sitzt mit deinem fetten Hintern und deinem Schmierbauch nur auf dem Sofa und lässt mich alles alleine machen" Das war noch mild- wenn sie richtig frustriert und unzufrieden war, schrie sie mich zusammen- oder auch ganz fies: ich saß auf meinem Zimmer und sie lief unten durch die Wohnung und jammerte und beklagte sich im Jaulton über ihre böse Tochter und womit sie sowas verdient habe?
Das alles hat Spuren hinterlassen- und es ist ständig eine riesen Anstrengung, das zu kompensieren.
Sobald ich Stress habe, kommen sämtliche Flashbacks wieder hoch und machen mir alles noch schwerer.
Ganz von dieser ständigen Angst und Hilflosigkeit zu sprechen, die ich spürte, wenn sie mal wieder betrunken war und sternhagelvoll auf dem Sofa lag. Oder wenn man als Kind merkt, dass es gleich schon wieder soweit ist- man merkt die Vorzeichen, dass sie sich gleich wieder zuschüttet an ihrem Verhalten- dann hört man irgendwann, dass Vater dabei ist, sich fertigzumachen und das Haus abends zu verlassen- und du weißt: es wird ein "toller" Abend. 20 Minuten später ist sie sturzbetrunken und am besten wäre es, sie wäre so betrunken, dass sie den Abend nur noch auf dem Sofa liegt und Löcher in die Luft starrt, mich in Frieden lässt und wieder halbwegs klar ist, sobald Papa nach Hause kommt, damit es dann nicht auch noch tätliche Auseinandersetzung gibt und ich/wir dazwischen gehen müssen.
Ich will einfach nur von dieser Last befreit werden und so sein wie jede andere in meinem Alter. Spaß und Freude haben, ausgelassen sein.. Und nicht diese ständige Last spüren, dauerangespannt, -nervös und so extrem ernst und ohne Freude sein. Ich war da schon immer anders als Gleichaltrige und kam daher bei diesen "dauerglücklichen" Mädchengruppen, die sich um nix scheren mussten, nie an. Sondern wurde und war immer und überall der Außenseiter, der sich so wunderbar als Blitzableiter und Fußabtreter eignet.
Damit soll nun endlich Schluss sein. Ich komme nun an eine neue Schule- dort möchte ich einen Neuanfang haben und nicht die selbe Rolle wie sonst überall einnehmen. Überall anders galt ich als dumm und inkompetent, man drückte mir fiese, abfällige Kommentare und ich war in diesen Momenten so perplex und gelähmt, dass ich mich nicht wehren konnte- zudem bestätigten diese Kommentare ohnehin nur das, was ich von zu Hause kannte und hauten in die selbe Kerbe.
Nun bin ich chronisch krank, beide Erkrankungen werden von meinen Ärzten als "psychosomatisch bedingt" diagnostiziert. Die Situation belastet und beeinflusst mich nicht mehr nur psychisch, sondern zerstört auch meine körperliche Gesundheit.
Bevor das Asthma dazukam, erhielt ich schon Überweisungen zu entsprechenden Therapeuten.
Ich denke, die letzte Zeit hat mir mehr als genug gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann und ich dringend was ändern muss.
Auch wenn das kleine Teufelchen auf meiner Schulter flüstert, dass ja alles gar nicht sooo schlimm war, ich nun mit einem recht guten Zeugnis dastehe- aber das alleine zählt ja nicht. Es geht darum, wie ich mich fühle, wie ich meine Fähigkeiten nutzen kann und wie ich mit Mitmenschen umgehen kann. Und da sind dicke Defizite. Was bringt es mir, wenn ich sehr empathisch bin, den Zustand einer Person nach einem Blick treffend einschätzen kann- aber dennoch nicht mit diesen Menschen umgehen kann? Wenn ich mit Leuten spreche und an ihrer Haltung und der Mimik sehe, dass sie mich nicht leiden können, mich für dumm und inkompetent halten?
Ich hoffe einfach, dass mir eine Therapie helfen kann und habe nun die ersten Therapeuten angeschrieben.
Liebe Grüße!
Zimttee