Hallo Lindi,
wenn ich schreibe, habe ich in der Tat auf meinem Handy nur meinen Beitrag, den ich schreibe zum Drittel vor Augen. Wie man meinen Beiträgen entnehmen kann, unterlasse ich dann sogar die Rechtschreibkorrektur.
Meine Konzentration noch nie die beste gewesen, sodass ich sämtliche Texte, die ich sonst am Laptop schreibe, zigmal überdenke, korrigiere und umschreibe. Das alles fällt am Handy weg- geschweige, dass ich dort durch den Vorschreibertext vor Augen habe.
Den Laptop habe ich bisher immer noch- wenn auch nicht ordentlich. Aber es hapert am W-Lan.
Ich habe deine Überlegung auch nicht abgestritten oder abgelehnt, sondern einen Eindruck wiedergegeben, den ich ohnehin schon hatte. Daher waren meine Beiträge so selten in den letzten Wochen.
Aber natürlich, es waren gut 2 Monate, in denen ich nicht mehr bei meinen Eltern war- in der Zeit ging es mir besser. Der letzte Besuch war wieder ungut, der Leidensdruck wurde größer, so schrieb ich dann auch vom Handy. Es gab viele Eindrücke und auch Erkenntnisse und Erinnerungen, die ich verarbeitet habe. Ich kann bewusst wahrnehmen, dass ich, sobald mich Dinge beschäftigen, direkt aus der Spur gerate und mich selbst etwas verwirrt fühle; dies schlägt sich dann meist auch direkt in meinem Leben nieder: ich gerate aus meinem Rhytmus. Esse unregelmäßig, versinke etwas im Chaos.
Momentan passiert letzteres nicht. Ich lasse meine Hände in Frieden, habe meine geregelten Mahlzeiten inkl. Frühstück und vorgekochtem auf der Arbeit, gehe 2 Mal / Woche zum Sport.
Angetriggert war ich im Forum, ja. Sonst hätte ich wahrscheinlich am Vorsatz festgehalten, nicht vom Handy zu schreiben. Umso fataler, wenn man sich seine Texte nicht mehr durchliest.
Aber insgesamt geht es mir gut und ich habe das Gefühl, dass meine Familie keinen großen Einfluss mehr auf mein Leben hat, sondern sich diese Emotionen nur noch in Forenbeiträgen widerspiegeln.
Bei mir hat sich viel geändert in den letzten Wochen. Ich bin quasi mit meinem Partner zusammengezogen, habe mich erneut für das Ref beworben und habe zum Glück festgestellt, dass alle Orte weiter entfernt von meinen Eltern liegen und umso näher bei meinem Partner. Aktuell richten wir die Wohnung ein- es wird echt gemütlich und schön.
Bisher habe ich es nicht hinbekommen, einen Wohnraum so zu gestalten. Aktuell entdecke ich ungekannte Kreativität.
Ich konnte so auch neue Kraft sammeln, spüre eine größere emotionale Distanz zu ihnen. Bei dem letzten Treffen war meine Mutter wieder betrunken. Ich habe daraus meine Konsequenzen gezogen, habe die Dokumente eingesammelt die ich brauchte und trotz ihres Bettelns, ich solle am nächsten Tag später fahren, bin ich nicht geblieben, sondern war weg, als sie wiederkam.
Auch die Infos bezüglich des Zusammenziehens habe ich für mich behalten. Meine Eltern hätten sich ohnehin nicht gefreut und mir wahrscheinlich eher Vorwürfe gemacht. Die Bestätigung und Anerkennung durch meine Eltern fühlt sich nicht mehr so notwendig an.
Für dieses Wochenende habe ich einen Moment überlegt, nochmal nach Hause zu fahren. Ich hätte Zeit und könnte den Besuch "ableisten" um dann bis Juli Ruhe zu haben. Wie bescheuert diese Idee war, ist mir heute früh im Bett, meinem Reflexionsort, in den Sinn gekommen. Ich hatte eigentlich keine Lust auf meine Eltern. Also bin ich heute Abend in meiner Wohnung, lese nun im Forum und trinke dabei gemütlich Kaffee, sortiere Klamotten, gucke heute Nacht TV bis ich einschlafe und kann morgen in aller Ruhe, sofern mich die Nachbarn lassen, ausschlafen. Eben habe ich noch einen Kuchen gebacken- mein neues Hobby, und den bringe ich einer Freundin morgen zum Geburtstag.
Für alle Prüfungsangstgeplagten habe ich eine gute Lektüre gefunden: Ich arbeite momentan meine Prüfungsangst selbst auf. Therapeutenmäßig ist es momentan mau- bis ich einen Platz habe, ist meine Prüfung gelaufen. Also habe ich mir ein "Arbeitsbuch" zum Thema gekauft, von Doris Wolf mit dem Titel "So überwinden sie Prüfungsängste. Psychologische Strategien zur optimalen Vorbereitung und Bewältigung von Prüfungen." Nach allem, was ich im letzten Semester gelernt habe, ist das Buch fundiert und alltagstauglich.
Ich habe nun neue Prüfer bekommen und etwa 12 bis 14 Wochen Zeit bis zur Prüfung. Luxus, manch andere (wie ich letztes Semester) haben nur 3 Wochen Zeit.
Ich hoffe, dass ich es dieses Mal hinbekomme. Auf der anderen Seite stehen sämtliche Bedingungen nun besser als noch Anfang des Jahres. Viele Dinge, die damals in der Schwebe, in Transition waren, sind nun gefestigt und bewerkstelligt und ich habe hoffentlich aus Fehlern gelernt. Jedenfalls habe ich mir nun sämtliche Themen angeschaut und geprüft, inwieweit sie sich mit meinem Elternhaus schneiden. Mit den Themen "ADHS" und "Motivation" kann ich wahrscheinlich nicht so viel falsch machen ![]()
So. Mein guter Vorsatz, noch ein wenig im Arbeitsbuch zu blättern, ist nun dahin. Ich werde nun direkt vor den Fernseher und noch ein wenig entspannen.
Ich fand es gut, dass du mir diese Denkanreize gegeben hast, Lindi. Wahrscheinlich wäre es mir nicht bewusst geworden und ich hätte dies auch nicht mit dem letzten Wochenende in Verbindung gebracht.
Ich wünsche euch ein gutes Wochenende, man liest sich.
Ich schätze, ich werde übrigens nun in den Genuss eines geschützten Zuganges kommen. Meine Stunden auf der Arbeit wurden erhöht, sodass ich mir zumindest diesen jetzt leisten kann. Darum kümmere ich mich jetzt am Wochenende und werde mal mit einem neuen Haushaltsplan beginnen.
Viele Grüße,
Natalie