@ Linde: Genau SO war es bei uns zu Hause auch- der Text hätte zu 100% von mir kommen können.
Ich weiß noch, wie ich meinem Vater früher die Tür geöffnet habe und die erste Frage immer "Hat sie getrunken?" war. Andere würden sich nach dem Tag, der Schule oder dem Befinden der Kinder erkundigen. Vater fragte nach Mutters Pegel.
Generell ist bei uns zu Hause auch keine wirkliche Kommunikation möglich. Wir sind keine ganze Familie, sondern einzelne Menschen, die mal unter einem Dach lebten. Gespräche sind nicht tiefsinnig, nicht von Interesse geprägt.. Kommen nicht so in Gang, wenn ich nicht einfach drauflos rede. So wurde ich schon öfters nicht über (Geburtstags-)Feiern informiert- sogar das Kaffeetrinken meines eigenen Vaters fand daher ohne mich statt, obwohl ich unter der Woche hingekonnt hätte. Oder meine Cousine fragte, warum ich grad nicht auf ihrer Feier sei? Ich wusste nichts davon, mir wurde nie etwas mitgeteilt.
Wie ist denn euer Verhältnis zu euren Eltern? Funktional?
Ich werfe ihnen nicht vor, dass sie meinem Leben die schlechtmöglichste Basis gegeben haben.. Aber ich lasse auch nicht zu, dass sie mich jetzt noch in diese Formen und Muster pressen, sondern distanziere mich. Das scheinen sie aktuell zu merken, es hagelt gehörig Vorwürfe. Aber sie scheinen nicht zu kapieren, dass mein Verhalten auf ihre katastrophalen Verhältnisse sind.
@ Georgina: Was war das denn für eine Therapie? Nach welchem Ansatz?
Ich merke ähnliches. Ich habe zwei "Freundinnen", die beide psychisch sehr angeschlagen sind. Aktuell fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass beide mehr oder weniger ein Abklatsch meiner Mutter sind und wir die selben Muster haben- schlechte Kommunikation, wir finden nicht zueinander, erreichen den anderen nicht. Dabei finde ich eigentlich, dass ich es sonst hinkriege, eine Beziehung zu anderen aufzubauen. ABER mit den beiden geht es einfach nicht, weil sie ebenso wie meine Mutter in sich selbst ausharren, nicht über sich und ihre Gefühle sprechen können und in einer passiven Rolle stecken. Das scheint auch mich, wie bei meiner Mutter, zu lähmen.
Also, ich bin auf Antworten gespannt. Besonders, wie sich die Beziehung zu euren Eltern entwickelt hat.
Natalie
(Ja, man wird zum Co erzogen. Weil man nur als Co in dem Familiensystem seine Rolle ausführen kann. Alles andere wird von den Eltern abgestoßen- das ahnt das Kind und fügt sich, um einen Platz zu erhalten.)