Hallo Maxi-
deine Mutter könnte so viel selbst erreichen, dazu braucht sie dich nicht. Es ist auch nicht deine Aufgabe als Tochter (ist 88 dein Geburtsjahr?) sie zu therapieren. Da gibts bestimmte Anlaufstellen- selbst der Hausarzt oder eben eine Suchtberatung, die ihr diese Wege aufzeigen könnten, wenn sie von außen Input braucht. Aber die eigene Tochter sollte dazu als Stütze nicht missbraucht werden- weil es eben zu Situationen führt, in denen du grad steckst. Sie ist die Mutter, hat die Verantwortung für sich selbst und ist erwachsen. Sie sollte die Tochter ins Leben begleiten und führen und sich nicht von ihr stützen lassen. Wie findest du sonst deinen Weg?
Verstehst du, was ich meine?
Und glaub mir- es ist das geringste Problem, ihr aufzuzeigen, wo sie Hilfe findet. Sie ist nicht in der Situation, weil sie keine Idee hat, wo sie sich helfen lassen kann. Die Probleme dahinter sind viel massiver. Daher ist das nicht deine Aufgabe und nicht deine Verantwortung. Du bist die Tochter, wahrscheinlich grad noch in der Ausbildung und keine Therapeutin. Letztere wäre für deine Mutter der richtige Ansprechpartner.
Dich wird das nur überfordern.
@ Frühling:
Mich um mich selbst kümmern. Das bedeutet für mich, das zu tun, was mir gut tut und was in meinem Interesse ist.
Ich habe beobachtet, dass Kinder aus unbelasteten Familien auf sich achten und sich mit unbeschwerten Dingen beschäftigen- Make-Up, Kleidung etc. Sie genießen ihr Leben, freuen sich auf schöne Dinge.
Bei mir war es so, dass ich gar nicht an solche Dinge dachte, sondern nur um meine Eltern in Gedanken kreiste. Selbst am Abend vor meinem Urlaubsbeginn, den ich hart selbst erarbeitet hatte, saß ich auf der Couch und grübelte vor mich hin, wie ich nur den Urlaub in Spanien genießen könnte, während meine Eltern weiterhin in ihrem Elend verharren, keinen schönen Urlaub in Spanien mehr haben werden und auch noch nie so weit weg waren. Ich konnte einfach nicht an mich denken und genießen.
Jetzt kümmere ich mich um mich, indem ich 1. den Kontakt massiv einschränke und 2. bewusst Dinge mache, die ich genießen kann und die auch nichts mit ihnen zu tun haben. Ich möchte auch mal unbeschwert sein und mir darüber den Kopf zerbrechen, welche Kleider ich wohl am besten zu welchem Make-Up tragen sollte 
Der Gesprächscoach hat zumindest dazu beigetragen, dass mir jemand die Augen öffnete, wie verquer die ganze Situation überhaupt ist. Ohne die Meinung eines Außenstehenden kann man schwer über den eigenen Tellerrand blicken.
Auf Dauer wird auch eine Therapie dazugehören- sonst gebe ich womöglich noch die selben kranken Strukturen an meine eigenen Kinder weiter. Was soll ich ihnen beibringen, was ich selbst nie gelernt habe?
Wenn ich mir die Familie meiner Mutter angucke, ist der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen. Ich möchte diesen Teufelskreis jedenfalls durchbrechen.
Ich denke, es sind vielleicht im Detail unterschiedliche Geschichten- aber die kranken Strukturen führen jedoch immer zu ähnlichen Problemen, weil bestimmte Prozesse wie Selbständigkeitserziehung und Persönlichkeitsentwicklung eben nicht richtig stattfinden.
Viele Grüße,
Natalie