Zitat von NysAlles anzeigenHallo Natalie
puh, ich hab noch Altlasten an Arbeit aus 2012 abzutragen - mach aber gerade ne Pause und will Dir endlich schreiben.
Ich dachte immer ich hätte meine Vergangenheit gut bewältigt. Also mit 18 ausgezogen, immer weniger mich nach dem gerichtet, was man im Elternhaus von mir erwartet hat.
Also unabhängig geworden und letztendlich mit den Jahren auch vergeben und mit meiner Mutter in aller Ruhe gesprochen.Was mir beim Annehmen von meiner Mutter besonders geholfen hat, war der Hinweis eines Heilpraktikers, der mir veranschaulichte, daß die ablehnende Haltung meiner Mutter gegenüber auch verhindert, daß ich mich selbst akzeptiere.
Er hat mir den Gedanken mit auf den Weg gegeben, daß ich meiner Mutter nicht vergeben soll, weil ich mich damit über sie stelle - sondern ich soll sagen:
"Mutter ich achte Dich, ich achte Dein Schicksal".Hab mir lang überlegt, ob ich Dir das schreiben soll.
Aber ich denke die Achtung vor einem Menschen verleitet uns nicht zu Co-abhängigem Verhalten. Im Gegenteil:
Es nimmt den Haß und baut gleichzeitig auch Distanz auf. Wenn ich jemand achte, dann lasse ich seins bei ihm.Ist natürlich schwer jemand zu achten der entgleißt. Aber der Satz hat ja auch den Teil 2: Ich achte Dein Schicksal. Soll nix entschuldigen, was der
Süchtige verbockt! Aber es macht mir bewußt: Meine Mutter trägt ihr Schicksal als ihr eigenes. Sie hat dieses Leben so geführt, weil sie dieses Schicksal so lebt und erlebt und auslebt. Ich achte sie trotzdem als Mensch der sie ist.Bei allem was so kraß und unverständlich ist: Wir haben Eltern die jederzeit erklären würden, daß sie ihre Kinder lieben. Es ihnen abzusprechen ist nicht fair. Ich glaube es lebt sich leichter mit der Erkenntnis, daß sie auf eine unvollständige und zerstörerische Art lieben.
Ich bin mir sicher, die meisten die so krank sind wie unsere Eltern, leiden selbst. Sie haben aber ihre Mechanismen es zu verdrängen. Wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb Dein Vater immer so explodiert wenn er keine unterwürfigen Kinder oder keine unterwürfige Ehefrau hat.
Da wird sein Verdrängungsmechanismuß (sprich sein Schutz vor der Wahrheit) gestört.Ich glaube Du hast grad ziemlichen Frust wg. Deinen Eltern und es ist ein ständiges
"Endlich mal glücklich miteinander"-Sein wollen
und
dann wieder "Nichts wie weg - Distanz!".
Echt ein Nerven-Horror. Dann noch die Dinge die man einfach passiv beobachtet und sich einfach nur sch** dabei fühlt.Vielleicht hilft Dir der Gedanke: Die Kinderjahre sind vorbei. Du bist nicht mehr auf Deine Eltern angewiesen wie ein Kind, - wo man ja nirgends anders hin kann. (Lassen wir das Thema Wohnung mal weg). Du bist also frei und kannst das was war mit etwas Abstand betrachten. Auch das was grad immer noch so abgeht. Wir werden uns immer mit unseren Eltern indentifizieren und uns an ihnen messen, mit ihnen vergleichen und uns mit ihnen verbunden fühlen. Das macht die Negativ-Erlebnisse in unseren
verletzten Kinderseelen ja so nachhaltig.Aber Du hast hier schon ein sehr gutes Rüstzeug und einige Platten für Deinen "Panzer" erhalten, um nicht in der Partnerschaft oder dem Berufsleben das Co-Muster auszuleben. Du hast Dich gut gerüstet und aufgestellt.
Ich weiß nur nicht (verzeih wenn ich irre) ob Dein Panzer auch mit genügend Selbstbewußtsein gebaut ist. Das ist das, was bei mir schief ging. Ich hatte es geschafft mich zu distanzieren - habe mein Selbstbewußtsein aber immer nicht so vollständig hinbekommen. Außer wenn ich ganz toll war. Dann ging mein Selbstbewußtsein auch fast durch die Decke. = Eigentlich ein Zeichen,daß es nur geliehen war. Und ein wunderbarer Nährboden für die Sucht der CoAbhängigkeit.
Jetzt mit 40 Jahren habe ich zu ersten Mal verstanden, daß ich frei bin und mein Selbstwertgefühl immernoch im Elternhaus hängen geblieben ist.
Sprich, die Muster der Flucht in eine Traumwelt oder in einen Kampf, habe ich mit in die Freiheit genommen. Ich wünsche Dir, daß Dir das nicht passiert und daß Du eine gesunde Liebe und eine gesunde Distanz zu Deinen Eltern und zu Deinen Partnern/Mitmenschen leben kannst: Heute schon!Sei gedrückt
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Nys
Hallo Nys,
danke für deine Nachricht. Ich hab den Beitrag eben erst gesehen. Anscheinend ging die fette Markierung weg, als ich mal mit dem Handy online war.
Ja, mir gings genau so. Ich bin auch zum Studium ausgezogen und dachte, dass ich das alles nun zurück gelassen habe. Anfangs tat mir die Distanz gut, ich konnte etwas zu Kräften kommen. Und dann irgendwann, als es mir einigermaßen gut ging, ging das Gedankenkarussel los.
Das ist nun einigermaßen beendet. Momentan hab ich das Gefühl, mich vollkommen auf mich konzentrieren zu können, auf mein Lernpensum und bin auch nicht mehr oft bei meinen Eltern gedanklich.
Danke für den Tipp mit dem Annehmen des Schicksals. So weit hab ich noch nicht gedacht. Wohl aber habe ich ihre Erkrankung als solche akzeptiert. Zwar war mir vorher schon klar, dass sie krank ist und ihre Sauferei nicht bloß eine Angewöhnung, aber durch das Forum ist es mir nun richtig bewusst geworden. Es tat schon gut, im trockenen Bereich zu lesen; dadurch wurde mir alles erst richtig bewusst. Ich betrachte ihren Alkoholismus als etwas wie Krebs. Ab einem gewissen Grad ist die Krankheit unheilbar. Und den hat Mutter erreicht.
Selbst kenne ich diese Gedanken auch- bei Schokolade. "Ein Stück ist kein Stück", "Heute darfst du dir mal eins gönnen, weil du so schön gelernt hast." "Zum Lernen brauche ich Schokolade- man braucht doch Energie". Kenne ich von mir auch. Wenn ich dann allerdings ein Stück gegessen habe, glaubt meist der Rest der Tafel auch dran.
Und wenn ich Schokolade durch Alkohol ersetze, erkenne ich Mutters Handlungsweise wieder. Ich kanns nachvollziehen, auch wenn Schokolade anscheinend nicht die gleiche Suchtwirkung hat, ich trotzdem meine Diät durchziehen konnte nun nun einen guten BMI besitze. Aber bei Mutter war es eben keine Schokolade, sondern Alkohol. Ich kann erahnen, wie man da reinschlittert.
Mit meinem Vater wirst du Recht haben. Er ist der Meister der Verdrängung. Alles, was nicht im entferntesten zu dem passt, was er gerne hätte, was also irgendwie "unschön" ist und nicht sein darf, wird verdrängt. Manchmal hab ich echt das Gefühl, wenn ich über meine Erkrankung oder die meiner Mutter spreche, ihm das erste Mal zu erklären, dass sie oder ich krank bin. Er tut so, als wäre es ihm nieee bewusst gewesen, man hätte ihm ja was sagen müssen. So ists unsere Schuld, weil wir nie was gesagt haben. *kopf schüttel*
Langsam hab ichs aufgegeben.
Über die Weihnachtsfeiertage war ich deswegen sehr frustriert. Alles war in "happy family" Stimmung und dann kam die kalte Dusche, als ich nach Hause kam.
Meine Planung fürs neue Jahr ist, diese Besuche einzuschränken, wirklich zu minimieren. Meine Eltern haben nun durchblicken lassen, dass sie erwarten, dass ich mich nun öfters blicken lasse, da mein Freund ja bald umzieht und ich alleine sei. Da hab ich direkt einen Riegel vorgeschoben und habe gleichzeitig gemerkt, dass sie wirklich nichts verstanden haben von dem, was ich im letzten Jahr gesagt habe.
Ich sehe mein Ende des Studiums als Chance, nun aus dem elterlichen Einfluss komplett zu gehen. Ich hoffe, es geht auf.
Ja, es stimmt. Ich bin kein Kind mehr. Die Zeit ist glücklicherweise vorbei. Ich sah heute ein Kind mit seiner Mutter beim Arzt. Sie las ihm was vor, das ganze sah recht harmonisch aus. Mein Gedanke "nochmal Kind sein" wurd direkt vom nächsten Gedanken "bloß nicht" befolgt.
Im Endeffekt ist es bei mir wahrscheinlich nichts anderes, wenn doch mal alles gut ist, wie bei Frauen mit XY. Die ganze Zeit bin ich relativ auf Distanz, aber wenn Mutter mal eine gute Phase hat, denke ich, dass ich nun endlich mal ein Stück normaler Mutter-Kind-Beziehung "genießen" kann. Aber im Prinzip ists wieder "fauler Zauber". Alkoholikerin bleibt sie immer noch und so entspannt ist die Zeit dann auch nicht. Danach kommt dann wieder das Erwachen, ich bin emotional etwas näher rangerückt und kriege dann die "nasse Breitseite".
Gerade das Verhalten von Mutter und Vater zeigt mir, dass es in keinster Weise ein gesundes Verhalten ist, dass ich dort auf Distanz bleiben muss, weil sie ihr ungesundes Verhalten weiter fortsetzen werden. Ich sollte dringendst richtig auf Distanz gehen, bevor die richtigen "Klopper" kommen. Dieses Gespräch mit ihm am 2. Jan hat mir ja schon gezeigt, was für verkappte Ansichten neuerdings in ihm ruhen.
Mein Selbstbewusstsein- es gedeiht, denke ich. Wenn ich mir die Nachkommen aus der Familie meiner Mutter angucke, zu der wir ein engeres Verhältnis haben als zu der Familie meines Vaters, dann wurden alle ohne Selbstbewusstsein ausgestattet. Da bin ich ihnen etwas voraus. Meine Oma sagte Weihnachten zu mir, man sehe, dass es mir gut gehe. Ich denke, das hat auch mit dem Selbstbewusstsein zu tun. Mein Studienabschluss läuft, ich bin unabhängiger, hab eine gute Beziehung, hab einen Job. Joa
Und habe so Sachen wie Sport und auch ein paar Freundinnen, mit denen ich mich im letzten halben Jahr treffe.
Ich habe neulich mal darüber nachgedacht, ob es vllt das ist, was der Teil der Familie meiner Mutter, der mich so abfällig behandelt, nicht haben kann? Immerhin schlage ich damit total aus der Reihe- in der Familie ist eher Demut, Bescheidenheit, Abrackern bis zum Umfallen, ohne auf sich selbst und seine eigenen Wünsche zu achten und sonstige Unterwürfigkeit angesagt. Da passe ich ja nicht rein und lebe ganz gut mit. Ich denke, das kratzt sie. Aber gut, damit kann ich dann leben.
Ich bin froh, dass ich so zu mir gefunden habe.
- edit, bitte hier nicht über Dritte schreiben! danke, Linde -
Naja, soviel dazu. Ich werd mal wieder ins Bett, hab einen dicken Infekt und bin erstmal krank geschrieben. Wird eine entspannte Woche.
Alles Liebe und fühl dich auch gedrückt,
Natalie