Puh, ich weiß momentan echt nicht, wo mir der Kopf steht.
Nun bin ich seit gestern bei meinen Eltern. Im letzten Jahr hatte ich die Anwesenheit hier immer sehr reduziert gehalten, 2 Übernachtungen waren immer das höchste der Gefühle.
Nun bin ich schon Samstag hergefahren- ich hab einen riesigen Berg Wäsche mitgebracht, 4 Maschinen, die ich im Laufe des Tages waschen wollte, damit sie bis Montag (ohne Trochner) trocken werden. Ich wollte die überfüllten Züge heute umgehen und mich gestern Abend noch mit einer Freundin treffen.
Die Wäsche habe ich auch gestern komplett erledigt, die Züge waren einigermaßen leer und die Freundin hat wg Überraschungsbesuch doch abgesagt und des Treffen verschoben.
Es hat sich doch noch Unistress aufgetan- vielleicht kann ich die letzten beiden Abschlussprüfungen doch nicht antreten. Eine Dozentin hat einen Fehler entdeckt und wird Mitte Januar entscheiden, ob sie ein Auge zudrückt und mir die Unterschrift dennoch gibt. Ansonsten muss ich den Kurs wiederholen und werde um ein halbes Jahr zurückgeschmissen.
Was bedeutet das? Ich wollte endlich aus dem Job wg. Mobbing raus und mir eine Stelle suchen, die ich aufgrund des fertigen Studiums antreten kann. Das kann ich dann knicken. Ich wollte mit meinem Freund wegziehen, weil ich nicht mehr an den Studienort gebunden bin. Gebunden wäre ich aber dann doch noch, also wird mein Freund alleine wegziehen.
Meine Eltern können mir die Wohnung nicht mehr bezahlen, alleine kann ich sie aber auch nicht stemmen. Muss ich dann wohl oder übel hier zu Hause wieder einziehen? Das könnte ich nicht verkraften.
Ich bin schon jetzt fix und fertig mit den Nerven, nach einem Tag. Mein Vater versprüht eine wahnsinnige Unruhe, alles muss sich um ihn drehen, wir müssen uns ihm unterordnen. Alles ist hier so laut; der Fernseher, es wird laut gesprochen und geschrien. Bei Diskussionen schreit mein Vater einfach los, wenn ihm die Argumente ausgehen und er unsere "übertönen" will.
Meine Mutter war gestern wieder den ganzen Tag betrunken, hat laut mit sich selbst geredet, sich ihr Leid geklagt und in Selbstmitleid gebadet.
Erschreckend fand ich, als sie mir einen halb gefüllten Becher Kaffee hinterher bringen wollte. Er war zur Hälfte maximal gefüllt und sie hat es auf 2-3 Metern geschafft, ihn anteilig zu verschütten.
Jetzt sitze ich hier, hab mein 5qm Zimmer umgeräumt, um überhaupt lernen zu können. Hier stehen nur ein Bett und ein Schreibtisch. Unten zu lernen geht nicht, weil mein Vater in Rentnerlautstärke TV guckt. Immerhin hab ichs jetzt einigermaßen geschafft, mein Zimmer umzuräumen, sodass ich notfalls die nächsten Tage hier sitzen kann, um mich zurückzuziehen.
Ich hab echt das Gefühl, als ob ich gerade von Uni und Elternhaus zerquetscht werde.
Auf der einen Seite muss ich noch so viel erledigen, Examensarbeit bis Mitte Februar, Aufsätze bis Mitte Januar, Klausurlernen für Ende Februar und dann doch der Punkt, dass vielleicht doch alles umsonst war, wenn die Dozentin sich zu meinen Ungunsten entscheidet. Dann die negativen Konsequenzen, wenn ich die Unterschrift nicht bekomme- dann bricht meine ganze Planung zusammen. Die Erholung, die ich mir für ab März gönnen wollte, wird aufgeschoben werden müssen und der Stress geht in die Verlängerung.
Mein Arzt hat mir vor einem Vierteljahr homoöpathische Beruhigungstabletten für die Prüfungsangst gegeben, die ich grad nehme, um klar denken zu können.
Ich schaffe es immerhin, eine Struktur zu erkennen: die Aufsätze bis Ende des Jahres vorarbeiten und bis Ende der KW1 schreiben. Gleichzeitig meine Examensarbeit weiter vorbereiten, sodass ich die Grundlagenkapitel vielleicht auch bis Ende des Jahres stehen habe und mich dem Hauptteil widmen kann. Den kann ich dann im Januar schreiben und nebenbei für die Klausur, wenn ich sie denn schreiben darf, lernen.
Für die Weihnachtstage mache ich mir für jeden Tag eine kleine to-do-Liste, an denen ich die Aufsätze und die Examensarbeit vorbereite.
Eigentlich machbar, oder? Wenn ich das so betrachte, ist es machbar.. Nur viel zu tun.
Ich muss auch sagen, dass ich das Gefühl habe, dass auch meine Mutter nicht so das Problem für mich ist, sondern eher mein Vater. Es war bis 14 Uhr so wunderbar ruhig. Aber seit er wieder kam, hört man hier nur die Glotze, ihn schreien und sprechen. Er ist total hektisch und unter Dauerstrom und er lässt mich nicht in Ruhe, steht dauernd hinter mir und will ständig Reaktionen und Aufmerksamkeit. Das macht mich total kirre.
Zudem ist ihm anscheinend erst (vor-)gestern eingefallen, dass ja bald Weihnachten ist und er seiner Frau was schenken will. Er hat aber keine Ahnung, was. Schließlich hat sie sich geweigert, sich Klamotten auszusuchen, die er ihr dann schenken könnte. Jetzt will er, dass ich mir Gedanken darum mache. Ts. Hab mich geweigert und werd auch nicht mit ihm fahren, weil ich genug zu erledigen habe. Aus diesem Grund sind die Geschenke für alle auch schon seit Wochen klar.
Dann wollte er sich mit Geld an unserem Geschenk beteiligen- das ist aber für beide zusammen.
Mal wieder ein guter Zeitpunkt, um das selbst umzusetzen, was ich seit Wochen sage- Probleme anderer nicht zu den eigenen machen.
Das Textschreiben hat schon geholfen- ich werde nun etwas leckeres kochen (das Essen hab ich Gott sei Dank im Griff und auch wieder etwas abgenommen) und dann die Traumhochzeit von Freitag angucken. Die hab ich aufgenommen. Ich bin Susan Sideropoulos-Fan. Meine Nägel hab ich schon gestern gemacht, hab mir eine neue Nagellackfarbe zum neuen Kleid für Montag gegönnt und mich gestern daran erfreut. So, also setze ich heute noch auf Entspannung und lerne dann weiter. So teile ich mir die Tage auf. Wenn ich mich zurückziehen will, hab ich in dem kleinen Zimmer nun die Möglichkeit.
Ich fühle mich schon etwas sortierter.
Natalie