Beiträge von Zimttee

    Hallo Ulrike!
    Danke für deine Rückmeldung. Es tut auf jeden Fall gut, positives Feedback zu bekommen.
    Ich glaube, dass Cos feine Antennen für das Befinden anderer haben. Und möglicherweise auch das Bedürfnis, es allen recht zu machen und zu gefallen und dann eben zu helfen, wenn nötig. Sogenannte "Opfer" spüren dies und sie wiederum passen ja in das Schema, was ich von zu Hause kenne. "Perfect Match".

    Ich wollte auch immer allen gefallen, bloß nirgendwo anecken. Davor hatte ich Angst. In letzter Zeit hab ich das gelassen, war nicht immer überall freundlich und hab mich nicht mehr verstellt. Das Ergebnis ist, dass ich mich auf der einen Seite gut fühle, aber auf der anderen Seite fühl ich mich nicht wohl, weil mein Ruf auf der Arbeit sehr gelitten hat. Vorher hatte ich da keine Probleme, nun gerate ich ins Mobbing-Visir.
    So schnell wendet sich das Blatt.

    Nunja. Es ist zu ertragen, ich werde wohl bald kündigen, sobald ich mir etwas suchen kann, was meinem Studium entspricht.

    Danke für deinen Zuspruch!
    Das mit dem geschützten Forenbereich werde ich mir auch noch überlegen.. Momentan wäre es "finanziell unklug".

    Alles Liebe,
    Natalie

    Ab wann ist man denn für ein Studium zu alt?
    Ich habe schon mit Damen knapp über 40 studiert.
    Momentan gibt es keine Studiengebühren mehr. Das, was du in 3 Jahren bezahlst, ist verdammt wenig. Zudem kann man auch noch dazu arbeiten gehen. Oder er macht ein Fernstudium? Tagsüber normal arbeiten, abends lernen.
    Echt, nach ein paar Monaten arbeit hat man das schon wieder raus.

    Dein Bruder hat sich so entschieden, er hätte ja auch nach seiner Prämisse "Ausbildung ist super wichtig" handeln können. Hat er leider nicht.

    Keine Ahnung, wie alt er ist- ich kenne zwei, die mit Anfang 30 noch eine Ausbildung gestartet haben.
    Aber im Prinzip ists bei ihm wie bei dem alkoholkranken Vater- es muss bei ihm klick machen.. Sonst kannst du viel erzählen.
    Wie willst du ihm denn helfen? Du kannst ihm den Link oder Unterlagen einer Fernuni schicken, aber das wars doch auch schon.

    Natalie

    Hallo Ratzfatz,

    du solltest gar nichts tun, sondern dein Bruder ;)
    Was willst du für ihn machen? Die Ausbildung?
    Warum hat er wegen eures Vaters keine Ausbildung machen können? Hat dieser ihn am Tisch festgebunden? Hast du auch keine?

    Nur ein paar Denkanstöße!

    Es ist sein Leben, seine Entscheidung. Es hindert ihn sicher auch niemand daran jetzt noch ein Studium oder eine Ausbildung zu absolvieren.
    Naja, und Umschulung heißt Umschulung, weil man von einer Ausbildung (als Fundament) auf eine andere umsattelt.

    Alles Liebe,
    Natalie

    Hallo liebe Mieni,

    eine Therapeutin ist sicher ein besserer Berater als dein alkoholkranker XY!
    Hab Vertrauen!
    Die Dame wird dir nichts diktieren, sondern dir helfen das zu entdecken, was du selbst willst.

    Ich möchte dir keine Hoffnung nehmen, aber glaubst du, dass dein XY überhaupt in der Lage ist zu entdecken, was die Situation für dich bedeutet?
    Sollte das nicht eigentlich selbstverständlich sein?
    Gewalt (ob nun psychisch oder physisch) = Schmerzen = schlecht?
    Er ist Alkoholiker; erwarte da keine allzugroßen Erkenntnisblitze, sondern hol dir deinetwegen Hilfe!

    Alles Liebe,
    Natalie

    Alles Gute und viel Erfolg für morgen, Ute!

    Zu deiner Tochter: Wenn du ihr immer Geld gibst, wird sie nie lernen, dass sie für ihre Finanzen selbst verantwortlich ist.. Und einen Kredit dafür?
    Hinterher ist dem Jungen Tennis zu langweilig, er will nicht mehr hin und du bleibst auf dem Geld sitzen.

    Badminton ist vergleichbar und wesentlich günstiger oder Fußball ist sicher auch nicht verkehrt.
    Aber Tennis, 500Euro? Und das gibt sie einfach so mir nichts dir nichts an dich weiter? Sehr unverschämt.

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Ich habe damals auch recht lange nach dem Begriff gegooglet.
    Kindern von Alkoholikern werden spezifische Verhaltensweisen und Merkmale zugewiesen, da sie durch die Beziehung zum alkoholkranken Elternteil eben keine Stabilität erfahren. Dies prägt.

    Zitat von Peinzessin?


    Hallo, Zimttee/Natalie!

    Es ist sicherlich gut und lebenswichtig, dass du schaust, dass du einen für dich guten Weg findest, damit du dein Leben leben kannst - hast ja ein gutes Recht darauf. Es ist traurig, aber offensichtlich im Moment nicht zu ändern. Vielleicht auch nie. Du wirst mal vielleicht selber eine Familie haben, da brauchst du deine Kraft!!! Auch deine Mutter wünscht sich das sicherlich. Sie ist krank und schafft es nicht anders. Ist sie alleine? Hast du Geschwister?

    Meine drei Kids waren sich sicherlich gegenseitig immer eine große Unterstützung.

    Ich kann nicht aufhören, nach Lösungen (für Augen öffnen) zu suchen.
    Vielleicht kannst du deiner Mom ja dieses Forum zeigen?
    Ich jedenfalls habe in den letzten Tagen hier so viel gelesen, das mich wachgerüttelt, erschüttert, zutiefst getroffen hat!! Ich hasse den Alkohol!! !Und, was er aus mir die letzten Jahre machen hat können! Ich kann nix mehr rückgängig machen, aber ich kann die Zeit, die bleibt ändern. Und ich werde jeden Tag hier lesen und lesen, damit ichs nie wieder vergesse!!
    Ich wünsche dir von Herzen alles, alles Liebe, damit es für dich einen Weg gibt, der gangbar ist!!!

    Prinzessin?

    Sie ist nicht alleine, mein Vater ist hier und sie hat auch noch vier Geschwister, zu den meisten besteht guter Kontakt. Ihre Mutter lebt noch und sie hat auch ein paar Freundinnen.
    Aber sie trinkt halt seit über 20 Jahren, häufig bis zur Besinnungslosigkeit. Von den Stimmungsschwankungen brauche ich nicht zu schreiben.
    Als kleines Kind war ich total verzweifelt, hab sie angefleht, sie solle doch aufhören, damit alles wieder gut werde. Damals hab ich auch eine Alkoholvergiftung mitbekommen; war alleine mit ihr.. Es dauerte eine Ewigkeit, bis Vater kam und den Notarzt rief. Mit vier konnte ich die wichtigsten Nummern auswendig (Feuerwehr, Oma&Opa, Onkel), aber sie verbot mir, dort Hilfe zu holen.
    All das wurde gekonnt ignoriert. Ich habe mich aufgerieben. Zuletzt habe ich eine Vertrauensperson hergebeten und wir haben nochmal gesprochen. Ihre Schwestern und Schwägerinnen haben auch schon mit ihr gesprochen, Hilfe angeboten. Ärzte haben auch auf sie eingeredet, Therapien angeboten. Nix, sie will davon nix hören. Rechts rein, links raus. Beim letzten Gespräch lief sie einfach weg.

    Und das ist jetzt der Punkt, an dem ich nicht mehr will. Ich bin nicht die Therapeutin meiner Mutter; mir geht es schlecht und ich bin chronisch krank geworden. Nun steht deswegen meine Zukunft auf dem Spiel- ich will später Kinder, will mich selbst versorgen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung würd mich jetzt schon nicht mehr nehmen und Kinder zu bekommen kann ich knicken, wenn die Erkrankung stark fortschreitet. Wie kann ich es verantworten, welche zu bekommen, wenn ich sie möglicherweise irgendwann nicht mehr gescheit versorgen kann?
    Daher muss ich nun an mich denken. Das habe ich zu lange nicht.

    Ich bin es einfach leid, noch Auswege für sie zu suchen; das ist ihre Aufgabe. Kinder sind nicht die Therapeuten der Eltern. Und für sie entgiften kann ich nicht. Ich war längere zeit co-abhängig, habe mich aber nun aus dem "aktive Hilfe leisten wollen" zurückgezogen, weil es zwecklos ist und vergebene Mühe.
    Hast du dich schonmal über Co-Abhängigkeit informiert?

    Alles Liebe,
    Natalie

    Schade, dass selbst die heftigste Keule nicht hilft.
    Aber es zeigt, dass es wahrscheinlich auch nichts geworden wäre, wenn du bei ihr geblieben wärest- dann hätte sie ja erst recht nichts ändern müssen.
    UND wenn sie selbst jetzt nicht aufhört, wird es längst keine Phase mehr sein, die sie kontrollieren kann.

    Schade :(
    Im Laufe der Zeit greift der Alkohol das Gehirn an, so wird ein Entzug immer schwieriger.
    Aber anscheinend kann man auch recht früh schon tief drinsitzen.

    Wie gehts nun bei dir weiter?

    Natalie

    Hallo Prinzessin,

    ich antworte dir mal in meinem Faden ("Meine Geschichte") im Bereich Co-Abhängige und Angehörige. Das hier ist ja schließlich Brummbärs Faden.

    Brummbär, ich hoffe, dein Auszug hat dennoch die richtige Wirkung erzielt. Noch trinkt sie ja nicht soo lange.

    Alles Liebe, Natalie

    Hallo Buschblume,

    hm, ich habe irgendwann gemerkt, dass das die Verantwortung meiner Eltern ist. Meine Hilfe ist da nicht erwünscht und wurde mir auch verboten. Was soll ich da machen? Ich kann nix machen.

    Mein Vater hat auch keine Sozialkontakte, oder kaum. Eigentlich nur ein Hobby. Von der Familie ist er auch sehr isoliert.

    Ich bin grad bei meinen Eltern. Heute war Mutter klar, als ich ankam. Wir haben sogar gemeinsam Kaffee getrunken und dabei Kekse gegessen. Alleine am Küchentisch; ich glaube, das haben wir noch nie. Verrückt eigentlich. Das sollte doch das normalste sein, dass Mutter und Tochter mal Kekse essen und Kaffee trinken. Wobei die Kekse auch noch selbst gebacken waren, es gab vier oder fünf Sorten zur Auswahl. Letztes Jahr hat sie das nicht geschafft.

    Der nächste Knaller kam dann auch; sie war beim Arzt wegen einer orthopädischen Sache und der hat dann wiederum eine chronische Krankheit festgestellt, die sehr schmerzhaft werden kann und nicht nett ist. Boom. Was sollte ich dazu sagen? Irgendwie hab ich glaub ich recht kalt reagiert.. Aber ich fühlte mich selbst so gefühllos in dem Moment.

    Ich glaube, emotional kommt man nicht von den eigenen Eltern los.. Aber ich denke, dass man das auch nicht muss. Es reicht, wenn man sich selbst nicht aus dem Fokus als wichtigste Person verliert und das Wohl anderer nicht über dem eigenen Wohl anordnet.. Und das ist auch schon schwer genug in der Situation.

    Alles Liebe,
    Natalie

    Hallo Prinzessin?

    Schön, dass du die Kurve bekommen hast; deine Kinder sind sicher sehr erleichtert.
    Meine Mutter trinkt, seitdem ich ein Kleinkind gewesen bin. Ich glaube nicht, dass sie ihre Kinder nicht liebt- aber den Alkohol liebt sie anscheinend mehr.
    Sie verdrängt auch viel- die psychosomatischen Beschwerden der Kinder u.a. Sie wusste, dass es uns schlecht ging. Ich hab seit 10Jahren oft Magenschmerzen, als Jugendliche eine Magenspiegelung. Sie stritt sogar beim Arzt ab, dass ich Stress oder Belastungen habe. Vor alledem hat sie die Augen geschlossen. Wir haben ihr angeboten, sie zu unterstützen- die gesamte Familie steht hinter ihr.
    Nix.

    Danke, dass du uns erzählt hast, was bei dir half- aber ich fürchte, das haben viele derer, die hier schreiben, schon durch.
    Ich bin der Meinung, dass man ruhig versuchen kann, einem Alkoholkranken zu helfen- die Chance, dass es klappt, ist ja vorhanden. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, dass es nichts bringt und man loslassen muss, weil man sonst mit draufgeht.

    Alles Liebe,
    Natalie

    Hallo Brummbär!

    Das ist ein Riesenschritt, dass du zu Hause (erstmal) ausgezogen bist. Wirklich, dafür brauchen andere Monate bis Jahre und du schaffst das im 1. Jahr nach Beginn der Sucht. Das ist sehr konsequent und wird dir gut tun.

    Es ist sehr gut, dass du auf die Einhaltung deiner Regeln achtest- betrunken würde ich mit meiner Mutter auch kein Wort reden. Ist ja eh zwecklos- die Gedanken sind nicht klar und rational, man versteht sie kaum und danach ist eh alles vergessen.
    Dass sie dein Verschwinden und den Brief erst nach 3 Tagen bemerkt hat, ist bezeichnend. Aber ich würde für ein Gespräch auch nur den nüchternen Zustand dulden. Ansonsten zeigt sie nur, dass sie nichts verstanden hat... Ein Zeichen, dass der Auszug richtig war!

    Wie gehts dir nun?

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Puuuh. Da krieg ich Kopfschmerzen beim Lesen.
    Du hast dich entschieden? Wohl eher er und du hast Konsequenzen gezogen. Er hats nicht geschafft? Weil er es nicht versucht hat.
    Das gesamte Beispiel ist so mühselig. Wieso tust du dir das an? Weil du glaubst, das bei diesem Gespräch ein Kompromiss oder ein gemeinsamer Nenner bei rauskommt? Oder ein positives Ergebnis?

    Wieso rufst du ihn bloß immer an? Das wäre, als wenn ein Ankoholiker immer mal wieder an der Flasche riecht..
    Ich halte auch bloße telefonische Kommunikation in diesem Falle für problematisch.
    Nach der letzten Trennung meintest du, dieses Mal wäre es anders. Aber nun bist du wieder auf dem selben Level wie nach der 1. Trennung.. So hat es doch auch angefangen :(
    Was soll sich nun ändern?

    Ich bin eher ein Freund von soliden Dingen. Feste Beziehung, bald gemeinsame Wohnung (nach mehreren Jahren) und bin froh um meinen festen Job.

    Ich mag es allerdings nicht, wenn man mich unter Druck setzt. Wie so nun mit einer Freundin geschehen. Wir haben uns bestimmt 4 Jahre nicht mehr gesehen. Beim letzten Besuch habe ich ihr angeboten, etwas aus meiner Stadt mitzubringen. Es handelt sich um mehrere Teile für ca. 50Euro. Die ich nicht mal eben locker habe. Daher meine Einschränkung, dass ich nicht weiß, wann ich es kaufen kann, wann ich dazu Zeit habe und wann ich es ihr bringen kann, da ich das nur mit einem Besuch bei meinen Eltern verbinden kann. Das war für sie okay. Schon direkt am nächstmöglichen Tag schrieb sie, ob ich denn alles gefunden habe? Dann hab ich erstmal geantwortet, dass es nicht ginge.. Sie hat mir wohl über ein Soziales Netzwerk und einen anderen Nachrichtendienst zwischendurch weitergeschrieben, was ich nicht entdeckt habe, weil ich es nicht mehr nutze und hat sich da hochgeschaukelt. Heute, nach knapp 4 Wochen, hätte es gepasst, dass ich etwas mitbringe- aber ich muss sagen, dass cih so eingeschüchtert wg der bedrängenden Nachrichten bin, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich noch schreiben soll. Also schreibe ich gar nichts mehr.

    Nachdenkliche Grüße,
    Natalie

    Hey Buschblume!

    Ja, Angst, Mutter dort alleine zu lassen, hatte ich auch immer. Ich hatte auch immer Angst davor, dass er sie "aus Versehen" oder in der Wut umbringt.
    Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass die beiden so sehr aneinander kleben, dass man nicht dazwischen kommt. Wenn Mutter irgendwas an meinem Verhalten missfällt, steht Vater sofort hinter ihr und unterstützt sie. Umgekehrt genauso. Als er sie mal misshandelte und wir ihn aus dem Zimmer zogen, habe ich ihm gesagt, dass wir die Polizei rufen, sollte das nochmal passieren. Mutter hat mir den Anruf verboten- ab dem Moment war es auch mir egal. Was soll ich noch ausrichten, wenn sie zu ihm hält?

    Ich war vor ein paar Wochen bei der Caritas und habe mich beraten lassen. Wie du sicher gelesen hast, erklärte mir die Beraterin, dass sich Partner arrangieren können. Sprich, unsere Väter akzeptieren, dass die Frauen trinken. Sie sind wiederum sehr abhängig von ihnen, weil sie sich alleine nicht versorgen können, dass sie die Sucht akzeptieren, so lange sie noch "anständig" versorgt werden.
    Ich vermute, dass das auch der Grund ist, wieso Mutter so lange durchhält und weiterhin funktioniert.
    Die Beraterin bei der Caritas hat auch 5 Mal nachgefragt, ob Mutter tatsächlich noch arbeite. Sie sagte, dass es ungewöhnlich sei, dass jemand nach über 20 Jahren Sucht überhaupt den Haushalt noch alleine schmeißen könne, geschweige denn arbeiten gehen könne.

    Ich weiß nicht, ob dir der Sozialpsychiatrische Dienst weiterhelfen kann. Aber die Beratung bei der Caritas fand ich ganz gut. Die gibt es in allen größeren Städten. Wichtig ist erstmal, dass du an deiner Zukunft arbeitest. Die deiner Mutter kannst du nicht beeinflussen.

    Ich habe in den letzten Jahren die Meinung gefunden, dass man so ziemlich alles erreichen kann, was man will. Außer vielleicht einen nassen Alkoholiker gegen seinen Willen trocken zu legen ;)
    Wenn ich zum Beispiel einen Partner haben möchte, der nett zu mir ist und nicht so ein Idiot wie all die anderen, dann muss ich mehr Zeit in die Suche nach meinen Gründen, so jemanden toll zu finden, investieren, das Ganze überwinden und dann irgendwo "Mr Right" finden. Wenn ich allerdings so sehnsüchtig nach jemandem - irgendjemand- suche, der mich auch möchte und den erstbesten Hallodri nehme, die Zeit für Mr. Right nicht investieren will; dann stehe ich mir selbst im Weg, mein Ziel zu erreichen.
    So ists auch mit den Eltern. Wenn ich den einfachsten Weg gehe, ihnen nie widerspreche, meine Bedürfnisse immer unterordne und bei ihnen bleibe- dann habe ich zwar keine größeren Schwierigkeiten, aber komme nie von ihnen los. Wenn ich allerdings auf meine Wünsche achte, widerspreche, mich distanziere, zwischendurch Nein sage.. Dann ist es anstrengender und kostet erstmal mehr Kraft. Aber irgendwann stellt man fest, dass es gar nicht sooo schlimm ist, wie erwartet- dass die Erde rund ist und man nicht so einfach vom Tellerrand runterfallen kann, wie es die Eltern immer vorausgesagt/gedroht haben, wenn man sich zu weit von ihnen entfernen will. Und dass man in ruhigen Momenten die Akkus auch mal aufladen kann, was zu Hause nie möglich war.
    Am Anfang haben meine Eltern viel geklammert und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. Das ist mit der Zeit weniger geworden, etwas Akzeptanz ist da. Wobei sie immer noch versuchen, mir mit ihrem Gejammer in den Ohren zu liegen. Das zieht aber nicht soo sehr.

    Hat dein Vater Sozialkontakte oder Hobbies? Also, hätte er ein eigenes Leben, falls deine Mutter sterben sollte?

    Ich bin davon überzeugt, dass es für dich einen Ausweg gibt. Hier im Forum gibt es einen Spruch, in dem viel Wahres steckt: Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.
    Soll heißen: Wenn du wirklich willst, kommst du da auch raus.

    Wobei ich häufig merke, dass man nie ganz davon los kommt. Traurig bin ich immer, wenn ich über die Zukunft oder auch große Teile meiner Vergangenheit nachdenke. Andere Kinder/Jugendliche schienen es immer soo leicht zu haben. Denen fiel vieles zu- gute Noten, Hobbies, viele Unternehmungen mit den Eltern. Ich war froh, mich irgendwie über Wasser zu halten, war nicht so unbeschwert wie andere und wurde daher von ihnen gemieden bzw. herablässig angeguckt, weil ich es in manchen Jahren nur so geradeeben über die (Schul-)Runden schaffte.. Während andere eine Glanznote nach der anderen schafften, wusste ich nicht, wie ich den Stress zu Hause aushalten sollte.
    Mir hat es geholfen, meine Situation zu akzeptieren. An den Karten, die ich habe, kann ich eh nix mehr ändern.. Nur das Spiel, was ich mit diesen Karten bestreite.
    Es ist in der Vergangenheit vieles falsch gelaufen, aber das ist nun Geschichte, ich lebe nun befreiter und kann vieles anders machen. Ich führe mir vor Augen, was ich geschafft habe. Dass es ein riesiger Kraftakt war, das Abi durchzuhalten und dass ich nun ein gutes Studium hingelegt habe. Dass ich eben das werten sollte, was ich aus meiner Situation gemacht habe und nicht was andere mit einem perfekten Familienhintergrund geschafft haben.
    Manchmal muss man ein wenig gnädig zu sich sein.

    Beginnst du ein Studium, oder zieht es dich einfach so von zu Hause weg?
    Ich fands auch immer wichtig, mich mit meinem Geschwister gut zu verstehen. Einfach, weil man im selben Boot sitzt.

    Ah, ich sehe schon- du hast meinen Faden gefunden.

    Ich empfand es als sehr angenehm, als mir klar wurde, dass ich diese Last, die mir auf die Schultern gestapelt wurde, nicht tragen muss.
    Mir wurde immer eingetrichtert, dass ich ihr helfen könne, dass mit meiner Hilfe alles noch gut werden würde. Und wenn es bisher noch nicht gut geworden ist, liegt es daran, dass meine Hilfe noch nicht ausreiche und ich mich mehr anstrengen müsse.
    Als ich kapierte, dass es schädlich ist, was mein Vater von mir verlangt und ich weder helfen kann noch Schuld an ihrem Zustand trage, war es eine riesen Erleichterung.

    Was sagt denn dein Vater zu deiner Position in der Familie? Wie geht es deiner Schwester? Was sagt der Vater zu deinem Umzug?

    Hallo Buschblume,

    hast du dich hier schon durchgelesen? Kennst du Begriffe wie EKA (erwachsenes Kind eines Alkoholiker) oder Co-Abhängigkeit?

    Deine Mutter ist erwachsen- es muss sich niemand um sie kümmern. Sie kann das selbst. Und wenn sie durch ihre Sucht dazu nicht mehr in der Lage ist, ist es wichtig, dass sie diese Grenze spürt. Wenn immer wieder jemand einspringt und sie vom Boden aufhebt und wischt, dann wird sie sich nie mit den Konsequenzen auseinandersetzen müssen und daher auch nie etwas ändern (müssen). Es ist ja immer jemand da, der die Kohlen aus dem Feuer holt.

    Wichtig ist für dich, dass du dich dort lossagst. Du musst nicht mit ihr untergehen und hast ein Recht auf ein eigenes glückliches Leben. Leb dein eigenes Leben, löse dich von Schuldgefühlen. Wenn deine Mutter trinken will, wird sie weitertrinken.
    Das wird dir auch der sozialpsychiatrische Dienst sagen. Wenn sie nicht will, ists zwecklos. Und Zwangseinweisung geht auch nur, wenn sie wirklich akut ihr Leben gefährdet. Das ist eine schwammige Definition- jemand, der täglich trinkt, gefährdet sein Leben nicht akut.

    Mit meiner Mutter ist es das gleiche. Ich sie trinkt, seit ich denken kann. Auch mir wurd immer eingetrichtert, dass ich nichts aus der Familie nach außen tragen dürfe. Wenn jemand fragte, was los war, als der Notarzt bei uns war, sollte ich von einem Nervenzusammenbruch sprechen. Ich hab mehrfach den Notarzt rufen müssen, mitlerweile fragt niemand mehr. Es wissen eh schon alle.
    Am besten war es, reinen Tisch zu machen und nicht mehr zu lügen. Wenn du für sie lügst, muss sie sich nicht mit den Konsequenzen ihres Tuns auseinandersetzen. Die Drecksarbeit macht ja jemand anderes. Und daher hat sie auch keinen Druck, aufzuhören. Ist ja schick bequem zu Hause.
    Mit der Art von Hilfe verlängern Co-Abhängige nur das Elend.

    Der beste Tipp, den man dir hier im Forum geben kann, ist, aufzuhören, um deine Mutter zu kreisen, sie in Watte zu packen und ihr helfen zu wollen.
    Es scheint, als ob du selbst Hilfe brauchst- warum kümmerst du dich nicht um dich selber?
    Du hast keine Verantwortung für sie- die hat sie selbst. Ebenso, wie du für dich Verantwortung trägst. Die solltest du nun für dich wahrnehmen.

    Wie geht es dir denn? Wie fühlst du dich?
    Was hast du für Wünsche und Ziele? Beginnst du im April dein Studium?
    Ich bin auch aus dem Elternhaus ins Studium geflohen.. Dort musst du konzentriert arbeiten, bist unter Druck gesetzt. Ich kann dir nur raten, dich auf dich selbst bis dahin zu besinnen, sonst leidet dein Studium möglicherweise wie bei mir.

    Alles Liebe,
    Natalie

    Zitat von Rhein

    interessant was du über die Kinder Deiner Tante schreibst.

    Ob jetzt Tante oder Onkel- darauf will ich mich nicht festlegen. Ist aber auch egal.
    Ich denke schon, dass es da Zusammenhänge gibt.

    Ich werde mich studientechnisch in nächster Zeit mit Eltern und Familie aus psychologischer Perspektive befassen; das geht in etwa in die selbe Richtung.

    Mein Opa hat ja auch getrunken und ist vor vielen, vielen Jahren, als ich noch klein war, gestorben.

    Ich merke dem Geschwister meiner Mutter an, dass diese Person sehr große Minderwertigkeitskomplexe und auch Angstprobleme hat, sich als unzulänglich empfindet. Die Person hat nie eine Therapie gemacht und ist auch nicht wirklich gut in Selbstreflexion. Ich würd die Person als klassisches EKA beschreiben, was das Geschehene stark verdrängt und beschönigt.

    Ich glaube, dass das Geschwister seine eigene Situation auf die eigenen Kinder projiziert und ihnen auch diese Selbstwahrnehmung mitgegeben hat. Die Kinder haben die gleichen Komplexe bezüglich ihres Aussehens, empfinden sich nie als gut genug und müssen sämtliche Dinge kontrollieren. Ist das Fenster noch auf, der Herd noch an, Tür ins Schloss gezogen?
    Ich kann nichts zu deren Kindheit sagen, bis auf, dass Mutter beschrieb, dass sie durchaus mit dem Gürtel oder Stöcken verprügelt wurden. Also keine rosige Kindheit.
    Ich glaube, Mutters Geschwister wollte die Kinder vor allem möglichen Schaden beschützen- sei es vor schädlichen TV-Inhalten, blutigen Knien oder sonstigen Fehlern. Die Kinder sollten perfekt werden- freundlich, zuvorkommend, bescheiden, talentiert, sehr gute Noten, wohl erzogen, tierlieb. Was es so tolles alles gibt.
    Sie durften nicht experimentieren, nichts ausprobieren, keine Fehler machen, nichts riskieren. Ich bin der Meinung, dass Kinder solche Erfahrungen brauchen. Nur wer mal was riskiert- in einem gewissen Rahmen, ich meine keine lebensgefährliche Dinge- der kann merken, dass er auch schwieriges schafft und daran wachsen. Wer mal einen Fehler macht, der wird merken, dass das nicht gleich den Weltuntergang bedeutet und dass man auch mal Fehler machen darf. Insgesamt ist sowas in meinen Augen hilfreich, wenn das Selbstwertgefühl ausgebaut wird. Wenn du immer nur hörst "du darfst dies nicht, du kannst das nicht" traust du dir später, wenn du selbst entscheiden darfst, nichts zu. Weil du als Kind daran nicht wachsen konntest und im Prinzip klein gehalten wurdest.
    Diese Kinder sind nun so darauf bedacht, diese Perfektionsansprüche zu erfüllen, als nicht minderwertig gesehen zu werden, dass sie alles um sich herum vergessen. Sie haben auch keine Sozialkontakt oder Partner. Als es Zeugnisse gab, hat das Geschwister meiner Mutter den Kinder vorgerechnet, um wieviel sie hätten besser sein können, als sie für die wirklich guten Leistungen mal zu loben. Sowas hat wohl sehr geprägt.
    Mich hat diese Person immer nieder gemacht- ich war kein guter Umgang, war schlecht- nicht dass sich die Kinder an mir ein Bsp. nehmen.

    Die Person hat es sicher "nur gut gemeint". Erschreckend finde ich eben, dass sich die Kinder wie EKAs verhalten, die typischen Merkmale haben.. Nur mit dem Unterschied, dass das Elternteil EKA ist und sie eben nicht.
    Daher eben der Bruch mit der Familie. Sie erwarten von mir, dass ich mich fein einreihe- und ich werd den Teufel tun und mich dort anpassen und wieder ins Boot setzen. Daher ist das eben die einzige Möglichkeit, wirklich rauszukommen.

    Natalie