Beiträge von Zimttee

    Zitat von Maggy09

    Erstmal möchte ich euch herzlich für euren Zuspruch danken!

    Wie der Titel bereits sagt, hab ich natürlich noch ziemliche Zweifel, ob ich wirklich richtig gehandelt hab. Aber das ist wohl zu erwarten, schließlich war es eine eigentlich auf Zukunft angelegte Beziehung...
    Hab auch überlegt, ob es wohl so kommen wird, dass er, wie hier richtig gesagt wurde, ja handeln und mich auch wenn getrennt ja durch Taten überzeugen kann. Klar, aber wenn mehr das Problem zu sein scheint aus seiner Sicht, dass ich mich um keine gemeinsame Basis mehr bemühe und er ja das von mir definierte Ziel glaubt, einhalten zu können, wird er dann überhaupt handeln?
    Und das mit der gemeinsame Basis: seine Meinung war, wartephase geht so nicht, einfach weitermachen und von mir als solche gesehene Probleme, wie zusammen ziehen, was ich erstmal eben nicht wollte, werden dann gelöst. Wenn das aber bald ansteht (tut es eh), hätte es die Diskussion von vorgestern doch eh dann gegeben, wenn ich mich nicht hätte überreden lassen oder?

    Vielleicht denne ich auch einfach zu viel nach??

    Hallo Maggy,
    ich habe bei dir etwas den Überblick verloren. Wie alt bist du, wenn ich fragen darf?

    Durch deine Denkweise merkt man, dass du glaubst, dass du irgendeinen Einfluss auf seinen Konsum hast- dass dein Handeln ihn beeinflussen wird.
    "wenn er glaubt, dass ich keine Basis mehr sehe, dann will er nicht aufhören und so schade ich mir selbst".

    Dein XY scheint dir in allem die Verantwortung zuzuschustern und dich manipulieren zu wollen, dass du wieder mit ins Boot springst.
    Seine Argumentation, dass du ihm nun die Hoffnung und die Motivation zum Aufhören nimmst, ist doch total verquer.
    Er trägt die Verantwortung für sich und du für dich. Du springst aus dem Boot, sobald es dir zu viel wird und du so nicht mehr leben möchtest.
    Das hast du nun getan und das war auch richtig. Mit einem nassen Alkoholiker zusammenzuleben ist die Hölle und wird über die Jahre immer schlimmer. Durch eine Hochzeit gehst du zudem noch finanzielle Verpflichtungen ein, die auch nach einer Scheidung bestehen.
    Für deinen XY wäre nun der Moment aufzuwachen und Farbe zu bekennen. Und für sich selbst was ändern zu wollen.
    Das setzt anscheinend nicht ein. Wenn er nun davon faselt, dass du immer noch Schuld trägst, weil du nicht an die Beziehung glaubst, ihr die Basis nimmst- dann merkst du doch, dass er gar nichts verstanden hat. Statt die Situation als Chance zu nutzen, bleibt er der Flasche weiterhin treu. Er sieht gar nichts ein, setzt zu weiteren Manipulationsansätzen an und schmeißt dir seine Verantwortung hinterher. Umdenken wäre anders :(

    Ich würde sein Verhalten als Indiz dafür nehmen, dass er gar nicht bereit ist, seinen Lebenswandel zu ändern- da wird sich vorerst nichts bessern. Es ist gut, dass du dich getrennt hast. Wenn er selbst bei ernsthaften Konsequenzen nicht über seinen Lebenswandel nachdenkt, würde er das erst recht nicht machen, wenn du bei ihm bleibst und weiter Händchen hälst.

    LIebe Grüße,
    Zimttee

    Zitat von Die_Susanne

    Die Genetik hier als Argument zu nennen, halte ich für sehr extrem.
    Was schlägst du denn vor? Alle Menschen, die die Möglichkeit einer Weitervererbung einer Erkrankung in sich tragen sollen keine Kinder bekommen? Dann wird es nicht mehr viel Kinder geben, denn wer hat schon solch ein Erbgut?
    Das erinnert mich leider an ganz ganz dunkle Zeiten des vergangenen Jahrhunderts.


    Huch, da bin ich anscheinend angeeckt.
    Ich finde allerdings deine Deutung, meine Aussage aus dem Kontext zu greifen und einfach mal auf alle vererbbaren Krankheiten zu beziehen, mehr als übertrieben. Und dann noch ein Hitlervergleich. Großes Rhetorikkino ;)

    Wir sprechen gerade über eine Beziehung zu einem Menschen, der noch nass ist und keine Anstalten macht, da irgendwas dran zu ändern. Wenn die TE mit ihm Kinder bekommt, haben die (möglicherweise, zu 50%) seine Gene und zum anderen dann noch Modelllernen vom "richtigen" Vorbild.
    Beides ist eine heftige Kombination.
    Nach allem, was ich bisher erlebt habe und was noch passieren wird, habe ich meine Konsequenzen gezogen. Ich selbst bin Tochter einer Alkoholikerin, durch deren Familie sich der Alkoholismus wie ein roter Faden zieht. Das Gefühl, diese Gene zu haben, ist nicht angenehm, wenn man sein Leben lang dabei zugesehen hat, wie sich andere Menschen zu Tode trinken.
    Das will ich meinen Kindern ersparen. Ganz einfach. Es gibt noch vieeeele andere Erkrankungen, ja. Alle mehr oder weniger behandelbar. Aber weiter dabei zuzugucken, wie andere trinken, kann und will ich nicht mehr.
    Erst recht nicht bei den eigenen Kindern.
    Falls du dich jemals tiefergehend mit Hitlers Ansätzen beschäftigt hast, Susanne, wirst du hier (jetzt hoffentlich wirklich) den Unterschied erkennen.


    Ich wundere mich gerade über die Meinung, Alkoholismus sei nicht vererblich. Gerade die ganzen familiären Häufungen sind ja ein Indiz dafür- auch, wenn es Menschen ohne erbliche Belastung gibt, die dennoch trinken.

    Alkoholismus ist multifaktoriell bedingt- d.h., es gibt nicht den einen Auslöser, sondern meist ein Zusammenspiel aus mehreren. Es spielen mehrere Faktoren zusammen, die in verschiedenen Theorien aufgeschlüsselt sind. Hurrelmann/Bründel nennen psychologische, lerntheoretische, systemische und neurobiologische Faktoren. Die neurobiologischen wären in diesem Fall vererbbare Faktoren. Allerdings sind Bründel/Hurrelmann Pädagogen, die die Thematik für den Unterricht aufbereitet haben.
    Ich habe über google eine Studie von Catrin Wernicke von der Charité Berlin gefunden, die in der Zeitschrift "Biospektrum" veröffentlicht wurde und durch Zwillings- und Adoptionsforschung zu dem Schluss kommt, dass Alkoholismus etwa 50:50 durch die Gene und Umweltfaktoren (=Erziehung, Modelllernen...) bedingt wird.
    Dass die Gene bei der Entstehung keine Rolle spielen, habe ich nirgendwo gelesen.


    Schönen Samstag noch,
    Zimttee

    Hallo Maggy,

    wenn er gesund wäre und alles im Lot, würde er nicht so rumeiern.
    Das ist mein Gedanke. Für mich klingt es nach Suchtverhalten.
    Letztlich können wir ihm aber nicht in den Kopf gucken, Ferndiagnosen sind nicht möglich, ob er nun auf dem Weg in die Sucht ist oder bereits angekommen.

    Ich würde mich an deiner Stelle nicht darin verbeißen, wie nun sein Status ist. Du kannst, denke ich, dir ausmalen, wie die Zukunft aussehen wird. Er verhält sich ja nun schon recht typisch- das wird nicht besser.
    Für mich wäre der jetzige Status Grund genug, ihn nicht zu heiraten- sonst ruinierst du dir deine Zukunft und deine Möglichkeit, glücklich zu werden. Du solltest dich selbst schützen und keine falsche Rücksicht auf ihn nehmen- denn durch dein Zutun, deine Loyalität erhälst du das System weiter aufrecht und gibst seiner Sauferei ein Fundament. Du trägst auch Verantwortung für zukünftige Kinder- willst du denen einen solchen Vater antun? Ganz davon ab, dass sie seine Gene haben werden.. Kinder werden selbst mit ca 30%iger Wahrscheinlichkeit Alkoholiker. Ist es das, was du für deine Kinder willst?
    Diese Prognose? Ganz davon ab, dass sie sich nicht richtig entwickeln werden können, weil sie immer die Probleme von zu Hause im Nacken haben werden mit Angst, Bedrückung, Hilflosigkeit und Verzweiflung.

    Ich glaube, bei diesen Aussichten wäre es mir recht egal, ob mein Verhalten ihm gegenüber möglicherweise herzlos wäre. Ist es nicht herzlos, was er dir und potentiellen Kindern antun würde?

    Liebe Grüße
    Zimttee

    (die Emmas Ausführung zu einem Leben ohne Alkohol als mehr als unrealistisch findet)

    Hey Katrin,

    ich denke, es ist wichtig zu begreifen, dass sich dein XY nicht ändert, wenn du ihm nicht aufzeigst, dass eine Nichtänderung zu Konsequenzen (Scheidung, Einstellung der Hilfe) führt.
    Von daher kann ich dir nur raten, konsequent zu werden. Ein erster guter Schritt ist sicher, dass du zum Arzt gehst und die Karten auf den Tisch legst.

    Du bist sicher nicht der Beziehungsversarger. Für eine gute Beziehung müssen zwei zusammen arbeiten- wenn da keine Basis ist und einer wegbricht, kannst du den Kahn nicht mehr retten.

    Kannst du dich erst mal schrittweise aus der Verantwortung nehmen und schauen, was passiert? Wieviel Zeit verbringst du noch mit ihm, wie hilfst du ihm?
    Was spricht gegen die Scheidung?

    Liebe Grüße
    Zimttee

    Zitat von Hartmut

    Hallo Zoi und Zimttee,

    soweit ich weis, seit ihr beide EKA und kann es auch nachvollziehen das es triggern kann . Nur in der Vielfältigkeit des Forums ,mit Alkoholiker, CO Abhängige , Angehörige und EKA bleibt es ja nicht aus , auf Trigger Situationen zu kommen . Da kommen ja fast täglich Neue dazu.

    Nun gibt es ja bei Alkoholiker auch kein Trockenlegen . Der Impuls von dem Hilfesuchende kommen. Sollen wir denn jeden sofort rausschmeißen , deaktivieren weil er andere Erfahrungen machte oder einfach noch nicht soweit ist ? Wie stellt ihr euch das denn vor. Was soll denn passieren ?

    Hey Hartmut,
    ich gehe einfach davon aus, dass jeder so nett ist, Dinge, die andere triggern könnten, zu unterlassen.
    Ich würde nie auf die Idee kommen zu schreiben, wie ich Alkohol trinke.

    Sollte mich doch jemand triggern, halte ich mich aus den Fäden raus. Ich sehe mich nicht in der Verantwortung, dass jemand durch mich auf den rechten Weg kommt und ziehe mir nicht jeden Schuh an.
    Bei harten Fällen halte ich mich raus bzw schreibe nur, wenn ich das Gefühl habe, dass die verschriftlichten Gedanken auch mir weiterhelfen.

    Wenn man in meinen offenen Faden guckt, sieht man einen aktuellen Beitrag, der mir schon recht lange ein Bedürfnis war.

    Ich denke, ich bin dafür zuständig, Dinge an mich ranzulassen. Was Menschen in anderen Fäden schreiben, ist mir gleich- da muss ich nicht lesen. In meinem Faden achte ich darauf, dass niemand meine Grenzen überschreitet.

    Ich halte mich für sehr stabil momentan und denke, dass ich sowas verkraften kann.
    Ich habe hier irgendwo gelesen, dass Co-Abhängigkeit nicht sooo schlimm wäre wie eine akute Sucht. Neulich hat sich schon wieder jemand umgebracht, der zu tief drinhing. Das ist also relativ.
    Allerdings denke ich, dass Co-Abhängigkeit keine eigenständige Krankheit ist, eher eine Verhaltsstörung.. Aber zu ernsteren Erkrankungen wie bspw. Depressionen mit Suizid im Worst-Case führen kann.

    Viele Grüße,
    Zimttee

    Hey,

    gute Frage!
    Da gibt es soooo viele Möglichkeiten- entweder, er ist durch den mangelnden Alkohol nun viel unentspannter und doch irgendwie abhängig oder er spielt den Miesepeter, weil er dich dazu bekommen möchte, dass du den trinkenden XY wieder akzeptierst.. Oder oder oder.
    Anscheinend ist ja seitdem eine Veränderung eingetreten, also wird da auch irgendwas im Busch sein.

    Wichtiger ist die Frage, was das mit dir macht? Willst du in so einer Beziehung bleiben? Ziehst du irgendwelche Konsequenzen für dich?
    Da würde ich eher nachgucken.

    Ansonsten erinnerts mich an meine Mutter: Es gab mal ein Gespräch über ihren Konsum, als sie schon um die 15 Jahre abhängig war. Sie hatte zuvor eine Alkoholvergiftung und die Nacht im Krankenhaus verbracht. Dort attestierte man ihr die Sucht.
    Ihr Fazit: Sie brauche Ruhe, mehr Zeit für sich... Bla bla bla. Dann wirds besser ;)

    Merkst du was?

    LIebe Grüße,
    Zimttee

    Liebe Lorelei, danke.

    Es ist ja nicht so, als ob ich gar nichts mitgenommen habe- den Spruch mit den Freunden befolge ich auch. Allerdings stammt er nicht von meiner Mutter. Es gelingt mir auch in bestimmten Konstellationen, Dinge liegen zu lassen oder im Raum stehen zu lassen. Ich weiß, was ich für mein Leben will und was nicht.

    Aber ich merke einfach immer wieder, dass ich mich nicht positiv darstellen kann, dass mir Vertrauen in meine Fähigkeiten fehlt und ich mich in bestimmten Situationen gegenüber anderen nicht durchsetzen kann. Mir wurde es von klein auf eingeredet und vorgelegt, dass ich unfähig, nicht so gut wie andere und irgendwie defizitär bin. Meine Eltern wollten mich so an sich binden und abhängig machen, damit ich nicht ausbreche. Das ist übliche Praxis in Suchtfamilien und der Grund, warum viele EKAs solche Schwierigkeiten haben, obwohl sie längst nicht mehr mit ihren Eltern leben.
    Man kanns nicht einfach ausblenden oder ignorieren, wie vieles andere, was einem negatives im Leben passiert.

    Ich merke, dass du es positiv meinst, was du schreibst. Aber ich habe den EIndruck, dass du selbst solches Co-Denken hast, was du uns vermitteln möchtest... Und das möchte ich überwinden. Ich merke, dass du es gut meinst, was du schreibst. Aber das sind durchaus Sätze, die auch von meinen Eltern stammten, als sie mich noch im System halten wollten. Und die mag ich nicht mehr hören, weil diese Sätze mich lange genug gelähmt und an einem eigenständigen Leben gehindert haben.
    Ich umgebe mich nun mit Leuten, die mir gut tun- das bedeutet aber auch, dass ich Leute mit Sucht- und Co-Hintergrund meide.

    Ich habe bspw. eine Kollegin, mit der ich mich zu Beginn gut verstanden habe. Sie wirkte immer etwas fertig. Nach kurzer Zeit stellte sie mir ihre Freunde vor- Menschen, die genau so fertig aussahen wie sie. Man sah ihnen zudem noch überhöhten Alkoholkonsum an. Irgendwann merkte ich, dass auch betroffene Freundin ständig von Alkohol sprach- "am Abend, wenn ich Unterrichtsstunden plane, trinke ich..." oder "am liebsten würd ich nicht mehr denken wollen und einfach nur ... trinken". Da habe ich mich schon sehr von ihr distanziert. Danach kam sie für ein paar WOchen in eine Psychiatrie. Irgendwann fing sie dann an, so Sachen zu sagen wie "fahr mal zu deinen Eltern" "bei deinen Eltern zu sein würde dir gut tun". Da habe ich den Kontakt abgebrochen, weil sie mich versuchte in alte Muster, aus denen ich innerhalb von mehreren Jahren ausgebrochen war, zurückzudrängen. Das geht gar nicht.

    Ich denke, so ists hier im Forum auch. Prinzipiell wendet sich hier niemand gegen irgendwen- aber wir gehen auf Distanz, wenn man unseren Co-Knöpfen (also Dingen, mit denen man uns früher mal manipulierte) zu nahe kommt.

    Viele Grüße
    Zimttee

    Hallo Babe,

    es tut mir immer noch sehr leid, was deinem XY passiert ist. Sowas hat niemand verdient.

    Niemanden trifft Schuld daran, was ihm passiert ist. Es war seine Verantwortung und er ist diesen Weg gegangen.

    Als ich damals die Familienmitglieder meiner Mutter informiert habe, haben die mit Schuldzuweisungen auch nur so um sich geschmissen. Wohlgemerkt hat sie begonnen zu trinken, als ich 2 oder 3 war. Es ist also totaler Quatsch, mir da was anzuhängen bzw irgendwem anders die Schuld zu geben, dass jemand trinkt. Niemand hält einer anderen Person die Flasche an den Hals. Ich hatte damals den Eindruck, dass diese Personen als Mamas vorbelastete Kernfamilie mit eigenen Alkoholproblemen selbst Angst davor hatten, irgendwie daran Schuld zu sein und deswegen die Schuld großzügig auf andere verteilten. Ist dann ja auch einfacher.

    Vielleicht geht es XYs Bekanntschaft ja genauso?

    LIebe Grüße,
    ZImttee

    Liebe Lorelei,
    Das Bauchgefühl habe ich nicht. Urvertrauen habe ich nicht.
    Ich kann Situationen und Menschen generell nicht einschätzen oder schlecht. Eigene Eindrücke wurden mir damals ausgeredet, ich wurde schlecht geredet.
    Es gibt Situationen, die kann ich sicher einschätzen- mich selbst aber nicht. Das wollten meine Eltern nicht, das war nicht mit dem System zu vereinbaren.

    EKA-sein ist mehr als bloß eine schlechte Kindheit- das bedeutet Missbrauch, Manipulation und emotionale und manchmal auch körperliche Misshandlung. Gesunde Menschen gehen da in der Regel nicht raus hervor.

    Viele grüße
    Zimttee

    Hallo Hartmut,

    ich spreche dann mal für mich ;)
    Verbittert fühle ich mich nicht; jedoch kann ich das "Co-Denken" hier im Forum nicht ertragen. Es triggert mich, weil es in meinen Augen die Gedanken sind, die mir meine Eltern auch aufzwingen wollten. Damit möchte ich nicht mehr konfrontiert werden.

    Es äußert sich in der Regel so, dass ich dann da einfach nicht mehr schreibe.

    Liebe Grüße,
    Zimttee

    Hey Toru-Chan,

    ich kann dir auch nur raten, dass du das machst, was sich für dich gut anfühlt.
    Ich glaube, das mit deinem Bruder ist vertrackter, als man so vom Lesen her denkt. Er hat ja schon seinen Therapeuten, der erkannt hat, dass es ihm gut tun würde, wenn er auszieht.
    Bei deinem Bruder scheint es nicht anzukommen. Das könnte man damit erklären, dass er von den Eltern von klein auf auf Co getrimmt wurde und gar nicht die Fähigkeiten erhalten hat, selbstbewusst und unabhängig zu sein.

    Ich habe auch einen jüngeren Bruder, der erst nach mir ausgezogen ist. Kurz nach meinem Auszug war es sehr schwierig mit ihm, da er mir Vorwürfe machte, ihn im Stich gelassen und mich aus der Verantwortung gezogen zu haben. Erst nach seinem Auszug besserte sich unser Verhältnis, da er sich viel besser entwickelte und mich dann auch endlich verstehen konnte. Wenn ihm allerdings der Antrieb gefehlt hätte, auf eigenen Beinen zu stehen, weiß ich auch nicht, wie es geendet wäre.
    Deinem Bruder wird deine Hilfe erst dann nützen, wenn er es begriffen hat und eben diesen Antrieb besitzt, aus der Misere herauszukommen.
    Kennt sein Therapeut die ganzen Verstrickungen?

    @ Lorelei: Es ist sehr schwierig, ein Co-System mit "in anderen Familien" zu vergleichen. Da gelten ganz andere Mechanismen und Abhängigkeiten- etwa so, als wenn du einem Alkoholiker "aber mit anderen Krankheiten ist das auch nicht so schwierig" sagen würdest. Psychische Erkrankungen sind nicht mit körperlichen und Suchtfamilien nicht mit gesunden zu vergleichen.

    Ich denke, Toru-Chan, du solltest nach deinem Bauchgefühl entscheiden. Wenn dein Bruder keine Hilfe annimmt, kannst du keine aufdrängen. Du kannst ihm anbieten, für ihn dazusein, wenn er "ausbrechen" möchte.

    Liebe Grüße,
    Zimttee

    Sooooo- es ist geschafft! :)

    die Zeit ist um und ich hatte meine Prüfung vor einiger Zeit.
    und habe nun einen ziemlich schönen Schnitt mit einer 1 vorm Komma.

    Meine Therapie habe ich bereits im Sommer beendet, da ich merkte, dass ich sie nicht mehr brauche, um richtig funktionieren zu können. Letztlich ging es auch daohne weiter.

    Meine Rückmeldungen sind folgende:
    - jeder Zeit einsatzbereit, schnell anpassbar, sehr belastbar, kommt selbst mit schwierigen Schülern aus, sehr professionell. Meine Ausbilderin sagte mir neulich, dass sie es schätze, dass ich eben Dinge nicht persönlich nehme.

    Eben habe ich hier im Faden nochmal zurückgeblättert, da ich daran denken musste, dass es hier damals Beiträge gab, die mich sehr an mir zweifeln ließen. Weil fremde Menschen, die mich nicht kannten, schrieben, aus welchen Gründen ich wohl nicht in der Schule klar käme bzw. nicht geeignet wäre. Nun kann ich darüber lachen, weil ich einen sehr guten Abschluss erzielt habe, nie Probleme im Ref hatte, genau die Dinge, die hier angezweifelt wurden, die Zeit über gelobt wurden... Ich habe echt meinen Traumjob gefunden- meine Prüfungsklasse hat nach meiner Prüfung applaudiert. Das waren echte Glücksmomente.
    Wenn ich diese Dinge, die mir fremde Menschen hier schrieben, mit meinem jetzigen Wissen nochmal durchlese, frage ich mich, wie man derart dreist und widerlich sein kann, einem EKA, welches sich verunsichert auf das unbekannte Terrain wagt, vor dem die Eltern immer warnten, solche Dinge schreiben kann? Diese Worte, die mir damals geschrieben wurden, hätten im Prinzip genauso von meinen systemtreuen Eltern stammen können.

    Nun. Vielleicht hilft das dem ein oder anderen hier weiter. ;)

    Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag!
    Zimttee

    Hallo Toru-Chan,

    Abgrenzen können sich viele Menschen aus Alkoholiker-Familien nicht.
    Das oberste Ziel ist es nämlich, das kranke System aufrecht zu erhalten, in dem jeder um den Alkoholiker kreist und ihn pampert. Selbstbewusste Individuen, die wissen, wo sie im Leben stehen, stehen dem Ganzen eher im Weg. Man braucht gebrochene, abhängige, unselbständige Cos- und dazu werden die Kinder auch dressiert.

    Das ist, nehme ich an, das, wodrüber dein Bruder und du gerade stolpert.

    Wieso ist das Jugendamt nur im Gespräch und noch nicht eingeschaltet?


    Liebe Grüße,
    Zimttee

    Liebe Toru-Chan,

    verunsichern wollte ich dich nicht.
    Es war lediglich meine Entscheidung, dass ich die 40 Jahre, die ich dann noch arbeite, nicht auf mehrere hundert Euro monatlich verzichten möchte.

    Ich habe mir eine Verhaltenstherapeutin gesucht und ihr von meiner Situation erzählt. Sie schlug von sich aus vor, die Sitzungen als Coaching zu bezeichnen. Die Übergänge zwischen Therapie und Coaching sind ja fließend.
    Mir hat es ziemlich geholfen. Es ist jetzt alles erträglicher und ich kann meinen Alltag momentan gut leben. Irgendwann werde ich die Therapie sicher weitermachen, aber das dann erst nach der Verbeamtung.

    Die Probleme mit dem SVV kenne ich auch, die Unsicherheit und die gespürte Verantwortung.
    Meine Mutter ist die Alkoholikerin in der Familie, aber es gab eine Zeit, da hat auch mein Vater missbräuchlich getrunken und stand dann nachts in unseren Zimmern. Daran hab ich echt unangenehme Erinnerungen.

    Liebe Grüße,
    Zimttee

    Liebe Toru-Chan,

    ich dachte gerade, auch meine Geschichte bei dir zu lesen ;)
    Also, ich bin auch 28 und gerade Beamtin auf Wiederruf. Auch ich bin EKA und habe mit meinem Eltern einiges durch.
    Ich habe mich gegen eine offizielle Therapie entschieden, weil ich meine Probleme erstmal mit einem Coaching in den Griff bekommen habe. Das habe ich selbst bezahlt, aber es war jeden Cent wert.

    Natürlich sollte man seine Gesundheit nicht vernachlässigen- aber wenn es um eine Verbeamtung geht, die eine wesentlich bessere Bezahlung und Kündigungsschutz verspricht, war es so der bessere Weg für mich. Man weiß nicht, an welchen Amtsarzt man gerät und der dreht einem dann hinterher aus den Problemen seiner KIndheit einen Strick.

    Ich kann nur dazu sagen, dass ich schon Probleme hatte, aber die waren unter dem Strich nicht sooo schlimm, als dass sie mir mein Leben verhagelt hätten. Bei etwas lebensbedrohlichem siehts anders aus- aber so ist es für mich der beste Weg gewesen.

    Wie kommst du in die Beamtenschiene?

    LIebe Grüße
    Zimttee

    Ja guck.. Dein Eintrag von 19:40 treibt doch alles noch ein Stück weiter auf die Spitze.

    Er hat dir die letzte Trinkpause nur vorgespielt.
    Egal was er tat-

    * das vermeintliche erste trockene Jahr bis zur MPU
    * die trockene Zeit nach dem "ersten" Rückfall
    * seine dramatischen Kneipenabgänge
    * die an Drama konzentrierten Mitleidssms mit ein paar Bekenntnissen, die zeigen sollen, dass er es jetzt wirklich ernst meint.

    Das dient doch alles nur, um dir irgendeinen Zirkus vorzugaukeln und dich in der Spur zu halten. Seine Vorstellungen vom Sinn einer Beziehung waren doch klar. Ich meine- wie lange hat er nun so getan, als wäre er wieder trocken und hat dich da jeden Tag verarscht?
    Das wäre jetzt der Punkt, an dem er bei mir vor der Tür landet. Erst soll er selbst klar kommen und seinen Worten Taten folgen lassen. Ansonsten ist er spätestens jetzt eh unglaubwürdig.

    Liebe Grüße,
    Zimttee

    Hey PB,

    ein paar Gedanken dazu:
    - dein XY weiß nach seiner Vergangenheit genau, wo er sich befindet und was die Vor- und Nachteile sind. Er weiß um seine Krankheit und die Risiken- er kennt beide Seiten. Trocken und nass.
    Er hat sich bewusst für nass entschieden. Was willst du ihm da noch "ganz klar" mitteilen? "Ganz klar mitteilen" oder "offenes Gespräch/offen miteinander sprechen" sind hier so oft verwendete Floskeln, die zeigen sollen, dass es der Co ganz ehrlich meint, dieses Mal wirklich.
    Was in den Köpfen der XYs vor sich geht, kann man da nur ahnen. "ja, lieb lächeln und nicken.. sie beruhigt sich wieder und fühlt sich gut, weil ihre "ganz klare" Ansage gefruchtet hat und sie sich fühlt, als hätte sie etwas bewirkt.. und danach geht der Zirkus dann weiter".
    Da wird die "ganz klare Ansage" oder eben wahlweise das "gute offene Gespräch" unglaubwürdig bis lächerlich.

    Dein XY scheint dich bewusst zu manipulieren "nur für dich war ich trocken" => heißt "nur DUUUU kannst etwas bewirken"- der Co fühlt sich gut und allmächtig.
    Und im nächsten Schritt hat er dir auch verklickert, was er von der nun wieder treusorgenden Co erwartet: bemuttern, Kohlen aus dem Feuer holen und kümmern, weil sich der nasse XY nicht mehr um sich selbst kümmern kann. Wenn er es nicht macht, muss es jemand anderes machen.
    Und um den Druck noch ein paar Bar zu erhöhen, gehts danach ganz dramatisch in die Kneipe zum Saufen- durch dich wird er trocken oder eben noch nasser.

    Liebe PB, das sind seine Spielregeln.
    Hast du da Lust, weiterzuspielen?

    Hallo Fuego,

    hmm..
    Mein Eindruck von deinem Beitrag: da sind so viele Stellen, auf die ich antworten würde.

    Wichtig für uns ist, dass wir auf uns selbst und auf unsere Interessen achten. Damit scheinst du schon begonnen zu haben. Das ist gut!
    Aber auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, willst du gleichzeitig nicht den Fokus von deinem XY nehmen. Du willst beides unter einen Hut bekommen. Und das ist ungünstig.
    Das Ziel sollte für dich sein, dass du ihn aus dem Fokus nimmst und auf dich achtest- und nicht beides.

    Dann habe ich da noch ein paar falsche Grundannahmen entdeckt.

    Das wichtigste: Genusstrinken ist nach einer Sucht nicht mehr möglich- keine Ahnung, was mit seiner Mutter war... Aber sicher kein normales Trinkverhalten nach einer Sucht. Als trockener Alkoholiker gilt: 0 Promille.
    Ein normales Trinkverhalten oder kontrolliertes Trinken gibt es einfach nicht. Ausnahmslos.

    Ob du nun Co bist oder nicht, musst du für dich selbst entscheiden. Ich habe ja nun deinen Beitrag gelesen und dachte, dass ich da viele Co-Strukturen entdecke.
    Du erklärst ihn und sein Verhalten, beschönigst und deckelst.
    Du willst noch helfen.

    Du kannst jemandem helfen, wenn er für sich selbst den Schalter zu 0Promille umgelegt hat und in die Richtung startet. Dann zielt deine Hilfe auf seine Gesundung ab- aber wenn er noch denkt, dass er jemals wieder normal trinken kann und du ihn auf diesem Irrweg stärkst... Hilfst du ihm nicht aus der Sucht raus sondern unterstützt dieses kranke System.

    Liebe Grüße,.
    Zimttee

    Zitat von portugalbaby


    Ja mein Freund weiss das er ein Problem hat und hat vieles im Leben umgestellt vorallem im letzen Jahr nach der geplatzten Hochzeit. Das meine Familie am Anfang nicht mehr mit ihm gesprochen hat, hat ihn am meisten fertig gemacht weil sie ihm sehr wichtig sind.Er sagt immer so eine Familie und unser Verhältniss hat er sich immer gewünscht auch zu haben.


    Und was hat das bei ihm geändert? Dauerhaft trocken ist er ja nun nicht.

    Zitat von portugalbaby

    Leider sitztdas Ganze bei ihm wohl etwas tiefer in seiner Kindheit mit einem Alkohol und Drogenabhängigen Papa allein gelassen worden in Südamerika, während die Mutter versucht hat in Deutschland etwas aufzubauen. Er hat auch schon früh Menschen gesehen die einfach umgebracht wurden und auf der Straße lagen. Ich glaube Kinderaugen vergessen sowas nie. Nicht destso trotz hat er ja jetzt alle Vorraussetzungen um ein gutes Leben zu führen und so Leid es mir für ihn tut, ich kann nicht mein Leben,meine Pläne für ihn aufgeben.


    Ich habe auch so viel gesehen, genau so wie viele andere Menschen, die ich kenne. Keiner trinkt. War mit meiner alkoholabhängigen Mutter viel alleine, mein Vater fühlte sich für die Erziehung nicht zuständig.

    Bei 2 "Rückfällen" in einem Jahr würde ich nicht von Rückfällen sprechen- das sind Einbrüche seiner Trinkpausen.

    Wo ist denn deine Grenze, PB?
    Wann willst du für dich selbst sagen, dass Schluss ist?