Beiträge von Zimttee

    Das, was seine Familie mit dir macht, ist ein "üblicher Mechanismus" in von Sucht gebeutelten Familien. Sie suchen einen Sündenbock, an dem sie das auslassen können, was sie sich selbst vorwerfen.
    Natürlich ist das nicht okay, sich so wie sie zu verhalten. Und es ist totaler Quatsch, dass du in eurer kurzen Beziehung für seine Missstände verantwortlich sein kannst.

    Niemand trägt Schuld an der Situation des Alkoholikers, nur der Alkoholiker selbst ist dafür verantwortlich.

    In meiner Familie gibts auch sehr viele Alkoholiker. Irgendwie haben alle nicht-alkoholkranken Angehörigen einen Knacks weg. Da werden Thesen in den Raum gestellt, da schüttelt man als einigermaßen aufgeklärte Person ungläubig den Kopf. Was sie sich alles zusammenreimen.
    Beispiel: Mein Opa war Alkoholiker und starker Raucher. Mit 65 war dann finito und er starb an einer Lungenembolie. Vorher hatte er mal eine OP im Krankenhaus und musste danach zur Reha. Er war wg eines Gelenkes dort. Ein erwachsenes Kind behauptet nun, das wäre damals ein Entzug gewesen und er wäre seitdem kein Alkoholiker mehr, obwohl er zu jeder Gelegenheit danach Bier trank, und behauptet dann im nächsten Atemzug, dass meine Mutter eh nie trocken werden könne, da sie nie wieder auch nur einen Schluck trinken dürfe, sonst werde sie wieder zur Alkoholikerin. Ich habe mir den Kommentar verkniffen, sie zu fragen, wie diese beiden Behauptungen miteinander zu vereinbaren wären.

    Achja, ich bin übrigens auch am Zustand meiner Mutter schuld, sagt diese Person. Das ist direkt ihre Meinung, obwohl sie gar nicht so genau weiß, wann sie anfing zu trinken. Nämlich vor meiner Geburt, sagt meine Oma. Also ist auch diese Idee totaler Quatsch- schon alleine zeittechnisch geht die Rechnung nicht auf. Aber wer weiß, vielleicht kann diese Person aus dem Umfeld meiner Mutter nachts besser schlafen- ich weiß es nicht. Auf jeden Fall verdammt armselig.

    Befrei dich aus der Rolle der Person, der alles passiert.. Und nimm die Rolle der Handelnden.
    Verstehst du, was ich meine?

    Es wäre für dich ein Erfolgserlebnis, wenn du zur Polizei gehst und dort auf positives Feedback stößst.

    Hallo Martina,

    ich kann mir vorstellen, dass man gelöschte SMS notfalls rekonstruieren kann bzw per Laptop noch auf die Festplatte eines Handys zugreifen kann, auch wenn das Display nicht mehr funktioniert. Das geht.
    Selbst, wenn du Daten von der Festplatte eines Laptops löschst, dann sind die nicht wirklich weg, seidenn du nutzt professionelle Software zum Löschen.
    Nimm am besten alles mit zur Polizei, vielleicht kann man da noch was machen.

    Natalie

    Hallo Caris,

    mit der Krankheit kann man dann offen umgehen, wenn man bereit dazu ist, über sie zu sprechen. Diese "Fähigkeit" liegt nicht an den anderen, sondern an jedem Betroffenen/Involvierten selbst. Natürlich ist es sehr wichtig, dass der Rest Bescheid weiß. Damit dein Partner gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, ist ein alkoholfreies Umfeld notwendig und das geht eigentlich nicht, wenn die Menschen nichts davon wissen.

    Joa. So siehts aus.
    Für dich selbst wäre eine Beratung bei der Suchtberatung der Caritas nicht schlecht. DIese habe ich auch schon aufgesucht und es hat mir ganz gut getan.
    Das wichtigste ist nun zu wissen, wie es weiter gehen soll. Was willst du?
    Ob er das nun wirklich durchzieht, kann ich dir nicht sagen. Was ist, wenn er es schafft? Hättest du die Kraft, Konsequenzen zu ziehen, sobald er einen Rückfall hat? Das wäre das wichtigste für euch.

    Egal was kommt, du solltest wissen, was du willst und was du nicht mehr duldest.

    Ich weiß auch, wie Lindi, keinen Rat mehr, den ich dir nennen soll.
    Du bist dir bezüglich deiner Situation im Klaren.

    Was soll man da jemandem noch sagen, der sich verprügeln lässt und auch aus Platzwunden keine Konsequenzen zieht? Wie soll ich jemandem seinen Wert erklären, wenn er sich selbst nicht wertzuschätzen weiß?

    Es heißt im Forum, wenn ein Alkoholiker einen Streit vom Zaun brechen will um seiner Wut Luft zu machen, dann schafft er das auch.
    Siehst du, nach ein paar Tagen mit rosa Brille hatte er genug, hat den nächstbesten Grund im wahrsten Sinne in deinem Handy gesucht, an den Haaren herbei gezogen und du musstest wieder büßen. Immer wenn er das Bedürfnis dazu hat.
    Bist du dir nicht dafür zu schade?
    Meinst du wirklich noch, dass das Liebe ist? Auf beiden Seiten? Tut mir leid, aber das ist alles andere als Liebe.

    Wer jemanden liebt, tut ihm nicht solches an wie es dein Mann dir antut. Der wertet seinen geliebten Menschen nicht so ab, sondern sieht das Gute in ihm. Und wer seinen Partner gesund liebt, der zieht sich dann zurück, wenn es ihm ans Leder geht- weil er dann merkt, dass der andere die Liebe nicht verdient hat. Weil er selbst nicht liebt. Das, was ihr da auslebt, ist keine Liebe, sondern Abhängigkeit.
    Worauf wartest du noch?
    Einmal tot, dann ist dir nicht mehr zu helfen. Du stehst grad an der Schwelle davor. Einmal falsch oder am falschen Ort fallen, einmal schwappen seine Aggressionen, die er ohnehin schon hat und an die auslässt, über, und dann hopp. Und wer einmal Blut leckt, ne? Dass ihm sowas nie wieder "passieren" wird, ist also Illusion.

    Werd wach!

    Was bringt es, wenn wir dir das ständig schreiben? Das ist wie einem Alkoholiker zu sagen, dass sein Suchtstoff ihn umbringt. Im wahrsten Sinne, so ist es bei dir auch. Wenn der Alkoholiker nichts begreift und daraus keine Konsequenzen zieht, dann kann sich der "Ratgeber" auf den Kopf stellen, den Mund fusselig reden, mit Engelszungen sprechen und niente.
    Es ist nun bei dir, endlich mal die Grenze zu ziehen.

    Arzt bezügl. Attest der Verletzungen aufsuchen, zur Polizei und Situation zur Anzeige bringen, Bannmeile.. Und dann von der Bildfläche verschwinden. Hast du eine Person, zu der du kannst? Vielleicht wäre das Frauenhaus eine gute Adresse.

    Das ist mein Rat. Ich hoffe, er kommt an.

    Hallo Saturn!

    Irgendwie erinnert dein Posting mich etwas an meinen Vater. Dazu ist zu sagen, dass meine Mutter trinkt und man sie auch mit Engelszungen weder zum Arzt und erst recht nicht zur stationären Therapie bewegen konnte.

    Immer hieß es, die Nachbarn werden dann etwas mitbekommen, auf der Arbeit wird man dann wissen, was mit ihr los sei- nein, sie könne nicht so lange auf der Arbeit fehlen, sonst verliere sie ihren Arbeitsplatz. Bla blubb.
    Mein Vater ließ sich auch auf den Trichter bringen, dass eine Behandlung gar nicht ginge, weil dann jeder wisse, was los sei.

    Weißt du, was der Punkt ist? Was soll man sich um die Leute scheren? Ändert das, was andere denken, irgendwas an meinem Leben? Geht es mir besser, wenn ich weitersaufe und andere Leute (vermeintlich) nicht wissen, was Sache ist? Antwort: NEIN! Was habe ich davon, wenn es mir schlecht geht, ich nicht Farbe bekenne, weil andere Leute nichts wissen dürfen?
    Meistens wissen die Leute doch eh, was los ist und zerreißen sich hinter dem Rücken dennoch das Maul. Es wäre für sie imponierend, wenn man Farbe bekennt und das Problem angeht- dann haben sie kein Thema mehr und müssen sich mit den eigenen Problemen auseinander setzen. Als ob in deren Familie niemand trinkt?
    Beißende Ironie ist der Punkt, dass die Person, vor der meine Mutter ihre Sucht verbergen will, damit sie es nicht rumtratscht, genau wegen Depressionen durch die Alksucht ihres Mannes "klammheimlich" in der Psychiatrie war. Und meine Mutter will vor ihr noch das Gesicht waren. Wie krank.

    Naja. Was ist schon ein verlorener Job/der verlorene Ruf gegen ein verlorenes Leben? Bzw zwei verlorene Leben, denn der Partner geht genau so mit drauf.

    Aber das, habe ich gemerkt, ist auch gar nicht der Punkt bei meiner Mutter. Ihr geht es nicht um die Nachbarn und die Arbeit, ihr geht es einzig und allein nur darum, weiterzutrinken.

    Man muss akzeptieren, dass Alkoholiker, die sich ihrer Sucht bewusst sind, sich durchaus lieber zu Tode trinken, als sich vom Alkohol zu entwöhnen.
    Wenn sie so sehr am Leben hingen, wären ihnen andere Leute nämlich egal. Das ist der Punkt.

    Mach dir darum mal Gedanken. Solange, wie deine Frau nicht willig ist, kannst du die schönsten Pläne schmieden. Aber sie wird davon nicht trocken.

    Was machst du denn für dich?
    Weißt du, dass Angehörige von Alkoholikern genau so krank werden wie der Alkoholiker? Hast du dich im Forum schonmal über Co-Abhängigkeit informiert?
    Oder überhaupt schonmal über Alkoholismus?

    Ich würde dir dort den Gang zur Suchtberatung der Caritas empfehlen, die haben mir auch sehr geholfen.

    Bei allen Problemen mit dem Partner darf man als Angehöriger nicht vergessen, an sich selbst zu denken.

    Viele Grüße,
    Natalie

    Hallo Melanie!

    Ich glaube, die Suchtentwicklung darf man beim SVV genau wie beim Rauchen oder Alkoholkonsum nicht verallgemeinern.
    Nicht jeder, der das macht, ist direkt süchtig und wird sein Leben lang davon verfolgt und ist unheilbar.

    Bei mir dürfte das jetzt knapp 10 Jahre her sein, ich war ein wenig älter als deine Tochter.
    Bei mir war es damals ganz klassisch so, dass ich Aggressionen hatte, für die ich kein Ventil fand. Ich war auch immer eher ruhiger, hab den Mund nicht aufbekommen, weil ich nirgendwo anecken wollte. Dann könnte man mich ja nicht mehr lieb haben.
    Ich war zudem wütend auf mich, gab mir auch die Schuld.
    Das ist die "Grundvoraussetzung" für SVV- sonst kann man die Wut nicht gegen sich richten.
    Auch ich wollte mich spüren, es waren auch keine Schmerzen. Der positive Effekt setzte ein, als ich das Blut sah. Hintergrund ist da wohl ein Mechanismus der Evolution; der Körper schüttet beim Anblick von Blut Hormone (Adrenalin und irgendwas, was Glücksgefühle verschafft) frei, damit der blutende sich nochmal zum Kampf/Selbstverteidigung aufrafft. Eigentlich ein Schutzmechanismus, aber in dieser Situation ein Nachteil.
    Ich habe mich selbst daraus befreit, indem ich andere Taktiken in diesen Situationen gefahren bin. Wenn ich also wieder "dieses Gefühl" spüre, dann hab ich meine Arme unter kaltes Wasser gehalten oder hab gebadet oder irgendwas würziges gegessen, um mich anders spüren zu können. Oder habe meinen Arm festgehalten und ihn gedrückt. Ich wollte wirklich nicht mehr, wollte keine Narben auf den Armen haben.

    Ich muss zugeben, dass ich ab und an, ganz selten, noch Situationen habe, in denen ich wieder diesen Druck spüre. Jetzt neulich zum ersten Mal seit zig Jahren wieder und ich war echt erschrocken, wie lange der Körper noch auf solche Gedanken kommt.

    Es ist gut, dass ihr das mit einer Therapie angeht. So lernt deine Tochter, ihre Gefühlen anders auszudrücken, in Situationen, wenn ihr was nicht passt, sich direkt zu artikulieren (Bsp. "Nein-Sagen") und eben das Erlebte mit dem Vater aufzuarbeiten.

    Mir scheint, dass manche Menschen, wenn die Beziehung zu einem Elternteil nicht stimmt, einen gewissen Selbsthass entwickeln "Daran, dass ich zu Papa keinen guten Kontakt habe, bin ich Schuld, weil ich... nicht liebenswert/schlecht/nicht gut genug bin".
    Ich kenne da ein paar Menschen, die richtig Probleme dadurch bekommen haben. Da wurd das in der Kindheit schon nicht ernst genommen und als Erwachsene haben sie richtige Probleme bekommen.

    Nunja, wenn sie das erst seit 3 Wochen macht, sich dir anvertraut und wirklich zur Therapie will, sehe ich das ganze unter einem guten Stern.
    Nach dem, was ich erlebt habe, vertrete ich die Meinung, dass jedes Kind eines Alkoholikers zur Therapie sollte. Da läuft in der wichtigen Zeit so viel schief, die Kinder werden geprägt, erhalten irgendwelche Muster und falsche Selbstbilder- auch wenn der Vater/die Mutter irgendwann trocken wird, ist das nicht mehr zu reparieren.

    Ich hab das hier im Forum schon bei einigen angesprochen, aber die meisten zucken dann zurück, heben den Teppich und kehren das Geschriebene fix dadrunter "Mein Kind ist absolut unauffällig, auch fällt es in der Schule nicht auf und ein Therapeut hat es auch schon gesehen und fand bei dem Treffen nix bla bla". Aber genau das ist ja das Problem bei Kindern von Alkoholikern- die wollen ja auch nicht auffallen, reißen sich zusammen, machen auf eitel Sonnenschein, weil sie meinen, dass sie funktionieren müssen und nicht auch noch zur Belastung anderer werden dürfen.
    Ich war ja früher nicht anders ^^ Gymnasium, immer lieb und nett, angenehm, solide Noten bis zur 12. oder 13. Klasse, nirgendwo anecken. Die Probleme kamen erst später bzw zeigten sich so minimal, dass man sie mit irgendwas entschuldigen und ignorieren konnte. Als ich im Kindergarten auffällig wurde, gabs halt Beruhigungstee.. Als ich kurz vorm Abitur absackte, galt ich einfach als faul.

    Ich denke, dass du jetzt super reagiert hast und dass du Probleme, die deine Tochter durch ihre Beziehung zum Vater hat, nicht ausgleichen kannst. Daher ist der Weg sicher der richtige.. Auch wenn der Anlass nun nicht gut ist, wird ihr die Therapie in jungen Jahren sicher Probleme als Erwachsene ersparen.

    Viele Grüße,
    Natalie

    Bis dahin ist noch etwas Zeit!
    Wie wäre es, wenn du ein paar Freundinnen anrufst und fragst, ob ihr zusammen Silvester feiert?

    Ansonsten sei doch froh, dass er dir diese Termine nicht mehr versauen kann. Meinst du, er wäre dann trocken gewesen und ihr wäret ab dem Termin das überglückliche Traumpaar gewesen?
    Wahrscheinlich hätte er sich schon kurz vor Mitternacht abgeschossen, wäre zum Jahreswechsel zum Ausnüchtern ins Bett gegangen und du hättest alleine nach dem Feuerwerk geschaut.
    Und Weihnachten mit einem Alkoholiker wird sowieso zum Spießrutenlauf.

    Wenn du nun richtig planst, bist du Ende des Jahres nicht alleine.

    Interessantes Thema!

    Für mich kam der Wendepunkt, als ich die Motivation meiner Mutter verstand.
    Bis dahin war mir klar, dass sie krank ist. ABER ich ging davon aus, wie, wenn ich eine Krankheit habe, dass man auch als Alkoholkranker gesund werden möchte. Meine Erklärung, warum sie wohl nicht zum Arzt ging, war, dass sie sich des Problems nicht bewusst war und sich vielleicht schämte, zum Psychiater zu gehen.
    Man verzweifelt schon ein wenig, wenn man sieht, wie das eigene Elternteil wie ein Lemming zur Klippe läuft. Es war sehr heilsam, als ich erkannte, dass Lemminge zur Klippe laufen dürfen, ich daran nichts ändern kann und sie sich ihres Tuns voll bewusst sind, aber nicht aufhören wollen.
    Ich möchte nicht vollständig nachvollziehen und wissen, was meine Mutter denkt.
    Mir reichte jedoch die Erkenntnis, dass sie mit auf der Seilseite des Alkohols steht, gegen den ich ziehe und ich somit nur gegen ihren Willen agiere.

    Natalie

    Hallo John!
    Es ist nicht unbedingt so, dass man es den Kindern nur äußerlich ansieht, wenn du Mutter schwanger gesoffen hat.
    Das viel größere Problem ist psychischer/kognitiver Natur und betrifft das zentrale Nervensystem.

    Konzentrationsschäden, Minderung der Intelligenz, Stimmungsschwankungen, Hang zu Depressionen, höheres Risiko, selbst Alkoholiker zu werden etc. Es gibt viele EKAs, denen man es äußerlich nicht ansieht, ABER deren zentrales Nervensystem doch geschädigt wurde. Lies mal den Artikel bei Wikipedia, der scheint sehr fundiert zu sein.
    Irgendwo stand, dass ein Glas zum falschen Zeitpunkt ein Kind vom Gymnasium zur Hauptschule befördert. Ob es stimmt- keine Ahnung. Aber es läuft derzeit eine staatliche Aufklärungskampagne, die eben nicht besagt, dass ein Gläschen ab und an mal okay ist, sondern dass man jedes Glas immer stehen lassen muss.
    Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich mit dem Kind deswegen zum Arzt gehen und das prüfen lassen. Wenn sie wirklich jeden Tag getrunken hat, hat das Kind schon eine reelle "Chance", dass es was abbekommen hat. Aber ich würd das von Fachpersonal prüfen lassen, um im schlimmsten Fall noch Fördermaßnahmen geben zu können. Dann würde ich alles, wirklich alles, was sich deine Frau leistet, protokollieren. Beim Alkohol in der Schwangerschaft angefangen- wie sah dort der typische Tagesverlauf aus? Wie oft hat sie getrunken, wieviel, wann, was? Möglichst detailliert- das mit zum Arzt nehmen. Dann die Sache mit dem Pseudokruppanfall- dass sie zu betrunken war, um reagieren zu können. Gerne alles mit Datum und Uhrzeit. Hol dir die ältere Tochter ins Boot.
    Die Schuldgefühle sind da nicht das einzige Problem. Als Kind eines Alkoholikers dreht es sich nie um dich, du hast keine Chance, dich zu entwickeln oder ein Selbstbewusstsein aufzubauen. Man wird kleingehalten und in die Rolle des Co gedrückt, damit man im System mitarbeitet. Nichts von freier Entfaltung.

    Wenn du dich von ihr trennst, ohne was in der Hand zu haben, oder sie sich von dir trennt, weil du ihr mit dem Alkohol Druck machst, dann hat sie erstmal gute Chancen, das Kind zu bekommen. Das wäre für eure Tochter die Katastrophe.

    Lass dich nicht mit ihrem Gesülze hinhalten- es gibt Therapien, die sehr schnell greifen. Entzug mit medikamentöser Unterstützung, Langzeittherapie etc. Voraussetzung ist, dass sie will. Sie muss das erste Glas stehen lassen wollen. Aber dann kann sie sofort anfangen.
    Lies dir hier mal durch, was Alkoholiker in diesen Situationen, wenn sie mit ihrer Sucht konfrontiert werden, alles von sich geben. Deine Frau ist keine Ausnahme- alle haben jedoch gemeinsam, dass sie die Partner nur vertrösten wollen und hinhalten.. Damit er wieder Ruhe gibt. Danach läuft alles so weiter.
    Wenn sie wirklich will, lässt sie sich helfen.
    Eine kurzfristige Reduzierung der Trinkmenge ist quatsch- das kann kein Alkoholiker kontrollieren- er leidet schließlich unter Kontrollverlust.
    Das ist genauso Augenwischerei, wie die Aussage, dass sie in der Schwangerschaft reduziert. Dann gibst du Ruhe und sie säuft weiter. Und irgendwann schleicht sich umso mehr Alk ein.

    Lass dich nicht verar***en.

    Meine früheste Erinnerung war, neben diesem ständigen "Bald gehts wieder los"-Gefühl und sich unwohl-fühlen, Mutters Alkoholvergiftung. Damals war ich etwa 3 oder 4 und ganz allein im Haus, da Vater mal wieder aus dem Haus war und Mutter lag eine gefühlte Ewigkeit auf dem Boden, bis Vater abends wieder kam und den Notarzt holte.
    Keine nette Vorstellung.

    Diesen Satz "Frau und Kind zurücklassen" hab ich wohl vergessen.
    Wie meinst du denn, dass deine Frau das Kind versorgen kann?

    Meinst du, eine alkoholkranke Mutter geht an einem Kind spurlos, ohne psychosomatische Konsequenzen/Erkrankungen vorbei?
    Das harmloseste, was ich abbekommen habe, war eine dauerhafte Magenschleimhautentzündung, als ich Jugendlich war, gepaart mir dauernder Unkonzentriertheit. Das schlimmste, was ich aufgrund der psychischen Belastung erfahren habe, ist ein Grüner Star. Und das bedeutet drohende Erblindung (im Alter). Und nein, das sauge ich mir nicht aus den Fingern, das ist ärztlich fundiert.
    Verhaltensauffällig war ich schon im Kindergarten, als Mutter begann zu trinken.

    Du kannst dein Kind auf keinen Fall mit deiner Frau alleine lassen, das ist Kindeswohlgefährdung. Eigentlich auch dann, wenn du dabei bist. Man kann sein Kind weder von einer kranken Person versorgen noch sozialisieren lassen.

    Hallo Melanie,
    So ging es mir früher auch.
    Der Fluch der EKAs :(
    du kannst stolz auf euch sein, dass sie damit zu wir kam. Das zeigt sag große Vertrauen in dich.
    Ich habe mich damals auch ab und an geritzt. Im nachhinein würde ich sagen, das ich nicht fähig war, die Wut anders zu kanalisieren, als gegen mich selbst. Ich würde sagen, dass ich allerhand Aggressionen hatte, denen ich mich nicht stellen durfte, mit denen ich allein gelassen wurde. Da blieb nichts anderes.
    Deine Tochter hat nun die Chance, ihre Kindheit mir dem Vater aufzuarbeiten und das System, ihren Kindern einen alkoholkranken Vater zu bieten, zu überwinden. Und das wichtigste ist, dass sie damit zu dir gekommen ist und Hilfe wünscht.

    Lass sich drücken!

    Hallo John,

    es klingt so, als würde dich dein Gefühl nicht täuschen.

    Wenn jemand so viel trinkt, dass ihm alles andere darum egal ist, dann ist das schon ein eindeutiges Wahnzeichen.
    Mir stehen ein bisschen die Nackenhaare zu Berge, wenn ich lese, dass sie in der Schwangerschaft getrunken hat. "Reduziert"? Da ist eigentlich schon jedes einzelne Glas ein Glas zu viel. Unglaublich.
    :(

    Nun, ich kann dir als Tochter einer Alkoholikerin sagen, dass es nun so ist, dass sie abends trinkt, wenn die Tochter im Bett ist und womöglich nichts mitbekommt. Außer, dass die Tochter dann völlig hilflos ist, wenn mal was passiert, wie geschehen.

    ABER irgendwann wird deine Tochter später ins Bett gehen und deine Frau wird früher anfangen zu trinken und mehr konsumieren- dann "überschneiden" sich der Konsum deiner Frau und die Wachzeiten deiner Tochter. Und dann wird sie sich fühlen wie du.

    Zudem bekommen Kinder mehr mit, als man denkt. Ich habe schon früh die Wesensveränderung meiner Mutter mitbekommen und dass bei ihnen was nicht stimmt. Kinder denken dann, dass sie schuld sind. Ganz böse.
    Oder man wird doch mal nachts wach und hört die Eltern streiten. Oder oder oder.

    Ich hoffe, du liest hier viel.
    Das, was bei euch zu Hause los ist, ist schlimm. Deine Frau (wenn sie schon ohne schlechtes Gewissen in der Schwangerschaft trinkt) scheint da eher resistent zu sein. Erwarte nicht, da irgendwas bei ihr "ändern" zu können.
    Nun ist es an dir, deine Tochter zu schützen. Vielleicht ist so noch ein "wachrütteln" möglich. Aber du solltest wissen, dass alles so bleibt, wie es ist, wenn du keine Konsequenzen ziehst.

    Viel Kraft!

    Natalie

    Das Wohl der Kinder sollte hier an erster Stelle stehen.
    Ich fürchte, für die Mutter kann man nichts machen.. Aber die Kinder brauchen jetzt jemanden, der sie schützt.

    Da ist das Jugendamt die erste Adresse.
    Ward ihr schonmal bei einer Suchtberatungsstelle? Vielleicht könntet ihr euch mit deren Unterstützung ans Jugendamt wenden und dort was erreichen.
    Auch wenn sich viele Leute scheuen, das JA einzuschalten, auch weil man fälschlicherweise meint, dass es das Ende der Mutter wäre, wenn ihr die Kinder entzogen werden. Der Mutter ist eh nicht mehr zu helfen, aber Kinder sollten im Elend nicht allein gelassen werden. Ich denke, als Kind einer Alkoholikerin weiß ich, wovon ich spreche.

    Vielleicht ist es für die Mutter ein Warnschuss...
    Ansonsten wird mir beim Gedanken daran schlecht, dass da irgendwo ein einjähriges Würmchen mit einer besoffenen Mutter zusammen lebt.
    Wenn man alles so lässt, wie es ist, sich nicht wagt, das JA einzuschalten, verlängert man das Leid aller betroffenen nur noch weiter. Ihr solltet da nicht länger zuschauen.

    Wieder so eine traurige Geschichte :(
    Es tut weh, so ohnmächtig Menschen bei ihrem selbstgewählten Verfall zuzuschauen.
    Aber wie Aurora schon sagte- sie will nicht. Da könnt ihr euch den Mund fusselig reden.
    Es ist die Frage, inwieweit man wg ihrer Vorgeschichte eingreifen könnte und sie zwangseinweisen lässt. Das geht aber nicht einfach so, weil ihr das wollt, sondern muss durch Amtsärzte geprüft werden. Und wenn sie dann nach 24 Stunden immer noch nö sagt, muss man sie wieder gehen lassen.

    Aber die Kinder- das geht gar nicht!
    Es ist fürchterlich für Kinder, diesen Verfall der Mutter mitanzuleben. Sie brauchen dringend ein gefestigtes Zuhause, und nach dem, was du über die Vorgeschichte schreibst, auch psychologische Betreuung.
    Der Junge war zu ihrer "Bestzeit" 6 Jahre alt- der arme. Da prägen sich Muster und Verhaltensweisen, Schuldgefühle etc ein, die ihm sein Leben lang im Weg stehen können.
    Kinder von Alkoholikern werden etwa zu 30 % selbst Alkoholiker oder suchen sich später einen alkoholkranken Partner. Im Prinzip kann man sagen, dass ein alkoholkrankes Elternteil seinem Kind das Leben versauen kann, wenn es später keine Hilfe erfährt.

    Alles Liebe!
    Natalie

    Miriel, lehn dich zurück, entspann dich!
    Ihr seid nicht mehr zusammen, dein XY ist erwachsen und DU bist NICHT verantwortlich. Nimm dir die Last von den Schultern, das brauchst du nicht zu schleppen.

    Er ist ein eigenständiger Mann, frei und kann machen, was er will. Da hast du nichts mit zu tun. Es ist seine Sache. Seine Freiheit, seine Konsequenzen. Und du kannst nichts ändern und nichts für ihn tun.

    Da fällt es mir auch wieder wie Schuppen von den Augen.
    Bei meinem Vater bin ich auch noch nicht schlau geworden. Am ehesten erinnert er mich an eine Borderline-Persönlichkeit. Hab mir ein Buch dazu gekauft und es passt wie die Faust aufs Auge (Mit zerbrochenen Flügeln) . Diese Extreme, in die er fallen kann. Er kann der liebste und netteste Mensch sein, den man sich vorstellen kann. Bringt mir Essen mit, schleppt Dinge an, von denen er denkt, dass ich sie gebrauchen kann. Vom Briefbeschwerer bis zum Plastiktannenbaum mit Weihnachtskugeln, will immer, dass ich genug Geld habe.. Aber auf der anderen Seite kann er von 0 auf 100 in wenigen Minuten aggressiv werden. Wenn der schreit, fühlst du dich wie ein Keks, der in der Luft zerbröselt. Sein Geschrei nutzt er auch, um die Leute mürbe zu machen, vornehmlich die Familie. Er kann nicht mit Geld umgehen, gibt viel zu viel aus.
    Auf der anderen Seite ist er auch übelst ungerecht.
    Er meint, er habe soo viel für mich getan. Hat er auch, dann hat er sich besonders viel Mühe gegeben und alles sollte 100% sein. Aber er hat eben nicht so die Ahnung, was alles sein muss oder wie teuer das Leben alleine sein kann.
    Für diese Mühe erwartet er dafinitiv Gegenleistungen.
    Was den Alkoholkonsum betrifft, ist dies echt bedenklich. Er tendiert defitiv dazu, Probleme mit Alk zu lösen. Als ich ausgezogen war, war er sehr oft gut betrunken, viel häufiger als sonst.
    Früher auch öfters. Er ging dann immer in die Kneipe. Wenn er wiederkam, fand er manchmal nach seinem Kontrollspaziergang, ob alles okay ist bei uns, nicht mehr aus unseren Kinderzimmern raus oder urinierte zwei Mal in das Kinderzimmer meines Geschwisters, weil er es mit dem Bad verwechselte.
    Wie es aktuell ist, weiß ich nicht. Aber ich hab eben auch meine Befürchtung, dass er dann auch in den Alkoholismus abrutscht. Was ja wiederum nicht "mein Bier" ist.
    Weißt du, ich wünsche mir einfach nur eine normale Familie. Zu einer, zu der man mit Problemen hingehen kann, die ein normales Zusammenleben hat, wo man "ankommt" und Halt erfährt. Aber nicht Probleme an allen Ecken und ein völlig verdrehtes Eltern-Kind-Verhältnis.
    Mit Problemen brauche ich da erst gar nicht aufzuschlagen.
    Als ich meine Prüfungen hatte, war ich an den Tagen zuvor bei den Eltern meines Freundes, die mich einigermaßen beruhigen konnten. Dass es der größte Fehler ist, vor Prüfungen zu meinen Eltern zu fahren, habe ich Ende letzten Monats gemerkt. Die Familie meines Freundes war in Urlaub. Meine Eltern haben mir zum Dank die Hölle auf Erden beschert, obwohl sie hoch und heilig versprachen, dass sie sich zusammen reißen. Da merkt man doch, wie krankhaft das Ganze schon ist.
    Als ich mich jetzt zum Ref beworben habe, habe ich sämtliche Orte vorgeschlagen, bis auf den Ort, bei dem meine Eltern leben. Auch die Regierung, zu der die Familie meines Freundes gehört, habe ich ausgewählt- aber die Bezirksregierung meiner Eltern habe ich bewusst nicht angegeben.
    Und das, obwohl es die "Schwiegerfamilie" ist.

    Und es hat genau so angefangen, wie bei sovielen Schreibern hier, deren Partner grad erst ein paar Jahre trinken. Ich hab früher auch immer gedacht, dass es so weit schon nicht kommen wird- Pustekuchen.

    Ja, ich hatte auch das Gefühl, dass mein Vater sie auch in ihrer Situation hält. Er glaubt auch nicht, dass sie ernsthaft krank ist, sondern sieht ihr Verhalten als Provokation und Absicht, um ihm was auszuwischen.
    Da reagiert er dann immer mit Gewalt, um sie unter Druck zu setzen.
    Er ist ein Meister der Manipulation und hat ihr die Psychiatrie und den Entzug von Anfang an schlecht geredet. Wenn sie weitertrinke, dann würde er sie einfach ins "Trockendock" schicken, dann würde sie ja sehen, was ihr Arbeitgeber und die Nachbarn von ihr denken. Die Leute werden dann über sie reden. Wenn sie dann da war, könne sie direkt bei ihrer Mutter einziehen, dann will er sie nicht mehr. Und sollte sie ausziehen, dann sollte sie schon sofort wissen, dass sie sich bei ihm nicht mehr melden braucht.
    Sie kann schon alleine deswegen nicht weg, weil sie zu Hause den Haushalt schmeißen muss- er kriegts ja nicht hin. Und sie hat sich kleinreden lassen und alles mit Alk runtergeschüttet.
    Also, wenn man mich fragt, hat mein Vater auch alles getan, um sie weiter abhängig zu halten. Er will am liebsten die ganze Familie um sich herum unter seine Kontrolle packen. Mein Geschwister und ich lassen uns das nicht bieten- wenn er merkt, dass wir ihm überlegen sind, werden wir verbal angegangen und niedergemacht. Mein Geschwister hat mal erwähnt, dass er in seinem Studiengang gerne promovieren würde- Antwort meines Vaters: Er würde überschnappen.
    Die Beraterin meint, dass die beiden ihr System haben und sich gegenseitig bedingen. Mutter hat Angst, alleine zu sein. Sie will nicht mal alleine vorm TV sitzen.. Wir haben zwei Geräte- sie guckt lieber mit ihm Filme wie DSDS oder das Supertalent, obwohl sie den Bohlen nicht ausstehen kann, als dass sie ihre Krimis in Ruhe und alleine vor dem anderen Gerät schaut. Und Vater braucht Mutter als Haushälterin und auch, um nicht alleine zu sein. Sie erkannte ihn auch als sehr unselbständig Da haben sie wohl ihr System gefunden, mit dem man sich doch arrangieren kann.

    Tja. Auf der anderen Seite bin ich meinem Vater doch dankbar, dass er mich aus Mamas Familie rausgehalten hat und den Kontakt stark gemindert hat. Die sind von Alkoholismus bis in die Haarspitzen geprägt und - das schlimmste - merken dies nicht.
    Außerdem hat er uns immer etwas Normalität beschafft, uns dann doch häufig positive Rückmeldungen gegeben und uns gestärkt. Wenn er auch manchmal ganz anders reagierte. Aber ich glaube, meist überwog der freundliche, nette Teil, als wir kleiner waren.

    Neulich hat er mir erzählt, wie stolz er auf mich sei, dass ich das geschafft habe, was er wohl selbst nie geschafft hätte und sich für seine Reaktion damals entschuldigt.
    Tja.. Zu Beginn hab ich seine Extreme schonmal angesprochen. Die sind es, die es mir so schwierig machen. Er ist ziemlich unberechenbar.

    Ich denke, ich sollte nun schlafen gehen.
    Miriel, dir antworte ich morgen!

    Gute Nacht!

    Natalie