Zitat von Miezekatze
"Aber wenn du nicht direkt spurst und deine eigenen Bedürfnisse miteinbringst, dann schickt er dich wieder weg. Du wirst ausquartiert und er weiß genau, dass es dich wurmt, dass du nun weg bist und nichts mehr mitbekommst. So weiß er, dass er dich wieder kriegt."
Naja, so würde ich das jetzt nicht sagen. Ich bin ja immer von mir aus gegangen, er hat mich ja nie rausgeschmissen oder so. Ich fühle das ich stark genug bin, mir von ihm nichts mehr gefallen zu lassen.
Doch wäre es nicht unfair von mir ihn nicht die Chance zu geben, jetzt, wo er endlich was unternimmt?
Ich glaube, ich habe mich nicht verständlich ausgedrückt.
Also, zum einen ist es so, dass manche Beziehungen (auch die familiären) eine seltsame Abhängigkeitsdynamik haben.
Das bedeutet für mich, dass es keine Freiheit in diesen Familien gibt, sondern alle voneinander abhängig sind. Auch die Alkoholiker vom Co. Der Co gibt Halt, er ist beständig da, der Alkoholiker kann sich auf ihn verlassen, wenn er Hilfe braucht- sei es die Entschuldigung beim Chef, Gesicht wahren gegenüber den Nachbarn oder Essen kochen nach einer durchzechten Nacht. Und in nüchternen Momenten auch zum Anlehnen.
Auf der anderen Seite ist es häufig zu beobachten, dass diese Alkoholiker ihrem Co gegenüber gewalttätig werden- physisch wie psychisch. Wenn ich die Inhalte meiner Examensprüfung heranziehe, sie bezogen sich auf Freud und seine Neurosenlehre, dann kann es sein, dass dem Alkoholiker dadurch auch seine Unfähigkeit bewusst wird und er das ganze auf den Co projiziert und an ihm auslässt. Das ist zumindest hier bei uns der Fall, bei dir hab ich natürlich keinen Anspruch auf Korrektheit, weil ich deinen Mann eben nicht kenne. Eben das passiert dann, wenn du dich aus seinem System entfernst. Du warst immer da, hast seine Eskapaden mitgemacht und dann erhebst du plötzlich den Anspruch, dich von ihm zu entfernen. Zack, er merkt seine Unfähigkeit.
Meine These von dem "Spuren" bezieht sich auf diesen Moment. Ja, er hat dich nicht weggeschickt- aber 1. Habe ich den Eindruck, als komme es ihm etwas gelegen, weil er nun machen kann, was er will, ohne eine direkte Szene zu kassieren.. So war er ja nun zwei Mal in der Kneipe, oder du hattest das Gefühl, dass er nach Alkohol riecht. Was er dann mit Erkältungstropfen erklären konnte oder es war notwendig, in der Kneipe Alkohol zu trinken, weil er ja noch eine Rechnung begleichen musste. Sprich, du hast keinen Einblick mehr in sein Leben. Wäre ich ein frisch trockener Alkoholiker und mir würde was an meiner Trockenheit liegen, dann würd ich den Wirt nach seiner Bankverbindung am Telefon fragen.
Auf der einen Seite ist es erstmal schön, machen zu können, was man will. Dann kommt das ABER. Er muss sich nun auch um alles kümmern; das ist die Situation, wo ihm dann auch wieder alles bewusst wird. Und ich glaube auch, dass es an seinem Ego gekratzt hat, dass du ihn hast sitzen lassen.
Mir kommt es so vor, als habe er nun den Spieß rumgedreht und du sollst sehen, was du von deinem "Urlaub" hast.
Zitat von Miezekatze
auch das tat er so komisch ab von wegen, er habe sich ja an das allein sein gewoehnt, und wenn du meinst.
Das nennt man in der Pädagogik Konditionierung. Du lässt ihn alleine und wenn du wiederkommst und eigentlich denkst, er fällt dir um den Hals und hat endlich eingesehen, dass sein Alkproblem alles kaputt macht, dann sagt er dir einfach, er habe sich an deine Abwesenheit gewöhnt (was so ziemlich das Gegenteil ist von dem, was du erreichen willst) und du kannst aber zurückkommen- "wenn du meinst". Wenn ich das zu jemandem sage, dann bedeutet das soviel wie "hab ich keinen Bock drauf, aber wenn du unbedingt willst..." Beim nächsten Mal hast du daraus gelernt, dass solche Aktionen die Stimmung eher anspannen, als dass du damit eine gewünschte Reaktion bekommst und wirst es, um des lieben Friedens Willen, nicht mehr machen. Zumindest dann, wenn er das erreicht hat, was er vorhatte. Das sieht man hier wirklich ganz oft
Es ist natürlich nun an dir, daraus eine richtige Konsequenz zu ziehen und zu erkennen, dass das Manipulationsversuche sind.
Nächstes Beispiel:
Zitat von Miezekatze
er wollte mich mit dem heimkommen nicht unter Druck setzten, aber er möchte doch so langsam wissen wo wir stehen und was jetzt ist. Er hatte sich vorgestellt, das wenn ich heute wieder Heim komme wir dann einkaufen gehen und schön gemeinsam kochen und das we gemeinsam verbringen. Doch als ich ihm sagte, das ich es mir bis morgen überlegen wolle wurde er wieder ganz kurz angebunden, fast eingeschnappt, "gut, dann Fahr hetzte Heim, ich muss wieder hoch ins Büro!"
Darauf bezog sich mein eigentlicher Kommentar.
Für den Fall, dass du wieder Heim kommst, gibts einen gemütlichen Abend mit einkaufen und kochen, du bist schließlich ein braver Co und ziehst wieder ein (=Belohnung, Zuckerbrot). Zwischen den Zeilen zeigt dir das, dass er sich doch nicht sooo sehr an die Einsamkeit gewöhnt hat 
So, jetzt sagst du aber: "Ich bin mir doch nicht sicher, ob ich wieder zurückkommen soll, ich überlege es mir bis morgen" - dann hast du natürlich auch kein Anrecht mehr auf eine Belohnung und erhälst die Antwort "Gut, dann fahr jetzt Heim, ich hab eh noch anderes zu tun" (=Strafe) und wirst weggeschickt. Würde dein Mann dich so akzeptieren, wie du bist, und das ist für mich Liebe im engeren Sinne (ich kann niemanden, den ich um seiner selbst Willen und seiner Freiheit liebe, zu irgendeinem Verhalten zwingen, dann wäre er ja nicht mehr er selbst, sondern eine Marionette von mir, das schließt Liebe für mich aus).. Also würde er dein Verhalten akzeptieren und dir die Freiheit zu jeder Entscheidung geben, dann hätte er gesagt "Gut, wenn du später wieder fahren möchtest.. Aber wir können ja trotzdem gemeinsam kochen?"
Ist er denn nicht derjenige, der nicht möchte, dass ihr euch auseinander lebt? Dann wäre es erst recht angebracht, dass er dich nicht weggeschickt, sondern ihr euch so wieder etwas annähert. Aber dieses "Ich habe Angst, dass wir uns auseinander leben" bedeutet meist übersetzt, dass er Angst hat, dass du dich aus der Co-Abhängigkeit befreist. Und diese ganzen "Erziehungsmaßnahmen" wie "Wenn du nicht wieder hier einziehst, kochen wir auch nicht zusammen" haben eigentlich den näheren Sinn, dich emotional weiter an ihn zu binden. Oder ein anders Beispiel ist, dass er direkt übertreibt, wenn du kritisch über die Beziehung nachdenkst.. "Dann machen WIR halt Schluss". Auch eine Möglichkeit, sich vor kritischen Gesprächen zu drücken.. Weil er weiß, dass du dann zurückruderst.
So, ich denke, ich höre mal auf
Genug mich vorm Lernen gedrückt 