Beiträge von Zimttee

    Hallo Georgina!

    Ich halte es für eine gute Idee, wieder mit dem Sport anzufangen.
    Manchmal ist es auch gut, sich zu etwas zu "zwingen" und dann zu merken, dass es doch gut tut.. So schwindert der Widerstand beim nächsten Mal.

    Ich finde es wichtig, dass du dich nun auf dich konzentrierst.
    Das ist ja genau das Problem in diesen Beziehungen. Der Co-Abhängige konzentriert sich viel zu sehr auf den Partner, alles kreist um ihn, seinen Zustand und seine Bedürfnisse; Fehlverhalten des anderen wird entschuldigt und die Schuld dann sowieso bei sich selbst gesucht. Die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt.
    Wenn er nun an sich arbeitet, die Sucht bekämpft und trocken lebt, solltest du nun auch an dir arbeiten.. Dich auf dich selbst konzentrieren, deine Bedürfnisse nicht mehr ignorieren und vor allem, Grenzen setzen.
    Wenn du dich schlecht fühlst, dann sag ihm das.
    Ich meine, nur so kann doch eure Beziehung eine Chance haben? Wenn du dich nun weiterhin unterordnest und seine Laune akzeptierst, habt ihr keine wirkliche Chance, dass ihr beide zufrieden werdet. Und du kommst vom Regen in die Traufe.

    Daher finde ich diesen Satz "wenn man selbst unerfüllte Wünsche oder Begierden hat, dann soll man sich verstärkt um die Belange und Wünsche von (gesunden) Mitmenschen kümmern. Wenn man das macht hat man weniger Zeit über seine Sorgen nachzudenken und man erfährt zusätzlich noch befriedung dadurch das man was Gutes tut. " schwierig bis gefährlich.

    Sollen die Mitmenschen noch so gesund sein- auch das ist für dich nicht gut. Für dich ist es nun wichtig, wieder zu dir selbst zu kommen, dich um deine Bedürfnisse zu kümmern, zu erkennen, was du selbst willst- und genau das spaltest du ab, wenn du dich jetzt wieder um andere Menschen kümmerst.

    Habt ihr schonmal so etwas wie eine Paarberatung nachgedacht? Das wäre meiner Meinung nach sinnvoll, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und Einblick in den anderen zu bekommen und sich dann zu entscheiden, ob es nach dem Entzug überhaupt noch passt.

    Zitat

    Ja, er ist in den Trinkpausen immer erstaunlich klar und anhänglich und verliebt. Er weiß auch, dass er etwas unternehmen muss (sagt er) und dass es VON IHM ausgehen muss und er es FÜR SICH tun muss....nicht mir zuliebe oder unter meinem Druck.


    Zu seinem anhänglichen und verliebten Verhalten in seinen Trinkpausen hat Mario ja schon genug gesagt. Da hat wohl jemand ein schlechtes Gewissen bzw. will dich mit ein paar Zuckerstückchen bei der Stange halten, dass du die danach folgende nasse Phase voller Hoffnung auf weitere Zuckerstückchen bei ihm bleibst.

    Zitat


    Er hat mir aber auch gesagt, dass er Angst hat, sich dann zu verändern - und zwar so zu verändern, dass das auch unsere Beziehung stark beeinflusst und gefährden könnte. Es macht mich so traurig. Er spricht davon, dass er dann wohl "egoistischer" werden würde, mehr selbstbezogen (er hat schon mal 4 Jahre nicht getrunken).... will er mir damit nur Angst machen?


    Er soll das mal so sehen: Er gefährdet mit seiner Sucht zu 100% eure Beziehung. Das ist ihm anscheinend egal? Anscheinend interessiert es ihn kein Stück, wie du dich fühlst. Wenn er dir wirklich einen "Gefallen" tun möchte, dann wäre er doch schon zum Entzug gegangen? Wenn es sich wirklich um dich dreht.. Das will er dir doch verkaufen.
    Aber die Chance darauf, dass es nach einem Entzug besser werden könnte, möchte er nicht annehmen, weil sie nicht garantiert ist?
    Ob er tatsächlich Angst hat, weiß ich nicht. ABER für mich klingt es so, als will er keine Verantwortung tragen und sucht nun nach den am weitesten herbeigezogenen Gründen, um dir und sich selbst einen Entzug mieszureden. Er weiß genau, dass er dich mit eurer Beziehung packen kann und das setzt er nun ein.
    Wenn er wirklich Verantwortung tragen würde, dann:
    - Würde er diesen Entzug für sich selbst machen, um seine Gesundheit zu schützen. Nebeneffekt wäre, dass ihr nun an eurer Basis arbeiten könnt.
    - Dann würde er auch wissen, dass er nicht mal so egoistisch wird oder schlechte Charaktereigenschaften bekommt- er ist immer noch Herr seiner selbst und nicht eine Marionette seines schlechten Charakters.
    Soll heißen, dass er selbst darüber bestimmt, wie er sich dir gegenüber verhält.

    Ansonsten kann ein trockener Mensch kaum egoistischer werden als ein nasser Alkoholiker, der seinen Mitmenschen unglaubliches Leid zufügt, nur um der Sucht weiter fröhnen zu können.

    Zitat


    Ich lese ja auch immer wieder ähnliches im Forum hier: Die derzeitige Trinkpause dauert nun schon wieder 9 Tage und ich ertappe mich dabei, wieder Hoffnung zu schöpfen, mich wieder stärker auf ihn einzulassen und lauere doch gleichzeitig schon wieder auf den nächsten Absturz.....


    Eben, und so erreicht er sein Ziel doch? Du bist momentan einigermaßen zufrieden, weil er nicht trinkt und hast Angst vor einem Entzug seinerseits.. Und gibts dich damit nun ab.
    Ziel erreicht?

    Lass dich nicht zum Spielball machen und verharre nicht in der passiven Situation. Nimm selbst die Zügel in die Hand und setze die Grenzen.
    Entweder, oder.
    Dein Mann scheint nicht wirklich willig zu sein, nun wäre es dein Part, ihm die Konsequenzen aufzuzeigen.

    Hey Miriel,

    also, du bist Studentin, oder? Dh du hast nun vorlesungsfreie Zeit bis Anfang Oktober, vielleicht noch Hausarbeiten zu erledigen, gehst arbeiten, wenn ich das richtig rausgelesen habe?
    Das bedeutet, dass du also momentan noch Zeit hast, um Kraft für das nächste Semester zu schöpfen und dich etwas zu entspannen.
    Was erwartest du denn, wenn du nun zu ihm hinfährst?

    1. Er hat jetzt wieder begonnen zu trinken. Meinst du, das wird wieder besser, bis du ihn besuchst?
    2. Er spielt wieder die Spielchen mit dir; provoziert, weist dich ab... Tut dir unter dem Strich nicht gut.

    Hat er nicht neulich noch einen Besuch gecancelt?

    Naja, wie auch immer. Momentan hast du Zeit, die du aber auch für dich nutzen könntest, um zu dir zu kommen. Du hast nun die Wahl, etwas für dich zu tun und dich auf dich zu fokussieren... Oder aber, du fährst wieder zu ihm, was mir einer Hölle gleich käme.. Dann nutzt du die Zeit nicht, um dir gut zu tun, sondern lässt dich runterziehen, setzt dich seinen Launen aus und wenn du Pech hast, bist du am Ende der "Ferien" wieder mit den Nerven fertig und startest so ins nächste Semester.

    Was ist denn mit deinen Kloster-Plänen?

    Hallo Linde!
    Die Freundin heißt natürlich nicht Rita ;)
    Ich glaube, ich hatte sie irgendwo in meinem Faden so genannt, um es zuzuordnen und nicht die Übersicht zu verlieren. Aber dort dann auch gesagt, dass es ein Pseudonym sei. Ich könnte sie auch Freundin Z nennen.

    Ich sitze jedenfalls noch an meinem Lernsachen. Der Psychologiekram hats in sich- so viel wahres drin. Es geht um Ablöseprozesse, Freuds Neurosenlehre, Emanzipation, Freiheit, eigene Wünsche und Bedürfnisse und Konflikte mit den Eltern. Hilfe!
    Also entweder ich versaue die Prüfung, weil ich mich nicht damit auseinandersetzen kann.. Oder es läuft ganz gut, weil ich es dadurch besser abrufen kann.
    Weia. ^^ Ich bin jetzt jedenfalls platt und gehe mal schlafen!

    Hey Lea,

    danke für deine Rückmeldung!
    Ja, das habe ich wieder gemerkt. Ich war in der Zwischenzeit mit einer von beiden zum Schwimmen verabredet und dann nochmal mit der anderen zu einer Tasse Kaffee in einer Lernpause.
    Ich treffe mich jetzt einfach mal locker mit beiden =) Es ist jedenfalls mal total anders, irgendwie unbeschwerter, wie damals, als man noch Kind/Jugendlich war.

    Zitat von inbetween


    wenn du innerlich merkst „das fühlt sich gut an“ (Kaffeetrinken, Schwimmen ... sich über „normale“ Dinge unterhalten), dann, denke ich, kannst du diesem Gefühl ruhig vertrauen und es genießen! Und selbst wenn sich dann irgendwann mal ein anderes Gefühl einstellen sollte, das „Abstand!“ signalisiert – dann schaust du dir einfach an, was genau hinter diesem Gefühl steckt und gehst wenn nötig auf Abstand.


    Mit dem Abstand-Gedanken- da war ich früher ein Kandidat für. Aber momentan hält sich das in Grenzen. Ich hoffe, es bleibt so.

    Zitat von inbetween


    Ich merke bei mir manchmal, dass ich mich quasi ein bisschen zu Flexibilität im (emotionalen) Umgang mit Menschen „ermahnen“ muss (d.h. konkret: auf Abstand zu gehen ohne ein schlechtes Gewissen zu entwickeln) – mir eben jede Situation anzuschauen und entsprechend zu handeln. Es kann sein, dass man mit einem Menschen lange befreundet war, dass es dann aber irgendwann nicht mehr „passt“ – man entwickelt andere Interessen, andere Werte ... dann ist es vielleicht Zeit, sich zu verabschieden. – Ohne schlechtes Gewissen.

    Ich habe schon mehrere Freundschaften beendet. Zuletzt eine mit einer damaligen Freundin, die ich seit über 20 Jahren kannte. Aber es passte einfach nicht mehr UND ich hatte keine Lust mehr, mich dann um sie zu kümmern, wenn es ihr nicht gut geht und abgemeldet zu sein, wenn sie zu tun hat bzw. mit ihrem Freund oder der Familie zusammen ist.
    Damals hatte ich ihr eine Chance gegeben, von der sie aber in dem Sinne nichts wusste. Sie versprach, mich in der Woche anzurufen. Ich wartete die Woche ab- nichts passierte. Chance vorbei. Ich wartete noch etwas, mein Ex ist damals gestorben und ich informierte sie darüber. Nur eine formale SMS als Antwort. Zack, Nr gelöscht, Kontakte online gelöscht. Ende. Das bereue ich auch nicht. Ich vermisse sie manchmal, aber sie war nicht mehr die Freundin, die sie mal mit 15 oder 16 war.

    Seitdem hab ich nichts mehr von ihr gehört, aber auch recht fix alle Nummern gewechselt. Also nicht wg ihr, es ergab sich so. Ein schlechtes Gewissen hatte ich aber nicht. Sie hatte ja ihre Chance und vorher auch schon sooo viele. Da war das Maß voll. Vor allem, weil sie wusste, dass ich damals einen Termin in der Klinik hatte, bei dem es eben um eine heftige Krankheit ging- also ob sie bestätigt oder ausgeschlossen wird. Ich war eine zeitlang immer bei ihr, hab mich immer um sie gekümmert- ich erwartete damals zumindest eine Rückfrage, ob alles gut gegangen ist. Ich bekam die Diagnose und bin damit knapp 2 Jahre nicht klar gekommen- aber sie hat sich kein einziges Mal gemeldet. Tja. Also, da hab ich kein schlechtes Gewissen.
    Das andere wird die eine Freundin sein, zu der ich den Kontakt wohl einschlafen lasse. Die Borderline-Patientin. Das möchte ich wirklich nicht mehr.

    Zitat von inbetween


    Was ich dir auch noch schnell zum Druck am Ende des Studiums schreiben wollte: das kann ich sehr gut nachvollziehen! Das Pensum für die Prüfungen ist meistens absichtlich so angelegt, dass man es unmöglich alles bewältigen kann, will sagen: das Aushalten der Unmöglichkeit, bis ins Detail gut vorbereitet zu sein, ist Teil der Prüfung. Ich musste manchmal aufpassen, mich nicht zu verzetteln. Mir hat es geholfen, mich mit der Struktur meiner Prüfungsthemen und mit der „Denkstruktur“ meiner Prüfer zu befassen: legen sie eher auf Detailwissen wert? Oder auf die „großen Linien“ (ideal ist es, wenn man zu beidem etwas parat hat).


    Das habe ich jetzt bei den ersten schriftlichen Prüfungen gemerkt. Bei beiden Prüfungen waren die Fragen ganz anders als abgesprochen vorher. Bei der ersten Prüfung sogar thematisch :( Und bei der zweiten war eigentlich die Abmachung, dass es eine oberflächliche Sache wird und er weniger wert auf Details legt, dafür aber einen großen Umfang einplant. Zack, reingefallen. Es gab nur eine Frage und die natürlich ganz detailliert. Ich war aber vorbereitet.
    Ergebnisse habe ich noch nicht. Naja, die nächste Prüfung ist in 1,5 Wochen mündlich. Das dürfte auch noch hinhauen, ich hab nun Urlaub genommen. Die Sache ist gut abgesteckt, ich lerne sehr detailliert. Kann nichts schiefgehen. Mir macht nur der große Psychologieteil Angst. Freuds Neurosenlehre unter anderem. Da muss ich mich wieder mir selbst stellen ;) Aber man lernt die liebe Verwandtschaft dabei nochmal besser kennen ^^

    Zitat von inbetween


    Wichtig war meinen Prüfern auch, dass ich selbstständig Zusammenhänge entwickele und darlege. Und lass’ dich nicht verunsichern! Provozierende Fragen gehören auch zum „Prüfungsgeschäft“ – das ist für dich eine Gelegenheit zu zeigen, dass du deine Positionen gut durchdacht hast. Nur nicht in Schreckstarre verfallen. Im Zweifelsfall nachfragen.


    Fiese Fragen wirds bei der zweiten Prüfung geben :( In der Simulation bin ich in eine Schreckstarre verfallen- ich hoffe, es klappt dann in der richtigen Prüfung.

    Ich bin jetzt bald bei der einen Freundin eingeladen. Eine dritte wird auch dabei sein... ich hatte ja schon erwähnt, dass die Freundin, - edit, bitte keine realen Namen nennen, Linde - , ein Alkoholproblem hat. Jetzt hat sie einen Mädelsabend angezettelt- Gesichtsmasken, und natürlich Alkohol in Form von "niedlichen, süßen, ungefährlichen" Cocktails. Ich hab schon angekündigt, keinen zu trinken.. Bin momentan wieder am Abnehmen und das macht mir meine gesamte Woche sonst kaputt. Bin mal gespannt, wie sie auf meine Säfte reagiert ^^ Erfreut wird sie sicher nicht sein.

    Wie schauts bei dir aus, Lea? Hat der Umzug geklappt? Wie gehts dir nun?

    Liebe Grüße!

    Natalie

    Jeder Mensch ist verpflichtet, sich krankenzuversichern.
    Wenn du das selbst nicht kannst, springt das Amt ein. Also die Arge ist dafür zuständig, glaube ich.

    Hast du denn irgendwo schonmal gearbeitet, Lindi?
    Naja, es gibt immer Jobs. Zumindest konnte ich mich bisher immer irgendwie durchhangeln, seitdem ich 17 war, also seit 9 Jahren.
    Würdest du bei dem großen gelben M arbeiten wollen? Dort hatte ich mal einen Job.. Gastronomie ist zwar nicht der Knaller, aber immerhin ein Job.
    Am besten lässt du dich erstmal umfangreich beraten. Eigentlich sollten die bei der Caritas wissen, was nun am besten wäre. In meiner Stadt gibt es da offene Sprechstunden, vielleicht hast du diese Möglichkeit auch?

    Der nächste Punkt ist ja auch, dass es derzeit so ist- also derzeit ist es schon ein Alkoholproblem, wenn es auch eher "milder" ausgeprägt ist, aber es ist da. Neben anderen Süchten.

    Halte dir vor Augen, dass sich eine Alkoholabhängigkeit niemals so hält, sondern immer verschlimmert. Möchtest du wissen, wie sie in 10 Jahren sein wird?
    Wahrscheinlich lieber nicht. Und deswegen ist es gut, dass du die Reißleine gezogen hast =)
    So hast du eine Chance, das alles nicht erleben zu müssen.
    Wahrscheinlich hätten sich die Süchte alle noch gegenseitig multipliziert... Da gibts ja nun Studien zu.
    Und er ist ja nun schon arbeitslos- im Laufe der Zeit ist es eher unwahrscheinlich, dass er von sich aus einen Job findet.

    Zitat von Melinak


    wenn ich eins nicht möchte ist mit zu erleben das die kidds sich auf den selben weg machen wie es in solchen systhemen eben der fall ist.....alkoholismus betrifft nicht nur die person die trinkt.....es betrifft ganze gennerationen und ich wünsche mir für die kinder einen ausbruch aus dieser spirale.darum kämpf ich und tu das was wichtig ist: ehrlichkeit und offenheit sind für mich nummer eins auf meiner liste, liebe und zuwendung, den kindern vermitteln das ihre wahrnehmung nicht falsch ist und das SIE keinerlei schuld, verantwortung für das ganze haben was um sie rum passiert.

    Ja genau! So ist es. Bei uns gibt es derzeit 2 lebende Alkoholiker in der Familie meiner Mutter. 3 sind schon tot, natürlich alle verfrüht gestorben. Es betrifft, so kann ich es zurückverfolgen, schon meine Urgroßeltern. Meine Oma und ihre Schwester haben sich dann jeweils auch Alkoholiker geangelt, meine Oma rettet mitlerweile durch ihren Bierkonsum selbst Regenwälder :( So wurden alle meine Blutsverwandten mütterlicherseits irgendwie durch dieses System, was du ansprichst, Melanie, geprägt. Von der Generation meiner Mutter ist sie die einzige, die auch alkoholkrank geworden ist. Wobei ich auch öftes vom Onkel mitbekomme, dass er einen Kater hat. Seine Frau ist auch EKA.
    Alle haben sie einen an der "Klatsche"- es gibt niemanden, der zu normalen Freundschaften in der Lage ist. Selbst die Patenkinder meiner Mutter, die keine EKAs sind, sind absolut panisch.. Angst vorm Leben, zu versargen, was falsch zu machen. Die Großcousinen meiner Mutter waren jeweils in der Psychiatrie, deren Kinder, die ich kenne, sind sozial absolut auffällig und kommen im Leben nicht klar, sind überall Außenseiter und ecken an.
    Irgendwie scheine ich diejenige zu sein, die sich damit überhaupt mal beschäftigt. Jeder will besser sein und dastehen als der andere, sie machen sich gegenseitig schlecht. Die Vergangenheit wird verklärt- der eigene Vater gar kein Alkoholiker. Also er war mal einer, aber dann war er wg einer OP im Krankenhaus, hat in diesem Rahmen einen Entzug gemacht und danach ist man dann kein Alkoholiker mehr.
    Die Wahrheit, dass er Tabletten als Ersatzstoffe bekommen hat, damit er dort 2 Wochen behandelt werden konnte, ohne das Zimmer auseinander zunehmen und danach direkt in der Reha weitergetrunken hat.. Das wird verdrängt und war auch nicht so. Dabei kenne ich ihn ja nur mit dem Bier und Schnaps in der Hand.. Und das war nach der OP. Aber ein Entzug befreit einen direkt von der Krankheit.

    Naja.. Wie kommst du mit dem System zurecht, Melanie?
    Ich habe den Kontakt zu dem o.g. Teil der Familie abgebrochen.

    Zitat von Melinak

    liebe irini,

    ja, was hoffen wir mütter dann auf eine gesunde vater kind beziehung. zu nem alkoholiker? vergiss es. auch die kinder sitzen im co boot drin und rundern mit. entschuldige das ich dir das grad so hart auf schreibe. ich weiss ich bin selbst mutter und hab darum gekämpft das wenigstens die kinder den vater haben und da eine gute gesunde beziehung entsteht. welch ein wahnsinn das zu glauben, denk ich heute. der vater ist krank, schwer krank und kann sich nicht mal um sein eigenes leben kümmern. wie denn dann um den nachwuchs? ich als frau habe abstand zu dem mann aufbauen können, mich trennen können ihn als ex mann sehen können und bin da raus. die kinder bleiben für immer kinder dieses mannes, der sich vater nennt aber nicht vater sein kann. zumindest bei mir.

    ich hörte irgendwann auf zu glauben das das alles gesund ablaufen kann, weil krank ist und krank bleibt, wenn er nichts ändern will. ich habe aufgehört damit zu kämpfen, weil es nicht meins ist um ne gute vater kind beziehung mich zu kümmern sondern die aufgabe des vaters das zu tun. ist er nicht in der lage es zu tun, weil er alkoholiker ist, dann kann ich es nicht ändern. ich kann den kindern lediglich vermitteln was alkoholismus ist, warum der vater so ist wie er ist und sie versuchen stark zu machen, das sie lernen mit der situation so um zu gehen, das sie gesund bleiben.das ist sehr schwer.die gedanken hab ich nicht mehr zu glauben das wird noch was.das die kinder leiden erlebe ich täglich und ich weiss als mutter tut mir das weh zu sehen.da zu stehen und nicht viel daran ändern zu können. ich bin da für sie, liebe sie, stehe hinter ihnen, stütze sie, halte sie wenn nötig oder lass sie los wenn zeit dafür ist. nur ich kann ihnen den vater nicht ersetzen oder für sie den vater verändern.spätfolgen werden sie selbst als erwachsenen dann überarbeiten können. darin liegt meine hoffnung in dem vertrauen in die kinder, das sie irgendwann von mir so viel mit bekommen haben an fähigkeiten, das sie sich dann, wenn nötig die hilfe suchen die sie für sich brauchen und ein gesundes leben aufbauen ohne diesen leidensweg den ich selbst als EK mit gemacht habe. ob das so sein wird weiss ich nicht. ich werde es sehen.ist ihr leben und damit werden sie leben müssen.

    gruß
    melanie

    Liebe Irini,

    ich kann als EKA nur zu 100% bei Melanie unterschreiben!
    Ich bin auch mit meiner Mutter aufgewachsen- ich wusste schon mit 3, dass da was nicht stimmt. Auch wenn Mutter dann nur abends getrunken hat und zu Beginn nur am Wochenende. Uns Kindern war dieser Zusammenhang (Abend-Wochenende-Mama komisch) fix klar. Auch wenn man sowas wie "betrunken sein" natürlich nicht begreift.

    Ich würde die These aufstellen, dass Kinder nicht nur den betrunkenen Zustand des Elternteils spüren, sondern auch alle anderen Veränderungen: Zwischen den Eltern UND natürlich auch die Stimmungsschwankungen des kranken Elternteils und den daraus resultierenden veränderten Umgang mit dem Kind an sich.
    Ich glaube nicht, dass dein Mann seine Erkrankung vor dem Kind vertuschen kann, sollte es mal für ein paar Tage bei ihm sein und dann nur von ihm (nicht von dir als Bezugsperson) betreut werden.
    Weil ich diesen Prozess in meiner Kindheit erleben musste, würde ich niemals m/ein Kind zur Betreuung zu einer alkoholkranken Person geben, selbst, wenn es der Vater wäre.

    Nunja, Kinder merken, dass etwas nicht stimmt. Ich empfand es immer als schlimm, dass ich merkte, dass da was nicht okay ist und alle anderen so taten, als wäre das nicht der Fall. Dadurch fühlte ich mich alleine gelassen mit meiner Angst, Schuld an der Situation (ist sie so komisch, weil ich tagsüber zu anstrengend oder generell ein schlechtes Kind bin?) und zwischendurch zweifelte ich auch an meiner eigenen Wahrnehmung. So geriet ich in den Co-Strudel, meiner Mutter alles recht machen zu wollen und ihr - was auch immer- schuldig zu sein.

    Daher finde ich den Ansatz deiner Psychologin eher zweifelhaft.
    Ich glaube nicht, dass du deinem Kind das volle Ausmaß präsentieren solltest ("Papa trinkt sich zu Tode"), aber zumindest kann man, wenn es Bedarf hat, darüber sprechen, dass er versteht, dass es ihm nicht gut geht, er nichts daran ändern kann, es nicht seine Schuld ist.. Aber eben kindgerecht. Und es merkt, dass die Wahrnehmungen, die es hatte, stimmen und okay sind und dass es damit immer zu dir kommen kann. Sonst, so hatte ich das Gefühl, könnte es sich von dir allein gelassen fühlen, dass du dich nicht um seine Gefühle kümmerst und er eben nicht mit allem zu dir kommen kann.
    So war es in meiner Familie und ich bin bis heute der Meinung, dass dieses "nicht sprechen können" unsere Familie zu dem gemacht hat, was sie heute ist.. Jeder lebt mit seinen Gedanken und Sorgen für sich alleine.
    Ich habe schon damals dieses Gefühl gehabt und heute bin ich mir dessen sicher.

    An dieser Stelle kommen wir zu dem Punkt, den Melanie auch schon nannte. Eine gesunde Beziehung zu einem Alkoholiker ist ja selbst für Erwachsene nicht möglich- weder als Paar, noch im Freundeskreis (wie ich aktuell feststelle). Auch für Kinder wird das nicht funktionieren- da ist immer dieses Abhängigkeitsverhältnis, die verdrehten Rollen. Außerdem kann man nicht wirklich ausschließen, dass er sich plötzlich zu sehr betrinkt und das Kind mitbekommt, wie der Vater (im besten Fall) vom Notarzt einkassiert wird.
    Mir ist es als 3- oder 4-Jährige passiert, dass Mutter plötzlich mit einer Alkoholvergiftung in der Ecke lag und niemand da war, der ihr helfen konnte. Nur mein kleineres Geschwisterchen und ich.
    Dafür gab es keine Vorzeichen, sie war damals sehr kontrolliert- nur an diesem Abend eben nicht.
    Selbst, wenn immer noch jemand anwesend ist und das Kind nicht alleine- das Kind bekommt doch trotzdem alles mit?

    Ich denke, du solltest nochmal eine/n andere/n Fachmann/-frau zu Rate ziehen und dir die Meinung anhören. Eine Spezialisierung auf Kinder ist da sicher nicht schlecht.
    Als Pädagogin würde ich noch sagen, dass es wichtig wäre, dem Kind aufzuzeigen, dass seine Wahrnehmung stimmt UND dass es nicht gut ist, was der Papa macht. Man darf nicht vergessen, dass sich Kinder sogar schon in den ersten beiden Jahren am Verhalten der Erwachsenen orientieren, lernen, wie man sich wann, wie verhält. Noch bevor sie sich ihrer selbst bewusst werden.
    Kinder sehen das Verhalten, erkennen es entweder als "nachahmenswert" oder "nicht nachahmenswert". Wenn sie also vom Verhalten des Elternteils nicht abgeschreckt werden, besteht die Gefahr, dass sie später selbst in diese Muster reingeraten.
    Und ich hätte Angst, dass meinem Kind eben dies passiert, wenn ich es nicht in seiner Meinung, dass es nicht okay ist, bestärke, sondern alles als "unbedenklich" unter den Teppich kehre.
    Immer alles auf kindgerechter Basis, aber nicht verleugnen.

    Einen schönen Abend euch allen!

    Hallo Rosa Li,

    es ist doch egal, ob er "Charakterfehler" ändern konnte bzw ob sein Verhalten mit der Vergangenheit zusammenhängst. Wichtig ist doch die Art, wie er nun mit dir umgeht und wie du dich nun dabei fühlst.

    Wenn er ruppig wird und fragt, ob du nun gehen willst oder du dich fühlst, als ob er dir indirekte Schuldzuweisungen macht, dann zählt doch, wie du dich dabei fühlst!

    Fühlst du dich manipuliert oder kleingehalten?
    Wenn du dich nicht wohl fühlst, solltest du über Konsequenzen nachdenken. Was für dich gut ist, nicht, welche Gründe oder Ursachen er (Minderwertigkeit, ein Suchtrudiment etc) haben könnte. Ich fürchte, das wäre dann dein altes Muster.

    Alle Liebe,
    Natalie

    Ja, diese Plakate sind der Knaller; knallhart und doch so wahr.
    In Deutschland laufen immer mal wieder Spots, in denen sich Kinder/Erwachsene den Ruf ruinieren, heftige Unfälle haben oder sonstwie Bockmist unter Alkoholeinfluss bauen. Ich habe das Mal mit Schülern besprochen- die nehmen das gar nicht ernst, weil das so schrecklich ist. Die können sich gar nicht vorstellen, dass sowas passieren kann. Das ist denen zu.. ich weiß nicht? Zu weit weg, zu unrealistisch.

    Am Wochenende darauf sah ich sie dann betrunken unsere Straße hochtorkeln- die waren 13, 14 Jahre alt.
    Heute haben Bekannte von mir ihre Verlobung bekanntgegeben. Eine Person davon ist auch alkoholkrank. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich total für die beiden, auf der anderen Seite denke ich nur, wie kann der Partner nur eine Verlobung eingehen? Die Co-Strukturen sind sooo offensichtlich! Die rennen echt in ihr Unglück.. Wargs.

    Zitat von Fingertip

    Das klingt bei dir so leicht: EINFACH eine Arbeitsstelle suchen. Ja SUCHEN tue ich seit Monaten, aber einen Vertrag habe ich noch nicht.


    Ich verstehe grad nicht so Recht, welche Betonung ich mir bei dem Satz vorstellen soll?

    Aber soviel dazu, ich habe auch in den Ferien jahrelang Pommes beim goldenen M gesalzen, weil es im Semester zeitlich wg der Anwesenheitspflicht nicht ging und ich auch vorher keine Ausbildung hatte. Gesund bin ich auch nicht, sondern schwer chronisch krank und die Medis hauen mich auch kräftetechnisch aus den Socken. Aber irgendwie ging es bisher immer weiter. Als es dann wg der Schichtarbeit in dem einen Laden nicht mehr ging, konnte mich dann eine Freundin zu dem neuen Arbeitgeber vermitteln.

    Nunja. Ansonsten habe ich auch nicht gesagt, dass du es mir nachmachen sollst, sondern lediglich geschildert, wie es damals bei mir war. Hätte ich damals die Möglichkeit gehabt, meine Eltern irgendwie zum Antrag ausfüllen zu bringen, hätte ich dafür alles getan. Nur die beiden weigerten sich schon, sich nur um ihre Lohnsteuerabrechnung zu kümmern.
    Es ist so natürlich angenehmer und natürlich kann man mit Job nicht die Leistung bringen, die man daohne aufbringen könnte.

    Wichtig ist natürlich, dass deine Mutter weiß, wieviel sie 2 Jahre zuvor verdient hat. Da braucht sie ihre Abrechnungen, die sie bei ihrem Arbeitgeber auch noch nachträglich anfordern kann.
    Hat sie diagnostizierte Depressionen oder sonstwas diagnostiziertes? Dann hast du ein Anrecht auf mehr Geld. Eine Freundin von mir kann die Depressionen der Mutter und auch Hüftprobleme des Vaters geltend machen.
    Aber, naja. Ich finds merkwürdig, dass du es deiner Mutter ankreidest, dass sie den Antrag nicht alleine auf die Reihe bekommt, es selbst aber nicht versuchen möchtest? Ich meine, ich kann doch von anderen nicht verlangen, was ich selbst nicht leisten möchte? Es ist schließlich dein Antrag. Wenn du möchtest, dass der pünktlich eingeht, solltest du dich schon selbst dahinterklemmen. So schwierig ist das nicht, wirklich. Einfach Zeile für Zeile ausfüllen, das ist selbsterklärend. Ansonsten kannst du ja noch bei deinem Sachbearbeiter anrufen, wenn du mit ihr nicht weiterkommst.
    Vorraussetzung ist natürlich, dass sie dir ihre Lohnabrechnungen zur Verfügung stellt.

    Vielleicht braucht deine Mutter einfach nur einen Schubser, sich daran zu begeben oder jemanden, der dann dabei ist. Meine Mutter hat manchmal depressive Phasen- da geht dann auch nichts mehr. Vielleicht ist es bei deiner ähnlich? "Kann ich nicht" ist dann auch die Antwort.
    Mutter schafft es wie gesagt nicht, sich einen Badeanzug zu kaufen, das Handy/den PC zu bedienen, Brille aussuchen.. Wäsche aufhängen. Ist dann alles ganz schwer.
    Meist hilft es dann, sich mit ihr dahinzusetzen, sich das anzugucken und dann stellt sie fest, dass es doch nicht sooo schwer ist. Dann gehts plötzlich.
    Depressionen können durch Alkoholmissbrauch entstehen bzw sind Auslöser dessen. Ist dieselbe Frage wie beim Huhn und dem Ei und trifft vllt auch auf deine Mutter zu.

    Naja, wie gesagt, wir schreiben hier oft sehr direkt. Das ist dann nie böse gemeint oder ein Vorwurf- aber die einzige Möglichkeit, dem anderen die Augen zu öffnen. Die Meinung des anderen zu zementieren ist gerade in den Selbsthilfeforen nicht gut, sonst kommt man aus seinem Kreislauf nicht raus.

    Also:Solidarische Grüße!
    Natalie

    Meine Mutter (meine offizielle Vorstellung findest du im Bereich "Co-Abhängige und Angehörige von Alkoholikern" unter dem Namen "Meine Geschichte") trinkt schon seitdem ich ein Kleinkind war.
    Also >20 Jahre.
    Btw. Deinen Thread im Vorstellungsbereich sehe ich nicht. Nur meinen eigenen.

    Inwiefern angesprochen? Meine Mutter oder die Familienangehörigen?

    Ich hatte schon immer das Gefühl, dass was nicht normal ist. Sie hatte üble Stimmungsschwankungen (ihre Meinung zu irgendwas wechselte alle 10Minuten), sie fluchte nur, war total ungeduldig, schlug uns viel. Es war mir einfach nur unangenehm.
    Also, dass was nicht ok ist, war mir immer klar. Dass sie Alkoholikerin ist, hörte ich rgendwann bei den Streitereien mit meinem Vater raus. Er stellte sie täglich zur Rede- geändert hat das nie was. Das ging bei ihr rechts rein, links raus. Auch Hinweise, dass sie Mutter sei, führten nicht zum Erfolg.
    Wobei "nichts geändert" ist relativ. Es wurd nicht besser, sondern immer schlimmer.

    Ich wusste so ca. bis zum Alter von 13, 14 auch nicht, was die Tragweite ist, wenn man von Alkoholismus spricht.. Erst dann hatte ich einen Internetanschluss und konnte mir Infos holen. Und als ich dann begann zu verstehen, was abgeht, wurde mir ein Maulkorb auferlegt- kein Wort zu niemandem. Wobei ich schon immer gebetsmühlenartig Sätze wie "Was in der Familie geschieht, geht niemanden was an" oder "Familie hält zusammen" hörte.
    Nunja.
    Mein Vater stand immer in Kontakt zu ihrer Familie, ich ging davon aus, dass die wussten, was bei uns los ist. Meine Oma ja, aber Mutters Geschwister taten so,als wüssten sie von nichts, als ich sie dann vor 3 Jahren anrief. Damals hat dann besonders eine meiner Tanten mir massiv die Schuld daran gegeben, dass es Mutter nun so schlecht geht, wie es ihr geht. Ich hätte ihr vieeeel früher bescheid geben sollen.
    Tja, die Wut trifft den Boten der Nachricht.

    Somit ist dann quasi das Verhältnis zur Seite meiner Mutter komplett hinüber gegangen. Wobei so auch vorher schon mir immer alle Schuld zuschoben. Deren Töchter wurden in den Himmel gelobt und ins beste Licht gerückt und bei mir wurd nur die Oberlippe angezogen. Typische Strukturen in einer Familie, die von Alkoholismus geprägt ist.

    Naja, mitlerweile denke ich mir, dass ich sie "machen lasse". Es hilft doch eh nichts. Wenn sie nicht aufhören will zu trinken, dann kann man sonstwas machen.. Aber sie wird immer einen Weg finden, sich die Sucht nicht einzugestehen. Also von daher schone ich meine Energie.
    Früher hab ich öfters mit ihr darüber gesprochen.. Manchmal lief sie nervös vor den Gesprächen weg, wurde dabei total hektisch.. Oder sie sagte nur "ja, ja, ja", manchmal noch ein paar höhnische Kommentare, oder sie gab uns die Schuld, trinken zu müssen. Also wirklich konstruktive Gespräche gab es nie. Daher lasse ich das nun auch sein. Ich hab mal mit einem Arzt darüber gesprochen, der dann eh schon sagte, dass es nun zwecklos wäre, da sie an den Folgen der Leberzirrhose sterben wird.

    Wie alt bist du, wenn ich fragen darf?

    Klingt nach dem Bafög-Antrag? Meine haben von Anfang an verweigert, ihn auszufüllen.
    Also habe ich mir eine Arbeitsstelle gesucht und nun gehts auch ohne.
    Bei meiner Mutter fällt mir auf, dass sie sich gar nichts mehr zutraut- für alles braucht sie Hilfe. Eine neue Brille kann sie nicht alleine aussuchen, sie fährt nach Prag, aber kann sich vorab nicht über die Stadt informieren.. Solche Unterlagen ausfüllen erst recht nicht.

    Tja, ob sie das alleine nicht hinkriegt oder einfach nur bequem ist- keine Ahnung.
    Ich würd ihr anbieten, mich gemeinsam mit ihr dahinzusetzen. Meine Mutter verweigert manchmal auch Sachen, weil sie will, dass ich sie dafür erstmal besuche.
    Aber wenn sie es alleine nicht ausfüllen kann, sämtliche Unterlagen dafür aber zur Hand hat- dann setz dich mit ihr zusammen hin und hilf ihr dabei.
    Das ist wohl am unkompliziertesten und schnellsten- die Anträge haben ja auch eine Deadline.

    Halla Tascha!

    Also, erst habe ich mich gefreut, dass du geschrieben hast, dass du nun Nägel mit Köpfen machst und eine Warnung ausgesprochen hast.
    Dann habe ich gelesen, dass er dich vor anderen Menschen misshandelt, in den Rücken tritt.. Bist du dir eigentlich bewusst, dass er dich damit in den Rollstuhl befördern kann? Aufwachen!
    Und was ging dann in dem anderen Raum weiter?

    Also, ganz ehrlich, damit hätte er sich bei mir die Chance auf eine Warnung verspielt, sondern direkt eine kleine Sammlung an roten Karten bekommen. Das ist ein Fall für die Polizei, aber nicht für eine Warnung.

    Deine Reaktion sollte der Situation angemessen sein, um Wirkung zu erzeugen. Wenn er trinkt und sich daneben benimmt, das ganze Geld versäuft- dann ist eine passende Reaktion eine Warnung.
    Wenn er dich schlägt, tritt.. Und das auch noch ungeniert vor anderen Menschen!!! Dann wird er eine Warnung nicht ernst nehmen. Die zeigt ihm nur, dass du keine wirklichen Konsequenzen ziehen willst und die Entscheidung weiter rauszögerst.
    Das ist so, als ob du einen Waldbrand mit einem Schnapsglas Wasser löschen willst.

    Bei körperlicher Gewalt jeglicher Form, erst recht so heftig, wie er getan hat, ist die sofortige Trennung samt Anzeige die einzig angemessene Reaktion.

    Du bist 19! Schmeiß doch dein Leben nicht so weg.
    Und ich sage dir, dass es nicht besser wird, wenn du eine Warnung nach der nächsten aussprichst. Wenn die Grenze der körperlichen Gewalt erstmal überschritten ist, dann zeigt er dir doch wirklich, dass er dich nicht achtet und respektiert.. Und das noch vor anderen Menschen, dass ist doch gleich noch demütigender und zeigt, dass er sich damit bei denen noch profilieren will. Wer weiß, was dann als nächstes passiert?

    Pack deine Sachen und geh! Such dir Hilfe, am besten bei einer Suchtberatung.

    Machen kannst du erstmal nichts. Die Erkenntnis muss sie selbst bekommen. Ich habe ja in deinem Thread im EKA-Teil von meinem Vater berichtet. Gespräche mit ihm laufen in der Regel wie folgt ab:

    "Mama ist schon wieder betrunken." Dann heult er sich aus und fordert, ich solle eingreifen "und was machen".
    Meistens gehen diese Gespräche dann so weiter, dass ich ihm erkläre, dass er co ist und sich selbst aufraffen muss, um irgendwas zu ändern, dass Mutter ja nun zig Gespräche hatte und es einfach nicht will. Dass sie sich wohl dazu entschieden hat, sich zu Tode zu trinken und dass wir sie davon nicht abhalten können. Dann schlussfolgert er, dass sich dann ja nie was ändern wird. Ich bestätige das, er will davon nichts hören. Ich sage ihm, dass ich dafür nicht zuständig bin, dass er sich entweder abfinden soll, oder endlich mal selbst den Hintern hochbekommen und Konsequenzen ziehen soll.
    Das wiederum kommt bei ihm nicht im Hirn an. Er sagt dann eine Weile nichts, dann wieder die alte Leier. Also hab ich ihm nach dem letzten Mal gesagt, dass ich auf diese ewige Wiederkehr des Gleichen (Nietzsche lässt grüßen) keine Lust mehr habe.. Und er sich entweder das zu Herzen nimmt, was ich ihm geraten habe. Dass es durchaus kompetentere Hilfe gibt als ich.. Dass er entweder zu dem neuen Hausarzt geht (der alte war da ein schlechter Ratgeber, da selbst Alkoholiker) oder direkt zur Suchtberatung. Er will sich aber selbst nicht damit auseinandersetzen, sondern alles bequem serviert bekommen- also war damit mein "Job" erledigt.
    Er weiß nun, dass es Hilfe gibt, er aber bereit sein muss, sie anzunehmen. Er ist dazu nicht bereit, da er noch viel zu sehr in diesem System drinhängt und wahrscheinlich auch selbst nicht aktiv werden will. Ich soll ja alles übernehmen, oder die Familie meiner Mutter. Die Familie schiebt aber selbst alle Schuld auf mich, also führt das auch zu nichts.

    Ich denke, du kannst bei deiner Mutter nichts ausrichten, ebenso wenig, wie du bei deinem Vater was ändern kannst. Die Co-Abhängigkeit ist eine eigenständige Krankheit/Sucht. Nur der betroffene kann sich selbst befreien. Wenn deine Mutter von deinem Vater loskommen will, kannst du ihr dabei helfen, ja. Aber du hattest ja schon geschrieben, dass sie das gar nicht möchte, sondern alle weiteren Einschränkungen und Unannehmlichkeiten in Kauf nimmt.
    Ich habe etwas die Befürchtung, dass die du von deinem Vater gelöst hast, was ja auch sehr wichtig ist, aber dich nun an deine Mutter klammerst und dort versuchst, sie vor ihrem Unglück zu bewahren- was aber leider nicht möglich ist, wenn sie weiter darauf zu läuft. Denk an dich und investier deine Energie nicht in deine Mutter! Wenn sie bereit ist, kannst du ihr Unterstützung anbieten.. Solange dies nicht geschehen ist, ist alle Mühe umsonst. Wie bei einem Alkoholiker.

    Hallo Seelchen!

    Ich bin in deinem Alter und habe ähnliches erlebt; meinen Thread dazu findest du im Angehörigen-Bereich.
    Bei mir ist es die Mutter, die auch schon seit bestimmt 22 Jahren trinkt. Mein Vater ist ebenso wie deine Mutter co-abhängig.
    Also ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen, die Misere begann, als ich 2-4 Jahre alt war.
    Ich weiß nicht, wie sehr du dich in das Thema schon eingelesen hast.. Wenn du dich hier durchliest, wirst du merken, dass wir uns alle dieselben Fragen stellen, dieselben Gefühle entwickeln.. Und die Süchtigen alle gleich mit ihren Kindern umgehen.
    Im Prinzip geht es aus Sicht der Abhängigen darum, aus einer Familie, in der Kinder zur Selbständig- und Unabhängigkeit erzogen werden sollten, ein System zu machen, das die Kinder in ihrer Entwicklung zur Unabhängigkeit hemmt, sie an sich bindet und sie kleinhält. Denn wenn sich die Kinder und Partner entfernen, steht der im Prinzip hilflose und schwache Alkoholiker alleine dort, hat seine Unterstützung und Halt verloren. Menschen, die ihm aus der Schei*e helfen, wenn er alleine und/oder betrunken nicht mehr klar kommt oder die als Prellbock funktionieren, wenn er aggressiv ist und einen Prellbock bräuchte.

    Also wird alles dafür getan, damit sich die Kinder und der Partner nicht normal entwickeln und entfernen, sondern emotional gebunden bleiben. Das merkst du an deinen Schuldgefühlen (sowohl deinem Vater als auch deiner Mutter gegenüber).. Die Gefühlsspielchen sind das heftigste Mittel, effektiver als Schläge.

    Ich bediene mich mal deines Beitrags,nimm mir meine Worte bitte nicht übel. Es ist nicht böse gemeint..

    Zitat von Seelchen87


    Manchmal, wenn ich hier so mitlese, frage ich mich ob meine Situation wirklich "schlimm genug" ist, denn geschlagen wurde ich als Kind nie (nur wenn es "nötig" war - also ganz selten mal eins auf den Popo). Vielmehr war ich schon früh der Sündenbock für meinen Vater. Sobald ich in irgendeiner Form in der Lage war, schuld zu sein, war ich es auch. Dafür musste es nicht einmal irgendeinen Grund geben - es reichte dass ich da war.


    Die erste Frage stellen wir uns wohl alle. Aber wenn die Situation nicht schlimm wäre, dann würdest du dich nun strahlender Gesundheit und Wohlbefinden erfreuen, ein normales Verhältnis zu deinen Eltern haben, ohne Grübeln nachts schlafen können.. Und würdest dir schlicht und einfach keine Gedanken machen. Dass du das doch machst, zeigt, dass etwas hängen geblieben ist, dass es doch schlimm war.
    Und: Also entweder wurde man als Kind geschlagen, oder nicht. "Wir wurden nie geschlagen... Nur dann, wenn...ganz selten." gibt es nicht. Zudem ist das strafbar (seit 2000), und das nicht ohne Grund. Schlagen ist Gewalt, Gewalt tut weh und hinterlässt Schäden und ist kein Erziehungsmittel. Es gibt KEINEN Grund, den man haben könnte, um Kinder zu schlagen. Auch wenn die Eltern es so darstellen- aber seine Kinder zu schlagen, ist das Allerletzte. Ich hab da mein Examen drüber geschrieben und mich da länger mit beschäftigt, meine Meinung steht fest.

    Das, was du im letzten Teil des Zitats oben geschrieben hast, ist eines der Mittel, um sich die Familie gefügig zu halten. Psychospielchen. Die EKAs fühlen sich schuldig, schlecht, haben ein schlechtes Gewissen, buhlen dadurch um Anerkennung, doch etwas Wert zu sein und, was auch immer sie angeblich getan haben, wieder gut zu machen. Und gieren ein Leben lang nach der Anerkennung, um die Minderwertigkeit loszuwerden, die sie als Kinder eingetrichtert bekamen. Dadurch, dass du so darauf angewiesen bist, bleibst du am Ball und tust eben alles, um den Süchtigen zu unterstützen- sonst weißt du, würdest du wieder Entwertung erfahren.

    Zitat von Seelchen87


    Abends war es immer am schlimmsten. Ich lag im Bett und wurde mit lauter Rockmusik terrorisiert. Die war tatsächlich so laut, dass kein Kind dieser Welt dabei hätte schlafen können. Oft endete dies in Streitgesprächen zwischen meinen Eltern, die ich auf der Treppe sitzend belauscht habe. Dinge wie "Dieses Kind verarscht mich jetzt schon seit xx Jahren" waren da Sätze, diebeispielsweise gefallen sind. Ich war damals nicht in der Lage, mich selbst freizusprechen von dieser Schuld

    Das gehört wohl auch dazu. Weißt du, körperliche Gewalt ist das eine.. Aber seelische Gewalt, also das, was du erfahren hast, ist mindestens genauso schlimm.. Studien belegen, dass es sogar schlimmere Schäden anrichten kann als körperliche Gewalt. Bei psychischer Gewalt merkst du häufig nicht, was dir angetan wird, denkst, die Eltern haben Recht, wenn sie sowas sagen, sind ja die Eltern.. Und dann ziehst du dir den Schuh an. Das perfide ist, dass dir Dinge angetan wurden, die du gar nicht so beschreiben kannst, die unterbewusst sind. Und diese Dinge sitzen am schlimmsten. Bei körperlicher Gewalt könntest du die Schläge beschreiben und als falsch erkennen.
    Dass du dich dagegen nicht wehren konntest, ist klar. Schließlich warst du ein Kind. Das wiederum ist auch der Grund, wieso dein Vater dich ausgewählt hat und keinen "gleichrangigen" Erwachsenen. Er wollte, dass sich sein Sündenbock nicht wehren kann.

    Zitat von Seelchen87


    und meine Mutter hat das auch nicht wirklich getan. Sie hat ihm immer zugehört, manchmal ein Gegenwort gehabt, aber mich wirklich verteidigt hat sie nie. Also fühlte ich mich immer schuldig, versuchte so gut zu funktionieren wie es nur geht. In der Schule und Zuhause - immer habe ich versucht, ihm keinen Anlass zu geben, abends wieder schlecht drauf zu sein. Wie groß war da die Enttäuschung, wenn das nicht geklappt hat und ich wieder versagt hatte.


    Es war die verdammte Pflicht deiner Mutter, dich von diesen seelischen Misshandlungen zu schützen. Bist du gar nicht sauer auf sie? Schließlich war sie deine Mutter, die die Pflicht hatte, dafür zu sorgen, dass es dir gut geht. Dein Verhalten, dass du versucht hast, sämtliche Anlässe zu vermeiden, zeigt, wie schlimm diese Psychospielchen gesessen haben. Mir würde es als Mutter das Herz brechen, wenn ich dabei zusehen würde, wenn mein Kind so leidet und ich nicht eingreifen möchte. Wie würdest du dich denn fühlen, wenn dein Mann sich so deiner Tochter gegenüber verhält? Würdest du nur zusehen?

    Das wirkliche Dilemma dieser Kinder ist, dass sie den "Realitätssinn" verlieren. Sie bekommen es vorgelebt, als wäre es normal, vom Vater so behandelt zu werden und als wäre es normal, dass die Mütter dabei zusehen und die Kinder aus diese seelengefährdenden Situation nicht befreien. Manche Eltern reden den Kindern noch ein, dass alles nicht so schlimm wäre bzw dass sie selbst schuld wären. Schließlich zweifeln die Kinder an ihrer eigenen Wahrnehmung und den eigenen Gefühlen, stellen sich auf die Seite der "Täter" und versuchen, weiterhin Anerkennung zu bekommen und verleugnen sich dabei selbst.

    Zitat von Seelchen87


    Das zog sich durch meine gesamte Kindheit. Meine Mutter bekam irgendwann starke psychische Probleme, erlitt diverse Zusammenbrüche und begab sich in psychiatrische Behandlung. Ihre Psychiaterin hatte ihr damals gesagt, sie solle sich trennen und ein Leben mit mir neu beginnen. Hat sie nicht getan.


    Das schlimme daran ist, dass deine Mutter sich selbst dafür entschieden hat, neben ihrem Mann so herzuvegitieren. Sie selbst hatte die freie Wahl, entweder ein neues Leben zu beginnen oder das alte bei ihrem Tyrannen weiterzuleben. Sie hatte sogar Unterstützung in Form einer Therapeutin an ihrer Seite. ABER du hattest keine Wahl. Du warst von ihrer Entscheidung abhängig und warst schutzlos, ohne Unterstützung.

    Zitat von Seelchen87


    Ich wusste das alles, denn ich wurde immer einbezogen in die Entwicklungen. War schon früh der Seelentröster und Zuhörer für meine Mutter. Ich hatte irgendwann das Gefühl, auf meine Mutter aufpassen zu müssen.


    Auch das ist eine Form von Missbrauch durch deine Mutter.
    Ich war jetzt neulich bei einem Coach und habe ihm ähnliches durch meinen Vater erzählt. Er heulte mich auch immer mit ihrem Problemen voll, schob Verantwortung auf mich ab oder gab mir die Schuld an Mutters Zustand. Mein Coach war entsetzt, wirklich erschrocken. Und es ist wirklich komisch, jemandem gegenüberzusitzen, der das typische Verhalten deiner Eltern, was du als normal empfindest, verurteilt. Aber er hat Recht- Eltern müssen sich um das Wohl der Kinder kümmern, ihnen ein stabiles Umfeld geben und sind alt genug, um ihr Leben selbst zu regeln. Wenn sie sich jedoch bei ihren Kindern ausheulen und beklagen, werden die Rollen vertauscht- Kinder, die Schutz und Sicherheit brauchen, werden mit der Verantwortung und dem Wissen über den Zustand der Familie überfordert. Zudem erfahren sie nie Schutz und Sicherheit- und das schädigt sie in ihrer Entwicklung und zieht Folgen bis ins Erwachsenenalter nach sich.

    Zitat von Seelchen87


    Wartete, bis sie schlief, um zu wissen dass sie nicht starb, weil er ihr etwas angetan hatte. Ich kontrollierte den Esstisch vor dem Abendessen, weil ich Angst davor hatte, er würde uns vergiften.


    Auch wenn sich das nun schlimm anhört: Sie wusste, auf was sie sich einlässt, wenn sie mit ihm zusammenbleibt. Sie hatte eine Therapeutin, die sie sicher über alle Konsequenzen aufgeklärt hat und hat somit Gewaltausbrüche deines Vater bewusst in Kauf genommen. Es ist nicht deine Verantwortung gewesen euch und sie zu beschützen, sondern ihre. Und auf den Schutz hat deine Mutter verzichtet.

    Zitat von Seelchen87


    Es war einfach immer Terror. Einmal wollte meine Mutter ihn verlassen, da holte er ein Messer und hielt es sich an die Pulsadern mit der Drohung wenn sie jetzt ginge würde er sich umbringen. Später, als ich etwa 19 war, kam das nochmal vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Grund. Da ist er mit einem Fön um die Badewanne geturnt.


    Das ist wiederum Verantwortung deines Vaters. Aber meist ist es so, dass gerade diejenigen, die mit Selbstmord drohen, es nicht tun würden. Die wirklichen Selbstmörder erzählen niemandem von ihrem Vorhaben, damit sie nicht abgehalten werden. Dein Vater hat dies bewusst als Druckmittel genutzt, weil er wusste, wie er euch/eure Mutter rumkriegt. Das ist ein oft genutztes Druckmittel, was die Süchtigen nutzen, um die Co-Abhängigen an sich zu binden. Hier im Forum liest du öfters von diesen Drohungen, umgebracht hat sich danach aber niemand.

    Zitat von Seelchen87


    Ich habe alles versucht. Schreien, Diskutieren, Ignorieren aber nie hat etwas geholfen. Irgendwann hat er mir böse Schimpfworte entgegengeschleudert "du bist einfach ne dumme kuh" zum Beispiel durch das ganze Haus gebrüllt.


    Jap, kenne ich. War bei uns auch so. Aber als Kind hat man dort leider keine Chance. An erster Stelle steht der Alkohol, dagegen kommt man nicht an.

    Zitat von Seelchen87


    Einmal, als ich seine Weinflasche immer wieder aus ihrem Versteck geholt habe - da war ich etwa 14 - ging er mir an den Hals. Diese Situation ist mir als furchtbare Erinnerung geblieben.


    Also hast du doch physische Gewalt erlitten?
    War bei uns genau so. Es wurd dann, wie gesagt, immer so dargestellt, als ob ich es verdient hätte..

    Zitat von Seelchen87


    Heute bin ich verheiratet und habe eine kleine Tochter. Nachdem mein Vater uns weiterhin mit boshaften Emails drangsalierte, habe ich letztlich im Mai diesen Jahres den Kontakt abgebrochen. Die Emails fließen weiterhin in meine Richtung, er versucht wo er kann, Einfluss auszuüben.

    Dass du den Kontakt abblockst, ist super. Ich würde vielleicht die E-Mail-Adresse ändern oder seine E-Mails sofort in den Spam-Filter leiten. Aber das ist gut! Gut, dass du den Kontakt abgebrochen hast. Irgendwann, wenn er merkt, dass er keine Reaktion bekommt, wird er Ruhe geben.

    Zitat von Seelchen87


    Ich habe ihm gesagt, ich bin bereit wieder mit ihm zu reden, wenn er eine Therapie macht und wenn er das nicht tut, dann bleibt alles so, wie es ist. Seine Antwort: "Dann bleibt eben alles wie es ist!"


    An erster Stelle steht leider oft der Alkohol. Das ist zwar schade, aber dann umso wichtiger, dass du konsequent bleibt, um dich und deine kleine Familie zu schützen.

    Zitat von Seelchen87


    Mich plagen schreckliche Gewissensbisse, da meine Mutter meine Tochter nun auch selten sehen kann. Sie übernachtet nicht mehr dort, weil ich einen klaren Cut herbeiführen wollte. Sie sind als Enkelin und Oma aber ein Herz und eine Seele und auch für meine Kleine tut es mir schrecklich leid. Meine Mutter verletzt das alles sehr und damit natürlich auch mich.


    Es ist sehr gut, dass du deine Tochter von deinem Vater fernhälst. Ich könnte mein Kind auch nie zu meinen Eltern geben, weil ich nicht möchte, dass sie das erleben, was ich erlebt habe. Ich möchte auch, dass sie vernünftig geprägt werden... Und nicht von Menschen, deren Erziehungsmaßnahmen und Vorstellungen ich selbst kennengelernt habe.
    Da bist du echt sehr weit! Dass du das selbst so eingesehen hast, das ist nicht selbstverständlich.
    ABER: Deine Mutter hat auch hier wieder die freie Wahl. Sie weiß, was zu Hause abgeht. Da fände ich es von ihr unverantwortlich, dass sie erwartet, dass dein Kind zu seinem Opa kommt, damit sie es öfter sehen kann. Sie hat die Wahl, sich zu trennen und mehr von Tochter und Enkelin zu haben und dazu noch ein selbstbestimmtes Leben führen zu können- oder eben, dass sie bei ihrem Mann bleibt und somit euch weniger zu Gesicht bekommt. Sie hat sich also für ihren Mann und gegen euch entschieden. Und auch hier hat sie die Verantwortung zu übernehmen. Dann auch auf verletzt zu tun und dir wiederum ein schlechtes Gewissen zu machen- wobei du dich endlich um die Sicherheit deiner Tochter sorgst, was sie bei dir als zweitrangig befunden hat- finde ich unter aller Kanone. Da bekäme sie von mir kein Verständnis, sondern müsste sich mit ihrer eigenen Entscheidung abfinden.


    Zitat von Seelchen87

    Ich hoffe sehr, dass sie sich von ihm trennt, denn ihr Leben mit ihm ist schlichtweg nicht lebenswert. Sie ist mit mitte vierzig eigentlich noch jung genug, neu zu beginnen, doch sie schafft es nicht, weil er ja im Grunde ein herzensguter Mensch ist. So ihre Worte. Sie arbeitet, er nicht und vor einiger Zeit sagte er zu ihr, er bliebe sowieso nur bei ihr wegen des Geldes. Und trotzdem ist sie noch da, ich verstehe das einfach nicht!


    Ich glaube nicht, dass sie sich noch trennen wird. Sie hat sooo viel durchgehen lassen. All die Misshandlungen dir gegenüber. Warum sollte sie ausgerechnet jetzt Konsequenzen ziehen, wenn er sagt, er sei nur wg des Geldes mit ihr zusammen? Es ist ihre Entscheidung, mit der sie zu leben hat.
    Dein Vater hat sich für den Alkohol entschieden- daran könnt ihr nichts ändern. Mit "bitte bitte" passiert da nichts.
    Deine Mutter hat sich für ihr Suchtmittel entschieden- deinen Vater. Und du kannst nichts ändern, sondern musst ihre Entscheidung akzeptieren.
    Sie ist schließlich erwachsen. Wenn sie es braucht, sich als Opfer zu fühlen- bitte. Ist bei meinem Vater auch so. Anscheinend fühlt er sich gut, wenn er sich beklagen kann, was er alles macht und wie Mutter es ihm "dankt". Er ist der gute, sie die böse. Manche Menschen brauchen es wirklich- so wie der Alkoholiker den Alkohol oder du Wertschätzung von deinem Vater.
    Es ist leichter gesagt, als getan. Aber die Situation bei dir zu Hause ist so, weil sich Menschen dafür entschieden haben. Dein Vater für den Alkohol, deine Mutter für deinen Vater und alle die unliebsamen Konsequenzen. Du hast dich dafür entschieden, den Kontakt auf Sparflamme laufen zu lassen und den insbesondere zwischen Vater und deiner Tochter zu unterbinden. Auch das ist dein gutes Recht. Also lebt jeder nach seiner Entscheidung und du solltest dir kein schlechtes Gewissen wg deiner Mutter machen. Sie wollte es so. Sie hat sich damals bei der Therapeutin dagegen entschieden, sie hat sich immer im Gespräch mit dir gegen eine Trennung entschieden. Also muss sie nun damit leben.
    Mach dir keine Gedanken um sie; ich gehe davon aus, dass deine Mutter weiß, dass du ihr helfen würdest. Aber sie lehnt die Hilfe ab. Für dich wäre es besser, wenn du das so akzeptierst und deine Energie in deine Tochter investierst.


    Zitat von Seelchen87

    Sie gewährt ihm häufig Vorrang. Beispielsweise kann sie uns nicht besuchen, wenn er das Auto braucht. Dazu muss ich sagen, er ist arbeitslos, sitzt den ganzen Tag in seinem Büro (das keinen Zweck erfüllt) und braucht das Auto nicht. Aber wenn wir uns verabreden, muss er plötzlich in den Baumarkt, Schleifpapier kaufen und sie lässt ihn einfach gewähren. Das macht mich innerlich rasend.


    Aber auch das ist doch eine Situation, die deine Mutter akzeptiert. Sonst hätte dein Vater doch gar keine Möglichkeit, dazwischen zu funken.
    Es gibt immer den, der fies und gemein ist und denjenigen, der sich so behandeln lässt.
    Mein Vater hat genauso versucht, mich wie Mutter unterzubuttern und kleinzuhalten. Ich habe vorher schon jahrelang mitbekomme, zu was das führt. Und habe mich gewehrt. Mit dem Vorteil, dass ich mehr Freiheiten und Rechte bekommen habe als meine Mutter UND dass er das, was ich mache, respektiert. Darauf kommt meine Mutter nicht klar, gibt bissige Kommentare ab. Aber, es ist ihre eigene Schuld. Hätte sie sich damals anders verhalten und würde nicht trinken, würde sie auch eine andere Position innehaben.

    Zitat von Seelchen87


    Ich weiß nicht, wo das alles noch hinführen soll. Wie ich mich überhaupt befreien kann, denn meine Mutter gebe ich um keinen Preis dieser Welt her. Dafür haben wir gemeinsam zuviel Mist erleben müssen mit ihm.


    Wenn dein Vater am Alkohol hängen bleibt, dann wird er sich früher oder später zu Tode trinken. Meine Mutter hat bereits eine Leberzirrhose samt Wasserbauch- irreversibler Zustand, nicht mehr viel Zeit. Das ist leider die Konsequenz für ihr Verhalten. Aber ich kann es mitlerweile akzeptieren, auch wenn diese Einsicht hart war und ist und es ihre Entscheidung für den Alkohol und gegen die eigenen Kinder extrem hervorhebt.
    Wenn deine Mutter weiter an deinem Vater kleben bleibt, dann wird sie weiterhin psychisch leiden. Aber auch sie weiß, auf was sie sich da weiterhin einlässt, hat viele Therapeuten kennengelernt, die sie aufgeklärt haben. Von der Entscheidung kannst du sie nicht lösen, es ist ihre Verantwortung. Es ist ebenso schwierig, sie aufzuklären, wie es schwierig ist, deinen Vater vom Alkohol zu lösen.
    Am besten befreist du dich, indem du verstehen lernst, in was für einem System du aufgewachsen bist, wie dich deine Eltern (auch deine Mutter) behandelt haben und zu was das geführt hat. So lässt das schlechte Gewissen nach. Auch gegenüber deiner Mutter. Du musst sie nicht hergeben- aber du solltest dir auch ihrer Schuld bewusst werden und akzeptieren, dass sie sich für ihr jetziges Leben entschieden hat.
    Menschliche Beziehungen sollten nicht auf diesen Schuldgefühlen basieren.

    Zitat


    Immer mehr spüre ich, dass all meine Unzulänglichkeiten etwas damit zu tun haben, was ich als Kind erlebt habe. Ich kann keinem vertrauen - nichtmal meinem Mann, obwohl er das wohl verdient hätte. Soziale Kontakte zu halten, fällt mir schwer und in Gesellschaft fremder Menschen fühle ich mich unsicher.

    Ja, das stimmt absolut, so geht es mir auch. Das sind die Probleme, die Kinder bekommen, wenn sie eben dieses Sicherheitsgefühl nie erfahren haben.. Wenn sie nicht gelernt haben, wie man in einer Familie gut miteinander umgeht, werden sie keine Freundschaften halten können, weil dort dieselben Kompetenzen gefordert sind.
    Wenn sie sich nicht von den Eltern wertgeschätzt fühlten, fühlen sie sich unwohl in fremder Gesellschaft.. Die Fremden könnten doch den selben Eindruck erlangen wie die Eltern?
    Mir geht es auch so... Kann kaum gescheit soziale Kontakte halten, nur zu Leuten, die mir nicht gut tun und sich selbst Mittel bedienen wie meine Eltern. Darüber habe ich ausführlich in meinem eigenen Faden im anderen Forum geschrieben.

    Ich habe mir nie etwas zugetraut.. Hab zig Semester in der UNi verloren, weil ich nicht zu Klausuren gegangen bin oder die Hausarbeiten nicht abgegeben habe. Meine Professoren könnten ja sehen, wie schlecht ich wirklich bin und mich abwerten.
    Ich habe Panikattacken vorm Examen, was nun ansteht. Das quält mich so ungemein, dass ich ohne Beruhigungstabletten nicht klarkomme. Bei meinem Freund sehe ich, dass er als Sieger durch die Prüfungen geht- alles 1.0.. Jedoch hatte er auch eine gute Familie, die Selbstzweifel erst gar nicht hat aufkommen lassen.

    Nunja, es ist harte Arbeit, sich damit auseinander zu setzen.
    Ich sehe es in der Verwandtschaft, wie selbst die Kinder der EKAs von dem EKA-Verhalten der eigenen Eltern geprägt werden, obwohl sie selbst mit keinem Alkoholiker mehr richtig Kontakt haben. Daher denke ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt, sich damit professionell auseinander zu setzen.

    Liebe Grüße,

    Natalie, die auch keine Mutter mehr hat.