Beiträge von Zimttee

    So, endlich ist es soweit :)
    Ich habe alles wichtige letzte Woche erledigt und nun die Zeit, meinen eigenen Faden hier zu beginnen.
    Ich lese schon seit einigen Monaten mit, kommentiere auch den ein oder anderen Faden. Daher folgt nun meine erste öffentliche Vorstellung :)

    Meine Mutter ist seit über 20 Jahren alkoholabhängig und mein Vater der hilflose und überforderte Co, der neben ihr ausharrt.
    In ihren beiden Schwangerschaften hat sie wohl nicht getrunken, aber zeitnah nach der Geburt des 2. Kindes angefangen. Daher kenne ich sie eigentlich auch nur so und das ist auch der Grund, warum wir keine Mutter-Tochter-Beziehung haben. Sie lebte immer in ihrer Welt, die Abstände, in denen sie sich abschoss, wurden immer kürzer. Wenn sie trank, dann wirklich, bis sie richtig einen im Tee hatte- manchmal lag sie auch stundenlang apathisch auf dem Sofa und nüchterte aus. Ihre Stimmungsschwankungen habe ich immer abbekommen. Sie hat mich immer niedergemacht als kleines Kind. Viel brauche ich dazu nicht zu schreiben, es waren die typischen Spielchen, die man hier vielfach nachlesen kann. Ich wurde immer runtergemacht, könne nix, wisse nix.. sei zu fett. Mein Geschwister hat weniger davon abbekommen.
    Ansonsten sind wir in Überforderung groß geworden, körperliche Gewalt war häufig ein Erziehungsmittel. Kaum kam sie mit uns nicht klar, holte sie den Kochlöffel. Wenn Vater von der Arbeit nach Hause kam, gabs nochmal eine Abreibung.
    Im Prinzip ist meine ganze Familie hinüber. Meine Eltern kommen miteinander nicht mehr klar, wissen keine Themen für Gespräche mehr, mein Geschwister wohnt noch zu Hause und leidet ziemlich und nimmt am Familienleben nicht mehr teil. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir uns früh ausgeklinkt- sind abends nicht mehr zum Abendessen an den Tisch gekommen, weil wir den Anblick nicht mehr ertrugen und haben die Tage, wenn wir aus der Schule heimkamen (man wusste nie, was einen erwartet- gutes Essen, angebranntes? Überhaupt etwas, oder liegt sie jetzt schon besoffen auf dem Sofa?) auf unseren Zimmern am PC verbracht, bis wir schlafen konnten.
    Das war psychische Misshandlung vom Feinsten. Und hat bei beiden tiefe Spuren hinterlassen, die natürlich, wie bei allen Familien mit Suchtproblemen, geleugnet werden.

    Nunja. Also ich habe im Prinzip keine Unterstützung gehabt beim Erwachsenwerden und keine Orientierung und wahrscheinlich auch keine gescheite Sozialisierung. Dazu noch die ständige Sorge.
    Momentan ist es so, dass ich mich emotional abgegrenzt habe. Ich habe einfach keine Lust mehr auf diese emotionalen Strudel, auf die Verantwortung, die mir dort zugeschoben wird. Schon, als ich noch ein Kind war, hat mein Vater sich abends aus dem Staub gemacht und uns mit Mutter alleine gelassen. Seine Worte zum Abschied "Passt auf Mama auf, dass sie nichts trinkt. Bleibt immer bei ihr!"
    Uns Kindern war klar, was passiert: Kaum ist er durch das Gartentor raus, gibt sie sich irgendwo im Haus die Kante und verlässt das Sofa die kommenden 4 Stunden nicht mehr. In der Zwischenzeit liegt sie dort, wird manchmal wach und guckt orientierungslos wie ein gestochenes Kalb durchs Wohnzimmer. Ekelhaft. Naja, wenn Vater dann nach Hause kam, bevor sie wieder ausgenüchtert ist, gabs Krieg. Er drückte ihr die Luft ab, schubste sie durch den Flur. Geschlagen hat er sie nie, aber so feste zugepackt, dass sie an den Armen blaue Flecken bekam. Das vor unseren Augen. Es war kaum auszuhalten.
    Es drehte sich alles um Mutter- schon wenn er nachmittags nach Hause kam, fragte er nicht, wie unser Tag war, sondern wir sollten Bericht über ihren Zustand geben. Von diesem Bericht hing dann die Stimmung zu Hause ab.

    Nunja, aus dem Strudel bin ich nun raus. Ich habe gelernt, an mich zu denken, mich in den Mittelpunkt zu stellen. Was sie macht, kann ich nicht beeinflussen. Hilfe hätte sie- von allen immer angeboten bekommen. Aber will sie nicht. Sie war natürlich zig mal im Krankenhaus, vor kurzem auch beim Hausarzt. Ihr Wasserbauch ist nicht zu leugnen, sie wird immer dürrer, hat aufgekratzte Stellen. Als meine Oma im hohen Alter starb, sah sie jünger und gesünder als als meine nun 40 Jahre jüngere Mutter.
    Kognitive Schäden nehme ich dank meines Studiums bei ihr auch wahr- meine Familie schaut noch drüber hinweg.
    Also das Kind ist definitiv in den Brunnen gefallen. Jetzt kümmere ich mich um mich und bin mir näher als in den Jahren zuvor. Ich habe mich in den letzten Jahren sehr verändert, auch äußerlich. Menschen, die mich in der Zeit nicht sahen, erkennen mich nicht mehr wieder. Persönlich bin ich viel selbstbewusster geworden, schaffe es, nein zu sagen.. Sorge für genügend Entspannung und Ruhe. Mutter hätte es lieber, wenn ich mich bis zur Erschöpfung abracker, denn nur dann ist man nicht faul- das ist auch oft genug schon passiert. Im letzten Jahr war ich drei Mal wg Erschöpfung beim Hausarzt. Nun lasse ich das nicht mehr zu.
    Räumlich bin ich eine km-Anzahl im dreistelligen Bereich weggezogen, bin alle 3 Wochen zu Hause, rufe 1Mal die Woche zum oberflächlichen Gespräch an. Bis vor ein paar Jahren war ich in jeder freien Minute zu Hause. Das ist nun anders.

    Ansonsten merke ich aber, dass sich diese Sozialisierung auf alles auswirkt. Am heftigsten merke ichs im Freundeskreis. Mein Partner ist Gott sei dank stabil und das beste, was mir passieren konnte. Dennoch leidet unsere Beziehung unter meinen familiären Problemen. Ich bin häufig sehr angespannt, was ihn verunsichert. Oder ich habe dieses typische Desinteresse von ihnen übernommen. Ich kenne es nicht, dass man sich für andere interessiert, Fragen nach dem Tag stellt. Oder wie der Urlaub ist. Damit kann er nicht umgehen, weil seine Eltern das komplette Gegenteil sind. Daran arbeite ich momentan.
    Aber "Freundinnen"- ich sehe dort die selben familiären Strukturen und Muster. Auch 3 Freundinnen mit einem Alkoholproblem. Viele "Freundschaften" sind von Respektlosigkeit mir gegenüber geprägt, eine schreit mich sogar öfters an, andere werten mich ab, um sich in ihrer Situation besser zu fühlen. Ich habe dort die selbe Position wie zu Hause eingenommen, wird mir so langsam bewusst. Ich denke, das ist meine aktuelle Baustelle. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass ich in eine Art Co-Abhängigkeit geraten bin bei einer Freundin (die, die gerne schreit, ohne zu merken, dass sie schreit). Nicht so heftig wie bei meiner Mutter. Aber ich merke nun ihre Manipulation deutlich und denke mir echt, was ich mir da habe einreden und gefallen lassen.
    Meine restliche Familie (seitens meiner Mutter) ist von diesen Strukturen auch geprägt. Es gibt mehrere Alkoholiker in der Familie, sodass sich diese Strukturen überall ausbreiten. Für alle bin ich der Sündenbock, das haben sie gemeinsam. Daher hab ich nun dort den Kontakt abgebrochen.

    Auch scheine ich alle "Opfer" magisch anzuzuziehen. Auf meiner Stirn steht anscheinend "Ich helfe euch allen" in leuchtenden Buchstaben geschrieben. Das gilt es zu ändern.

    Naja, ich weiß jetzt nicht genau, welchen Zweck mein Beitrag hat. Respekt an jeden, der ihn durchgelesen hat ;)
    Ich habe in das Angehörigenforum geschrieben, da es nicht zu 100% meine Familie betrifft- mit meiner Mutter komme ich auch klar. Das ist gesackt. Aber diese Unfähigkeit, richtige und nicht zweckbestimmte Freundschaften aufzubauen- die ist mein aktuelles Problem.
    Ich würde mich auf jedenfall auf euren Input freuen- was euch durch den Kopf geht. Vielleicht seht ihr Aspekte, die ich überlesen habe?
    Diesen "Aha-Effekt" hatte ich hier schon oft.. Vielleicht hilft er mir auch in diesem Bereich. =)
    Danke fürs Lesen!

    Viele Grüße,

    Zimttee

    Zitat

    Ich muss mir eingestehen, dass ich mir so einen tollen Strandurlaub nicht richtig goennen kann, weil ich weiss, dass er das grade nicht haben koennte. Ist das krank meinerseits?
    Dieses sich selbst nichts Gutes goennen zu koennen, da der Andere nichts Gutes hat. Oder so irgendwie. Also diese Gefuehle hatte ich auch ganz oft waehrend der Beziehung, sodass ich mich immer schlecht fuehlte, wenn ich mal "Spass" hatte, weil er ja so "litt"...... Sau schlimm.

    Ein Restgefuehl davon ist wohl immernoch uebrig geblieben.
    Kennt ihr das?

    Jap, letztes Jahr war ich auch auf Malle. Und in der Woche zuvor war ich mehrfach total traurig, dass ich hinfliege und eine wunderbare Zeit in einem sauteuren 4-Sterne Hotel haben werde und meine Eltern in ihrem Elend zu Hause sitzen und noch NIE in Urlaub geflogen sind- immer mit dem Auto. Und nur kurz in einem schlechteren Hotel, sonst immer in Ferienwohnungen.
    Tja, mich hat getröstet, dass sie das alles auch haben könnten, wenn sie denn wollten. Mal richtig sparen und dann mal nach Malle und nicht in Nachbarländer. Wollen sie aber nicht. Also ist es nicht meine Schuld- sie könnten es besser haben.

    Hey,

    ich träume auch manchmal davon- so verarbeitet man wohl das, was einem sonst nicht soo bewusst ist.

    Was Vererbung betrifft, bin ich auch sehr vorsichtig.
    Es gibt ein Gen, was eine solche Sucht begünstigen kann. Ich glaube, man erkennt Gen-Träger daran, dass sie eben kein Maß halten können und nach (auf Alkohol bezogen) 2 Gläsern nicht nein sagen können.
    Dies betrifft aber auch so Dinge wie das Essverhalten, nicht nur Alkohol.

    Und dann kommt es natürlich darauf an, in welchem Umfeld man aufwächst, wie Erwachsene es den Kindern vorleben, Alkohol zu konsumieren. Leben Kinder mit einem trinkenden Elternteil zusammen? Oder sehen sie, dass die Eltern Stress mit Essen konsumieren? Durch dieses "Lernen am Modell" (ich bin Pädagogin) übernehmen die Kinder das Verhalten der Eltern. Dadurch kommt natürlich noch, wie Kinder dieses Verhalten bewerten- als Abschreckung oder als angemessen und nachahmenswert.
    Ich habe von Statistiken gelesen, dass 30% der Kinder eines alkoholkranken Elternteils selbst alkoholkrank werden.
    ABER ich denke, du brauchst dir da keine Sorgen zu machen:
    dein Kind wird nicht in einer Umgebung sozialisiert, in der ungesund mit Alkohol umgegangen wird. Was dein Vater zu Hause betreibt, wird dein Kind nicht prägen.

    Bei mir ist es so, dass ich das Verhalten meiner Mutter als nichtnachahmenswert kennengelernt habe. Ich trinke kaum Alkohol. Allerdings kann ich bei Süßkram nicht aufhören, wenn ich begonnen habe.

    Genieß einfach die Zeit, du brauchst dir darum keine Gedanken zu machen. Aber ich weiß, es ist leichter gesagt als getan.

    Ich kann nachvollziehen, dass es dich ärgert- es ist wirklich sehr enttäuschend. Wozu braucht dein Vater dort auch ein Auto? Eigentlich hätte sie ihn auch fahren können.
    Ich denke, man sollte auch festhalten, dass sie zu nichts verpflichtet ist euch gegenüber. ABER es ist moralisch natürlich so eine Sache, wenn ihr die ganze Zeit euch um sie kümmert, sie sogar mit in den Urlaub nehmt, alles macht und tut- und sie dann, wenn es darauf ankommt, nicht einspringt. Ja, immerhin geht es um den Enkel.
    Ich würde dann auch denken, dass sie, wenn sie schon die ganze Zeit nimmt, im schlimmsten Fall einspringt und dann gibt. Aber sie hat sich nun umentschieden- wobei genau das auch nicht nett ist, sie hätte den Schlüssen von Anfang an nicht nehmen dürfen- so bekommt ihr den nicht rechtzeitig wieder, oder?

    Also, ich wäre auch sauer- aber da es ihre Entscheidung ist, musst du das wohl nun hinnehmen. Allerdings wäre nun auch mein Geduldsfaden mit ihr zu Ende und ich würde die kommende Zeit mit der Kleinfamilie genießen und mich von ihrem Leid nicht mehr zumüllen lassen. Ich würde sie fortan nun auch hängenlassen. Ich fürchte, wenn sie so ein resistenter Fall ist, kannst du da nichts helfen. Dein Vater muss wollen- sie aber auch. Wenn sie nicht will, kommst du nicht durch. Für die Co-Sucht deiner Mutter gelten auf ganzer Linie die selben Regeln wie für die Alkoholsucht deines Vaters. Und auch du darfst dich nicht zum Co deiner Mutter machen und versuchen sie zu bekehren. Wenn sie so leben will- bitte. Dann muss sie auch Konsequenzen tragen können und nun akzeptieren, dass sie es sich mit deiner Hilfsbereitschaft verbaut hat.

    Ahja, hier lesen natürlich auch Betroffene aus dem Alkoholiker-Bereich mit (genau so, wie wir manchmal bei ihnen linsen), da wäre es im Sinne des gegenseitigen Respekts angebrachter, einen Alkoholkranken nicht Alki oder Alk-Vater zu nennen.

    Hey L,

    wie kommst du dazu, dass es eine andere Frau ist? Es ist doch eher wahrscheinlicher, dass er nach einem Rausch irgendwo anders eingeschlafen ist.
    Abgesehen davon- wenn er jetzt zu einer anderen geht, dann.. naja. Dann ist es gut so, dass du dich von ihm lossagst. Dann zeigt das nur sein wahres Gesicht und wie er mit dir spielt. Ein Seitensprung als größte Demütigung.

    Viele Grüße,

    Natalie

    Hallo Miriel,
    JA, das kenne ich 1 zu 1. Diese Probs mit der Struktur oder dem Einhalten von Prüfungen. Hab auch schon sooo viele kurz vorher abgesagt, weil ich dachte, doch nicht gut genug vorbereitet zu sein. Und das ist, so ist mir nun bei einer Beratung klar geworden, nichts anderes als Prüfungsangst. Zu viel Perfektion, zu selbstkritisch und eben Angst, in der Prüfung zu versagen, dass Prüfer einen für unfähig halten und man das dann eben schriftlich bekommt oder eben die eigenen Erwartungen nicht erfüllt.

    Hey Miriel,

    Alleingänge wurden mir von dem Chefarzt verboten, von dem ich damals meine Diagnose bekam. Ich saß dort zur Diagnose und er sprach dann erstmal von Crashdiäten und Alleingängen ohne fachmännische Unterstützung. Ein Wink mit dem Zaunpfahl ;)
    Wie das nun ausschaut, wenn man gesund ist, weiß ich nicht. Aber nachdem ich nun diese amerikanische Gruppe kenne, würd ich es nicht mehr anders machen wollen- es ist so einfach ganzheitlicher. Bei mir ging es um ca. 20kg und die hätte ich ohne Unterstützung nicht geschafft. Aber da ist ja jeder anders.

    Der Punkt ist ja nicht nur, ob du ihm was bedeutest. Du kannst ihm ja auch wichtig sein, weil du einen Zweck erfüllst; ihn vor größeren Abstürzen bewahrst, ihm die Kohlen aus dem Feuer holst, sein Bettchen wärmst oder sonst was.
    Aber die Frage ist auf Dauer eigentlich, ob du die 1 bist, oder die Flasche diese Position einnimmt und du weit dahinter auf Platz 2 stehst?
    Wenn du dich mal im offenen Alkoholikerbereich umschaust, dann siehst du öfters die Frage, die COs stellen. Können nasse Alkoholiker ihren Partnern so lieben? Antwort: Nein, die Gedanken drehen sich immer um den Alkohol, Liebe ist es so nicht.
    Das sehe ich auch bei meiner Mutter. Ich glaube ihr schon, dass ihr die Kinder wichtig sind. Auch wenn sie uns das nie so sagte. Aber die Flasche stand wohl immer einen Tick dadrüber und alles wurde zum Feind, der ihr den Alk wegnehmen wollte.

    Ich weiß es nicht, ob es richtig bewusstes Handeln ist, oder ob sie das wirklich so glauben.
    Deren Logik ist fernab von dem, was wir uns vorstellen können und hat eine ganz andere Motivation und Intention- mit uns gar nicht vergleichbar. Und auch nicht vereinbar. Wir wollen sie warnen, ihnen helfen, vom Alkohol loszukommen- aber sie wollen genau das Gegenteil- weitertrinken.

    Wenn ich meine Eltern so zanken höre, glaube ich, dass es schon bewusstes Handeln ist, was Mutter abzieht- schon damals, als ich noch klein war. Sie unterstellte mir Dinge, die mir wehtaten, nur damit ich das Ausmaß ihres Konsums nicht Papa mitteilte. Ich glaube, es war schon bewusst. Und die Motivation dahinter war, ihre Sucht zu vertuschen und weitertrinken zu können.
    Nun weiß man eigentlich, dass immer, wenn Papa sie darauf anspricht, sie ablenkt und ihm den Ball zurückspielt.
    Bei einer "Freundin" war es so, dass ihr Alkoholkonsum vielen Leuten auffiel, alle sich das Maul zerrissen- und bei mir schrillten die Co-Alarm-Knöpfe. Also habe ich sie beiseite genommen und angesprochen. Reaktion: "Dreh dich hier mal um, wenn das die Definition ist, hat hier jeder dritte ein Problem. Alles unter Kontrolle, alles safe. Bei der einen Feier war auch alles safe bla bla." Dabei lief sie da wie ferngesteuert durch die Gegend, die Leute motivierten sie zum Weitertrinken.
    Naja.. Ich glaube, sie hat das wirklich geglaubt und ich sah keinen Zweck, weiter mit ihr dadrüber zu sprechen. Seitdem ist die "Freundschaft" vorbei- aber ich bin froh drum.
    Ich denke, der Knackpunkt ist, ob sie sich der Sucht bewusst sind?

    Auf der anderen Seite ist es auch egal- die Folgen sollten für uns zählen. Und das ist eben so, dass wir uns schlecht fühlen, an unserer Wahrnehmung zweifeln, sie unser Selbstbewusstsein untergraben etc. Das sollte für uns an erster Stelle stehen und nicht, ob es nun bewusst ist oder unbewusst. Wenn ich mich mies fühle, ist es nicht weniger schlimm, nur weil der andere unbewusst handelt.

    Hey Mia!
    Hier! Kenne ich auch!
    Sind bei euch in der Familie auch mehrere alkoholkrank?
    Ich habe bisher noch kein eigenes Fädchen gestartet, da ich momentan in der Prüfungsphase bin und sonst zu wenig für die Uni mache ^^ Aber in 1,5 Wochen werde ich auch hier mal meine Geschichte runterschreiben.
    Bei mir ist es auch so, dass mehrere meiner Familie (bzw. aus dem Strang meiner Mutter) alkkrank sind.
    Irgendwie ist dort jeder (wirklich jeder) entweder Co oder EKA. Aktuell gibts noch 2 Suchtkranke, (ua meine Mutter), ihr Vater (Nr 3 im Bunde) ist schon ewig tot. Die Familie hat sich so entwickelt, dass alle untereinander total distanziert sind, aber dennoch jeder nach dem anderen schielt und ihm Glück und Erfolg nicht gönnt. Zwischendurch wird noch ausgeteilt, wobei ich es da von allen Seiten als Sündenbock abbekomme.
    Ich finde es auch erschreckend, dass selbst EKAs ihre EKA-Muster an ihre Kinder weitergeben, obwohl niemand in der Kernfamilie (Vater, Mutter, Kind/er) abhängig ist. Diese Kinder haben den Knacks fürs Leben auch schon weg, ohne überhaupt sehen zu können, was da schief gelaufen ist, weil der Süchtige längst tot ist. Die haben jetzt schon eine Angst vorm Leben und sind neurotisch.
    Das zeigte mir, wie wichtig eine Therapie auf Dauer für mich ist- meine Kinder sollen da später nicht mit reingezogen werden. Planst du das auch?
    Nach meiner letzten Prüfung lasse ich mir einen Termin bei der Caritas geben- Beratungsstelle hab ich schon rausgesucht.

    Hm, du willst direkt auf den Tisch hauen?
    Ich hatte das auch zunächst vor- bis ich gemerkt habe, dass das gar nichts bringen würde. Die sind so realitätsfern, die wollen auch nicht wirklich sehen, was sie für Fehler machen und wie sie sich verrennen. Die wollen ihrer Wut und ihrem Hass nur ein Ventil (mich) geben. Jeder hat seine Rolle- der Süchtige, sein Co- aber auch die Familienmitglieder haben irgendeine, in der sie sich gut und bequem eingerichtet haben. Und wenn das nur bedeutet, dass sie sich bequem im Selbstmitleid suhlen und ihre Wut an mir ablassen- dann haben sie mir auch direkt eine Rolle gegeben, die ich doch bitte für sie behalten soll. Die sind gar nicht daran interessiert, zu erfahren, was ich als Wahrheit verstehe.

    Ich mache mich seit Monaten peu à peu aus dem Staub. In einem Vierteljahr, und damit rechnet hier keiner, werd ich meine Koffer packen und eine Stadt weiter ziehen. Und damit sind dann wohl die letzten Bande zerstört. Dann werde ich nur noch locker den Kontakt zu meiner Kernfamilie halten, der Rest kann mich mal gern haben.

    Ich denke, dass viele in diesem System noch glauben, dass die Familie doch irgendwann Anerkennung zollt, wenn sie nur lange genug warten. Kann das sein?
    Mit wem hast du denn genau die Probleme? Wenn ich fragen darf?

    Zitat von herzeloyde


    Ich frage mich gerade, was ich davon halten soll, dass er sich dagegen sträubt, eine eigene Wohnung in Deiner Nähe zu suchen. ....das hätte doch auch eine Möglichkeit sein können.

    Es klingt etwas so, als ob er sich nun fürs Trinken entschieden hat (hatte er nicht vorher schon den Alkentzug in unbekannte Zukunft verschoben?) und Angst hat, dass Lea, wenn er in ihrer Nähe wohnt, ein Auge drauf haben könnte und er nicht mehr unkontrolliert trinken kann?

    Er hat wohl gemerkt, dass du es ernst meinst und hat sich -wie so viele andere- für den bequemeren Weg entschieden?

    Zitat von inbetween


    Er meint, er hat den Alkohol mittlerweile im Griff (steht aber kurz vor der zweiten Abmahnung, weil er so verkatert war, dass er nicht zur Arbeit erschienen ist) und will eigentlich im Moment doch nichts ändern.


    Leider eine der vielen Parallelen hier. Bei uns zu Hause hat sich Mutter sogar für den Alk und gegen Sicherheit und Wohlbefinden der Kinder entschieden- ich mag gar nicht wissen, was in solchen Köpfen vorgeht?
    Was der Alk alles anrichtet, wie vernebelt sie sind? Aber immerhin zeigen sie so ihr wahres Gesicht und lässt dich nicht viel zappeln.
    Ich wünsche dir, dass du in ein paar Wochen froh über seine Entscheidung bist!

    Zitat von inbetween


    Aber da ich weiß, dass das Diskutieren nichts nützt, habe ich das Gespräch kurz gehalten.


    Sehr gut! Das beste, was du hättest machen können: Das Ruder selbst in die Hand nehmen.

    Zitat von inbetween


    und würde ihm nicht zutrauen, dass er tatsächlich kontrolliert trinken kann (ich weiß, dass er es nicht kann).


    Niemand traut ihm das zu, der einigermaßen bei Verstand ist. Außer vielleicht seine Saufkollegen, aber die sitzen ja im selben (sinkenden) Boot.

    Zitat von inbetween


    Wir haben vereinbart, dass wir die Funkstille auch wahren, bis ich dann eine eigene Wohnung habe und die Sachen abholen komme, die noch bei ihm


    Für dich das beste! Und ich wette- er wird sich wieder melden. Jetzt genießt er erstmal seine Pseudofreiheit- aber irgendwann wird er merken, dass sein Co ihm fehlt.

    Zitat von inbetween


    Ich danke Euch allen hier für alles, was Ihr geschrieben habt – es hat mir sehr geholfen, mir klar zu werden, was ich will und was nicht.
    Jetzt hoffe ich nur, dass ich gut über die dunklen Stunden kommen werde.


    Das war jetzt kein Abschied, oder? Ansonsten werden wir deine Beiträge sicher auch noch in der kommenden Zeit lesen und kommentieren.
    Und wenns jetzt auch erstmal dunkel wird- das ist wie bei einem Gewitter. Da zieht sich auch erstmal alles zusammen, es muss blitzen, donnern und regnen, dass danach wieder die Sonne durchkommen kann :)

    Ich hatte mal einen Partner, der viel zu viel trank. Hinterher war ich tottraurig (wie nach jeder Trennung, wenn ich sitzen gelassen wurde.) Ich glaube nicht, dass er sich nun geändert hat- und will mit seiner aktuellen nicht tauschen. Erst heute las ich bei einer anderen bei FB, dass ihr Partner heute den ganzen Tag stramm war und gesoffen hat. Aber deswegen war sie nicht sauer, sondern, weil er dann abends auch noch dreist nach dem Mittagessen gefragt hat. Sie hat ihm eine Szene gemacht, er ist wieder abgehauen, zum Trinken. Und sie sitzt nun mit Baby alleine da- ohne Perspektive. So etwas kann uns nicht mehr passieren!

    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommenden Tage!
    Hast du schon eine Planung, wie du die ersten Tage rumbekommst? Freundinnen schon erreicht?

    Vielleicht habe ich mich da auch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ich bin von mir ausgegangen, da mir solche Alleingänge verboten wurden- aber wenn bei euch nichts dagegen spricht?
    Ansonsten sehe ich das ja bei euch beiden auch, dass wir Cos uns irgendein Ventil gesucht haben, um die Probleme auszugleichen. Und in unserem Fall sogar dasselbe- Essen.
    Ich merke immer noch, wenn ich bei meinen Eltern bin, dass ich tausend ungesunde Sachen in mich reinstopfe- Schokolade, fettiges, Weingummi.. Wenn ich in meiner Wohnung bin, hab ichs unter Kontrolle. Aber hier bin ich sofort wieder getriggert.

    Hey Miriel,
    in welcher neuen Situation sollst du wieder einen Schlussstrich ziehen?

    Und ansonsten hast du doch oben geschrieben, dass du ein Prepaid-Handy hast.. Es wäre doch eine Idee, eine neue Karte beim selben Anbieter zu besorgen? Sodass er dich nicht mehr erreichen kann? Den anderen kannst du die neue Nr ja geben.. Aber ihm vorläufig nicht. Vielleicht ginge das ja?
    Ich fürchte, dass er nicht aufhören wird, dich zu kontaktieren. Solange, wie du ihm das nicht unmöglich machst.

    Ich stelle es mir auch vor, dass es anstrengend sein muss, ständig zu reagieren. Ich denke, es wird auch für dich eine Erleichterung sein, wenn du seine Anrufe nicht mehr erwarten musst.

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Ja, Lea, ich weiß, was du meinst. Bei mir gab es vor 3,5 Jahren den großen Knall, der mir den Boden unter den Füßen wegzog und mein Leben auf den Kopf stellte. Das war der Zeitpunkt, an dem ich "entweder oder" dachte.
    Ich habe danach mein Leben selbst in die Hand genommen und meinen Eltern die Macht gekürzt. Das find bei Kontovollmachten an und ging bis zum eigenen Job. Ich habe mich von einigen Freunden getrennt, die damals ohnehin nicht zu mir hielten- damals hat es Klick gemacht und ich habe mich da lösen können. Ich wusste, dass ich da was ändern muss, sonst würde ich selbst draufgehen.
    Und wie gesagt, seitdem rufe ich mir immer vor Augen, was ich will und überlege, ob das, was eingetreten ist, dem auch entspricht. Ich hoffe, so klappt es weiterhin.

    Hattest du seine Baustellen nicht gesehen? Wie erklärst du dir, dass seine Freunde ihn so positiv beschrieben und die Realität hinterher eine ganz andere war?